Titoismus

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Das politische und ökonomische System in Jugoslawien unter Josip Broz Tito hat für unterschiedliche Perioden verschiedene Bedeutungen gehabt und sich in Brüchen und Zäsuren alles andere als linear entwickelt. Hannes Grandits zeigt aber auch, dass es trotz aller Wandlungen Züge des jugoslawischen Sozialismus gab, die ab einer gewissen Zeit stabil blieben und den „Titoismus” ausmachten: „Arbeiterselbstverwaltung“ in der Wirtschaft, „Brüderlichkeit und Einheit“ in der Nationalitätenpolitik und „Blockfreiheit" in der Außenpolitik“.
Titoismus. Ein wandelbares Gesellschaftssystem in Zeiten des Kalten Kriegs

von Hannes Grandits

Anfang der 1970er-Jahre beschäftigte sich die amerikanische Soziologin Sharon Zukin längere Zeit in Jugoslawien mit der Frage, wie sich das politische, ökonomische und gesellschaftliche System der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien – damals im Ausland, aber nicht in Jugoslawien selbst als „Titoismus” bezeichnet – am besten fassen ließe. Gleichzeitig versuchte sie auch, gestützt auf viele Interviews mit Frauen und Männern aus verschiedenen Generationen und Milieus (insbesondere der Belgrader Gesellschaft), zu eruieren, welche weiteren Entwicklungen die Menschen damals für den „jugoslawischen Sozialismus” als erstrebenswert oder möglich hielten. Zukins Forschungsergebnisse, die 1975 in einem Buch mit dem Titel „Beyond Marx and Tito. Theory and Practice in Yugoslav Socialism”[1] publiziert wurden, bieten eine einsichtsreiche Momentaufnahme. Sie geben gleichzeitig Einblicke sowohl in die damalige soziologische Verortbarkeit des „Titoismus” als auch in zeitgenössische innerjugoslawische Alltagseinordnungen desselben, wenn auch vor allem aus urbaner Sicht. Indirekt vermittelt wird auch ein guter Eindruck von der immensen Wandelbarkeit des „Titoismus” in den Jahrzehnten zuvor. Zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buchs Mitte der 1970er-Jahre war die unmittelbare zukünftige Entwicklung mehr als unklar. Beides, historische Wandelbarkeit wie auch die große Unklarheit über die weitere Orientierung des jugoslawischen politischen und ökonomischen Systems, versuchte Zukin über die hier zitierte Grafik zu veranschaulichen. „Titoismus” als politisches und ökonomisches System wird dort in der frühen Zeit gänzlich anders verortet als in den 1970er-Jahren. Und auch für die anschließende Entwicklung schienen verschiedene Szenarien – hier über Pfeile mit Fragezeichen angedeutet – denkbar.

Politische Orientierungen in Jugoslawien von 1945 bis in die 1970er-Jahre; Grafik nach: Sharon Zukin, Beyond Marx and Tito. Theory and Practice in Yugoslav Socialism, Cambridge 1975, S. 143.
Politische Orientierungen in Jugoslawien von 1945 bis in die 1970er-Jahre; Grafik nach: Sharon Zukin, Beyond Marx and Tito. Theory and Practice in Yugoslav Socialism, Cambridge 1975, S. 143.


Diese Grafik dient der Veranschaulichung einer grundsätzlichen Ausgangsthese dieses Beitrags: „Titoismus” hat für unterschiedliche Perioden, rückblickend gesehen, verschiedene Bedeutungen gehabt und sich in Brüchen und Zäsuren alles andere als „linear” entwickelt. „Umkehrungen” im politischen Kurs fanden wiederholt statt und blieben bis zuletzt weiter möglich. Diesen grundsätzlichen Befund gilt es jedoch zu ergänzen durch die Tatsache, dass es trotz aller Wandlungen Züge im jugoslawischen Sozialismus gab, die schon von Anfang an bzw. früh etabliert wurden und danach durchgehend wichtig blieben. Das gilt zweifellos für die „Brüderlichkeit und Einheit” in der Nationalitätenpolitik, die „Arbeiterselbstverwaltung” in der Wirtschaft und die „Blockfreiheit” in der Außenpolitik. In der Propagierung dieser Leitparolen entwickelte und wandelte sich das „titoistische” politische und ökonomische System. Im Laufe seiner Existenz war es im Stande, auch Entwicklungen, die nicht unbedingt als „typisch” für eine sozialistische Gesellschaftsauffassung angesehen werden, mit einem spezifisch jugoslawischen Weg zum Sozialismus zu vereinen. Dazu gehörten ab einer gewissen Zeit ganz stark etwa marktwirtschaftliche und konsumgesellschaftliche Elemente, eine offen gestattete Reisefreiheit für alle Bürger, die ab den 1960er-Jahren auch eine massive „Gastarbeiter”-Migration zur Folge hatte, oder auch eine im jugoslawischen Alltag einziehende „Rockmusikkultur”. Weitere Aspekte könnten noch genannt werden.

Der Beitrag beschäftigt sich mit den hier erwähnten Facetten. Sie werden in eine chronologische Herangehensweise eingebettet, die sich der Darstellung und Charakterisierung des „Titoismus” über die Behandlung der folgenden Fragen annähert: In welcher Weise etablierte sich das sozialistische System in Jugoslawien? Über welche Zäsuren und Brüche lässt sich „Titoismus” in Jugoslawien am besten verstehen? Und welche Charakterisierungen legen es nahe, einzelne Perioden voneinander abzusetzen? Zunächst soll aber mit einem kurzen Kommentar die vielschichtige Forschungsgeschichte zum „Titoismus” angerissen werden.


Einige Tendenzen in der Forschungsgeschichte zum „Titoismus”

Wenn es um die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem politischen und gesellschaftlichen System des sozialistischen Jugoslawien geht, so liegt es nahe, die Reflexionen über das „eigene” System zu Zeiten sozialistischer Herrschaft im ehemaligen Jugoslawien selbst und den Blick „von außen” – in Zeiten des Kalten Kriegs – differenziert voneinander zu kommentieren. Nebst einem dynamischen historischen Wandel in den Deutungen gilt es auch generell, eine starke „disziplinäre” Auffächerung vor Augen zu haben. Nicht zuletzt kann zudem konstatiert werden, dass es spätestens ausgelöst durch den gewaltüberschatteten Staatszusammenfall der 1990er-Jahre zu einem tiefem Bruch in den Deutungen über den „Titoismus” kam, was auch mit der Auflösung der bipolaren Deutungsansätze nach Ende des Systemgegensatzes verbunden war.

Die „einheimische” jugoslawische Forschung durchlief in den Jahrzehnten von den 1940er- bis in die späten 1980er-Jahre verschiedene Phasen. Lange Zeit dominierten in erster Linie Arbeiten, die in stark ideologisierter Form den jeweiligen aktuellen Stand der Entwicklungen des Sozialismus in Jugoslawien „affirmierten”. Viele Studien befassten sich insbesondere mit den eigenen ideologischen Grundlagen des politischen und gesellschaftlichen Systems.[2] Dieser Ansatz war bis zum Ende des Staats stark ausgeprägt. Obwohl „auf Linie” liegend, entstanden hierbei nicht wenige sehr anspruchsvolle Bücher. Diese priesen zwar nachdrücklich das System Jugoslawiens unter Tito, sie lieferten aber auch vielschichtige Analysen zur inneren Verfasstheit der Gesellschaft.[3] Im jugoslawischen Forschungsbetrieb entwickelte sich – und das war wohl ein besonderes Kennzeichen im Vergleich zur in der Regel viel stärker „gleichgeschalteten” Wissenschaft im „sozialistischen Block” – mit der Zeit gleichzeitig auch eine sehr offene und dezidiert kritische Linie in der Auseinandersetzung mit dem eigenen gesellschaftlichen System. Diese kam in den 1960er- und 1970er-Jahren etwa von Vertretern einer kritischen marxistisch-inspirierten Philosophie (Stichwort „Praxis-Gruppe”).[4] Aber auch die Soziologie oder etwa die ökonomischen Wissenschaften entwickelten schon früh und dann insbesondere im Übergang von den 1970er- zu den 1980er-Jahren eine besonders „offene” und kritische Herangehensweise.[5] Zwar wachte „das System” auch im sozialistischen Jugoslawien lange Zeit sehr genau darüber, dass die – in vielen Zeiten jedoch oft weit gefassten – Grenzen des Sagbaren nicht überschritten wurden, und sanktionierte auch immer wieder restriktiv, falls dies geschah. Dennoch kann vor allem für die Spätzeit des jugoslawischen Systems von einer recht vielfältigen und bei aller Systemkonformität auch kritischen wissenschaftlichen Szene im sozialistischen Jugoslawien gesprochen werden.

Beim Blick auf die internationale Beschäftigung mit dem „Titoismus” sollten für die Zeit des Kalten Kriegs die übrigen Länder des Ostblocks nicht vergessen werden. Doch blieben die Publikationen relativ überschaubar.[6] Es war vor allem der „Westen”, der enormes Interesse am sozialistischen Jugoslawien und seinem politischen System entwickelte. Da Jugoslawien lange das einzige Land war, in dem westliche, also auch amerikanische Forscher/innen wie Anthropologen, Historiker, Politikwissenschaftler vor Ort arbeiten konnten, entwickelten sich schon seit den 1950er-Jahren in mehreren europäischen Ländern und den Vereinigten Staaten verschiedene Forschungsmilieus, die sich intensiv mit dem politischen und gesellschaftlichen Leben im sozialistischen Jugoslawien auseinandersetzten.[7] Sie standen mitunter in Kontinuität zu früheren Forschungstraditionen zum Beispiel im deutschsprachigen Raum.[8]

Vielfach entstanden aber auch neue Traditionen, die in den USA etwa stark vom Duktus einer durch den Kalten Krieg mitgeprägten Systempolarität bestimmt waren. Ein großes Interesse bestand vor allem an der jugoslawisch-sozialistischen Entwicklung von gesellschaftlicher „Modernisierung”; hier wurden in der Folge auch viele jugoslawische Veröffentlichungen von der internationalen Forschung rezipiert[9] bzw. kam es zu verschiedenen Formen der Kooperation. Über die Jahrzehnte hinweg bildeten sich unterschiedliche Traditionen heraus, was sowohl für den europäischen (deutschen, österreichischen, britischen etc.) als auch für den anglo-amerikanischen Raum gilt. Allein der Blick auf das Thema Jugoslawien im Wandel der letzten Jahrzehnte innerhalb der Association for Slavic and East European Studies (und ihres offiziellen Organs, der „American Slavic and East European Review” von 1945-1961[10]; seit 1961 Slavic Review[11]) zeigt, wie diffizil solch ein Unterfangen ist. Auch der Blick auf die Beschäftigung im deutschsprachigen Raum mit dem „Titoismus” bzw. dem jugoslawischen politischen und gesellschaftlichen System seit den 1950er-Jahren wäre einen eigenen Forschungsbeitrag wert.[12]

Unbestritten ist jedoch, dass die Sichtweisen auf den „Titoismus” vor allem zeitgebunden einzuschätzen sind. Dabei unterlagen grundsätzliche Einschätzungen auch fundamentalen Wandlungsprozessen. Der Blick auf das sozialistische System blieb in der westlichen Forschungsliteratur zwar immer mit einer gewissen und grundlegenden Skepsis verbunden. Doch lange Zeit, vor allem nachdem sich Jugoslawien früh aus der engen Anlehnung an die sowjetische Herrschaft gelöst bzw. als „blockfreier” Staat zwischen Ost und West inszeniert hatte, waren meist positiv gefärbte und optimistische Sichtweisen vorherrschend. Die jugoslawischen Modernisierungserfolge und eine im Vergleich zu anderen sozialistischen Staaten ausgeprägte „Liberalität” und Offenheit etwa im Bereich der Reisefreiheit oder des Tourismus wurden als Erfolge gewürdigt. Positiv gedeutet wurde auch die Überwindung der Folgen des Zweiten Weltkriegs, in dem die jugoslawische Gesellschaft massiv durch die faschistische Eroberung und Besatzung sowie einen inneren Bürgerkrieg traumatisiert worden war.[13]

Retrospektiv gesehen, kam es zu einer Ablösung der grundsätzlich positiven Einschätzung der jugoslawischen Nachkriegsgeschichte hin zu zunehmend pessimistischen und später dann mitunter auch oft recht teleologischen Interpretationen des titoistischen Wegs.[14] Mit dem Staatszerfall und dem damit einhergehenden Krieg der 1990er-Jahre kippte die Einschätzung des „Titoismus” dann vollends. In den jugoslawischen Nachfolgestaaten ist nach dem Zerfall Jugoslawiens die Auseinandersetzung mit dem sozialistischen „Vorgängerstaat” vielfach sehr ideologisiert geblieben. War in sozialistischer Zeit die ideologisierte „Affirmierung” des sozialistischen Systems bei einem Gros der wissenschaftlichen Produktion sicherlich dominant, ist retrospektiv in vielen der Forschungsdisziplinen der nun unabhängigen Staaten das nationale Narrativ auch mit Blick auf den „Titoismus” zentral. Das gilt ganz sicherlich vor allem für die Forschungsproduktion in den 1990er-Jahren in den damals besonders stark von der gewaltsamen Zerfallskrise betroffenen ehemaligen Republiken. Neben diesem durchaus wohl noch immer vorherrschenden Zug haben sich konträr auch explizit positiv gefasste, zum Teil „jugonostalgische” Ansätze immer mehr Raum verschaffen können.[15] Auch innovative Zentren der Sozialismusforschung mit explizitem Bezug auf Jugoslawien haben sich in den letzten Jahren etablieren können und zeugen von einem großen Interesse an wissenschaftlicher Vernetzung und Austausch.[16]

Sowohl in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens wie im internationalen Forschungsbetrieb stieg seit den 1990er-Jahren und auch danach die Zahl der Studien, die verschiedene Facetten der jugoslawischen gesellschaftlichen Entwicklung in der Ära Tito thematisieren und in einer differenzierteren Weise einzuordnen versuchen, sodass mittlerweile ein ausgesprochen guter Forschungsstand besteht, der teilweise auch nicht mehr leicht zu überblicken ist.[17]


Revolutionäre Machterlangung und -behauptung im Schatten des Stalinismus

Um sich den Beginn eines jugoslawischen Wegs zu einer sozialistischen Herrschaft und Gesellschaftsordnung zu erschließen, kommt man nicht umhin, beim Zweiten Weltkrieg anzufangen. Ohne den Widerstand der kommunistisch geführten Volksbefreiungsarmee gegen die nationalsozialistische und faschistische Okkupation des Landes hätte es am Ende des Kriegs wohl keine Wiederentstehung Jugoslawiens gegeben. Durch die Opfer im Kampf gegen die Besetzung des Landes fühlten sich die jugoslawischen Kommunisten mit Josip Broz Tito (1892-1980) an ihrer Spitze legitimiert zur Herrschaft.

Hierin lag auch eine Spezifik der kommunistischen Herrschaft in ihrer jugoslawischen Variante. Anders als in den übrigen südost- und ostmitteleuropäischen Staaten, wo de facto die jeweiligen kommunistischen Parteien durch massive sowjetische Einflussnahme an die Macht gehievt wurden, erwuchs der spätere „Titoismus” eben aus dem Partisanenkrieg, wo man sich nicht ganz zu Unrecht rühmte, das Land (vor allem) „selbst befreit” zu haben.[18] Von dieser Doktrin rückte Tito zeitlebens nie ab; sie war und blieb ein zentraler Bestandteil des jugoslawischen Sozialismus, selbst nach seinem Tod, als noch immer vor den Denkmälern zur Erinnerung an den Partisanenkrieg große Feiern abgehalten wurden. Auch die wichtigsten Symbole für den späteren „Titoismus” kamen allesamt aus der „heroischen” Zeit des antifaschistischen „Volksbefreiungskriegs”.[19]

Staatswappen von 1946-1963 (fünf Fackeln) und 1963-1991 (sechs Fackeln), Quelle: [http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Grb_SFRJ.png?uselang=de Wikimedia Commons] ([http://en.wikipedia.org/wiki/Public_domain Public domain])
Staatswappen von 1946-1963 (fünf Fackeln) und 1963-1991 (sechs Fackeln), Quelle: Wikimedia Commons (Public domain)


Zu den Symbolen des jugoslawischen Sozialismus bzw. „Titoismus” gehörte vor allem die Wiedererstehung Jugoslawiens inmitten des Chaos des Zweiten Weltkriegs. Der erste Gründungsakt war die 1. Konferenz des Antifaschistischen Rats der Volksbefreiung Jugoslawiens (AVNOJ – Antifašističko V(ij)eće Narodnog Oslobođenja Jugoslavije) am 26./27. November 1942 in Bihać, wo sich ein Dachverband aller jugoslawischen Partisanen konstituierte. Am 29./30. November 1943 kam es zur 2. AVNOJ-Konferenz in der bosnischen Stadt Jajce. Josip Broz Tito hielt dort vor Delegationen des antifaschistischen Widerstands aus fast allen Teilen des ehemaligen Jugoslawiens eine programmatische Rede, die – glaubt man der offiziellen Überlieferung – von allen Teilnehmern enthusiastisch aufgenommen wurde. Die Versammlung von Jajce akklamierte Tito zum „Marschall” und zur unbestrittenen sowie symbolisch inszenierten Führungsfigur der Befreiungsarmee. Sie machte ihn zum Premierminister einer provisorischen Regierung und nahm verschiedenste Resolutionen an, die später entscheidend die Gestalt des jugoslawischen Staats nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmen sollten. Entscheidend war, Jugoslawien im Falle eines Sieges im Krieg eine föderale Struktur zu geben mit den Republiken Serbien, Kroatien, Slowenien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro und Makedonien.[20] Das AVNOJ-Treffen in Jajce wurde später als Datum der Wiedererstehung des jugoslawischen Staats inszeniert: Der 29. November wurde offizieller Staatsfeiertag, das AVNOJ-Symbol Bestandteil des Staatswappens.

So feierlich der Blick später auf die Ereignisse auch ausfiel, so fanden diese beiden großen AVNOJ-Treffen in Zeiten eines unerbittlichen Kriegs statt. Die deutsche Wehrmacht führte zusammen mit den Truppen des von Hitler und Mussolini eingerichteten sogenannten Unabhängigen Staats Kroatien, an dessen Spitze die faschistische Ustaša-Bewegung installiert wurde, und ausländischen Verbündeten zwischen November 1941 und Frühjahr 1944 insgesamt sieben große und konzertierte Anti-Partisanen-Offensiven durch, welche die Partisanen unter unglaublich großen Opfern überstanden.[21] Zugleich fand seit der Zerschlagung Jugoslawiens im April 1941 ein brutaler Bürgerkrieg statt, der schwerste Kriegszerstörungen, immenses Leid und eine enorm hohe Zahl an Kriegstoten zur Folge hatte.[22] Schließlich gerieten die deutsche Wehrmacht und ihre Verbündeten in Jugoslawien zunehmend in die Defensive. Von Bedeutung für die innere Entwicklung auf dem jugoslawischen Kriegsschauplatz war der zwischen 1942 und 1943 schrittweise erfolgte Schwenk der Westalliierten: Nun erhielten die Partisanen unter Titos Führung, da man sie als stärkste und zuverlässigste Widerstandsbewegung einschätzte, massive materielle Unterstützung insbesondere durch Großbritannien, aber auch aus den USA. Diese Hilfe war mitentscheidend dafür, dass die Verbände der kommunistisch geführten Volksbefreiungsarmee überhaupt die konzertierten Angriffe in den Offensiven überstehen konnten.

Nach dem schrittweisen Rückzug der deutschen Verbände 1944/45 rückte der innere Bürgerkrieg mehr und mehr ins Zentrum der Kämpfe. Kollaborationstruppen wie die der Ustaša, kroatische Domobranen, slowenische Kollaborateure und antikommunistische Verbände wie die Četniks leisteten jedoch erbittert Widerstand, verloren aber mehr und mehr an Boden gegen die nun zu 800.000 Partisanen angewachsene Armee. Der Krieg endete in Jugoslawien mit kommunistischem Vergeltungsterror gegen nationalsozialistische oder faschistische Kollaborateure, gegen Antikommunisten bzw. „Klassenfeinde” sowie auch gegen die nach Kriegsende weitgehend vertriebene deutsche Minderheit und andere kleinere Gruppen. Die Partisanen-Abrechnung mit dem „inneren Feind” setzte sich auch noch über das Jahr 1945 hinweg fort.[23]

Parallel dazu vollzog sich im Laufe der Jahre 1945/46 die kommunistische Machtübernahme. Bei den ersten Wahlen wurden über sogenannte Volksfrontkandidaturen systematisch die anderen antifaschistischen bürgerlichen AVNOJ-Parteien ausgeschaltet.[24] Danach übernahm die Kommunistische Partei Jugoslawiens (KPJ) Schritt für Schritt die Macht. Schon im Sommer 1945 begann sie mit umfassenden Enteignungen die gesellschaftliche Umgestaltung der Eigentumsverhältnisse. Bis Mai 1949 war die gesamte Industrie, das Kreditwesen und der Großhandel und beinahe der gesamte Kleinhandel enteignet. Agrarbesitzreformen wurden als erstes Mittel gegen „agrarische Überbevölkerung” propagiert und die Kollektivierung von landwirtschaftlichem Grund und Boden als zweites Mittel in Angriff genommen.[25]

Bezogen auf diese Entwicklungen erstaunt es nicht, dass sich das Verhältnis der jugoslawischen Kommunisten zu den einstigen britischen und amerikanischen Kriegsverbündeten immer weiter abkühlte. Im Gegenzug trat auch in der jugoslawischen Politik die Orientierung an der Sowjetunion in den Vordergrund: 1946 verabschiedete man eine Verfassung nach sowjetischem Vorbild, 1947 begann mit dem ersten Fünfjahresplan eine umfassende Industrialisierung des Landes. Auch eine antikapitalistische, antiwestliche Rhetorik wurde nun allpräsent und Stalin propagandistisch als Führer für den jugoslawischen Sozialismus gefeiert.[26] Doch auch der Führer des erfolgreichen Volksbefreiungskriegs, Josip Broz Tito, stand in gleicher Weise im Mittelpunkt der jugoslawischen Agitation und Propaganda.[27]


Umorientierungen im Kalten Krieg (1948-1956)

Die Politik Titos wähnte sich „auf Linie”, und die Spitzen der KPJ sahen sich als besonders treue Verbündete Stalins. Indem Belgrad Sitz der neugegründeten Kominform wurde, dem 1947 unter Stalins Ägide gegründeten überstaatlichen Bündnis der kommunistischen Parteien, fühlte man sich in dieser Sicht bestätigt. Doch unerwartet erhob Stalin gegen Tito und die KPJ massive Vorwürfe. Im Sommer 1948 beschloss eine Kominform-Resolution, dass die KPJ aufgrund von „nationalistischen, unabhängigkeitsorientierten Positionen” vom richtigen Weg abgekommen sei. Jugoslawien wurde schließlich aus den sozialistischen Bündnissystemen ausgeschlossen.[28] 1949 erfolgte eine umfassende Wirtschaftsblockade. Stalin hatte Tito fallengelassen und erwartete seinen baldigen Sturz. Doch Tito konnte sich halten. Als die wohldosierte Reue nicht fruchtete, setzten er und seine engsten Mitstreiter auf eine zuerst gewaltsame „Entstalinisierung”.[29] Bis zu 20.000 Männer und Frauen, vornehmlich Parteimitglieder, wurden in Internierungslager auf der berüchtigten Gefängnisinsel Goli otok bzw. der Nebeninsel Sveti Grgur deportiert, Hunderte fanden dort den Tod.[30]

Die jugoslawische Regierung fühlte sich nicht nur unter Druck, sie stand auch wirtschaftlich am Rande des Abgrunds.[31] Drei Viertel der Exporte gingen ab 1946 in die sozialistischen Bruderländer, fast 70 Prozent der Importe kamen von dort. Der Wirtschaftsboykott der Kominform hatte verheerende Folgen und führte dazu, dass die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Jugoslawien und den Ländern des „Ostblocks” bis zum Jahr 1950 zum Erliegen kamen. Die ökonomische Lage in Jugoslawien blieb auch zu Beginn der 1950er-Jahre weiter angespannt. Die zu dieser Zeit massiv vorangetriebene Kollektivierung auf dem Land, die auch als Beweis Stalin gegenüber dienen sollte, dass Jugoslawien unter Tito mitnichten den „wahren sozialistischen Weg” verlassen hatte, führte zur Verringerung der landwirtschaftlichen Produktion. Klimabedingte Ernteausfälle wie z.B. die Dürre im Sommer 1952 verschärften die Situation, in der sich Titos Regime Ende der 1940er- und zu Beginn der 1950er-Jahre befand.

Nicht zu Unrecht fürchtete die jugoslawische Staatsspitze, gewaltsam, entweder durch einen von Stalin initiierten „inneren Putsch” oder eine sowjetgeführte militärische Intervention, ausgeschaltet zu werden. Beides geschah – überraschenderweise – nicht. Ein Putsch wurde durch die schon erwähnten innerparteilichen „Säuberungen” abgewendet, die militärische Intervention fand vornehmlich nicht statt, weil sich Jugoslawien zu diesem Zeitpunkt schon der USA bzw. auch der NATO angenähert hatte. Denn aus der Logik des Kalten Kriegs heraus waren Gegner der UdSSR automatisch Verbündete der USA. Insofern erhielt das sozialistische Jugoslawien in dieser Situation rasch politisch-symbolische und mit der Zeit auch immer umfangreichere ökonomische Unterstützung aus den USA, die das wirtschaftliche Überleben des Landes sicherten. Die damit einhergehende zwangsläufige „Westausrichtung” schien für das sozialistische Jugoslawien aufgrund des Kominform-Wirtschaftsboykotts unausweichlich. Sie hatte bald aber auch eine wachsende wirtschaftliche und drohende politische Abhängigkeit zum Westen zur Folge.[32]

Auch vor diesem Hintergrund gilt es, die Vorbereitungen zu sehen, die gerade 1952/53 in Richtung einer Eingliederung Jugoslawiens in „westliche Allianzstrukturen” liefen. Ganz konkret stand die jugoslawische Führung in Verhandlungen mit den neuen NATO-Mitgliedsstaaten Türkei und Griechenland über den Abschluss eines sogenannten Balkanpakts über zukünftig engere wirtschaftliche, aber auch militärische Zusammenarbeit.[33] Jugoslawien war – als sozialistischer Staat – also auf dem Weg zu einer „indirekten” Eingliederung in das westliche Verteidigungsbündnis. Die USA übte dabei Druck aus und koppelte Infrastrukturhilfe, Nahrungsmittel-Unterstützung und andere Gelder an das Zustandekommen des Balkanpakts. Und in der Tat wurde Ende Februar 1953, wenige Tage vor Stalins Tod, ein erster Vertrag hierzu unterzeichnet. Doch Stalins Tod Anfang März 1953 veränderte die globale Positionierung Jugoslawiens aufs Neue umfassend.

Zwischen 1953/54 und 1956 entwickelte sich eine politische Dynamik, die zu einem „eigenständigen” jugoslawischen Sozialismus führte, der globale Anerkennung erhielt – und zwar von beiden Blöcken im Kalten Krieg. Voraussetzung dafür war die Aussöhnung mit der Sowjetunion unter ihrem neuen starken Mann Nikita Chruščëv.[34] Chruščëv schrieb im Juni 1954 an das Zentralkomitee des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens und den Genossen Tito einen Brief, der folgendermaßen endete: „Das ZK der KPdSU zieht die Tatsache in Betracht, dass die Führer des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens fortwährend bestrebt und die Kommunisten Jugoslawiens nach wie vor geleitet sind von den Lehren des Marxismus-Leninismus, dass sie weiter am Aufbau des Sozialismus in ihrem Lande arbeiten und sie die Erhaltung und die Stärkung des internationalen Friedens als unumgänglich sehen. In diesem Lichte besehen, kann es keine Entschuldigung für die Situation des gegenwärtigen Zerwürfnisses und für die Bitterkeit geben, die zwischen unseren Parteien herrscht. Deren Ziel müsse es sein, auf den Grundsätzen des Marxismus-Leninismus und den Prinzipien der Nichteinmischung [sic! H.G.] in ihre inneren Angelegenheiten brüderlich zusammenzuarbeiten.”[35]

Chruščëv und Tito in Koper, Slowenien, 19. August 1959, Quelle: [http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Predsednik_Jugoslavije_Tito_in_sovjetski_premier_Hru%C5%A1%C4%8Dov_v_Kopru_1963.jpg Wikimedia Commons] ([http://en.wikipedia.org/wiki/Public_domain Public domain])
Chruščëv und Tito in Koper, Slowenien, 19. August 1959, Quelle: Wikimedia Commons (Public domain)


Bald entwickelte sich ein enger Kontakt zwischen Chruščëv und Tito. Es kam zu mehreren gegenseitigen Besuchen, bei denen feierlich die Freundschaft der beiden sozialistischen Staaten inszeniert und Schritt für Schritt auch eine Aufhebung der Wirtschaftsboykotte durch die Kominform-Staaten beschlossen wurde. De facto erkannte Chruščëv die Eigenständigkeit eines jugoslawischen Sozialismus in dieser Zeit an. Mehr noch schien er sogar die Möglichkeit zu sehen, das Verhältnis der Sowjetunion auch zu anderen sozialistischen Staaten in Europa – in gewisser Weise als ein erweitertes jugoslawisches Modell – mit größerer Freiheit von den Direktiven Moskaus auszugestalten. Diese Phase währte allerdings nur kurz. Denn mit den massiven Protesten in Polen im Sommer 1956 und dem Ungarischen Aufstand im Herbst 1956 drohte der Kontrollverlust für die sowjetische Hegemonie im östlichen Europa.

Das Jahr 1956 endete mit einer spürbaren Abkühlung in den kurzfristig wieder herzlich gewordenen sowjetisch-jugoslawischen Beziehungen.[36] Das sah die US-amerikanische Politik durchaus positiv und begann mit abermaligen Wirtschaftshilfen eine Wiederannäherung an Belgrad. In diesem Jahr kam es noch zu einer weiteren Entwicklung, die dazu führte, dass sich der „Titoismus” nicht neuerlich stark nach Westen orientierte, nämlich zur Etablierung einer neuen politischen Idee: die „Blockfreiheit”. Diese Idee, die mit der Zeit über ein verzweigtes Allianzsystem institutionalisiert wurde, war anfangs eng verknüpft mit der freundschaftlichen Beziehung zwischen Tito, dem ägyptischen Staatspräsidenten Gamal Abdel Nasser und dem indischen Präsidenten Jawahalar Nehru.[37]

Tito und die Blockfreien Staaten: Gamal Abdel Nasser und Josip Tito in Aleppo in 1959, Quelle: [http://commons.wikimedia.org/wiki/File:President_Gamal_Abdul_Nasser_and_Yugoslavian_President_Josip_Tito_in_Aleppo_in_1959.jpg Wikimedia Commons] ([http://en.wikipedia.org/wiki/Public_domain Public domain])
Tito und die Blockfreien Staaten: Gamal Abdel Nasser und Josip Tito in Aleppo in 1959, Quelle: Wikimedia Commons (Public domain)


Seit Mitte der 1950er-Jahre etablierte sich die Bewegung der Blockfreien Staaten und eröffnete über viele Jahre immer mehr Ländern der Welt einen Weg „zwischen den Blöcken”. Titos Jugoslawien spielte dabei von Anfang an eine große Rolle.[38] So gelang es Tito, eine zukünftig eigenständige Entwicklung im Innern abzusichern, ohne dabei zu sehr vom Westen abhängig zu sein und Jugoslawiens „eigenen Weg zum Sozialismus” ideologisch und auch praktisch gegenüber der UdSSR behaupten zu können.


Ideologie und Praxis eines jugoslawischen Sozialismus zwischen Ost und West

Die Entwicklung eines „eigenen Wegs” war eine Reaktion auf die Ablehnung durch den sowjetischen Stalinismus. Anfangs strebten die Ideologen der jugoslawischen kommunistischen Partei lediglich danach, gewählten „Arbeiterräten” in der kollektiven Führung der Betriebe weitreichendere Mitsprache zu geben. In einer Art „evolutionärer Weiterentwicklung” in den folgenden Jahrzehnten bis in die 1970er-Jahre ging es dann in der ideologischen Arbeit darum, aus der „Arbeiterselbstverwaltung” (sr./kr. Radničko samoupravljanje) heraus sogar eine eigene Variante zum Sozialismus zu entwickeln.[39] Am Ende des Prozesses, so das utopische Ziel, sollte die „gesellschaftliche Selbstverwaltung” auf allen Ebenen von Wirtschaft und Gesellschaft soweit ausgebaut sein, dass die Lenkung durch den Staat überflüssig würde und dieser letztlich „absterben” könnte.[40] Das mit der Zeit aufgebaute System wurde nach verschiedenen ideologischen Grundprinzipien weiter entwickelt. In späteren Zeiten galten vor allem die vier „Ds”, Dezentralisierung, Deetatisierung, Depolitisierung und Demokratisierung, als ideologische Losungen und Prinzipien zur Reform.

Tito in Äthiopien, 19. August 1959, Quelle: [http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Josip_Broz_Tito_in_cesar_Haile_Selassie_v_Kopru_1959_%282%29.jpg Wikimedia Commons] ([http://en.wikipedia.org/wiki/Public_domain Public domain])
Tito in Äthiopien, 19. August 1959, Quelle: Wikimedia Commons (Public domain)


Reformen betrafen bereits seit den 1950er-Jahren auch die Partei selbst. So wurde mit dem 6. Parteikongress im November 1952 die „Kommunistička partija Jugoslavije” (KPJ) zum „Savez komunista Jugoslavije” (SKJ), also zum Bund der Kommunisten Jugoslawiens. Eine neue Verfassung galt als ideologisch notwendig. Die Verfassung von 1953 löste jene von 1945 ab, was als „Abkehr” von der einstigen stalinistischen Orientierung gedacht war und auch der Partei nominell – weniger in der Realität – eine neue Stellung im System zuwies. Auch wirtschaftliche Neupositionierungen brachten die vielen Reformen der 1950er-Jahre. So wurde der Entscheidungsspielraum der einzelnen Betriebe schon in diesem Jahrzehnt deutlich erweitert. Man verabschiedete sich weitgehend von der Steuerung durch Fünfjahrespläne. Prinzipien von Eigeninitiative und ökonomischer Konkurrenz erhielten die Billigung durch die Partei. Dabei zogen sogar Aspekte von westlichem „Marketing” strukturell in die jugoslawische Wirtschaft ein, ohne dass jedoch grundsätzlich an der sozialistischen Gesellschaftsorganisation und der absoluten Führungsrolle durch die Partei gerüttelt wurde.[41]

Treffen von Bundeskanzler Willy Brandt mit Staatspräsident Tito im Schloß Röttgen, 11. Oktober 1970, Fotograf: Ludwig Wegmann, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung - Bildbestand (B 145 Bild). Quelle: [http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_B_145_Bild-F032669-0029,_Bonn,_Brandt_mit_Staatspr%C3%A4sident_Tito.jpg Wikimedia Commons] ([http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en CC BY-SA 3.0 DE])
Treffen von Bundeskanzler Willy Brandt mit Staatspräsident Tito im Schloß Röttgen, 11. Oktober 1970, Fotograf: Ludwig Wegmann, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung - Bildbestand (B 145 Bild). Quelle: Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0 DE)


Der so eingeschlagene Weg schien erfolgversprechend, denn er war bald auch mit einem erstaunlichen wirtschaftlichen Aufschwung verbunden. So lösten die westlichen Wirtschaftshilfen in der Kombination mit den Reformen im System und dem Wiederzugang zum „östlichen Markt” sowie die Handelsbeziehungen zu den blockfreien Partnerstaaten einen „Wachstumsboom” aus. Das jugoslawische BIP pro Kopf stieg zwischen 1950 und 1960 um 54 Prozent. Von 1953 an waren jährliche Wachstumsraten von sechs Prozent und mehr die Regel. Steigende Realeinkommen brachten immer breiteren Schichten der Gesellschaft (insbesondere in den Städten) eine spürbare Steigerung des Lebensstandards und ließen die Konsumorientierung zu einem „systemischen” Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens im sozialistischen Jugoslawien dieser Zeit werden.[42] Dabei fügten sich Sozialismus und Konsum in recht spezifisch „sozialistisch-jugoslawischer” Weise ineinander. Trotz Wohnungsknappheit in den Städten – Jugoslawiens Städte erlebten seit den 1950er-Jahren einen bis dahin unvergleichlichen Urbanisierungsschub – blieben die Ausgaben fürs Wohnen meist minimal. Einer Studie aus dem Jahre 1966 zufolge, belief sich der durchschnittliche Lohnaufwand für die monatlichen Wohnausgaben in den gesellschaftlich zugeteilten Wohnungen auf etwa 16 Arbeitsstunden eines durchschnittlichen Einkommens.[43] Auch die Kosten für die Ernährung wurden, was die Grundnahrungsmittel wie Brot und Milch betraf, niedrig gehalten. Viele Menschen investierten ihr Geld daher vor allem in Konsumgegenstände. Diese waren allerdings auch in den 1960er-Jahren noch vergleichsweise teuer. Aufgrund der boomenden Wirtschaft und steigender Löhne, was strukturell auch eine Konsequenz der Arbeitermitbestimmung war, blieben selbst teure Güter wie Kühlschränke, Waschmaschinen, Fernseher u.a.m. nicht unerreichbar – zumindest nicht für eine sich allmählich neu formierende, urbane und bald anspruchsvolle „Mittelschicht”.[44]

Empfangszeremonie für Tito vor dem Weißen Haus, 28. Oktober 1971, Fotograf: Robert L. Knudsen. NARA record: 8451337 / Richard Nixon Presidential Library and Museum. Quelle: [http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Arrival_ceremony_for_President_Tito_of_Yugoslavia,_on_the_South_grounds_of_the_White_House_-_NARA_-_194385.tif Wikimedia Commons] ([http://en.wikipedia.org/wiki/Public_domain Public domain])
Empfangszeremonie für Tito vor dem Weißen Haus, 28. Oktober 1971, Fotograf: Robert L. Knudsen. NARA record: 8451337 / Richard Nixon Presidential Library and Museum. Quelle: Wikimedia Commons (Public domain)


Trotz der positiven Entwicklungen eines wirtschaftlichen „jugoslawischen Erfolgsmodells” zeigten sich gerade in den „goldenen Sechzigerjahren” deutliche Strukturprobleme. Neben der Schwierigkeit, eine zeitweise anschwellende Inflation unter Kontrolle zu bekommen, waren dies vor allem Probleme auf dem Arbeitsmarkt. 1961 waren offiziell bereits 200.000 Menschen als arbeitslos gemeldet, die Dunkelziffer dürfte wohl deutlich höher gelegen haben. Für die Kommunisten, die sich für die positiven Entwicklungen beim „Aufbau des Sozialismus” in Jugoslawien zunehmend rühmten – und bald damit eben auch ihr Herrschaftsmonopol mitbegründeten –, war dies eine Herausforderung.[45]

Ein Lösungsansatz, der für den „Titoismus” in den 1960er-Jahren bald zu einem weiteren zentralen Charakterzug werden sollte, war der pragmatische Vorstoß der Partei, Arbeitsmigration ins westliche Ausland über „Gastarbeiter”-Abkommen nicht nur zu ermöglichen, sondern sogar systematisch mitzuorganisieren.[46] In der Folge wuchs die Zahl jener massiv an, die aus Jugoslawien als sogenannte Gastarbeiter ins Ausland gingen. Arbeiteten 1960 lediglich 18.000 jugoslawische Bürger/innen im Ausland, waren es 1965 bereits 165.000, und bis 1970 stieg die Zahl auf 600.000 Menschen an. Im Jahre 1973 wurde vorerst die Höchstzahl von 860.000 registrierten „Arbeitern auf vorübergehender Arbeit im Ausland”, so der offizielle Sprachgebrauch in Jugoslawien selbst, erreicht. Dazu kamen noch Familienmitglieder und nicht offiziell gemeldete Migranten. Bedenkt man, dass Jugoslawien 1971 etwa 20,5 Mio. Einwohner hatte, so wird offenbar, dass ein beträchtlicher Teil der „aktiven” Arbeitsbevölkerung damals im westlichen Ausland arbeitete und über Geldsendungen die jugoslawische Volkswirtschaft und Konsumgesellschaft entscheidend mitprägte. Auch das war ein wichtiger Aspekt des „Titoismus” in seiner Ausprägung ab den 1960er-Jahren.[47]

Obwohl tendenziell die Gastarbeitermigration den jugoslawischen Arbeitsmarkt strukturell entspannte und das Gros der Bürger die jugoslawische Entwicklung in der „Wachstumszeit” positiv deutete, wurde vor allem gegen Ende der 1960er-Jahre der „Titoismus” im Inneren der Gesellschaft nicht nur als „Erfolgsmodell” empfunden. Kritik kam aus verschiedensten Bereichen: von den politischen Eliten aus jenen „peripheren” Regionen, in denen sich Lebensstandardsteigerungen nur langsam einstellten; aus Teilen des kommunistischen Establishments, die sich gegen einen „Konsumfetischismus” wandten, dem die Partei eigentlich mutig entgegenzutreten habe, so ihre Vorstellung; oder auch aus den Reihen einer universitären „Linken”, einer durch „1968” politisierten studentischen und urbanen Jugend, die sich gegen das Machtmonopol der Partei wandte.


Kritik, Reformen und der große Föderalisierungsschub

Viel Gegensätzliches war mittlerweile nebeneinander in Jugoslawien möglich geworden. Die Offenheit, den eigenen Bürgern die Arbeit im „kapitalistischen Ausland” zu eröffnen bzw. sie ihnen sogar nahezulegen, wäre in anderen sozialistischen Staaten völlig undenkbar gewesen. Ebenso war seit Mitte der 1960er-Jahre ein Maß an Gesellschafskritik möglich geworden – obwohl das Regime zu offene Kritik sehr wohl ahndete –, das so nicht einmal in Ansätzen in anderen sozialistischen Ländern Europas toleriert worden wäre. Der „Titoismus” schien mit einer zunehmenden Liberalität im gesellschaftlichen und kulturellen Leben gut kompatibel geworden zu sein.[48] Mit den neuen und sehr umfassenden Wirtschaftsreformen der Jahre 1964/65 vollzog der Bund der Kommunisten Jugoslawiens Vergleichbares für die sozialistische Wirtschaft des Landes. Auch sie erlebte einen neuerlichen Liberalisierungsschub.[49]

Gleichzeitig wurden durch einen Generationenwechsel in den kommunistischen Führungskadern im Laufe der 1960er-Jahre zunehmend neue Gruppen einflussreicher, die den Krieg nicht mehr als aktive Kämpfer erlebt hatten. Sie hatten andere Lebenserfahrungen gemacht und begannen vielfach, sich auch für andere politische Prioritäten einzusetzen. Erstaunlicherweise bezog sich letzteres durchaus auch auf die sogenannte nationale Politik, die nicht wenige der jungen und so manche auch der alten Kader zunehmend als Machtmittel im Elitenkampf im Einparteiensystem entdeckten. Die „nationale Frage” wurde dabei in der Regel mit den innerjugoslawischen regionalen ökonomischen Gegensätzen verknüpft. Durch das Verebben der massiven Industrialisierungsschübe der ersten Nachkriegsjahrzehnte sowie den Rückgang westlicher Finanzhilfen im Laufe der 1960er-Jahre stellten sich neue „Normalitäten” ein, wodurch auch regionale Entwicklungsunterschiede wieder erkennbar und in der Politik immer offener Teil der innerparteilichen Agenden wurden.[50]

Vor diesem Hintergrund lösten gesellschaftliche Proteste eine politische Dynamik aus, die von Tito und seinen führenden Zirkeln zunehmend als Bedrohung empfunden wurde. In der Hauptstadt Belgrad mündeten studentische Proteste im Jahre 1968 in einen öffentlichen Aufstand gegen das „politische Establishment” und die „rote Bourgeoisie”.[51] In Zagreb verlagerte sich nicht nur eine – in Teilen sogar offen nationalistische – Protestbewegung aus studentischen, kulturellen und intellektuellen Zirkeln plötzlich auf die Straße, sondern schien auch ein gewisses Wohlwollen selbst in verschiedenen Organisationen der kroatischen Republikpartei zu genießen.[52] „Nationale” und „liberalistische” Deutungen der als notwendig erachteten Reformschritte für das jugoslawische System führten in der Zentrale wie auch in manchen Republiken selbst innerhalb der Partei und den Institutionen des Systems zu Richtungsstreitigkeiten.[53]

Das ging den mächtigen Männern in der Partei zu weit, und zwar vor allem dem damals mittlerweile beinahe achtzig Jahre alten Staatslenker Tito selbst. Er stimmte seine Partei wieder darauf ein, die Zügel anzuziehen. Vor allem in den frühen 1970er-Jahren kam es zu einer repressiveren Politikauslegung im neuerlich gewandelten „Titoismus”. Tito griff durch, ging massiv gegen Kritik und Widerspruch in der Gesellschaft, an den Universitäten und vor allem in der Partei selbst vor. Durchgegriffen wurde gegen all jene, die man als unzuverlässig oder als zu regimekritisch erachtete und entweder als „Nationalisten” oder als „Liberale” verdammte. Tausende verloren – vor allem in Kroatien und Serbien, aber in einem gewissen Proporz auch in allen anderen Republiken – Positionen und Anstellungen in Partei, in Behörden, den Universitäten oder in der sozialistischen Wirtschaft. Repression und Entfernung aus Partei und öffentlichem Dienst war die eine Vorgehensweise, um wieder gesellschaftliche und politische Stabilität herzustellen. Die andere Maßnahme, die gleichsam diesem Ziel diente, war der Ausbau einer real sehr weitreichenden Föderalisierung des politischen Systems bis hin zur Verkündung einer neuen auch in der politischen Praxis real sehr föderal ausgelegten Verfassung.[54] Durch sie wurden viele Entscheidungskompetenzen an die jeweiligen Republikparteien delegiert, die einen realen Machtzuwachs und auch „national” mehr Anerkennung erhielten. Zwar wurde das Einparteiensystem und Machtmonopol nicht in Frage gestellt, doch hatte das System die Forderungen nach mehr Demokratisierung mit der Gewährung von mehr nationalen Rechten beantwortet.[55]

All die geschilderten Maßnahmen führten durchaus zum gesetzten Ziel: Das System hatte sich zwar gewandelt, war politisch komplizierter geworden, aber es erschien wieder ausgesprochen stabil. Die 1970er-Jahre wurden somit letztlich wieder zu einer Periode der Stabilität, in der sich zwar nicht wenige ökonomische Strukturprobleme nun durch die Föderalisierung in neuer Form stellten, in der aber so etwas wie jugoslawische Alltagskultur in verschiedenen Facetten neu aufblühte – und später auch nostalgisch erinnert wurde.

Anhand von zwei Bereichen soll diese alltagskulturelle Seite des „Titoismus” veranschaulicht werden. Zum einen fällt der Blick auf die spezifisch jugoslawische Reise- und Tourismuskultur, die für große Teile der Gesellschaft insbesondere in den 1970er-Jahren zum Alltag dazugehörte. Mehrfache Liberalisierungen des Visa-Regimes führten seit den 1960er-Jahren dazu, dass jugoslawische Staatsbürger/innen umfassende Reisefreiheit genossen. Der jugoslawische Reisepass wurde damals als bester Reisepass der Welt gepriesen, denn er ermöglichte in den 1970er- und 1980er-Jahren eine visafreie Reise sowohl in die Staaten des Westens wie auch in jene des Ostblocks. Gleiches galt auch für die meisten der blockfreien Staaten. So wurden auch Reisefreiheit und Weltoffenheit zunehmend zu prägnanten Kennzeichen der jugoslawischen „titoistischen” Variante des Sozialismus. Gleichzeitig hatte sich Jugoslawien im Bereich des expandierenden Tourismus, der die europäischen Gesellschaften im Laufe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer stärker prägte, zu einer attraktiven bzw. günstigen Urlaubsdestination entwickelt. Für immer mehr Menschen in Europa war Jugoslawien vor allem in dieser Hinsicht auf einer europäischen „mental map” verortet. Zum Jahresurlaub an die Adria fuhren aber nicht nur ausländische Touristen, sondern auch die „werktätigen Massen” Jugoslawiens, für die der „godišnji odmor”, der Jahresurlaub am Meer, spätestens in den 1970er-Jahren zu einem immer selbstverständlicher praktizierten Teil ihrer Alltagskultur wurde.[56]

Ein anderer charakteristischer Bestandteil der jugoslawischen Alltagskultur der 1970er-Jahre wurde die Rockmusik. Zwar begegnete ihr die kommunistische Führung lange Zeit mit Skepsis, dennoch unternahm die Partei nichts dagegen, als Rockmusik zunehmend Anklang bei der Jugend fand und in Belgrad, Zagreb, Sarajevo und an anderen Orten richtige „Szenen” entstanden.[57] Gesungen wurde seit den 1970er-Jahren fast ausschließlich auf Serbo-Kroatisch (bzw. Makedonisch, Slowenisch). Die ersten jugoslawischen Kultbands entstanden und verkauften bald Tausende von Schallplatten auf dem jugoslawischen Musikmarkt, der über alle Republikgrenzen hinweg immer stärker boomte. Die jugoslawische Szene differenzierte sich in unterschiedliche Sub-Szenen, blieb wandelbar und nahm auch fast alle internationalen Trends auf. Es ist auffällig, mit welchem Erfolg es der Musikszene gelang, im späten „Titoismus” ein – im internationalen Vergleich gesehen – immens bedeutender Bestandteil des kulturellen Lebens zu werden.


Titos Tod als Zäsur – Resümee und Ausblick

Drei Tage vor seinem 88. Geburtstag verstarb am 4. Mai 1980 Josip Broz Tito in Ljubljana. Sein Tod löste tiefe Betroffenheit in der jugoslawischen Gesellschaft aus. Hunderttausende Menschen gaben dem Zug mit Titos Leichnam, der von Ljubljana über Zagreb bis Belgrad quer durchs Land fuhr, das letzte Geleit. Als am 8. Mai 1980 in Belgrad unter Massenbeteiligung das Begräbnis stattfand, wurde dieses auch zu einem globalen Politereignis. Vier Könige, 31 Staatspräsidenten, 22 Premierminister, 47 Außenminister und offizielle Delegationen aus über 120 Ländern der Welt waren angereist, um Tito – und indirekt so auch „seinem” Jugoslawien – auf diese Weise Anerkennung zu zollen.

Die Beerdigung von Josip Broz Tito 1989 in Ljubljana. Blau sind die Länder gekennzeichnet, die mit staatlichen Delegationen an der Beerdigung teilnahmen. Die orangefarbenen Länder waren durch nicht-staatliche Organisationen vertreten, die gelb gefärbten Länder nahmen nicht teil. Quelle: Die Datei wurde abgeleitet von [http://commons.wikimedia.org/wiki/File:BlankMap-World_1985.svg BlankMap-World 1985.svg],  	NuclearVacuum, bearbeitet von BokicaK [http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tito%27s_funeral.svg?uselang=de Wikimedia Commons] ([http://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinfreiheit?uselang=de gemeinfrei])
Die Beerdigung von Josip Broz Tito 1989 in Ljubljana. Blau sind die Länder gekennzeichnet, die mit staatlichen Delegationen an der Beerdigung teilnahmen. Die orangefarbenen Länder waren durch nicht-staatliche Organisationen vertreten, die gelb gefärbten Länder nahmen nicht teil. Quelle: Die Datei wurde abgeleitet von BlankMap-World 1985.svg, NuclearVacuum, bearbeitet von BokicaK Wikimedia Commons (gemeinfrei)


Tito hatte Jugoslawien über 37 Jahre regiert. In dieser Zeit waren vier Verfassungen verabschiedet wurden, die auch die Wandelbarkeit des Sozialismus in seiner „titoistischen” Variante gut symbolisieren können. Die erste Verfassung vom 31. Januar 1946 war noch nach „Sowjet-Muster” gestrickt, die zweite Verfassung vom 13. Januar 1953 konnte man als „sozialistische Neupositionierung” nach dem Bruch mit Stalin verstehen. Die dritte Verfassung vom 7. April 1963 ermöglichte einen ideologisch eigenständigen Selbstverwaltungssozialismus, mehr wirtschaftlichen Liberalismus und auch die Umbenennung des Staatsnamens von Föderative Volksrepublik Jugoslawien (Federativna Narodna Republika Jugoslavija FNRJ) hin zu Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien (sr./kr. Socijalistička federativna republika Jugoslavija – SFRJ). Die vierte Verfassung vom 21. Februar 1974 brachte den starken Föderalisierungsschub. Diese verschiedenen Tendenzen können also jeweils als besonders charakteristisch für die einzelnen Perioden der „titoistischen” Herrschaft in Jugoslawien angesehen werden.

Trotz aller Wandlungen gab es aber auch Züge des jugoslawischen Sozialismus, die unverändert blieben. Das gilt ohne Zweifel für die drei zentralen Grundprinzipien, die in ihrer Kombination seit den 1950er-Jahren in gewisser Weise zu einer „heiligen Trinität” des „Titoismus” wurden. Sie hatten symbolisch größten Stellenwert und galten über Jahrzehnte als die Leitparolen für den jugoslawischen Weg unter Tito. Gemeint sind die „Arbeiterselbstverwaltung” in der Wirtschaft, die „Brüderlichkeit und Einheit” in der inneren Nationalitätenpolitik und die „Blockfreiheit” in der Außenpolitik. Geprägt von diesen Leitparolen war ein System entstanden, das spätestens ab den späten 1950er-Jahren Anerkennung von beiden Seiten des globalen Systemkonflikts gewonnen und zunehmend auch Akzeptanz in breiten Teilen der jugoslawischen Gesellschaft hatte – und das über mehrere Jahrzehnte lang.

Im Jahre 1980 starb Josip Broz Tito und damit die zentrale Figur des bisherigen Wegs zu einem „jugoslawischen Sozialismus”. Titos Erben an der Macht standen vor der Herausforderung, das jugoslawische System weiterzuführen und sich den Problemen einer neuen Zeit zu stellen. Eine erneute Neuausrichtung schien unausweichlich. Besonders dringlich war dies auch aufgrund der Tatsache, dass Krisensymptome in der Wirtschaft, die schon früher virulent gewesen waren, nach Titos Tod im Alltag der jugoslawischen Gesellschaft massiv spürbar wurden. Grund dafür waren „äußere” Krisenhintergründe, wie etwa die globale Wirtschaftsrezession nach dem „Ölschock” und die dadurch ausgelöste Rückkehr von beinahe 300.000 jugoslawischen „Gastarbeitern” auf den heimischen Arbeitsmarkt.[58] Doch gab es dafür auch systembedingte innerjugoslawische Hintergründe, die die Entwicklungen schon im späten „Titoismus” zu lähmen begonnen hatten: so etwa die sinkende Produktivität der jugoslawischen Industrie, die starke Dezentralisierung der politischen Entscheidungsgewalt in der jugoslawischen Wirtschaftssteuerung und der zunehmende Kontrollverlust der Bundesinstitutionen über die Kreditaufnahme in den Republiken und in der Wirtschaft. So vervierfachte sich zwischen 1973 und 1981 die Auslandsverschuldung von knapp 5 auf über 20 Milliarden Dollar bei steigenden Kreditzinsen.[59] Nach Titos Tod wurde eine neuerliche Reform des jugoslawischen Systems auch vor dem Hintergrund dieser besorgniserregenden wirtschaftlichen Entwicklungen unausweichlich.

Aber im jugoslawischen Einparteiensystem sollte es sich mehr als schwierig erweisen, dass sich die führenden Parteikader auf Bundes- und Republikebene über die Richtung einer größeren Systemreform im Konsens einigten. Nach dem Tod Titos stieß jeder Versuch einer größeren Veränderung auf innerparteiliche Blockaden, und die hohen Erwartungen auf Reformen in der Gesellschaft wurden im Verlauf der 1980er-Jahre enttäuscht. Hatte der „Titoismus” seine Wandelbarkeit verloren? War sein auf Einparteienherrschaft zugeschnittenes System zuletzt in sich zu widersprüchlich geworden, um überhaupt noch reformierbar zu sein? Oder wäre dies zu viel gesagt über ein System, das seine innere Logik vor allem in den Zeiten der Systemkonfrontation zwischen Ost und West entwickelte und in dieser Konstellation auch seine „beste Zeit” hatte?

Empfohlene Literatur zum Thema

Grandits, Hannes / Sundhaussen, Holm (Hrsg.), Jugoslawien in den 1960er Jahren: auf dem Weg zu einem (a)normalen Staat?, Wiesbaden 2013: Harrassowitz 
Halder, Marc, Tito, Josip Broz, (ed.), Der Titokult: charismatische Herrschaft im sozialistischen Jugoslawien, München 2013: Oldenbourg 
Luthar, Breda / Pusnik, Marusa (Hrsg.), Remembering Utopia: the culture of everyday Life in Socialist Yugoslavia, Washington, DC 2010: New Academia Publishing 
Woodward, Susan L., Socialist Unemployment: The Political Economy of Yugoslavia, 1945 - 1990, Princeton, NJ 1995: Princeton Univ. Press 
Zitation
Hannes Grandits, Titoismus. Ein wandelbares Gesellschaftssystem in Zeiten des Kalten Kriegs, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 14.4.2015, URL: http://docupedia.de/zg/Titoismus?oldid=125829

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  1. Sharon Zukin, Beyond Marx and Tito. Theory and Practice in Yugoslav Socialism, Cambridge 1975.
  2. Vgl. Edvard Kardelj, Pravci razvoja političkog sistema socijalističkog samoupravljanja, Beograd 1978; Boris Kidrič, Socijalizam i ekonomija, Zagreb 1979. Für ein Buch in einer westlichen Sprache siehe etwa Branko Horvat, The Yugoslav Economic System, New York 1976. Ganz früh erschien auch eine „dissidentische“ Analyse des ehemaligen ranghohen jugoslawischen kommunistischen Politikers und – vor seinem Bruch mit der Partei – einst engen Vertrauten Titos Milovan Đilas. Sie wurde in dieser Zeit des Kalten Kriegs zuerst außerhalb Jugoslawiens veröffentlicht und in viele Sprachen übersetzt. Siehe: Milovan Djilas, Die Neue Klasse. Eine Analyse des kommunistischen Systems, München 1958.
  3. Vgl. etwa Branko Horvat, Die jugoslawische Gesellschaft. Ein Essay, Frankfurt a.M. 1972; Dušan Bilandžić, Historija Socijalističke Federativne Republike Jugoslavije: Glavni procesi, Zagreb 1978.
  4. Die erste Ausgabe der Zeitschrift „Praxis“ erschien im Jahre 1964. Ein Jahr später begann die Herausgabe einer parallelen internationalen Ausgabe mit den Texten der jugoslawischen Ausgabe bzw. anderer kritischer Zeitungen in der Übersetzung in westliche Sprachen. Aus der großen Fülle der Publikationen über die „Praxis-Gruppe“ siehe etwa für eine frühe Einschätzung: Mihailo Marković/Robert S. Cohen, Yugoslavia. The Rise and Fall of Socialist Humanism: A History of the Praxis Group, Nottingham 1975. Für eine rezente Rückschau auf das Wirken der Praxis-Gruppe siehe etwa Dragomir Olujić Oluja/Krunoslav Stojaković (Hrsg.), Praxis. Društvena kritika i humanistički socijalizam, Beograd 2012.
  5. Vgl. etwa Dušan Čobeljić, Problemi planiranja lićne potrošnje, Beograd 1958; Vlado Puljiz, Eksodus poljoprivrednika, Zagreb 1977; Silvano Bolčić, Razvoj i kriza jugoslavenskog društva u sociološkoj perspektivi, Beograd 1983; Eva Berković, Socijalne nejednakosti u Jugoslaviji, Beograd 1986.
  6. Siehe exemplarisch für Verweise auf Literatur aus der DDR oder etwa der ČSR/ČSSR aus dieser Zeit: Friederike Baer, Zwischen Anlehnung und Abgrenzung. Die Jugoslawienpolitik der DDR 1946 bis 1968, Wien 2009; Jan Pelikán, Jugoslávie a východni blok 1953-1958, Praha 2001.
  7. Vgl. etwa Werner Markert (Hrsg.), Osteuropa-Handbuch. Jugoslawien, Köln 1954; Joel M. Halpern, Social and Cultural Change in a Serbian Village, New Haven 1956; Paul Shoup, Communism and the Yugoslav National Question, New York 1968; Wayne Vucinich/Woodford McClellan (Hrsg.), Contemporary Yugoslavia. Twenty Years of Socialist Experiment, Berkeley 1969; Klaus-Detlev Grothusen, Südosteuropa-Handbuch, Bd. 1: Jugoslawien, Göttingen 1975.
  8. Vgl. hier verschiedene Beiträge in dem Band, der sich eben auch mit den Kontinuitäten nach 1945 befasst, von Mathias Beer/Gerhard Seewann (Hrsg.), Südostforschung im Schatten des Dritten Reiches. Institutionen – Inhalte – Personen, München 2004.
  9. Vgl. etwa Joel M. Halpern, The Changing Village Community, Englewood Cliffs, N.J. 1967; Rusinow Dennison, The Yugoslav Experiment 1948-1974,· Berkeley 1977; William Bartlett, Unemployment, Migration and Industrialization in Yugoslavia, 1958-1982, Florence 1983.
  10. Einsehbar unter http://www.jstor.org/action/showPublication?journalCode=amerslaveasteuro.
  11. Einsehbar unter http://www.jstor.org/action/showPublication?journalCode=slavicreview&.
  12. Vgl. neben den schon in der Fußnote 7 genannten Handbüchern, die noch in der Herrschaftszeit Titos erschienen sind, etwa auch die Arbeiten von Gudrun Lemân, Das jugoslawische Modell. Wege zur Demokratisierung, Frankfurt a.M. 1976; Wolfgang Soergel, Arbeiterselbstverwaltung oder Managersozialismus? Eine empirische Untersuchung in jugoslawischen Industriebetrieben, München 1979. In den frühen 1980er-Jahren entstanden nach Titos Tod folgende Analysen über das jugoslawische System unter Tito: Holm Sundhaussen, Geschichte Jugoslawiens 1918-1980, Stuttgart 1982; Detlev Grothusen/Othmar Haberl/Wolfgang Hoepken (Hrsg.), Jugoslawien am Ende der Ära Tito, 2 Bde., München 1983; Wolfgang Hoepken, Sozialismus und Pluralismus in Jugoslawien. Entwicklung und Demokratiepotential des Selbstverwaltungssystems, München 1984.
  13. Vgl. etwa Fred Singleton, Twentieth-Century Yugoslavia, London 1976.
  14. Das heißt nicht unbedingt, dass solche Studien über den Weg in den Staatszusammenbruch nicht dennoch ein erhellendes Verständnis über die „Selbstdemontage“ des titoistischen bzw. sozialistischen jugoslawischen politischen Systems vermitteln können. Vgl. etwa Dejan Jović, Jugoslavija – Država koja je odumrla. Uspon, kriza i pad Četvrte Jugoslavije, Beograd 2003 (bzw. in englischer Sprache: Yugoslavia. A State that Withered Away, West Lafayette, IN 2009).
  15. Vgl. für eine gute Einschätzung über die Hintergründe für das Aufkommen einer solchen „Titonostalgie“ etwa Mitja Velikonja, Titostalgija. Študija nostalgije po Josipu Brozu, Ljubljana 2008, online unter http://www3.mirovni-institut.si/wp-content/uploads/2014/08/mediawatch20.pdf; Todor Kuljić, Sećanje na titoizam. Između diktata i otpora, Beograd 2011.
  16. Vgl. hier etwa das Zentrum für die kulturologische und historische Erforschung des Sozialismus (Centar za kulturološka i povijesna istraživanja socijalizma, http://www.unipu.hr/index.php?id=1487), das sich ganz explizit mit der Erforschung des jugoslawischen Sozialismus befasst und u.a. auch eine Vernetzung der Forschungen zum jugoslawischen Sozialismus zum Ziel hat. Vgl. auch Lada Duraković/Andrea Matošević (Hrsg.), Socijalizam na klupi: jugoslavensko društvo očima nove postjugoslavenske humanistike, Pula 2014.
  17. Eine thematisch aufgefächerte Auswahl von Forschungsliteratur über den „Titoismus“ wird hier aufgezeigt. Die angeführten Werke stellen nur einen Ausschnitt der vorhandenen Literatur dar und sollen veranschaulichen, welche Vielfalt von Themenbereichen in der Forschung behandelt worden ist: Einführende Lektüre in (unterschiedliche) Sichtweisen auf den Titoismus und seine politisch-gesellschaftliche Verankerung/Entwicklungen: Dušan Bilandžić, Historija Socijalističke Federativne Republike Jugoslavije: Glavni procesi 1918-1985, Zagreb 1985; Milovan Djilas, Die Neue Klasse. Eine Analyse des kommunistischen Systems, München 1963; Hannes Grandits/Holm Sundhaussen (Hrsg.), Jugoslawien in den 1960er Jahren. Auf dem Weg zu einem (a)normalen Staat?, Wiesbaden 2013; Wolfgang Höpken, Sozialismus und Pluralismus in Jugoslawien. Entwicklung und Demokratiepotential des Selbstverwaltungssystems, München 1984; Marc Halder, Der Titokult. Charismatische Herrschaft im sozialistischen Jugoslawien, München 2013; Breda Luthar/Maruša Pušnik (Hrsg.), Remembering Utopia: The Culture of Everyday Life in Socialist Yugoslavia, Washington 2010; Holm Sundhaussen, Jugoslawien und seine Nachfolgestaaten 1943-2011. Eine ungewöhnliche Geschichte des Gewöhnlichen, Wien 2013; Susan L. Woodward, Socialist Unemployment. The Political Economy of Yugoslavia, 1945-1990, Princeton/N.J. 1995. / Zu Tito (Auswahl): Neil Barnett, Tito (Life and Times), London 2006; Vladimir Dedijer, Novi prilozi za biografiju Josipa Broza Tita, 3 Bde., Zagreb 1980-1984; Milovan Djilas, Tito: eine kritische Biographie, Wien ²1980; Todor Kuljić, Tito. Sociološko-istorijska studija, Zrenjanin 2005; Stevan K. Pavlowitch, Tito: Yugoslavia's Great Dictator. A Reassessment, London 1992; Jože Pirjevec, Tito in tovariši, Ljubljana 2011. / Zur Erforschung des titoistischen Jugoslawien (Auswahl): Titoistischer Selbstverwaltungssozialismus und seine politisch-ideologischen Entwicklungen: Branko Horvat, The Yugoslav Economic System, New York/London 1976; Wolfgang Höpken, „Durchherrschte Freiheit”. Wie „autoritär“ (oder wie „liberal“) war Titos Jugoslawien?, in: Hannes Grandits/Holm Sundhaussen (Hrsg.), Jugoslawien in den 1960er Jahren. Auf dem Weg zu einem (a)normalen Staat?, Wiesbaden 2013, S. 39-65; Dejan Jović, Jugoslavija – država koja je odumrla. Uspon, kriza i pad Četvrte Jugoslavije, Beograd 2003 [engl.: Yugoslavia. A State that Withered Away, West Lafayette 2008]; Edvard Kardelj, Pravci razvoja političkog sistema socijalističkog samoupravljanja, Beograd 1978; Catherine Lutard-Tavard, La Yougoslavie de Tito écartelée, 1945-1991, Paris 2005; Vida Tomšić, Woman in the Development of Socialist Self-Managing Yugoslavia, Beograd 1980. / Zur Blockfreienbewegung als Säule des Titoismus: Leo Mates, Nonalignment. Theory and Current Policy, Beograd 1972. / Zum Zweiten Weltkrieg und seiner erinnerungspolitischen Inszenierung als Säule des Titoismus: Heike Karge, Steinerne Erinnerung – versteinerte Erinnerung? Kriegsgedenken in Jugoslawien (1947-1970), Wiesbaden 2010. / Zu Tito in Personenkult und Mythos: Nevena Škrbić-Alempijević/ Kirsti Mathiesen Hjemdahl (Hrsg.), O Titu kao mitu. Proslava Dana mladosti u Kumrovcu, Zagreb 2006; Institut za noviju istoriju Srbije (odgovorna urednica: Olga Manojlović-Pinter) (Hrsg.), Tito viđenja i tumačenja: zbornik radova, Beograd 2011. / Zum sozialistischen Modernisierungsanlauf und den wirtschaftlichen Problemen im titoistischen Jugoslawien: Marie-Janine Calic, Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert, München 2010; Thomas Eger, Das regionale Entwicklungsgefälle in Jugoslawien, Paderborn 1980; Husnija Kamberović, Prema modernom društvu. Bosna i Hercegovina od 1945. do 1953.godine, Tešanj 2000; Nicole Münnich, Belgrad zwischen sozialistischem Herrschaftsanspruch und gesellschaftlichem Eigensinn. Die jugoslawische Hauptstadt als Entwurf und urbane Erfahrung, Wiesbaden 2013. / Zur titoistischen Konsum- und Alltagskultur: Iris Andrić (Hrsg.), Leksikon YU-Mitologije, Beograd 2004; Igor Duda, Pronađeno blagostanje. Svakodnevni život i potrošačka kultura u Hrvatskoj 1970-ih i 1980- ih, Zagreb 2010; Hannes Grandits/Karin Taylor (Hrsg.), Yugoslavia's Sunny Side. A History of Tourism in Socialism (1950s-1980s), Budapest/New York 2010; Petar Janjatović, Ilustrovana YU rock enciklopedija 1960-1997, Beograd 1998; Patrick Hyder Patterson, Bought and Sold. Living and Losing the Good Life in Socialist Yugoslavia, Ithaca, NY/London 2011; Radina Vučetić, Koka-kola socijalizam. Amerikanizacija jugoslovenske popularne kulture šezdesetih godina 20, Beograd 2012. / Zum Titoismus und der „Gastarbeiter“-Migration: Ulf Brunnbauer (Hrsg.), Transnational Societies, Transterritorial Politics. Migrations in the (Post)Yugoslav Region, 19th-21st Century, München 2009; Vladimir Ivanović, Geburtstag pišeš normalno. Jugoslovenski Gastarbajteri u Austriji i SR Nemačkoj (1965-1973), Beograd 2012. / Zu Titoismus und Nation/Nation-building: Ulf Brunnbauer/Hannes Grandits (Hrsg.), The Ambiguous Nation. Case Studies from Southeastern Europe in the 20th Century, München 2013; Ksenija Cvetkovic-Sander, Sprachpolitik und nationale Identität im sozialistischen Jugoslawien (1945-1991). Serbokroatisch, Albanisch, Makedonisch und Slowenisch, Wiesbaden 2011; Dejan Djokić (Hrsg.), Yugoslavism: Histories of a Failed Idea, 1918-1992, London 2003; Paul Shoup, Communism and the Yugoslav National Question; New York/London 1968. / Zu Titoismus und Religion: Klaus Buchenau, Orthodoxie und Katholizismus in Jugoslawien 1945-1991. Ein serbisch-kroatischer Vergleich, Wiesbaden 2004; Armina Omerika, Islam in Bosnien-Herzegowina und die Netzwerke der Jungmuslime (1918-1991), Wiesbaden 2015. / Zum Militär als zentralem Machtfaktor im Titoismus: Dane Ćuić (Hrsg.), Organizacija SKJ u JNA, Beograd 1986; Bojan Dimitrijević, Građanski rat u miru: uloga armije i službe bezbednosti u obračunu sa političkim protivnicima Titovog režima 1944-1954, Beograd 2003.
  18. Vgl. als detaillierte Veranschaulichung: Vojnoistorijski Institut, Hronologija Oslobodilačke borbe naroda Jugoslavije 1941-1945, Beograd 1964. Für eine kritische Verortung siehe etwa Jozo Tomasevich, War and Revolution in Yugoslavia 1941-1945: Occupation and Collaboration, Stanford 2001.
  19. Vgl. Heike Karge, Steinerne Erinnerung – versteinerte Erinnerung? Kriegsgedenken in Jugoslawien (1947-1970), Wiesbaden 2010; Wolfgang Höpken, Der Zweite Weltkrieg in den jugoslawischen und postjugoslawischen Schulbüchern, in: ders. (Hrsg.), Öl ins Feuer? Schulbücher, ethnische Stereotype und Gewalt in Südosteuropa, Hannover 1996, S. 159-178; Đorđe Tomić/Roland Zschächner/Mara Puškarević/Allegra Schneider (Hrsg.), Mythos Partizan. (Dis-)Kontinuitäten der jugoslawischen Linken: Geschichte, Erinnerungen und Perspektiven, Münster 2013.
  20. Zu einer Darstellung in der gängigen jugoslawischen Erzähltradition siehe etwa Vlado Strugar, Der jugoslawische Volksbefreiungskrieg 1941 bis 1945. Berlin 1969.
  21. Vgl. für eine Schilderung aus „Partisanensicht” etwa das biografische Buch von Milovan Djilas, Der Krieg der Partisanen. Memoiren 1941-1945, Wien 1978. Für eine kritische Einordnung in einen größeren Kontext siehe etwa Stevan Pavlowitch, Hitler’s New Disorder. The Second World War in Yugoslavia, New York 2008.
  22. Für einzelne Facetten des so vielfältigen und komplexen Verlaufs in unterschiedlichen regionalen Zusammenhängen siehe etwa exemplarisch Walter Manoschek, Partisanenkrieg und Genozid. Die Wehrmacht in Serbien 1941, in ders. (Hrsg.), Die Wehrmacht im Rassenkrieg, Wien 1996, S. 142-167; Tomislav Dulić, Ethnic Violence in Occupied Yugoslavia. Mass Killing from Above and Below, in: Dejan Djokić/James Ker-Lindsay (Hrsg.), New Perspectives on Yugoslavia, London 2010, S. 82-99; Alexander Korb, Understanding Ustaša Violence, in: Journal of Genocide Research 12 (2010), Nr. 1-2, S. 1-18; Ben Shepherd, With the Devil in Titoland: A Wehrmacht Anti-Partisan Division in Bosnia-Herzegovina, 1943, in: War in History 16 (2009), Nr. 1, S. 77-97; Sabine Rutar, Arbeit unter deutscher Besatzung. Die wirtschaftliche Ausbeutung des Braunkohlenreviers Trbovlje, in: Gerhard Jochem/Georg Seiderer (Hrsg.), Entrechtung, Vertreibung, Mord. NS-Unrecht in Slowenien und seine Spuren in Bayern 1941-1945, Berlin 2005, S. 205-222; Zoran Janjetović, Arbeiterrekrutierung unter deutscher Militärverwaltung in Serbien 1941-1944, in: Karsten Linne/Florian Dierl (Hrsg.), Arbeitskräfte als Kriegsbeute. Der Fall Ost- und Südosteuropa 1939-1945, Berlin 2011, S. 210-238; Emily Greble-Balić, When Croatia Needed Serbs: Nationalism and Genocide in Sarajevo 1941-1942, in: Slavic Review 68 (2009), Nr. 1, S. 116-138.
  23. Vgl. als gute Zusammenstellung über die Zahlen der Kriegsopfer und Nachkriegsopfer vor allem Holm Sundhaussen, Jugoslawien und seine Nachfolgestaaten 1943-2011. Eine ungewöhnliche Geschichte des Gewöhnlichen, Wien 2012, S. 49-65. Vgl. auch Vera Vodušek Starić, Kako su komunisti osvojili vlast (1944-1946), Zagreb 2006; Carl Bethke, Von der „Umsiedlung“ zur „Aussiedlung“: Zur destruktiven Dynamik ‘ethnischer Flurbereinigung‘ am Beispiel der Deutschen in Bosnien und in Kroatien 1941-1948, in: Mariana Hausleitner (Hrsg.), Vom Faschismus zum Stalinismus, München 2008, S. 23-39; Marina Cattaruzza, Der „Istrische Exodus“: Fragen der Interpretation, in: Detlef Brandes/Edita Ivaničková/Jiří Pešek (Hrsg.), Erzwungene Trennung, Essen 1999, S. 295-322.
  24. Vgl. hier zur Zerschlagung der Demokratie etwa Sabrina Ramet, Die drei Jugoslawien. Eine Geschichte der Staatsbildungen und ihrer Probleme, München 2011, S. 233-243.
  25. Vgl. für eine detaillierte Schilderung (in gewisser Weise aus „Regimesicht“ geschrieben): Dušan Bilandžić/Radovan Vukadinović, Osnovne društvene promjene u Jugoslaviji (1945-1973), Zagreb 1973. Vgl. zu einer sehr zeitnahen Einordnung der allgemeinen Veränderungen in Jugoslawien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Jozo Tomasevich, Peasants, Politics, and Economic Change in Yugoslavia, Stanford 1955. Als Veranschaulichung der Veränderung in der ersten unmittelbaren Nachkriegszeit in Stadt und Land etwa Husnija Kamberović, Prema modernom društvu. Bosna i Hercegovina od 1945. do 1953. Godine, Tešanj 2000; Joel Halpern, A Serbian Village. Social and Cultural Change in a Yugoslav Community, New York 1967; Hannes Grandits, Familie und sozialer Wandel im ländlichen Kroatien, 18.-20. Jahrhundert, Wien 2002.
  26. Vgl. etwa Ivana Dobrivojević/Aleksandar Miletić, Sovjetska stvarnost u jugoslovenskim medijima, in: Tokovi istorije 1-2 (2004), S. 75-90; Olivera Marković, Percepcija Istoka, Zapada i samopercepcija u jugoslovenskoj štampi 1948-1949 godine, online unter http://yurepraesentationenimumbruch.files.wordpress.com/2013/09/wp-markovic1.pdf.
  27. Kosta Nikolić, Tito govori što narod misli. Kult Josipa Broza Tita 1944-1949. Beograd 2006.
  28. Siehe für Details etwa Beatrice Heuser, Western „Containment” Policies in the Cold War: The Case of Yugoslavia, 1948-53, London 1989; Wayne Vucinich (Hrsg.), At the Brink of War and Peace. The Tito-Stalin Split in a Historic Perspective, New York 1982; Darko Bekić, Jugoslavija u hladnom ratu. Odnosi sa velikim silama 1949-1955, Zagreb 1988.
  29. Vgl. dazu Ivo Banac, With Stalin, Against Tito, Cominformist Splits in Yugoslav Communism, Ithaca 1988; Carol S. Lilly, Power and Persuasion. Ideology and Rhetoric in Communist Yugoslavia, 1944-1953, Boulder 2001; Bojan Dimitrijević, Gradjanski rat u miru. Uloga armije i službe bezbednosti u obračunu sa političkim protivnicima Titovog režima 1944-1954,·Beograd 2003.
  30. Vgl. etwa die Literaturdiskussion bei Sundhaussen, Jugoslawien und seine Nachfolgestaaten, S. 93ff.
  31. Vgl. Karl Günzel, Planwirtschaft und Außenhandelspolitik der FVRJ, in: Markert (Hrsg.), Osteuropa-Handbuch Jugoslawien, S. 228-243.
  32. Lorraine Lees, Keeping Tito Afloat: The United States, Yugoslavia and the Cold War, University Park, PA 1997; Jakovina Tvrtko, Socijalizam na američkoj pšenici (1948-1963 ), Zagreb 2002; Predrag Marković, Beograd između Istoka i Zapada 1948-1965, Beograd 1995; Dragan Bogetić, Jugoslavija i Zapad 1952-1955. Jugoslovensko približavanje NATO-u, Beograd 2000.
  33. Vgl. für Details etwa Darko Bekić, Jugoslavija u hladnom ratu. Odnosi s velikim silama 1949-1955, Zagreb 1988; Tvrtko Jakovina, Američki komunistički saveznik. Hrvati, Titova Jugoslavija i Sjedinjene Američke Države 1945-1955, Zagreb 2003.
  34. Svetozar Rajak, Yugoslavia and the Soviet Union in the Early Cold War: Reconciliation, Comradeship, Confrontation, 1953-1957, London 2011.
  35. Brief Chruščëvs an das ZK des BKJ, 22.6.1954, abgedruckt in Cold War International History Project Bulletin, Issue 12/13 (2012), S. 319.
  36. Dragan Bogetić, Nova strategija spoljne politike Jugoslavije 1956-1961, Beograd 2006; Slobodan Selinić (Hrsg.), Spoljna politika Jugoslavije 1950-1961, Beograd 2008.
  37. Vgl. hierzu Nataša Mišković, Tito, Nehru, Chruščëv und der ungarische Volksaufstand 1956. Blockfreies Krisenmanagement im Kalten Krieg, in: Südost-Forschungen 72 (2013), S. 158-197.
  38. Vgl. ausführlicher mit Bezug auf Titos Verständnis der Entwicklung der Blockfreienbewegung: Čedomir Vučković, Nesvrstanost u misli i delu Tita, Beograd 1977; bzw. in einer internationalen Verortung: Tvrtko Jakovina, Treća strana hladnog rata, Zagreb 2011; Alvin Z. Rubinstein, Yugoslavia and the Nonaligned World, Princeton 1970.
  39. Die Literatur zum jugoslawischen Selbstverwaltungssystem ist umfangreich und verfolgte auch seine Entwicklung. Siehe etwa: Viktor Meier, Das neue jugoslawische Wirtschaftssystem, Zürich 1956; Herwig Roggemann, Das Modell der Arbeiterselbstverwaltung in Jugoslawien, Frankfurt a.M. 1970; Josip Obradović/William N. Dunn (Hrsg.), Workers' Self-Management and Organizational Power in Yugoslavia, Pittsburgh1978; Wolfgang Höpken, Sozialismus und Pluralismus in Jugoslawien. Entwicklung und Demokratiepotential des Selbstverwaltungssozialismus, München 1984; Rudi Supek, Probleme und Erfahrungen der jugoslawischen Arbeiterselbstverwaltung, in: Klaus-Detlev Grothusen/Othmar Haberl/Wolfgang Höpken (Hrsg.), Jugoslawien am Ende der Ära Tito, Bd. 2, München 1986, S. 159-185; Blaženka Despot, Žensko pitanje i socijalističko samoupravljanje, Zagreb 1987.
  40. Vgl. dazu etwa Dejan Jović, Jugoslavija – Država koja je odumrla. Uspon, kriza i pad Čtvrte Jugoslavije, Beograd 2003.
  41. Patrick Hyder Patterson, Bought and Sold. Living and Losing the Good Life in Socialist Yugoslavia, Ithaca 2011.
  42. Igor Duda, U potrazi za blagostanjem. O povijesti dokolice i potrošačkog društva u Hrvatskoj 1950ih i 1960-ih, Zagreb 2005; Breda Luthar, Maruša Pušnik (Hrsg.), Remembering Utopia: The Culture of Everyday Life in Socialist Yugoslavia, Washington 2010; Radina Vučetić, Koka-kola socijalizam. Amerikanizacija jugoslovenske popularne kulture šezdesetih godina XX veka, Beograd 2012; Nicole Münnich, Beograd zwischen sozialistischem Herrschaftsanspruch und gesellschaftlichem Eigensinn. Die jugoslawische Hauptstadt als Entwurf und urbane Erfahrung, Wiesbaden 2012; Igor Duda, Pronađeno blagostanje. Svakodnevni život i potrošačka kultura u Hrvatskoj 1970-ih i 1980-ih, Zagreb 2010.
  43. Für treffende quantitativ-strukturelle Angaben über den starken Trend hin zum Konsumismus im sozialistischen Jugoslawien der 1960er-Jahre siehe Dušan Bilandžić, Historija Socijalističke Federativne Republike Jugoslavije: Glavni procesi 1918-1985, Zagreb 1985, S. 385-391.
  44. Marie-Janine Calic, Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert, München 2010, S. 205-227; Lenard J. Cohen, The Socialist Pyramid: Elites and Power in Yugoslavia, Oakville 1989.
  45. Susan Woodward, Socialist Unemployment. The Political Economy of Yugoslavia 1945-1990, Princeton 1995; Rudolf Bićanić, Economic Policy in Socialist Yugoslavia, Cambridge 1973.
  46. Ulf Brunnbauer (Hrsg.), Transnational Societies, Transterritorial Politics. Migrations in the (Post-)Yugoslav region 19th-21th century, München 2009.
  47. Vladimir Ivanović, Geburtstag pišeš normalno. Jugoslovenski gastarbajteri u Austriji i SR Nemačkoj (1965-1973), Beograd 2012.
  48. Vgl. für einen Blick hierzu in verschiedene gesellschaftliche Sphären die Beiträge in Hannes Grandits/Holm Sundhaussen (Hrsg.), Jugoslawien in den 1960er Jahren. Auf dem Weg zu einem (a)normalen Staat, Wiesbaden 2013.
  49. Gudrun Lemân, Das jugoslawische Modell. Wege zur Demokratisierung, Frankfurt a.M. 1976; Steven L. Burg, Conflict and Cohesion in Socialist Yugoslavia: Decision Making Since 1966, Princeton 1983; John B. Allcock, Explaining Yugoslavia, London 2000.
  50. Paul Shoup, Communism and the Yugoslav National Question, New York 1968; Hilde K. Haug, Comrades Between Brotherhood and (dis)Unity: The Yugoslav Communists' Search for a Socialist Solution to the National Question, 1935-1980, Oslo 2007; Ksenija Cvetković-Sander, Sprachpolitik und nationale Identität im sozialistischen Jugoslawien (1945-1991). Serbokroatisch, Albanisch, Makedonisch und Slowenisch, Wiesbaden 2011; Ulf Brunnbauer/Hannes Grandits (Hrsg.), The Ambiguous Nation. Case Studies from Southeastern Europe in the 20th Century, München 2013.
  51. Boris Kanzleiter/Krunoslav Stojaković (Hrsg.), „1968“ in Jugoslawien. Studentenproteste und kulturelle Avantgarde zwischen 1960 und 1975. Gespräche und Dokumente, Bonn 2008.
  52. Ludwig Steindorff, Der Kroatische Frühling. Eine soziale Bewegung in einer sozialistischen Gesellschaft, in: Jürgen Elvert (Hrsg.), Der Balkan. Eine europäische Krisenregion in Geschichte und Gegenwart, Stuttgart 1997, S. 197-210; Tvrtko Jakovina (Hrsg.), Hrvatsko proljeće, 40 godina poslije, Zagreb 2012.
  53. Vgl. etwa Nenad Stefanov, Wissenschaft als nationaler Beruf. Die Serbische Akademie der Wissenschaften 1944-1992. Tradierung und Modifizierung nationaler Ideologie, Wiesbaden 2011; Jasna Dragović-Soso, Saviours of the Nation. Serbia’s Intellectual Opposition and the Revival of Nationalism, London 1988.
  54. Vgl. hier etwa die Zusammenschau in Sundhaussen, Jugoslawien und seine Nachfolgestaaten, S. 186-193.
  55. Sabrina P. Ramet, Nationalism and Federalism in Yugoslavia, 1962-1991, Bloomington 1992; für „Nationalisierungstendenzen“, die auch in verschiedenen gesellschaftlichen Sphären relevant wurden, siehe etwa Andrew B. Wachtel, Making a Nation, Breaking a Nation. Literature and Cultural Politics in Yugoslavia. Stanford 1998.
  56. Vgl. dazu die Beiträge Hannes Grandits/Karin Taylor (Hrsg.), Yugoslavia’s Sunny Side. A History of Tourism in Socialism (1950-1980), Budapest 2010.
  57. Aleksandar Raković, Rokenrol u Jugoslaviji 1956-1968. Izazov socijalističkom društvu, Beograd 2011; Petar Janjatović, Ilustrovana YU rock enciklopedija 1960-1997, Beograd 1998.
  58. Othmar N. Haberl, Die Abwanderung von Arbeitskräften aus Jugoslawien. Zur Problematik ihrer Auslandsbeschäftigung und Rückführung, München 1978.
  59. Aleksandar M. Vacić, Jugoslavija i Evropa: uporedna analiza privrednog razvoja Jugoslavije 1971-1987, Beograd 1989; Dijana Pleština, Regional Development in Communist Yugoslavia: Success, Failure and Consequences, Boulder 1992; John R. Lampe, Yugoslavia as History. Twice there Was a Country, Cambridge 1996.