Historikerstreit

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Artikel: Debatte: Der Historikerstreit
Klaus Große Kracht, Debatte: Der Historikerstreit, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 11.01.2010, (Zitation)


Inhaltsverzeichnis
Hauptfoto: Historikerstreit presse.jpg
"Die Zeit" vom 11. Juli 1986
Debatte: Der Historikerstreit

Als „Historikerstreit" wird eine sowohl öffentlich als auch fachwissenschaftlich geführte Debatte bezeichnet, die sich im Sommer 1986 in Folge eines Artikels des Sozialphilosophen Jürgen Habermas in der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit" entfachte. In seinem Artikel griff Habermas führende Neuzeithistoriker der Bundesrepublik an, denen er apologetische Tendenzen im Umgang mit dem Holocaust vorwarf. Sein Angriff zielte vor allem auf Äußerungen des Berliner Zeithistorikers Ernst Nolte, der die nationalsozialistische Judenvernichtung in einen kausalen Zusammenhang mit den stalinistischen Terrorakten in der Sowjetunion gebracht hatte. Aber auch Michael Stürmer, Andreas Hillgruber und Klaus Hildebrand wurden als Vertreter eines – wie Habermas meinte – „revisionistischen" Geschichtsbildes scharf attackiert. Die Angegriffenen wiesen in eigenen Stellungnahmen die Vorwürfe Habermas' vehement zurück, polemisierten ihrerseits gegen diesen und blieben im Übrigen bei ihren Positionen, die sie teilweise – so etwa im Falle Noltes – weiter zuspitzten.

Im Zuge der öffentlichen Debatte, die sich über die Feuilletons der größeren Tages- und Wochenzeitungen rasch ausbreitete und an der sich sowohl Historiker/innen und Vertreter angrenzender Disziplinen als auch Journalist/innen und Publizist/innen unterschiedlicher Couleur beteiligten, kam es zu einer deutlichen Lagerbildung innerhalb des intellektuellen Spektrums der Bundesrepublik der 1980er-Jahre. Auf der einen Seite sammelten sich jene, die den sozialliberalen Zeitgeist des vorangehenden Jahrzehnts in geschichtspolitischer Absicht einer konservativen Revision zu unterziehen versuchten, auf der anderen Seite jene, die den linksliberalen Konsens bekräftigen und das Bekenntnis zur Einzigartigkeit des Holocaust zum Ankerpunkt einer posttraditionalen kollektiven Identität der (West-)Deutschen erheben wollten. War der Ertrag der Debatte, die sich über ein Jahr hinzog, im Grunde aber bis zur deutsch-deutschen Vereinigung im Jahr 1990 weiterschwelte, in fachwissenschaftlicher Hinsicht auch eher begrenzt, so war der „Historikerstreit" gleichwohl ein wichtiger Kristallisationspunkt innerhalb der politischen Kultur der späten Bonner Republik. In ihm trafen sowohl unterschiedliche politische und fachwissenschaftliche Lager mit ihren je eigenen Diskursregeln aufeinander als auch die jeweils unterschiedlichen Logiken der Fachwissenschaft einerseits und der öffentlichen Geschichtskultur andererseits.

Im Folgenden soll zunächst die Vorgeschichte der Debatte skizziert werden, indem die politisch-kulturellen, wissenschaftsgeschichtlichen sowie massenmedialen Kontexte, in denen sich der „Historikerstreit" abspielte, kurz präsentiert werden. Daran anschließen wird sich ein geraffter Überblick über den Debattenverlauf, bei dem neben der „Kampfansage" durch Jürgen Habermas insbesondere die intellektuellen Lagerbildungen sowie der eigentliche Kern der Debatte – die Frage nach der „Historisierung" des Nationalsozialismus und seiner Vergleichbarkeit mit dem Bolschewismus – herausgestellt werden sollen. Im Schlussteil soll dann eine Gesamteinschätzung des „Historikerstreits" gegeben werden.[1]

Vorgeschichte und Hintergründe

Der politisch-kulturelle Kontext:Der „Historikerstreit" lässt sich nur verstehen, wenn man ihn in den Kontext der politischen Kultur der Bundesrepublik der 1980er-Jahre rückt. Bereits in den späten 1970er-Jahren sahen linksliberale Intellektuelle deutliche Anzeichen einer „Tendenzwende" innerhalb des öffentlichen Diskurses und warnten vor einem neuen Konservativismus, der hinter die Liberalisierungsschübe der sozial-liberalen Koalition zurückgehen wolle. Insbesondere Jürgen Habermas ergriff in den von ihm herausgegebenen „Stichworten zur ‚Geistigen Situation der Zeit'" das Wort gegen eine „Neue Rechte", die, wie er schrieb, ganz bewusst an der „Rückeroberung von Definitionsgewalten" arbeite.[2] Unter den Autoren dieser zweibändigen Essaysammlung befanden sich mit Hans-Ulrich Wehler sowie Hans und Wolfgang J. Mommsen prominente Zeithistoriker, die dem einflussreichen Frankfurter Sozialphilosophen auch einige Jahre später im „Historikerstreit" sekundieren sollten.[3]

Mit der Regierungsübernahme durch Helmut Kohl im Jahr 1982 schien für viele Beobachter aus dem linksliberalen Spektrum die gefürchtete „Tendenzwende" dann tatsächlich politische Realität geworden zu sein, zumal der neue Kanzler in seiner Regierungserklärung die Überwindung der „geistigen Krise" zur vorrangigen Aufgabe erklärt hatte. Vieles verblieb bei der anvisierten „geistig-moralischen Wende" jedoch im rein Symbolischen, das sich noch dazu nicht gerade als Stärke des neuen Kanzlers erwies. Insbesondere sein Wort von der „Gnade der späten Geburt" anlässlich seines Besuches in Israel im Jahr 1984 ließ die Befürchtung aufkommen, er wolle in vergangenheitspolitischer Hinsicht einen Schlussstrich ziehen – eine Vermutung, die durch Kohls öffentlich inszenierte Versöhnungsgeste mit dem US-amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan im Jahr darauf auf dem Soldatenfriedhof in Bitburg, auf dem u.a. auch Angehörige der Waffen-SS begraben liegen, weitere Nahrung erhielt. Zahlreiche linksliberale Intellektuelle reagierten daher äußerst skeptisch, als der Bundeskanzler ankündigte, anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt Berlin im Westteil der Stadt ein „Deutsches Historisches Museum" errichten zu lassen. Hans Mommsen und andere sahen hierin den Versuch einer künstlichen nationalgeschichtlichen Identitätsstiftung von oben und kritisierten insbesondere die Zusammensetzung der Gründungskommission, in der u.a. der Erlanger Neuzeithistoriker Michael Stürmer eine tragende Rolle spielte, der bereits zuvor als Vordenker einer auf die Stärkung nationaler Identität gerichteten Geschichtspolitik hervorgetreten war und als Vertrauter und Berater Kohls galt.[4]

Der fachwissenschaftliche Kontext: Der „Historikerstreit" hatte zugleich eine lange fachinterne Vorgeschichte. Diese betraf allerdings nicht die Erforschung des Holocaust selbst, denn die Zahl konkreter Forschungsarbeiten zum Mord an den europäischen Juden war in der Bundesrepublik bis Mitte der 1980er-Jahre eher gering: „Eine fundierte Gesamtdarstellung des Judenmords von einem deutschen Historiker existierte 1986 nicht."[5]

Allerdings war es in den Jahren zuvor in methodologischer Hinsicht zu einer deutlich wahrnehmbaren Spaltung innerhalb der Zunft der westdeutschen Neuzeithistoriker/innen gekommen. So standen sich zum Zeitpunkt des „Historikerstreits" klassisch politikhistorisch arbeitende Fachvertreter einerseits und Vertreter einer sich auch in normativer Hinsicht kritisch verstehenden „Historischen Sozialwissenschaft" andererseits unerbittlich gegenüber. Insbesondere Hans-Ulrich Wehler, der später zum engen Mitstreiter Habermas' im „Historikerstreit" werden sollte, hatte sich bereits Mitte der 1970er-Jahre mit seinem Plädoyer für eine breit angelegte „Gesellschaftsgeschichte", die sozialen Konflikten und anonymen Gesellschaftsstrukturen mehr Bedeutung zumaß als den Handlungsspielräumen individueller politischer Entscheidungsträger, den Unmut eher traditionell politikhistorisch arbeitender Fachhistoriker wie Andreas Hillgruber und Klaus Hildebrand zugezogen.[6] Spätestens seit dieser Zeit bestand insofern ein tiefer fachlicher Graben zwischen den Vertretern einer linksliberal orientierten „Historischen Sozialwissenschaft" wie Wehler und Wolfgang J. Mommsen auf der einen und (liberal-)konservativen Historikern wie Andreas Hillgruber und Klaus Hildebrand auf der anderen Seite, der sich dann im „Historikerstreit" durch wechselseitige politische und geschichtskulturelle Angriffe weiter vertiefen sollte.

Der mediale Kontext: Der „Historikerstreit" fiel in eine Zeit, als die Massenmedien die Geschichte – und insbesondere die jüngere Geschichte – wiederentdeckten. Als im Januar 1979 die US-amerikanische Fernsehserie „Holocaust" in Deutschland ausgestrahlt wurde, saßen fast 20 Millionen Zuschauer vor den Geräten. Die Serie stellte einen „Wendepunkt der medialen Erinnerungskultur" dar: In den 1980er-Jahren häuften sich Filme und Serien, in denen die Opfer des Holocaust in den Mittelpunkt gerückt wurden. Allein das „Tagebuch der Anne Frank" wurde in den 1980er-Jahren durch US-amerikanische und britische Produktionsfirmen gleich drei Mal neu verfilmt; 1986 wurde Claude Lanzmanns neunstündiger Dokumentarfilm „Shoah", der sich ausschließlich aus Erinnerungen von Holocaust-Überlebenden zusammensetzt, im deutschen Fernsehen ausgestrahlt.[7]

In der Öffentlichkeit wurden „Holocaust" und „Shoah" breit und kontrovers diskutiert, der 50. Jahrestag der nationalsozialistischen „Machtergreifung" rief 1983 eine Vielzahl von „Büchern, Zeitungsartikeln, Magazinserien, Fernsehprogrammen, Ausstellungen und Tagungen" hervor,[8] die Rede von Bundespräsident Richard von Weizsäcker zum 8. Mai, die er 1985 vor dem Deutschen Bundestag hielt, erfuhr ein ungeahnt großes mediales Echo: Der „Tag der Niederlage" sei vor allem ein „Tag der Befreiung" gewesen, so der Tenor der Rede, die ein klares Bekenntnis zum Primat des Opfergedenkens enthielt.[9]

Die Rückkehr des Holocaust in die massenmediale Erinnerungskultur der Bundesrepublik rief gleichwohl auch Kritiker auf den Plan. Am 6. Juni 1986 erschien in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) ein Essay des Berliner Zeithistorikers und Faschismusexperten Ernst Nolte, der die neue geschichtskulturelle Befindlichkeit der Westdeutschen gegenüber dem Nationalsozialismus schon im Titel auf den Punkt brachte: „Vergangenheit, die nicht vergehen will".[10] Nolte beklagte, dass dieses publizistische „Nichtvergehenwollen" die Historiker in ihrer Arbeit behindere, denn die „einfachsten Regeln, die für jede Vergangenheit gelten", schienen „außer Kraft gesetzt zu sein", sobald es um den Nationalsozialismus und insbesondere um den nationalsozialistischen Mord an den europäischen Juden gehe.[11] Wie eine solche „Gleichbehandlung"[12] des Dritten Reiches mit anderen Epochen der deutschen Geschichte seiner Meinung nach aussehen sollte, wurde klar, als er seine These vom „kausalen Nexus" zwischen Stalinismus und Nationalsozialismus vortrug und in die Form einer Reihe suggestiver Fragen kleidete: „War nicht der ‚Archipel GULag' ursprünglicher als Auschwitz? War nicht der ‚Klassenmord' der Bolschewiki das logische und faktische Prius des ‚Rassenmords' der Nationalsozialisten? Rührte Auschwitz vielleicht in seinen Ursprüngen aus einer Vergangenheit, die nicht vergehen wollte?"[13] – Noltes „FAZ"-Artikel stellte eine klare Provokation des Mitte der 1980er-Jahre etablierten öffentlichen Erinnerungsdiskurses dar. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten, der „Historikerstreit" eskalierte.

Verlauf – Lagerbildung – Schauplätze

„Kampfansage“:Am 11. Juli 1986 erschien Jürgen Habermas' Essay „Eine Art Schadensabwicklung. Die apologetischen Tendenzen in der deutschen Zeitgeschichtsschreibung" in der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit".[14] Die Redaktion hatte den Artikel auf Seite eins unter der Überschrift „Kampfansage" angekündigt und dem Leser eine „Abrechnung" mit dem „Revisionismus" westdeutscher Neuzeithistoriker in Aussicht gestellt.[15] In der Tat: Der Artikel von Habermas ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Bereits im Jahr zuvor hatte der Frankfurter Sozialphilosoph an gleicher Stelle versucht, die (west-)deutsche Öffentlichkeit angesichts einer von ihm befürchteten „Entsorgung der Vergangenheit" durch die Regierung Kohl aufzurütteln, allerdings ohne größere Wirkung.[16] Diesmal wurde er konkreter und warnte nicht nur vor einer allgemeinen und damit letztlich diffusen geschichtspolitischen Wende im Land, sondern nannte seine Gegner beim Namen und zitierte aus ihren Werken: Insbesondere Noltes oben zitierter „FAZ"-Artikel stieß bei Habermas auf rigorose Ablehnung, laufe dessen These vom „kausalen Nexus" doch auf nichts weniger als eine Relativierung des Holocaust hinaus. Dieser erscheine bei Nolte nur mehr als Kopie, als Nachahmung, und werde seiner Singularität beraubt. Noltes letztlich geschichtsphilosophische Vorstellung vom „kausalen Nexus" war tatsächlich mehr als missverständlich, zumal sich der Berliner Zeithistoriker zuvor an anderer Stelle sehr weit auf den Argumentationshaushalt apologetischer bis rechtsradikaler Historiker eingelassen hatte.[17]

Neben Nolte gerieten allerdings auch Michael Stürmer, Klaus Hildebrand und Andreas Hillgruber ins Fadenkreuz der Habermasschen Offensive. So hätten sich Stürmer und Hildebrand mit Nolte eindeutig solidarisiert. Während Hildebrand allerdings nicht mehr Angriffsfläche bot als ein paar lobende Worte für seinen Berliner Kollegen, ging Habermas mit Michael Stürmer schärfer ins Gericht, da dieser als neokonservativer „Ideologieplaner" an der Wiederherstellung eines selbstbewussten Nationalkonsenses arbeite, bei der die Erinnerung an den Holocaust nur stören könne.[18]

Schließlich wurde auch der Kölner Zeithistoriker Andreas Hillgruber von Habermas mit massiver normativer Kritik überzogen, zeige dessen jüngste Veröffentlichung mit dem Titel „Zweierlei Untergang. Die Zerschlagung des Deutschen Reiches und das Ende des europäischen Judentums" doch, dass auch ihn letztlich „revisionistische" Interessen leiteten. Allein schon der Titel – „Zerschlagung" versus „Ende" – offenbare, so Habermas, dass Hillgrubers Sympathie und Einfühlungsvermögen eindeutig bei den Deutschen an der Ostfront lägen und nicht bei den Opfern in den Vernichtungslagern.[19] In der Tat hatte Hillgruber im ersten, längeren Teil seines schmalen Bandes den Versuch unternommen, die letzten Kriegswochen aus der Perspektive der flüchtenden Ostdeutschen zu beschreiben, auch deshalb, wie er erwähnte, um das Wort von der „Befreiung", mit dem Richard von Weizsäcker den 8. Mai 1945 im Jahr zuvor belegt hatte, einer historischen Relativierung zu unterziehen.[20] Der zweite Teil seines Bandes bestand hingegen aus einem überarbeiteten Beitrag zu einer wissenschaftlichen Tagung zum nationalsozialistischen Mord an den europäischen Juden und verblieb daher mehr oder weniger im Bereich wissenschaftlicher Prosa, ohne die Frage der einzunehmenden Perspektive, die er hinsichtlich des Zusammenbruchs des Deutschen Reiches im ersten Teil seines Buches so ausführlich diskutiert hatte, hier im Bezug zum Holocaust erneut zu stellen.

Die Zusammenstellung der beiden Texte war in der Tat nicht sehr glücklich. Hillgrubers wissenschaftliches Werk – insbesondere seine Studien zum Vernichtungskrieg der Wehrmacht in Osteuropa[21] – lässt sich gleichwohl nicht mit demjenigen Ernst Noltes in eine Reihe rücken. Was Habermas in seinem Artikel über den gemeinsamen Leisten des „Revisionismus" zu schlagen versuchte, erweist sich bei genauerem Hinsehen vielmehr als äußerst heterogen: die geschichtsphilosophischen Spekulationen eines Einzelgängers wie Nolte, die freundliche Besprechung eines seiner Werke durch Klaus Hildebrand, eine unglückliche Zusammenstellung zweier Texte von Andreas Hillgruber sowie die feuilletonistischen Ausflüge Michael Stürmers, der sich gern als neokonservativer Vordenker der Ära Kohl präsentierte. Politisch gesehen, mochten die Angegriffenen allesamt dem konservativen Lager zugeordnet werden, in wissenschaftlicher Hinsicht waren ihre Arbeiten jedoch zu disparat, um als eine verschworene „Viererbande"[22] zu erscheinen.

Lagerbildung: Trotz der unterschiedlichen wissenschaftlichen Positionierungen, die Nolte, Stürmer, Hillgruber und Hildebrand in den Jahren vor dem „Historikerstreit" im historischen Feld der Bundesrepublik eingenommen hatten, nahmen die vier von Habermas angegriffenen Historiker den hingeworfenen Fehdehandschuh auf, solidarisierten sich untereinander und bekämpften – jeder an seiner Stelle – den öffentlichen Angriff des Frankfurter Sozialphilosophen, den sie im Wesentlichen als eine unbotmäßige Einmischung von außen in Forschungsfragen der Zunft empfanden. Hillgruber etwa solidarisierte sich mit Hildebrand und Nolte, warf Habermas unredliches Zitieren seiner Texte vor und nannte dessen Intervention in der „Zeit" schlichtweg einen „Skandal".[23] Auch Klaus Hildebrand stellte sich nicht nur vor seinen langjährigen Mitstreiter Andreas Hillgruber, sondern wandte sich im Namen der Freiheit der Wissenschaft auch gegen die seiner Meinung nach von Habermas betriebene Politisierung der Forschungen Ernst Noltes.[24] Dieser wiederum empörte sich über die Aufrichtung von Frageverboten und das öffentliche „Zensorenamt", das Habermas sich anmaße.[25] Michael Stürmer sprach von nichts weniger als von einer „Proskriptionsliste", mit der Habermas sich selbst um seinen wissenschaftlichen Ruf gebracht habe.[26]

Das, was später als „Historikerstreit" bezeichnet wurde, spielte sich im Sommer und Herbst des Jahres 1986 vor allem als eine polemische Schlacht wechselseitiger Unterstellungen im Feuilleton und in den Leserbriefspalten der großen Tages- und Wochenzeitungen ab. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung" unterstützte publizistisch die Positionen von Nolte und Stürmer, Habermas fand hingegen Rückendeckung bei der „Zeit", dem „Spiegel" und der „Frankfurter Rundschau". Innerhalb der Zunft der Fachhistoriker erfuhr Habermas Unterstützung von Jürgen Kocka, Heinrich August Winkler, Hans und Wolfgang J. Mommsen sowie später – mit einer eigenen Buchpublikation – von Hans-Ulrich Wehler.[27] Auf der anderen Seite formierte sich die Gruppe der Habermas-Gegner von Thomas Nipperdey über Horst Möller bis Immanuel Geiss.[28] Auf der einen Seite standen jene, die sich um das öffentliche Geschichtsbewusstsein, um den geschichtspolitischen Grundkonsens der Bundesrepublik besorgten, auf der anderen Seite jene, die im Namen der Freiheit der Wissenschaft reklamierten, auch Fragen zuzulassen, die diesen zu irritieren schienen. Wer sich auch immer zum „Historikerstreit" in den Jahren 1986/87 äußerte, wurde einer der beiden Seiten zugeordnet, vermittelnde Positionen wurden hingegen nur selten eingenommen und hatten es schwer, im massenmedial-publizistischen Meinungskampf dieser Jahre überhaupt wahrgenommen zu werden.

Nachspiel: Zwei Briefwechsel

Nolte hatte in seinem Essay über die „Vergangenheit, die nicht vergehen will" für eine „Gleichbehandlung" des Nationalsozialismus mit anderen Epochen der deutschen Geschichte plädiert; auch Jürgen Habermas erkannte die Notwendigkeit einer „historisierenden Distanzierung von der Vergangenheit" grundsätzlich an und verwies auf einen viel beachteten Aufsatz des langjährigen Direktors des Münchner Instituts für Zeitgeschichte, Martin Broszat, aus dem Jahr 1985, in dem dieser sich für eine „Historisierung" des Nationalsozialismus im Sinne einer Erforschung nach den Standards der fachwissenschaftlichen Analyse – etwa hinsichtlich struktur- und sozialgeschichtlicher Fragestellungen – ausgesprochen hatte.[29] Diese Form einer methodischen „Historisierung" meinte freilich etwas ganz anderes als eine moralische Relativierung, wie Broszat im „Historikerstreit", auch in Abgrenzung zu Nolte, unmissverständlich deutlich machte.[30]

Der Klärung möglicher Missverständnisse des Begriffs der „Historisierung" diente auch der später berühmt gewordene Briefwechsel zwischen Martin Broszat und Saul Friedländer aus dem Jahr 1987.[31] Hier trafen auf hohem intellektuellen Niveau und in einer grundsätzlich um wechselseitige Verständigung bemühten Form zwei Positionen aufeinander, welche die doppelte Anforderung des zeitgeschichtlichen Umgangs mit dem Holocaust damals wie heute auf den Punkt brachten: zum einen – dies war die Position Broszats – die Maxime eines fachhistorisch professionellen Umgangs mit der NS-Vergangenheit jenseits der „mythische[n] Erinnerung der Opfer", zum anderen, worauf Friedländer mit Nachdruck hinwies, die Wahrung der Perspektive der Opfer und damit der Einsicht, dass es sich bei der Shoah um ein sich letztlich gegen alle Erklärungsversuche stemmendes „Grenzereignis" menschlicher Erfahrung handelt.[32]

Obwohl den „Historikerstreit" nur am Rand betreffend, stellte der Briefwechsel zwischen Broszat und Friedländer den intellektuellen Höhepunkt der gesamten Debatte um die Einzigartigkeit des Holocaust Mitte bis Ende der 1980er-Jahre dar. Knapp zehn Jahre später kam es zu einem weiteren wichtigen Briefwechsel, der ebenfalls auf den „Historikerstreit" Bezug nahm und diesmal Ernst Nolte und den französischen Historiker François Furet in Kontakt brachte.[33] Furet hatte sich in seinem umfangreichen Werk über die kommunistische Idee im 20. Jahrhundert mit dem Titel „Das Ende einer Illusion" von 1995 in einer ungewöhnlich langen Anmerkung mit der von Nolte auch nach dem Abklingen des „Historikerstreits" weiterhin vehement vertretenen These vom „kausalen Nexus" zwischen Bolschewismus und Nationalsozialismus auseinandergesetzt.[34] So sprach Furet seinem deutschen Kollegen einerseits das Verdienst zu, das – seiner Meinung nach – aus politischer Überkorrektheit ausgesprochene Vergleichsverbot zwischen Bolschewismus und Nationalsozialismus durchbrochen zu haben, zum anderen distanzierte er sich aber von den Versuchen Noltes, dem nationalsozialistischen Antisemitismus eine Art völkerrechtliche Rationalität zuzuschreiben.[35] In dem im Jahr darauf einsetzenden Briefwechsel zwischen den beiden Historikern stellte Furet dann deutlich heraus, dass er Noltes These vom „kausalen Nexus" nicht teilte. Gulag und Auschwitz, so Furet, stünden nicht in einer „Beziehung von Ursache und Wirkung".[36] Der Briefwechsel zwischen den beiden Zeithistorikern gab Furet somit die Möglichkeit, seine eigene Position zu schärfen und sich von Nolte zu distanzieren. Für letzteren, der sich zu dieser Zeit bereits aus dem Kreis ernstzunehmender Zeithistoriker im Grunde selbst herausmanövriert hatte,[37] war es hingegen eine Art späte Genugtuung, dass sich ein international renommierter Fachhistoriker wie François Furet – sachlich und in höflichem Ton – überhaupt noch auf seine letztlich abstrusen Gedankenexperimente eingelassen hatte.

Fazit

Der „Historikerstreit" war die letzte öffentlich-intellektuelle Großkontroverse der alten Bundesrepublik.[38] In ihm stand die geschichtskulturelle Grundsatzfrage, die bereits seit langem im Raum stand, aus Rücksicht auf die Zeitgenossen aber in den Jahrzehnten zuvor öffentlich kaum verhandelt worden war, in aller Offenheit zur Disposition: Welche Rolle spielt die Erinnerung an den nationalsozialistischen Judenmord für das historisch-politische Selbstverständnis der Bundesrepublik? Für Habermas und seine Mitstreiter stand fest, dass der Holocaust den unüberbietbaren negativen Verankerungspunkt des post-nationalen, westlichen Demokratieverständnisses der Bundesrepublik darstellte, an dem in historiografischer Hinsicht nicht gerüttelt werden durfte. Seine Gegner im „Historikerstreit" sahen in dieser Position hingegen neue geschichtspolitische „Tabuisierungen" und einen Angriff auf die Freiheit der Wissenschaft heraufziehen.

Im Hin und Her der polemischen Angriffe und Abwehrschlachten der Jahre 1986/87 wurden Versuche wie derjenige zwischen Martin Broszat und Saul Friedländer, die Grenzen und Überlagerungen zwischen nüchterner Historisierung und Eingedenken der Opfer auszutarieren, nur selten unternommen. Auch das Spannungsverhältnis zwischen massenmedialem Geschichtsdiskurs einerseits und binnenwissenschaftlicher Kommunikation andererseits, das maßgeblich zur Dynamik der gesamten Debatte beigetragen hatte, wurde von den Kontrahenten selbst zu selten gesehen.

So blieb der „‚Historikerstreit", an dem sich fast alle namhaften Vertreter der zeitgeschichtlichen Forschung sowie der politischen Publizistik der Bundesrepublik beteiligt hatten, sowohl in empirischer als auch in analytisch-reflexiver Hinsicht im Grunde ohne Ergebnis. Es war der Streit einer Historikergeneration, die maßgeblich zur Profilierung der Zeitgeschichte in der Bundesrepublik beigetragen, sich aber spätestens in den Jahren nach 1968 in ihren politischen wie wissenschaftlichen Zielvorstellungen gespalten hatte und die sich nun, angesichts der Rückkehr des Nationalsozialismus in den öffentlichen Erinnerungshaushalt, nicht mehr in der Lage sah, die verschiedenen gesellschaftlichen Deutungsansprüche fachintern zu vermitteln – vielleicht auch deshalb, weil sich in ihren eigenen Biografien Erfahrungsschichten aus der Zeit des Nationalsozialismus mit bundesrepublikanischen Karrieremustern überlagerten.[39]

Mag sein, dass Ernst Nolte „revisionistische" Interessen bewegt haben, Andreas Hillgruber und Klaus Hildebrand sicherlich nicht. Die provozierenden Fragen Noltes wirkten gleichwohl wie eine Art Stachel im Fleisch der (west-)deutschen Historiker, zumal nach 1990, als die Terrorbilanz des Stalinismus in all ihren Ausmaßen sichtbar wurde. Noltes These vom „kausalen Nexus" ist gleichwohl vom Tisch, und dies nicht aufgrund politisch-historischer Korrektheit, sondern simpler empirischer Forschung. So war Hitler ohne Zweifel ein radikaler Antibolschewist, im Zentrum seiner Obsessionen stand gleichwohl ein auf Vernichtung zielender Antisemitismus, der sich gegen die Juden überhaupt und nicht nur gegen die Bolschewisten unter ihnen richtete. Der Holocaust war insofern keine Antwort auf die Oktoberrevolution. „Die Bolschewisten waren nicht die Vorgänger der Nationalsozialisten. Sie waren Zeitgenossen. Sie lernten voneinander, und wo sie, wie in den Jahren des Zweiten Weltkriegs, als Gegner aufeinander trafen, kannten die Exzesse keine Grenzen mehr."[40]

Anmerkungen

  1. Im und über den „Historikerstreit“ ist viel geschrieben worden. Die wichtigsten Beiträge zur Debatte finden sich in einer Dokumentation des Piper-Verlags: „Historikerstreit“. Die Dokumentation der Kontroverse um die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung, München 1987. Die umfassendste Bibliografie zum „Historikerstreit“ dürfte sich finden lassen bei Steffen Kailitz, Die politische Deutungskultur im Spiegel des „Historikerstreits“. Whats’s right? What’s left?, Wiesbaden 2001; siehe http://www.tu-chemnitz.de/phil/politik/pspi/pdf/kailitz_promoliste.pdf (25.11.2009); einige neuere Beiträge finden sich in: Volker Kronenberg (Hrsg.), Zeitgeschichte, Wissenschaft und Politik. Der „Historikerstreit“ – 20 Jahre danach, Wiesbaden 2008; Steffen Kailitz (Hrsg.), Die Gegenwart der Vergangenheit. Der „Historikerstreit“ und die deutsche Geschichtspolitik, Wiesbaden 2008; siehe auch Klaus Große Kracht, Die zankende Zunft. Historische Kontroversen in Deutschland nach 1945, Göttingen 2005, S. 91-114.
  2. Jürgen Habermas (Hrsg.), Stichworte zur ‚Geistigen Situation der Zeit’, 2 Bde., Frankfurt a. M. 1979 (das Zitat stammt aus der Einleitung, S. 7-35, hier S. 21). Zur Tendenzwende siehe Nikolai Wehrs, „Tendenzwende“ und Bildungspolitik. Der „Bund Freiheit der Wissenschaft“ (BFW) in den 1970er Jahren, in: Potsdamer Bulletin für Zeithistorische Studien Nr. 42 (Juli 2008), S. 7-17; Axel Schildt, „Die Kräfte der Gegenreform sind auf breiter Front angetreten“: Zur konservativen Tendenzwende in den Siebzigerjahren, in: Archiv für Sozialgeschichte 2004, S. 44, 449-478.
  3. Siehe Hans Mommsen, Die Last der Vergangenheit, in: Habermas, Stichworte, Bd. 1, S. 164-184; Wolfgang J. Mommsen, „Wir sind wieder wer.“ Wandlungen im politischen Selbstverständnis der Deutschen, in: ebd., Bd. 1, S. 185-209; Hans-Ulrich Wehler, Geschichtswissenschaft heute, in: ebd., Bd. 2, S. 709-753; siehe dazu auch Große Kracht, Zankende Zunft, S. 92 ff.
  4. Zu den Befindlichkeiten der frühen 1980er-Jahre aus linksliberaler Sicht siehe Richard J. Evans, Im Schatten Hitlers?, Frankfurt a. M. 1991, S. 27-40. Zum Berliner „Museumsstreit“: Christoph Stölzl (Hrsg.), Deutsches Historisches Museum. Ideen – Kontroversen – Perspektiven, Berlin 1988. Zur Vorgeschichte des „Historikerstreits“ siehe des Weiteren Charles S. Maier, Die Gegenwart der Vergangenheit. Geschichte und nationale Identität der Deutschen, Frankfurt a. M. 1992.
  5. Ulrich Herbert, Der Historikerstreit. Politische, wissenschaftliche, biographische Aspekte, in: Martin Sabrow/Ralph Jessen/Klaus Große Kracht (Hrsg.), Zeitgeschichte als Streitgeschichte. Große Kontroversen seit 1945, München 2003, S. 94-113, hier S. 101.
  6. Siehe Andreas Hillgruber, Politische Geschichte in moderner Sicht, in: Historische Zeitschrift 216 (1973), S. 529-552; Hans Ulrich Wehler, Moderne Politikgeschichte oder „Große Politik der Kabinette“?, in: Geschichte und Gesellschaft 1 (1975), S. 345-369; Klaus Hildebrand, Geschichte oder „Gesellschaftsgeschichte“? Die Notwendigkeit einer politischen Geschichtsschreibung von den internationalen Beziehungen, in: Historische Zeitschrift 223 (1976), S. 328-357; Hans-Ulrich Wehler, Kritik und kritische Antikritik, in: Historische Zeitschrift 225 (1977), S. 347-384. Zur Langlebigkeit dieser Debatte siehe Eckart Conze, Moderne Politikgeschichte. Aporien einer Kontroverse, in: Guido Müller (Hrsg.), Deutschland und der Westen. Internationale Beziehungen im 20. Jahrhundert, Stuttgart 1988, S. 19-30.
  7. Siehe, mit vielen weiteren Hinweisen, Frank Bösch, Film, NS-Vergangenheit und Geschichtswissenschaft. Von „Holocaust“ zu „Der Untergang“, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 55 (2007), S. 1-32 (hier auch das Zitat: S. 4); siehe auch ders., Der Nationalsozialismus im Dokumentarfilm: Geschichtsschreibung im Fernsehen, 1950-1990, in: ders./Constantin Goschler (Hrsg.), Public History. Öffentliche Darstellungen des Nationalsozialismus jenseits der Geschichtswissenschaft, Frankfurt a. M. 2009, S. 52-76.
  8. Evans, Im Schatten Hitlers?, S. 27.
  9. Zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Ansprache des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985 in der Gedenkstunde im Plenarsaal des Deutschen Bundestages; http://www.hdg.de/lemo/html/dokumente/NeueHerausforderungen_redeVollstaendigRichardVonWeizsaecker8Mai1985/index.html (25.11.2009). Zur wechselhaften Geschichte des 8. Mai als Gedenktag in der Bundesrepublik siehe Jan-Holger Kirsch, „Wir haben aus der Geschichte gelernt“. Der 8. Mai als politischer Gedenktag in Deutschland, Köln 1999, dort auch zur Weizsäcker-Rede: S. 96 ff., S. 102. Zu den unterschiedlichen Konjunkturen der „Vergangenheitsbewältigung“ in Deutschland siehe, jeweils mit viel Material, Torben Fischer/Matthias N. Lorenz (Hrsg.), Lexikon der „Vergangenheitsbewältigung“ in Deutschland. Debatten- und Diskursgeschichte des Nationalsozialismus nach 1945, Bielefeld 2007; Thorsten Eitz/Georg Stötzel (Hrsg.), Wörterbuch der „Vergangenheitsbewältigung“. Die NS-Vergangenheit im öffentlichen Sprachgebrauch, Hildesheim 2007.
  10. Ernst Nolte, Vergangenheit, die nicht vergehen will. Eine Rede, die geschrieben, aber nicht gehalten werden konnte (zuerst in: FAZ, 6.6.1986), in: Historikerstreit, S. 39-47. Zu den Hintergründen, warum diese Rede nicht gehalten wurde, siehe Große Kracht, Zankende Zunft, S. 99 f.
  11. Nolte, Vergangenheit, S. 42.
  12. Ebd., S. 43.
  13. Ebd., S. 45 f.
  14. Jürgen Habermas, Eine Art Schadensabwicklung. Die apologetischen Tendenzen in der deutschen Zeitgeschichtsschreibung (zuerst in: Die Zeit, 11.07.1986), in: Historikerstreit, S. 62-76.
  15. Die Zeit, 11.7.1986, S. 1.
  16. Jürgen Habermas, Entsorgung der Vergangenheit (zuerst in: Die Zeit, 17.05.1985), in: ders., Die Neue Unübersichtlichkeit. Kleine Politische Schriften V, Frankfurt a. M. 1985, S. 261-268.
  17. So spricht Nolte selbst an einer Stelle vom Holocaust als „Kopie“, siehe Ernst Nolte, Zwischen Geschichtslegende und Revisionismus? Das Dritte Reich im Blickwinkel des Jahres 1980 (gekürzt in: FAZ, 24.07.1980), in: Historikerstreit, S. 13-35, hier S. 32; siehe hierzu Evans, Im Schatten Hitlers?, S. 41-54.
  18. Habermas, Eine Art Schadensabwicklung, S. 71.
  19. Ebd., S. 63.
  20. Andreas Hillgruber, Zweierlei Untergang. Die Zerschlagung des Deutschen Reiches und das Ende des europäischen Judentums, Berlin 1986, hier S. 24.
  21. Siehe Andreas Hillgruber, Die „Endlösung“ und das deutsche Ostimperium als Kernstück des rassenideologischen Programms des Nationalsozialismus, in: ders., Deutsche Großmacht- und Weltpolitik im 19. und 20. Jahrhundert, Düsseldorf 1977, S. 252-275.
  22. Ders., Jürgen Habermas, Karl-Heinz Janßen und die Aufklärung Anno 1986 (zuerst in: GWU, H. 12, 1986), in: Historikerstreit, S. 331-349, hier S. 332. Der Begriff „Viererbande“ scheint durch Elie Wiesel in die Debatte gekommen zu sein, vgl. Horst Möller, Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Plädoyer für die Versachlichung der Kontroverse über die Zeitgeschichte (zuerst in: Beiträge zur Konfliktforschung 4, 1986), in: ebd., S. 322-330, hier S. 322.
  23. Hillgruber, Jürgen Habermas; ders., Für die Forschung gibt es kein Frageverbot (zuerst in: Rheinischer Merkur/Christ und Welt, 31.10.1986), in: ebd., S. 232-242, hier S. 233.
  24. Klaus Hildebrand, Das Zeitalter der Tyrannen (zuerst in: FAZ, 31.7.1986), in: Historikerstreit, S. 84-92.
  25. Ernst Nolte, Leserbrief (zuerst in: Die Zeit, 1.8.1986), in: ebd., S. 93 f.
  26. Michael Stürmer, Leserbrief (zuerst in: FAZ, 16.8.1986), in: ebd., S. 98 f.
  27. Hans-Ulrich Wehler, Entsorgung der deutschen Vergangenheit? Ein polemischer Essay zum ‚Historikerstreit’, München 1988; zu den anderen genannten Autoren siehe die Dokumentation in: Historikerstreit.
  28. Siehe die jeweiligen Stellungnahmen in: Historikerstreit, sowie Immanuel Geiss, Die Habermas-Kontroverse. Ein deutscher Streit, Berlin 1988.
  29. Jürgen Habermas, Eine Art Schadensabwicklung, S. 72; Martin Broszat, Plädoyer für eine Historisierung des Nationalsozialismus, in: Merkur 39 (1985), S. 373-385.
  30. Martin Broszat, Wo sich die Geister scheiden. Die Beschwörung der Geschichte taugt nicht als nationaler Religionsersatz (zuerst in: Die Zeit, 03.10.1986), in: Historikerstreit, S. 189-195; ders., Was heißt Historisierung des Nationalsozialismus?, in: Historische Zeitschrift 247 (1988), S. 1-14.
  31. Martin Broszat/Saul Friedländer, Um die ‚Historisierung des Nationalsozialismus’. Ein Briefwechsel, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 36 (1988), S. 339-372; siehe auch Saul Friedländer, Überlegungen zur Historisierung des Nationalsozialismus, in: Dan Diner (Hrsg.), Ist der Nationalsozialismus Geschichte? Zu Historisierung und Historikerstreit, Frankfurt a. M. 1987, S. 34-50.
  32. Broszat/Friedländer, Um die ‚Historisierung’, S. 343, 371. Dass Broszat die „mythische Erinnerung“ vor allem auf Seiten der Opfer vermutete, die westdeutschen Historiker hingegen dem Pol „wissenschaftlicher Einsicht“ zuzuordnen schien, gab dem Briefwechsel allerdings eine deutliche geschichtspolitische Schieflage (ebd., S. 343, 347), über die viele Jahre später intensiv debattiert werden sollte, vgl. Nicolas Berg, Der Holocaust und die westdeutschen Historiker. Erforschung und Erinnerung, Göttingen 2003, S. 35-41, 614 f.; Norbert Frei (Hrsg.), Martin Broszat, der „Staat Hitlers“ und die Historisierung des Nationalsozialismus, Göttingen 2007 (siehe hier insbesondere den Rückblick von Saul Friedländer, S. 188-194).
  33. François Furet/Ernst Nolte, „Feindliche Nähe“. Kommunismus und Faschismus im 20. Jahrhundert. Ein Briefwechsel, München 1998.
  34. François Furet, Das Ende einer Illusion. Der Kommunismus im 20. Jahrhundert, München 1996, S. 648 ff., Anm. 13 (zuerst franz. 1995); Ernst Nolte, Der europäische Bürgerkrieg 1917-1945. Nationalsozialismus und Bolschewismus, Berlin 1987; siehe auch ders., Das Vergehen der Vergangenheit. Antwort an meine Kritiker im sogenannten Historikerstreit, Berlin 1987.
  35. Furet, Das Ende einer Illusion, S. 648 ff.
  36. Ders./Nolte, „Feindliche Nähe“, S. 35. Zum (innerfranzösischen) Hintergrund des Briefwechsels siehe die beiden, aus jeweils unterschiedlichen Blickwinkeln verfassten Beiträge von Stéphane Courtois, Das Werk von Ernst Nolte und das intellektuelle Klima in Frankreich, sowie von Enzo Traverso, Der neue Antikommunismus. Nolte, Furet und Courtois interpretieren die Geschichte des 20. Jahrhunderts, in: Kronenberg (Hrsg.), Zeitgeschichte, S. 51-66 sowie S. 67-90.
  37. Vgl. Große Kracht, Zankende Zunft, S. 111. Selbst die „FAZ“ kündigte Nolte Mitte der 1990er-Jahre die Unterstützung auf, nachdem dieser wiederholt versucht hatte, dem nationalsozialistischen Antisemitismus eine Art rationale Nachvollziehbarkeit zu attestieren, und auch in politischer Hinsicht mit immer provokanteren Thesen von sich reden gemacht hatte; siehe Kailitz, Politische Deutungskultur, S. 71 ff.
  38. Siehe Eberhard Rathgeb, Deutschland kontrovers. Debatten 1945 bis 2005, München 2005.
  39. Zur generationellen Lage der Protagonisten des „Historikerstreits“ siehe Herbert, Historikerstreit, S. 105 ff., sowie, weiter ausholend, Paul Nolte, Die Historiker der Bundesrepublik. Rückblick auf eine ‚lange Generation’, in: Merkur 53 (1999), S. 413-432.
  40. Jörg Baberowski/Anselm Doering-Manteuffel, Ordnung durch Terror. Gewaltexzesse und Vernichtung im nationalsozialistischen und im stalinistischen Imperium, Bonn 22007 (1. Aufl. 2006), S. 18 (in kritischer Absetzung von Nolte).

Zitation

Klaus Große Kracht, Debatte: Der Historikerstreit, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 11. 1.2010, URL: http://docupedia.de/zg/Historikerstreit?oldid=84621

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