Imperium

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Herfried Münkler, Imperium und Imperialismus,
Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 11.02.2010
"Stalin's Boots", Szoborpark bei Budapest, 2007, Foto: Ines Zgonc. [http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Stalin%27s_Boots.jpg Wikimedia Commons] ([https://creativecommons.org/licenses/by/3.0/deed.en CC BY 3.0])
"Stalin's Boots", Szoborpark bei Budapest, 2007, Foto: Ines Zgonc. Wikimedia Commons (CC BY 3.0)
Imperium und Imperialismus

Definitions- und Klassifikationsprobleme

Der Begriff des Imperialismus, der während des 20. Jahrhunderts im Zentrum heftiger politischer Deutungskämpfe stand, hat den Blick auf die weltgeschichtliche Rolle der Imperien mehr getrübt als geschärft. Imperiumstheorien sind deswegen eher in kritischer Absetzung gegen Imperialismustheorien zu entwickeln als in deren Gefolge und gemäß deren Vorgaben. Die Imperialismustheorien des 20. Jahrhunderts haben sich vor allem um den bevorstehenden Zusammenbruch des Kapitalismus und die Zukunftsmächtigkeit des Sozialismus gedreht und darüber zu einer denunziatorischen Aufladung des Imperiumsbegriffs beigetragen, zu der schließlich auch gehört, dass sich weder die USA noch die Sowjetunion selbst als Imperien bezeichnet, den Begriff jedoch als diskriminierende Bezeichnung des Kontrahenten verwandt haben. Dieser negativen semantischen Prägung verdankt sich schließlich auch die Vorstellung, mit dem Zerfall der Sowjetunion im Jahre 1991 sei eine 3000-jährige Imperialgeschichte definitiv zu Ende gegangen.[1] Die politische Semantik konnte freilich einer kritischen bis verurteilenden Bezeichnung weltpolitischer Akteure nicht entbehren, und so wurde schon bald nach der Ausrufung des Endes der Imperialgeschichte ein imperialismustheoretisch imprägnierter Imperiumsbegriff auf die USA angewandt, sei es, um deren weltwirtschaftliches Agieren unter Vorbehalt zu stellen, sei es, um deren Politik im Mittleren Osten zu kritisieren.[2] Parallel hierzu kam es im letzten Jahrzehnt aber auch zu verstärkten Bemühungen, einen wissenschaftlich-klassifikatorischen Imperiumsbegriff zurückzugewinnen, mit Hilfe dessen die weltpolitischen Konstellationen hinsichtlich spezifischer Herausforderungen, die sich von solchen an Staaten deutlich unterscheiden, und die Leistungsfähigkeit weltpolitischer Akteure evaluiert werden können.[3]

Bei der Arbeit an einem solchen Imperiumsbegriff taucht zuerst das klassische Problem des Staatsbegriffs auf, in dem zwei Definitionen zusammenfließen: eine transhistorisch-universale Definition, in der tendenziell alle Formen politischer Ordnungsbildung mit kollektiv bindenden Entscheidungen erfasst werden, und eine historisch konkrete Definition, die sich auf den institutionellen Flächenstaat bezieht, wie er im Europa der Frühen Neuzeit entstanden ist. Der transhistorisch-universale Begriff des Staates umfasst im Prinzip auch die unterschiedlichen Formen von Imperienbildung, die mit den ersten die Reichweite eines Stadtstaates übergreifenden Herrschaftsordnungen in Mesopotamien (assyrisches Reich, babylonisches Reich) beginnen und bis zur heutigen Dominanz der USA reichen. Das Imperium in seinen unterschiedlichen Formen ist hier eine Untergröße dieses universal-transhistorischen Staatsbegriffs, aber ein Gegenmodell zum historisch-konkreten Staatsbegriff, der sich auf den institutionellen Flächenstaat bezieht, wie er in Europa zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert entstanden ist. In Parallele zum engeren Staatsbegriff ließe sich vielleicht auch ein historisch-konkreter Imperiumsbegriff entwickeln, der von der Zeit der europäischen Expansion seit dem 15. Jahrhundert, also von den portugiesischen und spanischen Eroberungen, bis zum Zerfall des britischen und französischen Kolonialreichs nach dem Zweiten Weltkrieg reicht. Doch das gravierende Manko eines solchen historisch-konkreten Imperiumsbegriffs bestünde darin, dass er das Imperium Romanum als Namensgeber und Modell späterer Großreichsbildungen nicht einschließt. Eine solche enge Definition hätte die Wurzeln und den Stamm der europäischen Imperialgeschichte ebenso gekappt, wie sie die asiatischen Großreichsbildungen der Mongolen und Chinesen nicht zu erfassen vermag.

Dagegen lässt sich eine sehr viel weiter gefasste Definition des Imperiums als Unterkategorie des transhistorisch-universalen Staatsbegriffs durch eine Typologie der Imperien komplementieren, bei der die Art der Reichsbildung (militärische Eroberung oder wirtschaftliche Durchdringung), der Bereich, in dem sie sich vollzogen hat (Land oder Meer), und das Verhältnis zwischen Zentrum und Peripherie (ausbeuterisch oder investiv) als Klassifikationskriterien gelten können. Hans-Heinrich Nolte hat vorgeschlagen, zwischen Imperien „erster" und „zweiter Ordnung" zu unterscheiden, womit er Elemente eines transhistorischen und eines historisch-konkreten Definitionstyps miteinander verbunden hat:[4] Imperien erster Ordnung sind danach die Reiche, die eine in sich geschlossene und von anderen unabhängige „Weltwirtschaft" aufgebaut haben, während Imperien zweiter Ordnung bei der Durchsetzung dieses Vorhabens gescheitert sind oder es erst gar nicht in Angriff genommen haben. Das Problem dieser Unterscheidung besteht freilich darin, dass es nur wenige Beispiele für Imperien der ersten Ordnung gibt (neben dem Imperium Romanum noch das Osmanische Reich bis zum Verlust Ungarns und China bis zum Opiumkrieg), während sich in der Kategorie „Imperium zweiter Ordnung" sehr unterschiedliche Imperientypen tummeln – vom Heiligen Römischen Reich in der Epoche der Staufer über das zarische Russland bis zu den faschistischen Imperiumsbildungen des 20. Jahrhunderts.

Ist es angesichts dieser Definitions- und Klassifikationsprobleme überhaupt sinnvoll, den Imperiumsbegriff als politiktheoretische wie geschichtsanalytische Kategorie zu rekonstruieren? Wäre es womöglich sinnvoller, auf ihn entweder ganz zu verzichten oder durch eine Reihe von Neologismen zu ersetzen? Gegen letzteres spricht, dass – erstens – der Begriff des Imperiums mit seinen zahllosen Filiationen nun einmal in der politischen Sprache vorhanden ist und darin orientierende Kraft entfaltet hat und – zweitens – die umrissenen definitorischen wie klassifikatorischen Probleme auch mit Hilfe von Neologismen nicht umgangen werden können, weil es sich letzten Endes um Probleme der Sache und nicht bloß solche der Bezeichnung handelt.

Deswegen stellt auch der von Historiker/innen verschiedentlich gemachte Vorschlag, man solle sich an der quellengestützten Selbstbezeichnung von Herrschaftsbildungen orientieren, keine wirkliche Lösung des Problems dar. Im Sinne von Max Webers Konzeption der Idealtypen wird nachfolgend davon ausgegangen, dass es einen Oberbegriff des Imperiums gibt, der gegen andere Formen von Herrschaftsbildung zu konturieren und gleichzeitig in eine Reihe von Idealtypen zu untergliedern ist. Dabei muss freilich in Rechnung gestellt werden, dass nur die wenigsten der historischen Imperien einem dieser Idealtypen entsprechen; in der Regel handelt es sich um Hybridbildungen mit sehr unterschiedlichen Mischungsverhältnissen. Auch sind die Unterschiede zwischen Hegemonialposition und Imperiumsbildung nicht immer scharf zu markieren. Aber gerade die Beobachtung von Hybridisierung idealtypisch konturierter Modelle schärft den Blick für die spezifischen Aufgaben und Herausforderungen, auf die ein Imperium die historisch-konkrete Antwort dargestellt hat.

Begriff und Theorien des Imperialismus

Im Begriff des Imperialismus, der in heftigen Kontroversen um die von Großbritannien zu betreibende Politik in Afrika und Südasien geformt wurde, wird die Grundannahme transportiert, Großreichsbildungen seien prinzipiell das Ergebnis einer aus dem Innern der Herrschaft entspringenden Dynamik, bei der immer weitere Gebiete aufgrund ihrer ökonomischen oder geostrategischen Attraktivität dem expandierenden Machtkomplex eingegliedert werden.[5] Dabei ist die Form der Durchdringung und Einverleibung dieser peripheren Gebiete offen: Sie kann ökonomischer, mitunter bloß monetärer, gelegentlich kultureller, häufig militärischer, abschließend fast immer politischer Art sein, weswegen von unterschiedlichen Typen des Imperialismus die Rede ist: von Kulturimperialismus, Wirtschaftsimperialismus, Dollarimperialimus, Kolonialimperialismus usw.

Diesem Imperialismusbegriff liegt die Annahme zugrunde, dass das Zentrum von der Einflussnahme bzw. Expansion profitiert und sie deswegen betreibt, während die Peripherie politisch unterdrückt und wirtschaftlich ausgeplündert wird. In den ideologischen Kontroversen während des Ersten Weltkriegs wurde der Imperialismusbegriff zugespitzt, indem die imperiale Gestalt des jeweiligen Gegners als Inbegriff von Unterdrückung und Ausplünderung markiert wurde. So wurde die von Österreichern und Ungarn beherrschte Donaumonarchie als „Völkergefängnis" gebrandmarkt, das aufgebrochen werden müsse, während gegen Frankreich und Großbritannien vor allem von deutscher Seite der Vorwurf erhoben wurde, in den Kolonien rekrutierte Militäreinheiten auf dem europäischen Kriegsschauplatz „zu verheizen". Gleichzeitig wurde die linkssozialistische Parole, man müsse den Krieg der Nationen in einen Krieg der Klassen verwandeln, durch Theorien flankiert, denen zufolge dieser Krieg ein Produkt der kapitalistischen Wirtschaftsordnungen sei, die an die Grenzen ihrer Akkumulationsmöglichkeiten gestoßen seien und nun in einem Krieg um die Aufteilung der Welt ihre Existenz zu verlängern versuchten. Der imperialistische Krieg (der nicht mit imperialen Kriegen zu verwechseln ist, die an der Peripherie der Großreiche geführt werden) ist in linkssozialistischer Sicht ein Indikator für die Agonie des Kapitalismus.

In den Imperialismustheorien unterschiedlicher politischer Provenienz wird die Entstehung von Großreichen ebenso aus einer Dynamik von Innen wie einer inneren Labilität erklärt: In jedem Fall sind die inneren Verhältnisse der expandierenden Mächte und nicht etwa die Konstellationen der Peripherie verantwortlich. Das gilt gleichermaßen für die politischen wie für die ökonomischen Imperialismustheorien. Ein Beispiel für erstere ist die Bonapartismusanalyse von Karl Marx, nach der die innere Labilität des französischen Kaiserreichs, das zeitweilige Klassengleichgewicht zwischen den aufsteigenden und den absteigenden Kräften der Gesellschaft, durch militärisches Gehabe und eine auf Ruhm und Beute ausgerichtete Expansionspolitik kompensiert werden sollte. Imperialistische Außenpolitik, die von Marx hier im Übrigen nicht als zielstrebige Umsetzung eines großen Plans, sondern als politisches Abenteurertum begriffen wird, ist danach kein Ausdruck innerer Kraft und Stärke, sondern ein Zeichen bevorstehender Umbrüche.

Davon zu unterscheiden ist die Rechtfertigung imperialen Ausgreifens als Aneignung von Ressourcen, die für eine soziale Besserstellung der Unterschichten im imperialen Zentrum vonnöten sind. Diese sozialimperialistische Vorstellung findet sich paradigmatisch bei dem britischen Konservativen Benjamin Disraeli, der sie unüberhörbar in seiner berühmten Crystal-Palace-Rede von 1872 vorgetragen hat. Lenin („Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus", 1916) hat diese Vorstellung später aufgegriffen und mit der auf imperialistischen Extraprofiten beruhenden Entstehung einer Arbeiteraristokratie in England und anderen kapitalistischen Zentren das Ausbleiben der proletarischen Revolution in den fortgeschrittenen Ländern erklärt, wo die sozialistische Revolution als Erstes ausbrechen sollte. Deswegen werde der revolutionäre Umsturz von Ländern ausgehen, die von ihrer imperialistischen Politik nicht profitierten, sondern durch sie überfordert seien. Die Kette der imperialistischen Länder, so Lenins berühmte Formel, reiße am schwächsten Glied, und das sei Russland.

Daneben entstanden auch ökonomische Imperialismustheorien, in denen die Überakkumulation des Kapitals in den Zentren des Kapitalismus zum erklärenden Faktor für das imperialistische Ausgreifen wurde. Gemäß dieser auf den englischen Liberalen John Atkinson Hobson („Imperialism. A Study", 1902) zurückgehenden Theorie gerät infolge einer zu geringen Massenkaufkraft in den kapitalistischen Metropolen das Kapital in eine Verwertungskrise: Es findet in seinem Herkunftsland keine rentablen Anlagemöglichkeiten mehr und drängt deswegen in wirtschaftlich rückständige Territorien, wo es aufwendige Repräsentations- und Entwicklungsprojekte der Machthaber finanziert. Die infolgedessen wachsende Schuldenlast und daraus resultierende Abgabenerhöhungen bringen die Herrschaft dieser Eliten jedoch ins Wanken, bis schließlich nicht bloß der Schuldendienst, sondern auch das gesamte angelegte Kapital gefährdet ist. Jetzt wächst der Druck auf die Regierung der Metropole, Militär zu entsenden, um die wankende Herrschaft in den peripheren Ländern zu stabilisieren und das dort investierte Kapital durch Militärinterventionen zu sichern. Hobson erklärt damit den Übergang vom Freihandelskapitalismus zum Imperialismus in Großbritannien während des späten 19. Jahrhunderts. Im Unterschied zu Disraeli und den Sozialimperialisten bestreitet er aber, dass die Unterschichten des Zentrums tatsächlich von der imperialistischen Politik profitierten, sondern geht davon aus, dass der Imperialismus das ihn betreibende Land mehr koste, als er ihm einbringe. Profiteur des Imperialismus sei allein das Finanzkapital, das staatliche Ressourcen für sein Akkumulationsinteresse nutzen könne. Dass eine Mehrheit der Wähler dies akzeptiere und die imperialistische Politik unterstütze, sei, so Hobson, eine Folge von Manipulationen, in denen als nationales Interesse dargestellt werde, was in Wahrheit Klasseninteresse sei. Dieser Grundüberlegung Hobsons sind fast alle späteren Imperialismustheorien gefolgt.

Die Rekonstruktion des Imperiums gegen die Vorherrschaft der Imperialismustheorien

Die starke Verbindung von Imperiumsbildung und Kapitalismus in den Imperialismustheorien hat zur Folge, dass diese weniger Imperiumsbildungen als vielmehr die Resistenz des Kapitalismus gegenüber seinem als unmittelbar bevorstehend prophezeiten Zusammenbruch erklären. Außerdem sind sie eurozentrisch und haben keinen Blick für außereuropäische Imperiumsbildungen – weder für die mongolischen Steppenimperien noch für die chinesischen Reichsbildungen, wobei letztere mit einem Zeitraum von drei Jahrtausenden die historisch längste Imperiumsgeschichte aufweisen.[6] Ebenso wenig lassen sich die spanische Großreichsbildung oder die seaborn empires der Portugiesen und Niederländer mit politischer Instabilität im Innern oder einer Verwertungskrise des Kapitals erklären. Auch die römische Reichsbildung entzieht sich weitgehend imperialismustheoretischen Erklärungen, sieht man von einigen jüngeren Darstellungen des 1. vorchristlichen Jahrhunderts ab, bei denen moderne Fragestellungen auf die antiken Konstellationen angewandt wurden.[7] Das Fazit lautet also, dass die meisten Großreichsbildungen außerhalb der Reichweite der im 19. und 20. Jahrhundert entwickelten Imperialismustheorien liegen.

Eine Imperiumstheorie hat von der Beobachtung auszugehen, dass die Großreichsbildung in Ostasien während der letzten drei Jahrtausende im wesentlichen raumstationär erfolgt ist, während im westasiatisch-europäisch-atlantischen Raum eine heliotrope, d.h. dem Lauf der Sonne von Osten nach Westen folgende Entwicklung zu konstatieren ist. Das Chinesische Reich hat sich in einem geopolitisch identischen Raum nach Perioden des Verfalls immer wieder erneuert; die chinesische Reichsgeschichte stellt sich demgemäß als eine nach Dynastien benannte Abfolge von Aufstiegs- und Niedergangszyklen dar. Das hat im chinesischen Geschichtsbild zur Folge, dass Zeiten imperialer Macht als solche politischer Stabilität und ökonomischer Prosperität angesehen werden, während imperiale Niedergangs- und Verfallsperioden als Zeiten innerer Kriege, politischer Lähmung und wirtschaftlichen Elends gelten. Folge dieser geostationären Imperialgeschichte ist eine durchweg positive Wahrnehmung des eigenen Imperiums als „Reich der Mitte" und das Fehlen einer auf die eigene Geschichte bezogenen antiimperialen bzw. antiimperialistischen Sicht. Eine antiimperialistische Perspektive (bzw. Rhetorik) hat sich in China nur mit Blick auf von außen eindringende Mächte, wie Briten, Japaner und US-Amerikaner, entwickelt, als China seit Mitte des 19. Jahrhunderts zum Objekt der Weltpolitik wurde. Selbstverständlich sind die chinesischen Großreichsbildungen seitens der Satellitenstaaten im Süden anders wahrgenommen worden, doch ist deren Perspektive im Gegensatz zum Antiimperialismus in der westlichen politischen Ideengeschichte nie hegemonial geworden.

Im Unterschied zu Ostasien ist es im westasiatisch-atlantischen Raum zu einer geopolitischen Metropolenverschiebung gekommen, die seit der makedonischen Großreichsbildung unter Alexander dazu geführt hat, dass sich immer neue Imperienbildungen an der Peripherie des jeweils im Niedergang befindlichen Großreichs vollzogen. So setzte von den frühen Reichsbildungen in Mesopotamien und am Nil eine Bewegung in westliche Richtung ein, als deren Hauptstationen das auf die Diadochenreiche des Hellenismus folgende Imperium Romanum,[8] später das spanische Weltreich (von dem es hieß, in ihm gehe die Sonne nicht unter), schließlich das britische Empire[9] und mit dessen Abstieg die Vereinigten Staaten von Amerika gelten können.

Diese heliotrope Bewegung des imperialen Zentrums hat eine breite Spur postimperialer Räume hinter sich gelassen, in denen es zu alternativen Formen politischer Ordnungsbildung gekommen ist, vor allem zur Inversion von Staatlichkeit und Nationalität in Form des Nationalstaats, der auch insofern im Gegensatz zur imperialen Ordnung steht, als diese zumeist multinational bzw. multiethnisch ist. Das System souveräner Staaten, die sich wechselseitig als gleiche anerkennen und behandeln, ist darüber zur Alternative der imperialen Ordnung geworden, die neben dem alles überragenden Imperium allenfalls untergeordnete Satellitenstaaten und weitere Formen politischer Abhängigkeit kennt. Zunächst in Europa und später von hier ausgehend im globalen Maßstab hat sich das Modell der gleichberechtigten Staaten, die Meinungsverschiedenheiten und Interessengegensätze in Kriegen austragen oder in multilateralen Verhandlungen bearbeiten, zur Alternative der imperialen Ordnung entwickelt.

Neben der geostationären Abfolge imperialer Zyklen in Ostasien und der heliotropen Entwicklung imperialer Zentren vom Euphrat zum Potomac im Westen sind als eigenständige imperiale Typen die östliche Filiation des Imperium Romanum mit dem Zentrum Konstantinopel/Byzanz zu nennen sowie das in demselben geopolitischen Raum entstandene Osmanische Reich, das sich im östlichen Mittelmeer an der Verbindung des europäischen, asiatischen und afrikanischen Kontinents entwickelt hat.[10] Neben dem Mogulnreich in Südasien ist vor allem das mongolische Steppenimperium zu nennen, das zeitweilig die gesamte nordasiatische Landmasse umfasste und von dort aus mehrfach nach Südosten (China) wie Südwesten (Mittlerer Osten) ausgegriffen hat.[11] Das Reich Dschingis Khans und seiner Nachfolger war das größte Landimperium der Geschichte. Das Reich der russischen Zaren wiederum stand unter Aufnahme byzantinischer Traditionen („Drittes Rom") in der Nachfolge dieses riesigen Steppenimperiums, das in Gestalt der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) bis 1991 fortbestand.

Sehr viel stärker als bei Nationalstaaten, deren räumliche Ausdehnung im wesentlichen sprachlich und kulturell definiert ist, folgt die Entwicklung multiethnischer bzw. multinationaler Imperien geopolitischen bzw. geoökonomischen Vorgaben: Die imperiale Ordnung Chinas entwickelte sich zwischen der nordasiatischen Steppe und den Dschungellandschaften Südostasiens, während es auf einen Vorstoß in die maritimen Räume des Pazifik verzichtete. Das Römische Reich entstand rund um das Mittelmeer, das im 2. Jahrhundert v. Chr. zum Kraftzentrum der imperialen Ordnungsbildung wurde. Das Mongolenreich und das Reich der russischen Zaren dehnten sich in den weiten Tiefebenen Osteuropas und Nordasiens aus, und das britische Empire war während seines ersten Zyklus ein wesentlich nordatlantisches Reich, während es in seinem zweiten Zyklus entlang der strategischen Verbindungslinie London-Gibraltar-Suez-Aden-Bombay aufgebaut war. Diese geopolitische Imperialräson findet sich auch im Ost-West-Konflikt nach dem Zweiten Weltkrieg wieder, als die USA großen Wert darauf legten, die gegenüberliegenden Küsten des atlantischen wie des pazifischen Ozeans zu kontrollieren, um die Bildung maritimer Gegenmächte zu verhindern, während die Sowjetunion auf die Sicherung eines mitteleuropäischen Glacis und eine dominierende Position in Zentralasien Wert legte. Die geostrategische Grundierung imperialer Ordnung hat zur Folge, dass Imperiumsanalyse und geopolitische Theorien eine enge Liaison eingegangen sind,[12] und das weltpolitische Selbstverständnis und Agieren der Imperien führt dazu, dass die in jüngster Zeit wieder verstärkt betriebene Globalgeschichte[13] in hohem Maße eine Beschäftigung mit der Geschichte imperialer Ordnungsbildung darstellt.

Definitionsmerkmale und Typen von Imperien

Im Unterschied zu Staaten haben Imperien keine klaren und eindeutigen Grenzen: Entweder handelt es sich um Grenzräume, in denen die imperiale Ordnung allmählich an Geltung verliert, oder sie verfügen über Einflusszonen, in denen die politische und wirtschaftliche Ordnung unter imperialer „Oberaufsicht" steht. Die politische Administration verbleibt dann zwar bei den jeweiligen Regierungen, aber außen- und bündnispolitische Entscheidungen können nur in Absprache mit dem imperialen Zentrum getroffen werden. Politiktheoretisch ist in diesen Einflussräumen die Unterscheidung zwischen Imperium und Hegemonie fließend,[14] wobei freilich in Rechnung zu stellen ist, dass für ein Imperium hegemoniales Agieren in jeder Hinsicht kostengünstiger ist als die Errichtung einer unmittelbaren imperialen Ordnung. In jedem Fall aber unterscheiden sich Imperien darin von Staaten, dass Grenzen für sie nicht das Aufeinandertreffen gleicher Rechte und Pflichten darstellen, sondern die imperiale Macht beansprucht auf dem Territorium der Anrainer einen Einfluss für sich, den sie diesen auf ihrem eigenen Gebiet niemals zugestehen würde. Imperien stehen zu ihrer politischen Umwelt in einer prinzipiell asymmetrischen Beziehung. Der dafür verbreitete Begriff ist der der „Hinterhöfe": für die USA etwa die Karibik, für das moderne Russland der Kaukasus.

Die Superiorität des Imperiums gegenüber den anderen Akteuren seines politischen Raumes bedarf einer kosmologischen oder heilsgeschichtlichen Rechtfertigung, und die wird in der imperialen Mission gegeben. Nahezu alle Imperien weisen eine solche Mission auf, die ihre Sonderstellung in Raum und Zeit begründet. Diese Mission, die von der Erhaltung des Friedens und der Ausbreitung der Zivilisation bis zur Bewahrung der Welt vor ihrem angedrohten Untergang oder dem beschleunigten Durchschreiten der Zeit bis zur Erlösung reichen kann, begründet die Loyalitätsanforderungen an die Bürger/innen des Zentrums wie an die Menschen der Peripherie und fördert die Bereitschaft zur Übernahme besonderer Lasten. Imperien erwarten von ihren Eliten die Bereitschaft, militärische, administrative und diplomatische Aufgaben weit entfernt der Heimat zu übernehmen, und nicht selten haben die Bürger/innen des imperialen Zentrums als Folge der Ausdehnung der Macht erhöhte steuerliche Belastungen zu tragen. Es ist keineswegs so, dass Imperien, wie dies von den Imperialismustheorien behauptet wird, ihre Ränder und Peripherien grundsätzlich ausplündern, sondern viele Imperien „investieren" in ihre Ränder und Peripherien, um sie an das zivilisatorische Niveau des Zentrums heranzuführen.

Die den Zentrumsbürgern infolgedessen aufgebürdeten Lasten dürfen freilich ein gewisses Niveau nicht überschreiten, da sonst die Bereitschaft zur Aufrechterhaltung der imperialen Ordnung erodiert, die Bevölkerung sich ins Privatleben zurückzieht, den Wehrdienst verweigert und sich schließlich auch der Steuerzahlung zu entziehen versucht. Viele Imperien sind nicht an der Rebellion der Ränder, sondern an der Belastungsverweigerung ihrer Bürgerschaft zugrunde gegangen. Anders formuliert: Imperien stellen kollektive Güter für den von ihnen geordneten Raum bereit, für deren Kosten zunächst und vor allem die Zentrumsbevölkerung aufzukommen hat. Diese Belastungen können durch die Loyalität der Bevölkerung an den Rändern abgesenkt werden, sodass die Bereitschaft zu deren Übernahme im Zentrum erhalten bleibt. Beides zu sichern dient die imperiale Mission: Sie erklärt, warum das Imperium um der „Ordnung der Welt" willen fortbestehen muss.

Ein zentrales Element dieser imperialen Mission ist die Sicherung des Friedens, die den weltpolitisch alternativen Ordnungssystemen, insbesondere dem Staatensystem, nicht zugetraut wird: Während die Staaten in permanenter Konkurrenz um die Führungsrolle stritten, einander misstrauten und gegeneinander rüsteten („Anarchie der Staatenwelt" heißt das in der sogenannten realistischen Schule der Internationalen Politik),[15] sorge das Imperium für einen stabilen und verlässlichen Frieden, so eine Argumentation, wie sie etwa von den Dichtern im Umkreis des römischen Kaisers Augustus (Vergil, Horaz) vorgetragen wurde.[16] Ähnliche Überlegungen finden sich auch bei Dante und Campanella, und erst bei Rousseau und Kant wird der imperiale Anspruch auf dauerhaften Frieden durch die Idee eines Staatenbundes abgelöst, der ebenfalls einen „ewigen Frieden" garantieren könne. Bis heute sind jedoch lange währende Friedensperioden nach dem sie garantierenden Imperium benannt: von der pax Romana über die pax Britannica bis zur pax Americana bzw. pax Sovjetica. Neben dem Frieden haben die Ausbreitung des Christentums (Spanien) oder der Zivilisation (Großbritannien und Frankreich) sowie die globale Durchsetzung von Demokratie, Marktwirtschaft und Menschenrechten (USA) diese imperiale Mission dargestellt, so wie sie für die Sowjetunion im weltweiten Sieg des Sozialismus bestand.[17]

Die Missionsvorstellung bzw. das Sendungsbewusstsein sprechen dem Imperium eine weltpolitische Unverzichtbarkeit zu: Alle anderen Akteure befinden sich in der Welt und richten sich nach deren Regeln bzw. verstoßen gegen sie; das Imperium hingegen ist der Garant dieser Welt und der Erfinder und Durchsetzer seiner Regeln. Das Imperium bringt das kollektive Gut Frieden, Sicherheit und Zivilisation hervor, an dem alle partizipieren, ohne nennenswert zu seiner Verfügbarkeit beigetragen zu haben. Dafür muss dem Imperium ein herausragender Einfluss auf die Weiterentwicklung „seiner" Welt zugestanden werden. – Wo diese Mission geglaubt wird, können sich imperiale Ordnungen auf lange Dauer etablieren. Von ihrer Stabilität profitiert auch die Bevölkerung an den Rändern und in der Peripherie, und wenn sie keinen Widerstand gegen die imperiale Metropole leistet, sind die Kosten für die Aufrechterhaltung der imperialen Ordnung relativ gering, während ihr Nutzen groß ist.

Freilich hat die imperiale Mission eine notorische Neigung zur Grenzüberschreitung, da es vom universalen Anspruch des Imperiums her nicht einsehbar ist, warum dessen Geltungsbereich an einem Fluss oder einem Gebirge enden soll. Die imperiale Mission drängt auf beständige Ausdehnung des Imperiums. Die Folge solcher Ausdehnung ist irgendwann Überdehnung, imperial overstretch (Paul Kennedy): entweder weil die Ressourcen und Fähigkeiten des Zentrums überfordert werden oder man in Regionen vorgedrungen ist, in denen aufgrund des Widerstands der autochthonen Bevölkerung die Beherrschungskosten explosionsartig ansteigen. In der Regel kommt dann die imperiale Räson ins Spiel, die auf eine Zurücknahme der Fronten drängt, auf eine ausgeglichene Kostenbilanz Wert legt und ein „Außerhalb" der imperialen Ordnung akzeptiert, das dauerhaft als Wildnis, Barbarei oder Welt des Unfriedens rubriziert wird.[18] Es muss dann dafür Sorge getragen werden, dass bestimmte Elemente dieses „Außerhalb" nicht ins Innere der imperialen Ordnung eindringen. So stabilisieren sich Imperien, die weltgeschichtlich über eine längere Zeit Bestand gehabt haben, im Wechselspiel von imperialer Mission und Imperialräson.

Die imperiale Mission ist der kulturellen Macht eines Imperiums zuzurechnen, die wiederum dem zugehört, wofür Joseph Nye den Begriff soft power geprägt hat.[19] Neben der kulturellen enthält das imperiale Machtportfolio die politische, die militärische und die ökonomische Macht, aus denen ein für das jeweilige Imperium charakteristisches Gemisch aus Attraktions- und Repressionsfaktoren entsteht. Am stabilsten sind die Imperien, die auf alle vier Machtfaktoren gleichermaßen zurückgreifen können, sich in der Regel aber auf den Gebrauch von soft power beschränken. Es gehört jedoch zur Spezifik von Imperiumsbildungen, dass eine oder zwei Machtsorten eine dominierende Rolle spielen, während die anderen von nachrangiger Bedeutung sind.

Das ist nicht zuletzt eine Folge der Umwelten, in die hinein sich Imperien entwickeln. So stützten sich die seaborn empires der Portugiesen und Niederländer auf die ökonomische Macht, die ihnen im Indischen Ozean und in Südostasien durch überlegene Schiffsbautechnik und herausragende nautische Fähigkeiten zugewachsen war.[20] Eine zivilisatorische Mission spielte für sie kaum eine Rolle, und sie folgten bei ihrer Expansion wesentlich wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Sie schufen keinen gemeinsamen Kultur- und Rechtsraum, sondern beschränkten sich auf die händlerische Verdichtung von Wirtschaftsbeziehungen, von denen vor allem sie selbst profitierten. Parallel dazu stützten sich die Steppenimperien auf überlegene militärische Macht, die eher auf eine periodische Ausplünderung als die systematische Auspressung der eroberten Gebiete angewiesen ist. Es kommt somit nicht von ungefähr, dass weder die reinen See- noch die Steppenimperien kulturelle Spuren hinterlassen haben, die Jahrhunderte später noch an sie erinnern, wie dies etwa beim Imperium Romanum der Fall ist. Diese „Spuren" sind in der Regel Folgen der imperialen Mission und deren Durchsetzung in den Randzonen der imperialen Ordnung. In Deutschland sind dies Überreste römischer Bauten oder der Grundriss von Städten, die aus römischen Militärlagern entstanden sind. Imperien, heißt das, prägen Kulturen und verbreiten Zivilisationen, und demgemäß handelt es sich bei ihnen nicht bloß um politische Ordnungen, sondern auch um großräumliche Zivilisationen, die ethische und ästhetische, rechtliche und ökonomische Vorstellungen prägen.

Antiimperiale Bewegungen und das Scheitern von Imperien

Imperien, zumal die großen unter ihnen, schaffen ihre eigenen „Welten", worunter nicht bloß „Weltwirtschaften" im Sinne Wallersteins zu verstehen sind,[21] sondern auch je eigene Zivilisationen sowie Rechts- und Technikkulturen. Das aber hat für die Bevölkerung der imperialen Ränder einen Preis, den sie nicht ohne weiteres zu zahlen bereit ist. Unter dem Einfluss insbesondere der sozialistischen Imperialismustheorien ist dieser Preis vor allem als ökonomische Ausbeutung, aber auch als politische Unterdrückung definiert worden. Vermutlich hat jedoch die zivilisatorische Inklusion in die imperiale Ordnung mitsamt der kulturellen Assimilation bei der Mobilisierung antiimperialen Widerstands eine sehr viel wichtigere Rolle gespielt. Von dem gegen die hellenistische Seleukidenherrschaft gerichteten Makkabäeraufstand in Palästina bis zum islamistischen Widerstand gegen die globale Dominanz der USA, bei der im Übrigen die Film- und Musikszene eine wichtigere Rolle spielt als das Militär, zeigt sich ein ums andere Mal die Religion als zentrale Ressource antiimperialen Widerstands.

Dieser Widerstand wendet sich zunächst gegen die imperiumsaffinen Eliten im eigenen Land, die dann erst Streitkräfte des imperialen Zentrums zu ihrem Schutz ins Land rufen.[22] In der Regel sind die antiimperialen Kräfte der Peripherie zu schwach, um die imperialen Streitkräfte militärisch zu besiegen. Der von ihnen praktizierte Partisanenkrieg erschöpft jedoch durch seine bloße Dauer den politischen Willen des Imperiums, die Herrschaft in dem betreffenden Gebiet aufrechtzuerhalten, und veranlasst das Imperium zu Kompromissen oder gar zum Rückzug. Der antiimperiale Widerstand beruht auf einer Kosten-Nutzen-Rechnung, die sich in dem Maße gegen das Imperium wendet, wie es dem Widerstand gelingt, die Beherrschungskosten in die Höhe zu treiben. Imperien zerfallen, wenn dies an mehreren ihrer Ränder gleichzeitig der Fall ist. Die Eliten geben dann das Imperium auf und ziehen sich in kleinräumigere Ordnungen zurück, in denen sie bloß Bestandteil und nicht länger deren Garant sind. Das Ende der europäischen Kolonialimperien nach 1945 ist dafür ein Beispiel.[23]

Die imperiale Erschöpfung der Europäer wäre jedoch mit Sicherheit erst sehr viel später eingetreten, wenn sie nicht in zwei Kriegen gegeneinander um die imperiale Dominanz gekämpft und dabei ihre Kräfte und Ressourcen aufgebraucht hätten. Den Anfang machte 1917 der Zusammenbruch des russischen Zarenreichs, gefolgt vom Zerfall des Osmanischen Reichs und dem Auseinanderbrechen der Donaumonarchie. Großbritannien, das als Gläubiger der USA in den Ersten Weltkrieg eingetreten war, war bei dessen Ende zum Schuldner der USA geworden. Damit wurde der Übergang der imperialen Vorherrschaft im nordatlantischen Raum eingeleitet. Noch stärker war Frankreich erschöpft, das sich von nun an in einer weltpolitischen Defensive befand, während das Deutsche Reich, das im Gefolge der Niederlage neben einigen Provinzen auch seine Kolonien verloren hatte, zwei Jahrzehnte nach Ende des Ersten Weltkrieges einen neuen Anlauf zur militärischen Errichtung einer imperialen Herrschaft in Europa unternahm, bei dem es abermals scheiterte – ebenso wie das japanische Projekt einer Großreichsbildung im ostasiatisch-pazifischen Raum.

Imperiumstheoretisch lassen sich die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts und die napoleonischen Kriege zu Beginn des 19. Jahrhunderts als gescheiterte Versuche von Imperienbildung im Zwischenraum zweier bestehenden Imperien begreifen. So konnte Napoleon zwar Süd- und Mitteleuropa unter seine Kontrolle bringen, aber er unterlag in der Konfrontation mit dem britischen See- und dem russischen Landimperium. Ähnlich erging es dem Wilhelminischen Kaiserreich im Ersten Weltkrieg, wobei ihm zuvor freilich – im Unterschied zu Napoleon – die Niederringung des zarischen Russlands gelungen war. Seine Niederlage war eine gegen die Seemächte Großbritannien und USA. Der neuerliche Versuch einer Großreichsbildung im Zweiten Weltkrieg scheiterte, nicht zuletzt auch wegen einer brutalen Ausbeutungs- und Unterdrückungspolitik in den eroberten Gebieten,[24] an der Sowjetunion und den USA.[25] In sehr viel kleinerem Maße misslang parallel dazu der italienische Versuch zur Errichtung eines am römischen Vorbild orientierten impero im Mittelmeerraum, und Japan, das auf einen Angriff auf die Sowjetunion verzichtet hatte, scheiterte im pazifischen Raum an den USA. Im französischen, deutschen und japanischen Fall ging es um eine Großreichsbildung zwischen zwei Imperien, während Italien in die zentrale Verbindungslinie des britischen Imperiums einzudringen versuchte.

Dies sind Beispiele für imperialistische Kriege, in denen der Versuch zur Errichtung bzw. Durchsetzung eines Imperiums mit militärischen Mitteln unternommen wurde. Davon zu unterscheiden sind imperiale Kriege, die ein Imperium an seinen Rändern und Peripherien führt. Während es sich bei imperialistischen bzw. interimperialen Kriegen um high intensity wars handelt, die dem klassischen Staatenkrieg ähnlich sind, sind imperiale Kriege low intensity wars, die eher „vor sich hin schwelen" als „hell auflodern". In imperialistischen Kriegen werden Imperien bzw. Imperiumsaspiranten militärisch in die Knie gezwungen; in imperialen bzw. antiimperialen Kriegen dagegen erschöpfen sich Imperien mit der Zeit, wenn ihnen die dauerhafte Pazifizierung unruhiger Gebiete nicht gelingt bzw. sie sich nicht rechtzeitig aus ihnen zurückziehen. Wie Staatenkriege sind imperialistische Kriege in der Regel symmetrisch; imperiale wie antiimperiale Kriege hingegen sind durchweg asymmetrisch.[26]

Gegenwärtige Lage und nähere Zukunft

Mit dem Aufstieg Chinas wie überhaupt des ostasiatischen Wirtschaftsraums und der allmählichen Erosion der US-amerikanischen Wirtschaftsdominanz hat die Imperiumsdebatte in der Geschichts- und Politikwissenschaft neuerlichen Auftrieb erfahren. Sie ist dabei durch Enttäuschungen über den in den Vereinten Nationen inkorporierten Multilateralismus verstärkt worden. Neokonservative Projekte zur Prolongierung der amerikanischen Vormachtstellung, aber auch Samuel Huntingtons Thesen über einen Clash of Civilizations (1996) kamen hinzu. Sollten die multilateralen Anstrengungen zur Bewältigung menschheitsrelevanter Herausforderungen weiterhin so erfolglos bleiben, wird die Akzeptanz imperialer (oder hegemonialer) Führung vermutlich wieder wachsen. Trotz der unbefriedigenden Ergebnisse humanitärer militärischer Interventionen werden Bilder von Gräueltaten und Berichte über genozidartige Verbrechen die Forderung nach „imperialer" Durchsetzung von Menschenrechten immer wieder aufkommen lassen. Da das Imperium als politisches Ordnungsmodell jedoch einen überwiegend schlechten Ruf hat, wird imperiales Agieren selten so benannt werden, und auch die Europäische Union wird die Einflussnahme auf ihre Peripherie, die von Handelssanktionen bis zur Errichtung von Flüchtlingslagern außerhalb ihres Territoriums reicht, nicht als solche bezeichnen. In der Beobachtung durch die Wissenschaften jedoch ist die Attraktivität der Europäischen Union, in der Mitglied oder zumindest assoziiert zu werden von Teilen der politischen und kulturellen Eliten der Peripherie angestrebt wird, längst als imperial identifiziert worden.[27] Voraussetzung für die Akzeptanz einer solchen Beziehung ist jedoch ein von der zeitweiligen Hegemonie der Imperialismustheorien emanzipierter Imperiumsbegriff.

Analytische und prognostische Anschlussmöglichkeiten an den Imperiumsbegriff

Die im zurückliegenden Jahrzehnt eröffnete Debatte über eine Wiederbelebung des Imperiumsbegriffs als wissenschaftliche Kategorie hat in den einschlägigen Disziplinen eine geteilte Reaktion gefunden. Offenbar tut sich die Geschichtswissenschaft damit leichter als die Politikwissenschaft, die mit dem Begriff der Governance über eine alternative Sammelkategorie verfügt, um staatenübergreifende Ordnungsleistungen und Regelstrukturen bezeichnen zu können. In fachwissenschaftlicher Perspektive hat Governance gegenüber Imperium den Vorteil, dass sich mit dem Begriff keine heiklen historischen Assoziationen verbinden, sondern er als Fachbegriff bezogen auf die jüngeren und gegenwärtigen Konstellationen neu definiert werden kann.[28]

Einer häufigeren Verwendung des Imperiumsbegriffs in der Politikwissenschaft steht obendrein der Umstand entgegen, dass die als Imperien identifizierten Mächte den Begriff als Selbstbezeichnung meiden oder zurückweisen. Eher akzeptieren sie den Begriff Hegemon bzw. Hegemonie, wenn eine das Staatensystem übergreifende, großräumliche Dominanz bezeichnet werden soll. Alternativ dazu ist häufig auch von Supermacht die Rede, um eine imperiumsähnliche Rolle unter Vermeidung des Imperiumsbegriffs zu bezeichnen. Die Aversion gegen den Imperiumsbegriff, die auch durch Zusätze wie „wohlwollend", „leicht" und „wider Willen"[29] nicht überwunden werden konnte, ist eine Folge der Erinnerung an die europäischen Kolonialimperien, aber auch der fortbestehenden Definitionsmacht der Imperialismustheorien, die imperiale Ordnungen nicht mit Blick auf die Bereitstellung kollektiver Güter (Frieden, Sicherheit, Regelwerke) beschreiben, sondern Unterdrückung und Ausbeutung akzentuieren.

Im Unterschied zur Politikwissenschaft hat die Geschichtswissenschaft ein größeres Interesse am Imperiumsbegriff gezeigt, und das nicht bloß, weil in der historischen Retrospektive eine Reihe von Imperien damit angemessen bezeichnet wird, sondern weil über einen flexiblen Imperiumsbegriff auch Verbindungen in die Zeitgeschichte hergestellt und komparative Perspektiven entwickelt werden können. Die bereits erwähnten Vergleiche der US-Macht mit dem Imperium Romanum oder dem British Empire schärfen den Blick für aktuelle Entwicklungen, auch und gerade dann, wenn eher Unterschiede als Gemeinsamkeiten ausgemacht werden. Wenn richtig ist, dass der Vergleich für die Geschichts- und Sozialwissenschaften das ist, was in den Naturwissenschaften das Experiment darstellt, dann sind komparativ angelegte Imperiumstheorien methodologisch für die Zeitgeschichte wie für die Politikwissenschaft hochattraktiv.

Ohnehin fällt auf, dass bei der diagnostischen wie prognostischen Bearbeitung weltordnungspolitischer Konstellationen die Frage nach dem Inhaber der imperialen Rolle immer wieder gestellt wird: Löst China die USA als Imperium ab, und wenn ja, wann wird dies der Fall sein?[30] Wie verhalten sich China als ostasiatisches und Indien als südasiatisches Imperium zueinander? Die Wissenschaft ist gut beraten, wenn sie den Imperiumsbegriff nicht der Publizistik überlässt, sondern sich durch die Arbeit an komparativ angelegten Imperiumstheorien und deren Anwendung auf entsprechende Konstellationen um eine Konturierung und Präzisierung des Begriffs bemüht. Dabei ist u.a. zu klären, wie sich die europäischen Kolonialimperien zu einem umfassenden Imperiumsbegriff verhalten, wie das Verhältnis von Kolonialismus und Imperialismus zu bestimmen ist,[31] um von daher die mit negativem Akzent auf Globalisierung und Interventionen bezogenen Begriffe des Neokolonialismus bzw. Neoimperialismus evaluieren zu können.

Dabei dürfte sich eine Perspektivumkehr als hilfreich erweisen, also die Komplementierung des in den Begriffen Imperialismus und Kolonialismus dominierenden Blicks vom Zentrum auf die Peripherie durch den „Rückblick" von der Peripherie aufs Zentrum.[32] Des Weiteren wird es darauf ankommen, die Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen Nationalstaaten und Imperien genauer zu untersuchen, als dies bislang der Fall war.[33] Zu den imperiumstheoretischen Forschungsperspektiven gehört auch die Frage, welchen Ertrag eine Analyse der großen Kriege in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bringt, wenn die beiden Weltkriege als der zweimal gescheiterte deutsche Versuch einer Großreichsbildung in Mitteleuropa oder als japanisches Projekt zur Errichtung einer imperialen Ordnung im ostasiatisch-pazifischen Raum begriffen werden. In beiden Fällen sind die späten Imperiumsaspiranten an der Mittellage zwischen zwei Imperien gescheitert. Der britische Historiker Niall Ferguson hat kürzlich die These aufgestellt, Großbritannien habe 1914 den „falschen „Krieg" geführt und damit den Niedergang seines eigenen Reiches unnötig beschleunigt.[34] Solche geschichtsrevisionistischen Fragestellungen konfligieren mit den in die politisch-kulturelle Identität und das nationale Selbstbewusstsein eingelassenen Geschichtsbildern und laufen darum Gefahr, als „politisch unkorrekt" stigmatisiert zu werden.

Mehr als den Formierungs- und Aufstiegsphasen von Imperien gilt gegenwärtig das Interesse der Periode ihres Niedergangs und der Dekadenz.[35] Wenn in den letzten Jahren vermehrt Publikationen zum Verfall und Untergang des römischen Reiches erschienen sind,[36] dann ist dies weniger auf wissenschaftsinterne Neufokussierungen als auf eine Niedergangssorge und Dekadenzstimmung in der westlichen Welt zurückzuführen, wie sie sich erstmal in Paul Kennedys vergleichender Studie „Aufstieg und Fall der großen Mächte" gezeigt hat. Parallelen zu Edward Gibbons „Verfall und Untergang des römischen Reiches" und dessen Rezeption im England des späten 18. Jahrhunderts sind nicht von ungefähr beobachtet worden.

Anmerkungen

  1. Vgl. Alexander Demandt (Hrsg.), Das Ende der Weltreiche. Von den Persern bis zur Sowjetunion, München 1997. – Viele Analysen zum allmählichen Niedergang und sich dann rasant beschleunigenden Zerfall der Sowjetunion enthalten imperialismustheoretisch relevante Überlegungen; aus der Fülle der Literatur sind hier zu nennen: Gerhard Simon/Nadja Simon, Verfall und Untergang des sowjetischen Imperiums, München 1993; Claus D. Kernig, Lenins Reich in Trümmern. Schatten über Russlands Zukunft, Stuttgart 2000, insbes. S. 333 ff., Helmut Altrichter, Russland 1989. Der Untergang des sowjetischen Imperiums, München 2009, S. 307 ff. Geoffrey Hosking vertritt in seiner großen Darstellung der russischen Geschichte von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Sturz der Zarenherrschaft 1917 die These, dass eine russische Nationalstaatsbildung am imperialen Projekt gescheitert sei und die bitteren Folgen dieses Scheiterns die russische Geschichte bis zum heutigen Tag prägten; Geoffrey Hosking, Russland. Nation und Imperium 1552-1917, Berlin 2000 (engl. Original: Russia. People and Empire 1552-1917, London 1997).
  2. Aus der kaum zu überschauenden Literatur sind zu nennen Chalmers Johnson, der die These vertritt, dass sich die USA durch ihr imperiales Agieren selbst gefährdeten, zumindest aber die demokratische Verfassung zerstörten: Chalmers Johnson, Ein Imperium verfällt. Ist die Weltmacht USA am Ende?, München 2000 (engl. Original: Blowback: The Costs and Consequences of the American Empire, New York 2000); ders., Der Selbstmord der amerikanischen Demokratie, München 2003 (engl. Original: The Sorrows of Empire. Militarism, Secrecy, and the End of the Republic, New York 2003). Dagegen hat Niall Ferguson die Auffassung vertreten, die USA müssten sich ihrer Rolle als imperialer Macht bewusst werden und daran ihr Handeln ausrichten, um diese Position auch in Zukunft zu behaupten. Als Vorbild hat er dabei das britische Empire empfohlen: Niall Ferguson, Das verleugnete Imperium. Chancen und Risiken amerikanischer Macht, Berlin 2004 (engl. Original: Colossus, London 2004). Während Emmanuel Todd, Weltmacht USA. Ein Nachruf, München 2003 (frz. Original: Après l’empire. Essai sur la décomposition du système américaine, Paris 2002), und Michael Mann, Die ohnmächtige Supermacht. Warum die USA die Welt nicht regieren können, Frankfurt 2003 (engl. Original: The Incoherent Empire, New York 2002) den Zusammenbruch bzw. die Überforderung des US-Empire vorhersagen, geht Josef Joffe, Die Hypermacht. Warum die USA die Welt beherrschen, München 2006 (amerik. Original: Überpower. The Imperial Temptation of America, New York 2006), davon aus, dass die imperiale Dominanz der USA bis weit ins 21. Jahrhundert fortbestehen wird. Benjamin Barber, Imperium der Angst. Die USA und die Neuordnung der Welt, München 2003 (amerik. Original: Fear’s Empire. Terrorism, War and Democracy, New York 2003), wiederum hat auf die Widersprüche zwischen dem amerikanischen Westen und den Erfordernissen imperialer Politik aufmerksam gemacht. Eine Zusammenstellung unterschiedlicher Sichten auf die USA mit imperiumsaffinen wie imperiumskritischen Urteilen bietet Ulrich Speck/Natan Sznaider (Hrsg.), Empire Amerika. Perspektiven einer neuen Weltordnung, München 2003.
  3. Zu nennen sind hier u.a. Michael W. Doyle, Empires, Ithaca 1986; David B. Abernethy, The Dynamics of Global Dominance. European Overseas Empires 1415-1980, New Haven 1980; Herfried Münkler, Imperien. Die Logik der Weltherrschaft, Berlin 2005.
  4. Hans-Heinrich Nolte (Hrsg.), Imperien. Eine vergleichende Studie, Schwalbach/Ts. 2008, S. 9 f.
  5. Zur Entstehung und Verbreitung des Imperialismusbegriffs vgl. Richard Koebner/Helmut Dan Schmidt, Imperialism. The Story and Significance of a Political Word, 1840-1960, Cambridge 1964, insbes. S. 153 ff. Einen Überblick über die Imperialismustheorien in ihren unterschiedlichen Schattierungen bieten Hans-Ulrich Wehler (Hrsg.), Imperialismus, Köln 1972; Wolfgang J. Mommsen, Imperialismustheorien, Göttingen 1977, sowie Hans-Christoph Schröder, Sozialistische Imperialismusdeutung, Göttingen 1973.
  6. Zur chinesischen Reichsgeschichte nach wie vor unverzichtbar Otto Franke, Geschichte des chinesischen Reiches. Eine Darstellung seiner Entstehung, seines Wesens und seiner Entwicklung bis zur neuesten Zeit, 5 Bde., Berlin 1930 ff.; weiterhin Helwig Schmidt-Glintzer, Kleine Geschichte Chinas, München 2008, sowie Thomas O. Höllmann, Das alte China. Eine Kulturgeschichte, München 2008; für einen Vergleich zwischen der chinesischen und der römischen Reichsgeschichte vgl. Fritz-Heiner Mutschler/Achim Mittag (Hrsg.), Conceiving the Empire. China and Rome Compared, Oxford 2008.
  7. Vgl. Ernst Badian, Römischer Imperialismus. Aus d. Engl. übers. von Gerhard Wirth, Stuttgart 1980.
  8. In den jüngeren Darstellungen der römischen Geschichte dominiert seit geraumer Zeit wieder Aufstieg und Niedergang der imperialen Macht; vgl. exemplarisch Simon Baker, Rom. Aufstieg und Untergang einer Weltmacht, Stuttgart 2008 (engl. Original: Ancient Rome. The Rise and Fall of an Empire, London 2006). Zur Parallelisierung zwischen dem Römischen Reich und den USA vgl. Peter Bender, Weltmacht Amerika. Das Neue Rom, Stuttgart 2003; Ralph Bollmann, Lob des Imperiums. Der Untergang Roms und die Zukunft des Westens, Berlin 2006.
  9. Zur Geschichte des Britischen Empire vgl. Niall Ferguson, Empire. The Rise and Demise of the British World Order and the Lessons for Global Power, London 2002; Peter Wende, Das Britische Empire. Geschichte eines Weltreichs, München 2008.
  10. Zur Geschichte des Osmanenreiches vgl. Nicolae Jorga, Geschichte des Osmanischen Reiches. Nach den Quellen dargestellt, 5 Bde., Frankfurt a. M. 1980; Josef Matuz, Das Osmanische Reich. Grundlinien seiner Geschichte, Darmstadt 1985.
  11. Zum Steppenimperium der Mongolen vgl. Arne Eggebrecht (Hrsg.), Die Mongolen und ihr Weltreich, Mainz 1989; Michael Weiers, Die Mongolen. Beiträge zu ihrer Geschichte und Kultur, Darmstadt 1986.
  12. Hier stehen sich in der Regel die ozeanische Theorie Alfred Thayer Mahans und die Herzlandtheorie Halford J. Mackinders gegenüber; vgl. dazu Rainer Sprengel, Kritik der Geopolitik. Ein deutscher Diskurs 1914-1944, Berlin 1996, insbes. S. 70 ff.; zur Verbindung von Imperiumsvorstellungen, Imperialismus und Geopolitik vgl. auch Dierk Walter, Imperialistische Großraumkonzepte? Anmerkungen zu einem eingängigen Bild, in: Geopolitik. Zur Ideologiekritik politischer Raumkonzepte, Wien 2001, S. 78-92.
  13. Margarete Grandtner/Dietmar Rothermund/Wolfgang Schwentker (Hrsg.), Globalisierung und Globalgeschichte, Wien 2005.
  14. Heinrich Triepel, Die Hegemonie. Ein Buch von führenden Staaten, Stuttgart 1938.
  15. Zur Vorstellung von der Anarchie der Staatenwelt vgl. Kenneth Waltz, Theory of International Politics, Reading, Mass. 1979; John J. Mearsheimer, The Tragedy of Great Power Politics, New York 2001, S. 29-54.
  16. Zur Darstellung der römischen Sendung bei Vergil vgl. Vinzenz Buchheit, Vergil über die Sendung Roms, Heidelberg 1963 (= Gymnasium, Beiheft Nr. 3); zur zivilreligiösen Grundierung der US-amerikanischen Mission vgl. Gerhard Besier/Gerhard Lindemann, Im Namen der Freiheit. Die amerikanische Mission, Göttingen 2006.
  17. Vgl. Boris Barth/Jürgen Osterhammel (Hrsg.), Zivilisierungsmissionen. Imperiale Weltverbesserung seit dem 18. Jahrhundert, Konstanz 2005.
  18. Herfried Münkler, Barbaren und Dämonen. Die Konstruktion des Fremden in imperialen Ordnungen, in: Jörg Baberowski u.a. (Hrsg.), Selbstbilder und Fremdbilder. Repräsentation sozialer Ordnung im Wandel, Frankfurt a. M. 2008, S. 153-189.
  19. Joseph Nye, Soft Power. The Means to Success in World Politics, New York 2004.
  20. Dazu Charles R. Boxer, The Portuguese Seaborne Empire 1415-1825, Manchester 1991; ders., The Dutch Seaborne Empire 1600-1800, London 1992.
  21. Immanuel Wallerstein, Das moderne Weltsystem. Die Anfänge der kapitalistischen Landwirtschaft und die europäische Weltökonomie im 16. Jahrhundert. Aus dem Amerik. von Angelika Schweikhart, Frankfurt a. M. 1986.
  22. William R. Polk, Aufstand. Widerstand gegen Fremdherrschaft: vom Amerikanischen Bürgerkrieg bis zum Irak. Aus dem Engl. von Ilse Utz, Hamburg 2009.
  23. Vgl. hierzu die einschlägigen Beiträge in Richard Lorenz (Hrsg.), Das Verdämmern der Macht. Vom Untergang großer Reiche, Frankfurt a. M. 2000, sowie in Alexander Demandt (Hrsg.), Das Ende der Weltreiche. Von den Persern bis zur Sowjetunion, München 1997. Speziell zu Großbritannien vgl. Gerhard Altmann, Abschied vom Empire. Die innere Dekolonisation Großbritanniens 1945-1985, Göttingen 2005.
  24. Mark Mazower, Hitlers Imperium. Europa unter der Herrschaft des Nationalsozialismus. Aus dem Engl. von Martin Richter, München 2009.
  25. Detlef Junker, Kampf um die Weltmacht. Die USA und das Dritte Reich 1933-1945, Düsseldorf 1988.
  26. Herfried Münkler, Der Wandel des Krieges. Von der Symmetrie zur Asymmetrie, Weilerswist 2006.
  27. Jan Zielonka, Europe as Empire. The Nature of the Enlarged European Union, Oxford 2006.
  28. Für einen Überblick vgl. Gunnar Folke Schuppert (Hrsg.), Governance-Forschung. Vergewisserung über Stand und Entwicklungslinien, Baden-Baden 2005; die Verbindung zu Staatszerfall und prekärer Staatlichkeit wird deutlich in Marianne Beisheim/Gunnar Folke Schuppert, Staatszerfall und Governance, Baden-Baden 2007.
  29. Vgl. Speck/Sznaider (Hrsg.), Empire Amerika.
  30. Als ein Beispiel dafür, bei dem weder Übergang noch Kooperation, sondern ein kriegerischer Konflikt prognostiziert wird: Jean-Francois Susbielle, China-USA. Der programmierte Krieg, Berlin 2007.
  31. Dazu nach wie vor Rudolf von Albertini, Europäische Kolonialherrschaft. Die Expansion in Übersee von 1880-1940, Zürich 1976; sowie als Überblicksdarstellungen Jürgen Osterhammel, Kolonialismus. Geschichte, Formen, Folgen, München 1995 und Andreas Eckert, Kolonialismus, Frankfurt a. M. 2006.
  32. So etwa bei Shalini Randeria/Andreas Eckert (Hrsg.), Vom Imperialismus zum Empire. Nicht-westliche Perspektiven auf Globalisierung, Frankfurt a. M. 2009.
  33. Vgl. Jörn Leonhard/Ulrike von Hirschhausen, Empires und Nationalstaaten im 19. Jahrhundert, Göttingen 2009.
  34. Niall Ferguson, Der falsche Krieg. Der Erste Weltkrieg und das 20. Jahrhundert. Aus dem Engl. von Klaus Kochmann, Stuttgart 1999.
  35. Klassisch dazu Carlo M. Cipolla (Hrsg.), The Economic Decline of Empires, London 1970; Shmuel N. Eisenstadt (Hrsg.), The Decline of Empires, Englewood Cliffs, N.J. 1967.
  36. Als Beispiele unter vielen: Peter Heather, Der Untergang des römischen Weltreichs, Stuttgart 2007 (engl. Original: The Fall of the Roman Empire. A New History, London 2005); Bryan Ward-Perkins, Der Untergang des Römischen Reiches und das Ende der Zivilisation, Darmstadt 2007 (engl. Original: The Fall of Rome and the End of Civilization, Oxford 2005); Johannes Saltzwedel (Hrsg.), Das Ende des Römischen Reiches. Verfall und Untergang einer Weltmacht, München 2009.

Empfohlene Literatur zum Thema

Ernst Badian, Römischer Imperialismus. Dt. von Gerhard Wirth, Teubner-Studienbücher Geschichte, Stuttgart 1980, ISBN 3-519-074001.

Stefan Breuer, Imperien der Alten Welt, Kohlhammer, Stuttgart 1987.

Alexander Demandt (Hrsg.), Das Ende der Weltreiche. Von den Persern bis zur Sow-jetunion, Beck, München 1997, ISBN 3-406-41850-3.

Dan Diner, Imperialismus und Universalismus. Versuch einer Begriffsgeschichte, in: Dan Diner (Hrsg.), Weltordnungen. Über Geschichte und Wirkung von Recht und Macht. Fischer, Frankfurt a. M. 1993, S. 17-59.

Paul Kennedy, Aufstieg und Fall der großen Mächte. Ökonomischer Wandel und militärischer Konflikt von 1500 bis 2000. Aus dem Engl. Von Catharina Jurisch, Fischer, Frankfurt a. M. 1989, ISBN 3-10-039307-4.

Ulrich Menzel, Paradoxien der neuen Weltordnung, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2004, ISBN 3-518-12365-3.

Wolfgang J. Mommsen, Imperialismustheorien. Ein Überblick über die neueren Impe-rialismusinterpretationen, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1977, ISBN 3-525-33403-6.

Harald Müller, Wie kann eine neue Weltordnung aussehen? Wege in eine nachhaltige Politik, Fischer, Frankfurt a. M. 2008, ISBN 3-596-17666-3, S. 53-88.

Herfried Münkler, Imperien. Die Logik der Weltherrschaft – vom Alten Rom bis zu den Vereinigten Staaten, Rowohlt, Berlin 2005, ISBN 3-87134-509-1.

Jürgen Osterhammel, Imperien, in: Gunilla Budde, Jürgen Kocka (Hrsg.), Transnationale Geschichte. Themen, Tendenzen und Theorien. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 3-525-36736-8, S. 56-67.

Shalini Randeria, Andreas Eckert (Hrsg.), Vom Imperialismus zum Empire. Nicht-westliche Perspektiven auf Globalisierung, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2009, ISBN 3-518-12548-9.

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Ernst Badian, Römischer Imperialismus. Dt. von Gerhard Wirth, Teubner-Studienbücher Geschichte, Stuttgart 1980, ISBN 3-519-074001.

Stefan Breuer, Imperien der Alten Welt, Kohlhammer, Stuttgart 1987.

Alexander Demandt (Hrsg.), Das Ende der Weltreiche. Von den Persern bis zur Sow-jetunion, Beck, München 1997, ISBN 3-406-41850-3.

Dan Diner, Imperialismus und Universalismus. Versuch einer Begriffsgeschichte, in: Dan Diner (Hrsg.), Weltordnungen. Über Geschichte und Wirkung von Recht und Macht. Fischer, Frankfurt a. M. 1993, S. 17-59.

Paul Kennedy, Aufstieg und Fall der großen Mächte. Ökonomischer Wandel und militärischer Konflikt von 1500 bis 2000. Aus dem Engl. Von Catharina Jurisch, Fischer, Frankfurt a. M. 1989, ISBN 3-10-039307-4.


Online-Artikel

Konrad H. Jarausch, Christoph Kleßmann, Martin Sabrow (Hrsg.), Imperien im 20. Jahrhundert, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History. Bd. 3, Nr. 1, 2006 (online).











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