Umweltgeschichte Version 1.0 Melanie Arndt

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Umweltgeschichte

Geschichte der Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Natur

Umweltgeschichte ist die Geschichte der Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Natur – auf diesen kurzen und allgemeinen Nenner lassen sich die verschiedenen, mehr oder weniger konkreten Definitionsversuche dieses historischen Teilbereichs bringen.[1] Dabei wird beiden Seiten dieses Wechselverhältnisses, sowohl dem Menschen als auch der Natur, ein eigener Stellenwert eingeräumt, auch wenn sie als unauflöslich verschränkt gedacht werden. Das Interesse der umwelthistorischen Forschung richtet sich auf die von Seiten der Menschen beabsichtigten, insbesondere aber auch auf die unbeabsichtigten und langfristigen Folgewirkungen[2] ihrer Beziehungskonstellation mit der Natur. Die „dialektische Spannung"[3] zwischen dem Bestreben, die Natur zu beherrschen, und der gleichzeitigen unabänderlichen Abhängigkeit menschlicher Individuen und Gesellschaften von der Natur ist die Grundlage der Umwelthistorie. Umwelt und Geschichte sind ihr zufolge auf sehr komplexe Weise miteinander verbunden, und jede Umweltgeschichte ist deshalb letztlich zugleich auch eine Geschichte über Macht und Herrschaft.

Eine Besonderheit der noch relativ jungen historischen Subdisziplin besteht in ihrer Verbindung von Mikro- und Makroebenen. Ihre Beschäftigung mit regionalen Fragestellungen oder kurzen Zeitspannen schließt nicht selten auch Perspektiven der mittleren oder der langen Dauer sowie überregionale oder globale Zusammenhänge mit ein.[4] Die Umweltgeschichte bietet damit auch beste Voraussetzungen für transnationales Arbeiten. Zugleich birgt die Untersuchung konkreter Phänomene immer auch die Möglichkeit, „universale" Aussagen über die konstitutive Beziehungskonstellation der Umweltgeschichte zu treffen: Die Staubstürme der 1930er-Jahre in den Great Plains[5] lassen genauso verallgemeinernde Überlegungen über die Wechselwirkungen von Natur und Gesellschaft zu wie der Gummi-Boom in Brasilien[6] oder die Entwicklung des Ruhrgebietes.[7]

So prägnant die Formel von den Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur zunächst klingen mag, so ungenau ist sie bei näherer Betrachtung jedoch. Es besteht weder ein Konsens darüber, wie die Grenzen der historischen Subdisziplin zu ziehen sind, noch ist klar, was genau unter „Natur" oder „Umwelt" zu verstehen ist. Selbst „todesmutige" Versuche, eine kohärente Definition zu formulieren, wie sie Douglas R. Weiner 2005[8] unternahm, können letztlich nur verbuchen, dass die Umweltgeschichte einem „sehr großen Zelt"[9] ähnele. Andere Vertreter/innen sprechen von der Umweltgeschichte als „product of collective imagination"[10] oder einem „unevenly spreading blob".[11] Zu Recht konstatieren sie jedoch, dass eben genau in dieser bewussten Offenheit der Reiz der Umwelthistorie liegt, die in ihrer Struktur damit auch näher an die komplexen Erklärungszusammenhänge der Geschichte als „Gesamtwissenschaft" heranreicht. So umfasst die umwelthistorische Forschung ein breites Spektrum an Themen, angefangen bei sehr naheliegenden Feldern wie (Verschmutzungs-)Geschichten des Wassers, des Bodens und der Luft, der Wald- und Forstgeschichte, der Geschichte der Verwendung und Ausbeutung von Ressourcen, von Umweltgefahren und -katastrophen, dem Verhältnis von Mensch und Tier bis hin zu Ideengeschichten all dessen, was in verschiedenen Epochen unter „Natur" und „Umwelt" gefasst wurde, um vorerst nur einige Bespiele zu nennen. Gleichzeitig kreist die Umweltgeschichte immer wieder um Grenzen und Begrenztheit, in deren Wahrnehmung sie in vielerlei Hinsicht ihren Ursprung hat. Diese Wahrnehmung reicht mindestens bis zu Adam Smiths Hauptwerk „An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations" (1776) zurück, in dem er bereits die Grenzen der Bodennutzung aufzeigte.

Das Jahrhundert der Umwelt

Das 20. Jahrhundert ist mit einer Reihe von Metaphern belegt worden, in jedem Fall ist es aber auch das „Umweltzeitalter".[12] Aller Voraussicht nach wird auch das 21. Jahrhundert dieses Signum tragen können. Das vergangene jedenfalls war ein „verschwenderisches Jahrhundert",[13] das gekennzeichnet war von einer bisher unbekannten Beschleunigung von Entwicklungen in mehreren umweltrelevanten Bereichen, insbesondere im Verbrauch von fossilen Energieträgern, im Bevölkerungswachstum, im Einsatz von technologischen Neuerungen und schließlich auch der Urbanisierung. Gleichzeitig riefen diese Entwicklungen – ebenfalls zum ersten Mal in diesem Ausmaß – Akteure auf den Plan, die sich für die Umwelt bzw. für deren Wahrnehmung und Behandlung als schützenswertes Gut engagierten. Auch und vor allem aus umwelthistorischer Sicht muss deshalb von einem „Zeitalter der Extreme" (Eric Hobsbawm) gesprochen werden.

Entstehung und Relevanz der umwelthistorischen Forschung sind ohne diesen hier angesprochenen Zusammenhang nicht denkbar. Verknüpfungen der akademischen Forschung zu umweltpolitischen Debatten schienen zumindest in der Entstehungszeit der Subdisziplin unausweichlich und sind für die meisten Autorinnen und Autoren auch heute noch wünschenswert. Umwelthistoriker/innen sehen sich als „concerned scientists",[14] die den Anspruch haben, „nicht nur die Vergangenheit besser zu verstehen, sondern auch die Zukunft zu gestalten".[15] In der Umweltgeschichte sind also deutlich normative und politikbezogene Züge erkennbar – ohne dass jedoch von einer tatsächlich normativen Herangehensweise in der eigentlichen Forschungsarbeit gesprochen werden muss.

Als wichtigste Aufgabe der Umweltgeschichte gilt, der Natur als einem basalen historischen Faktor neben allen anderen Forschungsinteressen in der Geschichtswissenschaft Geltung zu verschaffen.[16] Die Frage danach, ob es dieses weiteren Komplexitätsniveaus in der Analyse geschichtlicher Phänomene tatsächlich bedarf, ob also die umweltgeschichtliche Betonung der Natur als Konstituens aller in der Geschichtswissenschaft untersuchten historischen Handlungsräume weiterführend und notwendig sei, kann nur bejaht werden.[17]

Die Umweltgeschichte ist nicht nur ein sehr weites, sondern auch ein ausgesprochen dynamisches Forschungsfeld. Anleihen aus verschiedenen Disziplinen ergeben sich geradezu zwangsläufig, denn die Herkunft vieler Umwelthistoriker/innen ist interdisziplinär.[18] Neben historischen Teildisziplinen gaben und geben vor allem Verknüpfungen mit der Historischen Geografie, der Geobotanik, der Forstwirtschaft, der Klimaforschung, der Kartografie, der Landschaftsökologie, der (Ökologischen) Anthropologie und der Ethnologie wesentliche Impulse. Dabei fällt es mitunter schwer, sich deutlich gegenüber anderen Disziplinen abzugrenzen, was auch Konfliktstoff birgt.[19] Alles in allem ist die Interdisziplinarität jedoch von großem Gewinn für die Umweltgeschichte und zeichnet sie immer noch gegenüber den meisten anderen historischen Subdisziplinen aus.

In den letzten Jahren sind einige Überblicksdarstellungen zur Umweltgeschichte erschienen. Im deutschsprachigen Raum besonders hervorzuheben sind die 2007 von Frank Uekötter in der Reihe „Enzyklopädie deutscher Geschichte" herausgegebene, hervorragend strukturierte „Umweltgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert"[20] sowie die im gleichen Jahr erschienene, sehr gute, lehrbuchartige „Umweltgeschichte" der Umwelthistoriker/innen Verena Winiwarter und Martin Knoll.[21] Beide sind als übersichtliche Einführungen in die komplexen Fragen der Umweltgeschichte bestens geeignet. Darüber hinaus bieten der 2003 erschienene Sammelband von Wolfram Siemann[22] und die im Titel etwas irreführende Monografie Franz-Josef Brüggemeiers aus dem Jahr 1998[23] sehr gute Einblicke in die Materie. Nach wie vor aufschlussreich sind der Sammelband von Brüggemeier und Thomas Rommelspacher,[24] bereits 1987 erschienen, sowie das von Werner Abelshauser herausgegebene Sonderheft der Zeitschrift „Geschichte und Gesellschaft".[25] Die globalen Zusammenhänge sind besonders aufschlussreich, provokativ und lesenswert von Joachim Radkau[26] und – nun auch in deutscher Übersetzung – von John R. McNeill[27] zusammengestellt worden.

Geschichte der Umweltgeschichte

Die Ursprünge der Umweltgeschichte liegen buchstäblich im wilden Westen der USA und in Australien und reichen etwa 30 Jahre zurück.[28] Im Mittelpunkt des Interesses stand damals das eng mit der Geschichte der USA und Australiens verknüpfte Konzept der „wilderness" und der „frontier".[29] Zwar entstanden auch schon lange davor Arbeiten, die unter „Umweltgeschichte" subsumiert werden könnten oder zumindest umwelthistorische Blickwinkel in sich trugen. Als historische Subdisziplin ist die Umweltgeschichte allerdings erst ab den 1970er-Jahren des letzten Jahrhunderts am Horizont der Geschichtswissenschaften auszumachen. Dabei entstand sie im engen Zusammenhang mit der Umweltbewegung, und nicht wenige ihrer Protagonisten gehörten selbst zu deren Akteuren, darunter der US-Amerikaner Donald Worster. Die American Society for Environmental History (ASEH) wurde 1976 gegründet – fünf Jahre nach dem ersten Bericht des „Club of Rome", der zum ersten Mal die „Grenzen des Wachstums"[30] anmahnte und noch heute umweltpolitisch wirksam ist.[31] Die Entwicklung der Umweltgeschichte in Europa und speziell in Deutschland setzte erst eine Dekade später ein. Zur Gründung eines europäischen Äquivalents zur ASEH kam es sogar erst 1999 mit der European Society for Environmental History (ESEH).

Im Folgenden werden zunächst die umwelthistorischen Grundbegriffe „Natur", „Wildnis", „Kultur" und „Umwelt" thematisiert. Daran schließt sich ein Plädoyer an, Umweltgeschichte als geschichtswissenschaftliche Grundkategorie zu etablieren, wie es Wolfram Siemann und Nils Freytag fordern. Zwei grundlegende Debatten der frühen Umweltgeschichte leiten danach über zu Periodisierungsvorschlägen. Anschließend werden umwelthistorische Methoden und Quellen vorgestellt und schließlich weitere Beispiele für thematische Schwerpunkte gegeben. Der Referenzrahmen für die Ausführungen ist in der Regel die deutschsprachige Umweltgeschichte, auch wenn hin und wieder (und viel zu selten) auf andere Entwicklungen verwiesen wird.

Zurück zur Natur? Grundbegriffe der Umweltgeschichte

Während im populären (und teilweise auch im wissenschaftlichen) Öko-Diskurs Bilder und Semantiken der Zerstörung und des Niedergangs dominieren, geht es der Umweltgeschichte nicht darum, eine „Verfalls- oder Dekadenzgeschichte"[32] zu schreiben, die im Menschen allein den „Schänder" einer einst unberührten Natur sieht. Indes ist es das Ansinnen der umwelthistorischen Forschung, das Verhältnis zwischen Mensch und Natur, das keinen idealen Urzustand kennt, zu historisieren. Damit wird der jahrhundertealte Ruf „Zurück zur Natur!" nicht bloß in Frage gestellt, sondern seine Absurdität enthüllt – gleichzeitig wird er somit selbst zum Forschungsgegenstand. Die „unberührte Natur" ist ein menschliches Konstrukt.[33]

Es geht demzufolge nicht nur darum, Umweltbedingungen der Vergangenheit zu rekonstruieren, sondern auch darum, wie sie die Zeitgenossinnen und Zeitgenossen perzipierten und interpretierten, wie sich Wahrnehmungen – beispielsweise von „Natur" oder „Umwelt" – wandelten und anhand verschiedener Interessen instrumentalisiert wurden. Die Umweltgeschichte räumt auf mit vielerorts und durchaus auch in der Geschichtswissenschaft verbreiteten Fehlannahmen, Klischees, Unkenntnis oder schlichter Bequemlichkeit. Umweltgeschichte bewirkt, so Wolfram Siemann und Nils Freytag provozierend, eine „Historisierung in Wirklichkeitsbereichen, welche dem traditionellen Historiker als zeit- und wandlungsresistent erschienen".[34] Die romantisch anmutende Zielsetzung, in Landschaften und dem Boden zu lesen, sie – ähnlich eines immer wieder beschriebenen Palimpsests – als Archivalien zu begreifen, die eigene „Gedächtnisse" haben,[35] wird von den Umwelthistorikerinnen und Umwelthistorikern ernst und damit das scheinbar Triviale und Unverrückbare unter die Lupe genommen. Das statische Naturideal der Menschen hat in ihrer Umwelt keine reale Entsprechung; ebenso wenig gibt es der Natur inhärente Werte, vielmehr ist eine der Grundannahmen der Umweltgeschichte, dass die natürliche Umwelt sich fortlaufend und auch vom Menschen unabhängig verändert. Die Wahrnehmung eines Niedergangs beruht allein auf menschlichen Wertvorstellungen.[36]

Die Rolle des Menschen als Teil der Natur wird von einigen Autoren besonders stark herausgehoben, etwa von William Beinart und Peter Coates, die Umweltgeschichte als Untersuchung der Wechselbeziehungen zwischen Menschen „und dem Rest der Natur" in der Vergangenheit definieren.[37] Joachim Radkau bricht diesen Gedanken bis auf den „Intimzusammenhang zwischen äußerer und innerer Natur" des Menschen herunter.[38] Er beschreibt die Mensch-Umwelt-Beziehung als ein in seinen Grundzügen sehr intimes Verhältnis, das eng verbunden ist mit körperlichem (hinzuzufügen wäre: psychischem) Wohlergehen und der Reproduktion. Radkau bezeichnet diese Relation, die bisweilen fälschlicherweise als „Biologismus" kritisiert wird, treffend als „primären Elementarzusammenhang zwischen Mensch und Umwelt".[39] Damit wird weder die Bedeutung von „Gesellschaft" noch von „Kultur" negiert, sondern darauf hingewiesen, dass diese als Teil eines Zusammenhangs materieller Lebensgrundlagen und der Fortpflanzung des biologischen Organismus „Mensch" aufzufassen sind. Sehr verschiedene Entwicklungen sind deshalb in umwelthistorischer Perspektive als Mensch-Umwelt-relevante Schlüsselinnovationen erkennbar: sowohl das aus Lateinamerika eingeführte Grundnahrungsmittel Kartoffel, dessen Anbau gleichzeitig die landwirtschaftliche Produktion veränderte, als auch Methoden der Empfängnisverhütung wie der Coitus interruptus. Diese elementaren Zusammenhänge zwischen Mensch und Umwelt sind vom Menschen immer wahrgenommen worden. „Umweltbewusstsein" ist laut Radkau im Wesentlichen Gesundheitsbewusstsein und damit alles andere als eine Erfindung des 20. Jahrhunderts.[40]

Kult der Wildnis

Im Spannungsfeld „Wechselbeziehungen zwischen Mensch und Natur" wird neben den beiden Polen (so man sie denn als unterschiedliche Pole betrachtet) „Mensch" und „Natur" mit Begriffen wie „Kultur" und „Umwelt" hantiert. Insbesondere in der nordamerikanischen und australischen Umweltgeschichte kommt das Konzept der „Wildheit" bzw. „Wildnis" („wilderness") dazu. Dabei bleiben die Differenzierungen nicht selten vage. Die Gleichsetzung von Begriffen wie „Wildnis" und „Natur" hat eine lange Tradition, die besonders stark seit der Aufklärung zutage trat.[41] Der Kult der (natürlichen) „Wildnis", der das „Wilde" einerseits als das „wahre, natürlich Gute", andererseits als etwas Bedrohliches, Barbarisches darstellt, ist tief verankert in der westlichen Ideenwelt. Er ist zu finden in frühen und schaurig-aufregenden Darstellungen der „wilden, nackten, grimmigen Menschenfresser-Leute"[42] über die Glorifizierung des Indianerhäuptlings Seattle als ökologischem Visionär bis hin zu Fernsehdokumentationen über die unberührten Weiten Sibiriens. Umso ernüchternder, im Sinne umwelthistorischer Erkenntnisinteressen und -perspektiven, aber auch weiterführend und charakteristisch wirkt dann die Tatsache, dass die vermeintliche Häuptlingsrede von 1854, deren „Erst wenn der letzte Baum gerodet […]" vor allem in den 1980er-Jahren leitmotivartig an den Wohnküchenwänden alternativer Gruppierungen prangte und Kultstatus erlangte, tatsächlich aus der Feder eines Drehbuchautors stammte.[43]

Dass sich das „so sinnlose Konzept"[44] „Wildnis" beharrlich halten konnte, lässt sich zu einem großen Teil mit einem tief verwurzelten „Kult der Virginität" erklären, der auf den menschlichen Grundbedürfnissen nach Sicherheit und Geborgenheit beruht.[45] Dabei war der Kult der Wildnis nicht nur ein ideengeschichtliches Phänomen, sondern hatte durchaus praktische Auswirkungen auf die Natur. Er war es schließlich, der Entscheidungen wie der Gründung des ersten Nationalparks in den USA 1872, des Yellowstone National Park, zugrunde lag. Dabei zeigte sich die ganze Widersinnigkeit des Konzeptes: Zum einen war das, was als „natürliche", schützenswerte Natur galt, tatsächlich unter dem Einfluss indianischer Brandwirtschaft entstanden. Zum anderen wurden die „Wilden", Angehörige indigener Bevölkerung, aus den Parks verdrängt.[46]

Natur versus Kultur

In totalem Gegensatz zur „Natur" wird traditionell das „Künstliche, Technische, durch Verabredungen und Vereinbarungen Geordnete, das Gemachte und Erzwungene, das Gestaltete und Kultivierte" gedacht,[47] kurzum das, was gemeinhin unter dem Begriff der Kultur zusammengefasst wird. Dabei lässt sich in der Geschichte der Kulturdeutung zwischen einem Fortschrittsmodell und einer Entfremdungs- und Degenerationsgeschichte unterscheiden. Am Anfang des Fortschrittsmodells steht der chaotische und entbehrungsvolle Naturzustand, der durch ein Aufklärungs- und Zähmungsprogramm erst kultiviert wird. Der Zustand der „höchsten Kultur" ist das Ziel dieses Modells, in dem die Kräfte der Natur entschlüsselt und zum Wohle des Menschen genutzt werden. Dem entgegengesetzt ist die Entfremdungs- und Degenerationsgeschichte, die von der (selbstverschuldeten) Vertreibung des Menschen aus dem (natürlichen) Paradies erzählt. Dabei handelt es sich um ein paradoxes Problem; schließlich ist es die menschliche Kultur selbst, welche auf die Natur wirkt (sie also „gefährdet" etc.), während gleichzeitig von dieser Kultur erwartet wird, die Natur zu schützen.[48] Rolf Peter Sieferle schlussfolgert also ganz konsequent, wenn er schreibt, dass bereits in der Forderung nach Naturschutz sich ein „vollständiger Sieg der Kultur" ankündigt.[49]

Der dritte Begriff, „Umwelt", ist – obgleich er für die Umweltgeschichte namensgebend ist – nicht weniger eine Metonymie als alle anderen grundlegenden Konzepte. Siemann und Freytag definieren „Umwelt" als jenen Bereich der Natur, der durch die Existenz und Einwirkung des Menschen zur Umwelt wird, die ihn umgibt und die ihn wiederum formt.[50] Bereits der Schöpfer des Begriffs, Jakob von Uexküll (1864-1944), unterstrich, dass jedes Lebewesen seine eigene Umwelt hat. So hängt es auch hier vom Sprechenden ab, womit dieser Begriff gefüllt wird. Um zu erfassen, wie breit die Spannweite des Terminus ist – von Umwelt als Natur bis hin zum sozialen Milieu –, reicht ein Blick in eine Zeitung oder auch eine umwelthistorische Abhandlung.

Umweltgeschichte als geschichtswissenschaftliche Grundkategorie

Wolfram Siemann und Nils Freytag fordern, Umwelt als vierte geschichtswissenschaftliche Grundkategorie neben Herrschaft, Wirtschaft und Kultur zu etablieren.[51] Sie untermauern ihr Ansinnen mit vier Argumenten, die einen Großteil der umwelthistorischen Grundannahmen aufgreifen. Erstens ist Umwelt demzufolge mehr als das Ergebnis des Zusammenspiels der drei anderen Grundkategorien Herrschaft, Wirtschaft und Kultur. Vielmehr ist die Umwelt, so die Autoren, eine biologische Grundkonstante des Menschen. Jedes menschliche Handeln ist demzufolge substanziell von der Umwelt abhängig. Zweitens sind, wie nicht zuletzt auch Radkau[52] eindrücklich beschrieb, Herrschaft und Umwelt untrennbar miteinander verwoben. Ökologische Effekte lassen sich kaum von historisch-politischen Konstellationen trennen. Natürliche Gegebenheiten setzen den Rahmen für den Auf- und Abstieg von Herrschaft. Die Verflechtung von Macht und Natur hat bis heute nichts von ihrer Gültigkeit verloren, selbst in Zeiten der – zumindest scheinbaren – Verflüchtigung von Nationalstaaten spielen Zugänge zu Ressourcen, sowohl bezogen auf Transportwege als auch Rohstoffe, eine entscheidende, konfliktträchtige Rolle. Dass sich dieses Verhältnis in der Zukunft zuspitzen wird, insbesondere in Bezug auf die knapper werdenden Ressourcen Wasser, Boden und Wald, gehört mittlerweile zum Allgemeinwissen. Gleichzeitig führte und führt diese Entwicklung zu einer verschärften Problemwahrnehmung, die nicht nur „grüne" Bewegungen, Parteien und andere Organisationen entstehen lässt, sondern auch vor Regierungen nicht Halt macht. Der Einfluss von ökologischem Expertenwissen auf Politikentscheidungen ist mittlerweile auf allen Ebenen ebenso identifizierbar wie der Einfluss von Nichtregierungsorganisationen auf gesellschaftliche Willensbildungsprozesse.

Als dritten Argumentationsstrang führen Siemann und Freytag die engen Wechselwirkungen mit wirtschaftlichen Prozessen an. Am sichtbarsten ist diese Verquickung in der Energieversorgung. Während die Umwelt bis in die jüngste Vergangenheit als „freies Gut" galt, als Ressource, die im Produktionsprozess keine oder nur geringe Kosten verursacht, müssen nun die enormen Kosten mitgerechnet werden, die durch die Nutzung dieser Ressourcen entstehen. Wie eng Wirtschaft und Umwelt zusammenhängen, hat Christian Pfister[53] am Beispiel der Schweiz bewiesen. Wenn auch die Bezeichnung „1950er Syndrom" – siehe dazu weiter unten – nicht unumstritten ist, so sind die Aussagen, die er unter diesem Titel trifft, sehr überzeugend.

Die Verbindung von Umwelt und kulturellen Aspekten nennen Siemann und Freytag als letzten Grund für die Etablierung der Umweltgeschichte als geschichtswissenschaftliche Grundkategorie. Die menschliche Naturwahrnehmung ist immer kulturell geprägt. Als Paradebeispiel für diesen Zusammenhang zitiert die deutsche Umweltgeschichte gern die Lüneburger Heide. Erst die jahrhundertelange Nutzung des Lüneburger Waldes durch Mensch und Tier ließ die Kulturlandschaft Lüneburger Heide entstehen, die heute ein Naturschutzpark ist. Sie ist ein eindrückliches Beispiel dafür, dass Naturschutz heute genau genommen Kulturlandschaftsschutz ist.

„Anthropozentristen" versus „Nicht-Anthropozentristen" und „Holznot"

Zwei Debatten, die die Anfangszeit der Umweltgeschichte im engeren Sinne prägten – erstens die Kontroverse zwischen den sogenannten Anthropozentristen und den sogenannten Nicht-(oder Bio-)Anthropozentristen sowie zweitens die sogenannte Holznot-Debatte – scheinen mittlerweile ausgefochten zu sein. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung zwischen den „Anthropozentristen" und den „Nicht-Anthropozentristen" stand die Festlegung des umwelthistorischen Forschungsgegenstandes – Mensch oder Natur? Die Frage, ob die Natur ein Eigenrecht habe, wuchs sich quasi zur Gretchenfrage der Umweltgeschichte aus, war aber im Grunde genommen lediglich ein „Schaukampf".[54] Heute herrscht weitestgehend Einigkeit darüber, dass alle Herangehensweisen und Fragestellungen sozusagen „naturgemäß" anthropozentrisch begründet sind. Eine Geschichte der „Natur als solcher" kann nicht geschrieben werden.

Die enge Verknüpfung aktueller Umweltthemen mit umwelthistorischen Fragestellungen vor allem in der Frühphase der Subdisziplin äußerte sich in all ihrer Brisanz in der sogenannten Holznot-Debatte der 1980er-Jahre. Das medial angefeuerte „Waldsterben"[55] und die Diskussion um Energieressourcen in Deutschland lösten eine Kontroverse um die angebliche Holznot im 18. Jahrhundert aus. Vor allem Radkau war es, der die in der Forstgeschichte als unumstritten geltende Holzknappheit des 18. Jahrhunderts in Frage stellte.[56] Er wies auf die machtpolitische Instrumentalisierung des Waldes und des Holznotalarms hin und machte damit erstmals in dieser Deutlichkeit auf die Verbindung von Natur und Macht aufmerksam.

Ein Konzept, das im Zuge der ursprünglichen „Holznot-Debatte" in der deutschen Forstwirtschaft entstand und sich ursprünglich nur auf den Wald bezog, ist das der Nachhaltigkeit. Aus der nordamerikanischen Umweltgeschichte, wo „sustainability" seit mindestens 20 Jahren einen festen Platz einnimmt, wurde das Konzept schließlich wieder nach Deutschland reimportiert.[57] Spätestens seit der ersten Umweltkonferenz in Rio de Janeiro 1992 ist es in (nahezu) aller Munde.

Periodisierungen in der Umweltgeschichte

Selbst wenn Frank Uekötter mit einigem Recht einwendet, dass eine Periodisierung aus umwelthistorischer Sichtweise schwierig sei, weil es aufgrund der zeitlichen Divergenz zwischen Entwicklungen der natürlichen Umwelt (sehr langsam) und der menschlichen Geschichte (viel schneller) an markanten Zäsuren mangelt,[58] können doch einige immer wiederkehrende Eckpunkte in der auf die westliche Welt bezogenen Forschung ausgemacht werden, die sich als eine Periodisierung lesen lassen. Durchgesetzt hat sich eine grobe Einteilung in mindestens vier Phasen, wovon zwei zeithistorisch relevant sind, die wiederum noch einmal unterteilt werden können.[59] Der groben Struktur von Franz-Josef Brüggemeier[60] folgend sind das: „Vor dem Umbruch", „Der Umbruch im 19. Jahrhundert", „Weimarer Republik und Nationalsozialismus" und die „Welt nach 1945".

Die Zeit „vor dem Umbruch" umfasst die vorindustrielle Agrargesellschaft, die fast vollständig auf nachwachsenden Rohstoffen beruhte, wobei Holz als Zentralressource eine entscheidende Rolle spielte.[61] Im 19. Jahrhundert vollzog sich die Entwicklung vom umwelthistorischen Ancien Régime zur Industriemoderne. Das Jahrhundert war gekennzeichnet von einer Vielzahl umweltrelevanter Umbrüche. Fossile Energieträger ersetzten zunehmend das Holz. Mit der Bauernbefreiung, der Auflösung der Allmenden, der Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion und der Ödlandkultivierung wandelte sich die Landwirtschaft tiefgreifend. Der Wald wurde zunehmend vermarktet und kapitalisiert. Die akademische Forstwirtschaftslehre entstand. In den wachsenden Städten verursachten mangelhafte hygienische Zustände die schnelle Ausbreitung von Epidemien, allen voran die Cholera. Schädigende Einflüsse des Menschen auf die Umwelt nahmen zu. Gleichzeitig wurden sie insbesondere durch Luftverschmutzung und Lärmbelästigung immer wahrnehmbarer, was schließlich auch dazu führte, dass erste Gegenkräfte aktiv und erste Gegenmaßnahmen ergriffen wurden, beispielsweise durch den Bau zentraler Wasserversorgungssysteme in Berlin 1852 oder Magdeburg 1858. Die widersprüchlichen Erfahrungen und negativen (Umwelt-)Auswirkungen der Industrialisierung und Verstädterung waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein viel diskutiertes Thema. Obwohl der Kreis der Kritiker dieser Entwicklungen verhältnismäßig klein war und auch für sie nicht immer Natur und Umwelt im Vordergrund standen, weist Brüggemeier deshalb zu Recht darauf hin, dass von einer „allgemeinen, ungebrochenen Fortschrittsbegeisterung" keine Rede sein kann.[62] Insgesamt herrschte jedoch ein breiter Konsens darüber, dass das wirtschaftliche Wachstum und damit auch die Förderung der Industrie vorrangig seien. Mit der Blütezeit der Sozialhygiene in der Weimarer Republik rückten die Umweltbedingungen immer mehr ins Blickfeld des medizinischen und sozialpolitischen Interesses. Gleichzeitig wandten sich immer mehr Menschen der noch im Kaiserreich entstandenen Heimat- und Naturschutzbewegung zu. Damit einher ging eine zunehmende Wahrnehmung der „Natur" als schützenswertes Gut.

Die Nationalsozialisten setzten einen Teil der Naturschutztraditionen der Weimarer Republik fort und stellten die Natur- und Bodenbindung des Menschen ideologisch in den Mittelpunkt.[63] Als „Stachel für die historische Reflexion"[64] bezeichnete Radkau umwelthistorische Aspekte der Zeit des Nationalsozialismus. Insbesondere im Bereich des Naturschutzes schufen die Nationalsozialisten zumindest auf gesetzlicher Ebene epochale Veränderungen. Das Reichsnaturschutzgesetz vom 26. Juni 1935 war ein für die damalige Zeit beispielloses Regelinstrument, das über den Schutz von Naturdenkmälern und Reservaten hinausging. Es sah vor, Naturschutzaspekte bei sämtlichen landschaftsverändernden Planungen zu prüfen. Selbst beim NS-Lieblingsobjekt Autobahnbau favorisierten die Planer „naturgemäße" Kriterien, allen voran die geschwungene Linienführung, die sich – anders als die geraden Eisenbahnstrecken – dem Gelände anpassen sollte. In Fragen des Landschaftsschutzes und umweltverträglicher Technikgestaltung waren selbst im Nationalsozialismus kontroverse öffentliche Debatten zugelassen, eine verbindliche Parteilinie gab es nicht. Gleichzeitig boomten die Verwertung insbesondere industriellen Abfalls und die Rohstoffrückgewinnung. Insgesamt lässt sich dennoch keine positive Umweltbilanz der NS-Autarkiepolitik ziehen. Es mangelte nicht nur an einer breiten Umweltschutzallianz; viele Ansätze kamen auch über das Regelwerkstadium nicht hinaus. Die Nationalsozialisten verstießen selbst gegen ihre Umweltgesetze, und ein Großteil der Entwicklungen ist nicht von deutschen Kriegsvorbereitungen und Rechtfertigungsstrategien für die Erschließung neuen „Lebensraumes" zu trennen.[65]

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann ein bis dato beispielloses wirtschaftliches Wachstum, das aufgrund des einsetzenden Schubs des globalen Energieverbrauchs als welthistorisch einzigartiges Phänomen angesehen werden kann. Pfister prägte für diese Zeit den Begriff des „1950er Syndroms".[66] Als Ursache machte Pfister die billigen Preise für fossile Energieträger, insbesondere Erdöl, aus. Er plädiert dafür, die beiden Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital als geschichtsrelevante Erklärungsfaktoren um Energie zu erweitern. Pfister verknüpft wirtschafts-, sozial- und umwelthistorische Aspekte. Der drastisch gestiegene Energieverbrauch änderte die Lebensweise der Mehrheit der westeuropäischen Bevölkerung grundlegend und eröffnete ganz neue Handlungsspielräume, die auch aus mentalitätsgeschichtlichem Blickwinkel interessant sind, weil sich Werteprioritäten zu verschieben begannen. Die 1950er-Jahre stellen für Pfister die „Sattelzeit" zwischen der Industriegesellschaft und der Konsumgesellschaft dar, die eng mit einer zunehmenden Massenproduktion verbunden war. Gleichzeitig nahm die Umweltbelastung rasant zu, die nun vermehrt auch durch die Verbraucher/innen selbst verursacht wurde.

In die aktuelle Zeitgeschichtsdiskussion um die Epochenschwelle 1970er-Jahre reiht sich die Kritik Patrick Kuppers an Pfisters These des „1950er Syndrom" ein.[67] Er stellt die „Diagnose", dass eine umfassende Neudefinition der Mensch-Umwelt-Beziehungen erst nach 1970 einsetzte – und nicht wie von Pfister veranschlagt bereits seit den 1950er-Jahren. Statt einer „Wachstumsbeschleunigung" macht Kupper ein „exponentielles Wachstum" aus. Der von Pfister verwendete Begriff „Syndrom" verfehle die hohe Stabilität in den „langen 1950er Jahren",[68] die die „Patienten", das heißt die Zeitgenossinnen und Zeitgenossen, kaum als „krankhaft" erlebt hätten. Die Interpretation der Umweltverschmutzung als gesellschaftliches Syndrom begann seiner Meinung nach erst 20 Jahre später mit dem Aufkommen eines neuartigen Umweltbewusstseins.[69] Kuppers Argumentation folgend, schlägt Jens Ivo Engels vor, von den 1970er-Jahren als „ökologische Wende" zu sprechen.[70]

Methoden und Quellen der Umweltgeschichte

Die große Attraktivität der Umweltgeschichte und ihr Innovationspotenzial basieren auf ihrem Methodenpluralismus. Ein Spezifikum der Umwelthistorie ist dabei die Kombination von historischen und naturwissenschaftlichen Methoden,[71] zumindest dann, wenn es nicht nur um eine reine Perzeptionsgeschichte geht. Naturwissenschaftliche Grundkenntnisse sind in jedem Falle hilfreich. Dieser Pluralismus und die unterschiedlichen Versuche der Integration machen die Umweltgeschichte aber auch zu einer „prekären Disziplin",[72] der es zwangsläufig an einem klaren thematischen und methodischen Profil mangelt. Die Methodenvielfalt offeriert einen bunten Fundus an mehr oder weniger außergewöhnlichen Quellen. Neben den klassischen Archivbeständen rücken beispielsweise Forstunterlagen in den Blickpunkt. Aber auch andere „konventionelle" Quellen, wie Behördenschrifttum und Reiseberichte, können neu gelesen werden. Neue oder zuvor kaum beachtete Quellen, die teils nur mit naturwissenschaftlichen Methoden lesbar werden und klassisch ausgebildeten Historikerinnen und Historikern zunächst wie eine fremde Sprache erscheinen mögen (und für Zeithistoriker/innen nur bedingt von Interesse sind), können für Langzeitstudien gewinnbringend herangezogen werden – etwa die Analyse erhaltener Pollen, des Holzes (Dendrochronologie), von Knochen (biologische Anthropologie), versteinerten Fossilien (Paläontologie), organischen Überresten (Radiokohlestoffdatierung) oder im ewigen Eis eingeschlossener Luft (Paläoklimatologie).

Themen der Umweltzeitgeschichte

Engels bemängelte 2006 die geringe Bedeutung umwelthistorischer Fragestellungen in den Leitdebatten der Zeitgeschichte.[73] Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Gerade im „Umweltzeitalter" und in Anbetracht der bereits geleisteten Arbeit ist das kaum erklärlich. In einem so dynamischen Feld wie der Umweltgeschichte ist es schlichtweg unmöglich, einen umfassenden Themen- und Literaturüberblick zu geben. Deshalb werden im Folgenden nur Tendenzen und Beispiele genannt, wobei der Schwerpunkt auf der deutschen, europäischen und (nord-)amerikanischen Umweltgeschichte liegt. Das ist eine kaum entschuldbare Unzulänglichkeit, weil es auch viele interessante Studien in und über Asien, Afrika, Australien und nicht zuletzt Lateinamerika gibt, die hier aber aus Platzgründen vernachlässigt werden müssen.[74] Neben den bereits erwähnten Themen hat sich die Umweltzeitgeschichte bisher am intensivsten mit der Geschichte des Natur- und Umweltschutzes in allen seinen Facetten auseinandergesetzt.[75] Dabei spielen Umweltpolitik und Umweltbewegungen eine besondere Rolle.[76] Zunehmend rückt auch der (post-)kommunistische Raum in das umwelthistorische Blickfeld.[77] Wünschenswert wären mehr systemübergreifende Arbeiten, die sich in der Umweltgeschichte besonders anbieten. Das trifft insbesondere auf den Umgang mit Katastrophen zu. In der Gesamtumweltgeschichte schon eher ein Klassiker, widmen sich nun auch zeithistorisch ausgerichtete Studien Katastrophen und Risikowahrnehmungen.[78] Nicht zuletzt ist das 20. Jahrhundert insbesondere nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl[79] auch als „Risikogesellschaft" (Ulrich Beck) beschrieben worden. Dabei ist neben systemvergleichenden Studien allerdings auch ein Manko an Arbeiten zu technischen oder sogenannten man made-Katastrophen zu verzeichnen. Ein noch relativ junges, längst überfälliges Interesse der Umwelthistorie richtet sich auf die sogenannte Umweltgerechtigkeit (equity). Dabei rücken Kategorien wie Gender, Klasse und „Rasse" in den Mittelpunkt.[80]

Neben den reinen Mensch-Natur-Beziehungen existieren eine Reihe interessanter Einblicke in die Tier-Mensch-Beziehungen.[81] Auch Umweltgeschichte in der Praxis, etwa in Industriemuseen, spielt in der zeithistorischen Umweltforschung eine Rolle, wenn auch bisher nur am Rande.[82] Zunehmend wird auch das Feld der Unternehmensgeschichte umwelthistorisch ausgeleuchtet.[83] Verbindungen zur Literatur- und Medienwissenschaft sind in der Umweltgeschichte bisher noch unterentwickelt, stellen aber durchaus ein sehr lohnenswertes Feld dar.

Besonders attraktiv in der umwelthistorischen Forschung sind die Überblicksdarstellungen und Synthesen mit zeithistorischen Abschnitten.[84] Auch in der Umweltgeschichte wird viel und gern von transnationaler und Transfergeschichte gesprochen, in der Umweltzeitgeschichte schlägt sich das indes noch nicht besonders stark nieder. Selbst wenn immer wieder der Sinn nationalstaatlich ausgerichteter Studien in Frage gestellt wird, dominieren sie noch. Das ist per se kein Manko, weil auch sie vonnöten sind, aber langsam wäre es an der Zeit, sich an Synthesen zu wagen.[85]

Besonders aktuell ist die Diskussion über eine europäische Umweltgeschichte. Während einige anzweifeln, dass eine solche überhaupt sinnvoll ist, weil Europa nichts anderes als ein soziales Konstrukt sei[86] und vielmehr nach Transferprozessen gefragt werden sollte, die sich nicht auf Europa beschränken lassen, zeigte Uekötter jüngst Perspektiven auf, die zumindest eine übergreifende Erzählung „natürlicher Umwelten" zulassen, ohne gleich davon ausgehen zu müssen, dass es eine europäische Umwelt gäbe.[87]

Ausblick

Während Uekötter im Frühjahr 2007 noch zweifelte, ob die Umweltgeschichte wirklich volljährig sei,[88] kann der First World Congress of Environmental History (WCEH) im Sommer 2009 in Kopenhagen/Malmö durchaus als ein wichtiger Schritt zum Erwachsenwerden betrachtet werden. Der Kongress war nicht zuletzt deshalb zukunftsweisend, weil er tatsächliche Internationalität wagte, die in Kopenhagen wirklich gelang, während viele andere Zusammenkünfte sich dies lediglich auf die Fahnen schreiben. Zwar mussten auch hier die üblichen Hürden internationalen Austauschs – Sprachkenntnisse und Unterrepräsentanz von Vertreterinnen und Vertretern ärmerer Gegenden – noch überwunden werden, doch wurden sie in Kopenhagen immerhin offen problematisiert, was durchaus nicht den Standards der historischen Zunft entspricht. Ebenfalls richtungsweisend war der Appell, Wissenschaft stärker in die Gesellschaft zu tragen.[89] Dem Appell folgte zugleich eine praktisch ausgerichtete Einheit: „Communicating science – how to reach a public audience", um die Teilnehmenden mit dem dafür notwendigen Rüstzeug zu versorgen.

Der von Jens Ivo Engels formulierten Kritik am „bedauerlichen Desinteresse" an der im Bereich der Umweltgeschichte geleisteten Arbeit und an der bewussten oder unbewussten Zurückhaltung, die mittlerweile zahlreichen umwelthistorischen Studien auf hohem Niveau in den „Kanon" der Zeitgeschichte aufzunehmen, ist entschieden zuzustimmen.[90] Die wertvollen Impulse, die von der Umweltgeschichte ausgehen, haben einen viel größeren Widerhall außerhalb der Grenzen der Subdisziplin verdient. Neben neuen Gegenständen und Sichtweisen, die sie in die Zeitgeschichte einbringen, können sie nicht zuletzt dazu beitragen, scheinbar ausgeforschte Themen und Gebiete neu zu bewerten.


Anmerkungen

  1. Ich danke Scott Moranda für die vielen einführenden Hinweise, die mir sehr geholfen haben, mich mit dem Feld der Umweltgeschichte vertraut zu machen.
  2. Vgl. Wolfram Siemann/Nils Freytag, Umwelt – eine geschichtswissenschaftliche Grundkategorie, in: Wolfram Siemann (Hrsg.), Umweltgeschichte. Themen und Perspektiven, München 2003, S. 7-19, hier S. 8.
  3. Frank Uekötter, Umweltgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert, München 2007, S. 6.
  4. Vgl. Siemann/Freytag, Umwelt, S. 11 f.
  5. Siehe dazu einen der Klassiker der Umweltgeschichte, verfasst von einem ihrer maßgeblichen Begründer: Donald Worster, Dust Bowl. The Southern Plains in the 1930s, New York 1979.
  6. Vgl. beispielsweise: Warren Dean, Brazil and the Struggle for Rubber: a Study in Environmental History, Cambridge 1987; Margaret E. Keck, Social Equity and Environmental Politics in Brazil: Lessons from the Rubber Tappers in Acre, in: Comparative Politics 27 (1995), H. 4, S. 409-424; Barbara Weinstein, The Amazon Rubber Boom 1850-1920, Stanford 1983.
  7. Einschlägig: Franz-Josef Brüggemeier/Thomas Rommelspacher, Blauer Himmel über der Ruhr. Geschichte der Umwelt im Ruhrgebiet 1840-1990, Essen 1992.
  8. Douglas R. Weiner, A Death-Defying Attempt to Articulate a Coherent Definition of Environmental History, in: Evironmental History 10 (2005), H. 3, S. 404-420.
  9. Weiner, Death-Defying Attempt, S. 415.
  10. J.M. Powell, zit. n. Weiner, Death-Defying Attempt, S. 404. Das Zitat ist aus einem eher groben (und in der Subdisziplin mittlerweile recht abgegriffenen) Scherz extrahiert, der danach fragt, was die Gemeinsamkeit zwischen Belgien und Umweltgeschichte sei. Antwort: Beide seien komplett Produkte kollektiver Vorstellung.
  11. Harriet Ritvo, zit. n. Weiner, Death-Defying Attempt, S. 404.
  12. Uekötter, Umweltgeschichte, S. 1.
  13. So die Überschrift des Prologs in: John R. McNeill, Blue Planet. Die Geschichte der Umwelt im 20. Jahrhundert. Aus dem Engl. v. Frank Elstner, Frankfurt a. M. 2003 (engl. Original: Something New Under the Sun, New York 2000).
  14. So die österreichische Umwelthistorikerin Verena Winiwarter während der Eröffnungsveranstaltung des 1. Weltkongresses der Umweltgeschichte in Kopenhagen, 4. August 2009.
  15. So die dänische Umwelthistorikerin Valery Forbes während der Eröffnungsveranstaltung des 1. Weltkongresses der Umweltgeschichte in Kopenhagen, 4. August 2009.
  16. Fiona Watson/Jens Ivo Engels, Einleitung, in: Franz Bosbach/Jens Ivo Engels/Fiona Watson (Hrsg.), Environment and History in Britain and Germany – Umwelt und Geschichte in Großbritannien und Deutschland, München 2006.
  17. Vgl. das Plädoyer für eine wechselseitige Bereicherung von Sozial- und Umweltgeschichte des Sozialhistorikers Alan Taylor, Unnatural Inequalities: Social and Environmental Histories, in: Environmental History 1 (1996), H. 4, S. 6-19.
  18. Dabei lassen sich regionale Unterschiede ausmachen: In Deutschland entwickelte sich die Umwelthistorie vornehmlich aus anderen Teildisziplinen der Geschichtswissenschaft, während in Großbritannien die Natur- und Sozialwissenschaften großen Einfluss hatten. Vgl. ausführlicher dazu: Verena Winiwarter/Martin Knoll, Umweltgeschichte. Eine Einführung, Köln 2007; Bosbach/ Engels/Watson (Hrsg.), Umwelt und Geschichte.
  19. Besonders schwierig, insbesondere in der Anfangszeit, war das Verhältnis zur Historischen Geografie, auf deren Verdienste die Umweltgeschichte beispielsweise beim Konzept der „Kulturlandschaft“ freimütig zurückgreift. Das forderte den britischen Umwelthistoriker Richard Grove zu einer spitzen Bemerkung heraus: „In somewhat arrogantly arrogating to themselves a term already being used by at least two other disciplines, the historians managed to upset the self-esteem of a very particular group of scholars, the historical geographers.“ Richard H. Grove, Environmental History, in: Peter Burke (Hrsg.), New Perspectives on Historical Writing. Second Edition, Oxford 2001, S. 261-282, hier S. 261.
  20. Uekötter, Umweltgeschichte.
  21. Winiwarter/Knoll, Umweltgeschichte.
  22. Siemann (Hrsg.), Umweltgeschichte.
  23. Anders als der Titel vermuten lässt, handelt es sich nicht um eine umfassende Historisierung der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, sondern um eine sehr gute Einführung in die deutsche Umweltgeschichte: Franz-Josef Brüggemeier, Tschernobyl, 26. April 1986. Die ökologische Herausforderung, München 1998.
  24. Franz-Josef Brüggemeier/Thomas Rommelspacher (Hrsg.), Besiegte Natur. Geschichte der Umwelt im 19. und 20. Jahrhundert, München 1987.
  25. Werner Abelshauser (Hrsg.), Umweltgeschichte. Umweltverträgliches Wirtschaften in historischer Perspektive. Geschichte und Gesellschaft, Sonderheft 15, Göttingen 1994.
  26. Joachim Radkau, Natur und Macht. Eine Weltgeschichte der Umwelt, München 2002.
  27. John R. McNeill, Blue Planet. Zu nennen sind ebenfalls: Ian G. Simmons, Global Environmental History 1000 BC to AD 2000, Edinburgh 2006, und der jüngst erschienene Sammelband von Edmund Burke III./Kenneth Pomeranz (Hrsg.), The Environment and World History, Berkeley 2009.
  28. Für einen ausführlicheren Überblick über die Entstehungsgeschichte vgl. beispielsweise Winiwarter/Knoll, Umweltgeschichte, S. 30 ff., und speziell für den nordamerikanischen Fall beispielsweise: Richard White, Historiographical Essay: American Environmental History: The Development of a New Field, in: Pacific Historical Review 54 (1985), S. 297-335.
  29. Der Klassiker für Nordamerika: Roderick Nash, Wilderness and the American Mind, Yale 1967.
  30. Dennis L. Meadows u.a., Die Grenzen des Wachstums. Berichte des Club of Rome zur Lage der Menschheit, München 1972.
  31. Indes, die Grundtendenz der Thesen des Berichts war nicht neu – bereits gute 200 Jahre zuvor hatte Robert Malthus 1798 in London seinen „Essay on the Principles of Population“ veröffentlicht. Der Kern des Malthus’schen Essays und des Berichts des „Club of Rome“ ähneln sich frappierend. Vgl. dazu ausführlicher Brüggemeier, Tschernobyl, S. 34 ff., und Thomas R. Malthus, An Inquiry into the Principle of Population, repr. of the 1816 ed., London 1994.
  32. Siemann/Freytag, Umwelt, S. 15.
  33. Darüber sind sich die Umwelthistoriker/innen weitestgehend einig, auch wenn es hin und wieder Aussagen gibt, die eine andere Tendenz aufweisen. Brüggemeier beispielsweise schreibt: „[…] um 1800 gab es kaum noch von Menschen unberührte Natur“, was im Umkehrschluss bedeutet, dass sie vor 1800 noch existiert habe. Vgl. Brüggemeier, Tschernobyl, S. 38.
  34. Siemann/Freytag, Umwelt, S. 12.
  35. Vgl. ebd.
  36. Vgl. Uekötter, Umweltgeschichte, S. 5.
  37. William Beinart/Peter Coates, Environment and History. The Taming of Nature in the USA and South Africa, London 1995, S. 1.
  38. Radkau, Natur und Macht, S. 16.
  39. Ebd.
  40. Ebd.
  41. Als Beispiel sei ein quasi Wegbereiter von Gender-Diskursen genannt: William Alexander, der schon sehr früh „Geschlecht“ als sozial konstruiert beschrieb: „Dass der Unterschied zwischen beiden Geschlechtern im Zustande der Wildheit, in Rücksicht auf körperliche Stärke und Tätigkeit, nicht sehr groß gewesen ist, haben wir bemerkt. Aber, so wie der Zustand des geselligen Lebens weiter rückt, wird dieser Unterschied immer größer ...“ William Alexander, Geschichte des weiblichen Geschlechts von dem frühesten Alterthum an bis auf gegenwärtige Zeiten, 2 Bde. Aus dem Englischen übersetzt und mit einigen Anmerkungen versehen (von Friedrich von Blankenburg), Leipzig 1780-81.
  42. So der Untertitel des bekannten Reiseberichts des deutschen Landsknechts Hans Staden, der im 16. Jahrhundert im Dienste Portugals nach Brasilien reiste. Hans Staden, Brasilien. Die wahrhaftige Historie der wilden, nackten, grimmigen Menschenfresser-Leute 1548-1555. Hrsg. und eingeleitet von Gustav Faber, Stuttgart 1984.
  43. Es kursieren verschiedenste Versionen der angeblichen Rede. Die bekannteste „Meine Worte sind wie Sterne“ stammt vom Drehbuchautor Ted Perry, der sich 1983 Rudolf Kaiser offenbarte. Vgl. Rudolf Kaiser, Die Erde ist uns heilig. Die Reden des Chief Seattle und anderer indianischer Häuptlinge, Freiburg i. B. 1992; weiterführend: Sonja Probst/Ernst Probst (Hrsg.), Meine Worte sind wie Sterne. Die Rede des Häuptlings Seattle und andere indianische Weisheiten, Norderstedt 2001.
  44. Radkau, Natur und Macht, S. 15.
  45. Ebd., S. 14 ff.
  46. Vgl. ebd., S. 14.
  47. Rolf Peter Sieferle, Rückblick auf die Natur. Eine Geschichte des Menschen und seiner Umwelt, München 1997, S. 18.
  48. Vgl. Sieferle, Rückblick, S. 18 ff.
  49. Ebd., S. 24.
  50. Siemann/Freytag, Umwelt, S. 13.
  51. Vgl. ebd., S. 13 ff.
  52. Radkau, Natur und Macht.
  53. Christian Pfister (Hrsg.), Das 1950er Syndrom. Der Weg in die Konsumgesellschaft, Bern 1995.
  54. Radkau, Natur und Macht, S. 14.
  55. Vgl. zum sogenannten Waldsterben beispielsweise Kenneth Anders/Frank Uekötter, Viel Lärm ums stille Sterben. Die Debatte um das Waldsterben in Deutschland, in: Frank Uekötter/Jens Hohensee (Hrsg.), Wird Kassandra heiser? Die Geschichte falscher Ökoalarme, Stuttgart 2004, S. 112-138; Franz-Josef Brüggemeier, Waldsterben. The Construction and Deconstruction of an Environmental Problem, in: Christof Mauch (Hrsg.), Nature in German History, New York 2004, S. 119-131; Rudi Holzberger, Das sogenannte Waldsterben. Zur Karriere eines Klischees. Das Thema Wald im journalistischen Diskurs, Bergatreute 1995.
  56. Vgl. beispielsweise: Joachim Radkau, Zur angeblichen Energiekrise des 18. Jahrhunderts. Revisionistische Betrachtungen über die „Holznot“, in: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 73 (1986), S. 1-37. Für eine jüngere Auseinandersetzung: Christoph Ernst, Den Wald entwickeln. Ein Politik- und Konfliktfeld in Hunsrück und Eifel im 18. Jahrhundert, München 2000.
  57. Vgl. Brüggemeier, Tschernobyl, S. 41.
  58. Uekötter, Umweltgeschichte, S. 4.
  59. Zu einer Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Periodisierungsangeboten vgl. Jens Ivo Engels, Umweltgeschichte als Zeitgeschichte, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 13 (2006), S. 32-38. Für einen Überblick über verschiedene Periodisierungsansätze: Joachim Radkau/Frank Uekötter (Hrsg.), The Turning Points of Environmental History, Lanham 2006.
  60. Brüggemeier, Tschernobyl.
  61. Die Chiffre „hölzernes Zeitalter“, die Werner Sombart prägte, ist also durchaus auch aus umwelthistorischer Perspektive sinnvoll, auch wenn die Schlüsse, die Sombart im „Kampf um den Wald“ zieht, von umweltgeschichtlichen Forschungen widerlegt werden.
  62. Brüggemeier, Tschernobyl, S. 126.
  63. Radkau, Natur und Macht, S. 294; Joachim Radkau/Frank Uekötter (Hrsg.), Naturschutz und Nationalsozialismus, Frankfurt a. M. 2003.
  64. Radkau, Natur und Macht, S. 294.
  65. Ebd., S. 294 ff.
  66. Zu einer aktuelleren Auseinandersetzung vgl. Christian Pfister, Energiepreis und Umweltbelastung. Zum Stand der Diskussion über das 1950er Syndrom, in: Siemann/Freytag, Umwelt, S. 61-86.
  67. Patrick Kupper, Die 1970er Diagnose. Grundsätzliche Überlegungen zu einem Wendepunkt in der Umweltgeschichte, in: Archiv für Sozialgeschichte 43 (2003), S. 325-348.
  68. Werner Abelshauser, Die langen 50er Jahre. Wirtschaft und Gesellschaft in der BRD 1949-1966, Düsseldorf 1987.
  69. Kupper, 1970er Diagnose, S. 327 ff.
  70. Engels, Umweltgeschichte als Zeitgeschichte, S. 35.
  71. Vgl. ausführlich dazu Winiwarter/Knoll, Umweltgeschichte, S. 71 ff.
  72. Uekötter, Umweltgeschichte, S. 3.
  73. Engels, Umweltgeschichte als Zeitgeschichte.
  74. Für einen breiteren Themen- und Literaturüberblick lohnt sich die Konsultation der Datenbanken der ASEH http://www.aseh.net, der ESEH http://www.eseh.org, der Forest History Society http://www.foresthistory.org oder von H-Environment http://www2.h-net.msu.edu/~environ (alle 01.02.2010).
  75. Besonders hervorzuheben: Franz-Josef Brüggemeier/Jens Ivo Engels (Hrsg.), Natur- und Umweltschutz nach 1945. Konzepte, Konflikte, Kompetenzen, Frankfurt a. M. 2005; Friedemann Schmoll/Hans-Werner Frohn (Hrsg.), Natur und Staat. Staatlicher Naturschutz 1906-2006, Bad Godesberg 2006; Jost Hermand, Grüne Utopien in Deutschland. Zur Geschichte des ökologischen Bewusstseins, Frankfurt a. M. 1991.
  76. Jens Ivo Engels, Naturpolitik in der Bundesrepublik. Ideenwelt und politische Verhaltensstile in Naturschutz und Umweltbewegung 1950-1980, Paderborn 2006; ders., Geschichte und Heimat. Der Widerstand gegen das Kernkraftwerk Wyhl, in: Kerstin Kretschmer/Norman Fuchsloch (Hrsg.), Wahrnehmung, Bewusstsein, Identifikation. Umweltprobleme und Umweltschutz als Triebfedern regionaler Entwicklung, Freiburg i. B. 2003, S. 103-130.
  77. Klaus Gestwa, Ökologischer Notstand und sozialer Protest. Ein umwelthistorischer Blick auf die Reformunfähigkeit und den Zerfall der Sowjetunion, in: Archiv für Sozialgeschichte 43 (2003), S. 349-383; Edward Snajdr, Nature Protests. The End of Ecology in Slovakia, Washington 2008; Murray Feshbach/Alfred Jr. Friendly, Ecocide in the USSR. Health and Nature under Siege, New York 1992; Arvid Nelson, Cold War Ecology. Forrests, Farms, and People in the East German Landscape, 1945-1989, New Haven 2005; Douglas R. Weiner, A Little Corner of Freedom. Russian Nature Protection from Stalin to Gorbachëv, Berkeley 1999; ders., Models of Nature. Ecology, Conservation and Cultural Revolution in Soviet Russia, Bloomington 1988.
  78. Dieter Groh/Michael Kempe/Franz Mauelshagen (Hrsg.), Naturkatastrophen. Beiträge zu ihrer Deutung, Wahrnehmung und Darstellung in Text und Bild von der Antike bis ins 20. Jahrhundert, Tübingen 2003; Stefan Gloger/Andreas Klinke/Ortwin Renn (Red.), Kommunikation über Umweltrisiken zwischen Verharmlosung und Dramatisierung, Stuttgart 2002.
  79. Zur aktuellen Tschernobylforschung vgl. das internationale Forschungsprojekt „Politik und Gesellschaft nach Tschernobyl“, http://www.after-chernobyl.de (01.02.2010).
  80. Jens Ivo Engels, Gender Roles and German Anti-Nuclear Protest. The Women of Wyhl, in: Christoph Bernhardt/Geneviève Massard-Guilbaud (Hrsg.), The Modern Demon. Pollution in Urban and Industrial European Societies, Clermont-Ferrand 2002, S. 407-424; Andrew Hurley, Environmental Inequalities: Class, Race, and Industrial Pollution in Gary, Indiana, 1945-1980, Chapel Hill 1995; Carolyn Merchant, Shades of Darkness: Race and Environmental History, in: Environmental History 8 (2003), H. 3, S. 380-394; dies., Gender and Environmental History, in: The Journal of American History 76 (1990), H. 4, S. 1117-1121.
  81. Jens Ivo Engels, Von der Sorge um die Tiere zur Sorge um die Umwelt. Tiersendungen als Umweltpolitik in Westdeutschland zwischen 1950 und 1980, in: Archiv für Sozialgeschichte 43 (2003), S. 297-323; Susan D. Jones, Valuing Animals. Veterinarians and their Patients in Modern America, Baltimore 2003; Dorothee Brantz/Christof Mauch (Hrsg.), Tierische Geschichte. Die Beziehung von Mensch und Tier in der Kultur der Moderne, Paderborn 2010.
  82. Vgl. beispielsweise: Ulrike Gilhaus, Umweltgeschichte in der Praxis: Das Westfälische Industriemuseum, in: Siemann (Hrsg.), Umweltgeschichte, S. 114-128.
  83. Für einen aktuellen Einblick: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte 2009, H. 2, Nature incorporated: Unternehmensgeschichte und ökologischer Wandel/Business History and Environmental Change.
  84. Beispielsweise: David Blackbourn (Hrsg.), Die Eroberung der Natur. Eine Geschichte der deutschen Landschaft, München 2007; Peter Coates, Nature: Western Attitudes since Ancient Times, Berkeley 1998.
  85. Einer der wenigen Versuche ist: Tamara L. White u.a. (Hrsg.), Northern Europe. An Environmental History, Santa Barbara 2005; J. Donald Hughes, The Mediterranean. An Environmental History, Santa Barbara 2005.
  86. Douglas R. Weiner während des Runden-Tisch-Gesprächs: „European Studies as Environmental History. A Roundtable on Methods and Dilemmas”, First World Congress of Environmental History, Malmö, 8. August 2009.
  87. Frank Uekötter, Gibt es eine europäische Geschichte der Umwelt? Bemerkungen zu einer überfälligen Debatte, in: Themenportal Europäische Geschichte (2009), http://www.europa.clio-online.de/2009/Article=374 (28.12.2009). Ein Beispiel für einen gelungenen Versuch der Geschichte einer europäischen Umwelt ist Piet H. Nienhuis’ Geschichte des Rhein-Maas-Deltas, vgl. Piet H. Nienhuis, Environmental History of the Rhine-Meuse Delta, Dordrecht 2008.
  88. Uekötter, Umweltgeschichte, S. IX.
  89. So Verena Winiwarter während der Eröffnungsveranstaltung des WCEH am 4. August 2009.
  90. Engels, Umweltgeschichte als Zeitgeschichte, S. 32.

Empfohlene Literatur zum Thema

Zitation

Melanie Arndt, Umweltgeschichte, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 11. 2.2010, URL: http://docupedia.de/zg/Umweltgeschichte_Version_1.0_Melanie_Arndt?oldid=68747

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