Spaeth antifaschismus v1 de 2019

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Der Beitrag gibt einen Überblick über die Begriffsgeschichte des Antifaschismus und das dazugehörige Forschungsfeld. Ziel der Ausführungen ist es, einige Entwicklungen der internationalen Literatur und Potenziale des „transnational turn“ in Bezug auf das Thema herauszuarbeiten. Räumlich konzentriert sich der Beitrag auf die historischen Ursprungsländer Italien und Deutschland. Zugleich öffnen europäische und globale Seitenblicke vergleichende und beziehungsgeschichtliche Perspektiven.
Antifaschismus. Begriff, Geschichte und Forschungsfeld in westeuropäischer Perspektive

von Jens Späth


Begriffliche Annäherungen

„Kameraden! Wir Buchenwalder Antifaschisten sind heute angetreten zu Ehren der in Buchenwald und seinen Außenkommandos von der Nazi-Bestie und ihren Helfershelfern ermordeten 51 000 Gefangenen!“ Mit diesen Worten beginnt die als „Schwur von Buchenwald“ bekannte Ansprache zum Totengedenken am 19. April 1945 im gerade befreiten Konzentrationslager vor den Toren Weimars. Die aus 16 Ländern stammenden Lagerinsassen schworen in fünf Sprachen: „Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht! Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“[1]

In diesem konkreten Fall wurde Antifaschismus als organisierte, überparteiliche und transnationale Sammelbewegung gegen den Nationalsozialismus und sein Erbe sowie für eine friedliche und freiheitliche Welt verstanden. Dagegen gestalten sich Definitionsversuche, die das Phänomen in den folgenden Jahrzehnten bis heute greifen können, zunehmend schwieriger. Genügt es, Antifaschismus als „alle soziale Bewegungen und Ideologien“ zu bezeichnen, „die sich in Theorie und Praxis gegen jede Erscheinungsform von Faschismus wenden“?[2] Ignoriert eine solch allgemeine Definition nicht die Vielschichtigkeit des Begriffs in unterschiedlichen Zeiten und Orten, die positive Konnotation als „Verteidigung westlicher Kultur und Demokratie“ sowie die Tatsache, dass der Begriff durch kommunistische Instrumentalisierungen kontaminiert ist?[3] Schließlich versammelten sich unter dem Dach des Antifaschismus so widersprüchliche Gruppen wie Kommunisten und Konservative. Ihr kleinster gemeinsamer Nenner, ihr „antifaschistisches Minimum“ bestand darin, die faschistische Regierung in Italien und die nationalsozialistische in Deutschland zu stürzen und deren Fremdherrschaft in den besetzten Ländern zu beenden. Ansätze, Vorstellungen und Strategien hierzu divergierten beträchtlich, je nachdem ob sie aus demokratischer, antikapitalistischer, antimilitaristischer, religiöser oder pazifistischer Perspektive kamen.[4]

Antifaschismus scheint also zunächst kein Wert an sich zu sein, sondern ein vorwiegend linkes, wenn auch uneinheitliches Phänomen gegen faschistische Bewegungen. Der britische Historiker Nigel Copsey hat vorgeschlagen, das „antifaschistische Minimum“, verstanden als universelle Konzepte der Aufklärung (Menschen- und Bürgerrechte, Demokratie, Freiheit), über aktive Oppositions- und Widerstandshandlungen gegen den „wahren“ Faschismus hinaus auf die Vielfalt liberaler und gewaltfreier antifaschistischer Erscheinungsformen auszudehnen. Die Stimme der historischen Akteure sei entscheidend – ob sie Faschismus zutreffend definierten oder nicht. Dementsprechend differenzierter definiert Copsey Antifaschismus als „einen Gedanken, eine Haltung oder ein Gefühl von Feindschaft zur faschistischen Ideologie und ihren Propagandisten“, gegen die man aktiv oder passiv in verschiedenen Formen etwa mittels der Legislative, der Medien, Regierungsorganen und NGOs vorgehen könne.[5] Dieses breitere Verständnis von Antifaschismus, das die Gestalt einer Haltung oder einer Ideologie annehmen kann und das deutlich über organisierte Bewegungen hinausgeht,[6] soll als Arbeitsgrundlage für die folgenden Ausführungen dienen.

Wie bei allen „Ismen“ besteht eine der grundlegenden Herausforderungen im Falle des Antifaschismus darin, zwischen dem Quellenbegriff als historischer Kategorie und der Instrumentalisierung als politischem Kampf- und Sammelbegriff zu unterscheiden. Dies zeigt sich auch am „Antifaschistischen Handbuch“ des amerikanischen Historikers Mark Bray, der, gegen die Trump-Regierung gerichtet, keinen Hehl daraus macht, dass sich seine Studie als „ungeniert parteiischer Ruf zu den Waffen“ gegen die erstarkende extreme Rechte weltweit versteht. Demzufolge bietet er trotz zahlreicher guter Gedanken nur eine bedingt differenzierende historische Analyse und erteilt lieber historische Lektionen und konkrete Handlungsempfehlungen für gegenwärtige Antifaschisten.[7]

Graffito an der Bushaltestelle „Torre Rossa/Domus Pacis” in Rom. Die Abbildung zeigt das Graffito im Jahr 2014. Mittlerweile ist es nach einer Reinigung seitens der römischen Verkehrsbetriebe verschwunden. Foto: Jens Späth ©
Graffito an der Bushaltestelle „Torre Rossa/Domus Pacis” in Rom. Die Abbildung zeigt das Graffito im Jahr 2014. Mittlerweile ist es nach einer Reinigung seitens der römischen Verkehrsbetriebe verschwunden. Foto: Jens Späth ©


Welche Rolle Antifaschismus als politischer Kampfbegriff bis in die Gegenwart zu spielen vermag, wird an aktuellen Debatten um Rechtspopulismus und Rechtsextremismus überall auf der Welt deutlich. In Italien zum Beispiel spaltet er nach wie vor militante Befürworter/innen und Gegner/innen, wie die Entwicklung eines Graffitos auf der Tafel einer römischen Bushaltestelle exemplarisch veranschaulicht: Zuerst stand dort nur „ANTIFA“. Später setzten Gegner dieser Parole ein „ANTI“ davor, ehe schließlich wieder die Befürworter aktiv wurden und das „ANTI-ANTIFA“ in „TANTI ANTIFA“ änderten.

Mit den „vielen Antifaschismen“ verweist das Graffito auf das bereits skizzierte Definitionsproblem. Die wissenschaftlichen Erklärungsmuster sind vielschichtig: Paradigma, transnationale Bewegung gegen den gemeinsamen Feind in den 1930er-Jahren, Mythos, Propagandainstrument der Kommunisten, Machtpolitik, zivile Religion, legitime politische Tradition eines hundert Jahre währenden globalen Kampfes, Demokratisierungsbewegung, alltäglich gelebter Habitus oder Ausdruck von Humanismus. Antifaschismus ist demnach zuallererst ein historisches Problem und eine offene Forschungsfrage, die keine einfachen Definitionen zulässt. Ausgangspunkt jeder Form und Definition von Antifaschismus muss das dazugehörige Faschismusverständnis sein. Ähnlich wie der Artikel Faschismus von Fernando Esposito geht auch dieser Beitrag, trotz der definitorischen Komplexität, von der These aus, dass der Antifaschismus-Begriff als historische Kategorie „sinnvolle Fragen und Vergleiche ermöglicht“ und eine valide wissenschaftliche Diskussion hervorbringen kann.[8]

Im Kontrast zu dieser Gemeinsamkeit steht die deutlich geringere Anzahl an Arbeiten über den Antifaschismus im Vergleich zur unüberschaubaren Fülle an Studien über den Faschismus. Anhand von Recherchen im nationalen italienischen Bibliothekskatalog lässt sich beispielsweise ablesen, dass auf eine Arbeit über „antifascismo“ etwa sechs Studien zum „fascismo“ kommen.[9] Gewiss existieren teils erhebliche Unterschiede in den nationalen Wissenschaftskulturen, die auf verschiedene historisch-politische Konjunkturen beider Begriffe zurückgehen.

Der folgende Beitrag bietet einen Überblick über die Begriffsgeschichte des Antifaschismus und das dazugehörige Forschungsfeld im 20. und 21. Jahrhundert. Ziel der Ausführungen ist es, anhand ausgewählter Aspekte – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – einige qualitative Schneisen in die Literatur über Antifaschismus zu schlagen. Räumlich konzentriert sich der Beitrag aus Interessens- und Kompetenzgründen auf Westeuropa. Eine zentrale Rolle nehmen dabei die historischen Ursprungsländer Italien und Deutschland ein, in denen sich zuerst Gegenbewegungen zu den faschistischen Regierungen ausbildeten. Zugleich öffnen Blicke nach Frankreich, Spanien und Großbritannien vergleichende und beziehungsgeschichtliche Perspektiven.[10] Der Beitrag thematisiert in einem ersten Schritt den Entstehungskontext des Begriffs in Italien und seine Verbreitung in andere Länder bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. In einem zweiten Schritt unterscheidet er mehrere Phasen des Phänomens seit 1945. Anschließend nimmt er die vergleichende Antifaschismus-Forschung seit den 1970er-Jahren in den Blick, vor allem aktuelle Ansätze transnationaler Historiografie wie Verflechtung, entanglements und histoire croisée. Das Fazit fragt nach dem Mehrwert dieses transnational turn in Bezug auf die Erforschung des Antifaschismus.


Entstehung, Verbreitung und Praxis des Begriffs 1921-1945

Die historischen Ursprünge des Begriffs Faschismus und seines Gegenbegriffs Antifaschismus liegen südlich der Alpen. Bezeichnete letzterer ab 1921 eine politische Gegenbewegung zum italienischen Faschismus, so wurde er bald auf die Bekämpfung rechtsgerichteter Diktaturen im Allgemeinen – in erster Linie den deutschen Nationalsozialismus – übertragen. Diese Entwicklung ist parallel auch für theoretische Arbeiten über den Faschismus bzw. die Faschismen zu beobachten: Es häufen sich Studien, die den Faschismus nicht nur als spezifisch italienisches, sondern als europäisches, wenn nicht gar globales Phänomen begreifen und dieses zudem mit anderen totalitären Strukturen, insbesondere marxistisch-leninistischen Systemen vergleichen.[11] Wie Nigel Copsey jüngst am Beispiel des indischen Dichters Rabindranath Tagore und dessen Unterstützung für ein internationales antifaschistisches Komitee 1927 gezeigt hat, existierten transnationale Reaktionen auf den Faschismus bereits deutlich vor dem Spanischen Bürgerkrieg. Zudem erstreckte sich dieser länderübergreifende Antifaschismus auch schon in der Frühphase über Europa hinaus.[12] Das politische Spektrum der selbsternannten Gegner des Faschismus reichte dabei von der breit gefächerten politischen Linken über Republikaner und katholische Kräfte bis weit hinein ins liberale und konservative bürgerliche Lager.

Italien

Am Anfang stand der von Argo Secondari gegründete paramilitärische Kampfbund Arditi del Popolo. Er vereinte anarchistische, kommunistische, sozialistische und republikanische Weltkriegsveteranen und Soldaten landesweit in rund 140 dezentralen Milizen mit bald 20.000 Mitgliedern. Als erste antifaschistische Organisation in Italien setzte er bereits ab 1921 der Bewegung um Benito Mussolinis rund 250.000 Personen umfassende Fasci italiani di combattimento entschiedenen Widerstand entgegen. Dessen Regierungsübernahme im Oktober 1922 konnte der Kampfbund aber aufgrund zahlenmäßiger und finanzieller Unterlegenheit sowie innerer Konflikte nicht verhindern und löste sich bald auf.[13]

Die Ereignisse in Italien rezipierend, diskutierte das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale (Komintern) 1923 erstmals über den Umgang mit dem Faschismus. Während Clara Zetkin mittels einer teils gewaltbereiten proletarischen Einheitsfront den Faschismus als höchsten Ausdruck von Klassenherrschaft überwinden wollte und dabei auf die Integration sozialer Schichten bis hin zur bürgerlichen Intelligenz setzte,[14] engte die „Resolution über den Faschismus“ ein Jahr später die antifaschistische Strategie erheblich ein.[15] Da besonders die SPD die liberal-demokratische Weimarer Republik stützte und auf einen strikt legalen Antifaschismus pochte, galten der Komintern zufolge Faschismus und Sozialdemokratie als „die beiden Seiten ein und desselben Werkzeuges der großkapitalistischen Diktatur“ und der Stalin’schen Formulierung zufolge als „Zwillingsbrüder“.[16] Mit dieser „Sozialfaschismusthese“ definierten die Kommunisten Antifaschismus als Kampfbegriff gegen faschistische und den bürgerlichen Staat tragende politische Kräfte gleichermaßen.[17]

Auch wenn die Komintern auf der Führungsrolle der kommunistischen Parteien im antifaschistischen Kampf beharrte, beteiligten sich zahlreiche weitere Parteien und Gruppen an diesem. Zwar engagierten sich etwa die italienischen Kommunisten mit am stärksten in der unmittelbar nach Mussolinis Ernennung zum Ministerpräsidenten einsetzenden antifaschistischen Untergrundpresse. Doch auch die Sozialisten warnten als Oppositionspartei während der Anfangsjahre vehement vor den Gefahren für die liberale Demokratie und verwendeten den Antifaschismusbegriff unmittelbar ab 1922 als Aufruf zum Widerstand gegen die faschistischen Gewaltaktionen im ganzen Land.[18] Verfechter eines proletarischen Liberalismus wie Piero Gobetti mit seiner programmatischen Zeitschrift „La Rivoluzione Liberale“, bürgerliche Liberale wie Benedetto Croce als Mitinitiator des 1925 erschienenen „Manifests antifaschistischer Intellektueller“[19] oder katholische Politiker wie der Priester und Mitbegründer des Partito Popolare Italiano Luigi Sturzo mit seiner Schrift „Antifaschistischer Gedanke“ aus demselben Jahr unterstreichen die äußerst heterogene Zusammensetzung des italienischen Antifaschismus.[20] Der junge Turiner Intellektuelle Gobetti beschrieb „unseren Antifaschismus“ schon einen Monat nach Mussolinis Amtsantritt eher als „Instinkt“ denn als „Ideologie“ und als „Nobilität des Geistes“ gegen die freiheitstötende Bewegung des Faschismus und fasste dementsprechend „unsere Arbeit als geistige Übung“ auf.[21]

Alle unterstützten aktiv den Widerstand, besonders nachdem die Ermordung des führenden sozialistischen Politikers Giacomo Matteotti nach einer flammenden antifaschistischen Parlamentsrede Ende Mai 1924 den Übergang Italiens in die Diktatur eingeleitet hatte.[22] Die Erkenntnis, dass die bisherige monolithische Strategie der Komintern diese Ereignisse nicht hatte verhindern können, veranlasste den führenden und zugleich internationalistischen Kopf der italienischen Kommunistischen Partei Antonio Gramsci 1926 zum Umdenken. Er plädierte für ein pluralistisches Konzept, in dem alle antifaschistischen Bündnispartner eigenständig agieren konnten.[23] Obwohl sich auch französische Kommunisten zur selben Zeit dagegen aussprachen, alles bürgerliche und sozialdemokratische Regierungshandeln als faschistisch zu brandmarken,[24] ließ sich die Komintern davon nicht beeindrucken.

Deutschland

In Deutschland taucht der Begriff Antifaschismus erstmals in den Schriften der von der Komintern und der Roten Gewerkschaftsinternationale 1923 gegründeten transnationalen „Antifaschistischen Weltliga“ auf. Dabei übersetzte die Komintern den Begriff in mehrere Sprachen und wandte ihn auf alle nationalistisch-autoritären Bewegungen in Europa – darunter auch den Nationalsozialismus – an. Ohne diesen Schritt wäre die Transnationalisierung des Antifaschismus sicher erst deutlich später erfolgt.[25] Ab 1924 versuchten die Kommunisten, mit der „Sozialfaschismusthese“ die deutsche Sozialdemokratie als linken Flügel des Faschismus zu bekämpfen. Umgekehrt setzten führende Sozialdemokraten wie Otto Wels und Rudolf Breitscheid Faschismus und Kommunismus gleich oder bezeichneten in den Worten Kurt Schumachers die KPD als „rotlackierte Doppelausgabe der Nationalsozialisten“.[26]

Umfassender mit dem Begriff Antifaschismus setzte sich 1926 der österreichische Sozialdemokrat und Leiter der antifaschistischen Kommission der Sozialistischen Arbeiterinternationale Julius Deutsch auseinander, der darunter den gemeinsamen transnationalen Kampf der Arbeiterbewegung gegen den Faschismus verstand.[27] Eine ähnliche Konzeption – obgleich natürlich stets unter Führung der Komintern – schwebte auch dem französischen Kommunisten Henri Barbusse vor, der mit seinem „Appell an die freien Geister“ 1927 zahlreiche internationale Intellektuelle, darunter den erwähnten indischen Dichter Rabindranath Tagore, um Unterstützung im Kampf „gegen die barbarische Flut des Faschismus“ bat.[28]

Zunächst ließen sich weder deutsche Sozialdemokraten noch Kommunisten auf solche Angebote ein. Sie gründeten ihrerseits Massenorganisationen, die auf die Bildung einer überparteilichen Einheitsfront der Arbeiterbewegung gegen die NSDAP abzielten. Auf sozialdemokratischer, gewerkschaftlicher und vereinssportlicher Seite war dies die 1931 gegründete Eiserne Front zur Verteidigung der Demokratie und der Weimarer Republik, auf kommunistischer Seite vor allem ab 1930 der Kampfbund gegen den Faschismus sowie die Antifaschistische Aktion ab 1932 um Ernst Thälmann, die den Kampfbund als militante Teilgruppe integrierte und für Revolution und Diktatur des Proletariats eintrat.[29] Der italienische Sozialist Pietro Nenni ermahnte zwar beide Seiten, „die antifaschistische Kampffront so zu erweitern, dass alle Kräfte, die aus diesen oder jenen Gründen mit dem Faschismus in Konflikt sind, in diese Kampffront einbezogen werden“.[30] Doch die Tatsache, dass die Kommunisten 1931 bei einem Volksentscheid zur Auflösung des preußischen Landtags gemeinsame Sache mit den Nationalsozialisten machten, diskreditierte alle Bemühungen um eine gemeinsame antifaschistische Linie.


Bemühungen um eine Volksfront

Italien und Deutschland

Nach dem Verbot sämtlicher Oppositionsparteien und dem Einsetzen massiver Verfolgung durch das Regime Mussolinis ab 1926 in Italien sowie nach der Regierungsübernahme durch Hitler 1933 und dem Umbau zur totalitären Diktatur bis 1935 in Deutschland verlagerten sich antifaschistische Tätigkeiten zunehmend ins Exil. Damit trat der Antifaschismus in eine neue Phase in der Ära Hitlers und Stalins ein. Neben den Parteien kam hierbei länderübergreifenden gewerkschaftlichen Organisationen eine große Rolle zu.[31] Angesichts der existenziellen Gefahr sahen nun alle linken und linksliberalen Gruppen die Notwendigkeit zur Zusammenarbeit gegen den Faschismus gegeben. Auf italienischer Seite führten diese Bemühungen 1927 im Pariser Exil zur Gründung der Concentrazione d’azione antifascista, ein Bündnis von fünf links-demokratischen Parteien und Organisationen unter Führung des Sozialisten Pietro Nenni – allerdings ohne die Kommunisten. Nach deren Auflösung 1934 folgte ein Aktionsbündnis der italienischen Sozialisten und Kommunisten.[32]

Auf deutscher Seite strebte die Auslandsleitung der verbotenen SPD in ihrem Prager Manifest im Januar 1934 „eine Front aller antifaschistischen Schichten“ an.[33] Als die Komintern auf ihrem VII. Weltkongress 1935 die Sozialfaschismusthese zurücknahm, schienen die Chancen für die Realisierung einer deutschen Volksfrontbewegung nicht schlecht.[34] Letztlich scheiterten aber sämtliche Versuche, eine italienische oder deutsche Einheits- oder Volksfront zu bilden, an der Konkurrenz zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten, weil erstere an der Diktatur des Proletariats, letztere am demokratischen Sozialismus festhielten.

Frankreich

In Frankreich und Spanien hingegen gelang es Mitte der 1930er-Jahre, Volksfrontregierungen zu etablieren, die unter Einschluss linksliberaler und demokratischer bürgerlicher Kräfte den Kampf gegen den Faschismus im eigenen Land aufnahmen.[35] Allerdings folgten die französischen Kommunisten zuerst einmal der Vorgabe der Komintern, Antifaschismus als transnationale politische Kategorie mit mobilisierender Funktion anzuwenden. In diesem anfänglich sehr restriktiven Konzept stand ein maximaler Feindeskreis (alle außer den Kommunisten) einem minimalen Kreis von potenziellen Bündnispartnern (nur die Kommunisten) gegenüber. Die Dominanz der kommunistischen Deutung des Antifaschismus endete in Frankreich erst am 6. Februar 1934 nach dem gescheiterten Versuch der rechtsextremen Feuerkreuzler (Croix-de-Feu), die Abgeordnetenkammer in Paris zu stürmen.[36] In den folgenden „republikanischen Tagen“ vom 7. bis 12. Februar gelang es der vereinten politischen Linken aus Kommunisten, Sozialisten und Gewerkschaften, dank eines Generalstreiks die drohende Machtübernahme der sich offen am Modell des italienischen Faschismus orientierenden nationalistischen Veteranen zu verhindern. Damit war der Antifaschismus als politisches Massenphänomen in Frankreich geboren, der sich in den folgenden Jahren der Volksfrontregierung unter der Führung des Sozialisten Léon Blum nicht nur im Verbot der Feuerkreuzler und anderer rechtsextremer Organisationen, sondern auch in einer Feier- und Massenkultur manifestierte.[37]

Großbritannien

Nahezu zeitgleich erwies sich die Mobilisierung breiter Gesellschaftsschichten auch als Erfolgsmodell des Antifaschismus in Großbritannien. 1936 gelang es einem breiten Bündnis in der Schlacht in der Londoner Cable Street, Oswald Mosleys British Union of Fascists (BUF) erfolgreich in die Knie zu zwingen und zum Scheitern des Faschismus im Vereinigten Königreich beizutragen. Die Faschisten waren den Antifaschisten dabei nicht nur zahlenmäßig in einem Verhältnis von etwa 1:3 unterlegen. Sie standen zudem einer Allianz von Aktivisten der Arbeiterbewegung (darunter viele Juden wegen des stärker werdenden Antisemitismus), einer entschiedeneren Labour-Regierung (1936 Public Order Act gegen Extremismus, 1940 Verbot der BUF) und liberaldemokratischen Medien gegenüber, die den Druck der Straße, der Regierungsorgane und der Presse zusammenführten und den Faschismus störten und diskreditierten.[38]

Spanien

Die von Léon Blum geprägte Formel „Le fascisme ne passera pas“ wurde nach dem Putsch Francos 1936 im Spanischen Bürgerkrieg übernommen.[39] Dabei verteidigten Sozialisten, Republikaner, Kommunisten und liberale Katalanen mit Waffen die Demokratie. Nur hier stellten sich Kommunisten und Sozialisten gemeinsam als Regierungsparteien den rechten Feinden der Republik entgegen. Der Spanische Bürgerkrieg bildete den ersten Höhepunkt sowohl des transnationalen Faschismus als auch des transnationalen Antifaschismus. Auf der einen Seite kämpften italienische Faschisten mit deutschen Nationalsozialisten für eine Diktatur der spanischen Franquisten, auf der anderen Seite mehrere Zehntausend Freiwillige aus 50 Ländern mit den spanischen Republikanern.[40] Für letztere bot Spanien nach der schmerzlichen Niederlage in Deutschland die Hoffnung, den Faschismus doch noch besiegen und endlich ihre Revolution zur Befreiung der Arbeiterbewegung durchführen zu können.[41]

Mindestens drei Faktoren führten jedoch dazu, dass die antifaschistische Handlungseinheit 1936 bis 1939 alles andere als konfliktfrei verlief und gelebtes Engagement parallel mit zynischer Machtpolitik existieren konnte. Erstens unterbrachen die Moskauer Schauprozesse gegen Stalins Kritiker zwischen August 1936 und März 1938 die gerade begonnene Wiederannäherung von Kommunisten und Sozialisten. Zweitens ließen Verfolgungen linker Abweichler durch sowjetische Agenten im Spanischen Bürgerkrieg bei vielen Sozialisten Zweifel aufkommen, ob die Kommunisten wirklich an einer ernsthaften Zusammenarbeit und demokratisch verfassten Gesellschaften in der Zukunft interessiert waren. Und drittens machte die strikte Neutralitäts- und Nichtinterventionspolitik der französischen Volksfrontregierung unter Léon Blum alle Hoffnungen der antifaschistischen Spanienkämpfer zunichte, dass Frankreich den Republikanern gegen die Franquisten beistehen könnte. Gleiches gilt für die Politik der britischen Labour-Regierung, die unter allen Umständen die Demokratie bewahren und einen Krieg vermeiden wollte.[42] Der Hitler-Stalin-Pakt im August 1939 unterbrach dann gemeinsame antifaschistische Handlungspraktiken im Sinne einer Volksfrontpolitik endgültig. Zu groß schienen die Widersprüche, um eine effektive politische Bewegung am Leben zu erhalten.[43]

Zwar konnte die Zersplitterung innerhalb der Antifaschisten ab etwa 1941 nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion mit einem teilweise gemeinsam geführten Kampf in den Widerstandsbewegungen in ganz Europa gegen die Achsenmächte überwunden werden. Hierzu zählen insbesondere die bewaffneten Massenbewegungen der französischen Résistance und der italienischen Resistenza, aber auch Teile des eher in Kleingruppen organisierten deutschen Widerstands.[44] Zudem setzten kleine transnationale Netzwerke linker Politiker und Intellektueller ihre antifaschistische Arbeit fort, blieben aber in ihrer Wirkung auf die Führungen der Arbeiterparteien begrenzt.[45] Die zunächst über das Kriegsende hinaus bestehende gemeinsame antifaschistische Position[46] löste sich mit dem Kalten Krieg zusehends auf und schloss grundlegende soziale und politische Vorkriegsfragen aus. Sie wurde vom Antikommunismus überlagert, der beide Großsysteme, also Faschismus und Kommunismus, als Totalitarismen geißelte und jede Art von willkürlicher Gewalt und Unterdrückung als Mittel auf dem Weg zur Errichtung sozial oder liberal verfasster westlicher demokratischer Gesellschaften ablehnte.[47]


„Antifaschisten bekennt Euch und kommt zur Christlich-Demokratischen Union Deutschlands“, CDU-Plakat SBZ 1946. Während der Begriff „Antifaschismus“ in den Westzonen bald diskreditiert war, bezog er im Osten weiterhin seine Legitimität durch den Kampf gegen den Nationalsozialismus. Quelle: [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:KAS-Antifaschismus-Bild-11517-1.jpg Konrad-Adenauer-Stiftung KAS/ACDP 10-024 / Wikimedia Commons],  Lizenz: [https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en CC-BY-SA 3.0 DE]
„Antifaschisten bekennt Euch und kommt zur Christlich-Demokratischen Union Deutschlands“, CDU-Plakat SBZ 1946. Während der Begriff „Antifaschismus“ in den Westzonen bald diskreditiert war, bezog er im Osten weiterhin seine Legitimität durch den Kampf gegen den Nationalsozialismus. Quelle: Konrad-Adenauer-Stiftung KAS/ACDP 10-024 / Wikimedia Commons, Lizenz: CC-BY-SA 3.0 DE


Erscheinungsformen des Antifaschismus seit 1945

Während der heroische Antifaschismus der 1920er- und 1930er-Jahre weitaus populärer und stärker mit der institutionellen Linken verbunden war als der marginalisierte Antifaschismus der Nachkriegszeit, verschwanden faschistische Ideen und Bewegungen nicht einfach mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Zudem entwickelten sich ab 1945 in Europa unterschiedliche Formen des Umgangs mit der Vergangenheit bzw. der Übersetzung des Antifaschismus in positive Inhalte beim Wiederaufbau der Nachkriegsgesellschaften. Die historische Aufarbeitung des Antifaschismus blieb, wie auch die jeweiligen Erinnerungskulturen, nationalen Kategorien verhaftet.[48] Analog zum vorangegangenen Kapitel werden im Folgenden Italien und die beiden deutschen Staaten näher betrachtet und ergänzende Blicke auf Frankreich, Spanien und Großbritannien geworfen. Sieht man von den über das Ende des Zweiten Weltkriegs hinaus bestehenden Diktaturen in Südeuropa ab, kann man Antifaschismus auch als „Generationenprojekt“ der „45er“ verstehen, deren persönliche Bindekräfte deutlich stärker ausgeprägt waren als die nachfolgender Generationen.[49]

Italien

In Italien konzentrierten sich die neu oder rekonstituierten Parteien nach Ausscheiden des Landes aus dem Achsenbündnis mit Berlin 1943 auf den heroischen Widerstand der „guten Italiener“ gegen den nazifascismo der „bösen“ deutschen Besatzer.[50] Entsprechend der zahlreichen Resistenza-Institute mangelt es nicht an oft auf lokale und regionale Situationen beschränkte Erinnerungen aktiver Widerstandskämpfer, während die gut zwanzig Jahre von Mussolinis Regierungsübernahme bis zur Besetzung Italiens 1943 meist ausgespart bleiben.[51] Die Allparteienregierungen des sogenannten Verfassungsbogens (arco costituzionale), der sich von den Kommunisten bis zu den Christdemokraten erstreckte, nur Postfaschisten und Monarchisten ausschloss, und dem Italien 1948 seine erste demokratische Verfassung des 20. Jahrhunderts verdankt, sahen sich allesamt als Antifaschisten in der Tradition der nationalen Widerstandsbewegung 1943-1945.[52]

Plakat des römischen Provinzkomitees der Associazione Nazionale dei Partigiani Italiani (ANPI) für die Feiern zum 70. Jahrestag des 25. April in Rom 2015. Quelle: [http://www.frontepalestina.it/sites/default/files/manifesto%2025%20aprile%20roma.jpg Associazione Nazionale dei Partigiani Italiani]
Plakat des römischen Provinzkomitees der Associazione Nazionale dei Partigiani Italiani (ANPI) für die Feiern zum 70. Jahrestag des 25. April in Rom 2015. Quelle: Associazione Nazionale dei Partigiani Italiani


Sie begründeten diese Haltung mit dem 25. April 1945, als das Land sich selbst vom Joch der Deutschen und vom (Nazi-)Faschismus befreit habe. Der „Tag der Befreiung“ avancierte schon 1946 zum nationalen Feiertag und Erinnerungsort, wird als solcher aber seit den 1990er-Jahren zunehmend kritisch hinterfragt. Dennoch lässt sich an den jährlichen Feiern zum 25. April ein gelebter Antifaschismus in historischer Kontinuität exemplifizieren, der bis weit in den Alltag hinein für viele Italiener der politischen Linken bis heute zum normalen Habitus gehört. Neben den staatsoffiziellen Handlungen prägen hierbei das Tragen und Zeigen antifaschistischer Symbole auf Kleidung und Fahnen, das Entrichten des Grußes der erhobenen Faust, das Anwenden entsprechender Parolen wie „No pasarán!“ oder „Nie wieder!“ auf aktuelle rechtsgerichtete Forderungen, das Verkaufen antifaschistischer Souvenirs, die Lektüre einschlägiger Literatur und Presseerzeugnisse und viele andere Verhaltensweisen die populären Feste.[53] Als besonders einschlägiges Medium hat sich zudem die Musik erwiesen. Man denke nur an Lieder wie „Bella ciao“ oder „Die Moorsoldaten“, die beide zu „internationalen Hymnen der Antifaschisten“ avancierten und sich weltweit bis heute gehalten haben.[54]

Die politische Eintracht in Italien endete zunächst 1948, als die Verfassung in Kraft trat und ihre Inhalte in konkrete Politik umgesetzt werden mussten. Im Zuge der globalen Ost-West-Konfrontation repräsentierten künftige Mitte-Rechts-Regierungen einen „leisen“ Antifaschismus der Institutionen hinter verschlossenen Türen, während die oppositionelle Linke einen lautstarken Antifaschismus der Straße propagierte. Die Stilisierung des Antifaschismus zum Gründungsmythos der „Ersten“ Italienischen Republik konnte seine volle Wirkmächtigkeit erst mit Beginn der Mitte-Links-Regierungen aus Christdemokraten und Sozialisten unter Aldo Moro 1963 entfalten, als man die leise und die laute Erinnerung für nahezu drei Jahrzehnte wieder zusammenführte.[55]

Schon in den 1980er-Jahren begann der antifaschistische Grundkonsens zu erodieren. Die Krise der Republik und der Zusammenbruch des italienischen Parteiensystems in den frühen 1990er-Jahren läuteten dann eine neue Phase innerhalb des bestehenden politischen Gefüges ein. Seitdem muss sich der Antifaschismus verstärkt einem Anti-Antifaschismus widersetzen. Diese Konkurrenzsituation ist eng mit dem Namen Silvio Berlusconi – und in geringerem Maße auch Gianfranco Fini – verbunden. Sie wird charakterisiert von einem tiefgreifenden Wandel der politischen Kultur Italiens, in der die Gesellschaft weiter nach rechts rückte. Dabei wurde die konsensuale antifaschistische Erinnerungskultur immer stärker durch eine revisionistische Geschichtspolitik infrage gestellt und der Faschismus in einzigartiger Weise aufgewertet. Kalkulierte Tabubrüche in Gestalt von Verharmlosungen, Relativierungen und ein allgemeines „Heroentum“ der Italiener, wonach sie alle gegen die deutschen Besatzer gekämpft haben sollen, kennzeichneten fortan die Politik von Berlusconis Rechtsbündnis mit den Postfaschisten um Fini. Beide schreckten nicht davor zurück, aktive Faschisten moralisch mit antifaschistischen Widerstandskämpfern gleichzusetzen, wie der Schweizer Zeithistoriker Aram Mattioli eindrücklich gezeigt hat.[56]

Neben ihm haben Filippo Focardi und Philip Cooke diesen „Krieg der Erinnerung“ und das „Erbe der Resistenza“ am umfassendsten untersucht.[57] Lutz Klinkhammer hat neben seinen Studien zum Bürgerkrieg in Italien zwischen 1943 und 1945 auch den „Antifaschismus“ des Postfaschisten Gianfranco Fini analysiert.[58] Manuela Consonni hat kürzlich eine Studie über den Umgang mit und die Rolle der italienischen Juden in diesem Diskurs veröffentlicht und einen Finger in eine wichtige offene Wunde des Antifaschismus gelegt: seine moralische Oberflächlichkeit in Bezug auf die alliierte Rettung von Juden aus Europa.[59] Trotz dieser verdienstvollen Arbeiten fehlt nach wie vor eine wirkliche Synthese, eine Gesamtgeschichte des italienischen Antifaschismus von seinen Ursprüngen bis heute. Ansätze hierzu finden sich in einem längeren Interview „Discorso sull’antifascismo“ mit Alberto De Bernardi aus dem Jahr 2007, einem der besten Kenner der Materie.[60] Gemeinsam mit weiteren Historiker/innen hat er zudem eine frei zugängliche „Bibliografia dell’antifascismo italiano“ herausgegeben, die als Datenbank für historische Texte der Jahre 1926 bis 1943 und für die Historiografie von 1945 bis 2005 dient.[61] Ein vergleichbares Rechercheinstrument existiert meines Wissens in keinem anderen Land, was die Bedeutung des Antifaschismus als Gründungsmythos der italienischen Republik unterstreicht.

Deutschland: DDR und Bundesrepublik

In Deutschland währte der antifaschistische Konsens der unmittelbaren Nachkriegszeit, wie er im eingangs zitierten „Schwur von Buchenwald“ zum Ausdruck kam, in Gestalt antifaschistischer Ausschüsse und parteiübergreifender Zusammenarbeit unter Einbezug der Kommunisten nur kurz, da er in seiner rätedemokratischen Ausprägung nicht mit den Vorstellungen der Alliierten konform ging. Einerseits hatte man den Faschismus als regierende politische Kraft in wichtigen Ländern besiegt, andererseits fiel der Rest des antifaschistischen Programms (mehr Rechte für Arbeiter und ethnische Minderheiten, mehr Demokratie) dem bald ausbrechenden Kalten Krieg zum Opfer.[62] Gewiss existierte neben dem letztmals gemeinsam von den Siegermächten verordneten Antifaschismus des Potsdamer Abkommens (Denazifizierung, Demilitarisierung, Demokratisierung, Dezentralisierung und Reparationen) gerade bei vielen jungen Menschen, Intellektuellen und Remigranten die Hoffnung auf einen wirklichen Neubeginn, ein pluralistisches Miteinander und eine von Humanismus, Toleranz und Repressionslosigkeit geprägte politische Kultur.[63]


Transparent: „Das war die Neuordnung Europas. 4,5 Millionen Antifaschisten wurden allein im KL Auschwitz grausam ermordet! Darum Ausrottung des Nazismus mit allen Wurzeln“, Berlin-Neukölln, Hermannstraße, Ecke Warthestraße, 21. Juni 1945. Foto: Kurt Ochlich, Quelle: [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-2005-0901-517,_Berlin-Neuk%C3%B6lln,_Anti-NS-Transparent.jpg#/media/File:Bundesarchiv_Bild_183-2005-0901-517,_Berlin-Neuk%C3%B6lln,_Anti-NS-Transparent.jpg Bundesarchiv Bild 183-2005-0901-517 / Wikimedia-Commons], Lizenz: [https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en CC BY-SA 3.0]
Transparent: „Das war die Neuordnung Europas. 4,5 Millionen Antifaschisten wurden allein im KL Auschwitz grausam ermordet! Darum Ausrottung des Nazismus mit allen Wurzeln“, Berlin-Neukölln, Hermannstraße, Ecke Warthestraße, 21. Juni 1945. Foto: Kurt Ochlich, Quelle: Bundesarchiv Bild 183-2005-0901-517 / Wikimedia-Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0


Bald schon entwickelten sich in Deutschland aber mit Beginn des Kalten Kriegs zwei unterschiedliche Erinnerungskulturen. Die DDR-Regierung verordnete auf Druck der Sowjetunion den Antifaschismus erneut und funktionierte ihn zum staatsoffiziellen Gründungsmythos und Erinnerungsort der sozialistischen Republik um. Sie geißelte in klassenkämpferischer Manier den Kapitalismus und Imperialismus des Westens und transformierte den Antifaschismus – wie es Jürgen Danyel ausdrückt – „von der konkreten Erinnerung zu einer entdifferenzierten Bekenntnisideologie“, in die sich Mitläufer der NS-Diktatur problemlos integrieren konnten.[64]

Dabei sollte aber nicht übersehen werden, dass gerade in zivilgesellschaftlichen Kreisen humanistische Antifaschismusideen weiter bestanden, die ihre Vertreter/innen nicht selten in Konflikt zum herrschenden System brachten.[65] Sie verstanden unter der emotionalen und moralischen „Botschaft des Antifaschismus“ Aspekte wie „Zivilcourage, Toleranz, mitmenschliche Solidarität, selbständiges Denken und natürlich auch Eintreten für demokratische Rechte“.[66] Zwar verengte die SED den Antifaschismus immer mehr auf die Legitimation ihrer führenden Rolle im System, wetterte gegen die „faschistische“ Adenauer-Regierung, pries die Mauer als „antifaschistischen Schutzwall“ und ließ fast ausschließlich den Widerstand der Arbeiter gegen das NS-Regime erforschen. Dennoch blieben die meisten Antifaschisten aufgrund der traumatischen Erfahrungen 1933-1945 loyal und setzten sich in vielfältiger künstlerischer Weise, in Mahn- und Gedenkstätten sowie bei der Umbenennung von öffentlichen Räumen mit dem Thema auseinander.[67]

Eine wesentliche Komponente des Antifaschismus in der DDR bildeten zudem Erfahrung und Mythos des Spanischen Bürgerkriegs, der hier in Gestalt von antifaschistischen Vaterfiguren und „lebenden Wächtern des antifaschistischen Erbes“ kultiviert wurde wie nirgendwo sonst.[68] Mit zunehmender Distanz schwand die Prägekraft des Antifaschismus bis in die 1980er-Jahre, wurde dann aber von Bürgerrechtsgruppen wiederbelebt, die sich gegen Rechtsextremismus in der DDR und die monopolistische Deutung des Antifaschismus durch die SED stellten.[69]

In der Bundesrepublik hingegen verdrängten selbst aktive Widerstandskämpfer ihre antifaschistischen Erfahrungen und Traditionen und ordneten sich meist der Staatsdoktrin des Antikommunismus unter.[70] Als Beispiel mag die SPD als größte parteipolitische Organisation der Arbeiterbewegung in Westdeutschland dienen, denn auch sie war trotz der bis heute tätigen „Arbeitsgemeinschaft ehemals verfolgter Sozialdemokraten“ (AvS) keine prominente Verfechterin des antifaschistischen Diskurses.[71] In den Jahren der Adenauer-Regierung war es wichtiger, gegen den Bolschewismus Stellung zu beziehen, als an den nur oberflächlich verheilten Wunden der jüngsten Vergangenheit zu rühren.[72] In bürgerlichen Kreisen existierte maximal ein „Antifaschismus der Phrase“, der sich nicht wissenschaftlich mit den sozioökonomischen Ursachen von Faschismus und Nationalsozialismus auseinandersetzen wollte, wofür der marxistische Philosoph und Publizist Wolfgang F. Haug den Begriff des „hilflosen Antifaschismus“ prägte.[73]

Erst der gesellschaftliche Wandel in der Bundesrepublik in den 1960er-Jahren und die zunehmende Kritik der heute allseits als „68er“ bezeichneten Protestbewegung ermöglichten ein Wiederanknüpfen an antifaschistische Konzepte im Rahmen eines kritischen Umgangs mit der eigenen Zeitgeschichte. In den folgenden beiden Jahrzehnten entstanden zahlreiche zivilgesellschaftliche Forschungsinitiativen zu Nationalsozialismus und Widerstand sowie Gedenkstätten. Auch Künstler und Intellektuelle wie der Schriftsteller Peter Weiss verarbeiteten die Defizite des deutschen Antifaschismus.[74] Als dann Bundespräsident Richard von Weizsäcker in seiner Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes 1985 den 8. Mai als „Tag der Befreiung […] vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ bezeichnete[75] und damit ein „Zeichen eines liberalen Antifaschismus“ setzte,[76] schien dieser auch in der Bundesrepublik in der Mitte der Gesellschaft angekommen zu sein.

Bedingt durch den weiterhin dominierenden Antikommunismus spielte Antifaschismus in Wort und Tat dennoch fast ausschließlich bei Bündnissen eine Rolle, die sich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Neofaschismus wandten, weshalb nicht wenige Mitglieder solcher antifaschistischer Gruppen vom Verfassungsschutz beobachtet wurden.[77] Auch seit dem Fall der Mauer scheint Antifaschismus in Deutschland lediglich ein Anliegen linker und teils linksextremer Splittergruppen wie der Autonomen, von Opferverbänden (VVN etc.) und der Partei „Die Linke“ zu sein. Während die Opferverbände teils noch auf den historischen parteiübergreifenden Antifaschismus rekurrieren, nutzen erstere und seltener auch letztere Antifaschismus als „entdifferenzierte Bekenntnisideologie“ für alles, was nicht in ihre Weltsicht passt.[78] Hier setzt sich fort, was die Ambivalenz des Antifaschismusbegriffs seit seiner Entstehung in den 1920er-Jahren ausmacht: Überzeugte Demokraten stehen immer in Opposition zu faschistischen Bewegungen, während Antifaschisten nicht zwangsläufig überzeugte Demokraten sein müssen.


Der Forschungsstand

Schon unmittelbar nach dem Mauerfall und dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik 1989/90 setzte ein kleiner Boom über Arbeiten zum Antifaschismus in Deutschland ein. Eine Neubewertung des Begriffs versuchte etwa die Politikwissenschaftlerin Antonia Grunenberg in ihrem Essay „Antifaschismus – ein deutscher Mythos“. Freilich gestand sie selbst im Vorwort zu, lediglich wieder einmal über das Thema nachdenken zu wollen, ohne den Anspruch zu erheben, eine Geschichte des deutschen Antifaschismus zu schreiben.[79] Auf diese Synthese warten wir bis heute. Angesichts des vermeintlichen „End of History“ ohne weltgeschichtliche Widersprüche nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion[80] bot sich nun die Gelegenheit, frei von ideologischen Barrieren u.a. über den „verordneten“ Antifaschismus der DDR kritisch nachzudenken.[81] Doch Vorwürfe, die meisten Autorinnen und Autoren hätten versucht, „sich des Antifaschismus zu entledigen, ihn zu kriminalisieren […] oder ihn als Mythos allein auf seine Fehler und historischen Versäumnisse zu reduzieren“,[82] sind nicht ganz von der Hand zu weisen. Viele Arbeiten konzentrierten sich tatsächlich eindimensional auf die Dekonstruktion des staatlich instrumentalisierten Antifaschismus der DDR, ohne die Möglichkeit parallel existierender Antifaschismus-Stränge im zivilgesellschaftlich-humanistischen Sinne zu berücksichtigen.[83]

Eine differenzierende Verwendung des Begriffs im deutschen Diskurs ist heute immer noch selten anzutreffen.[84] Dies erscheint einerseits verständlich angesichts der Einzigartigkeit des Holocaust und der instrumentalisierenden, mythisch überhöhten Verwendung des Antifaschismus in der DDR. Andererseits ist es für eine Historisierung aber gewiss hilfreicher, den Nationalsozialismus als eine Variante des Faschismus zu begreifen, um Vergleiche rechtsgerichteter Diktaturen und autoritärer Regime mit einem übersteigerten, teils völkischen Nationalismus sowie den entsprechenden Gegenbewegungen zu ermöglichen. Diesen Weg, den die angelsächsische Forschung seit den 1960er-Jahren beständig weiterentwickelt hat, beschreiten zunehmend auch deutsche, italienische, französische, spanische und andere Historiker/innen, ohne dabei die Unterschiede zwischen nationalen Kontexten und Ausprägungen des Faschismus zu nivellieren.[85]

Frankreich

Im Gegensatz zu Italien und Deutschland liegt für Frankreich seit 2009 eine zwar auf den nationalen Rahmen begrenzte, aber doch in internationalen Bezügen (Spanischer Bürgerkrieg, Münchner Abkommen, Algerien-Krieg) konzipierte Gesamtdarstellung vor.[86] Der Lyoneser Historiker Gilles Vergnon durchschreitet in seinem Buch „L’antifascisme en France de Mussolini à Le Pen“ den kompletten Zeitraum von der ersten Erwähnung des Wortes in Frankreich bis hin zum Neofaschismus Jean-Marie Le Pens und des Front National bis 2002. Er gliedert seine Analyse in vier Phasen, beginnend mit der Vorgeschichte des Antifaschismus in Frankreich zwischen 1922 und 1928. Dann schildert er dessen historische Geburt im Land selbst im Februar 1934 und die zentrale Position, die er in der Volksfrontregierung einnahm. Ferner analysiert er den Zusammenhang von Antifaschismus, Krieg und Widerstand zwischen 1935 und 1945. In der dritten Phase nach dem Zweiten Weltkrieg konzentriert sich Vergnon auf drei Ereignisse: die begrenzte Mobilisierung gegen die von de Gaulle gegründete oppositionelle Sammelbewegung gegen die Vierte Republik Rassemblement du peuple français (RPF) 1947-1951, gegen den Poujadismus 1956/57, eine populistisch-kleinbürgerliche Bewegung mit teils antisemitischen Zügen, und die ungleich stärkere Präsenz des Antifaschismus in der Endphase des Algerien-Kriegs 1958-1962.

Was in den vierzig Jahren danach bis 2002 folgte, bezeichnet er als „Metamorphosen des Antifaschismus“, die sich u.a. im Antirassismus und im Kampf gegen den 1983 gegründeten Front National manifestierten. Hierbei sieht er zwar noch Kontinuitäten mit dem historischen Antifaschismus bezüglich Parolen, Sprache und Handlungsrepertoire gegeben. Doch die Brüche hinsichtlich abnehmender historischer Bezüge und Erinnerungsmomente sowie eine Verschiebung der Inhalte hin zum Antirassismus lassen ihn von einem „Neo-Antifaschismus“ sprechen, der ab den 1960er-Jahren den Antifaschismus aus seinem Gründungskontext gelöst, seine republikanischen Wurzeln abgeschnitten und keine wirkliche Strahlkraft für ein Zukunftsprojekt mehr geliefert habe.[87] Diesen Befund könnte man mit einigen Differenzierungen auch auf Italien und Deutschland übertragen.

Großbritannien

Anders hingegen stellt sich die Situation in Großbritannien dar. Nigel Copsey beschreibt in seiner Gesamtgeschichte des Antifaschismus von den 1920ern bis in die Gegenwart diesen als „kontinuierliches Phänomen“, der in zyklischer Aktivität seine Höhen in den 1930er-, 1970er- und frühen 1990er-Jahren durch die Unterstützung von Zehntausenden von Menschen hatte und dabei radikale mit gemäßigten Gruppen zusammenbrachte.[88] Obwohl der Zweite Weltkrieg von den meisten Briten als ein Krieg für Demokratie und gegen Faschismus empfunden und Antifaschismus fortan ein Teil der nationalen Identität wurde, erstarkte der Nachkriegsfaschismus mit Oswald Mosleys Union Movement im Vereinigten Königreich – ein Phänomen, das sich in vielen europäischen Gesellschaften der 1950er-Jahre fand. Zugleich, so Dave Renton in seiner Studie über die 1940er-Jahre, sorgten ein breiter antifaschistischer Konsens und entschiedenes Handeln als Teil einer multikausalen Kette für das erneute Scheitern und die weitere Marginalisierung des britischen Faschismus bis in das folgende Jahrzehnt.[89]

Waren die Ereignisse bis dato vor allem auf London begrenzt, so entwickelte sich Antifaschismus in den 1970ern wieder zu einem Massenphänomen auf nationaler Ebene, als der nationalistische Faschismus in Gestalt der National Front (NF) auch in der Mitte der Gesellschaft hoffähig zu werden schien. Mit der Anti-Nazi League stellte sich 1977 eine von radikalen und gemäßigten Linken gemeinsam getragene Organisation diesen Bestrebungen erfolgreich entgegen. Seither sind antifaschistische Aktivitäten eher punktuell bei Wahlerfolgen der British National Party in den frühen 1990ern und späten 2000ern festzustellen.[90] Ob sich in Großbritannien im Zuge des EU-Referendums und der Brexit-Planungen ein neuer Zyklus antifaschistischer Massenbewegung herausbilden wird, bleibt abzuwarten.[91]

Südeuropa

Neben Italien und der DDR wurde der Antifaschismus auch in weiteren sozialistisch geführten Ländern vor allem Mittel- und Osteuropas als Gründungsmythos der Nachkriegsstaaten propagiert.[92] Hingegen sahen sich die antifaschistischen Kräfte in Spanien, Portugal und Griechenland auch nach 1945 in der Pflicht, gegen die dortigen autoritären Regime – meist aus dem Exil – bis zum Ende der Diktaturen Mitte der 1970er-Jahre weiterzukämpfen.[93] Die Ungleichzeitigkeit im Vergleich zum übrigen Westeuropa setzte sich mit der verspätet beginnenden historischen Aufarbeitung der Diktaturen in den folgenden Jahrzehnten in Südeuropa fort.[94] Die teils vehement geführten Diskussionen über das faschistische Erbe in den mittlerweile gefestigten Demokratien dauern bis heute an, wie beispielsweise das „Gesetz der historischen Erinnerung“ aus dem Jahr 2007 oder die Debatte über die Umbettung von Francos Leichnam in Spanien zeigen.[95] Insgesamt jedoch spielt Antifaschismus in den südeuropäischen Varianten der Vergangenheitsbewältigung eine geringere Rolle als die personenbezogenen Debatten um Franco, Salazar und die Obristen.


Über nationale Kategorien hinaus: Vergleich und Transfer

Schon 1926 verglich der Schriftsteller Kurt Tucholsky den „Fascismus in Frankreich“ mit demjenigen in Deutschland.[96] 1930 entlarvte der Sozialdemokrat Wilhelm Hoegner in einer fulminanten Rede im Reichstag die Vorbildfunktion des italienischen Faschismus für die deutschen Nationalsozialisten und forderte alle Demokraten auf, „das Selbstbestimmungsrecht des Volkes […] gegen [die] faschistische Führertyrannei“ zu verteidigen.[97] 1963 legte schließlich der Historiker Ernst Nolte über die drei Länder Frankreich, Italien und Deutschland seine grundlegende Studie „Der Faschismus in seiner Epoche“ vor und verglich erstmals die faschistischen Bewegungen miteinander.[98]

Während die vergleichende Faschismusforschung seit den 1970er-Jahren in Deutschland maßgeblich von Wolfgang Schieder vorangebracht wurde, setzten vergleichende, nationale Perspektiven übersteigende Arbeiten zum Antifaschismus in Deutschland, Italien und anderswo erst in den späten 1990er-Jahren und vor allem seit 2000 ein.[99] Zunächst rückte die Forschung dabei die Erinnerungskulturen der drei Achsenmächte Deutschland, Italien und Japan in den Mittelpunkt des Vergleichs,[100] ehe neuerdings konkrete antifaschistische Gruppen in Italien und Deutschland auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede hin untersucht wurden.[101] Die Fragen hingegen, ob man die deutschen und italienischen Erinnerungskulturen seit 1945 als Verflechtungsgeschichte verstehen kann oder inwiefern deutsche Sozialdemokraten und italienische Aktionspartei im Austausch miteinander standen, wurden bisher nicht detailliert untersucht. Verflechtung und Austausch sind nun diejenigen Begriffe, die im letzten Teil dieser historiografischen Betrachtungen zur Sprache kommen sollen.

Transnationale Ansätze beschäftigen sich mit Dimensionen von Transfer, Verflechtung und entanglements zwischen Menschen, Ideen und Institutionen. Zwar gehen sie meist nach wie vor von einem nationalen Referenzrahmen aus, versuchen aber, diesen aufzubrechen und im Idealfall zu überwinden. Analog zu einem allgemeinen transnational turn der Geschichtswissenschaften haben solche Ansätze auch hinsichtlich der Geschichte des Antifaschismus zu Innovationen und neuen Erkenntnissen geführt. Eine wachsende Zahl von internationalen Forschungsprojekten widmet sich Themen wie den antifaschistischen Aktivitäten internationaler Organisationen, den Netzwerken und Zirkulationen antifaschistischer Exilanten und Ideen, aber auch der räumlichen Dimension des Antifaschismus im Verhältnis zu Anti-Globalisierungstendenzen.[102]

Einer der Pioniere solcher Arbeiten, Gerd-Rainer Horn, stellte schon 1996 überzeugend heraus, dass das „transnationale Bewusstsein“ der europäischen Linken eine der Hauptantriebskräfte sozialistischer Reaktionen auf den Faschismus in den 1930er-Jahren gewesen sei.[103] Mittlerweile gehen Studien auch über eine rein europäische Geschichte hinaus, wie das Buch von Michael Seidman über transatlantische Antifaschismen zwischen Spanischem Bürgerkrieg und dem Ende des Zweiten Weltkriegs zeigt.[104]

Internationale Tagungen haben jüngst vergleichende und verflechtungsgeschichtliche Ansätze für eine Geschichte des Antifaschismus erprobt und weiterentwickelt.[105] Die teilweise daraus hervorgegangenen Publikationen spiegeln einerseits den derzeitigen Forschungsstand im transatlantischen Raum wider.[106] Andererseits bilden die beteiligten Autorinnen und Autoren die ganze Breite individueller und internationaler antifaschistischer Erfahrungen und Entwicklungen ab und beschreiben stärker die Unterschiede zwischen den beteiligten Gruppen. Das trägt der historischen Komplexität sicher besser Rechnung, als weiter – aussichtlos? – nach einem konsensfähigen „antifaschistischen Minimum“ zu suchen.[107] Indem sie versuchen, über rein revisionistische Ansätze hinauszugelangen, unterstreichen sie die offensichtlich bestehende Nachfrage nach einem neuen, explizit transnationalen „antifaschistischen Paradigma“ in den Geschichtswissenschaften.

Ausgangspunkt für künftige Forschungen über eine europäische Geschichte des Antifaschismus wird dabei die 1985 erschienene erste große Synthese über die Jahre ab 1923 von Jacques Droz bleiben. Er vertritt darin die These, dass der europäische Antifaschismus mit dem Hitler-Stalin-Pakt 1939 ein (vorläufiges) Ende gefunden habe und erst wieder nach 1942 zu einem wichtigen Faktor europäischer Politik geworden sei, als die nationalen Widerstandsbewegungen und die ein Jahr zuvor überfallene Sowjetunion erneut gemeinsam gegen Faschismus und Nationalsozialismus kämpften.[108] Bezüglich der italienischen Geschichtsschreibung zum Thema ist es zutreffend, wie Christof Dipper unlängst konstatiert hat, dass sich viele Vertreter/innen des italienischen Historikernachwuchses nach wie vor den Themen Antifaschismus und Resistenza widmen.[109] Darunter befinden sich auch erfreulich viele Vertreter/innen transnationaler europäischer oder gar globaler Ansätze wie Silvia Madotto, Enrico Acciai oder Simone Duranti – um nur einige Namen zu nennen, die sich alle für den transnational turn in Bezug auf den Antifaschismus geöffnet haben.[110] An diesen Beispielen oder an dem bereits 2004 von Alberto De Bernardi herausgegebenen Band zu „Antifascismo e identità europea“ zeigt sich, dass die italienische Geschichtswissenschaft internationale Forschungstrends erfolgreich aufgreift und mit eigenen Studien bereichert.[111]


Vorläufige Bilanz: Antifaschismus in transnationaler Perspektive

Warum können transnationale Ansätze vielleicht sogar erfolgreicher sein, um den Antifaschismus und weniger seinen Antagonisten, den Faschismus, zu erklären? Hierzu drei abschließende Thesen:

Erstens erscheint der historische Antifaschismus in seiner „Blüte“ inner- wie außerhalb Europas zwischen 1933 und 1945 aufgrund der etablierten internationalen Organisationen und Kommunikationskanäle seiner Hauptverfechter in Politik-, Gewerkschafts- und Intellektuellenkreisen als Idealtypus einer transnationalen Bewegung. Dass Antifaschismus vor allem eine „culture of exile“ in Metropolen wie Paris, Moskau, Barcelona, London und New York war, darauf hat bereits Enzo Traverso hingewiesen.[112] In dieselbe Richtung verweisen Anson Rabinbachs Überlegungen zu Paris als „Hauptstadt des Antifaschismus“.[113] Doch bei allen kulturellen und habituellen Gemeinsamkeiten in Parolen, Gesten, Ästhetik, Liedern und Symbolen blieb Antifaschismus ein äußerst heterogenes Phänomen und Kristallisationspunkt unterschiedlichster Strategien und Visionen.[114] Diesen widersprüchlichen Elementen kann man nur begegnen, indem man die lokale, nationale und globale Rückkoppelung der Entwicklung gründlich berücksichtigt.[115]

Zweitens kann sich der Antifaschismus für Fallstudien eignen, um den Wert transnationaler Geschichte an sich zu überprüfen, die ja durchaus nicht unumstritten ist.[116] Hierbei ließe sich argumentieren, dass Antifaschismus in Theorie und Praxis vor allem von denjenigen Aktivisten und Organisationen geprägt wurde, die in der retrospektiv sogenannten Zwischenkriegszeit die Verbreitung faschistischer Ideen vermindern wollten. Und dennoch spielten Nationalstaaten wie die Sowjetunion mit ihrem „revolutionären Antifaschismus“ sowie Frankreich, Großbritannien und die USA mit ihrem „konterrevolutionären Antifaschismus“ (Seidman) eine wichtige Rolle. Ersterer, 1936 im Spanischen Bürgerkrieg geboren, avancierte auch über 1945 hinaus zur offiziellen Ideologie des Ostens gegen den „faschistischen“ Westen. Den „konterrevolutionären Antifaschismus“ hingegen unterstützten Konservative, Liberale und Sozialdemokraten, um – basierend auf den Ideen der Aufklärung – liberale Demokratien, konservative Republiken oder konstitutionelle Monarchien nach dem Zweiten Weltkrieg wiederherzustellen.[117] Deswegen blieben trotz aller kosmopolitischen Selbstzuschreibungen auch nationale Identitäten und Traditionen prägend.[118]

Drittens vermögen transnationale Ansätze zu einer Geschichte des Antifaschismus dazu beizutragen, die Entstehung einer zunehmend vernetzten Zivilgesellschaft mit globalen Institutionen und einer supranationalen Öffentlichkeit als zentralen Prozess transnationaler Geschichte zu verstehen. Die 1920er- und 1930er-Jahre als Laboratorium zahlreicher transnationaler Bewegungen wie Pazifismus, Antikolonialismus, Feminismus und Antikapitalismus sowie eben Antifaschismus zu betrachten, ermöglicht auch, das rasche Wiederaufkommen dieser Bewegungen nach dem Zweiten Weltkrieg zu erklären.[119]

Als vorläufige Bilanz lässt sich festhalten, dass es noch zahlreicher profunder und auch blockübergreifender Studien von der lokalen bis zur nationalen Ebene bedarf, bevor sich hoffentlich in nicht allzu ferner Zeit jemand an eine gesamteuropäische oder gar globalgeschichtliche Synthese des Antifaschismus wagen wird, die über die ersten Überlegungen von Nigel Copsey hinausgeht.[120]

Alle künftigen Arbeiten tun sicher gut daran, den Begriff zu historisieren und ihn weder von vornherein zu verteufeln noch zu glorifizieren, sondern differenzierend positive wie negative Aspekte des Phänomens in gebotener kritischer Distanz zu analysieren. Dabei mag die Erkenntnis helfen, dass die Suche nach einer möglichst einfachen Definition oder einem „antifaschistischen Minimum“ nicht Sinn und Zweck der Forschung sein kann, sondern Antifaschismus vielmehr in seiner ganzen Bandbreite, in all seinen Ambivalenzen, weder als simple Negation noch als rein positives Phänomen untersucht werden sollte. Als nützliche Methode haben sich dabei in der jüngsten Zeit integrierte vergleichende und transnationale Ansätze erwiesen. So bleibt die Hoffnung, dass die 1985 geschriebene und im Jahr 1939 endende Geschichte des Antifaschismus in Europa von Jacques Droz eines Tages fortgesetzt und über den hiesigen Kontinent hinaus ausgedehnt werden kann. Ob es dabei gelingt, „Geschichte ohne die ideologische Last des 20. Jahrhunderts zu schreiben“, bleibt abzuwarten.[121]



Empfohlene Literatur zum Thema

Copsey, Nigel / Olechnowicz, Andrzej (Hrsg.), Varieties of Anti-Fascism. Britain in the Inter-War Period, Basingstoke, Hampshire 2010 
De Bernardi, Alberto / Ferrari, Paolo (Hrsg.), Antifascismo e identità europea, Roma 2004 
García, Hugo / Braskén, Kasper / Núñez-Seixas, Xosé M. (Hrsg.), Transnational Anti-Fascism. Agents, Networks, Circulations, Cambridge 2016 
García, Hugo / Rodrigo, Mercedes Yusta / Tabet, Xavier et al. (Hrsg.), Rethinking Antifascism. History, Memory and Politics, 1922 to the Present, New York 2016 
Grunenberg, Antonia, Antifaschismus. Ein deutscher Mythos, Reinbek bei Hamburg 1993 
Zitation
Jens Späth, Antifaschismus. Begriff, Geschichte und Forschungsfeld in westeuropäischer Perspektive, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 4.2.2019, URL: http://docupedia.de/zg/Spaeth_antifaschismus_v1_de_2019?oldid=132128

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  1. Der vollständige Text steht auf der Website der Gedenkstätte Buchenwald zur Verfügung: https://www.buchenwald.de/fileadmin/buchenwald/download/der_ort/Buchenwaldschwur.pdf (10.12.2018).
  2. Vgl. die Definition im Wikipedia-Artikel „Antifaschismus“, https://de.wikipedia.org/wiki/Antifaschismus (10.12.2018).
  3. Vgl. Anson Rabinbach, Begriffe aus dem Kalten Krieg. Totalitarismus, Antifaschismus, Genozid, Göttingen 2009, S. 28-42, Zitat S. 28.
  4. Auf diese wichtigen Punkte hat bereits Hans Coppi, Antifaschismus, in: Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus, Bd. 1, Hamburg 1994, Sp. 326-338, hier Sp. 326f., verwiesen.
  5. Vgl. Nigel Copsey/Andrzej Olechnowicz (Hrsg.), Varieties of Anti-Fascism. Britain in the Inter-War Period, Basingstoke/New York 2010, S. xiv-xxi; Nigel Copsey, Anti-Fascism in Britain, London/New York ²2017, S. xvii.
  6. In diesem engen Sinn: Dave Renton, Fascism, Anti-Fascism and Britain in the 1940s, Basingstoke 2000, S. 135.
  7. Mark Bray, Antifa. The Anti-Fascist Handbook, Brooklyn/London 2017, Zitat S. xii. Vgl. in diesem Sinne auch Josephin Tischner/Immanuel Benz, Vorwort: Antifaschismus ist und bleibt notwendig, in: Wolfgang Uellenberg-van Dawen, Gegen Faschismus und Krieg. Die Auseinandersetzungen sozialdemokratischer Jugendorganisationen mit dem Nationalsozialismus, Essen 2014, S. 7-9.
  8. Fernando Esposito, Faschismus – Begriff und Theorien, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 06.05.2016, http://docupedia.de/zg/esposito_faschismus_v1_de_2016, DOI: http://dx.doi.org/10.14765/zzf.dok.2.701.v1 (10.12.2018).
  9. Vgl. eine Stichwort-Suche über den Karlsruher Virtuellen Katalog „Italien Verbundkataloge“ im September 2018. Ein noch ungünstigeres Verhältnis mit einer „WorldCat“-Suche ermittelte Michael Seidman, Transatlantic Antifascisms: From the Spanish Civil War to the End of World War II, Cambridge 2018, S. 1.
  10. Bestehende Forschungen über den Antifaschismus in Nord- und Osteuropa sowie Russland konnten hier nicht einbezogen werden. Vgl. u.a. James Mark, Antifascism, the 1956 Revolution and the Politics of Communist Autobiographies in Hungary 1944-2000, in: Terry Cox (Hrsg.), Challenging Communism in Eastern Europe. 1956 and its Legacy, Abingdon/New Work 2008, S. 21-52; Carl-Gustaf Scott, The Swedish Left’s Memory of the International Brigades and the Creation of an Anti-Fascist Postwar Identity, in: European History Quarterly 39 (2009), S. 217-240; Ljiljana Radonić, Transformation of Memory in Croatia: Removing Yugoslav Anti-Fascism, in: Eric Langenbacher/Bill Niven/Ruth Wittlinger (Hrsg.), Dynamics of Memory and Identity in Contemporary Europe, New York/London 2013, S. 166-179; José María Faraldo, An Antifascist Political Identity? On the Cult of Antifascism in the Soviet Union and post-Socialist Russia, in: Hugo García u.a. (Hrsg.), Rethinking Antifascism. History, Memory and Politics, 1922 to the Present, New York/Oxford 2016, S. 202-227.
  11. Vgl. Enzo Collotti, Fascismo/fascismi, Mailand 2004; Roger Griffin, The Nature of Fascism, London/New York 2006; Christof Dipper/Rainer Hudemann/Jens Petersen (Hrsg.), Faschismus und Faschismen im Vergleich. Wolfgang Schieder zum 60. Geburtstag, Köln 1998; Enzo Collotti (Hrsg.), Fascismo e antifascismo. Rimozioni, revisioni, negazioni, Rom/Bari 2000; A. James Gregor, The Faces of Janus. Marxism and Fascism in the Twentieth Century, New Haven/London 2000; Michael Mann, Fascists, Cambridge 2004; Arnd Bauerkämper, Der Faschismus in Europa 1918-1945, Stuttgart 2006; Jörg Baberowski/Anselm Doering-Manteuffel, Ordnung durch Terror. Gewaltexzesse und Vernichtung im nationalsozialistischen und im stalinistischen Imperium, Bonn ²2007; Wolfgang Wippermann, Faschismus. Eine Weltgeschichte vom 19. Jahrhundert bis heute, Darmstadt 2009; Jörg Baberowski, Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt, München 2012. Zur globalen Dimension vgl. Sven Reichardt, Globalgeschichte des Faschismus. Neue Forschungen und Perspektiven, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ) 42-43/2017, S. 10-16, online unter http://www.bpb.de/apuz/257662/globalgeschichte-des-faschismus?p=all.
  12. Vgl. Nigel Copsey, Von Rom nach Charlottesville. Eine sehr kurze Geschichte des globalen Antifaschismus, in; APuZ 42-43/2017, S. 29-34, hier S. 29, online unter http://www.bpb.de/apuz/257668/von-rom-nach-charlottesville-eine-sehr-kurze-geschichte-des-globalen-antifaschismus?p=all.
  13. Vgl. Eros Francescangeli, Arditi del popolo. Argo Secondari e la prima organizzazione antifascista (1917-1922), Rom 2009.
  14. Clara Zetkin, Der Kampf gegen den Faschismus. Bericht auf dem Erweiterten Plenum des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale (20. Juni 1923), in: dies., Ausgewählte Reden und Schriften, Bd. 2, Berlin 1960, S. 723, online unter http://www.linke-buecher.de/texte/anarchismus/zetkin--der-kampf-gegen-den-faschismus-1923-06.htm
  15. Vgl. die Resolution vom 16.9.1924 auf dem V. Weltkongress der Komintern in: Theo Pirker (Hrsg.), Komintern und Faschismus 1920-1940. Dokumente zur Geschichte und Theorie des Faschismus, Stuttgart 1965, S. 124.
  16. Ebd.; Josef Wissarionowitsch Stalin, Werke, Bd. 6: 1924, Berlin 1952, S. 253.
  17. Vgl. Siegfried Bahne, „Sozialfaschismus“ in Deutschland: zur Geschichte eines politischen Begriffs, in: International Review of Social History 10 (1965), S. 211-245.
  18. Adriano Dal Pont/Massimo Massara, Giornali fuori legge. La stampa clandestina antifascista 1922-1943, Rom 1964; Mauro Forno, La stampa del ventennio: Strutture e trasformazioni nello stato totalitario, Soveria Mannelli 2005.
  19. Manifesto degli intellettuali antifascisti, in: Il Mondo, 1.5.1925.
  20. Luigi Sturzo, Pensiero antifascista, Turin 1925.
  21. Piero Gobetti, Elogio della ghigliottina, in: La Rivoluzione Liberale, 23.11.1922. Vgl. James Martin, Piero Gobetti and the Politics of Liberal Revolution, New York 2008; David Ward, Piero Gobetti's New World: Antifascism, Liberalism, Writing, Toronto 2010. Die von ihm herausgegebene Zeitschrift „La Rivoluzione Liberale“ erschien von Februar 1922 bis November 1925.
  22. Aus der Vielzahl der Arbeiten über Matteotti vgl. Giovanni Borgognone, Come nasce una dittatura. L'Italia del delitto Matteotti, Bari 2012. Seine Parlamentsrede auf Deutsch: Giacomo Matteotti, Rede vor der Abgeordnetenkammer am 30. Mai 1924, Hamburg 1996.
  23. Antonio Gramsci, La situazione italiana e i compiti del Partito comunista italiano, in: ders., Scritti politici, a cura di Paolo Spriano, Bd. 3, Rom 1973, S. 170-192, hier besonders S. 180 f., 190. Die Thesen wurden auf dem dritten Parteitag des PCI im Januar 1926 im Exil in Lyon angenommen.
  24. Vgl. Gilles Vergnon, L’antifascisme en France de Mussolini à Le Pen, Rennes 2009, S. 27-30.
  25. Die „Weltliga“ bestand allerdings nur bis März 1924. Vgl. hierzu Kasper Braskén, Making Anti-Fascism Transnational: The Origins of Communist and Socialist Articulations of Resistance in Europe, 1923-1924, in: Contemporary European History 25 (2016), H. 4, S. 573-596.
  26. Mike Schmeitzner, Der Totalitarismusbegriff Kurt Schumachers, in: ders. (Hrsg.), Totalitarismuskritik von links. Deutsche Diskurse im 20. Jahrhundert, Göttingen 2004, S. 249-282, hier S. 255; Wilhelm Hoegner, Der schwierige Aussenseiter. Erinnerungen eines Abgeordneten, Emigranten und Ministerpräsidenten, München 1959, S. 20-37, 43-48.
  27. Julius Deutsch, Antifaschismus! Proletarische Wehrhaftigkeit im Kampfe gegen den Faschismus, Wien 1926; vgl. auch ders., Le Fascisme en Europe. Rapport présenté à la Commission internationale de défense contre le fascisme. Préface de Julius Deutsch, Brüssel 1930.
  28. Zitiert nach Copsey, Von Rom nach Charlottesville, S. 29.
  29. Vgl. Bernd Langer, Antifaschistische Aktion. Geschichte einer linksradikalen Bewegung, Münster ²2015; Kasper Braskén, The International Workers’ Relief, Communism, and Transnational Solidarity: Willi Münzenberg in Weimar Germany, Basingstoke 2015; Andreas Wirsching, „Hauptfeind Sozialdemokratie“ oder „Antifaschistische Aktion“? Die Politik von KPD und Komintern in der Endphase der Weimarer Republik, in: Heinrich August Winkler (Hrsg.), Weimar im Widerstreit: Deutungen der ersten deutschen Republik im geteilten Deutschland, München 2002, S. 105-130.
  30. Pietro Nenni, Trotzki und der Faschismus. Reformismus, Kommunismus und die italienische Erfahrung, in: Die Gesellschaft 1 1932, S. 303-309, hier S. 309.
  31. Zum Beispiel die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) oder die International Union of Seamen and Harbour Workers (ISH). Vgl. zur ITF: Bob Reinalda (Hrsg.), The International Transportworkers Federation 1914-1945: the Edo Fimmen Era, Amsterdam 1997; Dieter Nelles, Widerstand und internationale Solidarität. Die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Essen 2001; Siegfried Mielke/Stefan Heinz, Eisenbahngewerkschafter im NS-Staat. Verfolgung – Widerstand – Emigration (1933-1945), Berlin 2017; zur ISH vgl. Constance Margain, L’Internationale des gens de la mer (1930-1937). Activités, parcours militants et résistance au nazisme d’un syndicat communiste de marins et dockers. Histoire. Université du Havre/ZZF Potsdam, 2015, https://tel.archives-ouvertes.fr/tel-01676981 (10.12.2018).
  32. Vgl. Giuseppe Tamburrano, Pietro Nenni, Rom/Bari 1986, S. 99, 114-117.
  33. SOPADE, Prager Manifest „Kampf und Ziel des revolutionären Sozialismus“, 28.1.1934, in: Erich Matthias (Hrsg.), Mit dem Gesicht nach Deutschland. Eine Dokumentation über die sozialdemokratische Emigration, Düsseldorf 1968, S. 215-225, hier S. 224.
  34. Vgl. Ursula Langkau-Alex, Deutsche Volksfront 1932-1939. Zwischen Berlin, Paris, Prag und Moskau, 3 Bde., Berlin 2004.
  35. Zum europäischen Phänomen der Volksfrontbewegungen vgl. Langkau-Alex, Deutsche Volksfront 1932-1939; Gerhard Paul, Max Braun: eine politische Biographie, St. Ingbert 1987; Jean Vigreux, Le Front populaire 1934-1938, Paris 2011; Serge Wolikow, 1936, le monde du Front populaire, Paris 2016; Ángel Bahamonde Magro (Hrsg.), La España del Frente Popular, Mélanges de la Casa de Velázquez 41 (2011), H. 1, S. 9-159; Leonardo Rapone, L’età dei fronti popolari e la guerra (1934-1943), in: Giovanni Sabbatucci (Hrsg.), Storia del socialismo italiano, Bd. 4, Rom 1981, S. 179-411.
  36. Vgl. Serge Berstein, Le 6 février 1934, Paris 1975; Pierre Péllissier, 6 février 1934: la République en flammes, Paris 2000; Vincent Chambarlhac/Thierry Hohl, Un moment antifasciste (1934-1936), Paris 2014.
  37. Vgl. zu Kategorien wie Romanen, Werbung, Gedichten und Liedern: Vergnon, L’antifascisme en France, S. 74-79, 88-93.
  38. Vgl. Copsey, Anti-Fascism in Britain; Renton, Fascism, Anti-Fascism and Britain.
  39. Blums wörtliches Zitat „La réaction fasciste ne passera pas” in der Assemblée nationale am Abend der Ereignisse wurde tags darauf im „Journal official“ wiedergegeben und ist u.a. in den „Cahiers Léon Blum“ 34 (2003), S. 36-39 nachzulesen. Für die spanischen Kommunisten verlas Dolorès Ibárruri am 19. Juli 1936, einen Tag nach dem Putsch, in Madrid einen Appell, der mit den Worten schloss: „Les fascistes ne passeront pas! Ils ne passeront pas“, zit. nach Manuel Vázquez Montalbán, La Pasionaria, Paris 1998, S. 369f.
  40. Als Überblickswerke vgl. Antony Beevor, Der Spanische Bürgerkrieg, München 2008; Francisco J. Romero Salvadó, The Spanish Civil War. Origins, Course and Outcomes, Basingstoke 2008. Zum transnationalen Faschismus vgl. Christopher Othen, Franco’s International Brigades. Adventurers, Fascists, and Christian Crusaders in the Spanish Civil War, London 2013; zum transnationalen Antifaschismus vgl. Angela Berg, Die Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg 1936-1939, Essen 2005.
  41. Vgl. in diesem Sinne auch die Arbeiten von Patrick von zur Mühlen, Spanien war ihre Hoffnung: die deutsche Linke im Spanischen Bürgerkrieg 1936 bis 1939, Bonn 1983 und von Dieter Nelles u.a. (Hrsg.), Deutsche AntifaschistInnen in Barcelona (1933-1939). Die Gruppe „Deutsche Anarchosyndikalisten“ (DAS), Heidelberg 2013.
  42. Vgl. Jens Späth, The Unifying Element? European Socialism and Anti-Fascism, 1939-1945, in: Contemporary European History 25 (2016), S. 687-706, hier S. 692f.
  43. Vgl. Larry Ceplair, Under the Shadow of War. Fascism, Anti-Fascism, and Marxists, 1919-1939, New York 1987, S. 3f.
  44. Vgl. exemplarisch Stéphane Simonnet, Maquis et maquisards: la Résistance en armes, 1942-1944, Paris 2015; Olivier Wieviorka, Histoire de la Résistance: 1940-1945, Paris 2013; Gianni Oliva, La grande storia della Resistenza, 1943-1948, Mailand 2018; Santo Peli, Storia della Resistenza in Italia, Turin 2006; Hans Coppi/Stefan Heinz (Hrsg.), Der vergessene Widerstand der Arbeiter. Gewerkschafter, Kommunisten, Sozialdemokraten, Trotzkisten, Anarchisten und Zwangsarbeiter, Berlin 2012; Peter Steinbach (Hrsg.), Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur 1933-1945, Bonn 2004.
  45. Vgl. Späth, The Unifying Element?
  46. Erinnert sei hier an die wirtschaftspolitischen Vorstellungen der CDU im Ahlener Programm von 1947, in dem sie sich für die Enteignung und Verstaatlichung kriegswichtiger Schlüsselindustrien aussprach.
  47. Vgl. Anselm Doering-Manteuffel, Antifaschismus und Emigration – Transfers und Verflechtungen im beginnenden Ost-West-Konflikt, in: ders.,/Jörn Leonhard (Hrsg.), Liberalismus im 20. Jahrhundert (Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus, Bd. 12), Stuttgart 2015, S. 203-218; Uwe Backes, Totalitarismus: Auf der Suche nach einem definitorischen Minimum, in: FORUM für osteuropäische Zeit- und Ideengeschichte 17 (2013), S. 45-64; Rabinbach, Begriffe, S. 7-27.
  48. Noch sind in diesem Bereich transnationale Arbeiten die Ausnahme. Mit dem Schwerpunkt auf Italien, aber um westdeutsche und französische Blickwinkel ergänzt vgl. Jens Späth, Was heißt Antifaschismus nach 1945? Das Beispiel der italienischen Sozialisten in westeuropäischer Perspektive, in: Archiv für Sozialgeschichte 53 (2013), S. 269-304.
  49. Christoph Classen, Faschismus und Antifaschismus. Die nationalsozialistische Vergangenheit im ostdeutschen Hörfunk (1945-1953), Köln 2004, S. 307, online unter https://zeitgeschichte-digital.de/doks/files/552/Classen_Antifaschismus_2004.pdf; vgl. hierzu jetzt auch Jens Späth (Hrsg.), Does Generation Matter? Progressive Democratic Cultures in Western Europe, 1945-1960, Cham 2018. Zur Problematisierung des Generationenkonzepts vgl. Ulrike Jureit, Generation, Generationalität, Generationenforschung, Version: 2.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 03.08.2017 http://docupedia.de/zg/jureit_generation_v2_de_2017, DOI: http://dx.doi.org/10.14765/zzf.dok.2.1117.v2 (10.12.2018).
  50. Diese Dichotomie hat Filippo Focardi treffend herausgearbeitet: Il cattivo tedesco e il bravo italiano. La rimozione delle colpe della seconda guerra mondiale, Rom/Bari 2013 (dt: Falsche Freunde? Italiens Geschichtspolitik und die Frage der Mitschuld am Zweiten Weltkrieg, Paderborn u.a. 2015).
  51. Vgl. Gabriele B. Clemens, Italienische Regionalgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert: Traditionen und neue Wege, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 147 (2011), S. 59-75, hier S. 72-74.
  52. Vgl. Claudio Pavone, L’eredità della guerra civile e il nuovo quadro istituzionale, in: Piero Bevilacqua (Hrsg.), Lezioni sull’Italia repubblicana, Rom 1994, S. 3-20, zum Begriff S. 16f.
  53. Vgl. Ina Brandt, Memoria, Politica, Polemica. Der 25. April in der italienischen Erinnerungskultur, in: Petra Terhoeven (Hrsg.), Italien, Blicke: Neue Perspektiven der italienischen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Göttingen 2010, S. 235-256; Aldo Agosti/Chiara Colombini (Hrsg.), Resistenza e autobiografia della nazione: uso pubblico, rappresentazione, memoria, Turin 2012; Paolo Carusi/Marco De Nicolò (Hrsg.), Il 25 aprile dopo il 25 aprile, Rom 2017.
  54. Vgl. Hans Hielscher, Geschichte eines Songs: „Die Moorsoldaten“ – vom KZ-Lied zum Welthit, in: Spiegel online, 27.08.2018, http://www.spiegel.de/einestages/die-moorsoldaten-vom-kz-lied-zum-welthit-a-1224223.html (10.12.2018).
  55. Die anfangs journalistisch, mittlerweile auch häufiger wissenschaftlich geprägte Unterscheidung in Erste (1948-1994) und Zweite Republik (1994-2006 / 2018 / noch andauernd) unterscheidet zwei Phasen der italienischen Zeitgeschichte. Trennendes Moment ist die tiefgreifende Veränderung des italienischen Parteiensystems zu Beginn der 1990er-Jahre. Aus politikwissenschaftlicher Perspektive vgl. Pietro Grilli di Cortona, Il cambiamento politico in Italia. Dalla prima alla seconda Repubblica, Rom 2007.
  56. Vgl. Aram Mattioli, „Viva Mussolini!“ Die Aufwertung des Faschismus im Italien Berlusconis, Paderborn 2010.
  57. Filippo Focardi, La guerra della memoria. La Resistenza nel dibattito politico italiano dal 1945 a oggi, Rom/Bari 2005; Philip Cooke, The Legacy of the Italian Resistance, New York 2011 (ital.: L’eredità della Resistenza. Storia, cultura, politiche dal dopoguerra a oggi, Rom 2015).
  58. Lutz Klinkhammer, La nazione divisa in due. Mobilitazione politica e scelta nazionale nell'Italia occupata dai tedeschi, in: Franco De Felice (Hrsg.), Antifascismi e resistenze, Florenz 1997, S. 429-446; ders., Der neue „Antifaschismus“ des Gianfranco Fini. Überlegungen zur italienischen Vergangenheitspolitik der letzten beiden Jahrzehnte, in: Terhoeven (Hrsg.), Italien, Blicke, S. 257-280.
  59. Manuela M. Consonni, L’eclisse dell’antifascismo. Resistenza, questione ebraica e cultura politica in Italia dal 1943 al 1989, Rom 2015.
  60. Alberto De Bernardi, Discorso sull’antifascismo, a cura di Andrea Rapini, Mailand 2007.
  61. „Bibliografia dell’antifascismo italiano“, online unter http://66.71.178.156/bibliografiaantifascismo/scelta.html (10.12.2018). Eine knappe Auswertung der Bibliografie bietet Matteo Pasetti, Scritti contro il fascismo: note sulla bibliografia dell’antifascismo italiano (1926-1943), in: Luís Reis Torgal/Heloísa Paulo (Hrsg.), Estados autoritários e totalitários e suas representações, Coimbra 2008, S. 49-63.
  62. Vgl. Peter Brandt, Die Antifa-Bewegung des Frühjahrs 1945 in Deutschland, in: Rainer Holze/Siegfried Prokop (Hrsg.), Basisdemokratie und Arbeiterbewegung, Berlin 2012, S. 125-132; zudem immer noch grundlegend Lutz Niethammer/Ulrich Borsdorf/Peter Brandt (Hrsg.), Arbeiterinitiative 1945. Antifaschistische Ausschüsse und Reorganisationen der Arbeiterbewegung in Deutschland, Wuppertal 1976.
  63. Vgl. zur Attraktivität solcher Ideen: Thomas Kroll, Kommunistische Intellektuelle in Westeuropa. Frankreich, Österreich, Italien und Großbritannien im Vergleich (1945-1956), Köln/Weimar/Wien 2007.
  64. Jürgen Danyel, Zum Umgang mit der Widerstandstradition und der Schuldfrage in der DDR, in: ders. (Hrsg.), Die geteilte Vergangenheit. Zum Umgang mit Nationalsozialismus und Widerstand in beiden deutschen Staaten, Berlin 1995, S. 31-46, hier S. 42.
  65. Vgl. u.a. Christiane Wienand, Remembered Change and Changes of Remembrance: East German Narratives of Anti-fascist Conversion, in: Mary Fulbrook/Andrew I. Port (Hrsg.), Becoming East German: Socialist Structures and Sensibilities after Hitler, New York/Oxford 2013, S. 99-118; Catherine Plum, Antifascism after Hitler. East German Youth and Socialist Memory, 1949-1989, New York/London 2015; Andreas Agocs, Antifascist Humanism and the Politics of Cultural Renewal in Germany, Cambridge 2017.
  66. Annette Leo, Antifaschismus, in: Martin Sabrow (Hrsg.), Erinnerungsorte der DDR, Bonn 2010, S. 28-40, hier S. 32.
  67. Vgl. Martin Sabrow (Hrsg.), Geschichte als Herrschaftsdiskurs. Der Umgang mit der Vergangenheit in der DDR, Köln/Weimar/Wien 2000; Martin Papenbrock, Antifaschistische Kunst in Ausstellungen der DDR (1950-1990), in: ders., (Hrsg.), Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in deutschen Ausstellungen, Teil 2, Weimar 2000, S. 39-58; Rüdiger Steinlein, Antifaschistische Literatur, in: ders./Heidi Strobel/Thomas Kramer (Hrsg.), Handbuch zur Kinder- und Jugendliteratur. Bd. 7: SBZ/DDR von 1945 bis 1990, Stuttgart 2006, S. 162-194.
  68. Vgl. Michael Uhl, Mythos Spanien. Das Erbe der Internationalen Brigaden in der DDR, Bonn 2004; Josie McLellan, Antifascism and Memory in East Germany. Remembering the International Brigades 1945-1989, Oxford 2004; Zitat in McLellan, S. 200.
  69. Vgl. Coppi, Antifaschismus, Sp. 335.
  70. Vgl. Stefan Creuzberger/Dierk Hoffmann (Hrsg), Antikommunismus und politische Kultur in der frühen Bundesrepublik, München 2014; Norbert Frei (Hrsg.), Der Antikommunismus in seiner Epoche: Weltanschauung und Politik in Deutschland, Europa und den USA, Göttingen 2017; Bernd Faulenbach, Antikommunismus, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 03.05.2017 http://docupedia.de/zg/Faulenbach_antikommunismus_v1_de_2017 DOI: http://dx.doi.org/10.14765/zzf.dok.2.978.v1; Marla Stone/Giuliana Chamedes (Hrsg.), Special Section: Anti-Communism in Transnational Perspective, in: Journal of Contemporary History 53 (2018).
  71. Dies unterstreicht Kristina Meyer, Die SPD und die NS-Vergangenheit 1945-1990, Göttingen 2015.
  72. Vgl. hierzu Norbert Frei, Vergangenheitspolitik. Die Anfänge der Bundesrepublik und die NS-Vergangenheit, München 1996.
  73. Wolfgang Fritz Haug, Der hilflose Antifaschismus: zur Kritik der Vorlesungsreihen über Wissenschaft und NS an deutschen Universitäten, Frankfurt a.M. 1967.
  74. Peter Weiss, Die Ästhetik des Widerstands, 3 Bde., Frankfurt a.M. 1975-1981.
  75. Der Wortlaut der Rede unter: http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Richard-von-Weizsaecker/Reden/1985/05/19850508_Rede.html (10.12.2018). Zur Rede von Weizsäcker vgl. auch: Cornelia Siebeck, „Einzug ins verheißene Land“. Richard von Weizsäckers Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 1985, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe, 12 (2015), H. 1, http://www.zeithistorische-forschungen.de/1-2015/id=5177, Druckausgabe: S. 161-169.
  76. So Coppi, Antifaschismus, Sp. 336.
  77. Nicht unproblematisch, weil polemisierend, aber verdienstvoll wegen des Materialreichtums im zweiten Teil: Harry Waibel, Der gescheiterte Anti-Faschismus der SED. Rassismus in der DDR, Frankfurt a.M. 2014.
  78. Danyel, Umgang, S. 42; zu Italien in europäischer Perspektive vgl. Valerio Gentili, Antifa. Storia contemporanea dell’antifascismo militante europeo, Rom 2013; für die Bundesrepublik kritisch: Bettina Blank, „Deutschland, einig Antifa”? „Antifaschismus“ als Agitationsfeld von Linksextremisten, Baden-Baden 2014. Zum Antifaschismus der PDS, die in der Linken aufgegangen ist, ebenfalls kritisch vgl. Tim Peters, Der Antifaschismus der PDS aus antiextremistischer Sicht, Wiesbaden 2006.
  79. Antonia Grunenberg, Antifaschismus – ein deutscher Mythos, Reinbek bei Hamburg 1993.
  80. So die Prophezeiung von Francis Fukuyama, The End of History and the Last Man, New York 1992.
  81. Vgl. u.a. Bundesministerium des Innern (Hrsg.), Bedeutung und Funktion des Antifaschismus, Bonn 1990; Danyel, Umgang.
  82. Coppi, Antifaschismus, Sp. 336f.
  83. Einen guten Überblick zur Forschungsdiskussion der 1990er-Jahre bietet Classen, Faschismus und Antifaschismus, S. 11-19.
  84. So z.B. Gideon Botsch, Gewerkschaftlicher Antifaschismus. Die deutsche Gewerkschaftsbewegung in der Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus, in: Sebastian Voigt/Heinz Sünker (Hrsg.), Arbeiterbewegung – Nation – Globalisierung. Bestandsaufnahme einer alten Debatte, Weilerswist 2014, S. 141-153; Armin Pfahl-Traughber, Antifaschismus als Thema linksextremistischer Agitation, Bündnispolitik und Ideologie. Eine Analyse zu ideengeschichtlichen Hintergründen und strategischen Funktionen eines Kampfbegriffs, in: Bundeszentrale für politische Bildung, Dossier Linksextremismus, 6.3.2008, http://www.bpb.de/politik/extremismus/linksextremismus/33612/antifaschismus?p=all (10.12.2018).
  85. Vgl. „Neuere Ansätze der Faschismusforschung“ im Docupedia-Beitrag von Esposito, Faschismus.
  86. Vergnon, L’antifascisme en France.
  87. Ebd., S. 205-208.
  88. Nigel Copsey, Anti-Fascism in Britain, Basingstoke 2000, S. 1, 191.
  89. Renton, Fascism, Anti-Fascism and Britain, S. 2, 130.
  90. Vgl. Copsey, Anti-Fascism in Britain; zur ANL vgl. Dave Renton, When we Touched the Sky. The Anti-Nazi-League, 1977-1981, Cheltenham 2006.
  91. Vgl. die folgenden Momentaufnahmen: https://www.theguardian.com/commentisfree/2018/aug/21/anti-fascist-movement-far-right; http://www.europe-solidaire.org/spip.php?article46771; https://www.theweek.co.uk/95879/does-britain-need-an-anti-nazi-resistance-movement (03.01.2019).
  92. Vgl. hierzu Monika Flacke (Hrsg.), Mythen der Nationen, 2 Bde., Berlin 2004. Zu einzelnen Ländern ferner Mark, Antifascism, in: Cox (Hrsg.), Challenging Communism, S. 21-52; Faraldo, An Antifascist Political Identity?, in: García u.a. (Hrsg.), Rethinking Antifascism, S. 202-227.
  93. Zu Spanien vgl. Walther L. Bernecker/Sören Brinkmann, Kampf der Erinnerungen: Der Spanische Bürgerkrieg in Politik und Gesellschaft, 1936-2010, 5. erw. u. überarb. Aufl., Nettersheim 2011; zu Portugal vgl. David L. Raby, Fascism and Resistance in Portugal. Communists, Liberals and Military Dissidents in the Opposition to Salazar, 1941-74, Manchester 1988; zu beiden vgl. Ursula Prutsch, Iberische Diktaturen. Portugal unter Salazar, Spanien unter Franco, Innsbruck 2012; zu Griechenland vgl. Heinz A. Richter, Griechenland 1950-1974. Zwischen Demokratie und Diktatur, Mainz/Ruhpolding 2013.
  94. Zu Spanien vgl. Ulrike Capdepón, Erinnerungsdiskurse im Widerstreit: der öffentliche Umgang mit der Franco-Diktatur in Spanien, Berlin/Münster 2007; Jannis Harjus, Vergangenheitsbewältigung in Spanien. Vom Umgang mit Bürgerkrieg und Diktatur in Spanien seit 1975, München 2010; zu Portugal vgl. Antonio Costa Pinto/Filipa Raimundo, Die Opfer der Salazar-Diktatur. Der Umgang mit den Opfern und Tätern im demokratischen Portugal, in: Günther Heydemann/Clemens Vollnhals (Hrsg.), Nach den Diktaturen. Der Umgang mit den Opfern in Europa, Göttingen 2017, S. 81-106; zu Griechenland vgl. Heinz A. Richter, Griechenland – ein Sonderfall, in: ebd., S. 107-124.
  95. Vgl. den Gesetzestext unter http://leymemoria.mjusticia.gob.es/cs/Satellite/LeyMemoria/es/memoria-historica-522007 (10.12.2018) und zu den anhaltenden Diskussionen https://www.deutschlandfunkkultur.de/streit-um-umbettung-des-spanischen-diktators-wohin-mit.2165.de.html?dram:article_id=433649 (03.01.2019).
  96. Ignaz Wrobel [alias Kurt Tucholsky], Fascismus in Frankreich -?, in: Die Weltbühne 22, 5.1.1926, S. 7-11.
  97. Wilhelm Hoegner, Der Volksbetrug der Nationalsozialisten. Rede des Reichstagsabgeordneten Dr. Wilhelm Hoegner, Berlin 1930, S. 14, 16.
  98. Ernst Nolte, Der Faschismus in seiner Epoche. Die Action française. Der italienische Faschismus. Der Nationalsozialismus, München 1963; siehe dazu auch Wolfgang Schieder, Der Faschismus als Objekt philosophischer Geschichtsschreibung. Ernst Noltes „Phänomenologie“, in: Jürgen Danyel/Jan-Holger Kirsch/Martin Sabrow (Hrsg.), 50 Klassiker der Zeitgeschichte, Göttingen 2013, S. 76-79.
  99. Vgl. hierzu mit weiterführenden Angaben Esposito, Faschismus.
  100. Christoph Cornelißen/Lutz Klinkhammer/Wolfgang Schwentker (Hrsg.), Erinnerungskulturen. Deutschland, Italien und Japan seit 1945, Frankfurt a.M. 2003; Arnd Bauerkämper, Das umstrittene Gedächtnis. Die Erinnerung an Nationalsozialismus, Faschismus und Krieg in Europa seit 1945, Paderborn u.a. 2012; weitere Arbeiten zum Thema von Filippo Focardi siehe Anm. 51 und 56.
  101. Francesco Di Palma, Liberaler Sozialismus in Deutschland und Italien im Vergleich. Das Beispiel Sopade und Giustizia e Libertà, Berlin 2010.
  102. Arnd Bauerkämper, Transnational Fascism: Cross-Border Relations between Regimes and Movements in Europe, 1922-1939, in: East Central Europe 37 (2010), S. 214-246; vgl. auch ders./Grzegorz Rossoliński-Liebe (Hrsg.), Fascism without Borders. Transnational Connections and Cooperation between Movements and Regimes in Europe from 1918 to 1945, New York/Oxford 2017; David Featherstone, Black Internationalism, Subaltern Cosmopolitanism, and the Spatial Politics of Antifascism, in: Annals of the Association of American Geographers 103 (2013), S. 1406-1420; Alix Heiniger, Exil, résistance, heritage. Les militants allemands antinazis pendant la guerre et en RDA (1939-1975), Neuchâtel 2015; Adrian Zimmermann, The International Labour Movement’s Struggle against Fascism. Some Starting Points …, Wien 2014, online unter http://www.academia.edu/6802568/The_International_Labour_Movements_Struggle_against_Fascism._Some_starting_points_for_a_research_project_in_transnational_labour_history (10.12.2018).
  103. Gerd-Rainer Horn, European Socialists Respond to Fascism. Ideology, Activism and Contingency in the 1930s, Cambridge 1996.
  104. Seidman, Transatlantic Antifascisms.
  105. Vgl. die Tagungen „Antifascism as a Practice and as a Discourse”, Genf 2012: https://www.infoclio.ch/sites/default/files/eventdocs/programme_antifascism_as_a_practise.pdf; „L’Antifascisme en question, 1922-1945”, Paris 2013: http://www.etudes-romanes.univ-paris8.fr/IMG/pdf/antifascisme_programme.pdf; „Anti-Fascism as a Transnational Phenomenon”, Saarbrücken 2014: http://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-5783; die drei Panels Antifascism and Resistance” bei der 39. Tagung der German Studies Association 2015 in Washington, D.C. , die Tagung „Trajectories of Antifascism“ 2017 an der Rutgers University (http://history.rutgers.edu/docman-docs/events/1653-events-antifascism-conference/file), die Tagung „Fascism and Antifascism in Our Time: Critical Investigations“ 2017 in Hamburg (http://www.bpb.de/veranstaltungen/format/kongress-tagung/249299/fascism-and-antifascism-in-our-time-critical-investigations) (jeweils letzter Zugriff: 10.12.2018). In Ansätzen trifft dies auch für die historischen Kapitel bei Mark Bray mit Fokus auf der westlichen Welt zu; vgl. Bray, Antifa, S. 3-75.
  106. Hugo García u.a. (Hrsg.), Rethinking Antifascism. History, Memory and Politics, 1922 to the Present, New York/Oxford 2016; ders. (Hrs.), Transnational Anti-Fascism: Agents, Networks, Circulations, in: Contemporary European History 25 (2016), S. 563-731.
  107. Nigel Copsey/Andrzej Olechnowicz (Hrsg.), Varieties of Anti-Fascism. Britain in the Inter-War Period, Basingstoke/New York 2010, S. xiv; vgl. auch Roger Eatwell, Zur Natur des „generischen Faschismus“. Das „faschistische Minimum“ und die „faschistische Matrix“, in: Uwe Backes (Hrsg.), Rechtsextreme Ideologien in Geschichte und Gegenwart, Köln 2003, S. 93-122.
  108. Jacques Droz, Histoire de l’antifascisme en Europe 1923-1939, Paris 1985. Noch expliziter das Scheitern des linken Antifaschismus vor dem Zweiten Weltkrieg betont Ceplair, Under the Shadow of War, S. 7.
  109. Christof Dipper, Die italienische Zeitgeschichtsforschung. Eine Momentaufnahme, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 63 (2015), S. 351-377, hier S. 367f.
  110. Silvia Madotto, Transnational Antifascism. Silvio Trentin and His Activity between Toulouse and the University of Padua (1926-1944), in: Bauerkämper/Rossoliński-Liebe (Hrsg.), Fascism without Borders, S. 312-335; Enrico Acciai, Antifascismo, volontariato e guerre civile in Spagna. La Sezione Italiana della Colonna Ascaso, Mailand 2016; Simone Duranti, La riflessione di Angelo Tasca sulla politica estera del fascismo italiano, in: Giuseppe Vacca/David Bidussa (Hrsg.), Il fascismo in tempo reale. Studi e ricerche di Angelo Tasca sulla genesi e l’evoluzione del fascismo in Europa. 1926-1938. Annali della fondazione Giangiacomo Feltrinelli 48 (2012), S. 33-52.
  111. Alberto De Bernardi/Paolo Ferrari (Hrsg.), Antifascismo e identità europea, Rom 2004.
  112. Enzo Traverso, Intellectuals and Anti-Fascism: For a Critical Historization, in: New Politics 9 (2004), S. 1-15, online unter http://newpol.org/content/intellectuals-and-anti-fascism-critical-historization (02.12.2018).
  113. Anson Rabinbach, Paris, Capital of Anti-Fascism, in: Warren Breckman u.a. (Hrsg.), The Modernist Imagination. Intellectual History and Critical Theory. Essays in Honor of Martin Jay, New York 2011, S. 183-209.
  114. Stéfanie Prezioso, „Aujourdhui en Espagne, demain en Italie“: L’exil antifasciste italien et la prise d’armes révolutionnaire, in: Vingtième siècle. Revue d’histoire 93 (2007), S. 79-92; Tom Buchanan, „Shanghai-Madrid Axis“? Comparing British Responses to the Conflicts in Spain and China, 1936-39, in: Contemporary European History 21 (2012), S. 533-552; David Featherstone, Black Internationalism, Anti-Fascism and the Makings of Solidarity, in: Soundings. A Journal of Politics and Culture 55 (2013), S. 94-107; Anson Rabinbach, Introduction: Legacies of Antifascism, in: New German Critique 67 (1996), S. 3-17; Gilles Vergnon, Le poing levé, du rite soldatique au rite de masse, in: Le Mouvement social 212 (2005), S. 77-91; Cristina Cuevas-Wolf, Montage as Weapon: The Tactical Alliance between Willi Münzenberg and John Heartfield, in: New German Critique 107 (2009), S. 197-203.
  115. Tim Kirk/Anthony McElligott (Hrsg.), Opposing Fascism, Cambridge 1999; Joseph Fronczak, Local People’s Global Politics: A Transnational History of the Hands Off Ethiopia Movement of 1935, in: Diplomatic History 39 (2015), S. 245-274.
  116. Vgl. als Überblick Simon MacDonald, Transnational History: A Review of Past and Present Scholarship, 2013.
  117. Seidman, Transatlantic Antifascisms, S. 2f., 251f.
  118. Katerina Clark, Moscow, the Fourth Rome: Stalinism, Cosmopolitanism, and the Evolution of Soviet Culture, 1931-1941, Cambridge, Mass. 2011.
  119. Daniel Laqua (Hrsg.), Internationalism Reconfigured: Transnational Ideas and Movements between the World Wars, London 2011; Marcel Van Der Linden, Transnational Labour History: Explorations, Aldershot 2003; Fronczak, Local People’s Global Politics.
  120. Vgl. Copsey, Vom Rom nach Charlottesville; analog zum Faschismus vgl. Reichardt, Globalgeschichte des Faschismus, und Kevin Passmore, Fascism as a Social Movement in a Transnational Context, in: Stefan Berger/Holger Nehring (Hrsg.), The History of Social Movements in Global Perspective, Basingstoke 2017, S. 579-617.
  121. So die Aufforderung von Rabinbach, Begriffe, S. 73.