1945

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Über Ereignisse, Folgen und Deutungen einer für Deutschland, Europa und die Welt bedeutsamen Zäsur reflektiert Christoph Kleßmann in seinem Beitrag über „1945“. Der Autor rekonstruiert zeitgenössische Interpretationen dieses Jahres als Niederlage, Befreiung oder Stunde Null und setzt sie ins Verhältnis zu historiografischen Deutungsmustern. Sein Beitrag für die Docupedia-Kategorie „Periodisierung“ vergleicht zudem „1945“ und „1989“ mit Blick auf das Spannungsverhältnis von gesellschaftsgeschichtlichen Brüchen und Kontinuitäten, das beide Chiffren aufrufen. Kleßmann diskutiert dabei auch, wie sich der Blick auf das Kriegsende durch den Fall der Mauer verändert hat.
1945 – welthistorische Zäsur und „Stunde Null“

von Christoph Kleßmann

Das Schlüsseljahr 1945 ist sicherlich primär eine europäische Größe, weil hier die Folgen besonders einschneidend waren. Ohne Frage reichte jedoch die Wirkung der mit diesem Jahr verknüpften Entwicklungen weit über Europa hinaus, wie nicht nur die welthistorische Zäsur des Atombombenabwurfs auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 verdeutlicht. Der Weltkrieg und seine Konsequenzen waren ein globales historisches Ereignis wie bislang wohl kein anderes. Zwei Drittel aller Staaten und drei Viertel der Weltbevölkerung waren davon betroffen. Für Deutschland stellte 1945 als Befreiung von der NS-Herrschaft auch „einen Tiefpunkt der neueren deutschen Geschichte” dar. Neben enormen Gebietsverlusten legte eine nie erlebte Zahl von Toten, Flüchtlingen und Vertriebenen, Vergewaltigten, Evakuierten und Gefangenen den Eindruck von Finis Germaniae nahe.[1]

Aus einer internationalen Perspektive lässt sich zugleich die oft verengte deutsche Sicht auf 1945 aufbrechen und in eine breitere Übergangsphase vom Beginn des deutschen Machtzerfalls 1943 bis zur Erstarrung der politischen Strukturen durch den Kalten Krieg erweitern. Das entspricht sowohl einem sozialgeschichtlichen wie einem erfahrungsgeschichtlichen Horizont.[2] Dass mit dem Ende der NS-Diktatur und des von ihr angezettelten Weltkrieges eine Befreiung verbunden war, die in Ostmitteleuropa sehr schnell wieder in ein neues Diktatursystem mündete, gehört zu den nicht auflösbaren Paradoxien des Jahres 1945. Für die osteuropäischen Völker ist dieser Zusammenhang sicherlich das wichtigste und schmerzlichste Element in der Erinnerung. Insofern wird sich das Jahr 1945, zu dessen symbolischen Chiffren auch Jalta gehört, kaum als gemeinsamer europäischer Erinnerungsort nutzen lassen.[3] „Die Erinnerung an das Kriegsende und an die Errichtung der Nachkriegsordnung ist derzeit bei weitem zu gegensätzlich – und auch partiell zu traumatisch –, um als Fundament einer europäischen Erinnerungskultur dienen zu können.”[4]

Mit dem Ende des Deutschen Reiches und des Zweiten Weltkrieges verbanden sich außer der Niederlage der rasseideologischen NS-Diktatur tiefgreifende Veränderungen weltweit, die freilich erst im Nachhinein offensichtlich wurden und den Zeitgenossen 1945 keineswegs klar vor Augen standen. Die neue Weltordnung, die Hitler in hypertrophen Machtphantasien entworfen hatte, wurde nun nicht zuletzt als Folge seines Scheiterns in ganz anderen Formen realisiert. 1945 endete auch die zwei Jahrhunderte andauernde Epoche, in der Europa die Welt beherrscht hatte. Es war zwar nicht das Ende Europas, wie manche befürchteten, aber „das Ende Europas als Gesetzgeber und Weltpolizist”. Insofern bedeutete dieses Jahr auch, wie der Soziologe Alfred Weber 1946 konstatierte, einen „Abschied von der bisherigen Geschichte”.[5] Karl Dietrich Bracher hat den historischen Ort des Zweiten Weltkrieges als „Ende des europäischen Zeitalters” charakterisiert.[6] Die Auflösung des europäischen Imperialismus und der europäischen Kolonien gehörte essenziell dazu. Die nationalistischen Kräfte von Algerien bis Indochina begrüßten das Ende des Nationalsozialismus als Beginn ihrer eigenen Befreiung. Aber die führenden europäischen Mächte hatten zunächst das Gegenteil im Sinn. Churchill wollte die Auflösung des Empire unbedingt verhindern, und die Franzosen dachten nach der Niederlage Deutschlands ebenfalls nicht daran, ihr Kolonialreich in Afrika und Asien abzuschreiben.[7] Dass der europäische Tag der Befreiung am 8. Mai 1945 sich auch mit dem fürchterlichen Massaker französischer Sicherheitskräfte im nordalgerischen Sétif verbindet, bei dem zwischen 15 000 und 45 000 Opfer zu beklagen waren, kommt in der europäischen Gedenkkultur kaum vor.[8] Erst der Druck der neuen Weltmacht USA, in anderer Weise auch der neuen Weltmacht Sowjetunion, die sich zum Fürsprecher der antiimperialistischen Befreiungsbewegungen machte, sorgte dafür, dass es keine wirkliche Chance gab, „das bröckelnde Gebäude des europäischen Imperialismus zu retten”.[9]

Ein anderes Element von enormer Wirkung und Sprengkraft ist im weiteren Zusammenhang von 1945 ebenfalls zu nennen: die Gründung Israels. Die Nationalsozialisten wollten die „Endlösung der Judenfrage” und realisierten sie in Europa in grauenhafter Konsequenz. Aber die Folge des Holocaust war mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung die Gründung eines jüdischen Staates. Damit aber wurde „das Ende der ‚jüdischen Frage' in Europa zu ihrem Beginn im Nahen Osten”.[10]

1945 als „Niederlage” und „Befreiung”

Eng verknüpft mit dem Kriegsende in Deutschland war die lange und in komplizierten Fronten verlaufende Debatte um das Jahr 1945 als „Niederlage” und „Katastrophe” oder als „Befreiung”. Diese Diskussion bekam ihre spezifisch politische Konnotation durch ihre Verbindung mit der Teilung Deutschlands. Während in der SBZ/DDR die Formel der „Befreiung vom Faschismus” kanonisiert wurde und bis zum Ende des ersten „Arbeiter-und-Bauern-Staates auf deutschem Boden” erhalten blieb, dominierten in Westdeutschland zunächst die düsteren Farben in der Kennzeichnung des Kriegsendes als „Niederlage”, „Kapitulation”, „Untergang” oder „Katastrophe”. Das bedeutete einerseits eine demonstrative Abgrenzung von der DDR. Es entsprach andererseits durchaus der Erfahrung und der Gefühlslage einer großen Mehrheit der Deutschen, die sich eben 1945 keineswegs befreit fühlte, auch wenn sie erleichtert war, dass der längst verlorene Krieg endlich vorbei war.

In keinem anderen Zusammenhang war der Begriff der Befreiung so unstrittig wie für das Ende der Konzentrationslager. Obwohl auch deren Geschichte in der Bundesrepublik keineswegs sofort im Zentrum der Zeitgeschichte und der politischen Aufarbeitung stand, ist diese Position einer besonders relevanten Minderheit im Gegensatz zur Bevölkerungsmehrheit stets zumindest stillschweigend anerkannt worden.[11] Eugen Kogons seit 1946 in vielen Auflagen erschienener Bericht über das System der deutschen Konzentrationslager „Der SS-Staat” machte diese Dimension der Befreiung auf besonders eindrucksvolle Weise deutlich, konnte damit aber beim Gros der Bevölkerung zunächst keineswegs den dominierenden Eindruck der katastrophalen Niederlage überdecken.

1945 wird aus deutscher und europäischer Sicht zumeist auf das Datum der Kapitulation am 8. Mai fokussiert. Damit verbanden sich in Deutschland zunächst eher negative Konnotationen, anders als für die von den Deutschen unterdrückten Völker. In der politischen Klasse gab es zwar in der Bundesrepublik bereits in den 1960er- und 1970er-Jahren Ansätze zu einer differenzierten Sicht, einen Durchbruch zu einem veränderten Paradigma „Befreiung” hat in der Öffentlichkeit aber erst 1985 die Rede des damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zum 8. Mai gebracht, die ein breites nationales und internationales Echo auslöste.[12] Die lange und vielfältige Diskursgeschichte der Gedenkfeiern zum 8. Mai bietet wichtige Einblicke in die innere Verfasstheit der beiden Staaten, ihren Umgang mit der gemeinsamen Vergangenheit, in geschichtspolitische Debatten, Rückwirkungen des deutsch-deutschen Systemkonflikts und allgemein in die Entwicklung der politischen Kultur in Deutschland.[13]

Die Entwicklung der Diskussion lässt sich in verschiedene Phasen aufgliedern. Während der Zeit der Besatzungszonen dominierten noch in West und Ost die Vorstellungen von Katastrophe und Zerstörung. In der Historiografie gab es Entsprechungen: Friedrich Meineckes Reflexionen über die „deutsche Katastrophe” entsprach im Osten die sogenannte Misere-Konzeption des KPD/SED-Funktionärs Alexander Abusch,[14] die erst Anfang der 1950er-Jahre ersetzt wurde. In der bis zur Währungsreform üppig sich entfaltenden westdeutschen Zeitschriftenlandschaft fanden sich vielfältige Erörterungen über Kriegsende, Katastrophe, Erneuerung und Restauration.[15] Einen fast programmatischen Fanfarenstoß bildete vor allem der Artikel von Walter Dirks in den damals auflagenstarken „Frankfurter Heften” von 1950 mit dem Titel „Der restaurative Charakter der Epoche”.[16]

In der nächsten Phase kennzeichnete vor allem eine deutliche Polarisierung zwischen Ost und West, aber auch innerhalb der westdeutschen Linken die Debatte. Je schärfer aus der DDR die Polemik gegen die „restaurative BRD” wurde, desto leiser wurden jedoch alle Töne von Restaurationskritik im Westen. Eine dritte Phase lässt sich mit den liberalen und linken Aufbrüchen in den späten 1960er-Jahren identifizieren. Das Restaurationsparadigma, dessen Bezugspunkt 1945 darstellte, wurde wieder massiv aufgewertet, und die Kritik an vermeintlichen frühen Fehlentwicklungen Westdeutschlands mündete in Forderungen nach strukturellen Reformen, als deren Reflex sich auch Willy Brandts programmatischer Satz in seiner ersten Regierungserklärung von 1969 „Mehr Demokratie wagen” verstehen lässt.[17] Aber erst mit der Rede von Weizsäcker und der um sie gruppierten breiten öffentlichen Debatte über den Charakter der Zäsur von 1945 lässt sich von einem wirklichen Paradigmenwechsel sprechen, der auch in Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien zu verfolgen ist.[18]

Ob diese Phase seit Mitte der 1980er-Jahre mit dem Ende des kommunistischen Systems in Europa und dem Untergang der DDR endete, kann offen bleiben. Unübersehbar ist jedoch die Verschiebung, die von der Revolution 1989/90 im Hinblick auf die Beurteilung von 1945 in Gang gesetzt wurde. Dazu kam ein deutlicher Schub in der Kommunismuskritik und an Trends der Renationalisierung in den ehemaligen Volksdemokratien.[19] Auch in Deutschland ist die Umwertung vieler historischer Urteile im Einzelnen evident. Ein keineswegs neuer, aber anders akzentuierter Opferdiskurs in Deutschland gehört zu den hervorstechenden Phänomenen.

1945 als „Stunde Null”

Mit der Zäsur von 1945 verbinden sich – wie mit vielen tiefen historischen Zäsuren – verschiedenste zeitgenössische und historiografische Charakterisierungen. Als „Stunde Null” wurde das Ende des blutigsten Krieges der bisherigen Geschichte wohl zuerst von Literaten bezeichnet, aber genau ist die Herkunft nicht zu eruieren.[20] Die Metapher ging als populäres Schlagwort in die Umgangssprache und in die Berichterstattung über Kriegsende und Neuanfang ein und hat sich dauerhaft gehalten. Dahinter stand die Vorstellung von der totalen Niederlage als Endpunkt und Ausdruck von Hoffnungslosigkeit, aber auch von Chancen für einen vollständigen politischen und gesellschaftlichen Neuanfang. Die intensive zeitgenössische Debatte um Neuordnung und Restauration, die sowohl in den politischen Parteien wie in den politisch-literarischen Zeitschriften stattfand, hat hier ihren Ursprung. Eines der prominentesten Blätter der frühen Nachkriegszeit, der aus einer Zeitschrift deutscher Kriegsgefangener in den USA hervorgegangene und von Alfred Andersch und Hans Werner Richter herausgegebene „Ruf”, schrieb 1946, in Deutschland sei alles zerschlagen. Die junge Generation könne daher ganz von vorne beginnen. „Sie braucht nicht umzubauen … Sie kann neu bauen.”[21] Diese Hoffnung auf neue gesellschaftliche Gestaltungsspielräume angesichts des (scheinbar) völligen Zusammenbruchs tradierter Strukturen und das ausgeprägte moralische Pathos aller Beschwörungen des Neubeginns gehörten zu den positiven und für engagierte Literaten attraktiven Konnotationen der „Stunde Null”, auch wenn sie sich als große Illusion erweisen sollten. Denn selbst nach revolutionären Zäsuren gibt es stets ein größeres Maß an Kontinuität, als die Revolutionäre glauben oder fürchten mochten.

Die Metapher „Stunde Null” spiegelte aber vor allem eine in dieser Form neue Erfahrung des kollektiven und individuellen sozialen Niedergangs wider. Angesichts der Zahl der Kriegsopfer, des Ausmaßes an materieller Zerstörung und der Dimensionen sozialer Verelendung war das Gefühl verbreitet, Deutschland sei an einem historischen Tiefpunkt angekommen, ohne Chance auf einen Wiederaufstieg. Vor diesem düsteren Hintergrund konnten dann die späteren Jahre einer vergleichsweise schnellen wirtschaftlichen Erholung in Westdeutschland als „Aufstieg aus dem Nichts” erscheinen.[22] Obwohl osteuropäische Länder wie Polen oder die Sowjetunion, aber auch das vom Bürgerkrieg zerrissene Griechenland kaum weniger Anlass gehabt hätten, von einer „Stunde Null” zu sprechen, scheint dieses Label doch eine spezifisch deutsche Sache geblieben zu sein. Die Fallhöhe vom Taumel des Sieges über Europa zum in Besatzungszonen aufgeteilten Klein- und Rumpfdeutschland war in der Tat ungeheuer groß.

Beide Interpretationen der „Stunde Null” sind bei genauerem Hinsehen eigentlich gegenstandslos. Denn seit die Waffen schwiegen und sich das unglaubliche soziale Chaos als Folge des Krieges notdürftig gelichtet hatte, wurden die Brücken erkennbar, die aus der Kriegs- in die Nachkriegszeit führten. Weder war die Niederlage so total und die Zerstörung so umfassend, dass die Deutschen als Volk um ihr physisches Überleben fürchten mussten, noch gab es eine gesellschaftliche Tabula rasa, die einen völligen Neuanfang ohne Bindungen an tradierte Strukturen ermöglicht hätte. Dennoch ist das nicht zuletzt visuell vermittelte Bild vom Kriegsende und Ausmaß der Zerstörung, das mit der Metapher von der „Stunde Null” erfasst wird, punktuell richtig. Das betrifft vor allem die großen Städte. Berlin glich nach der Kapitulation einer Ruinenlandschaft. „Mondlandschaft” war ebenfalls eine beliebte Umschreibung zeitgenössischer Beobachter. Unter den ersten Eindrücken vom völlig zerstörten Berlin glaubten viele gar nicht mehr daran, dass man die Stadt überhaupt wiederaufbauen könne und meinten – ähnlich wie für Warschau –, man solle einen anderen Platz suchen.[23] Diese zeitgenössisch verbreitete Perspektive, so selektiv sie auch ist, bleibt wichtig zur Erfassung der damals vielfach dominierenden Vorstellungen. Bilder sind in diesem Zusammenhang als historische Quelle besonders wichtig geworden. Fotografien alliierter Soldaten, aber auch aus deutschen offiziösen und privaten Beständen, dokumentierten die unvorstellbaren Gräueltaten und sollten das deutsche Volk davon überzeugen, welche Verbrechen nicht nur von einer kleinen Nazi-Clique in deutschem Namen verübt worden waren. Die Fotodokumentationen und Filme zeigten aber auch auf besonders eindrucksvolle Weise den Verlust vertrauter Ordnungen und das ausgeprägte Chaos, das der verbrecherische Krieg hinterlassen hatte und mit dem man sich auseinandersetzen musste.[24] Insofern visualisierten sie auch den moralischen und materiellen Zusammenbruch, der in der Perspektive der Zeitgenossen als „Stunde Null” zugleich die Hoffnung auf einen Neuanfang enthielt.

Vor diesem Hintergrund lassen sich die zunehmend intensivierten geschichtswissenschaftlichen und soziologischen Forschungsfelder beleuchten, die Kontinuitäten und Brüche nach 1945 thematisieren. Sie betreffen vor allem Elitenuntersuchungen, Verfassungsfragen, außen- und gesellschaftspolitisch den Abschied vom ominösen deutschen „Sonderweg”, der im Nationalsozialismus seinen Gipfelpunkt erreicht habe, aber auch den vorschnell behaupteten Abschied von der Klassengesellschaft und die Verkündung einer „nivellierten Mittelstandsgesellschaft”, die es in der Bundesrepublik als Wille und Vorstellung gab, aber nie als soziale Realität. Die „großen Themen” waren auch vor 1989 im Westen behandelt worden. Nach dem Ende der DDR konnte jedoch einiges gelassener, differenzierter und ohne die früher unvermeidlichen, aus dem Kalten Krieg resultierenden politischen Konnotationen behandelt werden. Das trifft zum Beispiel für die Kritik an der westdeutschen Ostforschung und ihren führenden Repräsentanten zu. Noch mehr gilt das möglicherweise für die sozialgeschichtlich zentrale und moralisch quälende Frage nach der Kontinuität der Eliten in der Bundesrepublik.[25]

Der Bruch von 1945 wurde stets im Westen ebenso emphatisch behauptet wie im Osten polemisch verneint. Anders als nach 1918 waren die Kontinuitäten nicht so offen sichtbar, weil die belasteten Eliten sich sehr erfolgreich anzupassen verstanden und großdeutschen und nationalistischen Ideen abschworen. Autoritäre Traditionen setzten sich jedoch nach 1945 bzw. 1949 noch lange fort und wurden erst in dem „dynamischen Jahrzehnt” der 1960er-Jahre wirklich aufgebrochen. Auf andere Weise galt das auch für die DDR, die einen vollständigen Bruch mit verhängnisvollen Traditionen behauptete, diese aber teilweise unter anderem Vorzeichen fortsetzte und damit zugleich eine westdeutsche Totalitarismusdiskussion stimulierte, die sich ihrerseits mit der verschämten Gleichung „rot gleich braun” um die Erforschung problematischer Kontinuitäten drückte. Die Debatten um die Aufarbeitung der nun doppelten diktatorischen Vergangenheit haben nach 1989 an Intensität und Brisanz gewonnen. Dennoch ist das Interesse am Nationalsozialismus und an der Geschichte faschistischer Diktaturen keineswegs durch die Konjunktur des Kommunismusforschung marginalisiert worden. „Stasi kommt, Nazi geht?” lautete die griffige Schlagzeile eines Artikels in der „Zeit” von 1992 – ein damals vielleicht berechtigter, aber glücklicherweise falscher Alarm.

Neuerdings gibt es neben den zahlreichen narrativ angelegten biografischen, lokal- und regionalgeschichtlichen Studien[26] zum Umbruch von 1945 den Versuch von Soziologen/innen, die „Stunde Null” als stärker generalisierende analytische Formel für verschiedene Ebenen des Übergangs von der Diktatur zur Demokratie zu verstehen.[27] Die Programmperspektiven der amerikanischen Besatzungsmacht bilden dabei den Kern der Argumentation. Die Besatzungskonzepte auf unterschiedlichen Ebenen und die jeweilige „Handlungslogik der Nullphase” sollen einen neuen Zugang zur Erklärung des „Wechsels vom Führerstaat zur parlamentarischen Demokratie, von der staatlich dominierten Wehrwirtschaft zur sozialen Marktwirtschaft und von der Weltanschauungsdiktatur zur Meinungsfreiheit” bieten.[28] Ob dieser theoretisch aufwendige und nahezu ausschließlich die amerikanische Besatzungsperspektive betonende Ansatz grundsätzlich Neues bietet, lässt sich bezweifeln. Vor allem vernachlässigt er die Interaktion als besonders wichtige Dimension der frühen Nachkriegsjahre. Die zeitliche Überdehnung der semantisch eben doch eher punktuell festgelegten Formel von der Stunde Null auf eine lange Phase erscheint mir nicht sonderlich ergiebig. Zumindest verliert sie dadurch ihr Profil zur Kennzeichnung einer als einmalig und außerordentlich empfundenen Situation und wird zur komprimierten Formel für eine längere Transformationsphase. Auch die nachdrückliche Entgegensetzung einer historischen und soziologischen Perspektive wird dem Forschungsstand kaum gerecht.

In anderer Weise lässt sich fragen, wie sinnvoll der stark von biografischen Erfahrungen geprägte Vorschlag Richard von Weizsäckers einer dreifachen „Stunde Null” ist: nämlich 1949 als sichtbarer Beginn der staatlichen Teilung Deutschlands, 1969 als Wandel der innenpolitischen Konstellation und Beginn einer neuen Ostpolitik und schließlich 1989 als Ende des Kalten Krieges.[29] Zumindest sind diese drei Daten auf allzu unterschiedlichen Ebenen platziert. Ganz anders als die große Rede Weizsäckers von 1985 hat dieser Vorschlag kaum ein Echo gefunden.

1945 als Ausgangspunkt für einen erneuerten Opferdiskurs nach 1990

In den 1950er-Jahren wurde die NS-Diktatur zwar keineswegs beschwiegen, aber mit ihrem Ende verbanden sich im öffentlichen Diskurs in erster Linie die Leiden der Deutschen als Opfer, weniger die Ursachen dafür, dass Hitlers Pendel der gewaltsamen Neuordnung bei Kriegsende nun massiv gegen die Deutschen zurückgeschlagen war. Eine der ersten großen Dokumentensammlungen bezog sich auf die Vertreibung der Deutschen aus Ostmitteleuropa, nicht auf die nationalsozialistische Außenpolitik und den Krieg.[30] Dieser Sachverhalt ist oftmals aus dem Blickfeld geraten, als in der deutschen Öffentlichkeit nach der Wiedervereinigung und dem Ende des Ost-West-Konflikts eine scheinbar neue Debatte um die Deutschen als Opfer begann. Sie bezog sich vor allem auf die alliierten Flächenbombardements, die Exzesse der Roten Armee und die Vertreibungen 1945.[31] Dieser scheinbar neue Opferdiskurs reagierte auf die neue politische Konstellation und wohl auch auf eine seit den 1980er-Jahren schon fast allzu selbstverständlich gewordene Befreiungsrhetorik. Es hatte lange gedauert, bis sich die Sicht auf 1945 als „Befreiung” in der Bundesrepublik durchsetzte. Weizsäcker hatte durchaus Täter- und Opferperspektive parallel erörtert, ohne die Verantwortlichkeiten zu verwischen. Als neu und provozierend wahrgenommen wurde aber in der Öffentlichkeit vor allem die Betonung der Befreiung.

Änderte sich nach 1990 an diesem Konsens etwas Grundlegendes?[32] Das Etikett Befreiung ausschließlich und ex cathedra zu verwenden, wäre nicht nur politisch naiv, sondern auch unhistorisch. Denn diese Befreiung von der blutigen NS-Diktatur war nur mit einem schrecklichen Ausmaß an Gewalt möglich, von der nun auch Millionen Deutsche getroffen wurden. Weder die Gewaltexzesse der Roten Armee noch die militärisch sinnlosen anglo-amerikanischen Flächenbombardements wurden durch diesen Zusammenhang legitimiert. Der Begriff Befreiung verlor schon im Gedenkjahr 1995 seinen provokatorischen Gehalt, den er noch in Weizsäckers Rede im Jahrzehnt zuvor besessen hatte. Es gab jetzt auch in der internationalen Öffentlichkeit eine wachsende Bereitschaft, „individuelle Leiderfahrungen des Jahres 1945 anzuerkennen, ohne darin historische Relativierungen zu vermuten”.[33] Bei dieser neuen Akzentuierung einer alten Debatte über die Deutschen als Opfer hängt alles davon ab, falsche historische Gewichtungen zu vermeiden.

Zum Verhältnis von Bruch und Kontinuität 1945 aus der Perspektive von 1989

Zäsuren sind tiefe Einschnitte in einer mehr oder minder evolutionär und geradlinig gedachten historischen oder persönlichen Entwicklung. Historische Zäsuren lenken den Blick auf ein bestimmtes Datum im Übergang zwischen unterschiedlichen Epochen, Zeitaltern, Systemen und Entwicklungsphasen. Solche Zäsuren werden nachträglich von Historiker/innen gesetzt, sie sind nicht von der historischen Entwicklung selbst unmittelbar vorgegeben. Sie werden aber benötigt als Ordnungsfaktoren im Strom der zunächst diffusen und „ungeordneten” Geschichte. Alle Zäsursetzungen sind hochgradig subjektiv, weil sie vom jeweiligen nationalen, sozialen, altersmäßigen, geografischen oder auch biografischen Standort des Autors oder der Autorin abhängig sind. Dennoch sind solche Festlegungen trotz der erheblichen Bandbreite ihrer unterschiedlichen Begründungen nicht völlig beliebig. Ihre Plausibilität lässt sich aber nur in einem ständigen Prozess der Diskussion ausloten. Deshalb sind Urteile über historische Themen und eben auch über Zäsuren nie abgeschlossen, sondern flexibel. Sie werden immer wieder neu zur Disposition gestellt und sind für neue (oder alte) Deutungen offen.

Die welthistorische Zäsur von 1945 ist durch den tiefen Einschnitt der Revolution von 1989/90 in Ostmitteleuropa zumindest zeitweilig in den Hintergrund des öffentlichen Interesses und der historiografischen Diskussion geraten. Solche Verschiebungen sind „normal”, weil insbesondere die Periodisierungen in der Zeitgeschichte stärker flexibel sind als in anderen Epochen. Dennoch geht es hier um mehr: Ein ideologisches Weltsystem ist 1989 in Europa zerfallen, ein historisches Wertesystem damit ebenfalls weitgehend verschwunden. So haben sich zwangsläufig auch die Urteile über 1945 verändert, begann damals doch mit der Expansion einer diktatorischen Weltmacht die Etablierung eines Gesellschaftssystems, dessen historische Perspektivlosigkeit und Auflösung erst mit der Zäsur von 1989/91 offenkundig wurde.[34] Wie einschneidend diese Verschiebung und damit auch das historische Gewicht von 1989 sind, lässt sich noch kaum genauer absehen, weil die Langzeitwirkungen erst in vagen Umrissen erkennbar sind.

David Priestland stellt in seiner „Weltgeschichte des Kommunismus” das Revolutionsjahr 1989 auf eine Stufe mit den Revolutionsjahren 1848, 1917/1919 und 1968.[35] Die Zäsur von 1945 kommt jedoch in diesem Konzept zu Recht nicht vor, weil sie keine Revolution, zumindest keine im konventionellen Sinne, war. Gleichwohl hatten die Konsequenzen von 1945 als Wendepunkt vom Weltkrieg zu einer neuen Weltordnung und zum Kalten Krieg ohne Zweifel revolutionäre Qualität. Horst Möller betont die Relativität historischer Epochen und die Veränderung des Blicks auf 1945 aus der Perspektive von 1989. Sicherlich zu Recht wird die zeitweilig starke oder fast ausschließliche Fixierung auf die „Befreiung” kritisiert, weil dieser Blick zu eng war. Erst von 1989 her erschließe sich die Ambivalenz des Jahres 1945 in vollem Umfang. Das mag überzeugend sein. Fraglich jedoch ist die Feststellung, am Ende des 20. Jahrhundert erscheine „die internationale Konstellation unübersichtlicher und weit offener als 1945. Dieses Jahr symbolisiert seit 1989 nicht mehr Ende und Anfang allein, sondern es ist kaum weniger Zwischenstation für die globale Neuordnung.”[36]

Im Umfang und in der Reichweite unterscheiden sich 1945 und 1989 erheblich. Vergleichbar ist der fließende Charakter: Die Zäsur beginnt vor 1945 und fächert sich nach 1945 mehrfach auf. Das Gleiche gilt auch für das Jahr 1989: Es hat einen unterschiedlich interpretierten Vorlauf. Die Entstehung der Solidarność 1980 wird von vielen Interpreten bereits als Beginn der Revolution von 1989 gedeutet. Auch wenn man das nicht so sieht, beginnt der große Umbruch in Ostmitteleuropa ohne Zweifel mit der ersten freien Wahl in Polen im Juni 1989. Zeitlich am Ende des Revolutionsprozesses steht Albanien. Das kleine Land mit der schlimmsten kommunistischen Diktatur im Nachkriegseuropa erlebte erst mit den Demonstrationen Ende 1990 und dem von der Masse erzwungenen Sturz des Hoxha-Denkmals im Februar 1991 in Tirana seine „Wende”.

Im Hinblick auf soziale Kontinuitäten ist der Bruch in Ostdeutschland nach 1990 schärfer ausgefallen als nach 1945 (wenn man die kurze Übergangszeit der Entnazifizierung mit Internierungen und Entlassungen ausklammert). Ein umgekehrtes Bild ergibt sich dagegen für Osteuropa: 1945 bedeutete einen viel tiefer einschneidenden und überwiegend von außen initiierten politischen und sozialen Elitenwechsel. Dementsprechend wird die Zeit zwischen 1945 und 1989 dort von vielen oft als Besatzung und fremder Import verstanden, die eigene Rolle dagegen abgeschwächt. Mit der Formel der „Rückkehr nach Europa” werden unter Umständen Entwicklungen nach der Zäsur von 1945 relativiert. Dabei besteht durchaus die Gefahr einer Marginalisierung der Phase des Kalten Krieges zugunsten der Wiederanknüpfung an die „eigentliche” nationale Geschichte, weil der große Dualismus zwischen Ost und West, der 1945 in globalem Maßstab etabliert wurde, verschwunden ist.

Deutlich revidiert worden sind nach 1989 besonders in Deutschland die historisch-politischen Einschätzungen des Nationalstaats. Europäische Integration und Globalisierung auf verschiedenen Ebenen haben den Nationalstaat keineswegs aufgelöst, wie zeitweilig prognostiziert wurde. Er ist das „wichtigste Gehäuse für innere Politik, gerade auch für demokratische Politik” geblieben,[37] und 1945 bedeutete hier keinen tiefen Einschnitt.

Ein großer Unterschied zeigt sich im Umgang mit der Vergangenheit. Nach 1945 gab es neben verordneten Bildern ein enormes Ausmaß an Mythenkonstruktionen und partiellem Beschweigen unbequemer Vergangenheit, und zwar sowohl im Westen wie im Osten. Antifaschistische Widerstandsbewegungen in Europa wurden mythisiert, die vielfältigen Formen von Kollaboration z.B. beim Holocaust bagatellisiert. Provokante Thesen wie die Hermann Lübbes zum Umgang mit dem Nationalsozialismus in der (alten) Bundesrepublik finden für andere Länder durchaus Parallelen: Ohne Mythisierung und partielles Verdrängen hätten die von den Kriegsfolgen geschüttelten Nachkriegsgesellschaften ihre notwendigen Integrationsleistungen und somit einen Neubeginn kaum vollbringen können.[38]

Auch wenn sich die Langzeitwirkungen des revolutionären Umbruchs von 1989 noch nicht voll absehen lassen, hat sich der Blick auf 1945 zwar verändert, aber keineswegs zu einem nachlassenden Interesse an der nationalsozialistischen Diktatur geführt. Im Gegenteil. Quälende Probleme wie die Entschädigung von Zwangsarbeitern sind erst nach dem Ende des Kalten Krieges gelöst worden. Der Umgang mit dem Holocaust hat nicht nur in Deutschland, sondern in vielen europäischen Ländern eine neue Brisanz gewonnen. Die starke nationale Fixierung der Zäsur von 1945 scheint tendenziell überall aufgebrochen zugunsten ihrer europäischen und welthistorischen Dimension.

Empfohlene Literatur zum Thema

Zitation
Christoph Kleßmann, 1945 – welthistorische Zäsur und „Stunde Null“, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 15.10.2010, URL: http://docupedia.de/zg/1945?oldid=125617

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Christoph Kleßmann



























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  1. Hans-Ulrich Wehler, Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 4: Vom Beginn des Ersten Weltkrieges bis zur Gründung der beiden deutschen Staaten 1914-1949, München 2003, S. 941.
  2. Ulrich Herbert/Axel Schildt (Hrsg.), Kriegsende in Europa. Vom Beginn des deutschen Machtzerfalls bis zur Stabilisierung der Nachkriegsordnung 1944-1948, Essen 1998, S. 8. Das Konzept ist vor allem entwickelt worden in: Martin Broszat/Klaus-Dietmar Henke/Hans Woller (Hrsg.), Von Stalingrad zur Währungsreform. Zur Sozialgeschichte des Umbruchs in Deutschland, München 1988.
  3. Stefan Troebst, „1945“ als europäischer Erinnerungsort?, in: Katrin Hammerstein/Ulrich Mählert/Julie Trappe/Edgar Wolfrum (Hrsg.), Aufarbeitung der Diktatur – Diktat der Aufarbeitung? , Göttingen 2009, S. 223-232.
  4. Ebd., S. 231.
  5. Alfred Weber, Abschied von der bisherigen Geschichte. Überwindung des Nihilismus? Bern 1946. Den Hinweis gibt Mark Mazower, Hitlers Imperium. Europa unter der Herrschaft des Nationalsozialismus, München 2009, S. 553 f.
  6. Schlussvortrag auf der internationalen Historikerkonferenz am 23.8.1989 in Berlin, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1.9.1989.
  7. Ebd., S. 543 f.
  8. Dan Diner, Reims, Karlshorst, Sétif. Die multiple Bedeutung des 8. Mai 1945, in: Norbert Frei (Hrsg.), Was heißt und zu welchem Ende studiert man Geschichte des 20. Jahrhunderts, Göttingen 2009, S. 190-195.
  9. Ebd., S. 544.
  10. Ebd., S. 548.
  11. Aus der vielfältigen Literatur dazu exemplarisch: Günter Morsch/Alfred Reckendrees (Hrsg.), Befreiung. Sachsenhausen 1945 (Schriftenreihe der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten; Bd. 7), Berlin 1996.
  12. Ulrich Gill/Winfried Steffani (Hrsg.), Eine Rede und ihre Wirkung. Die Rede des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker vom 8. Mai 1985, Berlin 1986.
  13. Die Literatur zu den Gedenktagen am 8. Mai und zur Weizsäcker-Rede ist uferlos. Insbesondere ist hinzuweisen auf Jan-Holger Kirsch, „Wir haben aus der Geschichte gelernt“. Der 8. Mai als politischer Gedenktag in Deutschland, Köln 1999. Ferner Peter Hurrelbrink, der 8. Mai 1945 – Befreiung durch Erinnerung, mit einem Vorwort von Gesine Schwan, Bonn 2005.
  14. Vgl. dazu Ilko-Sascha Kowalczuk, Legitimation eines neuen Staates. Parteiarbeiter an der historischen Front. Geschichtswissenschaft in der SBZ/DDR 1945 bis 1961, Berlin 1997, S. 57 ff.; Martin Sabrow, Das Diktat des Konsenses. Geschichtswissenschaft in der DDR 1949-1969, München 2001, S. 428 f.
  15. Einen informativen Einblick bietet die zunächst als Antiquariatskatalog 1985 erschienene Sammlung von Christoph Corbet, Deutschlands Erneuerung 1945-1959. Bio- Bibliographische Dokumentation mit 433 Texten, Frankfurt a. M. 1985; Doris von der Brelie-Lewien/Ingrid Laurien, Zur politischen Kultur im Nachkriegsdeutschland. Politisch-kulturelle Zeitschriften 1945-1949, in: Politische Vierteljahresschrift 24 (1983), S.407-427; Christoph Kleßmann, „Das Haus wurde gebaut aus Steinen, die vorhanden waren“ – Zur kulturgeschichtlichen Kontinuitätsdiskussion nach 1945, in: Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte 19 (1990), S. 159-177.
  16. Frankfurter Hefte 5 (1950), S. 942 ff.
  17. Zu den am weitesten verbreiteten Schriften gehörte der Band der edition suhrkamp von Ernst-Ulrich Huster, Gerhard Kraiker, Burkhard Scherer und anderen: Determinanten der westdeutschen Restauration 1945-1949, Frankfurt a. M. 1972.
  18. Vgl. dazu meinen Aufsatz in: Dietrich Papenfuß/Wolfgang Schieder (Hrsg.), Deutsche Umbrüche im 20. Jahrhundert, Köln 2000, S. 459-472.
  19. Die spektakulärste Publikation dazu ist wohl: Stéphane Courtois u.a. (Hrsg.), Das Schwarzbuch des Kommunismus. Unterdrückung, Verbrechen und Terror, München 2000 (dt. Ausgabe).
  20. Vgl. dazu Ludwig Fischer (Hrsg.), Literatur in der Bundesrepublik Deutschland bis 1967, München 1986, S. 29-37, 230-237. Mehrere Beiträge, unter anderem zur Literatur, finden sich in Geoffrey J. Giles (Hrsg.), Stunde Null. The End and the Beginning Fifty Years ago, German Historical Institute, Washington 1997 (Occasional Paper No. 20).
  21. Zitiert bei Jürgen Kocka, 1945: Neubeginn oder Restauration?, in: Carola Stern/Heinrich August Winkler (Hrsg.), Wendepunkte deutscher Geschichte 1848-1945, Frankfurt a. M. 1979, S. 146.
  22. So der Titel des Bildbandes von Kurt Zentner, Aufstieg aus dem Nichts. Deutschland von 1945 bis 1953. Eine Soziographie in zwei Bänden, Köln 1954
  23. Verschiedene Stimmen werden zitiert im Spiegel TV Video Nr. 18: Die Stunde Null. Berlin, Sommer 1945, Hamburg 2009. Eine eindrucksvolle Sammlung von Augenzeugenberichten hat Hans Magnus Enzensberger zusammengestellt: Europa in Ruinen. Augenzeugenberichte aus den Jahren 1944-1948, Frankfurt a. M. 1990.
  24. Eine ebenso eindrucksvolle Sammlung und Interpretation aussagekräftiger Fotos bietet Dagmar Barnouw, Ansichten von Deutschland (1945), Basel 1997.
  25. Ein glänzendes Beispiel ist der Aufsatz von Ulrich Herbert: Rückkehr in die Bürgerlichkeit. NS-Eliten in der Bundesrepublik, in: Bernd Weisbrod (Hrsg.), Rechtsradikalismus in der politischen Kultur der Nachkriegszeit. Die verzögerte Normalisierung in Niedersachsen, Hannover 1995, S. 157-173. Ein breites Spektrum sozial- und kulturgeschichtlicher Forschungsfelder wird im Band 35 (1995) des „Archivs für Sozialgeschichte“ in Sammelbesprechungen vorgestellt.
  26. Vgl. als ein Beispiel Gustav Trampe (Hrsg.), Die Stunde Null. Erinnerungen an Kriegsende und Neuanfang, Stuttgart 1995.
  27. Hans Braun/Uta Gerhardt/Everhard Holtmann (Hrsg.), Die lange Stunde Null. Gelenkter sozialer Wandel in Westdeutschland nach 1945, Baden-Baden 2009. Ausführlich dazu Uta Gerhardt, Soziologie der Stunde Null. Zur Gesellschaftskonzeption des amerikanischen Besatzungsregimes in Deutschland 1944-1945/1946, Frankfurt a. M. 2005.
  28. Gerhardt, Soziologie, S. 16.
  29. Richard von Weizsäcker, Drei Mal Stunde Null? 1949 – 1969 – 1989, Berlin 2001.
  30. Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte (Hrsg.), Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa. In Verbindung mit Werner Conze, Adolf Diestelkamp, Rudolf Laun, Peter Rassow und Hans Rothfels, bearbeitet von Theodor Schieder, 5 Bde., 3 Beihefte, Bonn 1953-1962.
  31. Jörg Friedrich, Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940-1945, Berlin 2002. Hubertus Knabe, Tag der Befreiung? Das Kriegsende in Ostdeutschland, Berlin 2005. Kritisch zum Opferdiskurs: Klaus Naumann, Agenda 1945 – Das Jahr des Kriegsendes im aktuellen Geschichtsdiskurs, in: Bernd A. Rusinek (Hrsg.), Kriegsende 1945. Verbrechen, Katastrophen, Befreiungen in nationaler und internationaler Perspektive, Göttingen 2004, S. 237-253. Norbert Frei, 1945 und wir. Das Dritte Reich im Bewusstsein der Deutschen, München 2005.
  32. Das längste Jahr. Warum am 8. Mai 1945 zwar der Krieg zu Ende war, der Friede aber noch nicht begonnen hatte. Ein Gespräch mit dem Historiker Hans-Ulrich Wehler, in: ZEIT Geschichte Nr. 1, Teil 2, Die Stunde Null, April 2005.
  33. Kirsch, „Wir haben aus der Geschichte gelernt“, S. 206.
  34. Vgl. David Priestland, Weltgeschichte des Kommunismus. Von der Französischen Revolution bis heute, Bonn 2010.
  35. Priestland, Weltgeschichte, S. 650.
  36. Horst Möller, Die Relativität historischer Epochen: Das Jahr 1945 in der Perspektive des Jahres 1989, in: Aus Politik und Zeitgeschichte B 18-19 (1995), S. 22-23, S. 9.
  37. Jürgen Kocka, Wie tief war die Zäsur von 1945 wirklich?, in: Bernd Faulenbach/Gunther Adler (Hrsg.), Deutschland, Europa und die „deutsche Katastrophe“. Gemeinsame und gegensätzliche Lernprozesse, Essen 2006, S. 15-26, hier S. 24.
  38. So die These der großen Ausstellung: Mythen der Nationen. 1945 – Arena der Erinnerungen, DHM Berlin 2004.