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Aktueller Artikel
von Christof Dipper
Das Wort Moderne spielt seit den 1980er-Jahren in vielen Disziplinen eine wichtige Rolle, während es bis dahin fast ganz auf die Kunst- und Literaturwissenschaft beschränkt war. Der Begriff meint aber keineswegs überall dasselbe. Gegenwärtig lassen sich wenigstens drei verschiedene Bedeutungen ausmachen: Ihrem Ursprung nach meint Moderne eine Stilrichtung in Literatur, Musik, Kunst oder Architektur, die sich gegenüber dem Bestehenden als das absolut Neue, Präzedenzlose, als radikaler Bruch mit jeglicher Konvention ausgab. Das hat aber nicht verhindert, dass, abgesehen von der Architektur, alle Spielarten „modernen” Stils inzwischen längst der Vergangenheit angehören. Nicht viel jünger ist die zweite Bedeutung. Hier meint Moderne die Verbindung von Zeitdiagnose und Weltverhalten: Rationalismus gilt als die wichtigste Errungenschaft der Moderne, nach seinem Rezept soll die Welt umgestaltet werden. In diesem Verständnis ist Moderne eine universal gedachte Norm, ein Wert, der überwiegend positiv besetzt ist. Soziologen/innen, Politologen/innen und Philosophen/innen neigen sehr zu dieser Vorstellung von Moderne. Die jüngste Bedeutung von Moderne meint eine geschichtliche Epoche. Zwar sind auch die beiden anderen Moderne-Versionen in der Zeit verortet, aber es fehlt ihnen der Epochencharakter, d.h. eine Zeiteinheit, die unterschiedlichste Merkmale sinnstiftend zusammenfasst. Weil bei Historiker/innen Anfang und Ende einer Epoche immer umstritten sind, gibt es in der Geschichtswissenschaft mehrere Varianten einer Epoche dieses Namens. Die einen verlegen ihren Beginn auf 1500 – dann handelt es sich einfach um ein anderes Wort für Neuzeit –, andere dagegen (wie auch die Sozialwissenschaften) auf die Zeit um 1800. Im Folgenden wird ein Vorschlag unterbreitet, der die Selbstaussagen der Zeitgenossen ernst und diese beim Wort nimmt. Deshalb ist auch die Datierung eine andere.mehr...
ist ein Nachschlagewerk zu zentralen Begriffen, Konzepten, Forschungsrichtungen und Methoden der zeithistorischen Forschung. Vorgestellt wird das Spektrum der in der zeithistorischen Forschung behandelten Themen und der damit verbundenen methodischen Fragen und Zugriffe. Dokumentiert werden Debatten, von denen Impulse für Forschungspraxis und Selbstverständnis des Faches ausgegangen sind. Dabei bezieht Docupedia-Zeitgeschichte auch theoretische Ansätze aus benachbarten Disziplinen mit ein. mehr...