Werkstatt:Siebeck erinnerungsorte v1 de 2017

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Werkstatt-Version: Erinnerungsorte, Lieux de Mémoire

von Cornelia Siebeck

„Deutsche Erinnerungsorte” (2001), „Schleswig-Holsteinische Erinnerungsorte” (2006), „Erinnerungsorte der Antike” (2006-2010), „Erinnerungsorte der deutschen Kolonialgeschichte” (2013), „Erinnerungsorte der DDR” (2009), „Europäische Erinnerungsorte” (2012), „Deutsch-Polnische Erinnerungsorte” (2012-2015), „Ökologische Erinnerungsorte” (2014), „Erinnerungsorte der extremen Rechten” (2015) – das ist nur eine kleine Auswahl deutschsprachiger Sammelwerke, die den populären Terminus bereits im Titel zitieren.[1]

Der Begriff der „Erinnerungsorte” (lieux de mémoire) wurde in den 1980er-Jahren von dem französischen Historiker Pierre Nora geprägt. Er bezeichnet ein spezifisches, von Nora entwickeltes Forschungsparadigma, das seither vor allem in den Geschichts- und Kulturwissenschaften viel rezipiert worden ist. Zugleich hat sich der Begriff zu einer auch alltagsweltlich geläufigen catch-all phrase verselbständigt. Entsprechend diffus ist mittlerweile sein Bedeutungsgehalt auch im akademischen Diskurs. Und das heißt: Nicht immer, wenn von Erinnerungsorten die Rede ist, wird der Terminus im engeren Sinne des gleichnamigen Forschungsansatzes gebraucht. Häufig wird er etwa schlicht als Synonym für Denkmale oder Gedenkstätten benutzt.

Hier soll es jedoch nicht um alle möglichen Verwendungsweisen des Begriffs gehen, sondern um das gleichnamige Forschungsparadigma. In diesem Kontext sind mit Erinnerungsorten symbolische Repräsentationen gemeint, von denen Forscher und Forscherinnen annehmen, dass sie in bestimmten Gedächtnis- und Identitätsdiskursen eine signifikante Rolle spielen. Im Folgenden soll diese Forschungsperspektive zunächst einmal vorgestellt werden. Anschließend wird ihre Genese im Zuge einer von Pierre Nora initiierten Sammlung französischer lieux de mémoire beschrieben. Dann wird der durchschlagende Erfolg des neuen Forschungsansatzes gewürdigt, der jedoch auch von kritischen Einwänden begleitet wurde. In einem nächsten Schritt werden die Rezeption und Diskussion des Erinnerungsorte-Paradigmas skizziert. Dabei wird auf einige Nachfolgeprojekte eingegangen, die das Konzept auf weitere nationale Kontexte übertrugen. Außerdem werden diverse Beispiele vorgestellt, in denen es für andere erinnerungskulturelle Kontexte angeeignet und fruchtbar gemacht wurde. Da der inflationäre Gebrauch des Paradigmas jedoch auch zu einer zunehmenden theoretisch-methodologischen Unschärfe geführt hat, wird abschließend auf aktuelle Versuche eingegangen, das Nora'sche Konzept zu präzisieren und seine analytischen Potenziale weiter auszubauen.


Erinnerungsorte als Forschungsparadigma

Für ein theoretisch konsistentes Verständnis des Forschungsparadigmas ist zentral, dass der Wortbestandteil des „Ortes” hier im Sinne von „Topos” verwendet wird. Gemäß der Nora'schen Konzeption werden unter Erinnerungsorten nicht Orte im geografischen Sinne bezeichnet, auch wenn sie sich auf geografische Orte beziehen können. Gemeint sind vielmehr diskursive Chiffren, von denen Forscherinnen und Forscher annehmen, dass sie in einem bestimmten soziohistorischen Zusammenhang eine traditions- und identitätsstiftende Rolle spielen.[2]

So könnte man etwa Wackersdorf als Erinnerungsort der bundesrepublikanischen Umwelt- und Anti-Atom-Bewegung analysieren. Der geografische Ort als Schauplatz zivilgesellschaftlicher Proteste gegen die geplante atomare Wiederaufbereitungsanlage in den 1980er-Jahren wäre hierbei allerdings nebensächlich. Im Zentrum der Untersuchung stünden vielmehr zeitgenössische und nachträgliche Deutungen des damaligen Geschehens. Zu fragen wäre nach der Entstehung und Entwicklung eines gedächtnis- und identitätsstiftenden Topos Wackersdorf im Kontext bundesrepublikanischer Ökologie-, Atom- und Protestdiskurse. Ebenso läge, würde man das Brandenburger Tor als preußisch-deutschen Erinnerungsort untersuchen, der Fokus nicht auf der Geschichte des Bauwerks als solchem, sondern auf dessen symbolischer Dimension. Hier wären zunächst repräsentative Botschaften des preußischen Königtums im 18. Jahrhundert zu eruieren, die in diesem Bauwerk einen Ausdruck finden sollten. Ferner wäre dessen Entwicklung zu einem deutschen Nationaldenkmal zu beleuchten. Da dieses seither in unterschiedlichen historischen Perioden diverse symbolische Zuschreibungen erfahren hat, wäre in diachroner Perspektive zu rekonstruieren, wie jeweilige „nationale” Deutungen zustande kamen und unter welchen Bedingungen sie sich verändert haben.

„Die Tore der Deutschen“ – Am 27. Januar 1997, dem Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus, projizierte Horst Hoheisel zwei verschiedene Fotos des Auschwitz-Tores mit dem Satz „ARBEIT MACHT FREI“ auf das Brandenburger Tor. Ein historisches Schwarz/Weiß-Foto mit dem verschlossenen Tor aus der Zeit des KZ und ein Farbfoto des geöffneten Tores aus der heutigen Zeit. Die beiden deutschen Tore, die so weit auseinanderliegen, waren in dieser Nacht zu einem Bild zusammengeschoben. „Auch nach der Wiedervereinigung“, so gab der Künstler damals zu bedenken, „kann das Brandenburger Tor nicht das Symbol ungebrochener nationaler Identität und historischer Kontinuität sein.“ Foto: Horst Hoheisel © mit freundlicher Genehmigung
„Die Tore der Deutschen“ – Am 27. Januar 1997, dem Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus, projizierte Horst Hoheisel zwei verschiedene Fotos des Auschwitz-Tores mit dem Satz „ARBEIT MACHT FREI“ auf das Brandenburger Tor. Ein historisches Schwarz/Weiß-Foto mit dem verschlossenen Tor aus der Zeit des KZ und ein Farbfoto des geöffneten Tores aus der heutigen Zeit. Die beiden deutschen Tore, die so weit auseinanderliegen, waren in dieser Nacht zu einem Bild zusammengeschoben. „Auch nach der Wiedervereinigung“, so gab der Künstler damals zu bedenken, „kann das Brandenburger Tor nicht das Symbol ungebrochener nationaler Identität und historischer Kontinuität sein.“ Foto: Horst Hoheisel © mit freundlicher Genehmigung


Jedoch können nicht nur Topoi mit einem räumlichen Bezug als Erinnerungsorte erforscht werden. Analysiert werden können ebenso historische Daten, Jahreszahlen, Begriffe, Slogans, Dinge, Feste, Rituale, Personen oder mythische Figuren usw., sofern sie für einen infrage stehenden Gedächtnis- und Identitätsdiskurs relevant erscheinen. Für welche symbolischen Dimensionen eines solchen Topos sich Forscherinnen und Forscher dabei jeweils interessieren, hängt davon ab, in welchem diskursiven Kontext sie ihn analysieren wollen. Wichtig ist: Erinnerungsorte sind als solche keine objektiv vorfindbaren Phänomene. Es handelt sich um eine Konstruktion jeweiliger Forscherinnen und Forscher, um ein heuristisches Modell, das einem bestimmten Erkenntnisinteresse dient:[3] Wie werden anhand bestimmter Topoi jeweilige Geschichts- und Selbstbilder verhandelt? Um das zu erkunden, werden zunächst Kristallisationspunkte der zu untersuchenden Gedächtnis- und Identitätsdiskurse identifiziert, die dann diachron als Erinnerungsorte untersucht werden. Das typische Resultat eines solchen Forschungsprojekts ist ein Sammelwerk, in dem zumeist mehrere Autoren und Autorinnen unter einem gemeinsamen Oberthema verschiedenste Erinnerungsorte abhandeln.


Pierre Nora und die Erfindung der lieux de mémoire

Das Forschungsparadigma der lieux de mémoire wurde in den späten 1970er-Jahren von Pierre Nora eingeführt.[4] Der liberal-konservative Historiker und Publizist galt in Frankreich schon damals als einer der einflussreichsten zeitgenössischen Intellektuellen.[5] In seiner Eigenschaft als Verleger bei Gallimard edierte er zwischen 1984 und 1992 ein umfangreiches Konvolut französischer lieux de mémoire in sieben Bänden. Über 100 namhafte Autoren und Autorinnen geistes- und sozialwissenschaftlicher Provenienz untersuchten darin 130 Topoi, in denen man – so Noras Grundannahme – des französischen Nationalgedächtnisses habhaft werden könne: von der Marseillaise über den Eiffelturm, Descartes und Verdun bis hin zum Wein.[6]

Die Genese dieser Sammlung kommentierte Nora in diversen programmatischen Essays,[7] die jedoch streckenweise eher von einer spekulativen Zeit- und Kulturdiagnostik getragen sind als von einer stringenten theoretisch-methodologischen Argumentation.[8] Mit der Zeit präzisierte er allerdings die Konturen des Forschungsparadigmas. Hatte er die lieux de mémoire anfangs mystifizierend als „Orte, an die sich das Gedächtnis lagert oder in die es sich zurückzieht”, umschrieben und ihnen als „Zeichen im Reinzustand” eine Art metahistorische Eigengesetzlichkeit unterstellt,[9] gelangte er schließlich zu folgender Definition: Als lieu de mémoire sei „jederart bedeutsame Entität, ob materiell oder immateriell” zu begreifen, „welche durch menschlichen Willen oder das Werk der Zeit zu einem symbolischen Element innerhalb des kommemorativen Erbes einer wie auch immer gearteten Gemeinschaft geworden ist”.[10]

Cover: Pierre Nora (Hrsg.), Les lieux de mémoire, 7 Bde., Paris 1984-1994: I. La République (1984); II. La Nation, 3 Bde. (1986); III. Les France, 3 Bde. (1993) ©
Cover: Pierre Nora (Hrsg.), Les lieux de mémoire, 7 Bde., Paris 1984-1994: I. La République (1984); II. La Nation, 3 Bde. (1986); III. Les France, 3 Bde. (1993) ©


Nach und nach wurde auch die historiografische Perspektive deutlicher, die Nora mit diesem Forschungsansatz begründen wollte: Ziel sei eine Geschichtsschreibung „zweiten Grades”, die „nicht mehr die Ereignisse an sich” untersuche, „sondern deren Konstruktion in der Zeit, das Verschwinden und Wiederaufleben ihrer Bedeutungen; nicht die Vergangenheit, wie sie eigentlich gewesen ist, sondern ihre ständige Wiederverwendung, ihren Gebrauch und Missbrauch sowie ihren Bedeutungsgehalt für die aufeinanderfolgenden Gegenwarten; nicht die Tradition, sondern die Art und Weise, wie diese geschaffen und weitergegeben wird”.[11]

Peter Carrier hat das Forschungsparadigma der Erinnerungsorte zu Recht als „Diagnose und Symptom des zeitgenössischen Erinnerungskultes” charakterisiert.[12] Die Erfindung der lieux de mémoire korrespondierte zeitlich mit den Anfängen eines internationalen Gedächtnis- und Identitätsbooms: Infolge globaler sozioökonomischer Krisenerscheinungen hatten moderne Fortschrittsperspektiven seit den 1970er-Jahren an Überzeugungskraft verloren. Dies wirkte sich auch auf Diskurse historischer Sinnbildung aus. Historische Orientierung wurde fortan nicht mehr so sehr in einer „besseren Zukunft” gesucht als in Konstruktionen einer traditions- und identitätsstiftenden Herkunft.[13] „Identität”, „Gedächtnis” und „Erinnerungskultur” wurden zu zentralen Schlagwörtern in soziopolitischen Selbstverständigungsprozessen.

Das Unternehmen der lieux de mémoire verhielt sich zu diesem Zeitphänomen ambivalent. Auf der einen Seite finden sich bei Nora Ansätze einer kritischen Historisierung und analytischen Reflexion des aktuellen Gedächtnis- und Identitätsbooms.[14] Andererseits zeigte er sich auch selbst geschichts- und identitätspolitisch engagiert. „Der neue Historiker”, so heißt es bei Nora, habe als „Interpret und Vermittler” zu fungieren. Seine „ganz spezielle Mission” bestehe darin, ein fragmentiertes Nationalgedächtnis aufzuspüren, zusammenzutragen und – gleichsam in pädagogischer Absicht – an das „Gemeinwesen” zurück zu vermitteln, um diesem eine kollektive „Selbsterkundung” zu ermöglichen. Mit den lieux de mémoire solle eine „Gesamtaufnahme der sich in Symbolen und dem nationalen Erbe verkörpernden Einheit” entstehen.[15]


Erfolgreiche Setzung und kritische Diskussion der lieux de mémoire

Vor dem Hintergrund zeitgenössischer französischer Debatten über nationale Identität und Kultur[16] erwies sich das von Pierre Nora herausgegebene Kompendium nicht nur in der damaligen Fachöffentlichkeit, sondern auch darüber hinaus als äußerst erfolgreich. Sowohl in akademischen Publikationen als auch in den Massenmedien wurde es vielfach und häufig positiv rezensiert. Bis 2005 waren bereits 100.000 französischsprachige Exemplare verkauft. Aber auch jenseits von Frankreich trafen die lieux de mémoire den Zeitgeist: Eine Auswahl von Artikeln aus der französischen Ausgabe wurde bald auch in anderen Sprachen veröffentlicht.[17] Im Zuge des Gedächtnis- und Identitätsbooms wurde das Paradigma der lieux de mémoire seit den 1990er-Jahren weltweit rezipiert und fand auch in populärwissenschaftlichen, pädagogischen und touristischen Publikationen Resonanz. Im akademischen Kontext wurde es vor allem im europäischen Raum vielfach zum Ausgangs- oder Referenzpunkt für national, binational, transnational, regional, lokal oder ideengeschichtlich angelegte Gedächtnisforschungen. In einer empirischen Studie zur Verbreitung des Forschungsansatzes hat Benoȋt Majerus festgestellt, dass es sich bei den lieux de mémoire um einen der „erfolgreichsten Transfers in der europäischen Geschichtsschreibung der letzten Jahrzehnte” handele.[18]

Von Beginn an wurde das Konzept jedoch auch kontrovers diskutiert. Angesichts des erwähnten Doppelcharakters des Nora'schen Pionierprojekts als „Diagnose und Symptom des zeitgenössischen Erinnerungskultes” (Carrier) sind dabei insbesondere identitätspolitische Implikationen der lieux de mémoire problematisiert worden: Worum geht es im Nora'schen Forschungsansatz eigentlich? Um eine kritisch-reflexive Historisierung nationaler Traditionsbestände oder um deren semantische Fixierung und Kanonisierung in identitätsstiftender Absicht? Nora bleibt eine eindeutige Antwort auf diese Frage schuldig. In seinen Texten lassen sich Anhaltspunkte für beide Sichtweisen finden. Einerseits legt er in postmoderner Perspektive einen historisierenden, dekonstruktivistischen Blick nahe: Die Erinnerungsorte sind nicht einfach immer schon da, sie sind historisch geworden; ihre Symbolik ist ihnen nicht inhärent, sondern wird ihnen zugeschrieben; ihre Bedeutung ist nicht statisch, sondern in stetem Wandel begriffen. Nationales Gedächtnis und nationale Identität werden anti-essentialistisch als immer nur vorläufige Ergebnisse historischer Konstruktionsprozesse begriffen.[19] Mit dem Forschungsparadigma der lieux de mémoire können solche Prozesse transparent gemacht werden.

Andererseits changiert Nora auf eigentümliche Weise zwischen einem dekonstruktivistischen und einem essentialistischen Verständnis der Nation. Zwar betont er, dass die Nation gemäß der Logik des Forschungsansatzes als plurale, offene, vor allem aber „gänzlich symbolische Realität” zu gelten habe.[20] Gleichzeitig wird sie aber in der Konzeption des Forschungsparadigmas eben doch essentialisierend als tatsächliche (Erinnerungs-)Gemeinschaft vorausgesetzt.[21] „Frankreich”, „die Franzosen” und ein pauschales „wir” figurieren in Noras Texten als Kollektivsubjekt,[22] das eine „Identität” hat und diese in Erinnerungsorten ausdrückt, deren Untersuchung wiederum Aufschluss über „das” nationale Selbstverständnis geben soll.

Jedoch kann, wer Erinnerungsorte analysiert, immer nur spezifische (und dabei in aller Regel konfligierende) Identitätskonstruktionen und Geschichtsbilder partikularer Akteure in einem jeweiligen historischen Kontext rekonstruieren, von dort aber nicht auf „die” Identität und „das” Gedächtnis einer prinzipiell heterogenen und von allerhand historisch-politischen Macht- und Konfliktverhältnissen durchzogenen Gesellschaft schließen. „Wer definiert die Nation und nationale Identität? Wie sehr wird diese Definition akzeptiert? Von wem?”, fragt daher Hue-Tam Ho Tai in einer kritischen Auseinandersetzung mit Noras Nationsverständnis.[23]

Zu Recht hat Steven Englund festgestellt, dass die Nation von Nora letztendlich hypostasiert und naturalisiert werde, anstatt sie als eine von vielen möglichen politischen Vergemeinschaftungsstrategien und damit als „ideologische Repräsentation”[24] zu begreifen. Der postmodern inspirierte Historiker Nora und der konservative Patriot Nora, so resümiert Englund, befänden sich mit Blick auf ihr Verständnis von der Nation in einem unauflöslichen Widerstreit, der letztlich das ganze Projekt präge. Dekonstruktivistisch im Ansatz, sei es zugleich ein Versuch, Nation und Nationalgeschichte vor einer allzu radikalen Dekonstruktion zu retten.[25] Auch andere Kritiker und Kritikerinnen sehen in den lieux de mémoire nicht nur einen Forschungsansatz des Historikers Nora, sondern auch ein identitäts- und geschichtspolitisches Projekt des nationalpädagogisch motivierten Patrioten Nora: Mit der monumentalen Kanonisierung nationaler Erinnerungsorte solle trotz aller postmodernen Reflexivität und der Betonung von Dynamik und Pluralität eine Einheit der Nation behauptet und nationales Gedächtnis gestiftet werden, um einem aus Sicht von Teilen der damaligen französischen Kulturelite vermeintlich drohenden Niedergang der nationalen Kultur und Identität entgegenzuwirken.[26]


Zwischen Affirmation und Dekonstruktion: Nationale Erinnerungsorte

Das Konzept der französischen lieux de mémoire ist seither auf zahlreiche nationale Kontexte vornehmlich in Westeuropa übertragen worden.[27] Eine der prominentesten, meist diskutiertesten und auch kommerziell erfolgreichsten Adaptionen war eine dreibändige Sammlung „Deutscher Erinnerungsorte”, die 2001 von Etienne François und Hagen Schulze herausgegeben wurde.[28] Die Herausgeber orientierten sich dabei eng am französischen Vorbild, distanzierten sich allerdings explizit von dessen nationalpädagogischen Implikationen: „Dies ist kein sinnstiftendes oder staatstragendes Projekt”,[29] betonen sie in ihrer Einleitung. Ein kanonischer Anspruch wird zurückgewiesen, Auswahlkriterien werden offen gelegt und hinsichtlich blinder Flecke problematisiert, die tatsächliche Identitätsrelevanz der ausgewählten nationalen Erinnerungsorte offensiv zur Debatte gestellt.[30] Man wolle „keine neue Nationalgeschichte” schreiben, sondern ein „erstes, breitgefächertes und offenes Inventar der deutschen Gedächtniskulturen” anbieten, das deren Historizität, Komplexität und Kontingenz bewusst machen und zur eigenen „Arbeit an der Erinnerung” einladen solle.[31]

Nicht zuletzt der Appell, sich in einem „Akt der Selbstbestimmung” mit nationalen Erinnerungsorten auseinanderzusetzen, lässt allerdings erkennen, dass trotz aller kritischen Reflexivität auch dieses Projekt keineswegs frei von nationalpädagogischen und identitätspolitischen Motivationen war: „Seit zehn Jahren ist Deutschland wieder zu einem ‚normalen' Nationalstaat geworden”, postulieren die Herausgeber in ihrer Einleitung und folgern daraus: „Der Frage nach der Identität der Deutschen und nach der Verschränkung zwischen ihrer Vergangenheit und ihrer Zukunft als Nation kommt seit der Vereinigung [...] eine neue Bedeutung zu, ja, sie wird unausweichlich.”[32] Von daher waren die „Deutschen Erinnerungsorte” durchaus auch als affirmativer Beitrag zum deutschen nation building nach 1990 gemeint,[33] was einen Rezensenten in der „Frankfurter Allgemeine Zeitung” zu dem süffisanten Kommentar veranlasste, hier werde nun erstmals eine „Nationalmannschaft der neuen Normalität”[34] aufgestellt.

Jedenfalls scheint es kein einfaches Unterfangen zu sein, das Nora'sche Paradigma von seinen national-affirmativen Gehalten zu befreien: „Die identitätsstiftende Funktion des Gedächtnisses ist in die Kompendien der nationalen Gedächtnisorte unhintergehbar eingeschrieben – auch wenn das nicht in der Intention der Herausgeber liegt”, gibt Heidemarie Uhl zu bedenken. Das Problem beginne schon bei der repräsentativen Form solcher Unternehmen, die durch relativierende Einleitungstexte nur bedingt abgeschwächt werden könne: „Insofern legt der publizistische Erfolg von Kompendien nationaler Gedächtnisorte einen Vergleich mit dem identitätsstiftenden Narrativ der nationalen Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts nahe.”[35]

Allerdings ist auf unterschiedlichen Wegen versucht worden, die reflexive und dekonstruktivistische Komponente des Forschungsparadigmas zu stärken. Ein dreibändiges Projekt zu österreichischen Erinnerungsorten[36] nahm seinen Ausgangspunkt 1998 beispielsweise von einer repräsentativen Umfrage, in der mithilfe eines offenen Fragerasters spezifische Topoi eines aktuellen „Österreichbewusstseins” erhoben wurden: von Personen und Begriffen über Bauten und Landschaften bis hin zu historischen Perioden und Firmen. Die so erhobenen Erinnerungsorte sollten dann historisiert und auf ihre identitätspolitischen Funktionen hin analysiert werden.[37] In einer Sammlung von „Schweizer Erinnerungsorten” wiederum, die ausnahmsweise von nur einem Autor bestritten wurde,[38] sind einer konsequent reflexiv gehaltenen Auseinandersetzung mit 26 Topoi der „Swissness” zwei theoretische Artikel zur Seite gestellt, in denen der Forschungsansatz kritisch diskutiert und auf ungeklärte Fragen hingewiesen wird.[39]


Thematische Diversifizierung des Forschungsparadigmas

In der weiteren Rezeption des Erinnerungsorte-Paradigmas ist der nationale Bezugsrahmen zugunsten regionaler, lokaler, binationaler, transnationaler oder ideengeschichtlicher Foki in den Hintergrund getreten. Mit einigen wenigen Beispielen sei im Folgenden die Heterogenität der Zugänge und Bezugsrahmen illustriert, die sich im Zuge dessen herausgebildet hat.[40]

Einen transnationalen Kontext setzt etwa die 2012 erschienene dreibändige Sammlung „Europäischer Erinnerungsorte”.[41] Die Herausgeber gehen dabei methodisch von vornherein davon aus, dass es sich hierbei nur um eigene „Konstrukte” handeln könne, die dann rezeptionsgeschichtlich zu bearbeiten seien. In ihrem Bestreben, damit zu einem „spezifischen Zusammengehörigkeitsgefühl der ‚Europäer’” beizutragen bzw. zum Nachdenken darüber anzuregen, „was diesen Kontinent und seine Einzelteile miteinander verbindet”,[42] kommt indes auch der identitätspolitische Impetus wieder zum Ausdruck, der den Nora'schen Ansatz prägt.

Vielfach wird das Erinnerungsorte-Paradigma aber auch nur noch als analytisches Instrument rezipiert, ohne dass damit identitätspolitische Anliegen verbunden wären. So werden in einem zweibändigen Werk zu „Erinnerungsorten der Antike”[43] einerseits Topoi untersucht, die zeitgenössisch identitätsstiftende Funktionen hatten, andererseits wird nach zentralen Elementen auch der modernen Antike-Rezeption gefragt, wobei das Nora'sche Konzept hier nach eigener Aussage eher als Inspiration denn als theoretische Richtschnur diente.[44]

Ein Band zu „Erinnerungsorten der DDR” versammelt Essays zu historischen Topoi, die im deutschen Gedächtnisdiskurs zur SBZ/DDR-Vergangenheit eine Rolle spielen. Die „Konflikthaftigkeit und die innere Spannung” dieses Gedächtnisdiskurses sollen dabei „in der Entwicklungsgeschichte der einzelnen Erinnerungsorte selbst” aufgespürt werden.[45] Der Gedächtnisgeschichte an den deutschen Kolonialismus widmet sich eine Sammlung von „Erinnerungsorten der deutschen Kolonialgeschichte”, die dabei zugleich eine geschichtspolitische Mission verfolgt: nämlich einer vom Herausgeber diagnostizierten „koloniale[n] Amnesie” in der deutschen Gegenwart entgegenzuwirken und eine „(post)koloniale Erweiterung” der zwölf Jahre vorher erschienenen „Deutschen Erinnerungsorte” vorzunehmen.[46] In einem Sammelband zu „Erinnerungsorten der extremen Rechten” wird anhand von Schwerpunktthemen der rechtsextreme Gedächtnisdiskurs in der Bundesrepublik exploriert. Auf diese Weise soll ein „immer wieder abrufbare[s] Repertoire an kollektiv geteilten Mythen und Narrativen” sichtbar gemacht werden.[47] Die Anwendung des Forschungsansatzes auf ein spezifisches soziopolitisches Milieu, das als solches tatsächlich an einem geteilten Selbst- und Geschichtsverständnis arbeitet, erscheint dabei durchaus vielversprechend. Ein weiteres Projekt beschäftigte sich mit „Ökologischen Erinnerungsorten”. Darunter werden hier „Ereignisse, in denen die Interaktion von Mensch und Natur eine Rolle spielt,” definiert. Anhand ausgewählter Beispiele wird die Rezeptionsgeschichte derartiger Ereignisse in nationalen, transnationalen und globalen Diskurszusammenhängen rekonstruiert.[48]

Im Zuge der hier nur ansatzweise skizzierten Diversifizierung des Forschungsansatzes ist ein breites Spektrum an Rezeptionsgeschichten zu unterschiedlichsten Fragestellungen entstanden. Allerdings hat sich das Erinnerungsorte-Paradigma dabei auch zunehmend verselbständigt, sodass immer unklarer wird, was man sich darunter in theoretisch-methodologischer Hinsicht genau vorzustellen hat. Nicht selten wird das ursprüngliche Konzept in den jeweiligen Einleitungstexten nur schlagwortartig aufgerufen und dann mit Verweisen auf Vorgängerwerke „erklärt”, anstatt es mit Blick auf das eigene Vorhaben genauer zu reflektieren und auszubuchstabieren. Mitunter wird es auch gar nicht mehr als heuristisches Werkzeug eingeführt, sondern dient als lockerer Bezugspunkt zur Bündelung von ansonsten kaum zusammenhängenden Studien oder Essays.[49]


Ansätze einer konzeptionellen Weiterentwicklung und Präzisierung

Jedoch wurde in jüngerer Zeit auch versucht, das theoretisch-methodologische Profil des Forschungsansatzes zu schärfen, wobei zunächst einmal wieder direkt auf den Nora'schen Ansatz und dessen theoretische Prämissen Bezug genommen wird. So stellt etwa Georg Kreis einige – allerdings unsystematische – Überlegungen dazu an, wie man die analytischen Potenziale des Erinnerungsorte-Paradigmas besser ausschöpfen könne.[50] Ebenso wie frühere Kritiker und Kritikerinnen attestiert er Nora aufgrund von dessen identitäts- und gedächtnispolitischen Ambitionen eine allzu „[g]eringe Distanz zum Gegenstand”, weswegen auch seine theoretische Perspektive als „nur bedingt analytisch” gelten müsse.[51]

In Noras theoretischen Ausführungen erscheine das nationale Gedächtnis letztlich als eigendynamisches, selbstreferenzielles Phänomen. Dass Geschichte und Gedächtnis „gemacht” würden, werde zwar erwähnt, aber nicht ausreichend reflektiert. Angesichts dessen schlägt Kreis vor, das Augenmerk künftig auf die Produktion, Funktionalisierung und Nutzung von Erinnerungsorten durch spezifische soziale Akteure unter spezifischen historischen Bedingungen und Machtverhältnissen zu legen. Erinnerungsorte will er dabei als „Verdichtungen und Knoten des gesellschaftlichen Diskurses[52] verstanden und historisiert wissen. Wolle man solche Knotenpunkte als Teile eines „Ganzen” begreifen, reiche es nicht, sie nur zu inventarisieren. Es müsse auch gefragt werden, „wie die einzelnen, vielleicht auch unterschiedlich wichtigen Teile sich zueinander verhalten und wie das Erinnerungssystem als Ganzes funktioniert”.[53]

An einer theoretisch-methodologischen Weiterentwicklung des Nora'schen Ansatzes wurde auch im Rahmen eines Projekts zu „Deutsch-polnischen Erinnerungsorten”[54] gearbeitet, dessen Ziel es war, „die deutsch-polnische Geschichte aus der Perspektive der Erinnerungskulturen zu betrachten”.[55] Das Erinnerungsorte-Paradigma sollte in diesem bilateralen Forschungsprojekt zunächst um eine beziehungsgeschichtliche Dimension erweitert werden. Basierend auf einer kritischen Würdigung des Nora'schen Ansatzes und seiner bisherigen Rezeption wird zudem auch hier für eine konsequent analytisch-reflexive Forschungshaltung argumentiert: Die Untersuchung von Erinnerungsorten solle einem „Prinzip der Dekonstruktion” folgen.[56]

Ausgehend von der Frage, warum bestimmte Gedächtnistopoi eine „identitätsrelevante Präsenz in der jeweiligen Gegenwart” besitzen,[57] sollten diese jenseits ihrer „vorgebliche[n] Stabilität” mit Blick auf ihren „tatsächliche[n] ständigen Wandel” untersucht werden.[58] Dabei wird betont, dass das Nora'sche Projekt einer „Geschichte zweiten Grades” immer an die „Geschichte ersten Grades” zurückgebunden werden müsse. Erinnerungsorte seien prinzipiell als polyvalente „historische Phänomene” zu fassen, deren jeweils zeitgenössische Interpretationen und Funktionalisierungen sich nicht unabhängig von realhistorischen Kontextbedingungen erschließen ließen, weswegen diese im Forschungsprozess stets mit rekonstruiert werden müssten.[59]

In diesem Sinne werden Erinnerungsorte hier als „Erinnerungsgeschichte[n]” verstanden, die mit Blick auf ihre Entwicklung im historischen Kontext, aber auch auf zugrunde liegende Konstruktions-, Funktions- und Rezeptionsweisen im deutsch-polnischen Relationsgefüge untersucht werden sollen: „Das Erkenntnisziel ist es, den Mechanismus der Konstruktion des jeweiligen Erinnerungsortes sowie dessen Funktion sowohl in den beiden Gesellschaften (Erinnerungsemeinschaften) als auch im Kontext der wechselseitigen Wahrnehmung und der deutsch-polnischen Beziehungsgeschichte offen zu legen und zu analysieren.”[60] Als probate Forschungsmethode wird eine „quellengesättigte historische Diskursanalyse”[61] empfohlen.

Diese entschieden analytische Forschungsperspektive kommt in vielen Einzelbeiträgen der „deutsch-polnischen Erinnerungsorte” zum Tragen. In knappen Essays werden die untersuchten Topoi als Gegenstand von Aushandlungsprozessen umrissen, in denen bestimmte soziale Akteure bestimmte ideelle und praktische Anliegen verfolgen. Deutlicher als in den Vorgängerprojekten zu nationalen Erinnerungsorten wird „Erinnerungskultur” so als historisch-dynamischer und vermachteter Raum fassbar, in dem auf vielen Ebenen um historischen Sinn – und damit auch um Gegenwartsverständnisse und Zukunftsentwürfe – gerungen wird.[62] |Was in den empirischen Einzelbeiträgen des deutsch-polnischen Projekts sichtbar wird, bleibt jedoch in der theoretischen Reflexion der Initiatorinnen und Initiatoren noch weitgehend unbestimmt. Zentrale Analysekategorien werden nicht definiert bzw. in einer Weise diskutiert, die in erkenntnistheoretischer Hinsicht eher Fragen aufwerfen als Antworten geben: Was genau hat man sich unter „Identität” vorzustellen? Können Begriffe wie „Nation” und „Gesellschaft” synonym verwendet werden? Kann eine „Gesellschaft” als „soziale Großgruppe”, „Wir-Gruppe” und „Erinnerungsgemeinschaft” verstanden werden, die über eine gemeinsame „Identität” verfügt?[63] Und was bedeutet es für die genannten Schlüsselkategorien, wenn im gleichen Atemzug betont wird, dass „Nation” und „Gesellschaft” als in sich heterogen und differenziert zu begreifen seien und neben nationalen stets weitere Identitätskonzepte im Umlauf seien?[64]


Perspektiven einer sozial- und diskurstheoretischen Reformulierung

Das sind zweifellos ebenso anspruchsvolle wie komplexe Fragen, die für eine empirische Erforschung von Erinnerungsorten nicht notwendig geklärt werden müssen. Historiografische Fallstudien zur Produktion und Reproduktion bestimmter Gedächtnistopoi lassen sich auch ohne tiefergehende erkenntnistheoretische Reflexionen anfertigen. Sobald aber eine „Identitätsrelevanz”[65] solcher Topoi für soziale Zusammenhänge auch jenseits benennbarer sozialer Akteure oder spezifischer Milieus vermutet oder behauptet wird – und darum ging es ja bereits Pierre Nora in seinen lieux de mémoire –, bedürfte es sowohl eines reflektierten Identitätsbegriffs als auch eines reflektierten Begriffs jeweiliger sozialer Zusammenhänge.[66]

Für eine theoretische Weiterarbeit am Erinnerungsorte-Paradigma wäre es daher lohnenswert, sich erstens mit grundlegenderen sozialtheoretischen Überlegungen zu historischer Sinn- und Identitätsbildung auseinanderzusetzen.[67] Erinnerungsorte wären dann als Topoi zu verstehen, anhand derer bestimmte Narrative über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und damit kollektive Erfahrungs- und Erwartungshorizonte etabliert und verhandelt werden.

Kämpfe ums öffentliche Geschichtsbild – Beim „10. Gedenkmarsch zur Erinnerung an die afrikanischen Opfer von Versklavung, Kolonialismus und rassistischer Gewalt“ im Februar 2016 skandalisieren Aktivist/innen die Marginalisierung der Kolonialvergangenheit und prangern koloniale und rassistische Kontinuitäten an. Unter anderem fordern sie die Umbenennung der Mohrenstraße im Berliner Zentrum. Foto: Thorsten Strasas © mit freundlicher Genehmigung
Kämpfe ums öffentliche Geschichtsbild – Beim „10. Gedenkmarsch zur Erinnerung an die afrikanischen Opfer von Versklavung, Kolonialismus und rassistischer Gewalt“ im Februar 2016 skandalisieren Aktivist/innen die Marginalisierung der Kolonialvergangenheit und prangern koloniale und rassistische Kontinuitäten an. Unter anderem fordern sie die Umbenennung der Mohrenstraße im Berliner Zentrum. Foto: Thorsten Strasas © mit freundlicher Genehmigung


Um der in den konzeptionellen Überlegungen des deutsch-polnischen Projekts ja explizit benannten Komplexität und Dynamik moderner Gesellschaften Rechnung zu tragen, wäre es zweitens ratsam, dem Erinnerungsorte-Paradigma einen poststrukturalistischen Gesellschaftsbegriff zugrunde zu legen.[68] Gesellschaft wird dort nicht als positive Totalität (oder gar „Gemeinschaft”) gedacht, sondern als prinzipiell offene Struktur, die sich permanent in mal mehr, mal weniger konflikthaften Prozessen der Um- und Neuordnung befindet. Erinnerungsorte wären dann als Momente der normativen Ordnung von historischem Sinn zu fassen.

Will man, wie es in den aktuellen Überlegungen zum Erinnerungsorte-Paradigma anklingt, den Forschungsansatz diskursanalytisch reformulieren, wäre drittens die Machtförmigkeit gedächtniskultureller Aushandlungsprozesse konzeptionell stärker zu akzentuieren.[69] Diese wären dann immer auch als anhaltende Kämpfe um soziopolitische Deutungsmacht zu benennen, die anhand von Erinnerungsorten genauer untersucht und beschrieben werden können.


Empfohlene Literatur zum Thema

Carrier, Peter, Pierre Noras Les Lieux de mémoire als Diagnose und Symptom des zeitgenössischen Erinnerungskultes, Gerald Echterhoff/Martin Saar (Hrsg.), Kontexte und Kulturen des Erinnerns. Maurice Halbwachs und das Paradigma des kollektiven Gedächtnisses, Konstanz 2002 
Englund, Steven, The Ghost of Nation Past. Les Lieux de mémoire, part 1. La République, part 2. La Nation by Pierre Nora, in: The Journal of Modern History 64, 2, 1992, S. 299-320 
Kończal, Kornelia, Erinnerungsorte: Über die Karriere eines folgenreiches Konzepts, Hans Henning Hahn/Robert Traba (Hrsg.): Deutsch-Polnische Erinnerungsorte ; 4 : Reflexionen, volume 4, Paderborn 2013 
Kreis, Georg, Pierre Nora besser verstehen – und kritisieren, ders., Schweizer Erinnerungsorte. Aus dem Speicher der Swissness, Zürich 2010 
Majerus, Benoȋt, The „lieux de mémoire“: a Place of Remembrance for European Historians?, Stefan Berger/Joana Seiffert (Hrsg.), Erinnerungsorte: Chancen, Grenzen und Perspektiven eines Erfolgskonzepts in den Kulturwissenschaften, Essen 2014 
Tai, Hue-Tam Ho, Review Essay - Remembered Realms: Pierre Nora and French National Memory, in: The American Historical Review 106, 3, 2001, S. 906-922 
Zitation
Cornelia Siebeck, Erinnerungsorte, Lieux de Mémoire (Werkstatt-Version), in: Docupedia-Zeitgeschichte, 18.12.2017, 02:00 Uhr, URL dieser Version: http://docupedia.de/zg/Werkstatt:Siebeck_erinnerungsorte_v1_de_2017?oldid=122932

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Cornelia Siebeck



























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  1. Vgl. Etienne François/Hagen Schulze (Hrsg.), Deutsche Erinnerungsorte, 3 Bde., München 2001; Carsten Fleischhauer/Guntram Turkowski (Hrsg.), Schleswig-Holsteinische Erinnerungsorte, Heide 2006; Elke Stein-Hölkeskamp/Karl-Joachim Hölkeskamp (Hrsg.), Erinnerungsorte der Antike, 2 Bde., München 2006-2010; Jürgen Zimmerer (Hrsg.), Kein Platz an der Sonne. Erinnerungsorte der deutschen Kolonialgeschichte, Frankfurt a.M. 2013; Martin Sabrow (Hrsg.), Erinnerungsorte der DDR, München 2009; Pim den Boer u.a. (Hrsg.), Europäische Erinnerungsorte, 3 Bde., München 2012; Hans Henning Hahn [Bd. 1-4], Robert Traba [Bd. 1-5], Peter Oliver Loew [Bd. 5] (Hrsg.), Deutsch-Polnische Erinnerungsorte, 5 Bde., Paderborn 2012-2015; Frank Uekötter (Hrsg.), Ökologische Erinnerungsorte, Göttingen u.a. 2014.
  2. In diesem Sinne schlug Nora selbst für eine Übersetzung des Terminus lieux de mémoire ins Deutsche Begriffe wie „Herde, Knoten, Kreuzungen, [...] Erinnerungsbojen“ vor; vgl. ders., Nachwort, in: François/Schulze (Hrsg.), Deutsche Erinnerungsorte, Bd. III, S. 681-688, hier S. 685.
  3. Das betonte auch bereits Pierre Nora, vgl. ders., From Lieux de mémoire to Realms of Memory. Preface to the English-Language Edition, in: ders./Lawrence D. Kritzman (Hrsg.), Realms of Memory. Rethinking the French Past, New York 1996, S. XV-XXIV, hier S. XVIIf, online unter http://faculty.smu.edu/bwheeler/Joan_of_Arc/OLR/03_PierreNora_LieuxdeMemoire.pdf (10.2.2017).
  4. Für eine ausführlichere Darstellung vgl. Tilmann Robbe, Historische Forschung und Geschichtsvermittlung. Erinnerungsorte in der deutschsprachigen Geschichtswissenschaft, Göttingen 2009, S. 81ff.
  5. Vgl. Richard C. Holbrook, Pierre Nora (1931-), in: Philip Daileader/Philip Whalen (Hrsg.), French Historians 1900-2000. New Historical Writing in Twentieth-Century France, Malden u.a. 2010, S. 444-460; Etienne François, Pierre Nora und die „Lieux de mémoire“, in: Pierre Nora (Hrsg.), Erinnerungsorte Frankreichs, München 2005, S. 7-14, hier S. 10f.; Perry Anderson, The New Old World, London/New York 2009, S. 153ff.
  6. Vgl. Pierre Nora (Hrsg.), Les lieux de mémoire, 7 Bde., Paris 1984-1994: I. La République (1984); II. La Nation, 3 Bde. (1986); III. Les France, 3 Bde. (1993).
  7. Vgl. ders., Zwischen Geschichte und Gedächtnis. Die Gedächtnisorte (frz. 1984), in: ders., Zwischen Geschichte und Gedächtnis, Frankfurt a.M. 1998, S. 11-42; ders., Wie läßt sich heute eine Geschichte Frankreichs schreiben? (frz. 1993), in: ders. (Hrsg.), Erinnerungsorte Frankreichs, München 2005, S. 15-23; ders., Das Zeitalter des Gedenkens (frz. 1993), in: ebd., S. 543-557; ders., Das Abenteuer der Lieux de mémoire, in: Etienne François/Hannes Siegrist/Jakob Vogel (Hrsg.), Nation und Emotion. Deutschland und Frankreich im Vergleich, 19. und 20. Jahrhundert, Göttingen 1995, S. 83-91; ders., From Lieux de mémoire to Realms of Memory.
  8. Insbesondere Noras erster Aufsatz zu den lieux de mémoire („Zwischen Geschichte und Gedächtnis“, frz. 1984) ist dabei von einer klassisch antimodernen Rhetorik der „Zersetzung“ organischer Gemeinschaften durch moderne Vergesellschaftung geprägt. Zu Noras „modernistischer Melancholie“ vgl. v.a. Bill Schwarz, Memory, Temporality, Modernity. Les lieux de mémoire, in: Susannah Radstone/ders. (Hrsg.), Memory. Histories, Theories, Debates, New York 2010, S. 41-58. Allerdings ist hier im Laufe der Jahre eine Verschiebung zu beobachten: Beklagte Nora zunächst den Erinnerungsverlust, konstatierte er schließlich ein Übermaß an Erinnerung, vgl. Robbe, Historische Forschung, S. 90ff., 110f.
  9. Nora, Geschichte und Gedächtnis, S. 11, 40.
  10. Ders., From Lieux de mémoire to Realms of Memory, S. XVII (übersetzt aus dem Englischen von C.S.).
  11. Nora, Geschichte Frankreichs, S. 16; vgl. ders., From Lieux de mémoire to Realms of Memory, S. XXIV.
  12. Peter Carrier, Pierre Noras Les Lieux de mémoire als Diagnose und Symptom des zeitgenössischen Erinnerungskultes, in: Gerald Echterhoff/Martin Saar (Hrsg.), Kontexte und Kulturen des Erinnerns. Maurice Halbwachs und das Paradigma des kollektiven Gedächtnisses, Konstanz 2002, S. 141-162.
  13. Vgl. François Hartog, Regimes of Historicity. Presentism and Experiences of Time (frz. 2003), New York 2015, S. 107ff.
  14. Vgl. v.a. Nora, Das Zeitalter des Gedenkens.
  15. Nora, Geschichte Frankreichs, S. 23.
  16. Für eine ausführliche Darstellung dieser Debatten vgl. Klaus Schubert, Nation und Modernität als Mythen. Eine Studie zur politischen Identität der Franzosen, Wiesbaden 2004, S. 317ff.
  17. Vgl. François, Pierre Nora, S. 12; Kornelia Kończal, Erinnerungsorte. Über die Karriere eines folgenreichen Konzepts, in: Hans Henning Hahn/Robert Traba (Hrsg.), Deutsch-Polnische Erinnerungsorte, Bd. 4: Reflexionen, Paderborn 2013, S. 79-106, hier S. 82.
  18. Benoȋt Majerus, The „lieux de mémoire“: A Place of Remembrance for European Historians?, in: Stefan Berger/Joana Seiffert (Hrsg.), Erinnerungsorte: Chancen, Grenzen und Perspektiven eines Erfolgskonzeptes in den Kulturwissenschaften, Essen 2014, S. 117-130, hier S. 117 (übersetzt aus dem Englischen von C.S.), seine Texte auch online unter http://wwwen.uni.lu/recherche/flshase/identites_politiques_societes_espaces_ipse/staff/benoit_majerus/.
  19. Vgl. dazu v.a. die Darstellung in Nora, From Lieux de mémoire to Realms of Memory.
  20. Ebd., S. XXIV (übersetzt aus dem Englischen von C.S.).
  21. Vgl. hierzu nochmals die oben zitierte Definition der lieux de mémoire als „jederart bedeutsame Entität, [...] welche durch menschlichen Willen oder das Werk der Zeit zu einem symbolischen Element innerhalb des kommemorativen Erbes einer wie auch immer gearteten Gemeinschaft geworden ist“. (Hervorh. C.S.).
  22. Dieses unreflektierte „wir“ findet sich auch in anderen Artikeln des Sammelwerks, etwa wenn es heißt: „Alles das feiern wir im Eiffelturm [...].“, vgl. Henri Loyrette, Der Eiffelturm, in: Nora (Hrsg.), Erinnerungsorte Frankreichs, S. 113-133, hier S. 133.
  23. Hue-Tam Ho Tai, Remembered Realms: Pierre Nora and French National Memory, in: American Historical Review 106 (2001), H. 3, S. 906-922, hier S. 918 (übersetzt aus dem Englischen von C.S.); vgl. auch Heidemarie Uhl, Gedächtnis – Konstruktion kollektiver Vergangenheit im sozialen Raum, in: Christina Lutter/Margit Szőllősi-Janze (Hrsg.), Kulturgeschichte. Fragestellungen, Konzepte, Annäherungen, Innsbruck u.a. 2004, S. 139-158, hier S. 149f.
  24. Vgl. Englund, Ghost, S. 315 (übersetzt aus dem Englischen von C.S.). Englund gibt hier zu bedenken, dass ein Historiker, der Konzepte wie „Klasse“, „Klassenkonflikt“ oder „Bourgeoisie“ vergleichbar unkritisch verwenden würde wie Nora und viele Autorinnen und Autoren der lieux de mémoire das Konzept der Nation gebrauchen, heutzutage von niemandem mehr ernst genommen würde, vgl. ebd., S. 31.
  25. Vgl. ebd., S. 317ff. Für eine knappe Einführung in einen denaturalisierenden und dekonstruktivistischen Blick auf Idee und Praxis der „Nation“ vgl. Geoffrey Cubitt, Introduction, in: ders. (Hrsg.), Imagining Nations. Manchester, New York 1998, S. 1-20.
  26. Vgl. z.B. Schwarz, Memory; Perry Anderson, The New Old World, hier v.a. S. 164; Georg Kreis, Pierre Nora besser verstehen – und kritisieren, in: ders., Schweizer Erinnerungsorte. Aus dem Speicher der Swissness, Zürich 2010, S. 327-347, hier v.a. S. 328ff.
  27. Für eine kommentierende Übersicht über die bisherigen nationalen Nachfolgeprojekte vgl. Kończal, Erinnerungsorte; Majerus, The „lieux de mémoire“.
  28. Einzelne Bände wurden mehrfach aufgelegt; 2005 erschien zudem eine einbändige Auswahl, die auch in die Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung aufgenommen wurde. Eine weitere Auswahl wurde 2007 unter dem Titel „Mémoires allemandes“ bei Gallimard in französischer Sprache publiziert.
  29. François/Schulze, Einleitung, in: dies. (Hrsg.), Deutsche Erinnerungsorte, Bd. I, S. 9-24, hier S. 23.
  30. Ebd., S. 21ff. Diese Zurückhaltung wird in den einzelnen Artikeln aber nicht immer durchgehalten. So heißt es etwa im Text zu „Goethe“: „Den Deutschen gilt Goethe mit fast noch größerer Selbstverständlichkeit als Homer den Griechen, Dante den Italienern [...] als ihr größter Dichter“; im Artikel zum „deutschen Wald“: „Denkt man an Wald, so fällt sicherlich jedem von uns sofort die ‚deutsche Eiche‘ ein.“ Dieter Borchmeyer, Goethe, in: ebd., S. 186-206, hier S. 186; Albrecht Lehmann, Der deutsche Wald, in: François/Schulze (Hrsg.), Deutsche Erinnerungsorte, Bd. III, München 2001, S. 187-200, hier S. 191.
  31. François/Schulze: Einleitung, S. 23f.
  32. Ebd., S. 10f.
  33. Vgl. zu diesem „Subtext“ auch Robbe, Historische Forschung, S. 129ff., 138f.
  34. Friedrich Wilhelm Graf, Die Nationalmannschaft der neuen Normalität. Geschichtsreligion, made in Germany: Zum Abschluss der „Deutschen Erinnerungsorte“, in: FAZ, 6.11.2001.
  35. Uhl, Gedächtnis, S. 150f.
  36. Vgl. Emil Brix/Ernst Bruckmüller/Hannes Stekl, Memoria Austriae, 3 Bde., Wien/München 2004/5.
  37. Vgl. dies., Das kulturelle Gedächtnis Österreichs. Eine Einführung, in: Memoria Austriae I: Menschen – Mythen – Zeiten, Wien/München 2004, S. 9-25; hier auch (selbst-)kritische Überlegungen zur Methodik; vgl. dazu auch Robbe, Historische Forschung, S. 216ff.
  38. Vgl. Kreis, Schweizer Erinnerungsorte.
  39. Vgl. ders., Referenzpunkte der nationalen Diskurse, in: ebd., S. 313-326; ders., Pierre Nora besser verstehen.
  40. Für eine ausführlichere Diskussion dieses Transfers und der im Zuge dessen entstandenen Projekte vgl. Majerus, The „lieux de mémoire“; ders., Lieux de mémoire – A European Transfer Story, in: Stefan Berger/Bill Niven (Hrsg.), Writing the History of Memory, London 2014, S. 157-171; Kończal, Erinnerungsorte; für den deutschsprachigen Raum: Robbe, Historische Forschung, S. 145ff.
  41. Pim den Boer/Heinz Duchhardt/Georg Kreis/Wolfgang Schmale (Hrsg.), Europäische Erinnerungsorte, 3 Bde., München 2012; zur Vorgeschichte vgl. auch Robbe, Historische Forschung, S. 171ff.
  42. Dies., Einleitung, in: dies. (Hrsg.), Europäische Erinnerungsorte I. Mythen und Grundbegriffe des europäischen Selbstverständnisses, München 2012, S. 7-12, hier S. 8, 10.
  43. Vgl. Hölkeskamp/Hölkeskamp (Hrsg.), Erinnerungsorte der Antike; ausführlicher dies., Erinnerungsorte (in) der Antike – Programm eines Projekts, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 62 (2011), H. 1-2, S. 37-49.
  44. Vgl. dies., Einleitung: „Erinnerungsorte“. Begriff und Problem, in: dies. (Hrsg.), Erinnerungsorte der Antike. Die römische Welt, München 2006, S. 11-14; vgl. dazu auch Robbe, Historische Forschung, S. 165ff.
  45. Martin Sabrow, Die DDR erinnern, in: ders. (Hrsg.), Erinnerungsorte der DDR, S. 11-27, hier S. 26.
  46. Jürgen Zimmerer, Kolonialismus und kollektive Identität: Erinnerungsorte der deutschen Kolonialgeschichte, in: ders. (Hrsg.), Kein Platz an der Sonne, S. 9-37, hier S. 13.
  47. Martin Langebach/Michael Sturm, Erinnerungsorte der extremen Rechten. Zur Einleitung, in: dies. (Hrsg.), Erinnerungsorte der extremen Rechten, Wiesbaden 2015, S. 7-16, hier S. 12.
  48. Frank Uekötter, Wege zu einer ökologischen Erinnerungskultur, in: ders. (Hrsg.), Ökologische Erinnerungsorte, S. 7-25, hier S. 21.
  49. Zu diesen Entwicklungen vgl. ausführlich Robbe, Historische Forschung; Kończal, Erinnerungsorte.
  50. Vgl. Kreis, Pierre Nora besser verstehen.
  51. Ebd., S. 332.
  52. Ebd., S. 342.
  53. Ebd., S. 334. In seiner eigenen Untersuchung zu „Schweizer Erinnerungsorten“ kommt Kreis indes zu dem Ergebnis, dass „[d]as Wesentliche von Systemen hier eigentlich nicht gegeben“ sei: „Die Beziehungen zwischen den systembildenden Punkten und Stationen haben entweder keine festen Eigenschaften, oder sie bestehen gar nicht.“, ders., Referenzpunkte, S. 322.
  54. Vgl. Hahn/Traba/Loew (Hrsg.), Deutsch-Polnische Erinnerungsorte; zur Konzeption vgl. v.a. Kornelia Kończal, Deutsch-polnische Erinnerungsorte: Wie die deutsch-polnische Beziehungsgeschichte neu konzeptualisiert werden kann, in: Historie. Jahrbuch des Zentrums für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften, Folge 2 (2008/9), S. 119-137; Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften, Reader für Autorinnen und Autoren der Aufsätze über deutsch-polnische Erinnerungsorte, 5. Ausgabe, Berlin 2009 http://www.cbh.pan.pl/images/stories/pliki/pdf/PNMP/2009-10-16_Reader_D_online.pdf (19.02.2017).
  55. Vgl. v.a. Kończal, Deutsch-polnische Erinnerungsorte, S. 120.
  56. Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften, Reader, S. 26.
  57. Kończal, Deutsch-polnische Erinnerungsorte, S. 122.
  58. Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften, Reader, S. 26.
  59. Vgl. ebd., S. 23f., 27f., 30ff.
  60. Ebd., S. 26f.
  61. Vgl. ebd., S. 27; Kończal, Deutsch-polnische Erinnerungsorte, S. 134.
  62. Vgl. etwa Adam Krzemińsky/Damien Thiriet, Warschauer Aufstand. Ruinen der Festung, in: Hahn/Traba (Hrsg.), Deutsch-Polnische Erinnerungsorte, Bd. 2: Geteilt/Gemeinsam, Paderborn 2014, S. 661-694.
  63. Vgl. Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften, Reader.
  64. Vgl. Kończal, Deutsch-polnische Erinnerungsorte, S. 128, 123.
  65. Dieser Begriff taucht im akademischen Diskurs um Erinnerungsorte immer wieder auf. In den konzeptionellen Überlegungen zum deutsch-polnischen Projekt fungiert er als zentrale Kategorie zur Definition untersuchungswürdiger Erinnerungsorte, wobei allerdings unklar bleibt, was damit gemeint ist und wie eine solche „Identitätsrelevanz“ zu bestimmen wäre. Vgl. z.B. Zentrum für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften, Reader, S. 7, 24f.; Kończal, Deutsch-polnische Erinnerungsorte, S. 122, 125.
  66. Eine mangelnde sozialtheoretische Durchdringung zentraler Analysekategorien ist dabei durchaus typisch insbesondere für kulturwissenschaftlich grundierte Gedächtniskonzepte, vgl. Cornelia Siebeck, „In ihrer kulturellen Überlieferung wird eine Gesellschaft sichtbar?“ Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Assmannschen Gedächtnisparadigma, in: René Lehmann/Florian Öchsner/Gerd Sebald (Hrsg.), Formen und Funktionen sozialen Erinnerns. Sozial- und kulturwissenschaftliche Analysen, Berlin/Heidelberg 2013, S. 65-90.
  67. Vgl. etwa Jürgen Straub, Identität, in: Friedrich Jäger/Burkhard Liebsch/Jürgen Straub/Jörn Rüsen (Hrsg.), Handbuch der Kulturwissenschaften, Bd. 1: Grundlagen und Schlüsselbegriffe, Stuttgart 2004, S. 277-303; Jürgen Straub, Geschichten erzählen, Geschichte bilden. Grundzüge einer narrativen Psychologie historischer Sinnbildung, in: ders. (Hrsg.), Erzählung, Identität und historisches Bewusstsein. Die psychologische Konstruktion von Zeit und Geschichte, Frankfurt a.M. 1998, S. 81-169; zu historischer Sinnbildung vgl. z.B. auch Jörn Rüsen, Historik. Theorie der Geschichtswissenschaft, Köln 2013, S. 34ff.
  68. Vgl. einführend Stephan Moebius/Lars Gertenbach, Kritische Totalität oder das Ende der Gesellschaft? Zum Gesellschaftsbegriff des Poststrukturalismus, in: Die Natur der Gesellschaft. Verhandlungen des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Kassel 2006 (CD-ROM), Frankfurt a.M./New York 2008, S. 4130-4137, online unter www.stephanmoebius.de/PoststrukturalismusGesellschaftsbegriff.pdf (19.02.2017).
  69. Hier ließe sich an Oliver Marcharts Entwurf einer diskurs- und hegemonietheoretisch fundierten Gedächtnistheorie anschließen, vgl. ders., Das historisch-politische Gedächtnis. Für eine politische Theorie kollektiver Erinnerung, in: Heidemarie Uhl/Ljiljana Radonić (Hrsg.), Gedächtnis im 21. Jahrhundert. Zur Neuverhandlung eines kulturwissenschaftlichen Leitbegriffs, Bielefeld 2016, S. 43-77.