Werkstatt:Afroamerikanische Geschichte

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Werkstatt-Version: Afroamerikanische Geschichte / African American History

von Christine Knauer

In der amerikanischen Historiografie wird der afroamerikanischen Geschichte nunmehr ein wichtiger Platz eingeräumt. Sie beschäftigt sich mit den Lebens- und Erfahrungswelten von aus Afrika stammenden Menschen von der amerikanischen Kolonialzeit bis heute. Versklavt, segregiert und zu Bürgern zweiter Klasse degradiert, kämpften Afroamerikaner/innen zuerst für ihre Freiheit und dann für Integration und Gleichberechtigung. Ihr Status spiegelt sich auch in der amerikanischen Geschichtsschreibung wider: Sie wurden marginalisiert. Seit der Ankunft der ersten Afrikaner in Amerika im 17. Jahrhundert bestand eine massive soziale Ungleichheit zwischen der schwarzen Minderheit und der weißen Mehrheitsgesellschaft, die Schwarze als minderwertig verstand und zu unterdrücken suchte.

Viele Afroamerikaner/innen waren sich der Bedeutung von Geschichte für die Nation und ihr Selbstbild, aber auch für die Stellung und Einbindung des Einzelnen und seiner „Rasse”/Abstammungsgruppe in der Nation sehr wohl bewusst. Früh setzten sich einige für eine angemessene Repräsentanz in der amerikanischen Geschichtsschreibung ein – lange Zeit ohne Erfolg. Doch begannen sie parallel damit, ihre eigene Geschichte niederzuschreiben, um ihr Schicksal, aber auch besonders ihre Bedeutung für die amerikanische Nation festzuhalten. Afroamerikanische Geschichtsschreibung war und ist noch immer auch der Versuch der Selbstfindung und der Verortung in einer Nation, in der Schwarze zwar fast von Beginn an lebten, jedoch mehrheitlich keine voll akzeptierten Mitglieder der Gesellschaft und Subjekte der Geschichtsschreibung waren. „A central paradox of the black experience in America is that it has been a separate entity, yet inseparable from the fabric of American life. […] Although there have been points of intersection, African Americans have generally been born, educated, baptized, socialized, and buried at some distance removed from the dominant society.”[1] Insofern ist afroamerikanische Geschichtsschreibung Teil des Kampfes um Freiheit, Gleichberechtigung sowie politischen und sozialen Einfluss. Ihre Ausrichtung und Forschungsschwerpunkte sind daher stark geprägt von den gesellschaftlichen und politischen Konjunkturen der Zeit. Bis in die 1960er-Jahre wurde sie unter dem Namen Negro History gefasst, erst mit dem gesellschaftlichen Aufbruch wurde diese Bezeichnung sukzessive durch die Temini Black History, Afro-American und heute African American History ersetzt.[2]

Der vorliegende Beitrag zeichnet zuerst die Position von Afrikanern/innen und Afroamerikanern/innen in der amerikanischen sowie die Genese der afroamerikanischen Geschichtsschreibung nach. Er verweist dabei auf die enge Verknüpfung von Geschichtsschreibung, dem Freiheitskampf und der Bürgerrechtsbewegung im 19. und besonders im 20. Jahrhundert. Darauf folgt eine Darstellung der derzeitigen Forschungsansätze, -trends und -schwerpunkte in der afroamerikanischen Historiografie, die auch in der europäischen sowie deutschen Amerikaforschung seit den späten 1980er-Jahren zunehmend bearbeitet werden. Der Artikel schließt mit einem Ausblick auf die Zukunft der afroamerikanischen Geschichte.

Die Genese der afroamerikanischen Geschichtsschreibung

Seit der Besiedlung der Kolonien im 17. Jahrhundert kamen Schwarze auf vielerlei Wegen in die Neue Welt, mehrheitlich jedoch als Sklaven. Weder die Unabhängigkeitserklärung von 1776 noch die amerikanische Verfassung von 1787, die im Geist der Aufklärung unveräußerliche Rechte und die Gleichheit aller Menschen proklamierte, änderten daran etwas.[3] Auch in den Gebieten, in denen Sklaverei nicht so verbreitet war, sahen Weiße Schwarze mehrheitlich als minderwertig an, als Kinder, die einer „starken weißen Hand” bedurften. Über Jahrhunderte hinweg begründeten und rechtfertigten Weiße die Unterdrückung und Ausbeutung Schwarzer mit der Bibel, dem Sozialdarwinismus oder der Eugenik.[4]

Nach der rechtlichen Abschaffung der Sklaverei im Jahr 1865 durch den 13. Verfassungszusatz blieben Schwarze aber wirtschaftlich und sozial ähnlich abhängig und kontrolliert wie zuvor. Sukzessive wurden ihnen das mit dem 15. Verfassungszusatz 1870 erhaltene Wahlrecht sowie die mit dem 14. Zusatzartikel neu verliehenen Bürgerrechte sogar wieder genommen. Lesetests, Wahlsteuern und andere Verordnungen beschnitten den Zugang zum Wahlrecht. Zunehmend regelte Segregation das Verhältnis; Beziehungen oder gar Heirat zwischen Schwarzen und Weißen waren in vielen Staaten noch bis in die 1960er-Jahre hinein verboten. Mit der Grundsatzentscheidung des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten im Fall Plessy v. Ferguson im Jahr 1896 in Bezug auf die Bereitstellung von getrennten Einrichtungen für Weiße und Schwarze – es ging hier um die Zulässigkeit von getrennten Abteilen in Eisenbahnzügen – wurde die Rassentrennung nach dem Prinzip „separate but equal”, getrennt aber gleich, als „rule of the land” in den Südstaaten etabliert.[5] In Bussen und Straßenbahnen gab es fortan für Weiße und Schwarze getrennte Abteile, oder Afroamerikaner mussten im hinteren Teil sitzen. Wenn zu viele weiße Fahrgäste einstiegen, wurden Afroamerikaner gezwungen auszusteigen. Separate Toiletten und Eingänge – für Schwarze meist der Hintereingang – wurden gebaut, getrennte Schulen, Militäreinheiten eingerichtet, um die Rassentrennung aufrechtzuerhalten. So wurden Schwarze zu Bürgern zweiter Klasse degradiert, die ständig der Willkür Weißer ausgesetzt waren. Diese Behandlung blieb nicht ohne Gegenwehr. Seit der Sklaverei kämpften Schwarze direkt oder indirekt zuerst für ihre Freiheit und später für ihre Gleichberechtigung und ein Leben in Frieden und Prosperität. Sie versuchten, ihren Handlungsspielraum und ihre Bürgerrechte auszudehnen, kämpften gegen Lynchmorde und forderten das Ende der Segregation in allen gesellschaftlichen Bereichen.[6]

Aufgrund ihrer afrikanischen Wurzeln, einer oral culture, dominierten auch in der Neuen Welt unter Menschen afrikanischer Herkunft mündliche Überlieferungen der eigenen Kultur und Geschichte. Zudem waren die meisten Afrikaner in der Diaspora in Amerika Analphabeten, da es verboten war, Sklaven/innen Lesen und Schreiben beizubringen. Afroamerikanische „Geschichtsschreibung” basierte daher meist auf mündlicher Überlieferung. In der Nationalgeschichtsschreibung und -erinnerung waren Afroamerikaner, wenn überhaupt, nur marginal vertreten.[7] In ihrem Glauben an die Überlegenheit der weißen „Rasse” ignorierte die weiße Mehrheitsgesellschaft Schwarze im öffentlichen Diskurs lange Zeit vorsätzlich oder stellte sie in stereotypisierender Manier dar. In seinem wegweisenden Werk zu den amerikanischen Rassenbeziehungen „The American Dilemma” aus dem Jahr 1944 fasste der schwedische Soziologe Gunnar Myrdal die Herangehensweise weißer Historiker treffend zusammen: „White historians have usually been biased by their preconceptions about the Negroes' inherent inferiority and by the specific rationalization needs these preconceptions have been serving. Even apart from this, they have not had much interest in the Negroes except as objects of white exploitation and contests.”[8] Schwarze Männer wurden oftmals entweder als impotente Sklaven oder lüsterne Bestien dargestellt, denen es unmöglich sei, in einer modernen Gesellschaft ohne Kontrolle weißer Männer zu leben und zu funktionieren. Auch schwarze Frauen waren durch stereotype Darstellungen als asexuelle Mammy oder hypersexuelle Jezebel auf untergeordnete Rollen reduziert.

Der Ausschluss oder die verzerrte Darstellung von Afroamerikaner/innen in Geschichtsschreibung und kollektivem Gedächtnis stellten eine weitere wirkmächtige Strategie der Unterdrückung und Diskriminierung Schwarzer in der amerikanischen Gesellschaft dar.[9] Im Kampf gegen Sklaverei und später Segregation strebten Afroamerikaner früh danach, der weißen Bevölkerung und auch sich selbst klar zu machen, welche Bedeutung sie für die amerikanische Nation und Kultur haben. So versuchten schon im 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entlaufene Sklaven wie Boston King, Frederick Douglass oder Harriet Ann Jacobs, ihren Stimmen Gehör zu verleihen und ihre Erfahrungen schriftlich festzuhalten.[10] Mit ihren Memoiren wollten sie Schwarze als Akteur/innen in die amerikanische Geschichte einbringen in der Hoffnung, seltener ignoriert und damit akzeptiert zu werden.

In seinem 1986 erschienenen und noch heute oft zitierten Artikel zur Entwicklung der afroamerikanischen Geschichtsschreibung unterteilt der Historiker John Hope Franklin diese in vier Generationen, innerhalb derer über Jahrzehnte Ausrichtung und Schwerpunkte entstanden, sich erweiterten und ihren Platz in der akademischen Welt einforderten. Die erste Phase begann Ende des 19. Jahrhunderts und führte zu einem Anstieg der Zahl der afroamerikanischen Historiker/innen.[11] Während die erste Generation vornehmlich aus Laienhistorikern bestand, war die zweite Generation meist an Universitäten ausgebildet worden. Besonders einflussreich in diesem Prozess der Professionalisierung der afroamerikanischen Geschichtsschreibung waren W.E.B. Du Bois und Carter G. Woodson.[12] Woodson gründete 1915 die Association for the Study of Negro Life and History (ASNLH) und 1922 mit dem „Journal of Negro History”, das von Beginn an eine integrierte Herausgeberschaft hatte, die erste wissenschaftliche Zeitschrift zur afroamerikanischen Geschichte. 1926 etablierte er auch die „Negro History Week”, die 1976 als „Black History Month” von der amerikanischen Regierung offiziell anerkannt wurde. Das Ziel dieser Historiker/innen war es vor allem, die race zu rehabilitieren und ihre Leistungen für die amerikanische Nation und ihren Aufstieg aufzuzeigen.[13] Auf diese Weise suchten Afroamerikaner/innen, die Kontrolle über ihre Repräsentation in der Geschichte und in der kollektiven Erinnerung zu gewinnen. Die Sichtbarmachung der schwarzen Erfahrung sollte eine Form von race pride aufbauen und das „black image in the white mind” verändern.[14] Beginnend mit den 1930er-Jahren beschäftigte sich nun eine neue Generation von Historikern vor allem mit dem Verhältnis zwischen Schwarz und Weiß. Denn noch immer litten sie unter eingeschränkten Ausbildungs- und Publikationsmöglichkeiten.[15]

Mit dem Erstarken der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung nach 1945, die sich für Gleichberechtigung und Gleichbehandlung einsetzte, und der steigenden Zahl afroamerikanischer Collegestudenten wuchs auch das Interesse an der Erforschung der afroamerikanischen Geschichte. Mit ihrer Hilfe sollten die Marginalisierung afroamerikanischer Erfahrungen und der prägende Einfluss des Rassismus in der amerikanischen Geschichte und Gegenwart aufgezeigt werden, um so auch die aktuelle Lage zu verbessern. Seit den 1960er-Jahren wurden an Universitäten und Colleges, wenn auch oft nur zögerlich, eigene Professuren und Institute zur afroamerikanischen Geschichte eingerichtet. So gründete zum Beispiel die Harvard University 1969 ihr African and African American Studies Department und 1975 das W.E.B. Du Bois Institute, das seither herausragende Forschungen in diesen Bereichen mit Stipendien fördert. Diese Neugründungen führten zu einem enormen Wachstum der afroamerikanischen Geschichtsforschung.[16]

Doch trotz aller Profilierung des Themengebiets waren die Publikationsmöglichkeiten noch bis in die 1980er-Jahre hinein begrenzt. Lange Zeit war das „Journal of Negro History”, das erst 2002 seinen Namen in „The Journal of African American History” änderte, die einzige wirklich ernstgenommene historische Zeitschrift für afroamerikanische Geschichte. Vor allem schwarzen Wissenschaftler/innen gelang es nur selten, Artikel zur afroamerikanischen Geschichte in den führenden historischen Zeitschriften wie dem „Journal of American History”[17] oder dem „Journal of Southern History” zu publizieren.[18] Schritt für Schritt erkämpften sie sich jedoch ihren Platz in der amerikanischen Geschichtswissenschaft und deren Zeitschriften. Auch das Verlagswesen stellte sich langsam auf die wachsende Anzahl an Studien zur afroamerikanischen Geschichte ein und etablierte eigene Serien. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die John Hope Franklin Series in African American History and Culture der University of North Carolina Press, die seit Jahren herausragende Arbeiten zur afroamerikanischen Geschichte vorlegt. Mit John Hope Franklin trägt sie den Namen eines der bedeutendsten afroamerikanischen Historiker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.[19] Zwar waren auch die afroamerikanische Geschichte und die afroamerikanischen Studien von den Sparmaßnahmen infolge der Finanzkrise von 2008 betroffen, jedoch hat die Mehrheit der Universitäten und Colleges in den USA auch heute noch Veranstaltungen zur African American History oder ein African American Studies Department.

Während sich zu Beginn vor allem Schwarze in der afroamerikanischen Historiografie mit diesem weiten Themenfeld auseinandersetzten, beschäftigen sich seit längerer Zeit auch Historiker/innen anderer Ethnien und in außeramerikanischen Ländern mit afroamerikanischer Geschichte. Auch in Europa besteht seit Jahren großes Interesse an der afroamerikanischen Geschichte.[20] Vor allem in Großbritannien erfreut sich das Themenfeld wachsender Beliebtheit. Dabei stehen die Geschichte der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und die Rassenbeziehungen im Süden der USA oft im Zentrum des akademischen Interesses, das sich vor allem auch auf die soziale Lage und Spannungen zwischen den Ethnien in Großbritannien zurückführen lässt.[21]

Auch Historiker/innen aus Deutschland tragen seit längerem wichtige und international rezipierte Arbeiten zur afroamerikanischen Geschichte bei.[22] Besonders die transnationalen Beziehungen und der Austausch zwischen Deutschland und den afroamerikanischen Soldaten während und nach dem Zweiten Weltkrieg sowie die Verbindungen zwischen Bürgerrechtler/innen und Künstler/innen sind für deutsche Forscher/innen von Interesse. Maria Höhn und Martin Klimke weisen in ihrem Buch zu afroamerikanischen Soldaten in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg auf die befreiende und bestärkende Wirkung des Lebens in der Fremde hin.[23] Durch die Nähe zu African American und Africana Studies[24] zeigt sich die afroamerikanische Geschichte häufig offen für interdisziplinäres Arbeiten und neue Strömungen in der Geschichtswissenschaft. So sind kulturwissenschaftlich geprägte Herangehensweisen nicht selten in der neueren deutschen Forschung zur afroamerikanischen Geschichte. Beispielsweise analysiert Silvan Niedermeier mithilfe von Visibility und Postcolonial Studies kritisch Polizeifolter von Afroamerikanern im Süden der USA.[25] Der deutsche Historiker Manfred Berg bezeichnete sie kürzlich als eines der „wichtigsten und innovativsten Forschungsfelder”.[26] Aspekte wie Geschlecht, Klasse, Sexualität, Transnationalität oder Diaspora und deren Verschränkungen wurden schnell aufgegriffen und oft mit ins Zentrum der historischen Forschung gestellt.

Schwerpunkte der afroamerikanischen Zeitgeschichtsforschung

Allgemein herrscht auch in der historischen Forschung Übereinstimmung darüber, dass race ein soziales Konstrukt darstellt und als Ordnungskategorie hinterfragt und historisiert werden muss. Die Idee von race und racial differences manifestiert sich in der amerikanischen Geschichte auf verschiedene Art und Weise. Race ist ein relationales Konstrukt, das auf Dichotomie (weiß versus schwarz) aufbaut. Das Konzept wurde von der weißen Mehrheit der Bevölkerung genutzt, um die amerikanische Gesellschaft zu ordnen, Hierarchien zwischen verschiedenen Hautfarben aufzubauen und zu perpetuieren sowie den Ausschluss oder die Segregation von Bevölkerungsgruppen zu begründen. Auch wenn race als Konstrukt verstanden wird, kommt die Forschung bei der Analyse der Entwicklung der amerikanischen Gesellschaft allgemein und der afroamerikanischen Erfahrung im Besonderen nicht ohne dessen konstante Einbeziehung aus.

Fotograf: Arthur S. Siegel, Februar 1942, Detroit, Michigan. Riot at the Sojourner Truth homes, a new U.Sn federal housing project, caused by white neighbors' attempt to prevent Negro tenants from moving in. Sign with American flag „We want white tenants in our white community”, directly opposite the housing project. U.S. Farm Security Administration/Office of War Information Black & White Photographs, Quelle: Library of Congress Prints and Photographs Division Washington / Wikimedia Commons (gemeinfrei).

In der deutschsprachigen Forschung wird der Begriff „Rasse” sehr kritisch betrachtet. Viele sehen in seiner Anwendung die Gefahr der „Normalisierung dieser Kategorie im deutschen Sprachraum”, die aber „nach wie vor auf Ausschwitz” verweise.[27] Der Nationalsozialismus macht die Verwendung des Begriffs für viele Wissenschaftler/innen nicht mehr tragbar. Daher wird mehrheitlich race im englischen Original belassen oder „Rasse” in Anführungszeichen gesetzt, um die Trennung vom Nationalsozialismus und eine Unterscheidung zwischen dem amerikanischen Konzept race und dem deutschen Konzept „Rasse” aufzuzeigen. Des Weiteren sollen die Anführungszeichen die Konstruiertheit der Kategorie verdeutlichen. Sicherlich ist in den USA die Idee der race als sozio-kulturelles Konstrukt stärker verhaftet als im deutschsprachigen Raum. Dennoch stellt sich die Frage,[28] ob wirklich klare Unterschiede zwischen diesen beiden Konzepten in der Legitimierung, dem Verständnis oder der Verwendung im amerikanischen und deutschsprachigen Kontext existieren. Race durchzieht alle Aspekte der amerikanischen Geschichte von der Arbeiter- über die neue Militär- und Politikgeschichte bis hin zur Kultur- und Medizingeschichte. Race und Fragen der racial identity, besonders auch als Mittel des empowerment, spielen in der afroamerikanischen Geschichte und Geschichtsschreibung noch immer eine zentrale Rolle.[29] Doch nicht nur race, sondern auch blackness ist ein Konstrukt. Die seit etwa fünfundzwanzig Jahren im Aufschwung befindlichen whiteness studies beschäftigen sich daher mit der Analysekategorie des „Weißseins”: „Construction of whiteness – how diverse groups in the United States came to identify, and be identified by others, as white – and what that has meant for the social order.”[30]

Im Zentrum der afroamerikanischen Geschichtswissenschaft stehen seit langem die Unterdrückungserfahrung, der Freiheitskampf und das „Community-Building” der schwarzen Minderheit in den USA. In der Zeitgeschichte liegt das Augenmerk besonders auf der Bürgerrechtsbewegung und ihrer Genese und Ausdifferenzierung seit 1945. Der Kampf für Integration, der lange Weg zur Desegregation u.a. im Militär,[31] in öffentlichen Schulen oder im Sport[32] sowie die Herausbildung von Black Power und Black Nationalism werden in einer Vielzahl von wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Publikationen abgehandelt und analysiert.[33] Lange Zeit lag hierbei der Fokus auf der klassischen Hochphase der Bürgerrechtsbewegung. Datiert wurde sie zumeist auf die Zeit zwischen der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs im Fall Brown v. Board of Education of Topeka im Jahr 1954, die der Rassentrennung an öffentlichen Schulen landesweit ein Ende setzen sollte,[34] und dem Tod Martin Luther Kings 1968. Biografien über Martin Luther King und Malcolm X standen nicht nur im Zentrum des zeitgenössischen medialen Interesses, sondern fanden von Beginn an auch in der akademischen Welt großen Anklang.[35]

Zu Beginn der 1960er- und frühen 1970er-Jahre erfolgte die Forschung zur afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung noch in den Bahnen der traditionellen Politikgeschichte. Auch wenn die afroamerikanische Zeitgeschichtsforschung besonders auf nationaler Ebene die politischen Entscheidungen und Entscheidungsträger/innen nie aus den Augen verloren hatte, erweiterte die Sozial- und Alltagsgeschichte den Blick ab Ende der 1970er-Jahre mit ihrem bottom-up approach. Nun wurden gewöhnliche Menschen, oft auf lokaler Ebene, in den Fokus genommen: „King and the other well-known players would not disappear from view, but they would take back seat to women and men who initiated protests in small towns and cities across the South and who acted according to their own needs rather than those of central organizations headquartered in New York, Washington, or Atlanta.”[36] Diese Herangehensweise stellte zahlreiche Grundannahmen der bisherigen Forschung zur nationalen Bürgerrechtsbewegung in Frage und führte zu einer Neubewertung zugunsten lokaler Gruppen.[37] Gerade auch diese Studien machen die komplexen Überschneidungen von race, class und gender besonders deutlich.[38]

Auch wenn das Innovationspotenzial weiterer Lokal- und Regionalstudien mittlerweile hinterfragt wird,[39] versprechen sie noch immer differenzierte und differenzierende Einblicke in das (Über-)Leben von Afroamerikaner/innen in einem von Sklaverei und Rassismus geformten Land. Besonders im Hinblick auf die Umsetzung der „Jim Crow”-Gesetze und -Bestimmungen, die von 1876 bis 1964 die Rassendiskriminierung verankerten und inhaltlich wie regional unterschiedlich ausgeprägt waren, sind Regional- und Lokalstudien unverzichtbar: „Those who are not attentive to the emphatic localism of segregation and its manifold peculiarities of place, then, will fail to understand both how it came into being in the first place, and also the process by which it was finally disestablished.”[40] Auch die Reaktionen der weißen Mehrheitsgesellschaft auf die Bürgerrechtsbewegung selbst sowie auf die allgemeinen Veränderungen in den amerikanischen race relations, die von Aktivist/innen, der Bundesregierung und dem Supreme Court durchgesetzt wurden, können am differenziertesten auf lokaler und regionaler Ebene untersucht werden.

The Long Civil Rights Movement

Besonders seit den 1990er-Jahren stellt eine wachsende Anzahl von Historiker/innen die „traditionelle Periodisierung”[41] in Frage und dehnt den zeitlichen Rahmen der Bürgerrechtsbewegung bzw. des afroamerikanischen Freiheitskampfs aus. Der Historiker Leon Litwack sprach sich dafür aus, die Wurzeln und den Beginn der Bürgerrechtsbewegung in der Zeit der Sklaverei zu suchen: „The roots of the civil rights movement lie deep in the history of this nation. The civil rights movement began with the presence of enslaved blacks in the New World, with the first slave mutiny on the ships bringing them here.”[42] Andere Forscher/innen sehen die Anfänge im späten 19. Jahrhundert, und dabei vor allem in der Anti-Lynching-Bewegung und der Gründung der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) im Jahr 1909, die seit dem Zweiten Weltkrieg die größte schwarze Bürgerrechtsorganisation ist.[43] Es geht dabei um Fragen von Kontinuität und Wandel der Bürgerrechtsbewegung, um ihren Aktivismus und ihre Strategie.

Auch wenn dieser Trend unter Historiker/innen der afroamerikanischen Geschichte großen Anklang findet, wachsen die kritischen Stimmen. Sie weisen auf die Sonderstellung der Bürgerrechtsbewegung nach 1954 (Brown v. Board of Education of Topeka) hin, auch wegen ihres Charakters als Massenbewegung, und halten an der Aufteilung in Phasen fest, selbst wenn ideologische, personelle und strategische Kontinuitäten über diese hinaus festgestellt werden können. Steven Lawson, eigentlich einer der frühen Verfechter der Ausdehnung des zeitlichen Betrachtungsrahmens, argumentiert so: „Indeed, the civil rights movement occured at a particular time and place and must be viewed as historically distinct from other aspects of the black freedom struggle that preceded it, and for that matter followed in its wake.”[44] Er spricht sich für eine Unterscheidung zwischen „black freedom struggle” und „civil rights movement” aus, die über eine rein semantische Trennung hinausgehen sollte. Historiker/innen müssten, so Lawson, die Unterschiede und Brüche deutlicher herausarbeiten und somit ein differenzierteres Bild des afroamerikanischen Widerstands gegen die weiße Unterdrückung vermitteln.

Die Diskussion um die zeitliche Ausweitung der Bürgerrechtsbewegung wurde im Jahr 2005 von Jacquelyn Dowd Hall mit ihrem weit über die Disziplin hinaus rezipierten Aufsatz „The Long Civil Rights Movement and the Political Uses of the Past” intensiviert. [45] Ihr Aufruf, den Beginn der Bürgerrechtsbewegung vor 1954 anzusetzen und damit die Geschichte der Gleichberechtigung und Bürgerrechte komplexer zu machen, wurde als wichtiger Wegweiser gesehen. Der Artikel spiegelt aber vor allem auch die Unzufriedenheit der Autorin mit der konservativ-neoliberalen Politik in den USA zum Zeitpunkt der Erstellung des Aufsatzes wider. Eine Neu- und Aufwertung der linken und kommunistischen Kräfte, die die Bürgerrechtsbewegung und die Forderung nach Gleichheit maßgeblich getragen hätten, sollte, so Hall, erfolgen und „speak[ing] effectively to the challenges of our time”.[46] Hall und andere unterstreichen den positiven Einfluss und den in ihren Augen altruistischen Einsatz vor allem der Kommunistischen Partei der USA (CPUSA) vehement und oft recht unkritisch. Durch den McCarthyism und den Liberalismus des Kalten Kriegs sei die vielversprechende radikale Kooperation mit linksgerichteten Kräften, die auch für Arbeiterrechte, ökonomischen Egalitarismus und Antikolonialismus eingestanden hätten, jäh beendet und damit allgemein eine eindringliche Kritik an der amerikanischen Gesellschaft und ihres Systems auf lange und unbestimmte Zeit verhindert worden.[47] Jedoch findet ihre These, dass die wahren Anfänge der Bürgerrechtsbewegung in der linken und kommunistischen Arbeiterbewegung der New Deal-Ära lägen, nicht nur Zustimmung.

Historiker/innen führen seit Mitte der 1990er-Jahre eine lebhafte Diskussion über die Auswirkungen des Kalten Kriegs und des Kommunismus/Antikommunismus auf die amerikanische Bürgerrechtsbewegung, auf ihre Strategie und ihre gesellschaftliche Durchschlagskraft.[48] Die Bedeutung der Arbeiterbewegung und die enge Verknüpfung von race und class wird in der Forschung kaum angezweifelt.[49] Kritiker/innen sehen in dieser sehr positiven Bewertung der linken Kräfte, vor allem der Kommunistischen Partei in den USA, jedoch eine nicht fundierte Romantisierung der kommunistischen Linken sowie eine Überbetonung ihrer Rolle. Damit gehe die Gefahr einher, die negativen Aspekte und Maßnahmen der kommunistischen Partei in Amerika[50] und die Beiträge der nicht- oder antikommunistischen Aktivisten, wie zum Beispiel A. Philip Randolph, Gründer der ersten schwarzen Gewerkschaft,[51] herunterzuspielen.[52] Für viele Historiker/innen waren vor allem die lokalen Aktivist/innen, die schwarzen Kirchen und die NAACP die treibenden Kräfte des gewaltlosen Umbruchs. Zudem wird gefordert, das Augenmerk eher auf Kontinuitäten oder Veränderungen im afroamerikanischen Kampf für Gleichberechtigung nach 1968 als auf die „vermeintlich verborgenen Wurzeln der Bürgerrechtsbewegung” zu richten.[53] Daraus folgt eine kritische Neubewertung der Black Power-Bewegung und ihren Aufrufen zu gewaltsamem Widerstand. In der traditionellen Interpretation wurden ihre Aktionen als fundamentaler Bruch gegenüber der King'schen Bürgerrechtsbewegung angesehen. Andere Stimmen in der historischen Forschung weisen dagegen auf die Verknüpfungen zwischen der traditionellen Bürgerrechtsbewegung und der Black Power-Ära hin. Sie sehen darin weniger klare Gegensätze, sondern ein „komplexes Mosaik”.[54]

Fotograf: unbekannt, March on Washington for Jobs and Freedom, Martin Luther King, Jr. and Joachim Prinz pictured, 1963. Quelle: American Jewish Historical Society / Wikimedia Commons, Lizenz: This material may be used for personal, research and educational purposes only. Any other use without prior authorization is prohibited. Please contact the American Jewish Historical Society at reference@ajhs.org for further information.

Daneben hat sich eine örtliche Verlagerung in der Analyse von Segregation und Diskriminierung sowie bei der Bewertung des afroamerikanischen Widerstands und vor allem der Bürgerrechtsbewegung nach 1945 vollzogen. Nachdem sich die Forschung jahrelang hauptsächlich mit den Südstaaten, den dortigen Rassenproblemen und Gleichstellungskämpfen beschäftigt hat, präsentierten Historiker/innen in den 2000er-Jahren Untersuchungen, die ihren Schwerpunkt auf die Erforschung von Diskriminierung und Bürgerrechtsbewegung im Norden und Westen der USA legen. Nur dann, so das Argument, könne man die Bürgerrechtsbewegung und ihre Auswirkungen auf das amerikanische Leben wirklich umfassend verstehen.[55] Rassismus und Diskriminierung seien niemals nur ein Problem des U.S.-amerikanischen Südens gewesen, sondern ein landesweites.[56] Manche Untersuchungen gehen sogar davon aus, dass die Unterschiede zwischen den Südstaaten und dem Rest des Landes „differences of degree” und nicht „differences of kind” gewesen seien. Auch wird vielfach die Trennung zwischen de jure – Segregation aufgrund von Gesetzen – und de facto Segregation – aufgrund von Präferenz oder Gewohnheit – aufgehoben.[57] Jedoch ist eine Nivellierung der Unterschiede weder sachdienlich noch historisch zutreffend. Man sollte dem radikalen Ruf nach dem Ende der Sonderstellung des Südens im Hinblick auf Rassenbeziehungen, Bildung, wirtschaftlicher Entwicklung und Urbanität oder gar einem „end of Southern history” als Historiker/in sehr kritisch gegenüberstehen.[58] Doch ist die Ausweitung des Blicks auf den Norden und Westen der USA, und damit die Behandlung der race problems als nationales Problem mit internationalen Auswirkungen, elementar für das Verständnis der afroamerikanischen Lebens- und Erfahrungswelten in den USA und der Fortdauer des racial divide. Eine wachsende Zahl an Studien zeigt auf, wie es Weißen, die in Opposition zu den afroamerikanischen Bestrebungen standen, bis heute gelungen ist, umfangreiche Privilegien und hierarchische Strukturen der weißen Mehrheitsgesellschaft zu erhalten. Während die Umstrukturierungsprozesse Suburbanisierung und Gentrifizierung schon länger erforscht werden,[59] beschäftigen sich immer mehr Historiker/innen aktuell mit Polizeigewalt, Strafvollzug und Gefängnissen als formative Elemente für die (afro)amerikanische Geschichte nach 1945.

Strafvollzug

Diese Studien zur Geschichte der amerikanischen Gefängnisse geben weitere Einblicke in das Fortdauern der Privilegierung weißer Amerikaner/innen. Besonders der von Richard Nixon 1971 ins Leben gerufene „War on Drugs” und die ihm folgenden Gesetzesverschärfungen lösten eine massenhafte Inhaftierung (mass incarceration) aus. Die Zahl der Insassen in amerikanischen Gefängnissen ist seit 1980 von einer halben Million auf zwei Millionen im Jahr 2000 gestiegen. Gefängnisse und die damit verbundenen Bereiche sind zu einem milliardenschweren Geschäft geworden. Denn diese weltweit einzigartige Entwicklung ließ den sogenannten prison-industrial complex massiv wachsen: Industriesparten, die z.B. von der Privatisierung der Verpflegung der Gefangenen, der Herstellung von Überwachungssystemen oder der billigen Arbeit der Häftlinge profitieren. Besonders betroffen von dieser Entwicklung sind Afroamerikaner: Einer von 14 sitzt in den USA im Gefängnis, während sich das Verhältnis bei den Weißen auf 1:106 beläuft.[60] Zusammen mit zahlreichen anderen Fachdisziplinen suchen Historiker/innen vermehrt nach den Gründen dafür. Heather Ann Thompson zeigt, wie eng verknüpft die Masseninhaftierung mit dem forcierten Untergang der Innenstädte ist, der sukzessiven Kriminalisierung und Entrechtung ihrer Bewohner, die meist Minderheiten und den unteren Schichten angehören, und damit dem Aufstieg der amerikanischen Rechten. Thompson beschreibt die Folgen und den Teufelskreis dieser Entwicklung und liefert damit eine Erklärung für den weiteren Verfall der Innenstädte wie auch zur Bedeutungslosigkeit der amerikanischen Arbeiterbewegung.[61]

Haftstrafen und Gefängnisaufenthalte waren aber auch der Ausgangspunkt für neue Protestbewegungen. So verdeutlicht Dan Berger einerseits, wie Inhaftierung und Gefängnis im Süden wie im Norden die Bürgerrechtsbewegung und Black Power schwächen sollten. Andererseits zeigt er aber auch, wie schwarze Freiheitskämpfer das Gefängnis und ihre Inhaftierung für sich und ihren Kampf zu nutzen suchten und die Verhältnisse öffentlich machten. Schwarze organisierten sich im Gefängnis, protestierten und verbanden sich über die Mauern hinweg mit anderen Protestbewegungen lokal, national und global.[62]

Die jüngsten Fälle von tödlicher Polizeigewalt gegen Afroamerikaner verweisen auf die Langlebigkeit von „Jim Crow” und die Ungleichheit zwischen Schwarz und Weiß. Polizeiliches Handeln ebenso wie politische Entscheidungen, Gesetzgebungen und Urteile auf einzelstaatlicher wie nationaler Ebene basieren allzu oft auf racially biased Grundannahmen.[63]

Transracial und Transnational

Die in der Geschichtswissenschaft der letzten Jahre zunehmend verbreitete inter- und vor allem transnationale Perspektive[64] hat auch in der afroamerikanischen (Zeit-)Geschichte Einzug gehalten.[65] Eine wachsende Zahl an Forscher/innen betrachtet die Bürgerrechtsbewegung und die Ausbildung einer schwarzen und nationalen Identität in einem größeren transracial und inter-/transnationalen Rahmen. Afroamerikaner/innen waren nicht in einem Vakuum aktiv, „the dreams born out of the black freedom struggle not only impacted African Americans and white Americans but also other peoples of color”.[66] Sie kooperierten mit Latinos/as und Asian Americans, auch wenn dieser Austausch seine Grenzen hatte und Probleme mit sich brachte.[67]

Vor allem im Hinblick auf den Zweiten Weltkrieg und den Kalten Krieg gehen immer mehr Forscher/innen der Frage nach, wie sich die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung zu den weltweiten antikolonialen Bewegungen und politischen Entwicklungen in Asien und vor allem in Afrika positionierte und verhielt.[68] Zahlreiche Afroamerikaner/innen, so zeigen die Studien, waren stark in diese Freiheitskämpfe involviert und brachten sich auf vielerlei Ebenen und auf verschiedene Arten ein. Jedoch herrschte und herrscht in der afroamerikanischen Community keineswegs Einigkeit über das Verhältnis und Verhalten vor allem zu Afrika als Kontinent der Ahnen.[69] Neuere Untersuchungen nehmen verstärkt das komplexe und oft komplizierte Verhältnis zwischen Afroamerikaner/innen und Asiat/innen auf nationaler wie transnationaler Ebene in den Blick.[70]

Frauen und Weiblichkeit

In den letzten vier Jahrzehnten zeigten vor allem Lokal- und Regionalstudien die Bedeutung von schwarzen Frauen in der Bürgerrechtsbewegung. Diese Entwicklung bekam durch die in den 1970er-Jahren erstarkende Frauenbewegung neue und wichtige Impulse. Der Black Feminism, der auch die historische Forschung beeinflusste, wies auf die doppelte Diskriminierung von afroamerikanischen Frauen hin, die von beiden Bewegungen kaum berücksichtigt wurde. Der „Mainstream”-Feminismus der 1970er-Jahre orientiere sich, so der Vorwurf, an den Belangen weißer Frauen, die großenteils aus der Mittelklasse kämen. Trotz der elementaren Rolle schwarzer Frauen in der Bürgerrechtsbewegung richte diese sich vor allem nach den Interessen und Forderungen schwarzer Männer aus. „Because of white women's racism and Black men's sexism, there was no room in either area for a serious consideration of the lives of Black women. And even when they have considered Black women, white women usually have not had the capacity to analyze racial politics and Black culture, and Black men have remained blind or resistant to the implications of sexual politics in Black women's lives.”[71]

Besonders in der Geschichtswissenschaft fand diese Kritik Zustimmung und Unterstützung. Schwarze Historikerinnen wiesen darauf hin, dass die Geschichte afroamerikanischer Frauen weder innerhalb der Grenzen der afroamerikanischen Geschichte noch der Frauengeschichte hinreichend analysiert werden könne.[72] Während der Fokus der Forschung lange auf Männern wie Martin Luther King und Malcolm X lag, begann die neue Frauengeschichte detailliert die Rolle von Frauen in der Bürgerrechtsbewegung herauszuarbeiten. Ihre zentrale Rolle in Kirchengemeinden und der afroamerikanischen Community machte sie besonders auf lokaler Ebene zu wirkmächtigen Akteurinnen im Kampf um Gleichberechtigung.[73] Ohne die Arbeiterfrauen und ihren langwährenden Aktivismus wäre der Montgomery Bus Boycott 1955/56 so nie zustande gekommen.[74] Auch die geringe Wahrnehmung von Frauen und ihren Rechten sowie ihren Leistungen innerhalb der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung, die von den beteiligten Frauen oft als Sexismus erfahren wurde, wird in der neueren Forschung nachdrücklich diskutiert.[75]

Eine wachsende Zahl von Studien setzt sich mit der multiplen Vulnerabilität von schwarzen Frauen innerhalb des Systems der white supremacy, aber auch der black community und der Bürgerrechtsbewegung selbst auseinander. Hier ist ein analytisches Bewusstsein der Verschränkung von race, gender und sexuality, aber auch class besonders fruchtbar. Untersuchungen zeigen, welche wichtige Rolle sexuelle Gewalt gegen schwarze Frauen bis hin zur Vergewaltigung beim Erhalt der white supremacy spielte. Dabei wird auch erforscht, wie sich schwarze Frauen gegen die jeweils herrschenden dominanten Strukturen zur Wehr setzten.[76] Das Verhältnis von afroamerikanischen Frauen zum Feminismus, aber auch zum Antifeminismus der 1970er- und 80er-Jahre (und vice versa) sollte noch eingehender untersucht werden.

Über die direkte Bürgerrechtsgeschichte hinaus sind die Stellung der afroamerikanischen Frau und ihre Weiblichkeit eng mit dem Status der schwarzen Familie in der amerikanischen Gesellschaft allgemein und im amerikanischen Sozialstaat im Besonderen verknüpft. Die Stigmatisierung schwarzer Frauen als welfare queens und von schwarzen Familien als dysfunktional und vaterlos spielt seit Jahren eine zentrale Rolle in der Sozialgesetzgebung. So setzt sich vor allem auch die Sozialgeschichte mit der Wirkung und Auswirkung von Sozialgesetzgebung auf schwarze Frauen und Familien auseinander. Auch hier greifen race, gender, class und sex besonders deutlich ineinander.[77]

Geschlecht und Sexualität

Im Gefolge der Geschlechtergeschichte hielt die Kategorie „Geschlecht” Einzug in die afroamerikanische Geschichte. Die Erforschung von Konzepten von Weiblichkeit, aber auch von Männlichkeit wurde zu einem zentralen Thema. Eine wachsende Zahl von Studien geht der Bedeutung von Männlichkeit und hypermasculinist rhetoric in der afroamerikanischen Community und der Bürgerrechtsbewegung nach. „In fact, the struggle for black equality”, so stellt der Historiker Steve Estes fest, „had specific implications for gender relations and gender identity in America.”[78] Afroamerikaner erfuhren Sklaverei, Segregation und Diskriminierung als Entmännlichung und suchten ihre Maskulinität auf verschiedene Art zu beweisen und zu manifestieren.[79] Dies ging oft nicht ohne Sexismus, Unterdrückung von Frauen und Homophobie vonstatten.[80] Wie sich die verschiedenen Bewegungen und ihre Führung gegenüber starken Frauen, dem Feminismus der Frauenbewegung, vor allem der schwarzen Frauenbewegung, und damit der Verschiebung der Geschlechterrollen positionierten, ist ein wichtiges Untersuchungsfeld.[81] Allgemeingültige Aussagen scheinen nicht möglich, und es bedarf weiterer (Lokal-)Studien, die zwischen Rhetorik und Handeln zu unterscheiden suchen. Der Historiker Jakobi Williams spricht sich im Hinblick auf die Black Panther Party und das Feld gender/sexuality dafür aus, die Analyse auf einzelne Ortsverbände zu konzentrieren.[82]

Auch wenn sich in den letzten Jahren Historiker/innen der Thematik verstärkt angenommen haben,[83] bedarf Homosexualität in der afroamerikanischen Community und das Verhältnis zur Bürgerrechtsbewegung weiterer Erforschung. Untersuchungen sollten sich dabei auch mit der Geschichte von Homophobie bzw. homophober Rhetorik in der Bürgerrechtsbewegung und in der afroamerikanischen Community näher beschäftigen. Zwar hat sich die Forschung schon seit längerem mit Bayard Rustin als offen homosexuell lebenden Bürgerrechtsaktivisten auseinandergesetzt, aber weiterreichende Studien fehlen bis heute.[84]

Erinnerungsgeschichte

In den letzten Jahren rückt immer mehr die Erinnerungsgeschichte ins Zentrum des Interesses. Der 50. Jahrestag der Supreme Court-Entscheidung zur Aufhebung der Rassentrennung an öffentlichen Schulen (Brown v. Board of Education of Topeka), der Tod Rosa Parks im Jahr 2005 oder auch die Aufstellung des Martin Luther King Memorial stellen noch einmal die Bedeutung von Erinnerung heraus – aber auch von Vergessen. Vor allem Rosa Parks, Esther Brown und Martin Luther King standen als Symbolfiguren des gewaltlosen Widerstands und der Integration für moralische Erfolge, nicht nur der Afroamerikaner, sondern der gesamten Nation. In ihrem Aufsatz „The Long Civil Rights Movement and the Political Uses of the Past” beklagt Jacquelyn Dowd Hall eine Funktionalisierung und den Missbrauch der Bürgerrechtsbewegung durch konservative Kräfte. „I want to make civil rights harder. Harder to celebrate as a natural progression of American values. Harder to cast as satisfying morality tale. Most of all, harder to simplify, appropriate, and contain.”[85] Wie oben erwähnt, zielen Hall und Gleichgesinnte darauf ab, die linken und kommunistischen Einflüsse in der afroamerikanischen Community und ihren Kampf um Gleichstellung und Gleichberechtigung in Geschichte und kollektiver Erinnerung zu etablieren und aufzuwerten.

Auch wenn nicht jeder dieser Gangart folgen will, geht es Historiker/innen allgemein darum, die Bürgerrechtsbewegung und ihre Auswirkungen zu problematisieren und im kollektiven Gedächtnis komplexer darzustellen.[86] Die Frage, wie an diese Ereignisse und ihre Aktivist/innen erinnert werden soll, beschäftigt die Geschichtswissenschaft seit längerem. Wer erinnert was, wie und weshalb? Welche Aspekte der Bürgerrechtsbewegung und ihrer Folgen werden erinnert – und welche sollen erinnert werden? Wie werden sie heutzutage für politische Zwecke verwendet? Was sagt das Erinnerungsverhalten über die amerikanische Nation und den Status von Afroamerikanern aus? Damit soll auch die weiterhin andauernde Unterdrückung und Marginalisierung der afroamerikanischen Minderheit deutlicher gemacht werden. Die Aushöhlung des Voting Rights Act von 1965 durch den Supreme Court im Jahre 2013 macht die fortdauernde Privilegierung des weißen Bevölkerungsteils und die Vulnerabilität von Minderheitenrechten besonders sichtbar.[87] Nicht nur schwarze Wähler/innen, sondern auch schwarze Politiker/innen leiden, wie George Derek Musgrove in seinem Buch „Rumor, Repression, and Racial Politics” zeigt, unter den Einschränkungen und der Unterdrückung aufgrund ihrer Hautfarbe.[88]

Ausblick

Das politische und soziale Erbe der Sklaverei und der Segregation lastet noch schwer auf der amerikanischen Nation und ihren Rassenverhältnissen. Die amerikanische Gesellschaft ist weit entfernt von einem Post-Racial-Status, von dem heute immer wieder gesprochen wird.[89] Die anhaltende Polizeigewalt gegen Schwarze und die Ausschreitungen in Ferguson oder Baltimore machen deutlich, wie wichtig eine intensive Erforschung der afroamerikanischen Geschichte ist. Ohne afroamerikanische Geschichte kann die amerikanische Geschichte und Gegenwart nicht verstanden werden.

Es ist schwer zu sagen, welchen Themen sich die Geschichtswissenschaft zukünftig zuwenden wird. Es gibt jedoch noch viele Bereiche in der afroamerikanischen Zeitgeschichte, die der Erforschung bedürfen. Vor allem die Zeitgeschichte seit den 1970er-Jahren ist ein Feld, in dem noch viele Fragen offen sind. Was wurde aus den Erfolgen der Bürgerrechtsbewegung? Wie und auf welchen Ebenen arbeitete die Bürgerrechtsbewegung weiter? Welche neuen Protestformen entwickelten sich im konservativer werdenden politischen, sozialen und kulturellen Klima in den USA der 1980er-Jahre? Ronald Reagans Verhältnis zu und seine Politik gegenüber der schwarzen Community und vice versa sind dabei sicherlich ein noch immer wenig erforschtes Feld.[90] Noch immer ist auch die Geschichte von Krankheit und Behinderung unter Afroamerikaner/innen nicht ausreichend erforscht.[91] Doch werden sicherlich die Vulnerabilität von Schwarzen und die Resilienz der white supremacy von zentraler Bedeutung in der Forschung bleiben.


Empfohlene Literatur zum Thema

Zitation
Christine Knauer, Afroamerikanische Geschichte / African American History (Werkstatt-Version), in: Docupedia-Zeitgeschichte, 16.12.2017, 23:24 Uhr, URL dieser Version: http://docupedia.de/zg/Werkstatt:Afroamerikanische_Geschichte?oldid=106570
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Christine Knauer



























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  1. Robert L. Harris Jr., Dilemmas in Teaching American History, in: Perspectives on History, November 1998, http://www.historians.org/publications-and-directories/perspectives-on-history/november-1998/dilemmas-in-teaching-african-american-history (18.5.2015).
  2. Jane H. Hill, The Everyday Language of White Racism, Malden, MA, 2008.
  3. Zur amerikanischen Revolution, Verfassung und „Rasse”: Paul Finkelman, Slavery and the Founders: Race and Liberty in the Age of Jefferson, Armonk, NY 1996; Lawrence Goldstone, Dark Bargain, Slavery, Profits, and the Struggle for the Constitution, New York 2005.
  4. Zu den Anfängen der Sklaverei in den Kolonien und der USA siehe Ira Berlin, Many Thousands Gone: The First Two Centuries of Slavery in North America, Cambridge 1998; Ira Berlin, Generations of Captivity: A History of African-American Slaves, Cambridge 2003; Deborah Gray White, Ar’n’t I a Woman? Female Slaves in the Plantation South, New York 1999; Stephen R. Haynes, Noah’s Curse: The Biblical Justification of American Slavery, New York 2002; Edmund S. Morgan, American Slavery, American Freedom: The Ordeal of Colonial Virginia, New York 1975.
  5. Michael J. Klarman, From Jim Crow to Civil Rights: The Supreme Court and the Struggle for Racial Equality, New York 2004; Blair L. M. Kelley, Right to Ride: Streetcar Boycotts and African American Citizenship in the Era of Plessy v. Ferguson, Chapel Hill 2010; Barbara Y. Welke, When All the Women Were White, and All the Blacks Were Men: Gender, Class, Race, and the Road to Plessy. 1855-1914, in: Law and History Review 13 (1995), Nr. 2, S. 261-316; Charles A. Lofgren, The Plessy Case: A Legal-Historical Interpretation, New York, 1987.
  6. Für einen Überblick zur Situation von Afroamerikanern nach dem Bürgerkrieg siehe u.a. Gail Bederman, Manliness and Civilization: A Cultural History of Gender and Race in the United States, 1880-1917, Chicago 1996; W. Fitzhugh Brundage, Lynching in the New South: Georgia and Virginia, 1880-1930, Urbana 1998; Leon F. Litwack, Trouble in Mind: Black Southerners in the Age of Jim Crow, New York 2003; Joel Williamson, The Crucible of Race: Black-White Relations in the American South since Reconstruction, New York 1984.
  7. Zur afroamerikanischen Geschichtsschreibung siehe Pero Gaglo Dagbovie, African American History Reconsidered, Urbana 2010; ders., What Is African American History?, Malden, MA 2015; John Ernest, Liberation Historiography: African-American Historians before the Civil War, in: American Literary History 14 (2002), H. 3, S. 413-443; William D. Wright, Black History and Black Identity: A Call for a New Historiography, Westport 2001.
  8. Gunnar Myrdal, An American Dilemma: The Negro Problem and Modern Democracy, Volume II, New York 1944, S. 751, 7. Auflage New Brunswick, N.J. 2009
  9. Vgl. Geneviève Fabre (Hrsg.), History and Memory in African-American Culture, Cary, NC, 1994; bell hooks, Black Looks: Race and Representation, Boston 1992; W. Fitzhugh Brundage, The Southern Past: A Clash of Race and Memory, Cambridge 2005.
  10. Siehe Daniel J. Crowley (Hrsg.), African Folklore in the New World, Austin 1977; Lawrence W. Levine, Black Culture and Black Consciousness: Afro-American Folk Thought from Slavery to Freedom, New York 2007.
  11. Zu frühen afroamerikanischen Historikerinnen und ihren Erfahrungen mit Sexismus und Rassismus siehe: Kapitel 4 „Ample Proof of this May Be Found: Early Black Women Historians“ in: Dagbovie, African American History Reconsidered, S. 99-127. Eine Sammlung von Geschichten zeitgenössischer Historikerinnen findet sich bei Deborah Gray White, Telling Histories: Black Women Historians in the Ivory Tower, Chapel Hill 2008.
  12. Du Bois war der erste Schwarze, der an der Harvard University promoviert wurde. Seine Karriere, die soziologisch als auch historisch ausgerichtet war, überdauerte drei der von Franklin identifizierten Generationen von Historiker/innen. W.E.B. Du Bois, The Souls of Black Folk: Essays and Sketches, Chicago 1903; ders., Black Reconstruction: An Essay toward a History of the Part which Black Folk Played in the Attempt to Reconstruct Democracy in America, 1860-1880, New York 1935. Auch Woodsen hatte sich an der Harvard University promoviert.
  13. V.P. Franklin, der derzeitige Herausgeber des „Journal of African American History“, bezeichnet dies als „contributionism“. V.P. Franklin, Introduction: Symposium on African American Historiography, in: The Journal of African American Life and History 92 (2007), H. 2, S. 214-17, hier S. 214.
  14. So der Titel von George M. Fredricksons Buch: The Black Image in the White Mind. The Debate on Afro-American Character and Destiny, 1817-1914, New York 1972.
  15. John Hope Franklin, On the Evolution of Scholarship in Afro-American History, in: Evelyn Brooks Higginbotham (Hrsg.), The Harvard Guide to African-American History, Cambridge 2001, S. XXI- XXX. W.D. Wright identifiziert nur drei Generationen von afroamerikanischen Historikern. W.D. Wright, Black History and Black Identity: A Call for a New Historiography, Westport 2001, S. 33. John Ernest verweist im Gegensatz zu Franklin und Wright auf afroamerikanische Historiker, die schon vor Ende des Bürgerkriegs tätig gewesen seien und, in seinen Worten, „liberation historiography“ verfasst hätten. John Ernest, Liberation Historiography: African-American Historians before the Civil War, in: American Literary History 14 (2002), H. 3, S. 413-443.
  16. Zur Entwicklung der Institute siehe: Martin Kilson, From the Birth to a Mature Afro-American Studies at Harvard, 1969-2002, in: Lewis R. Gordon/Jane Anna Gordon (Hrsg.), A Companion to African-American Studies, Malden, MA, 2006, S. 59-75.
  17. Benjamin Quarles war der erste afroamerikanische Historiker, der 1945 in der 1914 gegründeten Zeitschrift „Mississippi Valley Historical Review“, dem heutigen „The Journal of American History“, veröffentlichen durfte.
  18. Zur Genese des „Journal of African American History”: Jacqueline Goggin, Countering White Racist Scholarship: Carter G. Woodson and The Journal of Negro History, in: Journal of Negro History 68 (1983), S. 355-375.
  19. Der 2009 im Alter von 94 Jahren verstorbene Franklin verband Zeit seines Lebens seine historischen Forschungen mit seinem sozialen Engagement in der Bürgerrechtsbewegung. Sein 1947 veröffentlichtes Buch „From Slavery to Freedom“ zählt noch heute zu den zentralen Werken der afroamerikanischen Erfahrungswelt und befindet sich mit weit über drei Millionen verkauften Büchern inzwischen in der 9. überarbeiteten Auflage. John Hope Franklin, From Slavery to Freedom: A History of African Americans, 1st ed. New York 1947; ders., Reconstruction: after the Civil War, Chicago 1961. Seine 2005 veröffentlichte Autobiografie „Mirror to America“ gibt weitreichende Einblicke in die Entwicklung der afroamerikanischen Geschichtsschreibung und Bürgerrechtsbewegung. John Hope Franklin, Mirror to America: The Autobiography of John Hope Franklin, New York 2005. Noch immer von Bedeutung: C. Vann Woodward, The Strange Career of Jim Crow, New York 1955.
  20. Zum internationalen Interesse an amerikanischer und afroamerikanischer Geschichte: Nicolas Barreyre/Michael Heale/Stephen Tuck/Cécile Vidal (Hrsg.), Historians Across Borders: Writing American History in a Global Age, Berkeley 2014; Simon Wendt, Transnational Perspectives on the History of Racism in North America, in: Amerikastudien/American Studies 54 (2009), H. 3, S. 473-498; Eva Boesenberg, Reconstructing „America“: The Development of African American Studies in the Federal Republic of Germany, in: Larry A. Greene/Anke Ortlepp (Hrsg.), Germans and African Americans: Two Centuries of Exchange, Jackson 2011, S. 218-230.
  21. Exemplarisch für die britische Forschung zur afroamerikanischen Zeitgeschichte und zu Rassenbeziehungen im Süden seien die Arbeiten von Stephen Tuck, Ben Houston und Clive Webb genannt: Stephen Tuck, The Night Malcolm X Spoke at the Oxford Union. A Transatlantic Story of Antiracist Protest, Berkeley 2014; Benjamin Houston, The Nashville Way: Racial Etiquette and the Struggle for Social Justice in a Southern City, Athens, GA 2012; Clive Webb, Fight against Fear: Southern Jews and Black Civil Rights, Athens 2003.
  22. Forschungen zur afroamerikanischen Geschichte in Deutschland z.B.: Manfred Berg, The Ticket to Freedom: Die NAACP und das Wahlrecht der Afro-Amerikaner, Frankfurt a. M. 2000; Simon Wendt, The Spirit and the Shotgun: Armed Resistance and the Struggle for Civil Rights, Gainesville 2007; Norbert Finzsch/James Oliver Horton/Lois E. Horton, Von Benin nach Baltimore: Die Geschichte der African Americans, Hamburg 1999; Britta Waldschmidt-Nelson, Gegenspieler: Malcolm X und Martin Luther King, Jr., Frankfurt a.M. 2000; Jürgen Martschukat, Little Short of Judicial Murder: Todesstrafe und Afro-Amerikaner, 1930-1972, in. Geschichte und Gesellschaft 30 (2004), H. 3, 490-526.
  23. Maria Höhn/Martin Klimke, A Breath of Freedom: The Civil Rights Struggle, African American GIs, and Germany, New York 2010. An den Universitäten Tübingen und Heidelberg entstehen gerade zwei Arbeiten zur Bürgerrechtsbewegung und ihren Kontakten zur DDR, die neue Aspekte auf die deutsch-afroamerikanischen Verbindungen aufzeigen: Maria Schubert, We Shall Overcome – Die amerikanische Bürgerrechtsbewegung und die DDR (Arbeitstitel), Dissertation Universität Tübingen (i.E.); Sophie Lorenz, „Peace, Friendship, Solidarity“? East Germany and Angela Davis, 1965-1989 (Arbeitstitel), Dissertation Universität Heidelberg (i.E.).
  24. In den African American Studies liegt der Schwerpunkt auf der Geschichte und Kultur der afrikanischen Diaspora in Amerika. Africana Studies beschäftigen sich mit afrikanischer Kultur und der Kultur der afrikanischen Diaspora von der Antike bis heute. Roquinaldo Ferreira, The Institutionalization of African Studies in the United States: Origin, Consolidation and Transformation, in: Revista Brasileira de História 30 (2010), H. 59, S. 71-88, online unter http://www.scielo.br/pdf/rbh/v30n59/en_v30n59a05.pdf.
  25. Silvan Niedermeier, Violence, Visibility, and the Investigation of Police Torture in the American South, 1940-1955, in: Jürgen Martschukat/Silvan Niedermeier (Hrsg.), Violence and Visibility in Modern History, New York 2013, S. 91-111; ders., Rassissmus und Bürgerrechte: Polizeifolter im Süden der USA 1930-1955, Hamburg 2014; Philipp Dorestal, Style Politics: Mode, Geschlecht und Schwarzsein in den USA, 1943-1975, Bielefeld 2012.
  26. Manfred Berg, Geschichte der USA, München 2013, S. 141.
  27. AG Queer Studies (Hrsg.), Einleitung, in: Verqueerte Verhältnisse: Intersektionale, ökonomiekritische und strategische Interventionen, Hamburg 2009, S. 15.
  28. Siehe z.B. Norbert Finzsch, Wissenschaftlicher Rassismus in den Vereinigten Staaten – 1850 bis 1930, in: Heidrun Kaupen-Haas/Christian Saller (Hrsg.), Wissenschaftlicher Rassismus: Analysen einer Kontinuität in den Human- und Naturwissenschaften, Frankfurt a.M. 1999, S. 84-110, hier S. 84-86; Helga Amesberger/Brigitte Halbmayr, „Race/Rasse“ und Whiteness – Adäquate Begriffe zur Analyse gesellschaftlicher Ungleichheit?, in: L’Homme: Europäische Zeitschrift für feministische Geisteswissenschaften 16 (2005), H. 2, S. 135-143.
  29. Zur Geschichte von race siehe z.B. Michael James, „Race“, in: Edward N. Zalta (Hrsg.), The Stanford Encyclopedia of Philosophy 2012, online unter http://plato.stanford.edu/archives/win2012/entries/race/; C. Loring Brace, Race Is a Four-Letter Word: The Genesis of the Concept, New York 2005. Einen transnationalen Blick auf racism präsentiert Simon Wendt, Transnational Perspectives on the History of Racism in North America, in: Amerikastudien/American Studies 54 (2009), H. 3, S. 473-498.
  30. Zitat aus: Peter Kolchin, Whiteness Studies: The New History of Race in America, in: The Journal of American History 89 (2002), H. 1, S. 154-173, hier S. 155; siehe Noel Ignatiev, How the Irish Became White, New York 1995; Grace Elizabeth Hale, Making Whiteness: The Culture of Segregation in the South, 1890-1940, New York 1998; David R. Roediger, Working Toward Whiteness: How America’s Immigrants Became White – The Strange Journey from Ellis Island to the Suburbs, New York 2005; Nell Irvin Painter, The History of White People, New York 2010.
  31. Sherrie Mershon/Steven Schlossman, Foxholes and Color Lines: Desegregating the U.S. Armed Forces, Baltimore 1998; Morris J. MacGregor Jr., Integration of the Armed Forces, 1940-1965, Washington 1981; Christine Knauer, Let Us Fight as Free Men: Black Soldiers and Civil Rights, Philadelphia 2014.
  32. David K. Wiggins, ‘Black Athletes in White Men's Games’: Race, Sport and American National Pastimes, in: The International Journal of the History of Sport 31 (2014), H. 1-2, S. 181-202; Michael E. Lomax (Hrsg.), Sports and the Racial Divide: African American and Latino Experience in an Era of Change, Jackson 2008; Lane Demas, Beyond Jackie Robinson: Racial Integration in American College Football and New Directions in Sport History, in: History Compass 5 (2007), H. 2, S. 675-90; Special Issue, The Journal of African American History 96 (2011), H. 4: African Americans and the History of Sport.
  33. Einen Überblick über den Stand der Forschung liefert: Kevin Gaines, African-American History, in Eric Foner/LisaMcGirr, American History Now, Philadelphia 2011, S. 400-420. In den letzten Jahren wurde eine Vielzahl von Enzyklopädien herausgebracht: Paul Finkelman (Hrsg.), Encyclopedia of African American History 1896 to the Present, New York 2009; Colin A. Palmer, Encyclopedia of African American Culture and History: The Black Experience in the Americas, New York 2005; Robert L. Harris/Rosalyn Terborg-Penn (Hrsg.), The Columbia Guide to African American History since 1939, New York 2006; Überblicksdarstellung zur afroamerikanischen Zeitgeschichte: Stephen Tuck, We Ain’t What We Ought to Be: The Black Freedom Struggle from Emancipation to Obama, Cambridge 2010; Robert J. Norrell, The House I Live In: Race in the American Century, New York 2005; Manning Marable, Race Reform, and Rebellion: The Second Reconstruction in Black America, 1945-1982, Jackson 1984; Harvard Sitkoff, The Struggle for Black Equality, 1954-1992, Cambridge 1993; Philip A. Klinkner/Roger M. Smith, The Unsteady March: The Rise and Decline of Racial Equality in America, Chicago 1999.
  34. Die Liste der Bücher und Artikel zu Brown v. Board ist lang. Hier eine Auswahl: Michael J. Klarman, Brown v. Board of Education and the Civil Rights Movement, New York 2007; James T. Patterson, Brown v. Board of Education: A Civil Rights Milestone and Its Troubled Legacy, New York 2001; Anders Walker, The Ghost of Jim Crow: How Southern Moderates Used Brown v. Board of Education to Stall Civil Rights, New York 2009; The Journal of American History 9 (2004), H. 3: Sonderheft zu Brown v. Board of Education of Topeka; The Journal of African American History 90 (2005), H. 1/2: Sonderheft zu „Brown v. Board of Education: Fifty Years of Educational Change in the United States, 1954-2004”.
  35. David L. Lewis, King: A Critical Biography, New York 1970; Eldridge Cleaver, Soul on Ice, New York 1968. Eine Vielzahl von Biografien und Forschungen zu King und Malcolm X sind seither erschienen, darunter eine mehrbändige Biografie und Gesellschaftsstudie zu King: Taylor Branch, America in the King Years Eldridge, 3 Bde., New York 1988/1998/2006. Kontrovers diskutiert wurde Manning Marables 2011 erschienenes Werk zu Malcolm X: Manning Marable, Malcolm X: A Life of Reinvention, New York 2011. Einen Blick auf die internationale Bedeutung Malcolm X gibt: Stephen Tuck, The Night Malcolm X Spoke at the Oxford Union. A Transatlantic Story of Antiracist Protest, Berkeley 2014. Britta Waldschmidt-Nelson veröffentlichte 2000 eine Studie zu King und Malcolm X und 2015 eine Biografhie zu Malcolm X in deutscher Sprache: Britta Waldschmidt-Nelson, Gegenspieler: Malcolm X und Martin Luther King, Jr., Frankfurt a.M. 2000; dies., Malcolm X: Der schwarze Revolutionär, München 2015.
  36. Steven F. Lawson, Freedom Then, Freedom Now: The New Historiography of the Civil Rights Movement, in: The American Historical Review 96 (1991), H. 2, S. 456-471, hier S. 457, online unter http://www.africanafrican.com/folder12/african%20african%20american3/aboloitionists/lawson-1991-rrraap-of-crm-history.pdf.
  37. Siehe v.a. John Dittmer, Local People: The Struggle for Civil Rights in Mississippi, Champaign, Ill., 1995; Charles M. Payne, I’ve Got the Light of Freedom: The Organizing Tradition and the Mississippi Freedom Struggle, Berkeley 1995.
  38. Thomas Sugrue, The Origins of the Urban Crisis: Race and Inequality in Postwar Detroit, Princeton 1996; Bryant Simon, A Fabric of Defeat: The Politics of South Carolina Millhands, 1910-1948, Chapel Hill 1998; Stephen Tuck, Beyond Atlanta: The Struggle for Racial Equality in Georgia, 1940-1980, Athens 2001.
  39. Berg, Geschichte der USA, S. 144.
  40. Die Gesetze etablierten unter anderem Rassentrennung in öffentlichen Verkehrsmitteln, Toiletten, Hotels, Theatern und Kinos. Öffentliche Schulen waren per Gesetz ebenso segregiert wie Universitäten. Gemischte Liebesbeziehungen und Ehen waren auch verboten. J. Mills Thornton III, Segregation and the City: White Supremacy in Alabama in the Mid-Twentieth Century, in: Kevin M. Kruse/Stephen Tuck (Hrsg.), Fog of War: The Second World War and the Civil Rights Movement, New York 2012, S. 51-69, hier S. 67; zur Wichtigkeit der Flexibilität von Jim Crow: Lisa Lindquist Dorr', 'White Women, Rape, and the Power of Race in Virginia, 1900-1960, Chapel Hill 2004.
  41. Glenn Feldman (Hrsg.), Before Brown: Civil Rights and White Backlash in the Modern South, Tuscaloosa 2004, S. 1. Schon 1968 bezeichnete der Historiker Richard M. Dalfiume die Zeit zwischen dem Zweiten Weltkrieg und der Brown-Entscheidung als „the forgotten years of the Negro Revolution”. Richard M. Dalfiume, The „Forgotten Years” of the Negro Revolution, in: The Journal of American History 55 (1968), H. 1, S. 90-106, online unter http://hutchinscenter.fas.harvard.edu/sites/all/files/Dalfiume%20-%20Forgotten%20Years%20of%20the%20Negro%20Revolution.pdf.
  42. Leon F. Litwack, „Fight the Power!” The Legacy of the Civil Rights Movement, in: The Journal of Southern History 75 (2009), H. 1, S. 3-28, 3; vgl. Vincent Harding, There Is a River: The Black Struggle for Freedom in America, New York 1981.
  43. Zum Lynching bzw. dem Anti-Lynching-Movement s. Christopher Waldrep, The Many Faces of Judge Lynch. Extralegal Violence and Punishment in America, New York 2002; Jacquelyn Dowd Hall, Revolt Against Chivalry: Jessie Daniel Ames and the Women’s Campaign Against Lynching, New York 1993; Manfred Berg, Lynchjustiz in den USA, Hamburg 2014; Robert Zangrando, The NAACP Crusade against Lynching, 1909-1950, Philadelphia 1980. Zur NAACP siehe z.B. Manfred Berg, The Ticket to Freedom: The NAACP and the Struggle for Black Political Integration, Gainesville 2007.
  44. Steven F. Lawson, The Long Origins of the Short Civil Rights Movement, 1954-1968, in: John Dittmer/Danielle L. McGuire (Hrsg.), Freedom Rights: New Perspectives on the Civil Rights Movement, Lexington 2011, S. 9-38, hier S. 12. Vgl. Sundiata K. Cha-Jua/Clarence E. Lang, The Long Movement as Vampire: Temporal and Spatial Fallacies in Recent Black Freedom Studies, in: Journal of African American History 92 (2007), H. 2, S. 265-288.
  45. Jacquelyn Dowd Hall, The Long Civil Rights Movement and the Political Uses of the Past, in: The Journal of American History 91 (2005), H. 4, S. 1233-1263. Zu ähnlichen Schlüssen kommen: Glenda Elizabeth Gilmore, Defying Dixie: The Radical Roots of Civil Rights, 1919-1950, New York 2008; Robin D. G. Kelley, Hammer and Hoe: Alabama Communists during the Great Depression, Chapel Hill 1990; Robert Rodgers Korstad, Civil Rights Unionism: Tobacco Workers and the Struggle for Democracy in the Mid-Twentieth–Century South, Chapel Hill 2003; Thomas J. Sugrue, Sweet Land of Liberty: The Forgotten Struggle for Civil Rights in the North, New York 2008; Martha Biondi, To Stand and Fight: The Struggle for Civil Rights in Postwar New York City, Cambridge 2003.
  46. Hall, The Long Civil Rights Movement, S. 1234.
  47. Siehe auch Biondi, To Stand and Fight; dies., How New York Changes the Story of the Civil Rights Movement, in: Afro-Americans in New York Life and History 31 (2007), H. 2, online unter http://www.nyc.gov/html/cchr/justice/downloads/pdf/how_new_york_changes_the_civil_rights_movement.pdf.
  48. Vgl. zum Verhältnis von Kaltem Krieg und Bürgerrechtsbewegung: Brenda Gayle Plummer, Rising Wind: Black Americans and U.S. Foreign Affairs, 1935-1960, Chapel Hill 1996; John David Skrentny, The Effect of the Cold War on African-American Civil Rights: America and the World Audience, 1945-1968, in: Theory and Society 27 (1998), S. 237-285, online unter http://polisci2.ucsd.edu/ps154/Skrentny.pdf; Mary L. Dudziak, Cold War Civil Rights: Race and the Image of American Democracy, Princeton 2000; Berg, The Ticket to Freedom.
  49. Kevin Boyle, Labor, the Left and the Long Civil Rights Movement, in: Social History 30 (2005), H. 3, S. 366-372.
  50. Kritiker weisen darauf hin, dass sich die CPUSA vor allem zum Ende der 1930er-Jahre der sowjetischen KP untergeordnet habe und ihren Anordnungen gefolgt wäre. Besonderer Stein des Anstoßes ist die Unterstützung des Hitler-Stalin-Pakts im Jahr 1939.
  51. Zu Asa Philip Randolph: Paula F. Pfeffer, A. Philip Randolph: Pioneer of the Civil Rights Movement, Baton Rouge 1990; Andrew E. Kersten/Clarence Lang (Hrsg.), Reframing Randolph. Labor, Black Freedom, and the Legacies of A. Philip Randolph, New York 2015.
  52. Eric Arnesen, Reconsidering the „Long Civil Rights Movement”, in: Historically Speaking 10 (2009), H. 2, S. 31-34, online unter http://www.robmacdougall.org/4301/4301-16-Arnesen.pdf; ders., No „Grave Danger”: Black Anticommunism, the Communist Party, and the Race Question, in: Labor: Studies in Working-Class History of the Americas 3 (2006), H. 4, S. 13-52; ders., Civil Rights and the Cold War at Home. Postwar Activism, Anticommunism, and the Decline of the Left, in: American Communist History 11 (2012), H. 1, S. 5-44.
  53. Berg, Geschichte der USA, S. 145; Lawson, The Long Origins, S. 25-27; Stephen Tuck, „We Are Taking Up Where the Movement of the 1960s Left Off”: The Proliferation and Power of African American Protest during the 1970s, in: Journal of Contemporary History 43 (2008), H. 4, S. 637-654.
  54. Peniel E. Joseph, An Emerging Mosaic: Rewriting Postwar African-American History, in: Jane Anna Gordon/Lewis Gordon (Hrsg.), A Companion in African-American Studies, Malden 2006, S. 400-416, hier S. 400; Peniel E. Joseph (Hrsg.), The Black Power Movement: Rethinking the Civil Rights-Black Power Era, New York 2006; Donna Jean Murch, Living for the City: Migration, Education, and the Rise of the Black Panther Party in Oakland, California, Chapel Hill, NC, 2010.
  55. „The focus on the South and the decade between the Montgomery Bus Boycott and the passage of the Voting Rights Act in 1965 severely truncates our understanding of the civil rights movement and its impact on American life.” Zitat aus Matthew J. Countryman, Up South: Civil Rights and Black Power in Philadelphia, Philadelphia 2006, S. 4.
  56. Jeanne F. Theoharis/Komozi Woodard (Hrsg.), Freedom North: Black Freedom Struggles Outside the South, 1940-1980, New York 2003; Sugrue, Sweet Land of Liberty; Patrick Jones, The Selma of the North: Civil Rights Insurgency in Milwaukee, Cambridge 2009.
  57. Joseph Crespino/Matthew D. Lassiter (Hrsg.), The Myth of Southern Exceptionalism, New York 2010, S. 12; Biondi, To Stand and Fight. Einen Mittelweg zeigt Jason Sokol auf: Jason Sokol, All Eyes are Upon Us: Race and Politics from Boston to Brooklyn, New York 2014.
  58. Eine kritische Diskussion vor allem von Sugrues Buch bieten z.B.: Alex Lichtenstein, The Other Civil Rights Movement and the Problem of Southern Exceptionalism, in: The Journal of the Historical Society 11 (2011), H. 3, S. 351-376; Glenn Feldman, Review: The Myth of Southern Exceptionalism, in: Journal of Southern History 77 (2011), H. 3, S. 783-786.
  59. Kevin M. Kruse, White Flight: Atlanta and the Making of Modern Conservatism, Princeton 2005; Matthew Lassiter/Andrew B. Lewis (Hrsg.), The Moderates’ Dilemma: Massive Resistance to School Desegregation in Virginia, Charlottesville 1998; Tuck, Beyond Atlanta; Matthew D. Lassiter, The Silent Majority: Suburban Politics in the Sunbelt South, Princeton 2006; Clive Webb (Hrsg.), Massive Resistance: Southern Opposition to the Second Reconstruction, New York 2005; Jason Morgan Ward, Defending White Democracy: The Making of a Segregationist Movement and the Remaking of Racial Politics, 1936-1965, Chapel Hill 2011. Rebecca Brückmanns Dissertation an der FU Berlin stellt eine der ersten Arbeiten zur Rolle von Frauen in der Massive Resistance dar. Rebecca Brückmann, Massive Resistance and Southern Womanhood: Gender Idea(l)s and Women’s Activities in the Segregationist Counter-Movement, Dissertation FU Berlin 2014.
  60. Michelle Alexander, The New Jim Crow: Mass Incarceration in the Age of Colorblindness, New York 2012.
  61. Heather Ann Thompson, Why Mass Incarceration Matters: Rethinking Crisis, Decline, and Transformation in Postwar American History, in: The Journal of American History 97 (2010), H. 3, S. 703-734, online unter http://www.antoniocasella.eu/nume/Thompson_2010.pdf; dies., Rethinking Working-Class Struggle through the Lens of the Carceral State : Toward a Labor History of Inmates and Guards, in: Labor: Studies in Working-Class History of the Americas 8 (2011), H. 3, S. 15-45. Siehe auch das Sonderheft: The Journal of American History 102 (2015), Nr. 1: Historians and the Carceral State.
  62. Dan Berger, Captive Nation: Black Prison Organizing in the Civil Rights Era, Chapel Hill 2014;
  63. Eines der einflussreichsten Bücher bildet dabei die Arbeit der Juristin und Aktivistin Michelle Alexander: Michelle Alexander, The New Jim Crow: Mass Incarceration in the Age of Colorblindness, New York 2012. Zur langen Geschichte der Stigmatisierung und Kriminalisierung von Schwarzen: Khalil Gibran Muhammad, The Condemnation of Blackness: Race, Crime, and the Making of Modern Urban America, Cambridge 2010; Douglas A. Blackmon, Slavery by Another Name: The Re-Enslavement of Black Americans from the Civil War to World War II, New York 2009.
  64. Einen guten Überblick zur Forschung bietet Philipp Gassert, Transnationale Geschichte, Version: 2.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 29.10.2012, http://docupedia.de/zg/Transnationale_Geschichte_Version_2.0_Philipp_Gassert?oldid=97444 (1.3.2015).
  65. Das Konzept der Diaspora, die die unfreiwillig und racially geprägte, transnationale Bewegung sowie den Austausch in den Blick nimmt, spielt vor allem mit Blick auf Sklaverei und Sklavenkultur eine zentrale Rolle. Siehe u.a. Stephanie E. Smallwood, Saltwater Slavery: A Middle Passage from Africa to American Diaspora, Cambridge 2007.
  66. Zitat aus: Sonia Song-Ha Lee, Building a Latino Civil Rights Movement: Puerto Ricans, African Americans, and the Pursuit of Racial Justice in New York City, Chapel Hill 2014.
  67. Vgl. z.B. Mark Brilliant, The Color of America Has Changed: How Racial Diversity Shaped Civil Rights Reform in California, 1941-1978, New York 2010; Shana Bernstein, Bridges of Reform: Interracial Civil Rights Activism in Twentieth-Century Los Angeles, New York 2011; Scott Kurashige, The Shifting Grounds of Race: Black and Japanese Americans in the Making of Multiethnic Los Angeles, Princeton 2008.
  68. Thomas Borstelmann, The Cold War and the Color Line: American Race Relations in the Global Arena, Cambridge 2001; Jonathan Rosenberg, How Far the Promised Land? World Affairs and the American Civil Rights Movement from the First World War to Vietnam, New York 2006; Cynthia A. Young, Soul Power: Culture, Radicalism, and the Making of a U.S. Third World Left, Durham 2006.
  69. Zitat aus: James Hunter Meriwether, Proudly we Can be Africans: Black Americans and Africa 1935-1961, Chapel Hill 2002; vgl. auch Kevin K. Gaines, American Africans in Ghana: Black Expatriates and the Civil Rights Era, Chapel Hill 2006.
  70. Fred Ho/Bill V. Mullen (Hrsg.), Afro Asia: Revolutionary Political and Cultural Connections between African Americans and Asian Americans, Durham 2008; Michael C. Green, Black Yanks in the Pacific: Race in the Making of American Military Empire after World War II, Ithaca 2010; Christine Knauer, Let Us Fight as Free Men: Black Soldiers and Civil Rights, Philadelphia 2014; Daniel S. Lucks, Selma to Saigon: The Civil Rights Movement and the Vietnam War, Lexington 2014.
  71. Gloria T. Hull/Patricia Bell Scott/Barbara Smith (Hrsg.), All the Women Are White, all the Blacks Are Men, but some of us are brave: Black Women’s Studies, Old Westbury, NY, 1982. 1990 prägte die Juristin Kimberlé W. Crenshaw im Hinblick auf das Zusammenwirken dieser verwobenen Benachteiligungen den Begriff „intersectionality”, der auch in der Geschichtswissenschaft aufgegriffen wurde. Kimberlé Crenshaw, Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory, and Antiracist Politics, in: The University of Chicago Legal Forum (1989), S. 139-167.
  72. „Black women’s unique history cannot be thoroughly analyzed within the confines of either black history or women’s history.” Rosalyn Terborg-Penn, Teaching the History of Black Women: A Bibliographic Essay, in: The History Teacher 13 (1980), H. 2, S. 245-250, hier S. 245. zu weiteren Überblicken zum Verhältnis von race, gender und sexuality in der afroamerikanischen Geschichte siehe u.a. Evelyn Brooks Higginbotham, Beyond the Sound of Silence: Afro-American Women in History, in: Gender & History 1 (1989), S. 50-67; Michele Mitchell, Silences Broken, Silences Kept: Gender and Sexuality in African-American History, in: Gender & History 11 (1999), H. 3, S. 433-444.
  73. Die Forschung hat auch gezeigt, welche zentrale Rolle schwarze Frauen im „Community-Building“ und im Kampf um Freiheit und Gleichberechtigung während der Sklaverei und „Reconstruction“ gespielt haben. Siehe z.B. Glenda Elizabeth Gilmore, Gender and Jim Crow: Women and the Politics of White Supremacy in North Carolina, 1896-1920, Chapel Hill 1996; Tera W. Hunter, To Joy my Freedom: Southern Black Women’s Lives and Labors after the Civil War, Cambridge 1997.
  74. J. Mills Thornton III, Dividing Lines: Municipal Politics and the Struggle for Civil Rights in Montgomery, Birmingham, and Selma, Tuscaloosa 2002; Mary Stanton, Journey toward Justice: Juliette Hampton Morgan and the Montgomery Bus Boycott, Athens 2006; Robert J. Walker, Let My People Go! The Miracle of the Montgomery Bus Boycott, Lanham 2007; Danielle L. McGuire, At the Dark End of the Street: Black Women, Rape, and Resistance – A New History of the Civil Rights Movement from Rosa Parks to the Rise of Black Power, New York 2010.
  75. Siehe Jama Lazerow/Yohuru Williams (Hrsg.), In Search of the Black Panther Party: New Perspectives on a Revolutionary Movement, Durham 2006; Peniel E. Joseph (Hrsg.), The Black Power Movement: Rethinking the Civil Rights-Black Power Era, New York 2006.
  76. McGuire, At the Dark End of the Street.
  77. Siehe Eileen Boris, On the Importance of Naming: Gender, Race, and the Writing of Policy History, in: Journal of Policy History 17 (2005), H. 1. S. 72-92; Marisa Chappell, The War on Welfare: Family, Poverty, and Politics in Modern America, Philadelphia 2011.
  78. Steve Estes, I am a Man! Race, Manhood, and the Civil Rights Movement, Chapel Hill 2005. Während Estes ohne theoretischen Unterbau argumentiert, nehmen andere Historiker/innen in ihrer Auseinandersetzung mit African American Manhood das Konzept der Hegemonic Masculinity der Soziologin Raewyn (vormals Robert W.) Connell zu Hilfe. Connell beschreibt, dass sich eine dominante westliche Form der Männlichkeit herausgebildet habe, die sowohl Frauen als auch „andersartige“ Männer unterdrücke. Sie werde aber durch diese unterdrückten Gruppen immer bedroht, in Frage gestellt und verändert. Raewyn (Robert W.) Connell, Gender and Power, Sydney 1987; dies., Masculinities, Cambridge 1995; dies./James W. Messerschmidt, Hegemonic Masculinity: Rethinking the Concept, in: Gender & Society 19 (2005), H. 6, S. 829-859, online unter http://www.engagemen-me.org/sites/default/files/Hegemonic%20Masculinity-%20Rethinking%20the%20Concept%20%28R.%20W.%20Connell%20and%20James%20W.%20Messerschmidt%29.pdf. Einen guten Überblick zu African Americans and Manhood gibt Simon Wendt in seinem Aufsatz: Gewalt und Schwarze Männlichkeit in der Black Power-Bewegung, in: Jürgen Martschukat/Olaf Stieglitz (Hrsg.), Väter, Soldaten, Liebhaber: Männer und Männlichkeiten in der Geschichte Nordamerikas – Ein Reader, Bielefeld 2007.
  79. Siehe z. B. Timothy B. Tyson, Radio Free Dixie: Robert F. Williams and the Roots of Black Power, Chapel Hill 1999; Herman Graham, III, The Brothers' Vietnam War: Black Power, Manhood and the Military Experience, Gainesville 2003; Simon Wendt, The Spirit and the Shotgun: Armed Resistance and the Struggle for Civil Rights, Gainesville 2007.
  80. Vgl. Wendt, Gewalt und schwarze Männlichkeit, S. 358.
  81. Siehe z.B. Dayo F. Gore/Jeanne Theoharis/Komozi Woodard (Hrsg.), Want to Start a Revolution? Radical Women in the Black Freedom Struggle, New York 2009; zur Neubewertung des Einflusses radikaler Frauen auf Malcolm X: Erik S. McDuffie/Komozi Woodard, „If you’re in a Country that’s progressive, the Woman is progressive“: Black Women Radicals and the Making of the Politics and Legacy of Malcolm X, in: Biography 36 (2013), H. 3, S. 507-539.
  82. Jakobi Williams, „Don’t no Woman Have to Do nothing She Don’t Want to Do”: Gender, Activism, and the Illinois Black Panther Party, in: Black Women, Gender, and Families 6 (2012), H. 2, S. 29-54; siehe auch Robyn Ceanne Spencer, Engendering the Black Freedom Struggle: Revolutionary Black Womanhood and the Black Panther Party in the Bay Area, California, in: Journal of Women’s History 20 (2008), H. 1, S. 90-113.
  83. Kevin J. Mumford, The Trouble with Gay Rights: Race and the Politics of Sexual Orientation in Philadelphia, 1969-1982, in: The Journal of American History 98 (2011), H. 1, S. 49-72. Mumford arbeitet gerade an einer Studie zu Black Gay History, die Anfang 2016 erscheinen soll.
  84. John D’Emilio, Lost Prophet: The Life and Times of Bayard Rustin, Chicago 2004.
  85. Hall, The Long Civil Rights Movement, S. 1235.
  86. Siehe Renee C. Romano/Leigh Raiford, The Civil Rights Movement in American Memory, Athens 2006; Kevin Bruyneel, The King’s Body: The Martin Luther King Jr. Memorial and the Politics of Collective Memory, in: History and Memory 26 (2014), H. 1, S. 75-108; Jonathan Scott Holloway, Jim Crow Wisdom: Memory and Identity in Black America since 1940, Chapel Hill 2013.
  87. Adam Liptak, Supreme Court Invalidates Key Part of Voting Rights Act, in: New York Times, 25.6.2013, online unter http://www.nytimes.com/2013/06/26/us/supreme-court-ruling.html?_r=0&adxnnl=1&pagewanted=all&adxnnlx=1406639678-G8hISkhkTalWKg0hBdrXdQ (30.5.2015).
  88. George Derek Musgrove, Rumor, Repression, and Racial Politics, Athens 2012.
  89. Siehe H. Roy Kaplan, The Myth of Post-Racial America: Searching for Equality in the Age of Materialism, Lanham, Maryland, 2011.
  90. Stephen Tuck, „We Are Taking up where the Movement of the 1960s Left off: The Proliferation and Power of African American Protest during the 1970s, in: Journal of Contemporary History 43 (2008), S. 637-654.
  91. Vgl. Dagbovie, What is African American History?, S. 130-136.