Polen - Zeitgeschichte seit 1989

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Polen - Zeitgeschichte seit 1989/90

von Rafał Stobiecki

Kehrt die Vergangenheit in der Gegenwart wieder, gewinnt sie große Kraft.[1] Die Historikerdebatte über Polens Zeitgeschichte bestätigt diese Feststellung. Doch sei gleich vorausgeschickt, dass diese Debatte weder für die polnische noch für die allgemeine Geschichte etwas Außergewöhnliches ist. Große historische Umbrüche führen fast immer dazu, dass überkommene Interpretationen der Geschichte in Frage gestellt werden. Häufig kommt es in solchen Situationen zu einer nachhaltigen Distanzierung von der eigenen Geschichte. Dies traf auch auf die Diskussionen zu, die in den 1980er-Jahren in Polen über die Zeitgeschichte geführt wurden, als – wie Andrzej Paczkowski sich ausdrückte – der „Bürgerkrieg um die Tradition" begann.[2] Damals wurde das offizielle Bild der polnischen Geschichte durch die Veröffentlichungen im sogenannten „zweiten Umlauf"[3] (d.h. unter Umgehung der Zensur) in Frage gestellt.[4]

Dieser Konflikt wurde allerdings durch eine weitere Entwicklung überlagert. Wie in anderen Ländern gewannen die Debatten über das Verhältnis von Geschichte, individueller Erinnerung und kollektivem Gedächtnis auch in Polen enorm an Bedeutung. Folgt man den Vorstellungen des in Polen stark rezipierten französischen Historikers Pierre Nora, dann sind Geschichte und Gedächtnis nicht voneinander zu trennen. Dies führt freilich, wie Nora angemerkt hat, zur „Expropriation des Historikers als dem traditionellen Monopolisten der Vergangenheitsinterpretation. Heute ist der Historiker keineswegs der einzige Produzent von Vergangenheit. Er teilt diese Rolle mit dem Richter, dem Zeugen, den Medien und dem Gesetzgeber."[5]


Der folgende Beitrag wird die Entwicklung der polnischen Zeitgeschichtsschreibung seit 1989 untersuchen. Dabei sollen vier Aspekte im Vordergrund stehen: Erstens soll die Verwendung des Begriffs „Zeitgeschichte" und dessen Bedeutung für die Periodisierung der jüngeren polnischen Geschichte dargelegt werden. Zweitens werden die institutionellen Rahmenbedingungen zeitgeschichtlicher Forschung vorgestellt. Drittens werden methodologische Veränderungen der vergangenen Jahre betrachtet. Und viertens schließlich möchte ich die wichtigsten Forschungsprobleme skizzieren, die den polnischen zeitgeschichtlichen Diskurs dominieren.

Bemerkungen zur Semantik

Wie wiederholt festgestellt wurde, lässt sich der Begriff „Zeitgeschichte" nicht präzise definieren.[6] Dieser Terminus kann so viel bedeuten wie „Geschichte, die laufend aufgezeichnet wird" (die englische Contemporary history; die deutsche Zeitgeschichte), womit die Betonung auf der besonderen Situierung des Erkenntnissubjekts – des Historikers – gegenüber dem Forschungsgegenstand liegt, d. h. auf der kurzen zeitlichen Entfernung von den Ereignissen, über die er spricht oder schreibt. Doch kann Zeitgeschichte auch konkret die in unsere Gegenwart reichende Geschichte bezeichnen (die neueste Geschichte) und das historische Wissen über diesen Zeitraum.[7] Im vorliegenden Artikel möchte ich mich in erster Linie mit der ersten Bedeutung beschäftigen.

In der gegenwärtigen polnischen Zeitgeschichtsforschung werden keine grundlegenden methodischen Diskussionen über Bedeutung, spezifische Merkmale oder Forschungsinstrumente von Zeitgeschichte geführt. Wir werden uns im Folgenden daher in erster Linie auf die historiographische Praxis konzentrieren, um die Besonderheiten der polnischen Zeitgeschichtsforschung herauszuarbeiten. Hier müssen vor allem zwei Periodisierungsmodelle unterschieden werden.

Noch in den 1960er- und 1970er-Jahren wurden alle Ereignisse als Zeitgeschichte angesehen, die nach 1914 lagen. Dies galt für die gesamte polnische Geschichtsschreibung, in Polen wie in der Emigration. Bis heute werden in dem wichtigsten zeithistorischen Periodikum Dzieje Najnowsze (Neueste Geschichte) nur Texte zum Druck angenommen, für die der Ausbruch des Ersten Weltkrieges Anfangszäsur ist. Allerdings hat sich das zeitliche Ende mehrfach verschoben. Lange endete die Zeitgeschichte mit dem Jahr 1945, in den achtziger Jahren wurde es auf das Jahr 1956 verlegt und gegenwärtig erscheinen in den Dzieje Najnowsze immer häufiger Beiträge, die auch spätere Jahre betreffen. In der zeithistorischen Forschung emigrierter polnischer Historiker kann eine ähnliche Entwicklung beobachtet werden, auch wenn hier andere Motive den Ausschlag gegeben haben dürften. In den Teki Historyczne (Historische Portefeuilles), dem Organ der Polnischen Historischen Gesellschaft in Großbritannien, die seit 1947 in London erscheinen verteidigte man bewusst die in der akademischen Geschichtsschreibung festverwurzelte Ansicht, dass es für einen Historiker notwendig sei, zu den Ereignissen, die er erforschen wollte, Distanz zu wahren, und setzte ihm eine symbolische Grenze von 50 Jahren, die er nicht überschreiten durfte. So kam es, dass bis etwa zum Dezennienwechsel 1970/1980 in dieser Zeitschrift im Prinzip kein Artikel erschien, der über das Jahr 1914 hinausging. Die einzige historische Zeitschrift in der Emigration, die gegenwartsnahe Themen aufgriff, waren die seit 1962 in Paris erscheinenden Zeszyty Historyczne (Historische Hefte) der Pariser Kultura.

Nach 1989 änderte sich dies. Immer öfter waren nun in zeitgeschichtlichen Beitragen die Jahre 1939 bzw. 1945 Anfangszäsur, während die Endzäsur in der Regel auf das Ende der 1980er oder den Beginn der 1990er-Jahre fiel. Diese neue Periodisierung hat nicht nur politische und administrative Gründe (Aufhebung der Zensur, Zugang zu den Archivalien), sonders ist auch das Ergebnis einer Historisierung der unmittelbaren Vergangenheit. Die Epoche der Volksrepublik Polen (VRP) – d.h. des Polens unter kommunistischer Herrschaft – ist nicht mehr genetisch mit der Gegenwart verbunden, sondern deutlich von Ihr getrennt. Im Folgenden möchte ich mich auf Forschungen zur jüngeren Zeitgeschichte zwischen 1939 und 1989 konzentrieren.

Institutionelle Grundlagen der Zeitgeschichtsforschung

Nach 1989 veränderten sich die Rahmenbedingungen für die polnische Zeitgeschichtsschreibung dramatisch. Autonomie und Freiheit wissenschaftlicher Forschung wurden allgemein verbindlicher Standard. In ihren Auswirkungen kaum zu überschätzen waren – wie bereits erwähnt – die Abschaffung der Zensur und der ungehinderte Zugang zu Archiven. Die Aktenbestände über die bis 1989 das Zentralarchiv beim Zentralkomitee (ZK) der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PVAP) verfügt hatte, wurden größtenteils vom Archiv für Neue Akten (AAN) in Warschau übernommen und der Forschung zugänglich gemacht. Entsprechend übernahmen die staatlichen Archive in den Woiwodschaftsstädten die Bestände der Woiwodschaftskomitees der PVAP. Die Archive des Sicherheitsdienstes der kommunistischen Geheimpolizei wurden dem im Jahr 2000 gegründeten „Institut des Nationalen Gedenkens" (IPN) übergeben.[8] Aufgelöst wurden auch die wissenschaftlichen Einrichtungen, die direkt der PVAP unterstanden hatten, wie die Akademie für Gesellschaftswissenschaften oder die Abteilung für Parteigeschichte, welche den größten Teil der Aktenbestände, die den Zeitraum des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit betreffen, in Obhut genommen hatte.

In der gegenwärtigen polnischen Geschichtsschreibung ist ein zunehmendes Interesse an der Zeitgeschichte festzustellen. Zu zeitgeschichtlichen Themen wird an allen Universitätsinstituten sowie am Warschauer Institut für Geschichte der Polnischen Akademie der Wissenschaften (IH PAN) geforscht. Der Kreis von Historikern, die sich mit der jüngsten Vergangenheit beschäftigen, vergrößert sich ständig; an den Hochschulen wächst das Interesse an zeitgeschichtlichen Seminaren.[9] Themen zur Geschichte Polens und der allgemeinen Geschichte nach 1945 nehmen in den meisten alten, d.h. bereits vor 1989 bestehenden historischen Periodika, wie Dzieje Najnowsze, Przegląd Zachodni (Westliche Rundschau) oder Sobótka einen bevorzugten Platz ein, tauchen aber auch in neu gegründeten Perodika auf, die nicht immer historische Zeitschriften in sensu stricto sind. An dieser Stelle muss auf die Sonderhefte hingewiesen werden, die größtenteils der neuesten Geschichte gewidmet sind und die von der Redaktion der seit 1995 zweimonatlich in Krakau erscheinenden Zeitschrift Arcana vorbereitet wurden. Die Redaktionsmitglieder, die keinen Hehl aus ihren politisch rechts gelagerten Sympathien machen, wollen Diskussionen zu allgemeinen Fragen anregen, wie zur Rolle des nationalen Gedächtnisses, zu den „weißen Flecken" in der Geschichte Polens oder zu Spezialthemen wie Widerstand und Opposition in der Volksrepublik.[10] Polens Zeitgeschichte sind auch zwei nach 1989 gegründete Reihen gewidmet: In der ersten – „Polen 1944/45-1989. Beiträge und Materialien" -, die das IH PAN herausgibt, sind bis 2001 fünf Bände erschienen, von denen der letzte das Alltagsleben in Polen von 1944 bis 1955 zum Thema hatte; in der zweiten Reihe – „Im Lande Volkspolen" – einem Gemeinschaftsunternehmen des Verlags Trio und des Warschauer Instituts für Politische Studien der Polnischen Akademie der Wissenschaften (ISP PAN) erscheinen Arbeiten jüngerer Historiker.[11]

An einigen Universitäten sind neue Forschungsvorhaben begonnen worden. Als Beispiel sei das Instytut Europy Środkowo-Wschodniej (Ostmitteleuropa-Institut) in Lublin genannt, das Jerzy Kłoczowski 1991 gegründet hat und seitdem leitet. Dort wurde eine zweibändige Geschichte Ost-Mitteleuropas veröffentlicht, bei der es sich um die Arbeit einer hauptsächlich polnisch-französischen Autorengruppe handelt. Das Werk, das auch in der französischsprachigen Reihe Nouvelle Clio unter der Herausgeberschaft von Jean Delumeau erscheint,[12] zeichnet ein breites Panorama der Geschichte dieses Teils unseres Kontinents von ihren Anfängen bis ins 20. Jahrhundert.

Hinzu treten, auch dies eine Folge der allgemeinen Demokratisierung seit 1989, neue außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, die sich ebenfalls mit Zeitgeschichte befassen. Hier muss vor allem das Institut des Nationalen Gedenkens (IPN) genannt werden. Es besteht aus der „Hauptkommission für Ahndung von Verbrechen gegen die Polnische Nation" dem „Büro für Aushändigung und Archivierung von Dokumenten" und dem „Büro für öffentliche Erziehung". Der Präsident des IPN, Leon Kieres, ist Jurist. Im Zusammenhang mit dem vorliegenden Artikel ist das Büro für Öffentlichen Erziehung, das der Historiker Paweł Machcewicz leitet, besonders wichtig. Es untersteht unmittelbar dem IPN-Präsidenten und veranstaltet Ausstellungen, wissenschaftliche Tagungen und publiziert historische Arbeiten und Quellenmaterial zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs und zur Nachkriegszeit.[13]

Das Karta-Zentrum dagegen ist keine staatliche Einrichtung. Es besteht seit 1991 und wird seitdem von Zbigniew Gluza geleitet. Zahlreiche freiwillige Mitarbeiter dokumentieren Verbrechen an polnischen Staatsbürgern, die nach 1939 m die UdSSR deportiert wurden, und beschäftigen sich mit der Geschichte der demokratischen Opposition in Polen nach 1945. Karta arbeitet eng mit der russischen Organisation Memorial zusammen, die 1987 entstand und deren erster Präsident Andrej Sacharov war. Bei Karta, das eine gleichnamige Zeitschrift herausgibt, erschien bisher u.a. ein zweibändiges biografisches Wörterbuch der Opposition in der VR Polen.[14] Für ein Wörterbuch der Dissidenten hat Karta die internationale Koordinierung übernommen.

Die Zeitgeschichte mit besonderer Berücksichtigung der deutsch-polnischen Beziehungen wird auch von dem Deutschen Historischen Institut in Warschau behandelt, das verschiedene Formen der Zusammenarbeit zwischen Historikern aus beiden Ländern unterstützt. Unter anderem werden gemeinsame Konferenzen veranstaltet und die Reihe Klio w Niemczech (Klio in Deutschland) herausgegeben, in der vor allem Übersetzungen einschlägiger deutscher zeitgeschichtlicher Titel ins Polnische erscheinen.

Methodologische Fragen

Das Ende des Marxismus-Leninismus hatte tiefgreifende Auswirkungen für Methodik und thematische Schwerpunkte der polnischen Zeitgeschichtsforschung. Eine Folge des politischen Umbruchs war zweifellos, dass es nun erheblich pluralistischer zuging als vor 1989. Vielfach war eine rigorose Ablehnung aller mit der marxistisch-leninistischen Historiografie verbundenen Forschungsrichtungen und Methoden zu beobachten, ohne freilich immer schon eine klare Alternative für dieses Forschungsprogramm formulieren zu können. Unter diesem Gesichtspunkt kann man nach 1989 von einer Krise verschiedener Spezialgebiete, wie der Wirtschaftsgeschichte oder der Geschichte der sozialistischen Bewegung sowie von einer Renaissance der politischen Geschichte, der Ideengeschichte, Kulturgeschichte und einer weitgefassten Biographik sprechen. Als Reaktion auf ein langjähriges Verstehen der Geschichte Polens in den Kategorien eines vorgeblich richtigen, zielgerichteten und notwendigen Prozesses von Umgestaltungen, die zum Sozialismus-Kommunismus führten, wird in einem Teil der Arbeiten, die nach 1989 erschienen, auch eine Renaissance polonozentrischer Begriffe sichtbar, die das Spezifische der Nationalgeschichte und ihre Ausnahmestellung vor dem Hintergrund anderer Diskurse über die Vergangenheit hervorheben.[15]

Grundsätzlich lassen sich zwei Richtungen beobachten, die das Theorieverständnis vieler polnischer Zeithistoriker prägen. Die erste Richtung kann man als moralisierend bezeichnen. Dabei verbinden sich häufig theoretische und weltanschauliche Prämissen der Geschichtsschreibung. Eine solche Haltung erwächst sehr häufig aus dem Wunsch, Werte zu verteidigen, die zum national-katholischen Instrumentarium gehören und zuvor missachtet worden waren.

Die zweite Richtung hat die Tendenz, methodische Fragen bewusst zu bagatellisieren, was häufig zu einer regelrechten Theorieabstinenz führt. Das misslungene Abenteuer des Marxismus hat dazu geführt, dass viele polnische Historiker gegenüber jeglichem Theoretisieren großes Misstrauen hegen. Sie wollen lieber auf die Frage nach dem „Wie?" als nach dem „Warum?" antworten. Heute gehen viele Historiker davon aus, dass der Marxismus-Leninismus nichts anderes als ein Werkzeug war, mit dessen Hilfe die historische Wissenschaft vergewaltigt wurde. Daher versuchen gerade zeithistorisch versierte Forscher häufig, in die Welt einer vermeintlich objektiven, „reinen" Geschichte zu entfliehen, die sich vor allem auf Quellenwissen stützt. Infolge dessen dominiert in vielen Arbeiten ein geradezu positivistischer Faktenkult. Häufig geht es eher darum, eine detaillierte Beschreibung zu liefern und nicht um größere Perspektiven oder Interpretation. Ein Vertreter dieser Richtung erklärte: „Als Historiker, der die neueste Geschichte erforscht, fällt es mir schwer, mich auf Ideen einzustellen und eine Vorstellung zu' entwickeln: am meisten interessieren mich Fakten – 'wie es wirklich gewesen'."[16]

Doch damit huldigt ein Teil der Historiker der traditionellen Ansicht die Ende des 19. Jahrhunderts u.a. von den beiden französischen Historikern Charles V. Langlois und Charles Seignobos aus gegebenem Anlass formuliert wurde, dass „man die Geschichte auf der Grundlage von Quellen schafft [...] und nichts ersetzt die Quellen: gibt es keine Quellen, gibt es keine Geschichte."[17] Im Sinne dieser Konzeption haben die Quellen uns Historiker gewissermaßen direkt zur Wahrheit über die Vergangenheit zu führen. Eine solche Einstellung ist in hohem Grade verständlich. In der Zeitgeschichte haben die Historiker nach Jahren der Vorherrschaft evidenter Lügen und Fälschungen noch manches an grundlegender Faktenaufarbeitung nachzuholen.

Das signalisierte Misstrauen der Zunft gegenüber jeder Form des Theoretisierens in der Geschichte sowie der Rückgriff auf traditionelle Ansätze historischen Denkens, wie sie im 19. Jahrhundert üblich waren, hatten zur Folge, dass in der polnischen Geschichtsschreibung – anders als in den USA oder in Westeuropa – neuere methodologische Debatten kaum Widerhall fanden. Ich denke hier an den sogenannten linguistic turn in der Geschichtsschreibung, der sich unter dem Einfluss eines breit gefassten postmodernen Konzepts vollzog. In Polen beschränkte sich das Interesse an dieser Problematik im Prinzip nur auf einen engen Kreis von Geschichtstheoretikern und hatte keinen nennenswerten Einfluss auf die historiographische Praxis.[18]

Forschungsgebiete und Kontroversen

Riskiert man eine gewisse Simplifizierung, kann man sagen, dass in allen polnischen zeitgeschichtlichen Publikationen zwei prinzipielle Probleme dominieren. Das erste lässt sich ganz allgemein als Versuch definieren, mit der kommunistischen Vergangenheit abzurechnen.[19] Das zweite betrifft das Bild der Beziehungen der Polen zu ihren Nachbarn, vor allem zu den Litauern, Deutschen, Russen, Ukrainern sowie zu Polen jüdischen Glaubens. Dabei stehen aus naheliegenden Gründen die Jahre des Zweiten Weltkriegs, der deutschen Besetzung sowie der frühen Nachkriegszeit im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Im Mittelpunkt der Diskussion über die kommunistische Vergangenheit steht die Frage, was die Volksrepublik Polen war, also die Form der Staatlichkeit, die in Folge des Zweiten Weltkrieges entstand und Konsequenz der sowjetischen Vorherrschaft in Ostmitteleuropa war. Dabei lassen sich vor allem vier Themenkomplexe unterscheiden.

Der erste Themenkomplex betrifft die Frage, ob die Volksrepublik als souveräner Staat bezeichnet werden kann. Vereinfacht ausgedrückt werden hier zwei Standpunkte vertreten. Die weitaus meisten Teilnehmer sprechen sich dafür aus, in der VRP einen polnischen Staat mit eingeschränkter Souveränität zu sehen. Diese Beschränkung wird mit Hilfe von Begriffen wie „Satellitenstaat", „Garnisonsstaat", „Grenzmark des Imperiums", „Protektorat", „autonomer Teil des Imperiums" zum Ausdruck gebracht. Allerdings kam es hierbei zu Kontroversen über die Bedeutung der Begriffe „Souveränität" und „Unabhängigkeit". Der legendäre Jan Nowak-Jezorański aus der polnischen Widerstandsbewegung im Zweiten Weltkrieg, der später Direktor der Polnischen Sektion von Radio „Freies Europa" wurde, wies darauf hin, dass die Bezeichnung „eingeschränkte Souveränität" eine contradictio in adiecto sei. Seines Erachtens „[ist] Wesen der Souveränität [...] eine absolut niemandem unterliegende Oberhoheit der höchsten staatlichen Organe. Eine durch andere Staaten eingeschränkte Souveränität hört auf, Souveränität zu sein. Aus ihr wird eine engere oder weitere Autonomie."[20]

Diese Auffassung ist nicht unwidersprochen geblieben. So berief sich die angesehene Historikerin Krystyna Kersten auf Rechtstheoretiker, die zwischen „Souveränität" und „Unabhängigkeit" unterscheiden. Das eine – Souveränität - bezeichnet den Rechtszustand, das andere – Unabhängigkeit – den faktischen Zustand. In dieser Situation, so stellte Kersten fest, kann ein Staat „der Unabhängigkeit beraubt sein und dabei doch Zeichen der Souveränität bewahren".[21] Ihrer Ansicht schlossen sich beispielsweise die Historiker Antoni Dudek, Bronisław Łagowski oder Andrzej Werblan an und betonten den eindeutig polnischen Charakter der Staatlichkeit der VRP bei eingeschränkter Souveränität.[22] Ein oft diskutiertes Problem war und ist weiterhin das Ausmaß dieser Souveränität. In der Regel werden die Beziehungen zwischen dem Imperium und einem seiner Teile als nicht statisch gesehen. So wird auf die politische, wirtschaftliche und soziale Zäsur des Jahres 1956 und des „polnischen Oktobers" aufmerksam gemacht, welche das Abhängigkeitsverhältnis zur Sowjetunion stark prägten.

Einen anderen Standpunkt beziehen Forscher, die geneigt sind, in der VR Polen die Form einer offenen oder kaschierten Okkupation zu sehen. Obwohl diese These zumeist von Publizisten und nicht von Berufshistorikern verfochten wird, hat sie doch auch in wissenschaftlichen Kreisen Anhänger. Zu Ihnen gehört u.a. Tomasz Strzembosz, der feststellte: „Im Verlauf ihrer ganzen Geschichte war die VRP eine Form der Okkupation Polens, sie war kein unabhängiger und auch kein souveräner Staat. Ihr totalitäres System diente dazu, Land und Leuten in Polen die Unabhängigkeit und die Freiheit zu nehmen."[23] Charakteristisch für diese Art der Wahrnehmung ist ihre Statik und Ahistorizität. Die Geschichte der Volksrepublik Polen wird als etwas grundsätzlich Unveränderliches betrachtet, das keinerlei Evolution unterlag - weder in der Innenpolitik noch auf internationalem Gebiet. Wer einer solchen Auffassung nahesteht, sieht auch keine Notwendigkeit, in der Geschichte der Volksrepublik chronologische Zäsuren zu setzen. Hinsichtlich des Wandels nach 1956 wird demnach behauptet, es habe sich dabei lediglich um eine veränderte Form der Besetzung gehandelt, die von einer offenen zu einer „sorgsam kaschierten" mutiert sei.

Der zweite Themenkomplex dreht sich um die Frage, ob die Volksrepublik ein „totalitärer" Staat war. In der Forschung scheint die Ansicht zu überwiegen, dass genügend Argumente vorhanden seien, um das Adjektiv totalitär wenigstens auf bestimmte Zeiträume in der Geschichte der Volksrepublik anzuwenden. Cum grano salis lassen sich die Historiker in diesem Punkt in zwei Gruppen. teilen. In der ersten befinden sich u.a. Andrzej Walicki, Krzysztof Pomlan und Jerzy Eisler. Sie heben die Bedeutung der Zäsur von 1956 hervor und stellen fest, dass nach dem Oktober im polnischen sozio-politischen System ein grundsätzlicher Wandel eintrat. Pomian sieht einen Übergang vom Totalitarismus zum Autoritarismus.[24] Walicki nennt den Zeitraum nach 1956 eine „posttotalitäre Phase" und operiert mit dem Begriff „nicht kommunistische Version des 'realen Sozialismus'".[25] Zahlreiche Vorbehalte gegen die Stichhaltigkeit der Bezeichnung „totalitärer Staat", insbesondere nach 1956, meldete auch Eisler an.[26] Wie es scheint, ist diesen Autoren die Überzeugung gemeinsam, im totalitären System falle der Ideologie eine konstitutive Rolle zu. Sie verwiesen auf die ideologische Krise nach 1956, die ihrer Auffassung nach den totalitären Charakter des Systems für die darauffolgenden Jahre in Frage stellt.

Einer anderen Argumentation bedient sich eine Gruppe von Historikern, der man Krystyna Kersten, Andrzej Paczkowski, Jerzy Holzer und Wojciech Roszkowski zurechnen kann. Sie wendet das Adjektiv „totalitär" auch auf die Zeit nach 1956 an. Ihrer Ansicht nach waren die Grundgegebenheiten eines totalitären Systems, wie die politische Monopolstellung der Partei, die Kontrolle der Partei über die Wirtschaft und die systematische polizeiliche Überwachung der Bevölkerung weiterhin vorhanden oder hatten höchstens eine gewisse Abschwächung erfahren. Kersten wendet sich wie folgt gegen Walicki: „[...] das totalitäre System war in Polen von Anfang an gebrechlich und ohne innere Antriebskraft. [...]. Mit dem Jahr 1956 begann sein fortschreitender Zerfall, woraus einige, u.a. A. Walicki, den Schluß gezogen haben, dass ‚sich der Totalitarismus rasch in ein System verwandelte, das zwar nicht mit politischer Demokratie zu vereinbaren war, doch der Freiheit des Individuums immer mehr Raum ließ' [...]. Dem würde ich die These entgegenstellen, dass der kommunistische Totalitarismus in Polen nie seine voll ausgebildete Form erreichte. Aber auch trotz der Dekomposition, der er unterlag, beeinträchtigten die evolutionären Veränderungen, die den ideologischen, politischen und ökonomischen Zwang abschwächten und die freiheitlichen Enklaven ausweiteten, beileibe nicht die Ordnung, die weiterhin auf denselben Grundlagen beruhte, die ihrem Wesen nach unverändert blieben."[27] Hiervon unterscheidet sich die Ansicht von Paczkowski, wonach „der ‚reife' stabile Totalitarismus – sowohl in Polen als auch in den anderen Ländern des Sowjetblocks – erst nach 1956 funktionierte, während die Epoche des ‚reinen Stalinismus' (um eine kommunistische Losung zu paraphrasieren) ‚der Grundlagenbau' des totalitären Staates war."[28]

Doch ist hervorzuheben, dass nicht alle Zeithistoriker bereit sind, für die VR Polen den Totalitarismus-Begriff als adäquat zu akzeptieren. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Historiker, die vor 1989 den damaligen Machthabern nahe standen, wie beispielsweise Antoni Czubiński, der eine „Neueste Geschichte Polens"[29] verfasste. Wie zu vermuten ist, vermeidet er den Totalitarismus-Begriff aus zwei Gründen: Erstens wegen der seines Erachtens eindeutigen ideologischen und wertenden Konnotationen und zweitens, weil sein Gebrauch zu einem simplifizierten Bild der Vergangenheit führen würde, wodurch es seiner zahlreichen Kontraste und Widersprüche verlustig ginge, welche – wie Czubiński betont – die Geschichte der VR Polen prägen. Aus ähnlichen Gründen verwarfen auch andere Autoren den Totalitarismusbegriff für die polnische Geschichte der Jahre 1944-1989. Sie bezweifelten, dass man die Staatlichkeit der Nachkriegszeit mit den Adjektiven totalitär, ja sogar kommunistisch versehen könne; denn dabei handele es sich im Grunde genommen um Epitheta, die an die negative Bewertung der Zweiten Republik, d. h. des bürgerlichen polnischen Staates von 1918 bis 1939 erinnerten, wie sie in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg üblich war.

Der dritte Themenkomplex betrifft das Verhältnis von Herrschaft und Gesellschaft. Auch hier hat es heftige Kontroversen gegeben, die Anfang der 1990er-Jahre vor dem Hintergrund der politischen Ereignisse starke Emotionen weckten. Eine Reihe von Autoren berief sich auf das propagandistisch höchst tragfähige Schema von der „bösen, fremden und totalitären Herrschaft" und der „guten vom Ideal des Widerstands gesättigten versklavten Gesellschaft", das im Grunde nicht viel zur Erklärung beitrug. Sie sparten nicht mit Lob für die „Unbeugsamen", d. h. für die Soldaten der Einheiten, die nach 1945 im Untergrund die kommunistischen Machthaber bekämpften, oder die streikenden Arbeiter 1956 in Posen. Mit heftiger Kritik wurden dagegen die sozialen Gruppen bedacht – katholische wie revisionistische –, die sich zur Zusammenarbeit mit den Machthabern entschlossen hatten. Eine solche Interpretation der VRP war stark in der polnischen Tradition verankert. In zahllosen Arbeiten war Polen als Nation und Gesellschaft mindestens seit Ende des 18. Jahrhunderts, d. h. seit den Teilungen der Adelsrepublik, als Opfer von Gewalt äußerer wie innerer Feinde dargestellt worden. Es sollte jedoch nicht verschwiegen werden, dass dies extreme Ansichten sind. Die meisten Forscher haben sich darum bemüht, den hier besprochenen Gegensatz zu entschärfen und auf die gegenseitige Durchdringung von Machthabern und Gesellschaft hinzuweisen. Der Soziologe Jerzy Szacki hat betont, dass wir es im Falle der VRP mit zwei Geschichtsbildern zu tun haben, die sich decken, aber auch bis zu einem bestimmten Grad unterscheiden: mit dem Bild der politischen Geschichte, die eine Geschichte des Staates und des Systems ist, und mit dem Bild der Gesellschaftsgeschichte. Die politische Geschichte ist ihrer Natur nach nicht konstant, sondern wird von spektakulären Umwälzungen unterbrochen. Die Sozialgeschichte ist dagegen eine Geschichte der Kontinuität und hat daher eine andere Dynamik. Nach Szacki war gerade der „Totalitarismus ein – erfolglos ausgegangener – Versuch, die kleine und die große Geschichte miteinander zu identifizieren."[30] Ähnlich argumentierten auch andere Teilnehmer der Debatte, u.a. Jakub Karpiński, Krystyna Kersten und Marcin Kula.

Gegenwärtig stehen im Zentrum dieser Diskussion Forschungen über Verhaltensweisen großer Gesellschaftsgruppen (Arbeiter, Bauern) zur Zeit der VR Polen sowie Untersuchungen von Institutionen, die im Rahmen des Systems bestanden, z. B. die römisch-katholische Kirche.[31] In diesem Kontext lohnt es sich auch, an die Diskussion zu erinnern, die Andrzej Friszkes erschienenes Buch über „Die politische Opposition in der VRP 1945-1980" auslöste und die sich auf die beiden Kategorien „Widerstand" (aktiver wie passiver) und „Opposition" als bezeichnende Einstellungen der polnischen Gesellschaft in den Jahren 1944-1989 fokussierte.[32]

Der vierte Themenkomplex betrifft die Frage, ob Polen in den Jahren der Volksrepublik eine Modernisierung erfahren hat, etwa was die industrielle Entwicklung oder die Gesellschaftsstruktur anbetrifft. Es überwiegt die Ansicht, die beispielsweise Janusz Żarnowski, Zbigniew Landau und Wojciech Roszkowski vertreten, dass lediglich die ersten Nachkriegsjahre positive Veränderungen brachten und seinerzeit die Dynamik des Aufbaus mit den Veränderungen in Westeuropa vergleichbar war.[33] Doch seit Ende der 1940er-Jahre, als Polen nach sowjetischem Muster eine zentralisierte und bürokratisierte Wirtschaft aufgezwungen wurde, setzte eine Epoche der Stagnation ein. Die technologische Revolution ging an Polen vorbei und der Abstand zum Westen vergrößerte sich. Diese These fand Bestätigung in einer Reihe von statistischen Untersuchungen. Nimmt man die Länder, die sich vor 1939 auf einem ähnlichen Entwicklungsniveau wie Polen befanden, doch nach dem Zweiten Weltkrieg zur westlichen Welt gehörten, gibt es bei einem Vergleich keinerlei Zweifel. So war das Nationaleinkommen pro Einwohner beispielsweise 1989 in Finnland zwölfmal, in Italien achtmal und in Spanien fünfmal höher als in Polen, obwohl diese Länder sich in den dreißiger Jahren auf einem ähnlichen Niveau befunden hatten. Aus einer modernisierungshistorischen Perspektive ist die Bilanz der VRP daher sehr problematisch. Die sozialen Veränderungen jener Epoche werden daher allenfalls als Scheinerfolge angesehen.

Die Interpretation dieser vier Grundprobleme ist ausschlaggebend dafür, wie Historiker und Historikerinnen den Platz der Volksrepublik Polen in der Gesamtgeschichte von Staat und Nation verorten. Ich wage die These, dass just auf dieser Ebene der Diskussion wohl am deutlichsten eine Art intellektuelle Ratlosigkeit der Historikerzunft gegenüber dem Phänomen Volksrepublik besteht. Sie findet allein schon in der Terminologie ihre Bestätigung. Der Titel eines Fernsehprogramms von Jerzy Diatłowicki – Rzeczpospolita dwa i pół („Die Republik zweieinhalb") – gibt das treffend wieder. In diesem Kontext nehmen folgende Fragen eine Schlüsselstellung ein: War die VRP ein „schwarzes Loch" in der bisherigen Geschichte Polens? Gehören die Jahre 1944-1989 „historisch in Klammern gesetzt", wie dies einige französische Historiker für das Vichy-Régime vorschlagen? Und auch hier fehlt es im historischen Diskurs nicht an extremen Formulierungen, die sonst allerdings eher bei Publizisten und Politikern zu finden sind. Ein Teil von ihnen beruft sich auf eine spezifisch verstandene Legalitätsidee und stellt die Anerkennung der VRP als polnischen Staat sowohl im Sinne der inneren als auch der äußeren Souveränität in Frage. Diese Konzeption lehnen die meisten Forscher – ungeachtet der sie trennenden prinzipiellen Unterschiede in der Einschätzung der VRP – jedoch entschieden ab. Roszkowski beantwortete die Frage, ob die VRP eine „Lücke in der Geschichte" gewesen sei, wie folgt: „Selbstverständlich nicht. [...] Es gibt bessere und schlechtere Zeiträume, aber vor allem gibt es bessere oder schlechtere Systeme."[34] In der Forschung überwiegt jedoch die Ansicht, die Jahre 1944-1989 seien ein besonderer Zeitraum in der Geschichte unseres Landes gewesen – was Kersten einmal folgendermaßen zusammenfasste: „[...] die Geschichte der 45-jährigen Herrschaft der Kommunisten muss im Kontext sich gegenseitig durchdringender Faktoren gesehen werden: der kulturellen Grundlage, der ideologischen Prämissen der eingeführten Gesellschaftsordnung und der äußeren Abhängigkeit. Das trifft auf jedes Segment der sozialen Realität zu. In diesem Sinn ist die VRP ein weiteres Glied in der langen Kette der nationalen Geschichte. Gewiss, ein besonderes Glied; aber auch Polens Lage war nach dem Zweiten Weltkrieg ja ohne Präzedenz."[35]

Das zweite große Feld der zeithistorischen Forschung – die Beziehungen Polens zu seinen Nachbarn – ist historisch nicht weniger umstritten. Nach 1989 erschien eine Reihe von Arbeiten – Quelleneditionen wie auch Monografien – über polnisch-deutsche, polnisch-ukrainische oder polnisch-russische Beziehungen. Unter ihrem Einfluss änderte sich die Art und Weise, wie diese Thematik in den Schulgeschichtsbüchern vermittelt wurde, grundsätzlich in eine positive Richtung.[36]

Lässt man sich abermals auf eine gewisse Vereinfachung ein, wird man sagen können, dass in derlei Beiträgen zwei Richtungen kollidieren: Die erste Richtung bemüht sich darum, die traditionelle Leidensvision der polnischen Geschichte zu verteidigen, in der das Bild von den Polen als Opfern des braunen und roten Totalitarismus dominiert. Die zweite Richtung betont stärker die über Jahre hinweg verborgen gehaltenen beschämenden Phasen der nationalen Vergangenheit. Dieser Gegensatz soll hier nur an zwei kontroversen Forschungsthemen beleuchtet werden, nämlich am Beispiel der polnisch-ukrainischen Beziehungen und am Verhältnis zwischen jüdischen und nicht-jüdischen Bevölkerungsteilen in Polen.

In den Jahren 2000-2002 wurde in den großen Tages- und Wochenblättern - weniger allerdings in der historischen Fachpresse – ein Buch des 1968 aus Polen emigrierten und inzwischen an der New York University lehrenden Soziologen und Historikers Jan Tomasz Gross diskutiert. In diesem Buch mit dem Titel „Nachbarn. Der Mord an den Juden von Jedwabne"[37] geht es um den Massenmord, der am 10. Juli 1941 in der nordostpolnischen Kleinstadt Jedwabne im Kreis Łomża verübt wurde, als insgesamt 1.600 jüdische Einwohner von ihren polnischen Nachbarn entweder erschlagen oder in eine Scheune getrieben und dort bei lebendigem Leib verbrannt wurden. Nach Auffassung von Groß wurde dieses Verbrechen aus traditionellem Antisemitismus, Habgier und Rache für angebliche Kollaboration unter sowjetischer Besatzung (1939-1941) verübt. Das Buch erschütterte die polnische Öffentlichkeit, da ins Bewusstsein breiter Kreise die bittere Wahrheit vordrang, dass polnische Menschen nicht nur – wie bislang allgemein geglaubt – unschuldige Opfer des Zweiten Weltkriegs und in den meisten Fällen passive Zeugen, sondern durchaus auch aktive Teilnehmer des Holocaust waren. Wenn hier ebenfalls auf kritische Stimmen aufmerksam gemacht wird, soll damit keinesfalls die Bedeutung abgestritten werden, die diesem Buch mit Sicherheit dafür zukommt, dass es zum Bruch eines wichtigen Tabus in den polnisch-jüdischen Beziehungen beitrug. Angezweifelt wurde vor allem die angebliche Hauptthese, wonach Gross die Schuld für den Tod der Juden in Jedwabne der ganzen polnischen Gesellschaft anlastete.[38] Weitere Vorwürfe lauteten, er habe handwerklich unsauber gearbeitet und sei der Frage nach einer Beteiligung von Deutschen am Verbrechen in Jedwabne bewusst aus dem Weg gegangen.[39]

Die gesamte Diskussion ist zweifellos Teil dessen, was der israelische Soziologe Nathan Schneider als die „Globalisierung des Gedächtnisses an den Holocaust" bezeichnet hat. Bei aller kritischen Einstellung gegenüber der nationalen Vergangenheit weckt diese Ansicht in Polen verständliche Vorbehalte, da sie geradewegs dazu führen würde, alle anderen Opfer des Zweiten Weltkrieges zu übergehen, darunter auch die Polen.[40] Das Interesse an jüdischen Themen oder polnisch-jüdischen Beziehungen ist in der gegenwärtigen polnischen historischen Wissenschaft nicht auf den Zweiten Weltkrieg beschränkt, sondern erstreckt sich auch auf die Zeit nach 1945.[41]

Ähnliche Emotionen wecken die polnisch-ukrainischen Beziehungen. Hier interessieren die Forschung insbesondere die Morde, die von Ukrainern an der polnischen Bevölkerung in Wolhynien und Ostgalizien in den Jahren 1943-1944 begangen wurden, sowie die 1947 vorgenommene Zwangsumsiedlung der ukrainischen Bevölkerung aus Südostpolen in die heutigen Nordwestgebiete, die Polen auf den Konferenzen von Yalta und Potsdam zugesprochen worden waren. Die hierzu durchgeführten Forschungen der letzten Jahre können als Versuch gelten, anhand reichen Quellenmaterials die beiderseitige negative Wahrnehmung zu überwinden, die ein Ergebnis der jahrelang hingenommenen antiukrainischen Stimmung in Polen beziehungsweise der antipolnischen Stimmung in der Ukraine ist.[42] Ähnlich wie im Fall der polnisch-jüdischen Beziehungen erschöpft sich das Interesse an der Geschichte der ukrainischen Minderheit in Polen nicht mit den oben erwähnten dramatischen Ereignissen. Seit kurzem wird auch die Geschichte der Ukrainer in Polen nach 1945 untersucht.[43] Ähnliches gilt für weitere Minderheiten, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg innerhalb der Grenzen des polnischen Staates befanden.[44]

Schlussbemerkungen

Die polnischen Diskussionen über das neue Bild der Zeitgeschichte sind mit Sicherheit Teil eines größeren Ganzen. Ein Bezugspunkt sui generis sind für sie sowohl der Streit, der in der westeuropäischen und nordamerikanischen Literatur um die neue Gestalt des Wissens von der Vergangenheit und seinen sozialen Status ausgefochten wird, als auch die nationalen Debatten über die Sicht der Geschichte in anderen postkommunistischen Ländern.

Betrachtet man das aus der Perspektive, die ich zu Beginn meiner Überlegungen andeutete, kann man sagen, dass diese Diskussionen Beweis für eine zunehmende Konfrontation zwischen dem Kollektivgedächtnis und dem Bild der Geschichte sind, das die Historiker schaffen; und vieles weist darauf hin, dass die letztgenannten mit ihrer kritischen Sicht der Zeitgeschichte in der Auseinandersetzung um die Form des historischen Bewusstseins der heutigen polnischen Bevölkerung den Kürzeren ziehen werden. Ohne die Rolle von Meinungsumfragen zu überschätzen, lässt sich nicht übersehen, dass die dort geäußerten Ansichten immer weniger mit den Interpretationen übereinstimmen, wie sie von der historischen Forschung formuliert werden. Schon Mitte der 1990er-Jahre beurteilten 42 Prozent der Befragten die Epoche der VRP positiv gegenüber 49 Prozent mit negativem Urteil. 2002 antworteten auf eine etwas anders gestellte Frage (Wie beurteilst du die Herrschaft der PVAP in Polen?) 40 Prozent mit „gut", 35 Prozent mit „schlecht" und 25 Prozent mit „schwer zu sagen". Ähnlich verhält es sich mit dem Gedächtnis an die Führungsriege der VRP. 1999 antworteten auf die Frage, ob der langjährige ZK-Sekretär Edward Gierek eine positive oder eine negative Rolle in der Geschichte Polens gespielt habe, 54 Prozent mit „positiv" und 19 Prozent mit „negativ", während sich 27 Prozent keine Meinung gebildet hatten. Warum ist dies so? Zum Teil sind die Historiker selbst daran schuld. Bis zu einem gewissen Grad entscheiden darüber methodologische und handwerkliche Schwächen, die in der Historiografie der neuesten Geschichte sichtbar sind. Ich denke dabei ebenso an den Polonozentrismus wie an die übermäßige Politisierung des Diskurses. Die letzte hat gewissermaßen eine doppelte Dimension: Sie hängt mit dem mitunter sehr kritischen Verhältnis eines Forschers zum Zeitraum des kommunistischen Polen zusammen und ist gleichzeitig begleitet von einer deutlich sichtbaren Dominanz der politischen Geschichte über andere Fachbereiche in der Zeitgeschichtsschreibung. Historiker, die sich mit der nahe gelegenen Vergangenheit befassen, beschäftigen sich selten genug mit Bereichen der historischen Realität außerhalb der Politik (Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur, Bewusstseinswandel) genauso wie sie sich auch nicht zu häufig auf Anregungen einlassen, die von anderen Humanwissenschaften ausgehen (Soziologie, Kulturanthropologie, Psychologie).[45] Ein auffälliger Zug der polnischen Zeitgeschichtsschreibung ist auch eine spezifische „Dokumentomanie", die sich aber durch den Mangel an speziellen Quellenveröffentlichungen vor 1989 erklären lässt, aber wohl auch mit einem gewissen Misstrauen des breiten Publikums gegenüber Historikern.[46] Ein weiterer Grund für den Konflikt liegt mit Sicherheit in einer nicht nur in Polen immer deutlicher sichtbar werdenden Nostalgie, mit einer Sehnsucht nach der kommunistischen Vergangenheit. Allgemein verbindet sich dies mit der Enttäuschung, die vielen Polen die wiedererlangte Unabhängigkeit Ende der 1980er und Anfang der 1990er-Jahre brachte. All das beweist, dass die Zeiten, als die polnische Gesellschaft durch eine relativ einheitliche Vision der Vergangenheit zusammengehalten wurde und die Historiker in der Rolle der alleinigen Wächter über das nationale Gedächtnis auftraten, unwiederbringlich vorbei sind.

Es lohnt sich allerdings auch, die polnische Historiografie aus einer Perspektive zu betrachten, welche die Veränderungen in den anderen postkommunistischen Ländern mit einbezieht. Sie alle haben sich mehr oder weniger ebenfalls mit dem eingangs skizzierten Problem einer neuen oder sekundären Einwurzelung in der Vergangenheit herumzuschlagen. In diesem Kontext ist es die Aufgabe der Historiker, einen Bund zwischen Wissenschaft und Kollektivgedächtnis zu errichten. Dies ist ohne Zweifel schwierig und erfordert höchste Umsicht und Geduld. Doch wenn es die sprichwörtliche „Flucht aus der Geschichte" nicht gibt – und es kann sie ja nicht geben -, dann muss man die Bändigung der Geschichte anstreben oder in extremen Fällen auch ihre Bewältigung. Das neue Bild der Nationalgeschichte muss daher sowohl ihre rühmlichen als auch ihre schmachvollen Episoden umfassen, die man häufig genug verbergen wollte. Damit das geschehen kann, muss das „anklagende" oder „ausschließende" historische Bewusstsein durch ein „beurteilendes" und „integrierendes" Bewusstsein ersetzt werden. Die polnischen Historiker und Historikerinnen haben auf diesem Feld noch viel zu tun. Die Zeit der Historiografie, welche die Notwendigkeit „sich zur Unabhängigkeit durchzuschlagen"[47] begründet, geht langsam zu Ende. Es kommt die Epoche einer Geschichtsschreibung, die den Polen helfen sollte, sich „zur Normalität durchzuschlagen".

Aus dem Polnischen von Jürgen Hensel.

Empfohlene Literatur zum Thema

Zitation
Rafał Stobiecki, Polen - Zeitgeschichte seit 1989/90, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 11.4.2011, URL: http://docupedia.de/zg/Polen_-_Zeitgeschichte_seit_1989?oldid=125822 (Wiederveröffentlichung von: Rafał Stobiecki, Die Zeitgeschichte in der Republik Polen seit 1989/90 in: Alexander Nützenadel/Wolfgang Schieder (Hrsg.), Zeitgeschichte als Problem. Nationale Traditionen und Perspektiven in Europa, Göttingen 2004, S. 329-346.)

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  1. Bei dem vorliegenden Beitrag handelt es sich um die Wiederveröffentlichung eines Artikels aus dem Jahr 2004: Rafał Stobiecki, Die Zeitgeschichte in der Republik Polen seit 1989/90, in: Alexander Nützenadel/Wolfgang Schieder (Hrsg.), Zeitgeschichte als Problem. Nationale Traditionen und Perspektiven in Europa, Göttingen 2004, S. 329-346.
  2. A. Paczkowski, Peerelowska przeszłość w pamięci społecznej, historiografii i polityce, in: ders., Od sfaeszowanego zwycięstwa do prawdziwej klęski. Szkice do portretu PRL, Kraków 1999, S. 217; vgl. dazu ders., Czy historycy dokonali „obrachunku“ z PRL?, in: J. Łukasiak-Mikłasz (Hrsg.), Ofiary i współwinni. Nazizm i sowietyzm w świadomości historycznej, Warszawa 1997, S. 13-30.
  3. Wörtliche Übersetzung von „drugi obieg“; gemeint ist das oppositionelle Verlagswesen, das sich nicht um die Zensur kümmerte. In der DDR gab es hierfür keine eigene Bezeichnung, dort wurde wie auch in der Bundesrepublik der russische Begriff „samizdat“ benutzt.
  4. A. Paczkowski zufolge war die erste Arbeit, die in Mirosław Chojeckis „Oficyna Nowa“, dem gewichtigsten Unternehmen des „zweiten Umlaufs“, erschien, nicht zufällig eine Broschüre von J. Karpiński mit dem Titel Pochodzenie systemu, Warszawa 1977; sie war vorher bereits in einem Verlag im westlichen Ausland erschienen. Ausführlicher zu historischen Themen im „zweiten Umlauf“ siehe M. Mikołajczyk, Jak się pisało o historii ... Problemy polityczne powojennej Polski w publikacjach drugiego obiegu, Kraków 1998.
  5. Ebd., S. 43.
  6. Für die polnische Literatur siehe z. B. J. Maternicki (Hrsg.), Historia najnowsza jako przedmiot badań i nauczania, Warszawa 1990.
  7. J. Pomorski, Metodologiczne problemy historii najnowszej, in: Maternicki (Hrsg.), Historia najnowsza, S. 20-36, hier S. 20.
  8. Ein Teil der Partei- und Polizeiarchive wurde 1989 vernichtet. Zu IPN vgl.: http://www.ipn.gov.pl/.
  9. An meiner Heimatuniversität Łódź beobachte ich seit einigen Jahren unter den Studierenden ein wachsendes Interesse an Lehrangeboten zur Zeitgeschichte. Gegenwärtig wählen 70 Prozent der Studierenden Magisterseminare zur polnischen und allgemeinen Zeitgeschichte.
  10. Arcana 2. und 6. 2002. Chefredakteur ist der Zeithistoriker Andrzej Nowak, der mit einer Analyse der Politik Piłsudskis eine sehr innovative Arbeit vorlegte; siehe: Polska i trzy Rosje. Studium polityki wschodniej Józefa Piłsudskiego (do kwietnia 1920 r.), Kraków 2001.
  11. In dieser Reihe erschienen u.a.: P. Sowiński, Komunistyczne święto. Obchody l maja w latach 1948-1954, Warszawa 2000; A. Pawlicki, Kompletna szarość. Cenzura w latach 1965-1972. Instytucja i ludzie, Warszawa 2001; A. Zaremba, Komunizm, legitimizacja, nacjonalizm. Nacjonalistyczna legitymizacja władzy komunistycznej w Polsce, Warszawa 2001. In der Reihe „W krainie PRL - W krainie KDL“ erschien zudem von Maciej Gorny, Miydzy Marksem a Palackym. Historiografia w komunistycznej Chechosłowacji, Warszawa 2001.
  12. J. Kłoczowski (Hrsg.), Historia Europy Środkowo-Wschodniej, 2 Bde., Lublin 2000. Die Ausgabe enthält eine ausführliche Bibliografie polnisch- und fremdsprachiger Arbeiten; die polnischen Beitrage stammen von J. Kłoczowski, Henryk Samsonowicz und Piotr Wandycz.
  13. Unter den Auspizien des IPN erschienen u.a. folgende Quelleneditionen: A. Paczkowski u. A. Dudek (Hrsg.), Aparat bezpieczeństwa w Polsce w latach 1950-1952, Warszawa 2000; J. Eisler (Hrsg.), Grudzień w dokumentach MSW, Warszawa 2000; A. Dziurok (Hrsg.), Obóz pracy w Świętochłowicach w 1945 roku, Warszawa 2002. Von den Monografien sind insbesondere erwähnenswert: I. Hałagida, Ukraińcy na Zachodnich i Pótnocnych ziemiach Polski 1947-1957, Warszawa 2002; ferner zwei Sammelbände mit Beiträgen von IPN-Konferenzen: XXX (Hrsg.), Poznański czerwiec 1956, Warszawa 2002; S. Poleszak/A. Puławski (Hrsg.), Podziemie zbrojne na Lubelszczyźnie wobec dwóch totalitaryzmów 1939-1956, Warszawa 2002. Die Tätigkeit des IPN wird in einem seit 2001 erscheinenden „Biuletyn Instytutu Pamięci Narodowej“ registriert (bisher 20 Nummern). Seit 2002 gibt das IPN die Zeitschrift „Pamięć i Sprawiedliwość“ heraus. Das IPN unterhält eine umfängliche internationale Zusammenarbeit mit entsprechenden Einrichtungen in den postkommunistischen und westlichen Ländern; dort sind es das Holocaust-Museum in Washington (USHMM), die Zentralstelle der Landesjustizverwaltungen zur Verfolgung Nationalsozialistischer Gewaltverbrechen, Zentralstelle in Ludwigsburg, die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik sog. Birthler-Behörde und das Yad Vashem-Institut in Jerusalem.
  14. Opozycja w PRL. Słownik biograficzny 1956-1989, 2 Bde., Warszawa 2000/2003.
  15. Darauf machte als erster der französische Osteuropahistoriker Daniel Beauvois aufmerksam; siehe ders., Être historien en Pologne. Les mythes, l’amnésie et la „vérité“, in: Revue d’histoire moderne et contemporaine 38 (1991), S. 355-386.
  16. Z. Zblewski, Głos w dyskusji „Pamięć narodowa i jej strażnicy“ in: Arcana 2 (2001), S. 20.
  17. Ch. V. Langlois, Ch. Seignobos, Wstęp do badań historycznych, Lwów 1912, S. 19 [Original: Introduction aux études historiques, Paris 1898 und 1900].
  18. Von den wenigen polnischen Arbeiten, die den Wandel in der modernen Historiografie analysieren, wären zu erwähnen: E. Domańska, Mikrohistorie. Spotkania w międzyświatach, Poznań 1999; J. Topolski, Jak się pisze i rozumie historię. Tajemnicy narracji historycznej, Warszawa 1996; W. Wrzosek, Historia. Kultura. Metafora. Powstanie nieklasycznej historiografii, Wrocław 1995.
  19. Ausführlicher dazu siehe A. Friszke, Spór o PRL w III Rzeczypospolitej (1989- 2001), in: Pamięć i Sprawiedliwość 1 (2002), S. 9-28; A. Paczkowski, Co zrobić z komunistyczną przeszłaścią? Przykład Polski, in: Zeszyty Historyczne 139 (2002), S. 3-25; R. Stobiecki, Spór o interpretację PRL w publicystyce i historiografii polskiej po 1989 r., in: B. Jakubowska (Hrsg.), Historia, poznanie, przekaz, Rzeszów 2000, S. 169-182; ders., Spór o PRL. Metodologiczne oblicze debaty, in: K. Lesiakowski (Hrsg.), Opozycja i opór społeczny w Łodzi 1956-1981, Warszawa 2003, S. 123-131.
  20. J. Nowak-Jeziorański, Gigantyczne oszustwo, in: M. Fik (Hrsg.), Spór o PRL, Kraków 1996, S. 75-83, hier S. 77.
  21. K. Kersten, Bilans zamknięcia, in: Fik (Hrsg.), Spór, S. 17-27, hier S. 20.
  22. A. Dudek, Wypowiedź w dyskusji „Czym byla PRL“?, in: Więź 2 (1996), S. 110; B. Łagowski, Szkice antyspołeczne, Kraków 1995, S. 75; A. Werblan Stalinizm w Polsce, Warszawa 1991, S. 40-41.
  23. T. Strzembosz, PRL - państwo zależne, in: Tygodnik Solidarność 13 (1993).
  24. K. Pomian, Wokół PRL, in: Polityka 41 (1994).
  25. A. Walicki, Demony PRL, in: Nowa Res Publica 3 (1993); siehe auch ders., Zniewolony umysł po latach, Warszawa 1993; ders., Marksizm i skok do Królestwa Wolności. Dzieje komunistycznej utopii, Warszawa 1996, S. 7-12.
  26. J. Eisler, Dyskusja nad historią PRL, in: Polska 1944/45-1989. Studia i materiały I, Warszawa 1995, S. 14-27.
  27. Kersten, Bilans, S. 23-24.
  28. Paczkowski, Czy historycy, S. 27.
  29. A. Czubiński, Dzieje najnowsze Polski. Polska Ludowa (1944-1989), Warszawa 1992.
  30. J. Szacki, Dwie historie, in: Fik (Hrsg.), Spór, S. 68-74, hier S. 74.
  31. Siehe z.B. D. Jarosz, Polacy a stalinizm 1948-1956, Warszawa 2000; A. Dudek, Państwo a Kościół w Polsce 1945-1970, Kraków 1995; J. Żarn, Kościół a władza w Polsce 1945-1950, Warszawa 1997; vgl. auch J. W. Borejsza, Einige Anmerkungen zur polnischen Zeitgeschichtshistoriografie nach 1989, in: Österreichische Osthefte 1/2 (2002), 247- 258 (dort auch ausführliche Bibliografie).
  32. Andrzej Friszke, Opozycja polityczna w PRL 1945-1980, Warszawa 1994.
  33. Siehe z.B. Z. Landau, W. Roszkowski, Polityka gospodarcza II PR; PRL, Warszawa 1995, S. 149-156; J. Żarnowski, Społeczeństwo polskie w XX wieku: przeobrażenia, przewroty i wstrząsy, in: Więź 2 (1999), S. 137-153.
  34. W. Roszkowski, Wczoraj czy dziś?, in: Fik (Hrsg.), Spór, S. 95-103, hier S. 99.
  35. Kersten, Bilans, S. 27.
  36. Beispielsweise für die deutsch-polnischen Beziehungen wird der Wandel gut sichtbar an einer Arbeit der deutsch-polnischen Schulbuchkommission: U.A.J. Becher/W. Borodziej/K. Ruchniewicz (Hrsg.), Polska i Niemcy w XX wieku. Wskazówki i materiały do nauczania historii, Poznań 2001; siehe auch die interessante zweisprachige Nummer der in Olsztyn erscheinenden Zeitschrift Borussia 17 (2002), mit Beiträgen von deutschen und polnischen Historikern.
  37. J.T. Gross, Sąsiedzi. Historia zagłady żydowskiego miasteczka, Sejny 2000. Am Rande sei angemerkt, dass diese Debatte inzwischen mit dem Erscheinen der deutschen (München 2001) sowie einer englischen und niederländischen Ausgabe internationalen Charakter angenommen hat: Ders., Neighbors. The Destruction of the Jewish Community in Jedwabne, Princeton u. Oxford 2001; Jan T. Gross, Buren. De vernietiging van de joodse gemeenschap in Jedwabne, Amsterdam 2002.
  38. B. Musiał Tezy dotyczące pogromu w Jedwabnem. Uwagi krytyczne do książki Sąsiedzi autorstwa Jana Tomasz Grossa, in: Dzieje Najnowsze 2001, Nr. 3, S. 253-280; dort auch weitere bibliografische Hinweise; vgl. D. Stola, Jedwabne: Revisiting the Evidence and Nature of the Crime, in: Holocaust and Genocide Studies, 17/1 (2003), S. 139-152.
  39. Die Angelegenheit ist nicht entschieden und wird es wohl auch nie werden. Das bestätigen die Untersuchungsergebnisse, die das Institut für Nationales Gedächtnis (IPN) im Fall Jedwabne führte und 2002 vorlegte; siehe P. Machcewicz/K. Persak (Hg), Wokół Jedwabnego, Bd. 1, Studia, Warszawa 2002; dies., Wokół Jedwabnego, 2, Dokumenty, Warszawa 2002.
  40. So ausdrücklich Tomasz Szarota, einer der besten polnischen Kenner der Geschichte des Zweiten Weltkriegs einschließlich der Geschichte des Holocaust, in einem Interview im liberal-katholischen Wochenblatt Tygodnik Powszechny 17 (2002), Jedwabne bez stereotypów.
  41. Vgl. u.a. P. Madajczyk (Hrsg.), Mniejszości narodowe w Polsce. Państwo a społeczeństwo polskie w okresach przełomów politycznych (1944-1989), Warszawa 1998 [siehe dort den Beitrag von Alina Cała zur jüdischen Minderheit: dies., Mniejszość żydowska, S. 245-289.]; A. Cała/H. Datner-Śpiewak, Dzieje Żydów w Polsce: 1944-1968. Teksty źiródłowe, Warszawa 1997; D. Stola, Kampania antysyjonistyczna w Polsce, Warszawa 2000.
  42. Vgl. dazu u.a. G. Motyka, Tak było w Bieszczadach. Walki polsko-ukraińskie 1943-1948, Warszawa 1999; G. Motyka u. R. Wnuk, Pany i rezuny. Współpraca AK-WIN i UPA w latach 1945-1947, Warszawa 1997.
  43. Siehe dazu R. Drozd, Droga na zachód. Osadnictwo ludności ukraińskiej na ziemiach zachodnich i północnych Polski w ramach akcji „Wisła“, Warszawa 1997; R. Drozd/I. Hałagida, Ukraińcy w Polsce 1944-1989. Walka o tożsamości (dokumenty i materiały), Warszawa 1999; I. Hałagida, Ukraińcy na zachodnich i północnych ziemiach Polski 1947-1957, Warszawa 2002.
  44. Siehe u.a. E. Mironowicz, Białorusini w Polsce 1944-1949, Warszawa 1993; dieses Thema bespricht P. Madajczyk in seinem Artikel Badania dotyczące polityki narodowościowej po 1945 r., in: Dzieje Najnowsze 4 (2001), S. 191-196.
  45. Zu den wenigen Ausnahmen gehören die Arbeiten in der Reihe „W krainie PRL“.
  46. Darauf verwies Paczkowski, Co robić.
  47. Anspielung auf den Titel einer berühmten Broschüre „Czy Polacy wybić się mogą na niepodległość?“ [Können die Polen sich zur Unabhängigkeit durchschlagen?], die erstmals 1800 in Paris auf Anregung des Nationalhelden Tadeusz Kościuszko und Führers des nach ihm benannten Aufstands erschien, der 1794 niedergeschlagen wurde. Die Folge war 1795 die dritte und 123 Jahre dauernde Aufteilung Polens, bis 1918 aufgrund der Kriegsfolgen der polnische Staat als „Zweite Republik [Polen]“ wieder begründet werden konnte.