Neuere Taeterforschung

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Zentrum für Zeithistorische Forschung

Frank Bajohr, Neuere Täterforschung,
Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 18.06.2013
"Arbeit macht frei", Eingangstor des KZ Auschwitz, Polen 2005, Foto: Saforrest [http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Auschwitz-Work_Set_Free.jpg Wikimedia Commons] ([https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en CC BY-SA 3.0])
"Arbeit macht frei", Eingangstor des KZ Auschwitz, Polen 2005, Foto: Saforrest Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
Neuere Täterforschung

In den 1990er-Jahren wandte sich die Geschichtswissenschaft erstmals auf breiter Basis den Tätern des Holocaust zu, sodass sich in dieser Zeit eine „Täterforschung” als Subdisziplin der expandierenden Holocaust-Forschung etablierte.[1] Obwohl amerikanische Historiker in diesem Prozess eine wichtige initiierende Rolle gespielt haben, gehört die neuere Täterforschung insgesamt zu den Domänen der deutschen NS-Forschung. Im geschichtswissenschaftlichen Interesse an NS-Tätern spiegelte sich eine empirische Re-Konkretisierung des Holocaust wider, der bis in die 1980er-Jahre vor allem gedeutet, aber kaum näher erforscht worden war. Ähnliches gilt für die historische Perspektive auf die NS-Zeit insgesamt, die lange Zeit vor allem durch herrschaftsstrukturelle Debatten und den Konflikt zwischen „Intentionalisten” und „Strukturalisten” gekennzeichnet gewesen war.

Eine wichtige katalytische Funktion für die Täterforschung kam der Goldhagen-Kontroverse von 1996 zu, in der die Frage nach der Motivation der Täter zum ersten Mal in den Mittelpunkt einer historiografischen Debatte rückte. Vor allem die Kontroverse zwischen Daniel Goldhagen und Christopher Browning um das Reserve-Polizeibataillon 101 und die von ihm verübten Mordtaten warf wichtige Fragen auf, die die Täterforschung bis heute beschäftigen.[2] Waren die Täter vor allem durch einen „eliminatorischen Antisemitismus” motiviert oder waren in erster Linie sozialpsychologisch-situative Aspekte für ihr Handeln relevant?

Zugleich wurde in der Kontroverse ein analytisches Grundproblem deutlich, das die Täterforschung bis heute begleitet und nicht eindeutig aufzulösen ist: Bildeten die „Täter” und „Täterinnen” eine Gruppe, die vom Rest der Gesellschaft trennscharf abgegrenzt werden kann? Nicht ohne Grund hatte Goldhagen im Hinblick auf die Täter von „ganz gewöhnlichen Deutschen” gesprochen. Seine viel kritisierte These vom „eliminatorischen Antisemitismus” bezog sich auf die gesamte deutsche Gesellschaft, nicht allein auf das Kollektiv der Täter. In dieser Hinsicht hatte Christopher Browning mit dem Topos der „ordinary men” ganz ähnlich argumentiert und hervorgehoben, dass es sich bei den Tätern keineswegs um eine gewaltbereite oder besonders ideologisierte Negativauslese der damaligen deutschen Gesellschaft gehandelt habe. Der in vielen Buchtiteln anzutreffende Hinweis auf die vermeintliche „Normalität” der Täter wirft deshalb die grundsätzliche Frage auf, ob eine „Täterforschung” im engeren Sinne überhaupt sinnvoll ist und nicht besser im Rahmen einer breit angelegten Gesellschaftsgeschichte des „Dritten Reichs” betrieben werden sollte. Die wachsende Konjunktur des Begriffs „Tätergesellschaft” illustriert dieses Grundproblem und deutet nicht nur die Schwierigkeiten an, „Täter” und „Gesellschaft” analytisch voneinander abzugrenzen. Der Topos „Tätergesellschaft” markiert auch den gleichermaßen problematischen Trend, den Täterbegriff inflationär auszuweiten und ihn mit der deutschen Gesellschaft der NS-Zeit kurzerhand gleichzusetzen.[3]

Diese bemerkenswerte Ubiquität der „Täter” steht in einem auffälligen Kontrast zu deren völliger Marginalität in den ersten Dekaden nach 1945, als beispielsweise die deutsche Justiz allenfalls Hitler, Himmler oder Heydrich als „Täter” einstufte, manche Kommandeure von Einsatzkommandos aber lediglich als „Gehilfen” aburteilte. So wurde beispielsweise Otto Bradfisch, Führer des Einsatzkommandos 8 der Einsatzgruppe B, der für die Erschießung von 15.000 Juden und sowjetischen Kriegsgefangenen unmittelbar verantwortlich war, lediglich wegen Beihilfe zum Mord verurteilt, da ihm ein entsprechender „Täterwille” gefehlt habe.[4]

Wenige, oft als „Bestien” dämonisierte Täter standen einer nur geringfügig größeren Gruppe von Tatbeteiligten gegenüber, die zumeist als „Befehlsempfänger” oder „Schreibtischtäter” apostrophiert und als unselbstständige Rädchen im Getriebe wahrgenommen wurden, die sich nur im „Befehlsnotstand” an Mordaktionen beteiligt hätten. Dabei gelang es den Angeklagten in NS-Prozessen auf eine oft erstaunliche Weise, ihre öffentliche Wahrnehmung direkt oder indirekt zu steuern. So beruhte Hannah Arendts Einschätzung der Person Adolf Eichmanns nicht zuletzt auf Selbststilisierungen des Angeklagten, die neuere geschichtswissenschaftliche Analysen als durchsichtiges Konstrukt widerlegt haben.[5] Ein realistisches Täterbild entstand auf diese Weise nicht, und frühe juristische und kriminologische Annäherungen, die auf eine differenzierte Analyse der Täter und ihre Typisierung abzielten, blieben in der Öffentlichkeit, aber auch in der Geschichtswissenschaft fast unbeachtet.[6] Dies galt ebenso für die Grundlagenstudie des amerikanischen Politikwissenschaftlers Raul Hilberg über den Holocaust, der bereits früh darauf hingewiesen hatte, dass die Täter „a remarkable cross-section of the German population” repräsentierten.[7]

Grundlegende Erkenntnisse der neueren Täterforschung

Während lange Zeit die Vorstellung dominierte, dass die Massenmorde von einer überschaubaren Zahl von Tätern verübt worden seien, hat die neuere Forschung auf die enorme Zahl der Täter/innen und Tatbeteiligten und die von ihnen repräsentierten Institutionen hingewiesen. Mittlerweile geht die Forschung von rund 200.000 bis 250.000 deutschen und österreichischen Tätern des Holocaust aus.[8] Hinzu kommt eine große Zahl ausländischer Kollaborateure, vor allem Litauer, Letten und Ukrainer, die in paramilitärischen Formationen Pogrome initiierten oder in den zahlreichen Hilfspolizei-Formationen unmittelbar an den Tötungen mitwirkten. Auch die Bevölkerung der besetzten Gebiete war partiell an den Massakern beteiligt.[9]

Auf deutscher Seite führte die Mordaktionen nicht allein die in den Vernichtungslagern eingesetzte Konzentrationslager-SS durch; vielmehr war der weitverzweigte SS- und Polizeiapparat in seiner Gesamtheit involviert, darunter die Gestapo, vor allem aber die Ordnungspolizei, die das Gros des Personals in den Polizeibataillonen und mobilen Mordeinheiten im Osten stellte. Darüber hinaus führten Einheiten der Wehrmacht vor allem in Jugoslawien und der besetzten Sowjetunion Mordaktionen durch.[10] Allein die „Geheime Feldpolizei” der Wehrmacht erschoss mehrere Zehntausend „Verdächtige”. Eine wesentliche Rolle im Mordgeschehen spielte darüber hinaus die deutsche Zivilverwaltung in den besetzten Gebieten, die unmittelbar für die Verfolgung der Juden in ihrem Territorium zuständig war.[11] Täter handelten durchweg nicht isoliert, sondern waren in arbeitsteilig ausgerichtete Netzwerke von Täter-Kollektiven eingebunden.

Juli 1941, Litauen, Fotograf: unbekannt. Das Foto zeigt eine Untereinheit der Einsatzgruppe A auf sowjetischem Gebiet, die die Menschen zwang, ihr eigenes Grab zu schaufeln, Quelle: [http://commons.wikimedia.org/wiki/File:EG_A_%C5%A0iauliai_Lithuania_July_1941.JPG Wikimedia Commons] ([http://en.wikipedia.org/wiki/Public_domain Public Domain]).
Juli 1941, Litauen, Fotograf: unbekannt. Das Foto zeigt eine Untereinheit der Einsatzgruppe A auf sowjetischem Gebiet, die die Menschen zwang, ihr eigenes Grab zu schaufeln, Quelle: Wikimedia Commons (Public Domain).

Der nähere Blick auf die beteiligten Täter hatte ein grundlegend verändertes Bild des Mordgeschehens insgesamt zur Folge, das bis dahin als eher bürokratisch-mechanistischer Prozess, als fabrikmäßiges Töten ohne unmittelbare Konfrontation der Täter mit den Opfern gedeutet worden war, in erster Linie assoziiert mit den Gaskammern von Auschwitz. Nun eröffnete der Blick auf die zahlreichen „Killing Fields” im Osten eine neue Perspektive auf den Holocaust, dessen Bild seitdem viel stärker durch die Vielzahl von Massakern und Mordaktionen gekennzeichnet ist, die sich territorial auf weite Gebiete in Mittel- und Osteuropa erstreckten und vor allem mittel- und osteuropäische Juden zu Opfern machten, während in Auschwitz vor allem westeuropäische Juden ermordet wurden. Nicht mehr die wenigen Vernichtungslager, sondern die „Bloodlands” in Mittel- und Osteuropa rücken perspektivisch in den Fokus der Forschung. Dabei werden nicht nur die Zusammenhänge deutlich zwischen dem Holocaust und der deutschen Besatzungsherrschaft in Osteuropa, die lange Zeit trotz ihrer Verflechtung als separate Vorgänge wahrgenommen worden waren. Auch wird mittlerweile die Frage nach einem möglichen Zusammenhang mit den stalinistischen Massenverbrechen in diesem Territorium aufgeworfen, ohne in simple Analogieschlüsse zu verfallen, wenngleich überzeugende Antworten immer noch ausstehen.[12]

Auch lange Zeit gehegte Annahmen über die Ingangsetzung des Holocaust sind durch die neuere Täterforschung grundlegend revidiert worden. Bis in die 1980er-Jahre überwog die vor allem von Helmut Krausnick geprägte Vorstellung eines primär von oben und durch einen zentralen „Führerbefehl” gesteuerten Prozesses.[13] Demgegenüber zeigte die neuere Forschung, wie sich das Mordgeschehen in einem Wechselspiel zwischen Zentrale und Peripherie radikalisierte. Letztere preschte oft mit eigenständigen Initiativen vor und legte Handlungsspielräume weit aus, wenngleich die Gewaltdynamik ohne Ermunterung von oben oder Teilentscheidungen auf oberster Ebene nicht in ähnlicher Weise eskaliert wäre. Ohne Hitler kein Holocaust – diese zentrale Erkenntnis der älteren Forschung hat ihre Gültigkeit und Erklärungskraft keineswegs verloren, ist aber nicht als minutiöse Steuerung des Mordgeschehens durch Hitler selbst zu verstehen. Die lange Debatte um einen zentralen „Endlösungs”- Befehl und den Zeitpunkt, an dem dieser erteilt worden sein könnte, gilt im Lichte neuerer Erkenntnisse als überholt. Das Detailgeschehen und das Handeln der Täter zeigt nämlich, dass es einen einzigen übergeordneten Mordbefehl gar nicht gegeben haben kann.

Zweifellos hat die Täterforschung die Gesamtperspektive auf Holocaust und Massenmord nachhaltig verändert, aber zugleich die Schwierigkeiten deutlich gemacht, angesichts einer Vielzahl agierender „Täter” diese einerseits analytisch eindeutig zu definieren und zu kategorisieren, andererseits jene Determinanten herauszuarbeiten, die das Verhalten der Täter bestimmten. Die teilweise divergierenden Befunde sollen im Folgenden näher beleuchtet werden.

Biografische und generationelle Aspekte

Im Jahre 1996 veröffentlichte Ulrich Herbert eine wegweisende biografische Studie über den ehemaligen Amtsgruppenchef im Reichssicherheitshauptamt, Werner Best.[14] Obwohl Best in der SS-Hierarchie hinter Himmler und Heydrich an dritter Stelle gestanden hatte, lag der Wert der Best-Biografie vor allem darin, dass sie diesen als typischen, akademisch gebildeten Repräsentanten einer „Kriegsjugendgeneration” porträtierte, der wie viele bürgerliche Zeitgenossen seiner Alterskohorte im Banne des Ersten Weltkriegs aufgewachsen und politisch in der völkischen Studentenbewegung der 1920er-Jahre sozialisiert worden war. Im Führungskorps des Reichssicherheitshauptamts, vor allem bei der Gestapo wie den Kommandeuren der Sicherheitspolizei, nahmen Vertreter dieser „Generation des Unbedingten”[15] Schlüsselpositionen ein. Die Arbeit Herberts wie die grundlegende Studie Michael Wildts über das Reichssicherheitshauptamt lenkten den Blick auf einen weltanschaulich determinierten und aus der Mitte der Gesellschaft stammenden Tätertypus, den die ältere Forschung in ihrer Fixierung auf „Hitlers Weltanschauung” kaum zur Kenntnis genommen hatte.

Gleichzeit hob vor allem die Arbeit Michael Wildts hervor, dass das Handeln der Täter aus der „Kriegsjugendgeneration” schwerlich unmittelbar aus biografischen Prägungen monokausal abgeleitet werden könne, sondern einem Ensemble von Bedingungsfaktoren unterläge, bei dem die institutionelle Handlungspraxis, der Handlungsraum und die Handlungssituation eine zentrale Rolle spielten. Mithin können auch die Biografien der Täter nicht teleologisch auf die spätere Tat zugespitzt werden.

Nähere biografische Analysen zeigten zudem, dass die Täter nicht allein der „Kriegsjugendgeneration” entstammten, sondern verschiedenen Generationen angehörten und auch aus unterschiedlichen sozialen Gruppen der deutschen Gesellschaft kamen. Letztlich erwies sich keine Alterskohorte und keine soziale Formation gegenüber den NS-Verbrechen als immun. Dies gilt auch für das Geschlecht, auch wenn die Zahl der Täterinnen – verglichen mit der riesigen Mehrheit männlicher Täter – sehr gering blieb. Von daher wäre es problematisch, die NS-Verbrechen mit einem allein täterbiografischen Ansatz entschlüsseln zu wollen.[16] Dies zeigen nicht zuletzt die biografischen Annäherungen an prominente Täter, in deren frühen Lebenswegen, Erfahrungen und Eigenschaften nahezu nichts an ihre späteren Karrieren als Massenmörder erinnert. So trat beispielsweise Reinhard Heydrich 1931 der NSDAP und SS nicht aus ideologischer Überzeugung bei, sondern weil er dringend eine Stelle benötigte, die im Umfeld Himmlers zu vergeben war. Wäre er nicht zuvor unehrenhaft aus der Marine entlassen worden, hätte er sich auch nicht zum Spiritus Rector des Massenmordes entwickelt, sondern wäre mit größter Wahrscheinlichkeit ein eher unpolitischer Marineoffizier geblieben.[17]

Skepsis ist auch gegenüber der These angebracht, dass viele Täter biografisch durch ein Kontinuum von Gewalterfahrungen geprägt gewesen seien, sodass ihre Lebenswege als „Karrieren der Gewalt” bezeichnet werden können, als „Aufstieg eines kriminellen Milieus der Gewalt”, für das der Holocaust biografisch „das Finale einer endlosen Welle alltäglicher Gewalt” gewesen sei, „die z.T. bereits vor dem Ersten Weltkrieg und der Nachkriegskrise ihren Lauf” genommen habe.[18] Jüngere Analysen haben jedoch diese „Brutalisierungsthese” nachdrücklich in Frage gestellt und argumentiert, dass nicht primär die Gewalterfahrung z.B. des Kriegs weitere Gewalt generiert hätte, sondern der Deutung dieser Erfahrungen durch die politische Kultur eine entscheidende Funktion zugekommen sei.[19] Zudem spricht gegen die Brutalisierungsthese, dass sich die jeweiligen Gewaltsituationen und ihre Opfer zumeist fundamental unterschieden. So zielte beispielsweise die politische Straßengewalt der Weimarer Republik in erster Linie auf die symbolische Beherrschung der Straße ab, nicht aber auf die physische Auslöschung des Gegners. Schon deshalb besteht kein unmittelbarer Zusammenhang zum späteren Holocaust, dem mehrheitlich Frauen, Kinder und ältere Menschen zum Opfer fielen.

Zusammenfassend ist also festzustellen, dass am ehesten für die aus der „Kriegsjugendgeneration” stammenden Weltanschauungseliten im Reichssicherheitshauptamt ein überzeugender biografischer und generationeller Zusammenhang zu deren späterem Täterhandeln hergestellt werden kann. Aber auch dieser Zusammenhang war keineswegs linear, wie Michael Wildt überzeugend resümiert: „Erst aus der Verbindung einer generationellen Erfahrung, die sich zu einer spezifischen Weltanschauung formte, und einer Institution neuen Typs wie dem Reichssicherheitshauptamt sowie den Bedingungen des Krieges lässt sich die Praxis dieser Akteure erklären. Der Genozid befand sich keineswegs im Horizont dieser Täter, als sie nach der Universität zum SD oder zur Gestapo kamen.”[20]

Die institutionell geformte Handlungspraxis der Täter

Das Handeln der Täter ordnete sich demnach nur bedingt in biografische Kontinuitätsmuster ein. Auch die Frage nach der persönlichen Motivation der Täter ist insofern wenig zielführend, als sie das Dilemma der Nachkriegsjustiz reproduziert, die sich oft vergeblich bemühte, Angeklagten eine solche Motivation nachzuweisen, weil sich die klassische Definition von Mord mit primär individuellen Motiven (Habgier, Eifersucht, sexuelle Motive etc.) verknüpft. Das Handeln der Täter wurde jedoch vor allem durch jene NS-Institutionen und ihre Handlungspraxis bestimmt, in denen die späteren Täter sozialisiert und geprägt wurden. Es fällt auf, dass die Forschung dieser institutionellen Handlungspraxis eine eher geringe Aufmerksamkeit geschenkt hat, vor allem der „weltanschaulichen Erziehung”, die grundlegende Feindbilder determinierte und einen Referenzrahmen schuf, der die Handlungspraxis zentral bestimmte. Nähere Analysen zeigen, dass dieser Schulung zwar keine tatauslösende Bedeutung zukam, diese aber eine notwendige Bedingung für das Mordgeschehen darstellte.[21]

Viele Befunde der Täterforschung deuten überdies darauf hin, den Faktor „Weltanschauung” nicht allein als abstrakt-theoretisches, durch Schulung und Erziehung vermitteltes Sinndeutungssystem zu verstehen, sondern Ideologie nicht zuletzt praxeologisch zu definieren. Der weltanschauliche Referenzrahmen wurde als gültige Norm nicht zuletzt durch die Mordpraxis selbst handlungstheoretisch fundiert und bestätigt.[22]

Im Hinblick auf die institutionelle Handlungspraxis dominierte lange Zeit die Vorstellung, diese sei durch eine den modernen Bürokratien inhärente Reduktion und Parzellierung von Verantwortung geprägt gewesen. Demnach erweise sich die Arbeitsteiligkeit und Komplexität moderner Bürokratien für die Exekution von Staatsverbrechen als besonders geeignet, weil eine komplexe Bürokratie die konkrete Verantwortung des einzelnen Beteiligten minimiere und ihrer moralischen Bezüge beraube, sodass die bürokratische Einzelhandlung mit dem Gesamtverbrechen in einem kaum noch vermittelbaren Zusammenhang stehe.[23] Demgegenüber hat die neuere Täterforschung herausgearbeitet, dass für viele Täter das genaue Gegenteil zutraf, deren Handlungsraum also nicht begrenzt, sondern fundamental entgrenzt wurde. So waren besipielsweise die in den Konzentrationslagern eingesetzten SS-Männer jeder rechtsstaatlich-normativen Kontrolle entzogen. Wer Häftlinge brutal behandelte, ja tötete, musste mit keinerlei Sanktionen rechnen. Im Gegenteil gehörte die Ausübung massiver Gewalt zu einem Initiationsritus, den die Angehörigen der Konzentrationslager-SS absolvieren mussten, deren sozialer Zusammenhalt vor allem auf gemeinsam ausgeübter Gewalt beruhte.[24]

Auch das Reichssicherheitshauptamt entzog sich schon wegen seiner hochgradig fluiden Struktur allen Mustern klassischer bürokratischer Organisation. Nicht die klassische Verwaltung, sondern die „kämpfende Verwaltung” galt als Ideal, nicht der bürokratische Bedenkenträger oder der „Tintenritter” durfte auf Beachtung und Beförderung hoffen, sondern der „Draufgänger”, der jenseits des Schreibtisches agierte und sich in seinem Handeln nicht durch Recht und Gesetz hindern ließ, wenn die „Reinhaltung von Volk und Rasse” ein hartes Durchgreifen zu verlangen schien.[25] Diese Entgrenzung der Handlungspraxis ging mit ungeahnten Karrieremöglichkeiten einher und eröffnete ehrgeizigen jungern Männern Einflussmöglichkeiten und Machtpositionen, in die sie qua Lebensalter und Qualifikation normalerweise niemals gekommen wären. Auf diese Weise beförderte die institutionell determinierte Handlungspraxis eine Radikalisierungsspirale, die für die Eskalation der Mordpraxis und das Handeln der Täter konstitutiv war.

Situative und sozialpsychologische Aspekte

Das Gros der Täter handelte nicht isoliert, sondern zumeist in militärischen oder militärähnlichen Formationen, die auf dem Prinzip von Befehl und Gehorsam basierten. Nicht minder wichtig für das Verhalten der Täter war jedoch der innere Zusammenhalt der entsprechenden Einheiten, die durch „Kameradschaft” hergestellt wurde. Schon Christopher Browning hatte in seiner Analyse der Mordpraxis des Reserve-Polizeibataillons 101 auf den Gruppendruck als zentrale Handlungskonstante der Bataillonsangehörigen hingewiesen. Wichtig war vor allem, seine „Kameraden” nicht im Stich zu lassen. Wer das Angebot des Kommandeurs annahm, sich an den befohlenen Exekutionen nicht zu beteiligen, sah sich schnell dem Vorwurf ausgesetzt, den anderen die „Drecksarbeit” überlassen zu wollen. Dieser sozialpsychologische Gruppenmechanismus hielt die Zahl der Abweichler denkbar gering. Überdies setzte schnell ein Gewöhnungseffekt ein, der das Töten immer leichter machte und die Mordeinheiten zu verschworenen Gemeinschaften zusammenwachsen ließ, deren innerer Zusammenhalt schließlich vor allem auf der gemeinsam verübten Gewalt beruhte. Die Dynamik des Tötens wurde besonders durch den Umstand vorangetrieben, dass es psychologisch weitaus leichter war, einfach weiterzumachen als aufzuhören, weil dies das Eingeständnis vorausgesetzt hätte, einen Fehler gemacht zu haben.[26]

Der Journalist Sebastian Haffner, der 1933 an einem Lager für Justizreferendare teilgenommen hatte, bezeichnete den inneren Zusammenhalt bereits früh als „Gift der Kameradschaft”: „Die Kameradschaft beseitigt völlig das Gefühl der Selbstverantwortung. Der Mensch, der in der Kameradschaft lebt, ist jeder Sorge für die Existenz, jeder Härte des Lebenskampfs enthoben. Viel schlimmer ist, dass Kameradschaft dem Menschen auch die Verantwortung für sich selbst und vor Gott und seinem Gewissen abnimmt. Er tut, was alle tun. Er hat keine Wahl. Er hat keine Zeit, nachzudenken. Sein Gewissen sind die Kameraden und es erteilt ihm Absolution für alles, solange er tut, was alle tun.”[27]

Die „Kameradschaft” in nationalsozialistischen Organisationen ersetzte eine universelle Moral durch eine partikulare Gruppenmoral, die dem Prinzip der Schamkultur verpflichtet war und Prinzipien wie „Ehre” oder „Anständigkeit” nicht im Sinne universal gültiger Normen propagierte, sondern allein auf das Wohl und die Interessen der Gruppe bezog.[28] Doch nicht nur die im Osten agierenden Mordeinheiten, sondern fast alle NS-Organisationen, nicht zuletzt die Wehrmacht,[29] bauten auf der „Kameradschaft” auf, die ein wichtiges Ordnungsprinzip der nationalsozialistischen „Volksgemeinschaft” war. Auch in diesem Zusammenhang stellt sich deshalb die Frage, wie und ob „Täter” und „Gesellschaft” überhaupt voneinander abgegrenzt werden können. Kann eine gemeinschaftsbildende Wirkung von Gewalt nicht auch für die Gesamtheit der deutschen Gesellschaft festgestellt werden?[30]

So nahe es liegt, hier Parallelen zu ziehen, so ist doch gleichzeitig Skepsis gegenüber vorschnellen Analogien am Platz. Die auch in der NS-Zeit vergleichsweise komplexe deutsche Gesellschaft war mehr als eine bloße Addition von Kameradschaften, und obwohl sich die Handlungsbedingungen an der „Heimatfront” denen der Front zunehmend anglichen, blieben grundlegende Differenzen zwischen der Zivilgesellschaft und den militärischen Formationen bestehen. Im Hinblick auf die Gemeinschaftsbildung machte es einen substanziellen Unterschied, ob man Morde gemeinsam beging oder lediglich von ihnen wusste, ohne unmittelbar beteiligt zu sein.[31]

Ohne den Krieg, der Tätern ungeahnte Handlungsmöglichkeiten verschaffte und spezifische Handlungsbedingungen schuf, die im zivilen Leben undenkbar waren, wäre eine vergleichbare Eskalation von Gewalt und Vernichtung nicht möglich gewesen. Der Krieg und die ihm zugrundeliegenden Feindbilder strukturierte Zugehörigkeiten, schuf einen spezifischen Referenzrahmen des Verhaltens und konfrontierte die Akteure mit Rollenerwartungen, denen sich die Mehrheit reibungslos anpasste.[32]

Situative und sozialpsychologische Aspekte haben in der Täterforschung in den letzten Jahren zu Recht wachsende Bedeutung gewonnen. Sie stehen jedoch vor dem immanenten Problem, die grundlegenden Determinanten des Täterhandelns, d.h. den „Referenzrahmen” zu universalisieren, wo es eher darauf ankäme, diesen Referenzrahmen historisch-spezifisch zu analysieren. Jedenfalls wäre eine Universalisierung der kriegsbedingten Verhaltensmuster nicht in der Lage, die je nach Krieg deutlichen Verhaltensunterschiede zu erklären – zum Beispiel der deutschen Besatzungstruppen in Osteuropa, die im Ersten Weltkrieg von den osteuropäischen Juden noch als Befreier vom zaristischen Joch begrüßt worden waren.

Situative Aspekte haben über den engeren Rahmen der Täterforschung hinaus eine wachsende Bedeutung für die Erklärung von Massenverbrechen erlangt, häufig in Verbindung mit den Begriffen „Raum” und „Gewalt”.[33] Dies ermöglicht zweifellos eine integrierende Perspektive auf mörderisch-repressive Handlungen gegen unterschiedlichste Gruppen in einem Territorium, nicht zuletzt in zeitlicher Längsschnittperspektive. Dabei steht vor allem der osteuropäische Raum im Mittelpunkt, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch lang anhaltende Massengewalt erschüttert wurde. Diesem analytischen Vorteil des Gewaltbegriffs stehen jedoch auch Nachteile entgegen, die vor allem mit seinem amorph-unspezifischen Charakter verbunden sind; er wird oft selbsterklärend verwendet und insinuiert Kausalitäten, Kontinuitäten und Zusammenhänge, die durch genauere Analyse erst erhärtet werden müssten. Intentionale Momente treten – anders als bei traditionellen Begriffen wie „Vernichtung” oder „Terror” – weitgehend zurück. Natürlich lässt sich der Holocaust als eine Form der Massengewalt im 20. Jahrhundert interpretieren, wobei dann allerdings seine Spezifika eher eingeebnet werden, z.B. dass er sich als systematischer raumübergreifender Massenmord nicht auf ein spezifisches Territorium begrenzte.

Insgesamt ermöglicht die Täterforschung keinen einfachen Königsweg zur Erklärung der NS-Verbrechen. Sie ist keine Methode, sondern vor allem eine Perspektive, die in den letzten zwanzig Jahren zu einer bis dahin unbekannten empirischen Rekonstruktion des Holocaust aus der Nahperspektive geführt und dabei frühere Grundannahmen über den nationalsozialistischen Völkermord korrigiert hat. Dabei können Täter und Gesellschaft jedoch nicht einfach voneinander getrennt werden, wie auch die Tätergeschichte und die Gesellschaftsgeschichte der Gewalt im „Dritten Reich” über eine gemeinsame Schnittmenge verfügen.[34] Eine isolierte Tätergeschichte stößt in monokausaler Zuspitzung schnell ins Leere. Lohnend scheint vor allem, sie mit strukturellen und institutionellen Ansätzen zu kombinieren, die in den letzten zwanzig Jahren stark ins Hintertreffen geraten sind, aber immer noch wichtige Erkenntnisse versprechen, sofern sie nicht auf strukturelle Selbstläufe ohne handelnde Personen und Leitbilder verengt werden.[35] Je mehr die Täterforschung von monokausalen Analysen und biografischen Verengungen Abstand hält und stattdessen unterschiedliche Ansätze miteinander verknüpft, desto überzeugender fallen auch ihre Ergebnisse aus.[36] Überzeugende Antworten versprechen multiperspektivisch angelegte Forschungen, die sich nicht zuletzt der jeweiligen Grenzen der Erklärungskraft bewusst sind.

Anmerkungen

  1. Vgl. u.a. Gerhard Paul (Hrsg.), Die Täter der Shoah. Fanatische Nationalsozialisten oder ganz normale Deutsche? Göttingen 2002; Jürgen Matthäus, Historiography and the Perpetrators of the Holocaust, in: Dan Stone (Hrsg.), The Historiography of the Holocaust, New York 2004, S. 197-215; Donald Bloxham, The Final Solution. A Genocide, Oxford 2009, S. 259-299; Thomas Sandkühler, Die Täter des Holocaust. Neuere Überlegungen und Kontroversen, in: Karl-Heinrich Pohl (Hrsg.), Wehrmacht und Vernichtungspolitik. Militär im nationalsozialistischen System, Göttingen 1999, S. 39-65.
  2. Daniel Jonah Goldhagen, Hitler’s Willing Executioners. Ordinary Germans and the Holocaust, New York 1996; Christopher Browning, Ordinary Men. Reserve Police Battalion 101 and the Final Solution in Poland, New York 1992.
  3. Vgl. zum Beispiel Buchtitel wie Kathrin Kompisch, Täterinnen: Frauen im Nationalsozialismus, Köln 2008; Nina Grunenberg, Die Wundertäter. Netzwerke der deutschen Wirtschaft 1942 bis 1966, München 2006.
  4. Michael Greve, Täter oder Gehilfen? Zum strafrechtlichen Umgang mit NS-Gewaltverbrechern in der Bundesrepublik Deutschland, in: Ulrike Weckel/Edgar Wolfrum (Hrsg.), „Bestien” und „Befehlsempfänger”. Frauen und Männer in NS-Prozessen nach 1945, Göttingen 2003, S. 194-221.
  5. Hannah Arendt, Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen, München 1964; David Cesarani, Adolf Eichmann. Bürokrat und Massenmörder, München 2004; ders., After Eichmann. Collective Memory and the Holocaust since 1961, London 2005; Irmtrud Wojak, Eichmanns Memoiren. Ein kritischer Essay, Frankfurt a.M. 2004; Bettina Stangneth, Eichmann vor Jerusalem. Das unbehelligte Leben eines Massenmörders, Zürich 2011.
  6. Herbert Jäger, Verbrechen unter totalitärer Herrschaft. Studien zur nationalsozialistischen Gewaltkriminalität, Hamburg 1966; Adalbert Rückerl (Hrsg.), NS-Prozesse. Nach 25 Jahren Strafverfolgung: Möglichkeiten, Grenzen, Ergebnisse, Karlsruhe 1971.
  7. Raul Hilberg, The Destruction of the European Jews, Chicago 1961, zit. nach der dritten Neuauflage, New Haven 2004, S. 1084. Eine deutsche Fassung erschien erst mit über zwanzigjähriger Verspätung in einem Berliner Kleinverlag: Die Vernichtung der europäischen Juden. Die Gesamtgeschichte des Holocaust, Berlin 1982.
  8. Zahlen nach Dieter Pohl, Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933-1945, Darmstadt 2003, S. 29; ders., Holocaust. Die Ursachen, das Geschehen, die Folgen, Freiburg 2000, S. 129.
  9. Vgl. Jan T. Gross, Neighbors. The Destruction of the Jewish Community in Jedwabne, Poland, Princeton 2001.
  10. Vgl. u.a. Christian Hartmann/Joannes Hürter/Ulrike Jureit (Hrsg.), Verbrechen der Wehrmacht. Bilanz einer Debatte, München 2005.
  11. Bogdan Musial, Deutsche Zivilverwaltung und Judenverfolgung im Generalgouvernement. Eine Fallstudie zum Distrikt Lublin 1939-1944, Wiesbaden 1999.
  12. Timothy Snyder, Bloodlands. Europe between Hitler and Stalin, London 2010.
  13. Vgl. u.a. Christopher Browning, The Decision-Making Process, in: Dan Stone (Hrsg.), The Historiography of the Holocaust, New York 2004, S. 173-196; Peter Longerich, Politik der Vernichtung. Eine Gesamtdarstellung der nationalsozialistischen Judenverfolgung, München 1998.
  14. Ulrich Herbert, Best. Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft 1903-1989, Bonn 1996.
  15. Michael Wildt, Generation des Unbedingten. Das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamtes, Hamburg 2002.
  16. Vgl. Hans Mommsen, Probleme der Täterforschung, in: Helgard Kramer (Hrsg.), NS-Täter aus interdisziplinärer Perspektive, München 2006, S. 425-433.
  17. Robert Gerwarth, Reinhard Heydrich. Biographie, München 2011.
  18. Klaus Michael Mallmann/Gerhard Paul (Hrsg.), Karrieren der Gewalt. Nationalsozialistische Täterbiographien, Darmstadt 2004, S. 5, 16.
  19. Vgl. Dirk Schumann, Europa, der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit. Eine Kontinuität der Gewalt?, in: Journal of Modern European History 1 (2003), H. 1, S. 25.
  20. Wildt, Generation, S. 847.
  21. Jürgen Matthäus u.a., Ausbildungsziel Judenmord? „Weltanschauliche Erziehung“ von SS, Polizei und Waffen-SS im Rahmen der „Endlösung“, Frankfurt a.M. 2003.
  22. Darauf verweist u.a. Bloxham, Final Solution, S. 259ff.
  23. Zygmunt Bauman, Modernity and the Holocaust, Cambridge 1989; dt. Ausgabe: Dialektik der Ordnung. Die Moderne und der Holocaust, Hamburg 1992.
  24. Karin Orth, Die Konzentrationslager-SS. Sozialstrukturelle Analysen und biographische Studien, Göttingen 2000.
  25. Vgl. Wildt, Generation, S. 209ff.
  26. Vgl. Harald Welzer, Täter. Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden, Frankfurt a.M. 2007.
  27. Sebastian Haffner, Defying Hitler, New York 2002, S. 290; dt.: Geschichte eines Deutschen. Die Erinnerungen 1914-1933, Stuttgart 2002.
  28. Raphael Gross, Anständig geblieben. Nationalsozialistische Moral, Frankfurt a.M. 2010.
  29. Thomas Kühne, Kameradschaft. Die Soldaten des nationalsozialistischen Krieges und das 20. Jahrhundert, Göttingen 2006.
  30. In diesem Sinne argumentiert Thomas Kühne, Belonging and Genocide. Hitler’s Community 1918-1945, New Haven 2010.
  31. Zum Wissen der deutschen Gesellschaft über den Holocaust vgl. Frank Bajohr/Dieter Pohl, Der Holocaust als offenes Geheimnis. Die Deutschen, die NS-Führung und die Alliierten, München 2006; Bernward Dörner, Die Deutschen und der Holocaust. Was niemand wissen wollte, aber jeder wissen konnte, Berlin 2007; Peter Longerich, „Davon haben wir nichts gewusst!“ Die Deutschen und die Judenverfolgung 1933-1945, München 2006.
  32. Vgl. Harald Welzer/Sönke Neitzel, Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben, Frankfurt a.M. 2011.
  33. Dieter Pohl, Massengewalt und der Mord an den Juden im „Dritten Reich”, in: Fritz Bauer Institut/Sybille Steinbacher (Hrsg.), Holocaust und Völkermorde. Die Reichweite des Vergleichs, Frankfurt a.M. 2012, S. 107-123; Jörg Baberowski (Hrsg.), Gewalträume. Soziale Ordnungen im Ausnahmezustand, Frankfurt a.M. 2012; ders., Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt, München 2012.
  34. Vgl. Christian Gerlach, Extrem gewalttätige Gesellschaften. Massengewalt im 20. Jahrhundert, München 2011, der sich freilich auf den Holocaust nur am Rande bezieht.
  35. In diesem Sinne argumentiert auch Donald Bloxham, Final Solution, S. 299: „Yet the organizations were themselves composed of humans acting in accordance with values, beliefs, and interests, each of which varied according to time and place. ¸Structure’, agency, and the acculturated person were brought together within these microcosmic communities.”
  36. Eine beispielhafte Verknüpfung biografischer, generationeller, institutionenspezifischer und situativer Ansätze findet sich vor allem bei Wildt, Generation.

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Material
LITERATURHINWEISE (6)
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Donald Bloxham, The Final Solution. A Genocide, Oxford 2009.

Ulrich Herbert, Best. Biographische Studien über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft, 1903-1989, Dietz, Bonn 1996, ISBN 3-8012-5019-9.

Karin Orth, Die Konzentrationslager-SS. Sozialstrukturelle Analysen und biographische Studien, Göttingen 2000.

Gerhard Paul (Hrsg.), Die Täter der Shoah. Fanatische Nationalsozialisten oder ganz normale Deutsche?, Göttingen 2002.

Harald Welzer, Täter. Wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden, Frankfurt a.M. 2007.












Neuere Taeterforschung








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[[HasCaption::"Arbeit macht frei", Eingangstor des KZ Auschwitz, Polen 2005, Foto: Saforrest Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)| ]]
























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