Bergien geschichte der nachrichtendienste v1 de 2021

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Geheimdienste sind aus der Perspektive der Nachrichtendienstgeschichte / Intelligence History nicht mehr in erster Linie im Zwielicht wirkende Agentenzentralen, die „tote Briefkästen“ betrieben und Geheimtinte entwickelten. Sie sind außenpolitische Akteure und Produzenten von Wissen für Entscheidungsträger*innen. Rüdiger Bergien entwickelt in seinem Beitrag eine Definition dieses Forschungsfelds. Er zeichnet nach, wie sich die wissenschaftliche Beschäftigung mit Nachrichtendiensten seit dem Zweiten Weltkrieg entwickelt hat, wobei die Frage im Mittelpunkt steht, wie zu unterschiedlichen Zeiten überhaupt Einblicke in die Blackbox Nachrichtendienst gewonnen werden konnten. Schließlich stellt er die Schwerpunkte der bisherigen Forschung vor und benennt Desiderate.
Geschichte der Nachrichtendienste / Intelligence History

von Rüdiger Bergien


Einleitung

„James Bond ist tot“:[1] Wenn die frühe Intelligence History der 1980er-Jahre ein Programm hatte, dann bestand es in diesem Satz. Zwar hatten die Bond-Filme, die Romane John le Carrés, die Thriller Tom Clancys Spionage und Spione zu einem der beliebtesten Sujets der Populärkultur gemacht und Millionen Menschen überhaupt erst die Vorstellung vermittelt, dass es eine Schattenwelt der geheimen Dienste gab, die Einfluss auf die internationale Politik ausübte. Doch gerade die massenkulturelle Überwölbung der Geheimdienstwelt, der Umstand, dass Fakten und Fiktionen oft nicht auseinanderzuhalten waren, stand der wissenschaftlichen Erforschung geheimer Dienste lange im Wege. In der akademischen Welt bestand der Konsens „that intelligence [...] is no subject for scholars“.[2]

Das Gegenprogramm, das der britische Historiker Christopher Andrew und andere „Intelligence Scholars“ seit den frühen 1980er-Jahren entwarfen, war auf Seriosität ausgerichtet: Sie erklärten Intelligence zur „missing dimension“ der Geschichte des Kalten Kriegs und setzten viel daran, populäre Phantasien durch Empirie zu ersetzen. Die Leitfrage dieser Gründergeneration der Nachrichtendienstgeschichte – der Begriff wird im Folgenden synonym zu Intelligence History verwendet – richtete sich auf die Rolle, die Geheimdienste in den internationalen Beziehungen spielten. Geheimdienste waren aus dieser Perspektive nicht mehr in erster Linie im Zwielicht wirkende Agentenzentralen, die „tote Briefkästen“ betrieben und Geheimtinte entwickelten. Sie waren außenpolitische Akteure und Produzenten von Wissen für Entscheidungsträger*innen.

Rückblickend war dieser Ansatz, die Beschäftigung mit Nachrichtendiensten zu akademisieren, außerordentlich erfolgreich. „The literature on intelligence-related matters is now extremely extensive and growing rapidly“,[3] so der Politikwissenschaftler Stuart Farson bereits im Jahre 1989, als die Expansion der Intelligence Studies noch bevorstand. Seit den 1990er-Jahren erfuhren dann beide akademische Felder, die sich mit geheimen Nachrichtendiensten befassen – die stärker interdisziplinär geprägten Intelligence Studies und die hier im Vordergrund stehende Intelligence History –, einen bis heute andauernden Aufschwung: Fachzeitschriften[4] und Fachverbände[5] wurden gegründet, die Zahl von referierten Artikeln und Qualifikationsschriften nahm ebenso stetig zu wie das einschlägige Lehrangebot an den Universitäten – zumindest außerhalb des deutschsprachigen Raums.[6] Doch selbst für Deutschland, wo ein einschlägiges Promotionsthema in den 2000er-Jahren noch als Karrierehindernis beschrieben werden konnte,[7] wird inzwischen ein „Boom“ der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Nachrichtendiensten diagnostiziert.[8]

Gleichwohl hat diese Expansion der Intelligence-Forschung bisher nur bedingt dazu geführt, dass deren Befunde über die Grenzen der Subdisziplinen – den Intelligence Studies und der Intelligence History – hinaus ausstrahlen. Insbesondere den Intelligence Studies wird immer wieder zugeschrieben, sich in einer „ghetto-like existence“ eingerichtet zu haben, sich einseitig auf die internationalen Beziehungen zu konzentrieren und z.B. die gesellschaftliche und kulturelle Dimension ihres Gegenstands zu vernachlässigen.[9] Analog stehen Intelligence Historians in dem Ruf, sich lieber mit „dem Enttarnen und Überwerben von Doppel- und Tripelagenten“ zu befassen als mit der Frage, wie Intelligence politische Entscheidungen beeinflusste[10] bzw. wie sich die politische Kultur einer Gesellschaft in den Strukturen und Praktiken ihrer geheimen Dienste ausdrückte.[11]

Hinzu kommt, dass die akademische Erforschung von Nachrichtendiensten gerade in den angloamerikanischen Ländern lange vor allem durch ehemalige (und aktive) Angehörige der Nachrichtendienste betrieben wurde. Diese aber gehen häufiger von den Problemen aus, mit denen sie als „Praktiker“ konfrontiert waren, als von den übergeordneten Fragestellungen der sozialwissenschaftlichen oder historischen Forschung. Die „Marginalisierung“ ihrer Disziplin, über die Intelligence-Forscher*innen immer wieder klagen,[12] erscheint vor diesem Hintergrund denn auch stärker als Ergebnis eigener Selbstbeschränkungen denn als Diskriminierung von außen.

Seit einigen Jahren wird indes innerhalb und außerhalb der Intelligence Studies vermehrt gefordert, stärker nach den Schnittflächen zwischen Nachrichtendiensten, Politik und Gesellschaft zu fragen. So plädiert etwa der britische „Intelligence Scholar“ Simon Willmetts dafür, geheime Nachrichtendienste weniger als autarke Akteure zu verstehen, als Behörden „sui generis“, denn als Organisationen, die durch ihre kulturellen Kontexte geprägt sind und mit Politik und Gesellschaft interagieren.[13] Weiterführend erscheint ferner, Intelligence History nicht auf die Geschichte eines bestimmten – westlichen bzw. angloamerikanischen – Modells geheimer Dienste zu beschränken. Stattdessen sollte die Subdisziplin alle Formen geheimer Wissensproduktion bzw. verdeckter Einflussnahme auf Staaten und Gruppen einbeziehen, unabhängig davon, ob es sich bei dem Akteur um einen westlichen Nachrichtendienst, eine kommunistische Geheimpolizei oder auch um einen privatwirtschaftlichen Nachrichtendienst handelt.[14]

Dabei steht außer Frage, dass die geheimdienstliche Praxis in Diktaturen anders aussah (und aussieht) als in Demokratien, dass z.B. die kommunistischen Geheimpolizeien des Kalten Kriegs in erster Linie Repressions- und Machtsicherungsorgane darstellten und dann erst als Wissensproduzenten verstanden werden können. Umgekehrt bringt eine Abgrenzung des Gegenstands, die allein vom Kriterium des politischen Systems ausgeht, die Gefahr mit sich, Erkenntnispotenzial zu verspielen. Dieses kann etwa darin liegen, zu erkennen, dass auf klandestine Aktivitäten spezialisierte Behörden Strukturmerkmale moderner Staatlichkeit darstellen. Die Frage, in welchem Maße Praktiken, Organisationskulturen und kollektive Dispositionen in derartigen durch Geheimhaltung und Abschottung geprägten Behörden systemübergreifend Analogien aufwiesen, könnte einen Beitrag der Intelligence History z.B. zu einer stärker Ost und West integrierenden Geschichte des Kalten Kriegs darstellen, die in den Cold War Studies nach wie vor als Desiderat gehandelt wird.

In der gegenwärtigen Erforschung der Nachrichtendienstgeschichte sind jedoch Ansätze rar, die Intelligence konsequent historisieren, die das Augenmerk auf den kulturellen und gesellschaftlichen Kontext sowie auf Analogien und Divergenzen legen, die im internationalen Vergleich von Diensten sichtbar werden. Eher haben wir es mit einem Nebeneinander von nationalgeschichtlich ausgerichteten Intelligence- oder Secret Service-Histories zu tun als mit einer Disziplin, die jenseits der nationalen Kontexte von ähnlichen Prämissen und Leitfragen ausgeht. Vor diesem Hintergrund soll der vorliegende Beitrag auch einige dieser Analogien und Differenzen benennen und darüber hinaus vor allem als eine Orientierungshilfe in der gegenwärtigen „Sattelzeit der Geheimdienstgeschichte“[15] dienen.

Der Beitrag entwickelt erstens eine Definition des Forschungsfelds und fragt nach dessen angemessener Bezeichnung. Zweitens wird nachgezeichnet, wie sich die wissenschaftliche Beschäftigung mit Nachrichtendiensten seit dem Zweiten Weltkrieg entwickelt hat, wobei die Frage im Mittelpunkt steht, wie zu unterschiedlichen Zeiten überhaupt Einblicke in die Blackbox Nachrichtendienst gewonnen werden konnten. Drittens werden die Schwerpunkte der bisherigen Forschung vorgestellt und Forschungsdesiderate benannt.


Gegenstand der Intelligence History

Spionage, verstanden als Beschaffung geheimen Wissens für Entscheidungsträger*innen, ist als Praxis bereits für die frühen Hochkulturen überliefert.[16] In der Renaissance kam es zu Ansätzen einer Institutionalisierung der Spionage, etwa durch den berühmten „spymaster“ der englischen Königin Elizabeth I., Sir Francis Walsingham.[17] Der Übergang von „espionage to intelligence“, also von der reinen Informationsbeschaffung hin zu einer systematischen, bürokratisch organisierten Wissensproduktion, erfolgte im 19. Jahrhundert. Es entstand ein neuer Typ von Behörde, die in erster Linie dem Ziel diente, Wissen über innere und äußere Gegner zu gewinnen,[18] wobei die Wurzeln teils im Rahmen des militärischen Generalstabssystems, teils innerhalb jener politischen Polizeien lagen, die in Kontinentaleuropa als Instrumente gegen den anarchistischen Terror und gegen sozialrevolutionäre Bewegungen ausgebaut wurden.

In den beiden Weltkriegen erfuhren diese frühen Geheimdienstapparate jeweils einen starken Ausbau. Über die Informationsbeschaffung hinaus entwickelten sich die „verdeckten Operationen“ – von Desinformationskampagnen bis hin zu Attentaten – zu einem zentralen Aufgabenfeld von Kriegsgeheimdiensten wie dem US-amerikanischen OSS (Office of Strategic Services), das auch deren zivilen Nachfolgediensten erhalten blieb.[19] Als weitere Triebkraft für die Expansion des Intelligence-Bereichs erwies sich die „Informationsrevolution“, die mit der Technisierung der Kriegführung einherging. So arbeiteten 1944 mehr als 10.000 Personen für Bletchley Park (B.P.), die zentrale militärische, von der Government Code and Cypher School (GC&CS) betriebene, „Codebreaking“-Einrichtung des Vereinigten Königreichs, die für die Entschlüsselung und Auswertung des feindlichen Funk- und Fernschreibverkehrs zuständig war.[20]

Zur eigentlichen Blütezeit der Geheimdienste und Geheimpolizeien wurde dann freilich der Kalte Krieg. Die Furcht vor einer nuklearen Eskalation machte das Ziel, mögliche Angriffsabsichten des Gegners frühzeitig zu erkennen, in Ost und West zu dem sicherheitspolitischen Primat. Dieses Ziel stellte die wichtigste Triebkraft für die starke Expansion und Technisierung der Nachrichtendienste bis hin zur satellitengestützten Aufklärung dar. Hinzu kamen, wiederum beiderseits des „Eisernen Vorhangs“, „Subversionsphobien“,[21] kollektive Ängste vor einer gegnerischen Unterwanderung, welche die Spionageabwehrapparate anschwellen ließen. In Zahlen ausgedrückt: In Westdeutschland vergrößerte sich der Gehlen-Dienst – ab 1956: der Bundesnachrichtendienst – von etwa 1000 Mitarbeiter*innen im Jahre 1950 auf knapp 7000 um 1970; die diversen US-Dienste beschäftigten in den 1970er-Jahren nicht weniger als 200.000 Personen als hauptamtliche Mitarbeiter;[22] in der Sowjetunion waren allein für den KGB in den 1970er- und1980er-Jahren mehrere Hunderttausend hauptamtliche Mitarbeiter tätig, zu denen noch, Schätzungen zufolge, bis zu 2,9 Millionen Spitzel hinzukamen.

Dieses rapide Wachstum in den Jahrzehnten nach 1945 mag illustrieren, dass die Nachrichtendienstgeschichte – etwa im Vergleich zur Militärgeschichte – einen „jungen“ Gegenstand behandelt, dessen Konturen sich unter dem Einfluss neuer Bedrohungsszenarien zudem noch fortlaufend wandelten (und dies weiterhin tun). Als junge Disziplin, die einen „jungen“ Gegenstand behandelte, waren gerade die Intelligence Studies lange mit Definitionsdebatten beschäftigt.


Auslandsaufklärung westlicher Dienste oder Produktion geheimen Staatswissens?

Dabei korrespondierte die Intensität der Debatten mit der semantischen Breite des englischen Begriffs „intelligence“, der, seit dem 16. Jahrhundert als Synonym für Spionage verwendet, „Information“, „Informationsbeschaffung“ wie auch Berichte und Analysen bezeichnen kann.[23] Umstritten war etwa die Frage, ob Gegenstand der Intelligence Studies in erster Linie die nachrichtendienstliche Wissensproduktion sein solle oder ob Gegenspionage und verdeckte Operationen gleichrangig einzubeziehen seien. Jeweils mitverhandelt wurde hier das Problem, ob geheime Nachrichtendienste im Westen als Teil des „civil state“ gelten können oder ob sie grundsätzlich eine irreguläre Dimension aufweisen, die mit ziviler Staatlichkeit schwer vereinbar bleibt.[24] Zuletzt sind diese Debatten etwas abgeflaut; den erreichten Konsens drückt etwa eine Definition Michael Warners aus, der Intelligence als „secret state activity to understand or influence foreign entities“ fasst.[25]

Für die historische Forschung sind trennscharfe Definitionen meist weniger entscheidend. Doch einen Minimalkonsens darüber, was unter einem bestimmten Gegenstand gefasst werden soll, benötigen auch Historiker*innen. Doch der scheint im Falle der Intelligence History derzeit nur eingeschränkt zu bestehen. Das betrifft etwa die Schwerpunktsetzung auf die Auslandsaufklärung, die in der Definition Warners anklingt und die der britische Intelligence-Forscher Michael Herman prägnant mit dem Satz begründet: „Intelligence is about them, not us.“[26] Aus der Perspektive politischer Kulturen maritimer Mächte mit globalen Interessen – der USA und Großbritanniens – mag dieser Satz intuitiv plausibel erscheinen. Für viele kontinental-europäische Forscherinnen und Forscher steht er jedoch in einem Kontrast zu den eigenen historischen Erfahrungen mit Geheimdiensten.

In Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und anderen Ländern des Kontinents war im 20. Jahrhundert Geheimdiensttätigkeit oft stärker mit Inlandsspionage und -überwachung als mit Auslandsaufklärung verknüpft. Auf dem Kontinent reichten gesellschaftliche Polarisierungen vielfach tiefer, und die Gefahr kommunistischer Unterwanderung wurde höher gewichtet als jenseits des Kanals bzw. des Atlantiks; gerade in Frankreich waren seit der Frühen Neuzeit Staatsbildung und der Ausbau von Überwachungskapazitäten eng miteinander verschränkt gewesen.[27] Illustriert wird diese Verknüpfung von Nachrichtendienst- und Repressions- bzw. Überwachungsgeschichte durch die neuere niederländische und französische Geheimdiensthistoriografie, die sich auf die innenpolitische Rolle ihrer nationalen Dienste des ausgehenden 19. und des 20. Jahrhunderts konzentriert.[28] Analog legen mehrere der Publikationen der „Unabhängigen Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes 1945-1968“ (UHK/BND) einen starken Akzent auf die Inlandsspionage des Gehlen-Dienstes.[29]

Unterschiedlich bewerten Historiker*innen auch die Frage, ob die Intelligence History primär auf Dienste beschränkt bleiben sollte, die in demokratischen Systemen angesiedelt waren, oder ob sie – wie oben bereits nahegelegt – auch Geheimdienste und Geheimpolizeien umfasst, die in Diktaturen und autoritären Systemen agierten. Hier stimmten namhafte „Intelligence Scholars“ mit Expert*innen für die Geschichte z.B. kommunistischer Geheimpolizeien darin überein, dass sich letztere von westlicher Intelligence grundegend unterscheiden. Weite Teile der Historiografie der Stasi etwa präsentieren die ostdeutsche Geheimpolizei in erster Linie als Ausdruck des Unrechts-Charakters des DDR-Regimes und fokussieren auf deren mangelnde Bindung an eine „rule of law“; die nachrichtendienstlichen Funktionen des Ministeriums für Staatssicherheit blieben demgegenüber lange unterbelichtet.[30] Analog betont der britische Geheimdiensthistoriker Christopher Andrew, dass man oberflächlichen Analogien aufsitze, wenn man die für die Auslandsspionage zuständige I. Hauptverwaltung des KGB umstandslos als Pendant der CIA betrachte – der Grad an Autonomie innerhalb des politischen Systems, aber auch die Inhalte des produzierten geheimen Wissens unterschieden sich so fundamental, dass vergleichende Perspektiven nicht weit führten.[31]

Nun steht außer Frage, dass die Unterschiede zwischen westlichen Nachrichtendiensten und den Geheimpolizeien der staatssozialistischen Regime – um bei diesem Beispiel zu bleiben – erheblich waren: Westliche Dienste praktizierten weder Staatsterror, noch hatten sie in größerem Umfang an auf physischer Gewalt fußenden Repressionen im Inland teil. Doch bereits mit Blick auf die Gewalt, die geheime Dienste außerhalb der Grenzen des eigenen Staats praktizierten, verschwimmen die Unterschiede, wie nach 2001 die „enhanced interrogation techniques“ der US-Dienste im „war on terror“ zeigen.[32] Auch die in den Intelligence Studies geläufige Prämisse, dass der Grad an Autonomie, den die Dienste innerhalb eines politischen Systems genießen, mit dessen Diktaturcharakter korreliere, stellt sich in historischen Fallstudien nicht immer so deutlich dar. Jedenfalls gibt es an dem Bild von der Stasi als „Staat im Staate“ ebenso begründete Zweifel[33] wie an der Vorstellung, dass eine demokratische Institutionenordnung per se zu einer Einhegung geheimer Dienste führe.[34] Mit Blick auf den Zuschnitt des Forschungsfelds „Nachrichtendienstgeschichte“ stellt sich aber doch die Frage, wie schwer diese Einwände wiegen. Lässt sich nicht jede Abgrenzung eines Forschungsgebiets mit dem Argument hinterfragen, dass es an dieser oder jener Stelle auch Schnittflächen mit benachbarten Subdisziplinen gibt?

Auch wenn letzteres zweifellos zutrifft: Die Frage, welche Dienste von der Intelligence History behandelt werden sollten und welche nicht, berührt deren Anschlussfähigkeit im Rahmen der Zeitgeschichtsforschung. Sie ist daher von übergeordneter Bedeutung. Insofern soll hier zumindest festgehalten werden, dass die Schwerpunktsetzung erstens auf Auslandsaufklärung und zweitens auf Dienste in Demokratien hauptsächlich die Erfahrungen der angloamerikanischen Staaten abbildet. Wenn man es jedoch für sinnvoll hält, der Subdisziplin durch Internationalisierung eine breitere Basis zu geben, dann führt es nicht weit, dabei stehen zu bleiben, die grundsätzlichen Unterschiede zwischen Diensten in Demokratien und Diktaturen zu betonen. Weiterführend für eine stärker international und damit auf Vergleich fußende Intelligence History wäre es demgegenüber, Geheimpolizeien in Diktaturen und Nachrichtendienste in Demokratien als Extreme eines Spektrums von Organisations- und Handlungsformen zu deuten, die auf die Gewinnung (geheimen) Wissens bzw. die Beeinflussung von sozialen Gruppen ausgerichtet sind. Der britische Intelligence-Forscher Philip H.J. Davies fasst die Einheit dieses Organisations- und Handlungsfelds wie folgt: „Intelligence is one of those fields where different governments with [...] different political ideologies, different popular and political cultures [...] have to perform very similar tasks in very similar ways.“[35]

Hier wird davon ausgegangen, dass geheime Dienste und deren Aktivitäten ein Strukturelement moderner Staatlichkeit darstellen. Sichtbar und erforschbar wird diese Ebene indes nur, wenn die Intelligence History oder Nachrichtendienstgeschichte breit und vergleichend angelegt ist. Und nur dann, wenn sie ihren Gegenstand umfassend konzeptionalisieren, können Intelligence Historians auch substanzielle Beiträge zur allgemeinen Zeitgeschichtsforschung leisten, etwa durch eine Untersuchung der Frage, inwiefern der Wandel von Nachrichtendiensten seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert mit dem vielbeschriebenen Wandel von Staatlichkeit korrespondiert.


Geschichte der Intelligence History

Wo auch immer die Grenzen der Intelligence History gezogen werden: Weitgehender Konsens besteht darüber, dass Geheimhaltung einen zentralen Aspekt ihres Gegenstandsbereichs ausmacht. Vor allem der Grad an Geheimhaltung, weniger der Inhalt, unterscheidet die Berichte des diplomatischen Dienstes eines Staats von denen, die in den Residenturen eines Auslandsnachrichtendienstes verfasst wurden. Geheimhaltung bestimmt das „Innenleben“ der Nachrichtendienste ebenso wie ihre Beziehungen zur Außenwelt – was an der auch in westlichen Diensten heute noch üblichen Verwendung von Dienstnamen für hauptamtliche Mitarbeiter*innen sowie an der „Legendierung“ von Dienststellen deutlich wird. Geheimhaltung stellt den gemeinsamen Nenner zwischen so unterschiedlichen nachrichtendienstlichen Handlungsfeldern wie Informationsbeschaffung und aktiver Beeinflussung von Individuen oder Gruppen – den verdeckten Operationen – dar.[36]

Schließlich bestimmt Geheimhaltung auch den Umgang der Dienste mit ihrer eigenen Geschichte. Geheimdienstakten sind kein staatliches Schriftgut wie anderes auch. Sie unterliegen besonderen Sicherheitsvorbehalten und Deklassifizierungsregularien; ihre „operativen Akten“, die also z.B. Informationen über V-Leute und deren Einsätze enthalten, möchten viele Verantwortliche am liebsten dauerhaft dem Zugriff von Historiker*innen entziehen. Dass gerade die streng geheim gehaltenen Akten sehr viel häufiger Banales und Alltägliches als Brisantes und Überraschendes beinhalten und dass „Geheimdienste nur historische Akteure wie andere auch sind“, steht auf einem anderen Blatt.[37]

Stärker als andere historiografische Subdisziplinen ist die Geschichte der Intelligence History zugleich eine Geschichte der Zugriffsmöglichkeiten, die Historiker*innen – oder allgemein gesprochen: Externe – auf die (schriftliche und nichtschriftliche) Überlieferung der Dienste besaßen oder eben nicht hatten und haben. Dabei konnte das Ziel einer totalen Abschottung nach außen, wenn überhaupt, nur zeitweilig durchgesetzt werden. Zu verschmerzen war es aus Sicht der Dienste noch, dass nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg einige ihrer ehemaligen Mitarbeiter von ihren Kriegserlebnissen an der „geheimen Front“ berichten wollten – wie das Tausende von „normalen“ Veteranen auch taten. Im günstigsten Fall ließen sich diese Erinnerungen aus dem Geheimdienstkrieg noch für einen retrospektiven Imagegewinn nutzen: wie die 1954 erschienenen Memoiren des Briten Eddie Chapman, der im Zweiten Weltkrieg im Auftrag des britischen Inlandsnachrichtendienstes MI5 die deutsche Abwehr mit falschen Informationen über die Einschlagsorte der V1-Flugkörper beliefert hatte.[38]

Zu einer größeren Herausforderung des Primats der Geheimhaltung wurden jene Enthüllungsbücher, die im „kulturellen Kalten Krieg“ der 1950er- und 1960er-Jahre von gegnerischen Diensten angestoßen worden waren. Ein Beispiel ist die CIA-kritische Schrift „The Cloak and Dollar War“ des vom sowjetischen Geheimdienst gesteuerten australischen Journalisten Gordon Stewart,[39] ein anderes sind die rund 30 Monografien, die der Offizier im besonderen Einsatz (OibE) des MfS unter dem Decknamen Julius Mader in den 1960er-, 1970er- und 1980er-Jahren über westliche Geheimdienste verfasste, von denen mehrere Millionen Exemplare gedruckt wurden.[40] Durch ihre Kombination von Fakten, die auf nachrichtendienstlichen Erkenntnissen fußten, Halbwahrheiten und Lügen stellten die Bücher Stewarts, Maders und anderer für westliche Dienste eine Bedrohung dar.

Ebenso wie die Memoiren, die ehemalige Agenten über ihre Zeit im „Dienst des Gegners“ verfassten, trugen diese Enthüllungsschriften dazu bei, dass CIA, MI6, BND und Co. mit einer Eigengeschichtsschreibung begannen, um der gegnerischen „Desinformation“ etwas entgegenhalten zu können.[41] Die Einsicht war geboren, dass die öffentliche Wahrnehmung der Dienste deren Handlungsmöglichkeiten beeinflusste und es von daher sinnvoll sei, auf diese Wahrnehmungen Einfluss zu nehmen.


Von der „era of distrust“ zur „era of declassification“

Tatsächlich waren es vor allem gesellschaftliche Transparenzforderungen, die in vielen westlichen Staaten mittelfristig zu einem offeneren Umgang mit „geheimer Geschichte“ führten. Besonders prägend für die Intelligence History war die Entwicklung in den USA. Hier war es seit den ausgehenden 1960er-Jahren zu einer Reihe von Enthüllungen über illegale bzw. irreguläre Aktivitäten der US-Dienste gekommen.[42] Das Spektrum dieser Aktionen reichte von Planungen für Attentate auf ausländische Staatsoberhäupter wie Fidel Castro bis zum „spying on Americans“, das dem Auslandsnachrichtendienst CIA strikt verboten war. Im Jahre 1974 – dem in den USA sogenannten „year of intelligence“ – befassten sich, unter großer Anteilnahme der US-amerikanischen Öffentlichkeit, nicht weniger als drei Untersuchungsausschüsse auf Bundesebene mit diesen Verfehlungen. Diese Ausschüsse – von denen der Sonderausschuss des US-Senats unter dem demokratischen Politiker Frank Church am bekanntesten wurde – gaben nicht nur umfassende Untersuchungsberichte frei,[43] sie veröffentlichten auch Tausende von Seiten vormals klassifizierter Dokumente. Erstmals stand damit eine substanzielle empirische Basis für die Erforschung zeitgenössischer geheimer Nachrichtendienste offen zur Verfügung.

Die „Iran-Contra-Affäre“, der nach landläufiger Ansicht bis heute größte Intelligence-Skandal in den USA überhaupt,[44] führte ab 1986 zu einer neuen Welle der öffentlichen Empörung über den US-„secret state“. Mit der weltpolitischen Zäsur von 1989/91 schien die Zeit gekommen, den Forderungen nach größerer Transparenz im Geiste von „open government“ entgegenzukommen. Im April 1995 unterzeichnete Präsident Bill Clinton eine „executive order“, der zufolge alle klassifizierten Regierungs-Dokumente automatisch bereits nach 25 Jahren freizugeben seien, wenn nicht Sicherheitsbedenken geltend gemacht würden. Erstmals war damit die Geheimhaltung begründungsbedürftig geworden; die Deklassifizierung sollte die Norm darstellen.

Seitdem haben die US-Dienste Zehntausende vormals geheimer Dokumente freigegeben, am weitesten ging hier die CIA, die ihren historischen „electronic reading room“ mit zwölf Millionen deklassifizierten Dokumentenseiten als „CREST database“ 2017 komplett online stellte.[45] Hinzu kommen weitere Datenbanken, die sich aus Deklassifizierungen u.a. auf Basis des Freedom of Information Act speisen, so die Datenbank U.S. Declassified Documents Online[46] und das Digital National Security Archive.[47] Zusammen mit den wohl Hunderten von Regalmetern von einschlägigen Akten, die u.a. in den National Archives in College Park und den Presidential Libraries der seit 1945 amtierenden US-Präsidenten zugänglich gemacht worden sind,[48] hat allein die „era of declassification“ der USA die Voraussetzungen für Intelligence History im Wortsinne revolutioniert.

Auch in Großbritannien standen die 1990er-Jahre im Zeichen von „open government“, und auch hier kam es zu einer systematischen Freigabe von Geheimdienstakten und einem „tsunami of declassified material“:[49] Viele tausend einstmals streng geheime Akten insbesondere des Inlandsdienstes MI5, in geringerem Maße auch des Auslandsnachrichtendienstes MI6 und des für die Technische Aufklärung zuständigen Government Communications Headquarters (GCHQ), wurden in das Public Record Office überführt.[50] Der Weg bis zu diesem Punkt war freilich anders verlaufen als in den USA: nicht über den Druck, den öffentliche Transparenzforderungen und parlamentarische Untersuchungsausschüsse ausgeübt hatten, sondern über ein aktives Informationsmanagement seitens der Regierung in Gestalt eines „official history“-Projekts.[51]

Ende der 1960er-Jahre hatte die britische „Intelligence Community“ unter starkem öffentlichen Druck gestanden; gerade waren die Erinnerungen des ehemaligen MI6-Mitarbeiters Kim Philby erschienen, der jahrzehntelang für den sowjetischen Geheimdienst gearbeitet und 1963 in die Sowjetunion übergelaufen war. In dieser Situation beauftragte Whitehall den Historiker Harry Hinsley, eine Geschichte der „British Intelligence in the Second World War“ zu erarbeiten, für die Hinsley auf die interne Überlieferung zugreifen konnte. Der Erfolg war durchschlagend: Die ab 1979 erschienenen Bände Hinsleys – sowie vor allem auch die bereits 1974 erschienenen Erinnerungen Frederick Winterbothams über die Arbeit der britischen Codebreaker in Bletchley Park – lenkten die öffentliche Aufmerksamkeit von den Widrigkeiten der Gegenwart auf eine glorreiche Vergangenheit: auf den bis dahin noch weitgehend unbekannten „geheimen Krieg“ der Jahre 1939 bis 1945. Auf diese staatlicherseits initiierten Enthüllungen folgte in den 1980er-Jahren in den angloamerikanischen Ländern eine Flut von Intelligence-Literatur zum Zweiten Weltkrieg. Bereits vor 1989 führte diese zu immer drängenderen Appellen von Historiker*innen, nun endlich auch für die Jahrzehnte nach 1945 Intelligence als „missing dimension“ der internationalen Politik in den Blick zu nehmen.[52]

In den kontinentaleuropäischen Historiografien, etwa in Frankreich und der Bundesrepublik, fand zunächst weder die Erforschung des Geheimdienstkriegs zwischen 1939 und 1945 ein vernehmbares Echo[53] noch der ab 1989/90 einsetzende Run auf die Nachrichtendienstgeschichte des Kalten Kriegs. Die deutsche Zeitgeschichtsforschung stand in den 1990er-Jahren im Bann der Überlieferung des untergegangenen ostdeutschen Staats und hier nicht zuletzt dessen Staatssicherheitsdienstes. Dabei wurden diese Akten, in Deutschland wie in dessen ostmitteleuropäischen Nachbarländern, zunächst als Zugänge zur Diktatur- und Repressionsgeschichte bis 1989/90 wahrgenommen.[54] Im Laufe der 1990er-Jahre aber wurden die ehemaligen Geheimdienste zunehmend auch in ihrer nachrichtendienstlichen Funktion erforscht, etwa mit Blick auf das bis dahin unterschätzte Ausmaß von verdeckter Einflussnahme östlicher Dienste auf westliche Gesellschaften.[55] Seit den ausgehenden 1990er-Jahren werden die Akten der kommunistischen Geheimdienste zunehmend auch als Quellen herangezogen, aus denen sich Operationen westlicher Dienste erschließen lassen, beispielsweise die Wissenschaftsspionage der CIA und des MI6 in der frühen DDR.[56]

Die Öffnung der Archive der kommunistischen Staatssicherheitsdienste führte zu einer erheblichen Verbreiterung der empirischen Basis der Intelligence History des Kalten Kriegs. Allerdings blieb die anfängliche Euphorie der Forscher*innen nicht ungetrübt. Gerade in Bezug auf die Auslandsaufklärung der östlichen Geheimdienste waren die Aktenverluste groß, hier waren, nicht nur bei der Stasi, noch in letzter Minute wohl Tausende von Akten geschreddert worden.[57] Zudem ist die weitgehende Öffnung der Überlieferung des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit für die historische Forschung ein Sonderfall.[58] Die Akten der meisten „Bruderdienste“ des MfS sind nur mit Einschränkungen einsehbar,[59] die der sowjetischen Dienste KGB und GRU so gut wie gar nicht. Zentrale Quellen der Geschichte dieser Dienste sind nach wie vor Parallelüberlieferungen z.B. des KPdSU-Parteiapparats oder Erinnerungen ehemaliger KGB- und GRU-Mitarbeiter.[60] Bezeichnend für den Forschungsstand ist, dass zwei Bände, die der britische Geheimdiensthistoriker Christopher Andrew gemeinsam mit dem Ex-KGB-Mitarbeiter Vasili Mitrokhin Ende der 1990er-Jahre herausgebracht hat,[61] noch immer eine zentrale Referenz der KGB-Historiografie darstellen.[62]


Der „deutsche Weg“ in die Nachrichtendienstgeschichte

Dieser eher dürftige Forschungsstand über den zentralen Dienst des Kalten Kriegs und des sowjetischen Imperiums wirkte in den frühen 2000er-Jahren jedoch immer noch dicht, verglichen mit Kenntnissen, die über andere Nachrichtendienste außerhalb der USA und Großbritanniens vorhanden waren. Denn die „era of declassification“ war zunächst eine rein angloamerikanische Veranstaltung gewesen. Die meisten kontinentaleuropäischen Dienste – ganz zu schweigen von den lateinamerikanischen, den nah- und fernöstlichen Diensten – hielten ihre Unterlagen weiter unter Verschluss. Dass in Deutschland dennoch seit etwa 2010 in zunehmendem Maße Geheimdienstakten zugänglich wurden, hatte denn auch nur mittelbar mit der „open government“-Politik der USA bzw. Großbritanniens zu tun. Wichtiger war der vergangenheitspolitische Diskurs in der Bundesrepublik der 1990er- und 2000er-Jahre, der der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit höchste Priorität beimaß.

Die etwa 2005 einsetzende sogenannte Behördenforschung ist Ausdruck dieses Geschichtsdiskurses. Ihr Ziel war die Erforschung von mentalen und biografischen NS-Kontinuitäten in den Ministerien und Behörden der frühen Bundesrepublik.[63] Auch die Historikerkommissionen, die sich, 2010 bzw. 2011 eingerichtet, der Frühgeschichte des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) und des Bundesnachrichtendienstes (BND) widmeten, hatten zunächst vor allem diese Kontinuitätsfrage im Blick. Sie entwickelten jedoch darüber hinaus auch ein Interesse an der Rolle und Funktionsweise von Verfassungsschutz und Gehlen-Dienst als geheime Nachrichtendienste – die Studie über den Militärischen Abschirmdienst, den MAD, war von Beginn an umfassender, als eine Gesamtdarstellung der Geschichte des „dritten“ westdeutschen Nachrichtendienstes während des Kalten Kriegs angelegt.[64]

Diese breite Auslegung des Aufarbeitungsauftrags bescherte der deutschen Zeitgeschichtsforschung nicht nur mittlerweile mehr als ein Dutzend voluminöse Monografien, die die Frühgeschichten des BfV und, vor allem, des Gehlen-Dienstes, umfassend analysieren und kontextualisieren: als Teil der Geschichte der frühen Bundesrepublik.[65] Sie führte auch zu einer gewissen Aufwertung der Nachrichtendienstgeschichte, da mit der Einrichtung der Kommissionen durch die Bundesregierung eine ganze Reihe renommierter Zeithistoriker*innen nun mit der bis dahin als exotisch wahrgenommenen Nachrichtendienstgeschichte befasst war – Panels zur Intelligence History auf deutschen Historikertagen bezeugen diese Aufwertung ebenso wie Drittmittelprojekte, die an die Arbeit der Kommissionen anschlossen.

Freilich scheint im deutschen Fall noch nicht ausgemacht zu sein, inwiefern die zeithistorische Forschung auch mittelfristig von einem offeneren Umgang mit geheimer Geschichte profitieren wird. Zwar haben das BfV und der BND im Zusammenhang mit den Projekten Teile ihrer Überlieferungen an das Bundesarchiv in Koblenz abgegeben; der BND öffnete sogar sein internes Archiv für externe Nutzer*innen. Doch in ihren Entscheidungen darüber, welche Akten freigegeben werden und welche nicht, sind die zuständigen Stellen der Dienste nach wie vor recht autonom. So kann es dazu kommen, dass über 70 Jahre alte V-Leute-Akten auch dann nicht für externe Historiker*innen freigegeben werden, wenn sie von den jeweiligen Historikerkommissionen für ihre Studien bereits verwendet worden sind.[66] Eine Prämisse wissenschaftlicher Arbeit – die Nachprüfbarkeit der Ergebnisse – ist somit mit Blick auf die Publikationen der Kommissionen für die BND- und BfV-Geschichte nur eingeschränkt gegeben.

Ähnliches gilt für die „official histories“ der britischen Dienste: Auch letztere hatten in den 2000er-Jahren renommierte Historiker wie Christopher Andrew mit Gesamtdarstellungen ihrer Geschichte beauftragt und hierfür vollen Aktenzugriff gewährt, freilich ohne dass die gesichteten Akten anschließend der Allgemeinheit zugänglich gemacht wurden. Das mindert den wissenschaftlichen Wert dieser exzellenten Studien über die Geschichte des MI5,[67] des MI6,[68] des Joint Intelligence Committee[69] und zuletzt des Government Communications Headquarters[70] nicht. Zudem schaffen diese Arbeiten – ähnlich wie die Publikationen der deutschen Historikerkommissionen – eine bis dahin nicht vorhandene organisationsgeschichtliche Basis, von der ausgehend weitergehende Studien externer Historiker*innen auf der Basis von freigegebenen Akten teilweise erst möglich werden. Gleichwohl bleibt die Frage des Aktenzugangs eine zentrale Herausforderung für die Intelligence History. Mittelfristig wird sich diese nur dann als eigenständige Subdisziplin international etablieren können, wenn Aktenzugänge nicht an Privilegierungen durch die Dienste selbst gebunden bleiben.


Forschungsfelder

Die unterschiedlichen Entwicklungen, die die Historiografien geheimer Dienste in ihren jeweiligen nationalen Kontexten genommen haben, fanden in unterschiedlichen Forschungsschwerpunkten und Fragestellungen ihren Ausdruck. Gleichwohl lassen sich auch übergreifende Perspektiven und Forschungsfelder ausmachen. Bei diesen handelt es sich erstens um organisationsgeschichtliche Zugriffe, die auf das „Innenleben“ und die Binnenstrukturen der Dienste ausgerichtet sind. Zweitens geht es um die Handlungsfelder und die Wirkungsweise von geheimen Diensten, also um die Beschaffung und Auswertung von Informationen, um deren Weitergabe in das politische Feld und um die Einflussnahme von Diensten auf soziale Gruppen im Rahmen verdeckter Operationen. Drittens lässt sich die Frage nach dem Verhältnis von Nachrichtendiensten und den sie umgebenden Gesellschaften in zunehmendem Maße als eigenständiges Forschungsfeld betrachten.


Organisationsgeschichtliche Zugriffe

So grundlegend fundierte Geschichten der Organisationsstrukturen und der Personalentwicklung für jede Form der Intelligence History auch wären: Sie sind dünn gesät. Zwar liegt eine ganze Reihe von wissenschaftlichen und semi-wissenschaftlichen Gesamtdarstellungen geheimer Dienste vor, darunter Tim Weiners CIA-Geschichte „Legacy of Ashes“, Matthew M. Aids Geschichte der NSA, Gordon Thomas’ Geschichte des Mossad etc.[71] Doch bei diesen Werken handelt es sich überwiegend um Geschichten der Dienste, die ausgehend von deren Spionageoperationen bzw. von der Außen- und Sicherheitspolitik des jeweiligen Staats erzählt werden. Informationen über interne Strukturen und deren Wandel sind in diesen Werken oft ebenso spärlich wie Aussagen über das Profil der Mitarbeiter*innen und finanzielle Ressourcen, ganz zu schweigen von Perspektiven auf das eigentliche „Innenleben“ der Dienste, auf informale Praktiken sowie die organisationale Kultur.[72]

Dabei ist in Rechnung zu stellen, dass sich dieses Innenleben ohne umfassenden Aktenzugang kaum erschließen lässt. So bietet selbst Richard Aldrichs magistrale Darstellung des britischen SIGINT-Nachrichtendienstes „GCHQ“[73] – die nur auf freigegebenen Akten fußt – lediglich punktuelle Informationen über die Praxis der technischen Aufklärung, also darüber, was Tausende von GCHQ-Angehörigen tagtäglich taten.[74] Demgegenüber zeichnet der „official historian“ Christopher Andrew zumindest en passant nach, wie sich der MI5 von einem militärisch geprägten Männerbund mit starker Verankerung in den „upper classes“ beginnend in den 1970er-Jahren langsam diversifizierte.[75]

Im Falle der Geheimdienste, die in Diktaturen agierten, wurden Forschungen zu Profil und Wirklichkeitsdeutungen der Mitarbeiter nicht zuletzt durch die jüngere Täterforschung inspiriert. Studien zum Führungskorps von Gestapo und SD[76] sind hier ebenso Beispiel wie Analysen von Sozialprofil und Lebenswelten der hauptamtlichen Mitarbeiter des MfS[77] und kollektivbiografische Zugriffe auf KGB-Offiziere.[78] Zumindest indirekt sind auch die neueren Forschungen zum Personalprofil der westdeutschen Nachrichtendienste der 1950er- und 1960er-Jahre noch durch die Frage inspiriert, welche (langfristigen) Folgen die Einbindung in die Repressionsorgane des NS-Regimes haben konnten – auch über den politischen Systemwechsel hinaus.[79] Ein Befund für den frühen BND lautet hier, dass in diesem Ideologeme und Wirklichkeitsdeutungen aus der Zeit vor 1945 gewissermaßen konserviert worden waren – so sprach noch in den frühen 1960er-Jahren ein leitender BND-Mitarbeiter distanziert vom „so genannten Rechtsstaat Bundesrepublik“.[80] Zugleich legen Untersuchungen der frühen CIA nahe, dass geteilte biografische Erfahrungsräume in Kombination mit einer Abschottung nach außen und elitären Selbstbildern unabhängig vom politischen System dazu führen können, dass sich spezifisch geheimdienstliche Organisationskulturen entwickeln.[81]

Einen theoretisch-methodischen Bezugspunkt für die Frage nach der „Kultur“ der geheimen Dienste stellen die Arbeiten des britischen Organisationsforschers Christopher Grey dar. Am Beispiel der britischen „code breaking organisation“ des Zweiten Weltkriegs, der Government Code and Cypher School in Bletchley Park, konzeptionalisiert Grey Geheimhaltung als soziale Praxis, die also tagtäglich durch formale und informale Handlungen konstituiert wird. Geheimhaltung präge, so Grey, Strukturen und Identitäten in Organisationen generell, sei für Geheim- und Nachrichtendienste aber konstitutiv und stelle einen Schlüssel für das Verständnis des nachrichtendienstlichen Organisationswandels dar.[82]

Dabei kann die Frage nach der sozialen Praxis der Geheimhaltung auch verdeutlichen, in welchem Maße sich in den nach außen homogen wirkenden geheimen Diensten funktionale Differenzierungen vollzogen und „lokale Rationalitäten“ ausbildeten. So war „secrecy“ unter den Angehörigen der CIA-Spionageabwehr des Kalten Kriegs in einem ganz anderen Maße habitualisiert als zeitgleich im stark durch zivile Wissenschaftler geprägten CIA Directorate of Science and Technology.[83] Das führt zu einer zentralen Frage einer organisationsgeschichtlich ausgerichteten Intelligence History: Inwieweit kann man mit Blick auf den Wandel der geheimen Dienste nach 1945 von einer „Zivilisierung“, einer Loslösung von militärischen Wurzeln sprechen? Inwiefern blieben die Dienste trotz aller „administrativen Rationalisierung [...] zuletzt immer anrüchig, gewaltträchtig und riskant“?[84]

Im Kontext der ohnedies lückenhaften nachrichtendienstlichen Organisationsgeschichten stellen Männlichkeitsbilder bzw. Geschlechterverhältnisse eine besonders vielsagende Leerstelle dar. Die Literaturwissenschaftlerin Eva Horn hat gezeigt, wie stark die Perzeptionen und Repräsentationen von Spionage durch stereotype Geschlechterbilder geprägt sind, durch die Vorstellung, dass soziale Macht- und Einflussbeziehungen wesentlich von sexuellen Differenzen abhängen.[85] Im Rahmen organisationsgeschichtlicher Zugriffe auf geheime Nachrichtendienste sind bisher nicht einmal genderbezogene Forschungsfragen formuliert worden.

Darin dürfte sich, analog der Situation in der Militärgeschichte, die „doppelte Männlichkeit“ der Intelligence History ausdrücken. Karen Hagemann schreibt: „Männer stellen nicht nur weiterhin die Mehrheit der Forschenden, sondern gehen zugleich unhinterfragt von der männlichen Universalität ihres Forschungsgegenstandes aus.“[86] So stellt Christopher Andrew in seiner MI5-Geschichte zwar fest, dass es in der britischen Intelligence Community bis in die 1970er-Jahre keine weiblichen Agentenführerinnen gab,[87] geht auf seinen über 1000 Seiten aber kaum näher auf die Rolle von Frauen im MI5 ein. Und bei aller empirischen Dichte und analytischen Tiefe, die die Bände der UHK über den frühen BND auszeichnen: Geschlechterverhältnisse werden in den bisher elf erschienenen Bänden so gut wie nicht thematisiert, über die Rolle der Frauen im Bundesnachrichtendienst erfährt man aus den Erinnerungen der HV A-Agentin Gabriele Gast erheblich mehr.[88]


Zwei Angehörige des britischen „Women’s Royal Naval Service“, Dorothy Du Boisson (links) und Elsie Booker (rechts), an einem Colossus Mark II in Bletchley Park im Jahre 1943. Bei „Colossus“ handelte es sich um einen der weltweit ersten Röhrencomputer, der zur Dechiffrierung des Fernschreibverkehrs deutscher militärischer Kommandostellen entwickelt worden war. „Bletchley Park“, im Zweiten Weltkrieg Sitz des britischen Dechiffrier-Dienstes (der Government Code and Cypher School) steht in Großbritannien als Erinnerungsort für den Sieg des britischen Intellekts gegen die brutale deutsche Kriegsmaschine. Weniger Beachtung hat der Umstand gefunden, dass es sich bei den Tausenden von Personen, die in B.P. eingesetzt waren, mehrheitlich um Frauen handelte, deren Platz auch in der Intelligence History insgesamt stark unterbelichtet ist. Foto: unbekannt, Quelle: [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Colossus.jpg Wikimedia Commons] / The National Archives (United Kingdom) FO850/234, public domain
Zwei Angehörige des britischen „Women’s Royal Naval Service“, Dorothy Du Boisson (links) und Elsie Booker (rechts), an einem Colossus Mark II in Bletchley Park im Jahre 1943. Bei „Colossus“ handelte es sich um einen der weltweit ersten Röhrencomputer, der zur Dechiffrierung des Fernschreibverkehrs deutscher militärischer Kommandostellen entwickelt worden war. „Bletchley Park“, im Zweiten Weltkrieg Sitz des britischen Dechiffrier-Dienstes (der Government Code and Cypher School) steht in Großbritannien als Erinnerungsort für den Sieg des britischen Intellekts gegen die brutale deutsche Kriegsmaschine. Weniger Beachtung hat der Umstand gefunden, dass es sich bei den Tausenden von Personen, die in B.P. eingesetzt waren, mehrheitlich um Frauen handelte, deren Platz auch in der Intelligence History insgesamt stark unterbelichtet ist. Foto: unbekannt, Quelle: Wikimedia Commons / The National Archives (United Kingdom) FO850/234, public domain


Informationsbeschaffung und Auswertung

So unvollständig unser Wissen über Strukturen, „Innenleben“ und Personalprofil geheimer Dienste auch ist, so intensiv sind einzelne Spionageoperationen untersucht worden. Das Erkenntnisinteresse galt dabei freilich lange weniger den Erfahrungen des einzelnen Agentenführers oder den Handlungszwängen einer Auswerterin. Es galt vielmehr der Bedeutung, die nachrichtendienstliche Informationen oder auch verdeckte Operationen („covert operations“) im (außen-)politischen Prozess spielten. Der Zugriff auf die einzelnen nachrichtendienstlichen Handlungsfelder – Beschaffung von Informationen, deren Auswertung und Einspeisung in das politische Feld und schließlich die verdeckten Operationen – erfolgte und erfolgt überwiegend ausgehend von Top-down-Perspektiven. Dies zeigt sich im Falle von Untersuchungen der „Human Intelligence“ (HUMINT), also der Spionage durch menschliche Quellen, besonders deutlich.

Die Human Intelligence gilt als die älteste Form der nachrichtendienstlichen Beschaffung, der „Intelligence Collection“. Sie hat auch in Zeiten modernster technischer Aufklärungsmittel Bedeutung behalten, wie etwa die Rolle von Agentenberichten aus dem „Islamischen Staat“ für dessen Niederringung in den Jahren 2016/17 gezeigt hat. Agenten, die aus den Machtzentren des Gegners oder, in der nachrichtendienstlichen Terminologie, des Ziellands berichten, lassen sich den „informers in place“ zurechnen, die meist besonders gefährdet sind, vielfach aber auch besonders wertvolle Informationen liefern.[89] Den Topspionen aus dieser Gruppe galt und gilt seit jeher das besondere Interesse von Historikerinnen und Historikern: der Tänzerin Mata Hari, die 1917 als Agentin des Deutschen Reichs in Frankreich hingerichtet wurde,[90] dem „Atomspion“ Klaus Fuchs, der der Sowjetunion Informationen über das US-„Manhattan Project“ lieferte,[91] oder auch dem „Kanzleramtsspion“ Günter Guillaume, dessen Enttarnung 1974 zum Rücktritt von Bundeskanzler Willy Brandt beitrug.[92]

Die Fragestellungen, die die Untersuchungen „großer“ Spione und Spionagefälle verfolgen, sind überwiegend an die zeitgenössischen Perzeptionen angelehnt: Biografische oder soziale Voraussetzungen für den Verrat werden vielfach eher beiläufig mit Verweis auf die Kategorien „Ideologie“, „Geld“ oder „Nationalismus“ abgehandelt.[93] Dabei liegt gerade in der Untersuchung von Motiven, Loyalitäten und Emotionen der „Verräter“ erhebliches Potenzial. So wurde das 20. Jahrhundert als „Jahrhundert des Verrats“ gedeutet,[94] da nationale, soziale und politische Zugehörigkeiten wie nie zuvor in Konflikt gerieten. Anhand von Biografien wie derjenigen Philbys, der 1963 in die Sowjetunion übergelaufen war, dort als Held gefeiert wurde, sich in seiner Moskauer Wohnung aber mit Objekten britischer Kultur regelrecht eingemauert hatte, könnten sich auch diese Deutungen in ihren Widersprüchen ausleuchten lassen.[95]


Eine sowjetische Briefmarke aus dem Jahre 1990 zu Ehren des britischen Doppelagenten Kim Philby. Als Abkömmling der britischen Oberschicht und Cambridge-Absolvent hatte sich Philby in den 1930er-Jahren für den Kommunismus begeistert und war für den sowjetischen Geheimdienst geworben worden. Unter anderem tätig als Verbindungsoffizier des britischen Auslandsgeheimdienstes in den USA in den späten 1940er-Jahren, lieferte er streng geheime Informationen nach Moskau, die der Sowjetunion immer wieder Vorteile im Krieg der Geheimdienste mit den Westalliierten verschafften. 1963 floh Kim Philby nach Moskau, wo er eine Stellung im KGB erhielt. Doch erst nach seinem Tod 1988 wurden ihm jene Ehrungen zuteil, nach denen er sich zu Lebzeiten immer gesehnt hatte, u.a. wurde ihm posthum der Leninorden verliehen, die zweithöchste Auszeichnung der Sowjetunion. Links: Briefmarke der UdSSR aus der Serie  „Sowjetische Spione“: Kim Philby 1990, Abbildung von B. Iljuchin, CFA #6266. Quelle: [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:1990_CPA_6266.jpg Wikimedia Commons], public domain; rechts: Grab von Kim Philby auf einem Friedhof in Moskau, 10. Juli 2010. Foto: A. Savin, Quelle: [https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Friedhof_Kunzewo_Grab_Philby_Gesamtansicht.jpg#/media/Datei:Friedhof_Kunzewo_Grab_Philby_Gesamtansicht.jpg Wikimedia Commons], Lizenz: [https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/ CC BY-SA 3.0]
Eine sowjetische Briefmarke aus dem Jahre 1990 zu Ehren des britischen Doppelagenten Kim Philby. Als Abkömmling der britischen Oberschicht und Cambridge-Absolvent hatte sich Philby in den 1930er-Jahren für den Kommunismus begeistert und war für den sowjetischen Geheimdienst geworben worden. Unter anderem tätig als Verbindungsoffizier des britischen Auslandsgeheimdienstes in den USA in den späten 1940er-Jahren, lieferte er streng geheime Informationen nach Moskau, die der Sowjetunion immer wieder Vorteile im Krieg der Geheimdienste mit den Westalliierten verschafften. 1963 floh Kim Philby nach Moskau, wo er eine Stellung im KGB erhielt. Doch erst nach seinem Tod 1988 wurden ihm jene Ehrungen zuteil, nach denen er sich zu Lebzeiten immer gesehnt hatte, u.a. wurde ihm posthum der Leninorden verliehen, die zweithöchste Auszeichnung der Sowjetunion. Links: Briefmarke der UdSSR aus der Serie „Sowjetische Spione“: Kim Philby 1990, Abbildung von B. Iljuchin, CFA #6266. Quelle: Wikimedia Commons, public domain; rechts: Grab von Kim Philby auf einem Friedhof in Moskau, 10. Juli 2010. Foto: A. Savin, Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0


Im Schatten dieser Topspione standen lange andere Gruppen von Agenten und Informanten, deren Meldungen auf den ersten Blick weniger spektakulär, aber für den Gesamtkomplex HUMINT unter Umständen wichtiger waren. Das betrifft Hunderte von Angehörigen der „volkseigenen“ Betriebe der DDR, die westlichen Nachrichtendiensten bis zum Mauerbau ein dichtes Bild des Zustands der DDR-Planwirtschaft lieferten,[96] ebenso wie Zehntausende aus der Gefangenschaft entlassene Wehrmachtssoldaten, die bei ihrer Ankunft in der Bundesrepublik westlichen Diensten Informationen z.B. über die Infrastruktur der Sowjetunion geben mussten.[97] Auch die DDR-Bürger*innen, die insbesondere ab 1984 als Ausreisende oder Westbesucher*innen in der Bundesrepublik vom BND befragt wurden, fallen in diese Kategorie.[98] Dabei geht das historiografische Potenzial, das eine Auswertung derartiger Berichte hat, über den nachrichtendienstlichen Kontext hinaus: Sie liefern Einblicke in Deutungsmuster und Mentalitäten von Individuen und Gruppen, die sonst wenig dokumentiert sind. Die Abhörprotokolle, die in britischen „prisoner-of-war camps“ gefertigt wurden und informale Gespräche von Militärangehörigen der Achsenmächte wiedergeben, sind hier das bisher prominenteste Beispiel.[99]

Im Vergleich zur Human Intelligence finden andere Beschaffungsformen in der historischen Forschung deutlich geringere Aufmerksamkeit. Das betrifft etwa die „Open Source Intelligence“ (OSINT), also die Auswertung offener Quellen wie Zeitungen oder wissenschaftlicher Publikationen aus dem Zielland, ebenso wie die „Imagery Intelligence“ (IMINT), die Auswertung von Luft- und Satellitenbildern, die in der Kuba-Krise 1962 kurzzeitig zu weltpolitischer Relevanz gelangte.[100] Fast schon stereotyp findet sich in Forschungsüberblicken zur Intelligence History zudem die Klage, dass die „Signals Intelligence“ (SIGINT), also die Erfassung und ggf. Dechiffrierung elektromagnetischer Signale, sträflich vernachlässigt worden sei.[101] Trotz des starken Bedeutungszuwachses, den die SIGINT nach dem Zweiten Weltkrieg in allen westlichen Diensten erfuhr – der britische SIGINT-Nachrichtendienst GCHQ etwa wuchs zwischen 1945 und 1973 von 1000 auf 7500 Mitarbeiter*innen an und umfasste damit die Hälfte aller in einem britischen Nachrichtendienst tätigen Personen[102] –, ist die Zahl einschlägiger Forschungen in der Tat überschaubar. Das liegt nicht nur an einer besonderen Zurückhaltung der Dienste bei der Freigabe von Akten aus dem Bereich der Technischen Aufklärung. Hinzu kommt, dass (Zeit-)Historikerinnen und -Historiker nach wie vor dazu neigen, das Feld der Technik als ein von Politik und Gesellschaft separiertes zu betrachten, dessen Untersuchung man lieber Spezialist*innen überlässt.

Ob durch die Befragung von Flüchtlingen in einem westdeutschen Auffanglager oder durch die Parabolantennen einer SIGINT-Bodenstation erlangt: Die meisten durch einen Nachrichtendienst beschafften Informationen treffen früher oder später in einer Auswertungs-Diensteinheit ein. Die Frage, wie in diesen Auswertungsabteilungen gearbeitet und wie aus den sehr heterogenen Informationen „Finished Intelligence“ wurde – also ein nachrichtendienstlicher Bericht oder eine Prognose –, spielte in der bisherigen Forschung kaum eine Rolle bzw. war aufgrund des Mangels einschlägiger Quellen schwer zu beantworten.[103] Mit umso größerer Energie haben sich „Intelligence Scholars“ den administrativen und politischen Rahmenbedingungen für die „Intelligence Analysis“ zugewandt. Ausgangspunkt war stets die Frage, ob ein Dienst in einer bestimmten Situation aus den vorhandenen Informationen die „richtigen“ Schlussfolgerungen gezogen habe oder eben nicht. Wenn aber seine Auswerter*innen falsch gelegen hätten – die CIA-„Intelligence Analysis“ hatte trotz vorhandener Informationen 1968 die Tet-Offensive des Vietcong nicht kommen sehen[104] oder wurde Ende der 1980er-Jahre vom Untergang des sowjetischen Machtbereichs überrascht[105] –, wo seien dann die Gründe dafür zu suchen?

Die Frage nach den Ursachen für derartige Intelligence Failures stellt einen der Schwerpunkte der Intelligence Studies angloamerikanischer Prägung dar.[106] Dabei wird meist vorausgesetzt, dass es grundsätzlich möglich sei, „objektives“ Wissen über einen Gegner zu gewinnen und dass Nachrichtendienste „von Einzeldaten [...] zur Prognose“ gelangen können – was aus einer wissenssoziologischen Perspektive durchaus fragwürdig erscheint.[107] Von dieser Prämisse ausgehend, richtet sich die Aufmerksamkeit dann zum Beispiel auf Organisations- und Managementdefizite, die im Vorfeld von „Pearl Harbour“ 1941 dazu führten, dass bei den verschiedenen US-Diensten durchaus vorhandene Informationen über japanische Flottenbewegungen nicht geteilt und zusammengeführt wurden.[108]

Seit den 1970er-Jahren zählen zunehmend sozialpsychologische Faktoren als wichtige Ursachen für Analysis Failures, die als „group think“, „mirror imaging“ oder „echo effects“ kategorisiert werden – letztere bezeichnen die Neigung der Auswertungsbereiche, in erster Linie das zu berichten, was die Adressaten der Berichte mutmaßlich hören wollen.[109] Im Zuge der Flut von Studien über Intelligence Failures, die nach dem singulären Failure der US-Dienste vor „9/11“ einsetzte, sind verstärkt auch organisationskulturelle Faktoren als Ursachen für „intelligence adaptation failures“ (Zegart) identifiziert worden – für die Unfähigkeit von Diensten wie der CIA und des FBI, sich rechtzeitig auf neue Bedrohungen wie den islamistischen Terrorismus einzustellen.[110]

Unterbelichtet bleibt im Rahmen dieser Fehlersuche meist die Frage, was eigentlich aus Sicht einer Regierung das Spezifikum oder den Mehrwert nachrichtendienstlichen Wissens darstellt. Was unterscheidet einen Geheimdienst-Bericht von anderen Informationskanälen, etwa den Berichten der Botschaften? Ronny Heidenreich hat in seiner Untersuchung der DDR-Spionage des Gehlen-Dienstes bis zum Mauerbau herausarbeiten können, dass dessen Berichte in der Regel von geringerer Qualität waren als Informationen zum gleichen Gegenstand seitens des Auswärtigen Amts oder des Bundesamts für Verfassungsschutz, ohne von den Berichten anderer westlicher Dienste wie MI6 und CIA zu sprechen.[111]

Erst durch eine derartige Kontextualisierung lässt sich dann auch nachvollziehen, warum der Stellenwert von Geheimdienstwissen in verschiedenen politischen Kulturen so unterschiedlich war und ist – warum etwa der Director of Central Intelligence in den USA seit den frühen 1950er-Jahren den wichtigsten außenpolitischen Berater des Präsidenten darstellte,[112] während die Präsidenten des westdeutschen BND nach dem Abgang Gehlens kaum einmal direkten Zugang zum Kanzler erhielten (auch wenn sich die Performance des Dienstes verbesserte) und die französischen Dienste von Präsident Mitterand als „kostspielige Farce“ gescholten wurden.[113] Dabei gewähren die öffentlichen Positionierungen von Staatsoberhäuptern zu ihren Diensten immer auch Aufschlüsse über die nationale „Intelligence Culture“, das heißt also, jene kollektiven Rezeptionen der geheimen Dienste, die, medial erzeugt und diskursiv verfestigt, ganz wesentlich über Spielräume und Einhegungen des jeweiligen „secret state“ entschieden.[114]


US-Präsident Ronald Reagan mit seinem Director of Central Intelligence, William J. Casey, am 1. Mai 1984. Die „DCI’s“ gelten für den Zeitraum von 1946 bis 2004 durchgängig als wichtigste außenpolitische Berater des jeweiligen US-Präsidenten (2004 wurde das Amt des DCI durch das des Director of National Intelligence, DNI, ersetzt). Casey zählt darüber hinaus zu jenen Intelligence-Chiefs, die aktiv Einfluss auf die US-Außenpolitik nahmen. So wird sein Name mit der Bewaffnung der Mudschaheddin durch die CIA im sowjetischen Afghanistankrieg ebenso in Verbindung gebracht wie mit der Unterstützung der Contras, einer rechtsgerichteten Rebellenorganisation in Nicaragua der 1980er-Jahre. Zudem lehnte Casey die gerade erst etablierte, erweiterte parlamentarische Kontrolle der US-Geheimdienste ab und verweigerte den jeweiligen Ausschüssen des Senats und des Kongresses die Kooperation. Foto/Urheber: Levan Ramishvili, Quelle: [https://www.flickr.com/photos/levanrami/15013487576/in/album-72157627135259253/ Flickr], public domain
US-Präsident Ronald Reagan mit seinem Director of Central Intelligence, William J. Casey, am 1. Mai 1984. Die „DCI’s“ gelten für den Zeitraum von 1946 bis 2004 durchgängig als wichtigste außenpolitische Berater des jeweiligen US-Präsidenten (2004 wurde das Amt des DCI durch das des Director of National Intelligence, DNI, ersetzt). Casey zählt darüber hinaus zu jenen Intelligence-Chiefs, die aktiv Einfluss auf die US-Außenpolitik nahmen. So wird sein Name mit der Bewaffnung der Mudschaheddin durch die CIA im sowjetischen Afghanistankrieg ebenso in Verbindung gebracht wie mit der Unterstützung der Contras, einer rechtsgerichteten Rebellenorganisation in Nicaragua der 1980er-Jahre. Zudem lehnte Casey die gerade erst etablierte, erweiterte parlamentarische Kontrolle der US-Geheimdienste ab und verweigerte den jeweiligen Ausschüssen des Senats und des Kongresses die Kooperation. Foto/Urheber: Levan Ramishvili, Quelle: Flickr, public domain


Verdeckte Operationen

Verdeutlicht werden diese Spielräume in besonderer Weise durch verdeckte Operationen, die die Dienste im Auftrag ihrer Regierungen durchführen, durch, so der Intelligence-Historiker Loch K. Johnson, „[...] actions carried out abroad in support of national foreign policy objectives so that the role of the [government] is not apparent“.[115] Inwieweit „covert operations“ zu den genuinen Handlungsfeldern von geheimen Nachrichtendiensten zählen, ist in den Intelligence Studies umstritten.[116] Aus historischer Perspektive kann jedoch kein Zweifel daran bestehen, dass diese in vielen Ländern Teil der geheimdienstlichen Praxis waren. Zuweilen wurden verdeckte Operationen der Kernfunktion von Intelligence – der Beschaffung von Informationen für Entscheidungsträger*innen – sogar übergeordnet.[117] Johnson bezeichnete sie als „third option“ zwischen Diplomatie und offener Kriegführung,[118] wodurch sich ihre überragende Bedeutung während der Zeit des Kalten Kriegs ergibt.

Tatsächlich wurde „covert action“ nach 1945 „zu einem Ersatz für den Großmächtekrieg [...], der durch die wachsenden Atomarsenale schlichtweg undurchführbar wurde“, so Krieger in seiner „Geschichte der Geheimdienste“.[119] Dabei waren der destruktiven Phantasien der Dienste zeitweilig kaum Grenzen gesetzt. Die sowjetische Geheimpolizei nutzte alle Mittel, von der öffentlichen Desavouierung bis hin zu Mordanschlägen, um nach 1945 in den ostmitteleuropäischen Ländern demokratische Politiker auszuschalten und die Bildung der „Volksdemokratien“ zu unterstützen;[120] in den Westen geflüchtete Angehörige der sozialistischen Partei- und Sicherheitsapparate waren Zeit ihres Lebens nicht vor den „langen Armen“ der östlichen Dienste sicher. Allein die Stasi verschleppte bis in die frühen 1960er-Jahre mehrere Hundert Menschen aus Westdeutschland in östliche Haftanstalten, was für eine Reihe der Entführungsopfer mit Todesurteilen endete.[121]

Demgegenüber legten sich die westlichen Dienste zeitweilig kaum Schranken auf, um den sowjetischen Einfluss in Ostmitteleuropa zu unterlaufen: Geprägt durch die „Aktionskultur“ des US-Kriegsgeheimdienstes OSS, stützte sich die CIA auf antikommunistische Kampfbünde mit teilweise NS-belasteten Angehörigen,[122] initiierte Sabotage in den „volkseigenen“ Betrieben der DDR und griff immer wieder zu aggressiven Propagandaaktionen.[123] Inwieweit derartige Operationen, die den großen Krieg ersetzen sollten, nicht erst die wechselseitigen Feindbildstereotype verschärften und damit den Kalten Krieg auf Dauer stellten, ist eine Frage, der in einer Gesellschaftsgeschichte des Kalten Kriegs künftig mehr Beachtung beizumessen wäre.

Sabotage, Entführungen und Mordanschläge werden auch unter der Bezeichnung „hard covert action“ gefasst.[124] Diese Formen der verdeckten Einflussnahme auf eine fremde Gesellschaft verlagerten sich bereits im Laufe der 1950er-Jahre, mit der Festigung des Status quo in Europa, in den globalen Süden; die sogenannten Stellvertreterkriege in Afrika und Lateinamerika waren oftmals das Ergebnis von Aktivitäten östlicher und westlicher Dienste. Die „soft covert action“, zu der die Ausgabe von Lebensmittelpaketen in West-Berlin zu zählen ist, blieb auch in Europa ein wichtiges Instrument des Systemkonflikts (und scheint im Zeitalter digital vernetzter Informationsflüsse an Bedeutung noch gewonnen zu haben). Grundsätzlich geht es bei diesen „weichen“ Formen verdeckter Operationen darum, auf die Meinungsbildung in einer fremden Gesellschaft Einfluss zu nehmen, etwa im Zusammenhang mit freien Wahlen. So sind Wahlen in Europa der frühen Nachkriegsjahre als versteckte Auseinandersetzungen zwischen KGB und CIA beschrieben worden. Allein für die Einflussnahme auf italienische Wahlen verwendete die CIA zwischen 1948 und 1975 mehr als 75 Millionen Dollar.[125] Zur „soft“ oder „political covert action“ zählen aber auch CIA-gesponserte Radiosender wie „Radio Free Europe“ oder, auf die Sowjetunion zielend, „Radio Liberty“.[126]

Erfolgreich waren umgekehrt die „Braunbuch“-Kampagnen der SED, die, durch die Stasi maßgeblich unterstützt, führende westdeutsche Politiker, Richter, Militärs etc. als NS-belastet entlarven sollten.[127] Im Westen wurden zudem die Desinformationskampagnen des KGB ob ihres partiellen Erfolgs gefürchtet, die von der Behauptung, Präsident Kennedy sei unter Beteiligung der CIA ermordet worden, bis zum Vorwurf einer bakteriologischen Kriegführung in Vietnam reichten.[128] Gemischte Erfolge zeitigten die Versuche, soziale und politische Gruppen durch die Platzierung von Einflussagenten zu Instrumenten der eigenen Außenpolitik zu machen. So scheiterte in den frühen 1980er-Jahren der großangelegte Versuch von KGB und HV A, über die westdeutsche Friedensbewegung die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in der Bundesrepublik zu verhindern.[129]

Wenn Intelligence in ihrer Form als „Informationen für Entscheidungsträger*innen“ die „missing dimension“ der internationalen Politik darstellt, dann kann „covert action“ analog als „missing dimension“ einer politischen Gesellschaftsgeschichte gefasst werden. Der Weg, diese „Dimension“ zu erschließen, ist freilich noch weit. Die in der Forschung bereits diskutierte Ausgangsfrage lautet hier, wie man den Erfolg oder Misserfolg einer solchen Operation überhaupt bemessen kann. Die Antwort fällt umso schwerer, je differenzierter das Mediensystem und je vielschichtiger die jeweilige öffentliche Meinung der betroffenen Gesellschaft ist. In einer pluralen Öffentlichkeit sind nachrichtendienstliche Desinformationen eben nur einer von vielen Faktoren, die die öffentliche Meinung konstituieren. Dass allein der Umstand, dass fremde Dienste zu „soft covert action“ greifen, erhebliche politische Folgen haben kann, hat die Diskussion über mögliche russische Einflussnahmen auf den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 gezeigt.


Nachrichtendienste und Gesellschaft

Die Einflussnahmen auf die Gesellschaft eine „Ziellandes“ leiten über zu der Frage, wie geheime Nachrichtendienste auf die eigenen Gesellschaften einwirkten und einwirken. Inwiefern beeinflussten sie das politische Klima? Auf welche Weise blickten umgekehrt soziale Gruppen, politische Akteur*innen und, nicht zuletzt, die Massenmedien auf die Dienste bzw. machten diese zum Gegenstand politischer Transparenzforderungen?

Die Frage nach der Beeinflussung der eigenen politischen Systeme durch Nachrichtendienste ist lange vorwiegend von Forscher*innen außerhalb der Intelligence Studies bzw. Intelligence History gestellt worden. Kritische Analysen der mitunter antidemokratischen Effekte, welche die herausragende Rolle der geheimen Dienste im US-amerikanischen Regierungssystem im Kalten Krieg zeitigten, Untersuchungen des „Cultural Cold War“ der CIA oder des, die Grundrechte massiv verletzenden Counterintelligence-Programms des FBI (COINTELPRO) stammten lange eher von Politikhistoriker*innen wie Rhodri Jeffreys-Jones oder auch von historisch arbeitenden Publizist*innen wie Tim Weiner.[130] Auch jene Bände der Unabhängigen Historikerkommission für die BND-Geschichte, in denen die Einflussnahmen des Gehlen-Dienstes auf die westdeutsche Innenpolitik in der Adenauer-Ära untersucht wurden – und diesem eine hemmende Wirkung auf den Prozess der Demokratiedurchsetzung in der Bundesrepublik attestiert wurde –, stammen von Politik- und Zeithistorikern wie Klaus-Dietmar Henke und Jost Dülffer, nicht von Intelligence Historians.[131]

Dennoch zeichnet sich in den UHK-Publikationen ebenso wie in der Darstellung der Frühgeschichte des Bundesamts für Verfassungsschutz[132] das Profil einer „erweiterten“ Nachrichtendienstgeschichte ab: Diese wäre perspektivisch dadurch charakterisiert, dass sie von der Spezifik geheimer Nachrichtendienste als Produzenten geheimen Staatswissens ausgeht, aber zugleich deren gesellschaftliche, kulturelle und politische Rahmungen stärker in die Analyse einbezieht, als dies die klassische Intelligence History lange getan hat. In den Arbeiten einer jüngeren Generation vorwiegend britischer Intelligence Historians wird diese „Erweiterung“ bereits greifbar.[133]


Kontrolle der Nachrichtendienste in liberalen Gesellschaften

Ein wichtiges Untersuchungsfeld bezogen auf die Frage nach den gesellschaftlichen Implikationen von „Secret Intelligence“ ist die Geschichte der „Intelligence Accountability“. Hierunter werden die Bemühungen gefasst, geheime Nachrichtendienste mit den Normen liberaler Demokratien kompatibel zu machen. Die Leitfrage der einschlägigen Studien lautet, ob und wie geheime Nachrichtendienste z.B. durch parlamentarische Gremien effektiv kontrolliert werden können, ohne dass die Dienste dabei ihre Wirksamkeit einbüßen.

Historische und vergleichende Untersuchungen haben hier gezeigt, dass die meisten westlichen Parlamente in den ersten Nachkriegsjahrzehnten keineswegs erpicht darauf waren, sich eingehender mit der Welt der Geheimdienste zu beschäftigen.[134] Das lag bis in die 1960er-Jahre allgemein an dem „Cold War consensus“ und konkret an der Sorge, durch zu intensive parlamentarische Durchleuchtung der Dienste dem Gegner im Osten zuzuarbeiten.[135] In der Bundesrepublik wurden zudem bis in die 1970er-Jahre weitergehende parlamentarische Kontrollrechte mit dem Argument zurückgewiesen, das nach entsprechenden Wahlerfolgen auch Vertretern politisch extremer Parteien Zugang zu den entsprechenden Gremien gewährt werden müsste.[136] Die Einrichtung derartiger Kontrollorgane – das House Permanent bzw. das Senat Select Committee on Intelligence in den USA 1975, die Parlamentarische Kontrollkommission des Bundestags 1978, das Intelligence and Security Committee in Großbritannien 1999 – erfolgte insofern jeweils als „fire-fighting“-Maßnahme der Regierenden, um massiven öffentlichen Transparenzforderungen etwas entgegensetzen zu können.[137]

Inwieweit die parlamentarische Kontrolle mittelfristig dazu führte, dass sich die Dienste stärker an legalen und ethischen Normen orientierten als zuvor, ist in der politikwissenschaftlichen Forschung umstritten. So zeigte sich in mehreren parlamentarischen Systemen das Problem, dass die Parlamentarier*innen die ihnen zur Verfügung stehenden Kontrollmöglichkeiten nur unvollkommen nutzten, weil ihnen die Expertise fehlte oder sie den Reputationsgewinn, den die Arbeit in Gremien bringen kann, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagen, als zu gering erachteten. Nur im Falle eines Intelligence Failure oder eines Geheimdienstskandals werden, so der ehemalige Mitarbeiter des Church-Committees Loch K. Johnson, US-Parlamentarier gemeinhin aktiv, dann im Modus des „fire-fighting“, der auf Schadensbegrenzung ausgerichteten Brandbekämpfung.[138]

Constantin Goschler hat die parlamentarische Nachrichtendienstkontrolle in der Bundesrepublik gar als „Institutionalisierung gesellschaftlichen Misstrauens“ in die Dienste gedeutet. Er argumentiert, dass die parlamentarische Kontrolle eines ihrer zentralen Ziele, nämlich gesellschaftliches Vertrauen in die Dienste herzustellen, unmöglich erreichen könne: Mit jeder Enthüllung von Missständen oder Regelverstößen durch ein Kontrollgremium verstärke sich das gesellschaftliche Misstrauen, anstatt geringer zu werden. Verzichteten die Kontrollorgane aber darauf, Missstände öffentlich zu machen, sähen sie sich schnell selbst Vorwürfen der Untätigkeit oder mangelnder Durchsetzungsfähigkeit ausgesetzt.[139]

So richten sich die Hoffnungen der Befürworter*innen einer effektiven Geheimdienstkontrolle – und mit diesem der Fokus einschlägig interessierter Intelligence Historians – auf die Rolle der Presse als vermeintlich einzige effektive Kontrollgewalt: Tatsächlich wurde die große Mehrzahl aller Nachrichtendienstskandale in der westlichen Welt von der Profumo-Affäre in Großbritannien 1963 über den Iran-Contra-Skandal 1986 bis hin zu den Massenüberwachungen elektronischer Kommunikation durch die NSA 2013 durch die Medien aufgedeckt.[140] Richard Aldrich spricht von medialen „Enthüllungskulturen“, die sich seit den 1960er-Jahren in Bezug auf die geheimen Dienste entwickelt hätten.[141] Doch diese „Enthüllungskultur“ ist im Grunde reaktiv, sie kann keine Routinekontrollen leisten, die eher als Skandalisierungen zu Verhaltensänderungen in den Diensten führen könnten.[142]

So bleibt nur die Einsicht, dass die Konflikte um Geheimdienste und deren Kompetenzen in liberalen Demokratien letztlich nicht auflösbar, sondern für diese gewissermaßen konstitutiv sind. Der zeithistorischen Forschung ist damit die Aufgabe gestellt, Manifestationsformen und dem Wandel dieses Konflikts nachzugehen. Ein bereits vielfach gewählter Zugriff zur Analyse ist die Untersuchung kultureller Repräsentationen von „Secret Intelligence“.


Kulturelle Repräsentationen

Das Verhältnis von Intelligence und Fiktion ist ein zentrales Thema, wenn es darum geht, nach den gesellschaftlichen Implikationen der geheimen Dienste zu fragen, nach deren Bedeutung für Bedrohungsperzeptionen oder nach dem Vertrauen oder Misstrauen, mit dem Bürgerinnen und Bürger ihren Regierungen gegenüberstehen. Doch wird dieses Thema bis heute überwiegend in den Medienwissenschaften bzw. der Mediengeschichte behandelt.[143] Zugleich ist die Rezeption der einschlägigen Befunde in den Intelligence Studies bzw. der Nachrichtendienstgeschichte begrenzt: Intelligence Historians wandten sich fiktionalen Darstellungen lange allenfalls zu, um beispielsweise die Romane John le Carrés („Der Spion, der aus der Kälte kam“ etc.) mit der „Realität“ abzugleichen – um dann zu dem Schluss zu kommen, „that spy fact is invariably stranger than spy fiction“.[144] Dass die auf Intelligence bezogenen Fiktionen eine politische Brisanz haben[145] und die Reputation von Intelligence – und damit ihre historische Wirkmächtigkeit – maßgeblich durch populärkulturelle „spy fiction“ beeinflusst wird,[146] setzt sich nur langsam als forschungsleitende Perspektive durch.


James Bond-Requisiten im Berliner „Spy Museum“. Der fiktive Agent James Bond, „007“, illustriert paradigmatisch das Wechselverhältnis von populären Repräsentationen und nachrichtendienstlicher Praxis. Zwar wird der Kalte Krieg als historischer Bezugsraum in Ian Flemings James Bond-Romanen ebenso wie in deren Verfilmungen nur angedeutet. Sehr präsent sind hingegen Flemings Erfahrungen als Mitarbeiter des britischen Marine-Nachrichtendienstes im Zweiten Weltkrieg, als welcher er mehrfach mit der Planung von Kommandoaktionen hinter den feindlichen Linien befasst war. Dass die Perzeption von „James Bond“ auch politische Entscheidungsträger zu hochriskanten Unternehmungen verleitete, kann zumindest im Falle des US-Präsidenten John F. Kennedy als wahrscheinlich gelten: Als bekennender Fleming-Fan ohne eigene Erfahrungen mit Intelligence gab Kennedy etwa den Befehl zur von der CIA geplanten, von den militärischen Experten aber abgelehnten Invasion in der Schweinebucht auf Kuba, die zu einem außenpolitischen Desaster für die USA werden sollte. Foto: Scontrofrontale, 24. September 2015. Quelle: [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:James_Bond_Requisiten.JPG#/media/File:James_Bond_Requisiten.JPG Wikimedia Commons], Lizenz: [https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/ CC BY-SA 4.0]
James Bond-Requisiten im Berliner „Spy Museum“. Der fiktive Agent James Bond, „007“, illustriert paradigmatisch das Wechselverhältnis von populären Repräsentationen und nachrichtendienstlicher Praxis. Zwar wird der Kalte Krieg als historischer Bezugsraum in Ian Flemings James Bond-Romanen ebenso wie in deren Verfilmungen nur angedeutet. Sehr präsent sind hingegen Flemings Erfahrungen als Mitarbeiter des britischen Marine-Nachrichtendienstes im Zweiten Weltkrieg, als welcher er mehrfach mit der Planung von Kommandoaktionen hinter den feindlichen Linien befasst war. Dass die Perzeption von „James Bond“ auch politische Entscheidungsträger zu hochriskanten Unternehmungen verleitete, kann zumindest im Falle des US-Präsidenten John F. Kennedy als wahrscheinlich gelten: Als bekennender Fleming-Fan ohne eigene Erfahrungen mit Intelligence gab Kennedy etwa den Befehl zur von der CIA geplanten, von den militärischen Experten aber abgelehnten Invasion in der Schweinebucht auf Kuba, die zu einem außenpolitischen Desaster für die USA werden sollte. Foto: Scontrofrontale, 24. September 2015. Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 4.0


Die Relevanz dieser „spy fiction“ ergibt sich aus zwei Aspekten. Erstens füllen die Bilder von Agenten, von Spionage und Nachrichtendiensten eine imaginative Leerstelle. Die große Mehrzahl der Menschen kennt „intelligence“ nicht aus eigener Anschauung, sondern durch einen Bond-Film, einen Tom Clancy-Roman oder eine „Homeland“-Staffel. Dabei ist nicht entscheidend, ob der Bond-Film oder die „Homeland“-Folge etwas mit der historischen „Wirklichkeit“ zu tun hat. Entscheidend ist, dass Menschen ihre Vorstellungen von Nachrichtendiensten ausgehend von derartigen fiktionalen Repräsentationen organisieren – breite Bevölkerungskreise ebenso wie politische Entscheidungsträger*innen.[147]

Auch die Angehörigen der Dienste selbst werden durch diese Bilder beeinflusst. Sie suchen ihrerseits – und das ist der zweite Aspekt, der „spy fiction“ zu einem hochgradig politischen Genre macht –, die kulturellen Repräsentationen von Spionage und Nachrichtendiensten zu beeinflussen: durch eine Eigengeschichtsschreibung, aber auch durch die Einflussnahme, wenn nicht sogar durch die Initiierung fiktionaler Darstellungen in Literatur und Film. So unterstützte etwa das westdeutsche Bundesamt für Verfassungsschutz in den 1960er-Jahren die Produktion einer Fernsehserie („Die fünfte Kolonne“, 1963-1968, ZDF), die vor der kaltblütigen Arbeitsweise östlicher Dienste warnen sollte; dem Militärischen Abschirmdienst gelang es zwischen 1977 und 1985, auf die Produktion von vier Folgen des „Tatort“ Einfluss zu nehmen, in denen ein MAD-Offizier östlichen Agenten in der Bundeswehr auf die Spur kam.[148] Eine erhebliche Expertise entwickelte auf diesem Feld vor allem die CIA, die seit den 1990er-Jahren auch „liaison officers“ beschäftigte, die u.a. auf eine positive Darstellung der „Agency“ in der Fernsehserie „Homeland“ oder dem Oscar-gekrönten Kinofilm „Argo“ hinwirkten.[149]

Einen bedeutenden Schritt in Richtung einer Integration derartiger Fragestellungen in die Intelligence History machte ein 2011 gestartetes, u.a. durch die britischen Historiker Richard Aldrich und Christopher Moran geleitetes Forschungsprojekt mit dem Titel „Landscapes of Secrecy“. Es beleuchtete erstmals systematisch das Wechselverhältnis zwischen den (populär-)kulturellen Repräsentationen der CIA und deren Historiografie,[150] etwa mit Blick auf die Darstellungsweisen der CIA in Hollywoodfilmen. Auch hier wird der Wandel hin zum „conspiracy thriller“ der 1970er-Jahre als Indikator einer breiten Vertrauenskrise der US-Amerikaner*innen gegenüber ihren staatlichen Organen gewertet.[151]

Das Potenzial für weitere Forschung ist freilich groß, nicht zuletzt deshalb, weil auf dem Feld der Surveillance Studies bereits umfangreiche Forschungen über das Wechselverhältnis von Überwachungspraxis und deren kulturellen Repräsentationen vorliegen, an die Intelligence-bezogene Untersuchungen auch konzeptionell anschließen könnten.[152] Vor allem aber böte eine systematische Analyse der öffentlichen Perzeptionen geheimer Nachrichtendienste die Möglichkeit, Fragen zu adressieren, die über den engeren Rahmen der Intelligence History hinausgehen. Es ließe sich u.a. der Konnex zwischen politischer Kultur und organisatorischen Rahmungen staatlicher Gefahrenabwehr adressieren – beispielswiese über das Deutungsmuster der „Intelligence Culture“.


Technisierung und Wissensproduktion

Ein weiterer Zugriff, der sowohl das Verständnis von Intelligence als Element moderner Staatlichkeit erweitern als auch die Schnittflächen zwischen Nachrichtendienstgeschichte und allgemeiner Zeitgeschichtsforschung verbreitern kann, besteht in der Deutung von Geheimdiensten als Organisationen, die Basisprozessen des 20. (und 21.) Jahrhunderts unterworfen waren und sind: besonders von Technisierung und zunehmender Wissensorientierung. Dass es sich bei den modernen Nachrichtendiensten insbesondere in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in einem starken Maße um technische Systeme handelte, ist keine Neuigkeit. Bereits während des Ersten Weltkriegs war die „Signals Intelligence“ die ressourcen- und personalintensivste Beschaffungsmethode. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Entschlüsselung der Codes der Achsenmächte in „industriellem Maßstab“ betrieben, noch gegen Kriegsende arbeiteten nicht weniger als 2500 amerikanische Spezialist*innen tagtäglich an der Entschlüsselung eines einzigen japanischen Codes.[153] Die 1952 gegründete NSA stellte etwa ein Jahrzehnt lang den größten Computernutzer in den USA dar, deren über 100 Rechner 1968 eine Stellfläche von fünf „acre“ benötigt haben sollen.[154]

Bisher nur in Ansätzen untersucht, ist hingegen, was diese Technisierung für die Dienste als Organisationen bedeutete, d.h. für ihre Strukturen, für ihr Personalprofil, ihre Praktiken und ihre Selbstwahrnehmungen.[155] Jon Agar hat beispielsweise die These formuliert, dass die Einführung von Computern in die Dienste zwar zu neuen Handlungsoptionen führte, zugleich aber auch zu gravierenden und letztlich unlösbaren Sicherheitsproblemen: Schon in den 1960er-Jahren gerieten die Dienste in Abhängigkeiten von privaten Hard- und Softwarefirmen, mit Spätfolgen, die in den Snowden-Leaks zum Ausdruck kommen. Grundsätzlich vergrößerte die Technisierung die Schnittflächen zwischen Diensten und Gesellschaft,[156] und oftmals erzeugte sie interne, teilweise lähmende Konfliktlinien: in der CIA der 1960er-Jahre etwa zwischen den „librarians“ des Office of Central Reference – die ihre komplexen Dokumenten-Klassifikationssysteme aus der analogen in die digitale Welt retten wollten – und den neu in den Dienst gelangenden „computer people“, die unter die klassischen Formen der Informationserschließung einen Schlussstrich ziehen wollten.[157]

Verschränkt mit der Technisierung, entwickelten sich Nachrichtendienste im 20. Jahrhundert in eine Richtung, die sich mit den Worten „from espionage to intelligence“ fassen lässt,[158] also – frei übersetzt – von der Spionage zur Wissensproduktion. Bereits 1939 verpflichtete die britische Government Code and Cypher School Spitzenmathematiker von Eliteuniversitäten;[159] die Research and Analysis Branch des US-amerikanischen OSS und die Nachfolgeeinheit der CIA zählten geistes- und sozialwissenschaftliche Kapazitäten wie Herbert Marcuse in ihren Reihen.[160] Nach dem Krieg führten die scharfe Systemkonkurrenz sowie die Technisierung der Dienste dazu, dass letztere Experten für sich rekrutierten und sich Forschungsinstitute an- und eingliederten.[161] In diesem Zusammenhang wuchsen die Dienste sukzessive aus ihren ursprünglichen militärischen Kontexten heraus und in die staatlichen Institutionenordnungen hinein. Deshalb und durch die Vernetzung mit Think-Tanks erschienen zumindest die angloamerikanischen Dienste der 1970er-Jahre „less of a ‚cloak and dagger‘ affair and more like a branch of the social sciences“.[162]

Aus einer zeithistorischen Perspektive korrespondiert das Deutungsmuster einer zunehmenden Wissen(schaft)sorientierung geheimer Nachrichtendienste auf den ersten Blick mit dem säkularen Trend einer Verwissenschaftlichung des Sozialen und des Politischen. Doch inwieweit die Dienste an dieser Verwissenschaftlichung teilhatten und wie sich ihre Praktiken der Informationsverarbeitung änderten, ist bisher nicht systematisch erforscht worden.[163]

Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Konflikte zwischen „Secret Intelligence“ und liberalen Gesellschaften – die in den „NSA-Leaks“ einen vorläufigen Höhepunkt fanden – sollte es ein übergreifendes Ziel künftiger Intelligence History sein, die geheimen Nachrichtendienste in jene historiografischen Ansätze einzubetten, die auf eine Historisierung der „Informations“- oder „Wissensgesellschaften“ zielen. Geheime Nachrichtendienste haben in dieser Geschichte nicht nur einen zentralen Platz. Sie illustrieren auch in besonderer Weise die Pathologien und Grundkonflikte von Gesellschaften, die sich in zunehmendem Maße als wissens- und informationsbasiert wahrnehmen.[164]


Empfohlene Literatur zum Thema

Christopher Andrew, The Secret World. A History of Intelligence, London 2019

Christopher R. Moran/Christopher J. Murphy (Hrsg.), Intelligence Studies in Britain and the US. Historiography since 1945, Edinburgh 2013

Michael Herman, Intelligence Power in War and Peace, Cambridge 1996

Eva Horn, Der geheime Krieg. Verrat, Spionage und moderne Fiktion, Frankfurt a. M. 2007

Wolfgang Krieger, Geschichte der Geheimdienste. Von den Pharaonen bis zur NSA, München 2014

Michael Warner, The Rise and Fall of Intelligence. An International Security History, Washington D.C. 2014

Zitation
Rüdiger Bergien, Geschichte der Nachrichtendienste / Intelligence History, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 5.1.2021, URL: http://docupedia.de/zg/Bergien_geschichte_der_nachrichtendienste_v1_de_2021

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  1. Die Formulierung ist entliehen von Armin Wagner/Matthias Uhl, BND contra Sowjetarmee: Westdeutsche Militärspionage in der DDR, Berlin 2007, S. 10.
  2. Christopher Andrew/David Dilks (Hrsg.), The Missing Dimension: Government and Intelligence Communities in the Twentieth Century, London 1984, S. 3; siehe auch Simon Willmetts, Reconceiving Realism: Intelligence Historians and the Fact/Fiction Dichotomy, in: Christopher R. Moran/Christopher J. Murphy (Hrsg.), Intelligence Studies in Britain and the US. Historiography since 1945, Edinburgh 2013, S. 146-171, hier S. 146.
  3. Stuart Farson, Schools of Thought. National Perceptions of Intelligence, in: Journal of Conflict Studies 9 (1989), H. 2, S. 52-104, hier S. 52, online unter https://journals.lib.unb.ca/index.php/JCS/article/view/14845/15914 [30.11.2020].
  4. Zu nennen sind hier an erster Stelle die 1985 gegründete Zeitschrift „Intelligence and National Security“ sowie das „International Journal of Intelligence and CounterIntelligence“, gegründet 1987.
  5. U.a. die in Deutschland gegründete International Intelligence History Association (IIHA), http://intelligence-history.org/ [30.11.2020].
  6. Waren die Intelligence Studies in den 1970er-Jahren in der universitären Lehre praktisch nicht vorhanden, bietet heute mehr als die Hälfte der 25 Top-Universitäten der USA Bachelor- und Master-Kurse zu Intelligence-Themen an. Vgl. Alessandro Scheffler Corvaja/Brigita Jeraj/Uwe M. Borghoff, The Rise of Intelligence Studies. A Model for Germany?, in: Connections 15 (2016), H. 1, S. 79-106, hier S. 80, online unter https://it4sec.org/system/files/15.1.06_intel_studies.pdf [30.11.2020].
  7. Vgl. Wolfgang Krieger, German Intelligence History. A Field in Search of Scholars, in: Intelligence and National Security 19 (2004), H. 2, S. 185-198.
  8. Vgl. Helmut Müller-Enbergs/Armin Wagner, Eine „geheime“ deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts. Zehn Biographien der Epoche, in: dies. (Hrsg.), Spione und Nachrichtenhändler. Geheimdienst-Karrieren in Deutschland 1939-1989, Berlin 2016, S. 7-37.
  9. Vgl. dazu: Richard J. Aldrich, „Grow your own“. Cold War Intelligence and History Supermarkets, in: Intelligence and National Security 17 (2002), H. 1, S. 135-152; Simon Willmetts, The Cultural Turn in Intelligence Studies, in: Intelligence and National Security 34 (2019), H. 6, S. 800-817.
  10. Jens Gieseke, Intelligence History und ihre Quellen: Beobachtungen aus einer Studie über das Ministerium für Staatssicherheit der DDR und die westdeutschen Grünen, in: Thomas Großbölting/Sabine Kittel (Hrsg.), Welche „Wirklichkeit“ und wessen „Wahrheit“? Das Geheimdienstarchiv als Quelle und Medium der Wissensproduktion, Göttingen 2019, S. 83-103, hier S. 83.
  11. Peter Jackson, Political Culture and Intelligence Culture. France before the Great War, in: Simon J. Ball/Philipp Gassert/Andreas Gestrich/Sönke Neitzel (Hrsg.), Cultures of Intelligence in the Era of the World Wars, London 2020, S. 37-64, hier S. 37.
  12. Zakia Shiraz, Globalisation and Intelligence, in: Robert Dover/Huw Dylan/Michael S. Goodman (Hrsg.), The Palgrave Handbook of Security, Risk and Intelligence, London 2017, S. 265-280, hier S. 272.
  13. Als Plädoyer für einen solchen Ansatz siehe Willmetts, The Cultural Turn, S. 803.
  14. Siehe die Beiträge und insbesondere die Einleitung in Philip H. J. Davies/Kristian C. Gustafson, Intelligence Elsewhere. Spies and Espionage Outside the Anglosphere, Washington, DC 2013; Sophia Hoffmann, Why is there no IR scholarship on Intelligence Agencies? Some Ideas for a new Approach, in: ZMO Working Papers (2019), H. 23, S. 1-13, online unter https://d-nb.info/1194567541/34 [30.11.2020].
  15. Müller-Enbergs/Wagner, Eine „geheime“ deutsche Geschichte, S. 28f.
  16. Die „langen Linien“ der Nachrichtendienstgeschichte werden nachgezeichnet durch Wolfgang Krieger, Geschichte der Geheimdienste. Von den Pharaonen bis zur NSA, München 2014; Michael Warner, The Rise and Fall of Intelligence. An International Security History, Washington, DC 2014, und zuletzt durch Christopher Andrew, The Secret World. A History of Intelligence, London 2018.
  17. Im Konflikt mit dem spanischen Weltreich richtete Walsingham neben einer systematischen Nachrichtengewinnung auch eine Gegenspionage ein und setzte „codebreaker“ auf verschlüsselte Nachrichten des Gegners an. Vgl. Andrew, The Secret World, S. 158.
  18. Vgl. Krieger, Geschichte der Geheimdienste; Warner, The Rise and Fall, S. 24-29.
  19. Zur Geschichte des OSS und dessen Prägekraft auf die Nachkriegsdienste der USA siehe Michael Warner, Prolonged Suspense: The Fortier Board and the Transformation of the Office of Strategic Services, in: Journal of Intelligence History 2 (2002), H. 1, S. 65-76; siehe auch Wolf, Die Entstehung, S. 105-107.
  20. Vgl. Richard J. Aldrich, GCHQ: The Uncensored Story of Britain’s most Secret Intelligence Agency, London 2010, S. 59.
  21. Bezogen auf Westdeutschland der späten 1940er- und frühen 1950er-Jahre: Klaus-Dietmar Henke, Geheime Dienste: Die politische Inlandsspionage der Organisation Gehlen 1946-1953, Berlin 2018.
  22. Michael Herman, Intelligence Power in War and Peace, Cambridge 1996, S. 37.
  23. Warner, The Rise and Fall, S. 16; siehe auch Farson, Schools of Thought, S. 28.
  24. Vgl. Peter Gill/Stephen Marrin/Mark Phythian (Hrsg.), Intelligence Theory: Key Questions and Debates, London 2009; David Kahn, An Historical Theory of Intelligence, in: Intelligence and National Security 16 (2001), H. 3, S. 79-92.
  25. Michael Warner, Wanted: A Definition of Intelligence, in: Christopher M. Andrew/ Richard J. Aldrich/ Wesley K. Wark (Hrsg.), Secret Intelligence. A Reader, London/New York 2009, S. 3-1, hier S. 3.
  26. Michael Herman, Intelligence Power in Peace and War, Cambridge 1996, S. 35.
  27. Dieses Argument bei Olivier Chopin, Intelligence Reform and the Transformation of the State: The End of a French Exception, in: Journal of Strategic Studies 40 (2017), H. 4, S. 532-553, hier S. 540.
  28. Für die Niederlande: Constant W. Hijzen, The Perpetual Adversary. How Dutch Security Services Perceived Communism (1918-1989), in: Historical Social Research 38 (2013), H. 1, S. 166-199; für Frankreich: Sébastien Laurent, Politiques de l’ombre: État, renseignement et surveillance en France, Paris 2009; Gérald Arboit, Des services secrets pour la France. Du Dépôt de la Guerre à la DGSE (1856-2013), Paris 2014.
  29. Siehe besonders: Gerhard Sälter, Phantome des Kalten Krieges. Die Organisation Gehlen und die Wiederbelebung des Gestapo-Feindbildes „Rote Kapelle“, Berlin 2016; Jost Dülffer, Geheimdienst in der Krise: Der BND in den 1960er-Jahren, Berlin 2018; Agilolf Keßelring, Die Organisation Gehlen und die Neuformierung des Militärs in der Bundesrepublik, Berlin 2017; Wolf, Die Entstehung; Henke, Geheime Dienste.
  30. Uwe Spiekermann, Introduction, in: ders./Patricia C. Sutcliffe (Hrsg.), The Stasi at Home and Abroad. Domestic Order and Foreign Intelligence, Washington 2014 (Bulletin of the German Historical Institute, Supplement 9), S. 11-31, hier S. 14, online unter https://www.ghi-dc.org/fileadmin/publications/Bulletin_Supplement/Supplement_9/supp9.pdf [30.11.2020].
  31. Christopher Andrew, Intelligence, International Relations and „Under-theorisation“, in: Intelligence and National Security 19 (2004), H. 2, S. 170-184, hier S. 176.
  32. Vgl. Hoffmann, Why is there no IR Scholarship, S. 6; Jonathan Luke Austin, We Have never Been Civilized: Torture and the Materiality of World Political Binaries, in: European Journal of International Relations 23 (2017), H. 1, S. 49-73.
  33. Siehe dazu: Rüdiger Bergien, Im „Generalstab der Partei“: Organisationskultur und Herrschaftspraxis in der SED-Zentrale (1946-1989), Berlin 2017, Kapitel VI.
  34. Vgl. David M. Barrett, The CIA and Congress: The Untold Story from Truman to Kennedy, Lawrence 2005; übergreifend: Loch K. Johnson, Spy Watching: Intelligence Accountability in the United States, New York 2018.
  35. Philip H.J. Davies, Intelligence Culture and Intelligence Failure in Britain and the United States, in: Cambridge Review of International Affairs 17 (2004), H. 3, S. 495-520, hier S. 496.
  36. Vgl. Abram N. Shulsky/Gary J. Schmitt, Silent Warfare. Understanding the World of Intelligence, Dulles 2002, S. 1-3; Warner, Wanted, S. 7.
  37. Vgl. Gieseke, Intelligence History und ihre Quellen, S. 103.
  38. Frank Owen, The Eddie Chapman Story, New York 1954.
  39. Siehe dazu: Richard J. Aldrich, CIA History as Cold War Battleground: The Forgotten First Wave of Agency Narratives, in: Moran/Murphy (Hrsg.), Intelligence Studies in Britain, S. 19-46.
  40. Vgl. Paul Maddrell, What we Have Discovered about the Cold War is What we already Knew: Julius Mader and the Western Secret Services During the Cold War, in: Cold War History 5 (2005), H. 2, S. 235-258.
  41. In diese Kategorie fallen die publizierten Erinnerungen des vormaligen CIA-Direktors Allan W. Dulles („The Craft of Intelligence“, New York 1963) sowie die vom BND inspirierte Geschichte der deutschen Abwehr: Gert Buchheit, Der deutsche Geheimdienst: Geschichte der militärischen Abwehr, München 1966.
  42. Vgl. Tity de Vries, The 1967 Central Intelligence Agency Scandal. Catalyst in a Transforming Relationship between State and People, in: The Journal of American History 98 (2012), H. 4, S. 1075-1092.
  43. Vgl. Loch K. Johnson, The Church Committee Investigation of 1975 and the Evolution of Modern Intelligence Accountability, in: Intelligence and National Security 23 (2008), H. 2, S. 198-225.
  44. Johnson, Spy Watching, S. 145-154; Malcolm Byrne, Iran-Contra: Reagan’s Scandal and the Unchecked Abuse of Presidential Power, Lawrence 2014.
  45. Vgl. Erin Blakemore, Over 12 Million Pages of CIA Documents Are Now Accessible Online, in: Smithsonian Magazine, January 18, 2017, https://www.smithsonianmag.com/smart-news/over-12-million-pages-cia-documents-are-now-accessible-online-180961846/ [30.11.2020].
  46. Vgl. „U.S. Declassified Documents Online, Gale Primary Sources o.D., https://www.gale.com/intl/c/us-declassified-documents-online [30.11.2020].
  47. Vgl. National Security Archive, https://nsarchive.gwu.edu/digital-national-security-archive [30.11.2020].
  48. Calder Walton, Historical Amnesia. British and U.S. Intelligence, Past and Present, in: Secrecy and Society 2 (2018), H. 1, S. 1-30, hier S. 10-12, online unter https://scholarworks.sjsu.edu/secrecyandsociety/vol2/iss1/8/ [30.11.2020].
  49. Christopher R. Moran, The Pursuit of Intelligence History: Methods, Sources, and Trajectories in the United Kingdom, in: Studies in Intelligence 55 (2011), H. 2, S. 33-55, hier S. 43.
  50. Vgl. Gill Bennett, Declassification and Release Policies of the UK’s Intelligence Agencies, in: Intelligence and National Security 17 (2002), S. 21-32.
  51. Vgl. Richard J. Aldrich, Policing the Past: Official History, Secrecy and British Intelligence since 1945, in: English Historical Review 119 (2004), Nr. 483, S. 922-953.
  52. Kim Philby, My Silent War, London 1968; siehe auch John Lewis Gaddis, Intelligence, Espionage, and Cold War Origins. in: Diplomatic History 13 (1989), H. 2, S. 191-212.
  53. Als erster französischer Historiker, der sich dem Gegenstand der Spionage ernsthaft annahm, gilt Alain Dewerpe, Espion: Une anthropologie historique du secret d'État contemporain, Paris 1994. Für das Desinteresse an der Nachrichtendienstgeschichte in Deutschland ist signifikant, dass das zwischen 1979 und 2009 erschienene 14-bändige Mammutwerk „Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg“ ohne einen eigenen Beitrag zu Spionage, Geheimdienst und Technischer Aufklärung auskam. Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, 14 Bde., hg. v. Militärgeschichtlichen Forschungsamt, München 1984-2009.
  54. Vgl. für Deutschland: Markus Goldbeck, Mielkes Erbe. Eine Geschichte der Stasi-Unterlagen-Behörde (1989-2005), Frankfurt a.M. i.E.
  55. Siehe u.a. Georg Herbstritt/Erich Schmidt-Eenboom (Hrsg.), Das Gesicht dem Westen zu. DDR-Spionage gegen die Bundesrepublik Deutschland; Bremen 2003; zuletzt: Jens Gieseke/Andrea Bahr, Die Staatssicherheit und die Grünen. Zwischen SED-Westpolitik und Ost-West-Kontakten, Berlin 2016.
  56. Vgl. Paul Maddrell, Spying on Science: Western Intelligence in Divided Germany 1945-1961, Oxford 2006.
  57. Vgl. Helmut Müller-Enbergs, „Rosenholz“. Eine Quellenkritik, Berlin 2007.
  58. Über den Umgang mit der Überlieferung des MfS nach 1978 siehe demnächst Goldbeck, Mielkes Erbe.
  59. Mit Blick auf Rumänien: Paul Maddrell, The Opening of the State Security Archives of Central and Eastern Europe, in: International Journal of Intelligence and CounterIntelligence 27 (2014), H. 1, S. 1-26.
  60. Siehe u.a. Jonathan Haslam, Near and Distant Neighbors. A New History of Soviet Intelligence, New York 2015; Matthias Uhl, The Professionalization of Soviet Military Intelligence and its Influence on the Berlin Crisis under Khrushchev, in: Thomas Wegener Friis/Kristie Macrakis/Helmut Müller-Enbergs (Hrsg.), East German Foreign Intelligence: Myth, Reality and Controversy, London 2009.
  61. Christopher Andrew/Vasili N. Mitrochin, Das Schwarzbuch des KGB. Moskaus Kampf gegen den Westen, Berlin 1999. Diese Bände fußen auf einem Tausende von Dokumenten-Abschriften umfassenden privaten Archiv Mitrochins und behandeln die Auslandsoperationen des KGB und seiner Vorgängerdienste MGB, NKWD und Tscheka. Einen substanziellen Fortschritt lässt hier die Monografie des Stanford-Historikers Amir Weiner erwarten: Amir Weiner, KGB: Ruthless Sword, Imperfect Shield, i.E.
  62. Einblicke z.B. in die Repressionspraxis und die Spionageabwehr des KGB auf regionaler Ebene bzw. in der Peripherie bieten demgegenüber neuere Studien, die sich auf die in den Archiven vormaliger Sowjetrepubliken verbliebenen Akten z.B. in Vilnius oder Kiew stützen; siehe u.a. das Forschungsprojekt von Evgenia Lezina am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam „Die politischen und Machtressourcen der sowjetischen Staatssicherheit. Strukturen, Praktiken und Methoden des KGB im letzten Jahrzehnt der Sowjetunion“, https://zzf-potsdam.de/de/forschung/projekte/die-politischen-machtressourcen-der-sowjetischen-staatssicherheit-strukturen [30.11.2020].
  63. Vgl. dazu: Christian Mentel, Der kritische Blick auf sich selbst. Zur Verantwortung der historiografischen Zunft in der Behördenforschung, in: Marcus Böick/Marcel Schmeer (Hrsg.), Im Kreuzfeuer der Kritik. Umstrittene Organisationen im 20. Jahrhundert, Frankfurt a.M. 2020, S. 139-161; Christian Mentel/Niels Weise, Die zentralen deutschen Behörden und der Nationalsozialismus. Stand und Perspektiven der Forschung, hg. von Frank Bösch/Martin Sabrow/Andreas Wirsching, München/Potsdam 2016.
  64. Helmut R Hammerich, „Stets am Feind“. Der Militärische Abschirmdienst (MAD) 1956-1990, Göttingen 2019.
  65. Zum BfV: Constantin Goschler/Michael Wala, „Keine neue Gestapo“: Das Bundesamt für Verfassungsschutz und die NS-Vergangenheit, Reinbek 2015; eine Übersicht über die bisher vorliegenden Veröffentlichungen der Unabhängigen Historikerkommission für die BND-Geschichte findet sich auf der Projektwebsite http://www.uhk-bnd.de/?page_id=340 [30.11.2020].
  66. Siehe Armin Wagner, Rezension von: Ronny Heidenreich, Die DDR-Spionage des BND. Von den Anfängen bis zum Mauerbau, Berlin 2019, in: sehepunkte 20 (2020), Nr. 2, 15.02.2020, http://www.sehepunkte.de/2020/02/32831.html [30.11.2020].
  67. Christopher M. Andrew, The Defence of the Realm: The Authorized History of MI5, London 2009.
  68. Keith Jeffery, MI6: The History of the Secret Intelligence Service 1909-1949, London 2010.
  69. Michael S. Goodman, The Official History of the Joint Intelligence Committee, Vol. 1: From the Approach of the Second World War to the Suez Crisis, London/New York 2014.
  70. John Ferris, Behind the Enigma. The Authorised History of GCHQ, Britain’s Secret Cyber-Intelligence Agency, London 2020.
  71. Tim Weiner, Legacy of Ashes. The History of the CIA, New York 2007; Matthew M. Aid, The Secret Sentry: The Untold History of the National Security Agency, New York 2009; Gordon Thomas, Gideon’s Spies. The Secret History of the Mossad, London 1995.
  72. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Organisationen in der neueren Geschichte trotz oder wegen ihrer Omnipräsenz lange zu den unterbelichteten Forschungsgegenständen zählten, siehe Marcus Böick/Marcel Schmeer, Aus dem toten Winkel ins „Kreuzfeuer der Kritik“? Organisationen in der zeithistorischen Theorie und Praxis, in: dies. (Hrsg.), Im Kreuzfeuer der Kritik, S. 9-65.
  73. Aldrich, GCHQ.
  74. Vgl. hierzu aber Armin Müller, Wellenkrieg: Agentenfunk und Funkaufklärung des Bundesnachrichtendienstes 1945-1968, Berlin 2017.
  75. Andrew, The Defence of the Realm.
  76. Siehe u.a. die Beiträge in Thomas Grotum (Hrsg.), Die Gestapo Trier. Beiträge zur Geschichte einer regionalen Verfolgungsbehörde, Köln 2018; Michael Wildt, Nachrichtendienst, politische Elite und Mordeinheit: Der Sicherheitsdienst des Reichsführers SS, Hamburg 2003.
  77. Siehe Jens Gieseke, Die hauptamtlichen Mitarbeiter der Staatssicherheit: Personalstruktur und Lebenswelt 1950-1989/90, hg. BStU, Berlin 2000; Uwe Krähnke/Matthias Finster/Philipp Reimann/Anja Zschirpe (Hrsg.), Im Dienst der Staatssicherheit: Eine soziologische Studie über die hauptamtlichen Mitarbeiter des DDR-Geheimdienstes, Frankfurt a.M. 2017.
  78. Vgl. Weiner, KGB.
  79. Vgl. Christoph Rass, Das Sozialprofil des Bundesnachrichtendienstes: Von den Anfängen bis 1968, Berlin 2016; Sälter, Phantome; Goschler/Wala, „Keine neue Gestapo“.
  80. Wolf, Die Entstehung, S. 502.
  81. Vgl. Burton Hersh, The Old Boys: The American Elite and the Origins of the CIA, St. Petersburg FL 1992.
  82. Christopher Grey, Decoding Organization: Bletchley Park, Codebreaking and Organization Studies, Cambridge 2012; siehe auch Jana Costas/Christopher Grey, Bringing Secrecy into the Open: Towards a Theorization of the Social Processes of Organizational Secrecy, in: Organization Studies 35 (2014), H. 10, S. 1423-1447; im Anschluss an Grey, Wolf, Die Entstehung, bes. S. 21f.
  83. Die CIA-Counterintelligence wurde zwischen 1954 und 1974 geleitet durch den als „cold warrior“ berüchtigten James Jesus Angleton, siehe Kapitel 10 („In the Wilderness“) in Johnson, Spy Watching; zum Directorate of Science and Technology: Jeffrey T. Richelson, The Wizards of Langley: Inside the CIA’s Directorate of Science and Technology, Oxford 2001.
  84. Eva Horn, Der geheime Krieg: Verrat, Spionage und moderne Fiktion, Frankfurt a.M. 2007, S. 127.
  85. Ebd.
  86. Karen Hagemann, Militär, Krieg und Geschlecht: Ein Kommentar zur Militärgeschichtsschreibung in der MGZ, in: Militärgeschichtliche Zeitschrift 76, Sonderbeilage (2017), S. 175-184, hier S. 184, online unter https://www.degruyter.com/view/journals/mgzs/76/s1/article-p175.xml [30.11.2020].
  87. Andrew, The Defence of the Realm, S. 550.
  88. Gabriele Gast, Kundschafterin des Friedens: 17 Jahre Topspionin der DDR beim BND, Frankfurt a.M. 1999.
  89. Vgl. Herman, Intelligence Power, S. 63.
  90. Vgl. Horn, Der geheime Krieg, S. 243-257.
  91. Vgl. Robert Chadwell Williams, Klaus Fuchs. Atom Spy, Cambridge 1987.
  92. Dazu: Eckard Michels, Guillaume, der Spion. Eine deutsch-deutsche Karriere, Berlin 2013.
  93. Vgl. Herman, Intelligence Power, S. 63.
  94. Horn, Der geheime Krieg, S. 79.
  95. So zumindest die Erinnerung eines ehemaligen KGB-Offiziers: Oleg Kalugin, Spymaster. My Thirty-two Years in Intelligence and Espionage Against the West, London 1994, S. 164f.
  96. Paul Maddrell, The Economic Dimension of Cold War Intelligence-Gathering. The West’s Spies in the GDR’s Economy, in: Journal of Cold War Studies 15 (2013), H. 3, S. 76-107.
  97. Siehe jetzt umfassend: Ronny Heidenreich, Die DDR-Spionage des BND. Von den Anfängen bis zum Mauerbau, Berlin 2019; sowie Keith R. Allen, Interrogation Nation: Refugees and Spies in Cold War Germany, Lanham 2017.
  98. Siehe u.a. Hermann Wentker, Die DDR in den Augen des BND (1985-1990). Ein Interview mit Dr. Hans-Georg Wieck, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 56 (2008), H. 2, S. 323-358, online unter https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/2008_2_5_wentker.pdf [30.11.2020]; siehe ferner Jens Gieseke, Die ostdeutsche Volksmeinung (in Vorbereitung), siehe https://zzf-potsdam.de/de/forschung/projekte/die-ostdeutsche-volksmeinung [30.11.2020].
  99. Siehe Sönke Neitzel, Abgehört. Deutsche Generäle in britischer Kriegsgefangenschaft 1942-1945, Berlin 2005; ders./Harald Welzer, Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben, Frankfurt a.M. 2011; Harald Welzer/Sönke Neitzel/Christian Gudehus (Hrsg.), „Der Führer war wieder viel zu human, viel zu gefühlvoll“. Der Zweite Weltkrieg aus der Sicht deutscher und italienischer Soldaten, Frankfurt a.M. 2011.
  100. Vgl. Raymond Garthoff, US Intelligence in the Cuban Missile Crisis, in: Intelligence and National Security 13 (1998), H. 3, S. 18-63; Amy B. Zegart, The Cuban Missile Crisis as Intelligence Failure, in: Policy Review October & November 2012, S. 23-39, online unter https://www.hoover.org/research/cuban-missile-crisis-intelligence-failure [30.11.2020].
  101. Prägnant dazu: Christopher Andrew, Reflections on Intelligence Historiography since 1939, in: Gregory F. Treverton/Wilhelm Agrell (Hrsg.), National Intelligence Systems: Current Research and Future Prospects, New York 2009, S. 38-57; Michael Warner, Reflections on Technology and Intelligence Systems, in: Intelligence & National Security 27 (2012), H. 1, S. 133-153.
  102. Vgl. Aldrich, GCHQ, S. 375.
  103. Einen instruktiven Einblick in die Strukturen der BND-Auswertung der 1960er-Jahre und in die kollektiven Dispositionen ihrer Mitarbeiter bieten jedoch Andreas Hilger/Armin Müller, „Das ist kein Gerücht, sondern echt.“ Der BND und der „Prager Frühling“ 1968, Marburg 2013 (Unabhängige Historikerkommission zur Erforschung der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes 1945-1968, Studien, 4) in ihrem Kapitel 4 (S. 77-100); aufschlussreich hinsichtlich der Arbeitsweise der CIA-„Intelligence Analysis“ ist die faszinierende Studie von Rob Johnston, Analytic Culture in the U.S. Intelligence Community. An Ethnographic Study, Washington 2005 (Central Intelligence Agency Center for the Study of Intelligence).
  104. Vgl. James Wirtz, The Tet Offensive: Intelligence Failure in War, Cornell 1991.
  105. Dazu: Bruce Berkowitz, U.S. Intelligence Estimates of the Soviet Collapse: Reality and Perception, in: International Journal of Intelligence and CounterIntelligence 21 (2009), H. 2, S. 237-250.
  106. Grundlegend: Robert Jervis, Why Intelligence Fails. Lessons from the Iranian Revolution and the Iraq War, Ithaca, London 2010; siehe auch John Hollister Hedley, Learning from Intelligence Failures, in: International Journal of Intelligence and CounterIntelligence 18 (2005), H. 3, S. 435-450.
  107. Horn, Der geheime Krieg, S. 127.
  108. Roberta Wohlstetter, Pearl Harbor. Warning and Decision, Stanford, CA 1962; vgl. auch den klassischen Text von Richard K. Betts, Analysis, War, and Decision. Why Intelligence Failures Are Inevitable, in: World Politics 31 (1978), H. 1, S. 61-89.
  109. Die unterschiedlichen Faktoren veranschaulicht Paul Maddrell, Introduction. Achieving Objective, Policy-Relevant Intelligence, in: ders. (Hrsg.), The Image of the Enemy. Intelligence Analysis of Adversaries since 1945, Washington, DC, 2015, S. 1–27.
  110. Amy B. Zegart, Spying Blind. The CIA, the FBI, and the Origins of 9/11, Princeton, N.J. 2007; mit Blick auf organisationskulturelle Faktoren siehe auch Milo Jones/Philippe Silberzahn, Constructing Cassandra. Reframing Intelligence Failure at the CIA, 1947-2001, Palo Alto 2013.
  111. Vgl. Heidenreich, Die DDR-Spionage.
  112. Vgl. Christopher M. Andrew, For the President’s Eyes Only: Secret Intelligence and the American Presidency from Washington to Bush, New York 1995.
  113. Siehe Douglas Porch, The French Secret Services. From the Dreyfus Affair to the Gulf War, New York 1995, S. 405.
  114. Zum Konzept der „Intelligence Culture“ siehe die Beiträge in Ball/Gassert/Gestrich (Hrsg.), Cultures of Intelligence in the Era of the World Wars; Mark Phythian, Cultures of National Intelligence, in: Robert Dover/Michael S. Goodman/Claudia Hillebrand (Hrsg.), Routledge Companion to Intelligence Studies, New York 2014, S. 33-41.
  115. Loch K. Johnson, America’s Secret Power. The CIA in a Democratic Society, New York 1989, S. 18.
  116. Eine alternative Sichtweise besteht darin, „covert action“ als Instrument der Außen- und Sicherheitspolitik eines Staats zu fassen, für dessen Durchführung neben Nachrichtendiensten auch das Militär und andere Organe verantwortlich sein können. Vgl. Herman, Intelligence Power, S. 55f.
  117. Vgl. Kevin A. O’Brien, Interfering with Civil Society: CIA and KGB Covert Political Action during the Cold War, in: International Journal of Intelligence and CounterIntelligence 8 (1995), H. 4, S. 431-456, hier S. 432.
  118. Johnson, America’s Secret Power, S. 17.
  119. Krieger, Geschichte der Geheimdienste, S. 251f.
  120. Vgl. Anne Applebaum, Iron Curtain: The Crushing of Eastern Europe, 1944-1956, New York 2013.
  121. Siehe Susanne Muhle, Auftrag Menschenraub: Entführungen von Westberlinern und Bundesbürgern durch das Ministerium für Staatssicherheit der DDR, Göttingen 2015.
  122. Vgl. Enrico Heitzer, Die Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit (KgU): Widerstand und Spionage im Kalten Krieg 1948-1959, Köln 2015.
  123. Vgl. dazu: Richard J. Aldrich, The Hidden Hand: Britain, America and Cold War Secret Intelligence, London 2001; Sarah-Jane Corke, US Covert Operations and Cold War Strategy: Truman, Secret Warfare, and the CIA, 1945-1953, New York 2008.
  124. So Herman, Intelligence Power, S. 55.
  125. Siehe dazu: Andrew, For the President’s Eyes Only, S. 169-172; O’Brien, Interfering with Civil Society, S. 441.
  126. Vgl. ebd., S. 441-443; zum außenpolitischen Kontext siehe Bernd Stöver, Die Befreiung vom Kommunismus. Amerikanische Liberation Policy im Kalten Krieg 1947-1991, Köln 2002.
  127. Vgl. Michael Lemke, Kampagnen gegen Bonn. Die Systemkrise der DDR und die West-Propaganda der SED 1960-1963, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 41(1993), 2, S. 153-174, online unter https://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1993_2_1_lemke.pdf [30.11.2020].
  128. Christopher Andrew, Reflections on Intelligence Historiography since 1939, in: Wilhelm Agrell/Gregory F. Treverton (Hrsg.), National Intelligence Systems, Current Research and Future Prospects, New York 2009, S. 38-57, hier S. 45f.
  129. Gieseke/Bahr, Die Staatssicherheit und die Grünen.
  130. Tim Weiner, Legacy of Ashes; ders., Enemies. A History of the FBI, New York 2012; Rhodri Jeffreys-Jones, The CIA and American Democracy, New Haven 1989; zur Einflussnahme der CIA auf US-Kulturinstitutionen und -Akteure siehe ferner Hugh Wilford, The mighty Wurlitzer. How the CIA Played America, Cambridge, MA 2008; zu COINTELPRO: David Cunningham, There’s Something Happening Here: The New Left, the Klan, and FBI Counterintelligence, Berkeley 2004; James Kirkpatrick Davis, Spying on America: The FBI’s Domestic Counterintelligence Program, New York 1992.
  131. Henke, Geheime Dienste, 2 Bde.; Dülffer, Geheimdienst in der Krise.
  132. Goschler/Wala, „Keine neue Gestapo“.
  133. Siehe u.a. Christopher Moran, Classified: Secrecy and the State in Modern Britain, Cambridge 2013; Willmetts, The Cultural Turn.
  134. Siehe Wolfgang Krieger, Die historische Entwicklung der demokratischen Kontrolle von Geheimdiensten, in: Wolbert Smidt/Ulrike Poppe/Wolfgang Krieger/Helmut Müller-Enbergs (Hrsg.), Geheimhaltung und Transparenz – Die demokratische Kontrolle von Geheimdiensten: ein internationaler Vergleich, Münster 2007, S. 13-30.
  135. In den Worten des Vorsitzenden des Armed Services Committee des US-Kongresses Carl Hayden: „How would it be possible to keep the American people fully informed and at the same time keep our Communist enemies in Moscow in the dark?“ Zit. nach David M. Barrett, The CIA and Congress: The Untold Story from Truman to Kennedy, Lawrence, KS, 2005, S. 231f.
  136. Jost Dülffer, Geheimdienst in der Krise: Der BND in den 1960er-Jahren, Berlin 2018.
  137. Zur Entwicklung in den USA: Johnson, Spy Watching; zur Bundesrepublik: Dülffer, Geheimdienst in der Krise; zu Großbritannien: Mark Phythian, The British Experience with Intelligence Accountability, in: Intelligence and National Security 22 (2007), H. 1, S. 75-99.
  138. Vgl. Loch K. Johnson, A Shock Therapy of Congressional Accountability for Intelligence, in: ders. (Hrsg.), Handbook of Intelligence Studies, New York 2007, S. 343-360.
  139. Goschler, Intelligence, Mistrust and Transparency.
  140. Zur Profumo-Affäre: Moran, The Pursuit, S. 36; zu „Iran-Contra“: James T. Currie, Iran-Contra and Congressional Oversight of the CIA, in: International Journal of Intelligence and CounterIntelligence 11 (1998), H. 2, S. 185-210; zu den NSA-Leaks: Glenn Greenwald, No Place to Hide: Edward Snowden, the NSA, and the U.S. Surveillance State, New York 2014.
  141. Richard J. Aldrich, Regulation by Revelation? Intelligence, Transparency and the Media, in: Robert Dover/Michael S. Goodman (Hrsg.), Spinning Intelligence: Why Intelligence Needs the Media, why the Media Needs Intelligence, London 2009, S. 13-37, hier S. 13.
  142. Zu diesem Konflikt: Constantin Goschler/Christopher Kirchberg/Jens Wegener, Sicherheit, Demokratie und Transparenz. Elektronische Datenverbundsysteme in der Bundesrepublik und den USA in den 1970er und 1980er-Jahren, in: Frank Bösch (Hrsg.), Wege in die digitale Gesellschaft. Computernutzung in der Bundesrepublik 1955-1990, Göttingen 2018, S. 64-86.
  143. S. z.B. Marcus M. Payk, Globale Sicherheit und ironische Selbstkontrolle. Die James-Bond-Filme der 1960er-Jahre, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe, 7 (2010), H. 2, https://zeithistorische-forschungen.de/2-2010/4636 [30.11.2020]. Druckausgabe: S. 314-322. Hier auch weiterführende Literatur in den Anmerkungen.
  144. Moran/Murphy, Intelligence Studies Now and Then, S. 12.
  145. So Horn, Der geheime Krieg, S. 34.
  146. Vgl. Willmetts, Reconceiving Realism, Anm. 27.
  147. Vgl. Trevor McCrisken/Christopher R. Moran, James Bond, Ian Fleming and Intelligence: Breaking down the Boundary between the „real“ and the „imagined“, in: Intelligence and National Security 33 (2018), H. 6, S. 804-821, hier S. 808; Amy B. Zegart, „ Spytainment“: The Real Influence of Fake Spies, in: International Journal of Intelligence and CounterIntelligence 23 (2010), S. 599-622.
  148. Vgl. Goschler/Wala: „Keine neue Gestapo“, S. 331; Hammerich, „Stets am Feind“, S. 451-456.
  149. McCrisken/Moran, James Bond, Ian Fleming and Intelligence, S. 808.
  150. Siehe u.a. die Beiträge in Moran/Murphy (Hrsg.), Intelligence Studies in Britain.
  151. Vgl. Simon Willmetts, In Secrecy’s Shadow: The OSS and CIA in Hollywood Cinema 1941-1979, Edinburgh 2016.
  152. Siehe u.a. Dietmar Kammerer, Surveillance in Literature, Film and Television, in: Kirstie Ball/Kevin D. Haggerty/David Lyon (Hrsg.), Routledge Handbook of Surveillance Studies, London/New York 2012, S. 99-106; John Macgregor Wise, Surveillance and Film, New York 2016.
  153. Aldrich, GCHQ, S. 38.
  154. Jon Agar, Putting the Spooks Back in? The UK Secret State and the History of Computing, in: Information & Culture: A Journal of History 51 (2016), H. 1, S. 102-124, hier S. 114. Ein Acre sind 4046,85642 Quadratmeter.
  155. Vgl. Warner, Reflections on Technology.
  156. Zu ähnlichen, sogar systemübergreifenden Kontakten siehe Rüdiger Bergien, Programmieren mit dem Klassenfeind. Die Stasi, Siemens und der Transfer von EDV-Wissen im Kalten Krieg, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 67 (2019), H. 1, S. 1-30.
  157. Colin B. Burke, America’s Information Wars. The Untold Story of Information Systems in America’s Conflicts and Politics from World War II to the Internet Age, Lanham 2018, S. 213-215.
  158. Warner, The Rise and Fall, S. 62.
  159. Vgl. Aldrich, GCHQ, S. 25.
  160. Siehe Tim B. Müller, Krieger und Gelehrte: Herbert Marcuse und die Denksysteme im Kalten Krieg, Hamburg 2010.
  161. Vgl. Müller, Wellenkrieg, S. 276-278; David C. Engerman, Know your Enemy. The Rise and Fall of America’s Soviet Experts, New York 2009.
  162. Shulsky/Schmitt, Silent Warfare, S. XII, 1; zit. n. Władysław Bułhak, Similar but not the Same: ln Search of a Methodology in the Cold-War Communist Intelligence Studies, in: ders./Thomas Wegener Friis (Hrsg.), Need to Know: Eastern and Western Perspectives, Odense 2014, S. 19-43, hier S. 21f.
  163. Siehe aber Ronald E. Doel/Allan A. Needell, Science, Scientists, and the CIA: Balancing International Ideals, National Needs, and Professional Opportunities, in: Intelligence and National Security 12 (1997), H. 1, S. 59-81.
  164. Jürgen Danyel, Zeitgeschichte der Informationsgesellschaft, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe 9 (2012), H. 2, http://www.zeithistorische-forschungen.de/2-2012/id=4441 [30.11.2020], Druckausgabe S. 186-211.