Mediengeschichte Version 1.0 Annette Vowinckel

Aus Docupedia
Version vom 15. Mai 2017, 18:16 Uhr von Karsten (Diskussion | Beiträge)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu:Navigation, Suche


Mediengeschichte

von Annette Vowinckel

Mediengeschichte: Forschungsfeld, disziplinärer Kontext, Medienbegriff

Mediengeschichte ist ein gemeinsames Feld der Geschichts- und der Medienwissenschaft, das sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sukzessive zu einem eigenständigen Forschungsgebiet entwickelt hat. Ihre Gegenstände sind die historische Entwicklung von Medien im Hinblick auf ihre Formsprache, Wirkung und Nutzung sowie die historische Transformation von Staaten, Kulturen und Gesellschaften unter dem Einfluss verschiedener Medien, wobei davon auszugehen ist, dass beide Entwicklungen einander wechselseitig bedingen. Die Ursprünge der Mediengeschichte reichen bis weit in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück. Wichtige Impulse gaben verschiedene benachbarte Geisteswissenschaften wie die Literaturwissenschaft (Walter Benjamin[1]), die Kunstgeschichte (Erwin Panofsky, Aby Warburg[2]), die Filmwissenschaft (Siegfried Kracauer[3]) und die Medientheorie (z.B. Bertolt Brechts Radiotheorie[4]), wenngleich einige dieser Disziplinen sich selbst erst nach dem Zweiten Weltkrieg institutionell formierten (Filmwissenschaft, Medienwissenschaft).

Ein Forschungsfeld bildet die Mediengeschichte sowohl in der Medien- als auch in der Geschichtswissenschaft. Während erstere ihr Augenmerk vor allem auf die historische Entwicklung der Medien und ihrer jeweiligen Formsprachen richtet, fragt die Geschichtswissenschaft (wie auch die Mediensoziologie[5]) eher nach der sozialen und politischen Funktion der Medien, vor allem nach der Bedeutung von Medien für die Konstitution von Öffentlichkeit(en). Waren Medien in der Medienwissenschaft von jeher ein Gegenstand der Forschung, so wurden sie in der Geschichtswissenschaft zunächst als Quellen für die Erforschung klassischer historischer Felder wie der Innen- oder Außenpolitik oder des gesellschaftlichen Wandels behandelt.[6] In den vergangenen Jahren sind sie jedoch auch in der Geschichtswissenschaft selbst zum Forschungsobjekt geworden: Medien werden zunehmend nicht mehr nur als „Mittler" oder „Träger" von Informationen betrachtet, sondern als „Akteure" mit eigener Agenda.[7]

Beide Richtungen der Mediengeschichte (die historisch arbeitende Medienwissenschaft ebenso wie die Medien erforschende Geschichtswissenschaft) operieren mit einem Begriff des Mediums, der im 17. Jahrhundert aus dem Lateinischen in die deutsche bzw. englische Wissenschaftssprache wanderte und der ursprünglich das „Mittlere", den „Mittelpunkt" bzw. denjenigen „Ort" bezeichnete, an dem „etwas öffentlich vorgelegt, verhandelt wird, wo jemand öffentlich auftritt".[8] Als „Mittler" fungierte das Medium indes auch in den Naturwissenschaften, vor allem in der Physik und Chemie, und in der Esoterik, in der das Medium eine Übertragungsfunktion zwischen transzendenter und nichttranszendenter Welt übernahm. Seit dem frühen 20. Jahrhundert bezeichnet der Plural „Medien" vor allem Massenmedien wie die Zeitung, das Radio, das Fernsehen etc. (dies gilt analog für den englischen Plural media).[9] Darüber hinaus schließt ein erweiterter Medienbegriff auch Apparate wie das Telefon oder den Computer, Bewegungsabläufe wie Sport oder Tanz bzw. den Körper[10] selbst ein, sofern sie Informationen speichern, Botschaften übertragen, als Zeichen für etwas Anderes fungieren (der letzte Aspekt spielt vor allem in der Semiotik eine zentrale Rolle[11]) oder selbst als „Akteure" auftreten. Mit einem derart erweiterten, „starken" Medienbegriff, der der Form entscheidenden Einfluss auf die Wirkung des Mediums zuschreibt, operieren vor allem die Medienwissenschaft und benachbarte Geisteswissenschaften wie z.B. die Literaturwissenschaft, während Publizistik, Kommunikations-, Informations- und auch Geschichtswissenschaft eher mit einem „schwachen" Medienbegriff operieren: Sie sehen das Medium als einen „Informations- und Kommunikationsträger, der auf das Übertragene nicht zwangsläufig einwirkt. Das Medium bleibt hier Instrument."[12]

Einen gemeinsamen Untersuchungsgegenstand der Medien- und Geschichtswissenschaft bilden vor allem die technischen Massenmedien des 19. und 20. Jahrhunderts, die schon im Prozess der Entstehung zur Zielscheibe kulturkritischer Angriffe wurden (der Sonderfall des gedruckten Buches, dessen Verbreitung in das Spätmittelalter fällt, bleibt hier ausdrücklich ausgenommen). Während einerseits eine gewisse Euphorie über den medialen bzw. kommunikativen Fortschritt herrschte und liberale Kräfte sich von den Massenmedien einen demokratisierenden Effekt erhofften, wurden andererseits Befürchtungen laut, die Massenmedien könnten zum Nachteil der sogenannten Hochkultur eine egalisierende Wirkung entfalten, kulturelle Unterschiede einebnen und letztlich Kultur zersetzen. Maßgeblich sind hier im 20. Jahrhundert[13] die Protagonisten der Frankfurter Schule, die die Begriffe „Masse" und „Kultur" als einander ausschließend begriffen und deshalb Massenmedien per se als kulturlos empfanden. Vor allem das Fernsehen und verschiedene Formen populärer Musik, deren Aufstieg Theodor W. Adorno und Max Horkheimer im US-amerikanischen Exil verfolgten, wurden in den 1950er- und 60er-Jahren einer systematischen Kritik unterzogen.[14]

Von dieser Form der Kulturkritik distanzierte sich der kanadische Literaturwissenschaftler Marshall McLuhan, als er 1964 eine Theorie der Medien vorlegte, in der er diese nicht auf ihren Inhalt und ihre Wirkung, sondern daraufhin untersuchte, was ihre Form und Funktionsweise über die Weltwahrnehmung und -gestaltung ihrer Zeit aussagt („the medium is the message").[15] Bücher interessierten ihn nicht als Träger bestimmter (guter oder schlechter) Botschaften; vielmehr liegt die Botschaft des Buches für McLuhan darin, dass es Texte, die zuvor individuell abgeschrieben wurden, nun (potenziell) massenhaft verfügbar macht. Wo Adorno – noch unter dem Eindruck der nationalsozialistischen Propaganda der 1930er- Jahre – vor der „Verdummung" der Menschen durch Massenmedien warnte, fürchtete McLuhan eher die Entmachtung handelnder Menschen durch nicht mehr verstehbare digitale Systeme, die im späten 20. Jahrhundert die leichter verstehbaren analogen Medien zu verdrängen begannen.[16]

In jüngster Vergangenheit hat sich das Augenmerk der Mediengeschichte zunehmend auch auf den Prozess der Medialisierung, d.h. die fortschreitende Bedeutungszunahme von Medien in allen Bereichen des privaten und öffentlichen Lebens, gerichtet. Anlass hierfür dürfte die schnelle Verbreitung des Internets um die Jahrtausendwende gewesen sein, in deren Schatten der Übergang von der Mündlichkeit zur Schriftlichkeit, die Erfindung des Buchdrucks, die Verbreitung der Tageszeitung, das Aufkommen von Plattenspieler, Fotoapparat, Filmkamera, Radio und Fernsehen (um nur die wichtigsten Medien zu nennen), mehr denn je als eine kontinuierliche Fortschrittsgeschichte erscheint, die nahezu linear auf das Universalmedium Computer zusteuert.

Ungeachtet der Frage, ob eine solche Fortschrittsperspektive oder auch die ihr entgegenlaufende Verfallsthese verschiedener Kulturkritiker/innen zugrunde gelegt wird, ist festzustellen, dass Medien im Lauf der Geschichte und besonders im 19. und 20. Jahrhundert sowohl ästhetisch als auch für die Konstitution sozialer und politischer Öffentlichkeit(en) einen starken Bedeutungszuwachs erfahren haben, den es aus unterschiedlichen Perspektiven historisch zu beleuchten gilt. Dabei erweist es sich als schwierig, die Anstrengungen der historisch arbeitenden Medienwissenschaft und der Medien erforschenden Geschichtswissenschaft so zu bündeln, dass ein Synergieeffekt entsteht. Zwar gibt es vereinzelt Versuche der Zusammenarbeit auf der Grundlage der gegenseitigen Akzeptanz differierender methodischer und theoretischer Zugänge. Dabei bewahren jedoch beide Seiten eine gewisse Distanz, sodass sich die Differenzen bislang nicht in einer offenen Kontroverse abgebildet haben.

Der folgende Überblick über verschiedene Felder und Konzepte der Mediengeschichte gliedert sich wie folgt: Geschichte der Einzelmedien, integrale Mediengeschichte, Geschichte der medialen Öffentlichkeit(en). Den Abschluss bildet ein kurzer Ausblick auf die Herausforderungen der Mediengeschichte im 21. Jahrhundert.

Konzepte: Einzelmedien, integrale Mediengeschichte, Geschichte der medialen Öffentlichkeit(en)

Geschichte der Einzelmedien

Eine große Zahl mediengeschichtlicher Untersuchungen konzentriert sich auf Einzelmedien wie das Buch,[17] die Literatur,[18] das Bild,[19] die Zeitung,[20] das Radio,[21] das Fernsehen,[22] das Internet[23] oder auch etwas weniger nahe liegende Phänomene wie den „Star"[24] oder das Produkt (der Konsumgüterindustrie).[25] Ein starker Schwerpunkt liegt dabei im Bereich der Massenkommunikationsmedien Zeitung, Radio und Fernsehen sowie der „Kulturmedien" Literatur, Fotografie und Film. Grundsätzlich lässt sich die Geschichte der Einzelmedien aus unterschiedlichen Perspektiven schreiben: Im Vordergrund steht entweder die Historizität der Form und Funktion eines Mediums oder die Inhalte bzw. deren Rezeption in verschiedenen historischen Kontexten (wobei in der Praxis Mischformen nicht unüblich sind). So kann eine Geschichte des Fernsehens unter besonderer Berücksichtigung der technischen und ästhetischen Veränderungen des Mediums,[26] aber auch als nationale Fernsehgeschichte,[27] als Programm-[28] oder Personengeschichte,[29] als Rezeptionsgeschichte,[30] als Geschichte verschiedener Fernsehgenres (wie Nachrichtenmagazin, Krimi, Serie etc.) oder als Institutionengeschichte (z.B. eines Fernsehsenders[31]) geschrieben werden. Dabei hängt es von der jeweiligen Fragestellung ab, ob eher die Entwicklung des Mediums oder diejenige einzelner Protagonisten, die teils auch durch die Biografieforschung abgedeckt wird, im Vordergrund stehen. Auf Fallbeispiele wird mit Verweis auf die Einträge zur Bild- und Filmgeschichte, zur Geschichte der Presse, des Radios, des Fernsehens und der digitalen Medien an dieser Stelle verzichtet.

Integrale Mediengeschichte

Wie bereits angedeutet, liegt es nahe, die Mediengeschichte in ihrer Gesamtheit als Fortschrittsgeschichte zu schreiben, die mit den Medien vorschriftlicher Zeit beginnt und im Computerzeitalter (vorläufig) endet. Diese Erzählung kontinuierlichen Fortschritts technischer Neuerungen wird jedoch durch zahlreiche Ungleichzeitigkeiten konterkariert: Das Prinzip des Buchdrucks hat sich in unterschiedlichen Kulturen (China, Europa) unabhängig voneinander durchgesetzt (und zwischen dem 15. und dem 19. Jahrhundert nur mehr marginal verändert). Noch im digitalen Zeitalter hat es einen festen Platz im Mediensystem, was nicht zuletzt an der stetig steigenden Zahl der Neuerscheinungen und Übersetzungen auf den von Jahr zu Jahr wachsenden Buchmessen abzulesen ist. Auch das Bild hat sich zwar in seiner Erscheinungs-, Produktions-, Übertragungs- und Verbreitungsweise stark verändert, doch erfüllt es in mancher Hinsicht nach wie vor ähnliche Funktionen wie in archaischer Zeit, nämlich die Vergegenwärtigung des Abwesenden und die Konservierung einer ephemeren Wahrnehmung oder Imagination.

Grundsätzlich untersucht die integrale Mediengeschichte nicht eine reine Abfolge oder Summe von Einzelmedien, sondern die historische Entwicklung komplexer intermedialer Konstellationen. In den jeweils neuen Kombinationen der Basismedien Schrift, Bild, Ton und Zahl treten neue Medien jeweils „als Katalysatoren des Wandels der Basismedien" auf.[32] So können wir im Bereich der Übertragungsmedien eine sukzessive, aber auch von Überlagerungen gekennzeichnete Folge von der Sprache über das Theater, die Musik, das Telefon und den Telegrafen bis hin zu Radio, Fernsehen und Webcam beschreiben, im Bereich der Speichermedien (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) die Abfolge von Bild, Schrift, Buch, Fotografie, Film, Schallplatte, Lochkarte und Festplatte, wobei anzumerken ist, dass die Unterscheidung von Speicher- und Übertragungsmedien eine rein idealtypische ist, da viele Medien eine Doppelfunktion übernehmen (z.B. der Brief, die Fotografie, das Internet).

Interessant ist allerdings nicht nur, was Medien speichern oder übertragen, sondern auch, was sie nicht speichern und nicht übertragen. Dem „unendlichen Gedächtnis der technischen Speicher", so Helmut Schanze, „entspricht ein technisches Vergessen: der Löschbefehl".[33]

Mediengeschichte ist also – wie Geschichtsschreibung generell – ein Versuch, das Erhaltene jeweils als Weiterentwicklung des Bekannten zu deuten und so eine gestufte Geschichte zu konstruieren, in der bestimmte mediale Neuerungen sukzessive aufeinander aufbauen, aber eben auch das Nicht-Speichern bzw. das Löschen von Vorgängen einschneidende und irreversible Veränderungen nach sich zog: Das Buch folgt auf die Schrift, der Film auf die Fotografie, der Computer ersetzt die Lochkarte, das Video speichert Programme, die in der Frühzeit des Fernsehens nur live übertragen wurden und der Nachwelt damit verloren gingen,[34] das Internet eröffnet neue Möglichkeiten, digitale bzw. digitalisierte Daten auf öffentlich zugänglichen Servern abzulegen, wohingegen das Löschen solcher Daten sich als weitaus komplizierter darstellt.[35]

Tatsächlich gibt es Etappensprünge, die eine Rückkehr zu den vorhergehenden Stadien quasi unmöglich machen. Von elementarer Bedeutung ist dabei der Übergang von der Mündlichkeit zur Schriftlichkeit, den Walter Ong (im Anschluss an Arbeiten von Eric A. Havelock) als Wandel von einer Welt der Töne zu einer Welt der (visuellen) Zeichen beschreibt – wobei er allerdings auch darauf hinweist, dass noch in der Gegenwart orale und literale Kulturen nebeneinander existieren.[36]

Gerade die Geschichte des Buchdrucks liefert jedoch starke Indizien dafür, dass nicht nur die technische Neuerung einen Umbruch erzeugt, sondern dass umgekehrt neue Bedürfnisse und Weltsichten technische Neuerungen hervorrufen. So war das Verfahren des Hochdrucks in China möglicherweise bereits im 11. Jahrhundert bekannt, und spätestens für das 14. Jahrhundert ist seine Existenz belegt. Dennoch gilt Gutenbergs Erfindung der Druckpresse um 1450 heute im westlichen Kulturkreis als Geburtsstunde des gedruckten Buches, weil in Europa erst jetzt das Bedürfnis nach der Technik verlangte, die anderorts schon bekannt war. Michael Giesecke zufolge wird hier erst um die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert „die Abwertung oraler Informationen zu einer von breiten Schichten getragenen Erscheinung und beginnt jene […] in gedruckten Büchern gespeicherte ‚visuelle' Information ihren Siegeszug. Diese als ‚Wissen' bezeichnete und sowohl der ‚Erfahrung' als der ‚Kunst' gegenübergestellte Information ist die ‚Wunschmaschine', von der man sich Aufklärung und bürgerliche Wohlfahrt versprach."[37] Als entscheidend bewertet Giesecke also nicht die technische Erfindung, sondern den Wunsch, Wissen speichern und einer bürgerlichen Schicht zugänglich machen zu können – eine Umwälzung, die eine Pluralisierung der Wissenswelten mit sich brachte, denn der Buchdruck „schafft bisher ungekannte Möglichkeiten des Textvergleichs und des Vergleichs von Äußerungen und Meinungen einer Vielzahl von Autoren und Zeiten."[38]

Ähnlich lässt sich auch die Einführung visueller, akustischer und audiovisueller Speichermedien im 19. Jahrhundert als ein Versuch beschreiben, dem wachsenden Bedarf bürgerlicher Schichten an Bildern (stillen und bewegten) sowie Tönen (Musik) zu begegnen. Bilder füllten nun nicht mehr nur Herrschaftshäuser, sondern Familienalben; Musik wurde nicht mehr nur in Konzerthallen und Opernhäusern gehört, sondern im heimischen Wohnzimmer. Auch hier handelt es sich um einen Prozess der Pluralisierung der Medienproduktion und -rezeption, die einerseits als popularisierend und überreizend abgewertet, andererseits aber auch als unterhaltsam empfunden wurde und der man grundsätzlich auch demokratisierende Effekte unterstellte.

So erstaunt es kaum, dass der Übergang in das Computerzeitalter von ähnlichen Hoffnungen und Bedenken begleitet wird wie frühere Medienumbrüche. Diese jüngste „Medienrevolution" ist gekennzeichnet durch die Umwandlung von Text in Hypertext, von der Umstellung eines Buchstabensystems auf Algorithmen und von der Integration von Text, Bild, Ton und Zahl in einem einzigen Medium. Es scheint dies eine Reaktion darauf zu sein, dass die Welt als zunehmend komplexe Netzwerkstruktur wahrgenommen wird: Dies gilt für Verkehrsnetze ebenso wie für soziale und kommunikative Vernetzungen oder die Umstellung von linear zu lesenden Büchern auf Hypertexte, in denen der Rezipient von Information zu Information springt.[39] Offen bleibt auch hier die Frage, ob wir es mit einem „Fortschritt" der Medien zu tun haben, die neue Wissens- und Kommunikationsformen produzieren und dadurch neue Bedürfnislagen schaffen, oder doch eher mit einer Modifikation älterer Medien, die auf neue Bedürfnisse reagieren (Mobilität, Schnelligkeit, Erreichbarkeit, Vernetzung, Reproduzierbarkeit etc.).

Geschichte der medialen Öffentlichkeit(en)

Innerhalb der Geschichtswissenschaft verbindet sich Mediengeschichte – im Anschluss u.a. an die Arbeiten von Jürgen Habermas[40] und Niklas Luhmann[41] – mit der Untersuchung von Öffentlichkeit(en) in historischer Perspektive.[42] Öffentlichkeit gilt hier als diejenige Sphäre, in der Informationen und Meinungen ausgetauscht und soziale, politische oder kulturelle Fragen so verhandelt werden, dass die interessierte Bevölkerung daran zumindest passiv teilhaben kann. Dies setzt allerdings voraus, dass die Entstehung von Öffentlichkeit in historischer Langzeitperspektive in den Blick genommen wird. Auch antike und mittelalterliche Gesellschaften sollten deshalb daraufhin untersucht werden, welche Formen (medialer) Öffentlichkeiten sie kannten und wie ein moderner Begriff der Öffentlichkeit sich aus früheren Praxen und Konzepten ableitet (z.B. der antiken Volksversammlung oder der höfischen Gesellschaft).

In der neueren und neuesten Geschichte wird die Medienöffentlichkeit – oft durchaus normativ – als integraler Bestandteil demokratischer Staaten und Gesellschaften behandelt, während umgekehrt die staatliche Kontrolle öffentlicher Diskurse (z.B. in Form von Zensur oder Verknappung von Ressourcen wie Druckpapier, Verfolgung Oppositioneller, Zentralisierung des Pressewesens) als Indiz für die Abwesenheit von Demokratie gewertet wird. Dies gilt vor allem für die faschistischen und totalitären Staaten des 20. Jahrhunderts. Arbeiten zur Mediengeschichte des Nationalsozialismus, die hier beispielhaft genannt seien, verweisen darauf, dass die Kontrolle der Medien ein integraler Bestandteil des nationalsozialistischen Herrschaftssystems war.[43] Die Medienkontrolle betraf die Produktion (Gleichschaltung der Presse, Einführung des Fernsehens) ebenso wie die Rezeption (Verbot des Hörens von „Feindsendern", Bücherverbrennung etc.).

Während sich einerseits jüngere Forschungen mit der Bedeutung medialer Öffentlichkeit(en) in ausgewählten Nationalstaaten beschäftigen und dabei in diachroner Perspektive Übergänge von der Demokratie zur Diktatur bzw. umgekehrt untersuchen,[44] nehmen andererseits vergleichende Arbeiten zu, die die Medien(systeme) von Demokratien und Diktaturen perspektivisch aufeinander beziehen, wobei der Vergleich westlicher Demokratien mit sozialistischen Diktaturen in Osteuropa nach dem Zweiten Weltkrieg besonders prominent ist.[45] Auch hier wird generell angenommen, dass die jeweiligen Mediensysteme entscheidend den Charakter der Gesellschaft und der politischen Institutionen prägten. Allerdings verweisen jüngere Arbeiten zunehmend auf Ähnlichkeiten in der Medienentwicklung, vor allem im Bereich der populären Medien. Dies gilt für Massenmedien wie Film und Fernsehen, aber auch für die Medien der Popkultur (die, so die Definition von Jürgen Danyel und Árpád von Klimó, populäre Kulturen ironisch verfremdet[46]) bzw. der verschiedenen Sub- und Jugendkulturen. Während letztere in westlichen Demokratien vor allem eine Kritik der vermeintlichen Dekadenz bürgerlicher Gesellschaften formulierten, konfrontierten sie sozialistische Gesellschaften mit ihrer tendenziellen Unfähigkeit, moderne Bedürfnisse in den Bereichen Konsum (Jeans, Autos, Kaffee) und Medienrezeption (Schallplatten, Zeitschriften, Radioprogramm) zu befriedigen – eine Unfähigkeit, die möglicherweise entscheidend zum Scheitern des Staatssozialismus in Osteuropa beitrug. Neuere Untersuchungen legen die Vermutung nahe, dass Medien nicht nur Subsysteme verschiedener Herrschaftsformen sind, sondern dass der Prozess der Medialisierung aller Lebensbereiche das Potenzial entfaltet, Diktaturen von innen zu zersetzen.[47]

Einen Sonderfall im Bereich des Systemvergleichs bildet die deutsch-deutsche Mediengeschichte, die es erlaubt, die Entwicklung einer Nation in zwei Staaten und Systemen vergleichend zu untersuchen.[48] Dabei gilt es indes zu berücksichtigen, dass der Systemkonflikt nicht nur die beiden deutschen Staaten bzw. die politisch, militärisch und ökonomisch zusammengehörigen Blöcke trennte, sondern auch quer durch die jeweiligen Gesellschaften verlief.[49] Werden freie Medien von Diktaturen tendenziell als Bedrohung empfunden bzw. Medien von Seiten des Staates als Propagandainstrument genutzt, dienen sie in demokratischen Gesellschaften in so starkem Maß einem Prozess öffentlicher Meinungsfindung, dass bereits die Frage in den Raum gestellt wurde, ob von der Aufwertung der Medien zur „Vierten Gewalt" bzw. von der Entstehung einer „Mediokratie" als neuer Staatsform die Rede sein kann.[50]

Unabhängig von der Untersuchung solcher „Systemfragen" werden verschiedene Teilbereiche der historischen Forschung um eine mediengeschichtliche Perspektive erweitert, zum Beispiel die Terrorismusforschung,[51] die Erforschung von Geschlechterverhältnissen,[52] Protestbewegungen,[53] religiösen Konflikten[54] und nicht zuletzt der Bereich der Erinnerungskultur und Geschichtsaufarbeitung.[55] Diese Entwicklung verläuft analog zu früheren Entwicklungen, in denen jeweils neue Perspektiven (z.B. der Sozialgeschichte, der Geschlechtergeschichte oder der postkolonialen Geschichte) zunächst innerhalb eines Teilbereichs erprobt wurden, um dann sukzessive auf weite Teile der Forschung auszustrahlen und von diesen integriert zu werden. Zuweilen löst die Erweiterung der Fragen und Methoden der Mediengeschichte Kontroversen aus, die sich in erster Linie um den jeweiligen Gegenstand, in zweiter Linie aber auch um Sinn und Nutzen der Mediengeschichte drehen. Ein Beispiel hierfür ist die Debatte über die sogenannte RAF-Ausstellung, in der die Berliner KunstWerke 2005 Bilder, Skulpturen und Installationen präsentierten, die sich mit dem Linksterrorismus in der Bundesrepublik auseinandersetzen. Während Kritiker/innen der Ausstellung befürchteten, im Schatten der Ausstellung werde die RAF zum „Mythos" stilisiert und ihre historische Bedeutung in unangemessener Weise aufgewertet, nahmen Befürworter/innen die Kunstschau zum Anlass, in die Auseinandersetzung um den Terrorismus auch medienhistorische und -theoretische Aspekte einzubeziehen bzw. überhaupt eine medienhistorische Perspektive auf den Terrorismus der 1970er-Jahre zu entwickeln.[56] Seither ist eine ganze Reihe von Publikationen erschienen, die diesen Fragen mit den Methoden der Diskursforschung, der Medienwissenschaft, der Geschichts-, Literatur- und Bildwissenschaft nachgehen.[57] Ob dies der Ausstellung zu verdanken ist oder ob umgekehrt die Ausstellung einen bereits vorhandenen Trend aufgriff, sei dahingestellt.

Ausblick: Fragen und Felder der Mediengeschichte im 21. Jahrhundert

Seit den 1990er-Jahren ist neben der „ästhetischen" und der „soziopolitischen" Mediengeschichte eine starke kulturwissenschaftliche Erweiterung des Feldes zu beobachten. Eine wachsende Zahl von Publikationen verbindet Mediengeschichte (als Geschichte medialer Öffentlichkeit/en) mit Konzepten wie der historischen Emotionsforschung,[58] der Raumforschung[59] oder der Performativitätsforschung.[60] Besonders stark nimmt zur Zeit – genauer: seit Beginn des Iconic Turn, mit dem seit Mitte der 1990er-Jahre eine paradigmatische Wende von der Schrift zum Bild als kulturellem Leitmedium diagnostiziert wird –[61] das Interesse an der Visual History zu, die die historische Erforschung von statischen und bewegten Bildern als neues Feld an der Schnittstelle zwischen Geschichts- und Medienwissenschaft etabliert. So waren „Geschichtsbilder" das Thema des Historikertags 2006 in Konstanz – wobei als Geschichtsbilder indes nicht nur Visualisierungen, sondern auch nicht-visuelle „Vorstellungen" fungieren können.[62] Gerade im Umfeld der Visual History hat es jedoch bereits heftige Kontroversen um den Umgang mit Bildern als historischen Quellen gegeben. Eine von ihnen wurde durch eine Ausstellung des Hamburger Instituts für Sozialforschung entfacht, die 1995 unter dem Titel Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944 eröffnet und nach massiver Kritik am Umgang mit fotografischen Quellen in den Jahren 1999 bis 2001 gründlich überarbeitet wurde.[63] Auch wenn die Kritik sich teilweise als unberechtigt erwies, hatte der Fall Wehrmachtssausstellung doch zur Folge, dass manch ein Historiker den Umgang mit fotografischem Material, vor allem im Kontext der NS-Forschung, eher meidet: Zu deutlich wurde es, dass das „Lesen" von Bildern andere Kompetenzen und Methoden erfordert als das Lesen von Texten und dass Fehldeutungen fatale Folgen haben können. Hier wäre es möglicherweise sinnvoll, aktuelle Diskussionen über den Begriff der „Evidenz" aufzugreifen, die derzeit in der Kulturwissenschaft geführt werden.[64]

Darüber hinaus besteht enormer Nachholbedarf im Bereich der historischen Rezeptionsforschung. Dies ist zum einen dadurch bedingt, dass Rezeptionsforschung generell ein schwieriges Feld ist: Quantitative Forschung erweist sich als sehr aufwändig, während die ausschließlich qualitative Rezeptionsforschung Ergebnisse zutage fördert, deren Repräsentativität nicht gesichert ist. Diese Schwierigkeiten potenzieren sich, je weiter die zu erforschenden Rezeptionsvorgänge in der Vergangenheit liegen. Zeitzeugen sind oft nicht mehr am Leben oder schwer zu finden; darüber hinaus liegt auf der Hand, dass ihre Aussagen, so man denn geeignete Personen findet, aus einer Erinnerung schöpfen, die selbst nicht nur Grundlage, sondern auch Ergebnis biografischer Veränderungsprozesse ist. Die historische Medienrezeptionsforschung ist deshalb auf schriftliche Quellen wie Leserbriefe, Rezensionen, Briefe etc. angewiesen, die stets fragmentarisch bleiben.

Weitere zentrale Fragen der vergleichenden Mediengeschichtsforschung lauten: Welche Rolle(n) spielen Medien im Übergang von der industriellen zur postindustriellen Gesellschaft? Welche Unterschiede bestehen zwischen nationalen Medienkulturen und wie sind demgegenüber transnationale Parallelen und Transferprozesse zu bewerten?[65] Welchen Beitrag haben Massenmedien zum Prozess der Globalisierung geleistet? Welchen Funktionswandel durchlaufen Öffentlichkeiten in verschiedenen Staatsformen unter den Bedingungen der Digitalisierung? Wie wird Geschichte in populären Medien präsentiert?[66] Diese Fragen werden bereits in einigen Graduiertenkollegs und Sonderforschungsbereichen bearbeitet[67] und werden auch im 21. Jahrhundert ein gemeinsames Feld der Medien- und Geschichtswissenschaft bilden, das an Gewicht und Bedeutung tendenziell zunehmen dürfte.

Empfohlene Literatur zum Thema

Zitation
Annette Vowinckel, Mediengeschichte, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 11.2.2010, URL: http://docupedia.de/zg/Mediengeschichte_Version_1.0_Annette_Vowinckel?oldid=124989

Versionen: 2.0 1.0

Nutzungsbedingungen für diesen Artikel

Copyright (c) 2017 Clio-online e.V. und Autor, alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk entstand im Rahmen des Clio-online Projekts „Docupedia-Zeitgeschichte“ und darf vervielfältigt und veröffentlicht werden, sofern die Einwilligung der Rechteinhaber vorliegt. Bitte kontaktieren Sie: <redaktion@docupedia.de>

Weiterempfehlen

Anmerkungen









Der für das Attribut „ItemListDisplay“ des Datentyps Seite angegebene Wert „
Mediengeschichte Version: 1.0 (11.02.2010)
“ enthält ungültige Zeichen oder ist unvollständig. Er kann deshalb während einer Abfrage oder bei einer Annotation unerwartete Ergebnisse verursachen.











[[Category:]]


[[Category:]][[Category:| ]]






Annette Vowinckel



























Es ist kein Wert für den Titel einer Seite vorhanden (z. B. SomeProperty::, [[]]) und kann somit nicht als Name oder Teil einer Abfragebedingung verwendet werden.




[[Category:| ]]





Clio-online


  1. Von Bedeutung ist hier vor allem Benjamins Werk „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“, Frankfurt a. M. 1963.
  2. Z.B. die Schriften zur Ikonografie und Ikonologie bzw. zur Filmanalyse: Erwin Panofsky, Studien zur Ikonologie. Humanistische Themen in der Kunst der Renaissance, Köln: DuMont 1980; ders., Stil und Medium im Film und die ideologischen Vorläufer des Rolls-Royce-Kühlers, Frankfurt a. M. 1999; Aby Warburg, Gesammelte Schriften, 2 Bde., hrsg. von Gertrud Bing, Hamburg 1932.
  3. Z.B. Siegfried Kracauer, Von Caligari bis Hitler. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Films, Hamburg 1958.
  4. Bertolt Brecht, Der Rundfunk als Kommunikationsapparat. Rede über die Funktion des Rundfunks, in: Werke Bd. 21, Berlin 1992, S. 552-557; Gebhard Rusch/Helmut Schanze/Gregor Schwering (Hg.), Theorien der Neuen Medien. Kino, Radio, Fernsehen, Computer, Paderborn: Fink 2007, S. 153-159.
  5. Vgl. Niklas Luhmann, Die Realität der Massenmedien, Opladen: Westdeutscher Verlag 1996; Peter Ludes, Mediensoziologie, in: Helmut Schanze (Hg.), Handbuch der Mediengeschichte, Stuttgart 2001, S. 119-139.
  6. Zum Verhältnis von historischer Medienwissenschaft und Medien untersuchender Geschichtswissenschaft vgl. z.B. Fabio Crivellari u.a., Einleitung: Die Medialität der Geschichte und die Historizität der Medien, in: ders. u.a. (Hg.), Die Medien der Geschichte: Historizität und Medialität in interdisziplinärer Perspektive, Konstanz 2004, S. 9-45.
  7. Z.B. Jo Reichertz, Die Medien als selbständige Akteure, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 12 (2007), S. 25-31, in: http://www.bpb.de/publikationen/CXOO3M,0,Die_Medien_als_selbst%E4ndige_Akteure.html (28.09.2009).
  8. Jochen Schulte-Sasse, Medien/medial, in: Karlheinz Barck u.a. (Hg.), Ästhetische Grundbegriffe, Band 4, Stuttgart 2002, S. 1-39, hier S. 1.
  9. Vgl. ebd.
  10. Vgl. Mathias Gutmann, Medienphilosophie des Körpers, in: Mike Sandbothe (Hg.), Systematische Medienphilosophie, Berlin 2005, S. 99-111.
  11. Semiotik ist die von Charles Sanders Peirce begründete Lehre vom Wesen und Gebrauch der Zeichen, der zufolge neben den Buchstaben auch Bilder Zeichen sind bzw. als solche gelesen werden müssen. Vgl. z.B. Dieter Mersch (Hg.), Zeichen über Zeichen: Texte zur Semiotik von Peirce bis Eco und Derrida, München 1998.
  12. Schulte-Sasse 2002, S. 1.
  13. Zu früheren Formen der Kritik populärer Kulturen vgl. Thomas Hecken (Hg.), Theorien der Populärkultur, Bielefeld 2007.
  14. Vgl. z.B. Theodor W. Adorno, Prolog zum Fernsehen, in: ders., Gesammelte Schriften, Bd. 10.1, Frankfurt a. M. 1977, S. 507-517; ders., Résumé über Kulturindustrie, in: Claus Pias u.a. (Hg.), Kursbuch Medienkultur: Die maßgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard, Stuttgart 2000, S. 202-208.
  15. Marshall McLuhan, Understanding Media, London 2001, S. 7f.
  16. Vgl. Schulte-Sasse 2002, S. 2; Rainer Leschke, Medientheorie, in: Helmut Schanze (Hg.), Handbuch der Mediengeschichte, Stuttgart 2001, S. 14-40, bes. S. 27 u. 31ff.
  17. Z.B. Erdmann Weyrauch, Das Buch als Träger der frühneuzeitlichen Kommunikationsrevolution, in: Michael North (Hg.), Kommunikationsrevolutionen. Die neuen Medien des 16. und 19. Jahrhunderts Köln 1995, S. 1-13; Elisabeth L. Eisenstein, The Printing Press as an Agent of Change. Communications and Cultural Transformations in Early-Modern Europe, Bd. 1, Cambridge 1979; Michael Giesecke, Der Buchdruck in der frühen Neuzeit. Eine historische Fallstudie über die Durchsetzung neuer Informationstechnologien. Frankfurt a. M. 1994.
  18. Natalie Binczek/Nicolas Pethes, Mediengeschichte der Literatur, in: Helmut Schanze (Hg.), Handbuch der Mediengeschichte, Stuttgart 2001, S. 284-315.
  19. Helmut Schanze/Gerd Steinmüller, Mediengeschichte der Bildkünste, in: ders. (Hg.), Handbuch der Mediengeschichte, Stuttgart 2001, S. 373-397.
  20. Z.B. Astrid Blome, Presse und Geschichte. Leistungen und Perspektiven der historischen Presseforschung, Bremen 2008.
  21. Z.B. Hanns-Clas Dammann, Stimme aus dem Äther – Fenster zur Welt: Die Anfänge von Radio und Fernsehen in Deutschland, Köln 2005; Klaus Arnold/Christoph Classen (Hg.), Zwischen Pop und Propaganda. Radio in der DDR, Berlin 2004.
  22. Z.B. Antje Budde, Bunt, gemischt, braun – Fernsehen und Unterhaltung im Dritten Reich, in: Wolfgang Mühl-Benninghaus (Hg.), Drei Mal auf Anfang. Fernsehunterhaltung in Deutschland, Berlin 2006, S. 45-64; Albert Abramson/Herwig Walitsch (Hg.), Die Geschichte des Fernsehens, Paderborn 2002; Helmut Kreuzer (Hg.), Geschichte des Fernsehens in der Bundesrepublik Deutschland, 5 Bde., München 1994.
  23. Manfred Kammer, Geschichte der Digitalmedien, in: Helmut Schanze (Hg.), Handbuch der Mediengeschichte, Stuttgart 2001, S. 519-554; Jochen Hörisch, Eine Geschichte der Medien. Von der Oblate zum Internet, Frankfurt a. M. 2004, S. 374-403.
  24. Jens Ruchatz, Personenkult. Elemente einer Mediengeschichte des Stars, in: Annette Keck/Nicolas Perthes (Hg.), Menschenbilder als Medienprojektionen, Bielefeld 2001, S. 332-350.
  25. Rainer Gries, Produkte als Medien. Kulturgeschichte der Produktkommunikation in der Bundesrepublik und der DDR, Leipzig 2003.
  26. Z.B. Joan Kristin Bleicher, Mediengeschichte des Fernsehens, in: Helmut Schanze (Hg.), Handbuch der Mediengeschichte, Stuttgart 2001, S. 490-518.
  27. Z.B. Helmut Kreuzer (Hg.), Geschichte des Fernsehens in der Bundesrepublik Deutschland, 5 Bde., München 1993f.
  28. Z.B. Rüdiger Steinmetz/Reinhold Viehoff, Deutsches Fernsehen Ost. Eine Programmgeschichte des DDR-Fernsehens, Berlin 2008.
  29. Z.B. Michael E. Geisler, Nazis into Democrats? The Internationale Frühschoppen and the Case of Werner Höfer, in: Tel Aviver Jahrbuch für Deutsche Geschichte 31 (2003), S. 231-252; Peter Merseburger, Rudolf Augstein, München 2007.
  30. Z.B. Michael Meyen, Einschalten, Umschalten, Ausschalten?, Leipzig 2003.
  31. Z.B. Liane Rothenberger, Von elitär zu populär? Die Programmentwicklung im deutsch-französischen Kulturkanal arte, Konstanz 2008.
  32. Ebd., S. 212.
  33. Helmut Schanze, Integrale Mediengeschichte, in: ders. (Hg.), Handbuch der Mediengeschichte, Stuttgart 2001, S. 207-283, hier S. 209.
  34. Vgl. Werner Faulstich, Geschichte der Medien, Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht 1996-2004, Bd. 1: Das Medium als Kult. Von den Anfängen bis zur Spätantike (8. Jahrhundert); Bd. 2: Medien und Öffentlichkeiten im Mittelalter (800-1400); Bd. 3: Medien zwischen Herrschaft und Revolte. Die Medienkultur der frühen Neuzeit (1400-1700); Bd. 4: Die bürgerliche Mediengesellschaft (1700-1830); Bd. 5: Medienwandel im Industrie- und Massenzeitalter (1830-1900); Rudolf Stöber, Mediengeschichte. Die Evolution „neuer“ Medien von Gutenberg bis Gates. Eine Einführung, Bd. 1: Presse – Telekommunikation, Bd. 2: Film – Rundfunk – Multimedia, Wiesbaden 2003.
  35. Einmal ins World Wide Web gestellte Daten können nur noch mit speziellen Programmen vollständig und endgültig wieder gelöscht werden. Für Laien ist dies so schwierig, dass hier eine neue Dienstleistung entsteht (vgl. http://www.web-killer.de, http://daten-aus-internet-loeschen.de/).
  36. Vgl. Walter J. Ong, Orality and Literacy, London 1982; ders., Literacy and Orality in our Times, in: Thomas J. Farrell/Paul A. Soukup (Hg.), An Ong Reader: Challenges for Further Inquiry, Cresskill, NJ 2002, S. 465-478. Vgl. auch Gernot Grube/Werner Kogge/Sybille Krämer (Hg.), Schrift. Kulturtechnik zwischen Auge, Hand und Maschine, München 2005.
  37. Michael Giesecke, Der Buchdruck in der frühen Neuzeit, Frankfurt a. M. 1991, S. 33; Sherry Turkle, Die Wunschmaschine – Der Computer als zweites Ich, Reinbek 1986.
  38. Niklas Luhmann, Die Wissenschaft der Gesellschaft, Frankfurt a. M. 1990, S. 603.
  39. Vgl. z.B. Hartmut Böhme, Einführung: Netzwerke. Zur Theorie und Geschichte einer Konstruktion, in: Jürgen Barkhoff/Hartmut Böhme/Jeanne Riou (Hg.), Netzwerke. Eine Kulturtechnik der Moderne, Köln 2004, S. 17-36.
  40. Wegweisend ist hier nach wie vor Jürgen Habermas, Strukturwandel der Öffentlichkeit. Untersuchungen zu einer Kategorie der bürgerlichen Gesellschaft, Frankfurt a. M. 1962.
  41. Siehe Anm. 4.
  42. Vgl. Karl Christian Führer, Knut Hickethier und Axel Schildt, Öffentlichkeit – Medien – Geschichte. Konzepte der modernen Öffentlichkeit und Zugänge ihrer Erforschung, in: Archiv für Sozialgeschichte 41 (2001), S. 1-38.
  43. Vgl. z.B. Michael Wildt, Geschichte des Nationalsozialismus, Göttingen 2008, S. 40-50; Clemens Zimmermann, Medien im Nationalsozialismus: Deutschland, Italien und Spanien in den 1930er und 1940er Jahren, Wien 2007; Bernd Heidenreich/Sönke Neitzel (Hg.), Medien im Nationalsozialismus, München 2009.
  44. Z.B. Christina von Hodenberg, Konsens und Krise: Eine Geschichte der westdeutschen Medienöffentlichkeit 1945-1973, Göttingen 2006; Bernd Weisbrod (Hg.), Die Politik der Öffentlichkeit – die Öffentlichkeit der Politik: Politische Medialisierung in der Geschichte der Bundesrepublik, Göttingen 2003; Frank Bösch/Norbert Frei (Hg.), Medialisierung und Demokratie im 20. Jahrhundert, Göttingen 2006; Daniela Münkel, Willy Brandt und die „Vierte Gewalt“. Politik und Massenmedien in den 50er bis 70er Jahren, Frankfurt a. M. 2005; dies./Lu Seegers (Hg.), Medien und Imagepolitik im 20. Jahrhundert: Deutschland, Europa, USA, Frankfurt a. M. 2008; Lars Rosumek, Die Kanzler und die Medien. Acht Porträts von Adenauer bis Merkel, Frankfurt a. M. 2007 (das britische Pendant ist: Colin Seymour-Ure, Prime Ministers and the Media: Issues of Power and Control, Oxford 2003); Jürgen Wilke (Hg.), Mediengeschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn 1999. Einen guten Überblick zum Stand der Medienforschung in der Geschichtswissenschaft bietet das Archiv für Sozialgeschichte 41 (2001), Themenheft: Mediengeschichte und Massenkommunikation in Deutschland. Inhaltsverzeichnis: http://library.fes.de/afs-online/fr-baende.html (23.6.2009).
  45. Vgl. z.B. Susan Buck-Morss, Dreamworld and Catastrophe. The Passing of Mass Utopia in East and West, Cambridge 2002; David Caute, The Dancer Defects. The Struggle for Cultural Supremacy during the Cold War, Oxford 2003; Rana Mitter/Patrick Major (Hg.), Special Issue on Across the Blocs: Cold War Cultural and Social History, London 2003; Uta Poiger, Jazz, Rock, and Rebels. Cold War Politics and American Culture in a Divided Germany, Berkeley 2000.
  46. Vgl. Árpád von Klimó/Jürgen Danyel (Hg.), Thema: Pop in Ost und West. Populäre Kultur zwischen Ästhetik und Politik, 2006, http://www.zeitgeschichte-online.de/zol/portals/_rainbow/documents/pdf/pop_klimo.pdf (23.06.2009).
  47. Vgl. z.B. Thomas Lindenberger (Hg.), Massenmedien im Kalten Krieg: Akteure, Bilder, Resonanzen, Köln 2006.
  48. Jens Ruchatz (Hg.), Mediendiskurse deutsch/deutsch, Weimar: VDG 2005.
  49. Vgl. z.B. Lindenberger (Hg.), Massenmedien im Kalten Krieg.
  50. Z. B. Thomas Meyer, Mediokratie. Die Kolonisierung der Politik durch das Mediensystem, Frankfurt a. M. 2004.
  51. Klaus Weinhauer/Jörg Requate/Heinz-Gerhard Haupt (Hg.), Terrorismus in der Bundesrepublik: Medien, Staat und Subkulturen in den 1970er Jahren, Frankfurt a. M. 2006; Nicole Colin u.a. (Hg.), Der „Deutsche Herbst“ und die RAF in Politik, Medien und Kunst, Nationale und internationale Perspektiven, Bielefeld 2008.
  52. Z.B. Susanne Regener, Das verzeichnete Mädchen. Zur Darstellung des bürgerlichen Mädchens in Photographie, Puppe, Text im ausgehenden 19. Jahrhundert, Marburg 1988.
  53. Z.B. Kathrin Fahlenbrach, Protestinszenierungen. Visuelle Kommunikation und kollektive Identitäten in Protestbewegungen, Wiesbaden 2002.
  54. Eva-Maria Schnurr, Religionskonflikt und Öffentlichkeit. Eine Mediengeschichte des Kölner Kriegs (1582-1590), Köln 2009.
  55. Z.B. Sabine Horn/Michael Sauer, Geschichte und Öffentlichkeit. Orte – Medien – Institutionen, Göttingen 2009; Moshe Zuckermann (Hg.), Medien – Politik – Geschichte, Göttingen (d.i. Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte Bd. 31).
  56. Vgl. Zeitgeschichte-online, Thema: Die RAF als Kunst-Werk, Februar 2005, http://www.zeitgeschichte-online.de/md=RAF-Inhalt (25.01.2010).
  57. Z.B. Hanno Balz, Von Terroristen, Sympathisanten und dem starken Staat. Die öffentliche Debatte über die RAF in den 70er Jahren, Frankfurt a. M. 2008; Nicole Colin u.a. (Hg.), Der „Deutsche Herbst“ und die RAF in Politik, Medien und Kunst. Nationale und internationale Perspektiven, Bielefeld 2008; Andreas Elter, Propaganda der Tat. Die RAF und die Medien, Frankfurt a. M. 2008; Sonja Glaab, Medien und Terrorismus. Auf den Spuren einer symbiotischen Beziehung, Berlin 2007; Inge Stephan (Hg.), NachBilder der RAF, Köln 2008; Klaus Weinhauer (Hg.), Terrorismus in der Bundesrepublik. Medien, Staat und Subkulturen in den 1970er Jahren, Frankfurt a. M. 2006.
  58. Frank Bösch/Manuel Borutta (Hg.), Die Massen bewegen: Medien und Emotionen in der Moderne, Frankfurt a. M. 2006.
  59. Z.B. Margaret Wertheim, The Pearly Gates of Cyberspace. A History of Space from Dante to the Internet, Virago 1999 (dt.: Die Himmelstür zum Cyberspace. Eine Geschichte des Raumes von Dante zum Internet, Zürich 2000).
  60. Vgl. Jürgen Martschukat/Steffen Patzold (Hg.), Geschichtswissenschaft und „performative turn“. Ritual, Inszenierung und Performanz vom Mittelalter bis zur Neuzeit, Köln 2003.
  61. Vgl. Hubert Burda/Christa Maar (Hg.), Iconic Turn. Die neue Macht der Bilder, Köln 2004.
  62. Vgl. Matthias Bruhn, Historiografie der Bilder. Eine Einführung zum Themenschwerpunkt „Sichtbarkeit der Geschichte“ von H-Soz-u-Kult und H-ArtHist, in: H-Soz-u-Kult, 19.1.2004, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/forum/id=389&type=diskussionen (29.9.2009).
  63. Vgl. Bogdan Musial, Bilder einer Ausstellung. Kritische Anmerkungen zur Wanderausstellung „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 47 (1999) H. 4, S. 563-591; Hamburger Institut für Sozialforschung (Hg.), Ausstellungskatalog „Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941-1944“, Hamburg 2002.
  64. Z.B. Tom Holert, Evidenz-Effekte. Überzeugungsarbeit in der visuellen Kultur der Gesellschaft, in: Matthias Bickenbach/Axel Fliethmann (Hg.), Korrespondenzen. Visuelle Kulturen zwischen Früher Neuzeit und Gegenwart, Köln 2002, S. 198-225; Karin Harrasser/Helmut Lethen/Elisabeth Timm (Hg.), Sehnsucht nach Evidenz, Bielefeld 2009 (d.i. Zeitschrift für Kulturwissenschaften 3 (2009), H. 1); Rolf F. Nohr (Hg.), Evidenz – „... das sieht man doch!“, Münster: Lit 2004; Gary Smith (Hg.), Die ungewisse Evidenz. Für eine Kulturgeschichte des Beweises, Berlin 1998.
  65. Diese Frage war Gegenstand des Workshops „Nationale Medienkulturen und politische Kommunikation im 20. Jahrhundert“, der im Oktober 2008 von Christoph Classen, Thomas Mergel und Daniel Siemens am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam veranstaltet wurde, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=2401&count=142&recno=40&sort=datum&order=down&geschichte=159 (Tagungsbericht von Nora Helmli 08.12.2008).
  66. Vgl. Barbara Korte/Sylvia Paletschek (Hg.), History Goes Pop. Zur Repräsentation von Geschichte in populären Medien und Genres, Bielefeld 2009.
  67. Z.B. Graduiertenkolleg 891: Transnationale Medienereignisse von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart (Universität Gießen), http://www.uni-giessen.de/cms/fbz/dfgk/tme (02.10.2009); Graduiertenkolleg 1020: Mediale Historiographien (Universitäten Weimar, Erfurt, Jena), http://www.mediale-historiographien.de/AKT.html (02.10.2009); Sonderforschungsbereich 615: Medienumbrüche: Medienkulturen und Medienästhetik zu Beginn des 20. Jahrhunderts und im Übergang zum 21. Jahrhundert (Universität Siegen), http://www.fk615.uni-siegen.de/de/index.php (02.10.2009).