Klasse
Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 10.03.2015
https://docupedia.de/zg/pleinen_klasse_v1_de_2015
DOI: https://doi.org/10.14765/zzf.dok.2.584.v1
Begriffe, Methoden und Debatten
der zeithistorischen Forschung
Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 10.03.2015
https://docupedia.de/zg/pleinen_klasse_v1_de_2015
DOI: https://doi.org/10.14765/zzf.dok.2.584.v1
„Wearing overalls on weekdays, painting somebody else's house to earn money? You're working class. Wearing overalls at weekends, painting your own house to save money? You're middle class.”[1]
Mit dieser Definition des Begriffs „class” gewann 1990 ein Leser des „Sunday Correspondent” einen von dieser Zeitung ausgeschriebenen Wettbewerb und damit – nicht ohne Ironie – einen Vorrat des emblematischen Lieblingsgetränks der englischen Arbeiterklasse: Ale.[2] Die Ausschreibung war Teil einer größeren gesellschaftlichen Debatte, die in Großbritannien Anfang der 1990er-Jahre über die eben zu Ende gegangene Ära Thatcher geführt wurde. Es ging u.a. um die Frage, ob Großbritannien angesichts der erheblichen Schwächung der Gewerkschaften und der zunehmenden sozialen Ungleichheit überhaupt noch eine Arbeiterklasse habe. Kritiker des „Thatcherism” wie der Dramatiker John Mortimer beschrieben die Situation in Großbritannien gar wie folgt: „People are either middle-class or sleeping in a cardboard box.”[3]
Der Klassenbegriff ist als Klassiker der Sozialstrukturforschung eng mit der Entstehung der modernen Soziologie als Disziplin verknüpft und verdeutlicht gleichzeitig die besondere Standortgebundenheit jeder Beschäftigung mit sozialer Ungleichheit: Sie findet statt in einem Spannungsfeld aus wissenschaftlichen Analysen, medial vermittelter Wahrnehmungsmuster sowie darauf reagierender politischer Reformforderungen und Rechtfertigungen. Gleichzeitig prägen ungleiche Chancen, Zugänge und Ressourcen die täglich erlebte Wirklichkeit sowohl der interessierten Forscher/innen als auch der Menschen in Gegenwart und Vergangenheit, die sie zu ihrem Untersuchungsgegenstand machen. Dementsprechend sind Konzepte und Begriffe zur Erforschung sozialer Ungleichheit auch Bestandteil gesellschaftlicher Selbstbeschreibungen und politischer Aushandlungsprozesse. Dies gilt umso mehr für den Klassenbegriff, der unter ihnen zweifellos am stärksten politisch aufgeladen ist.
Die Angewohnheit der Geschichtswissenschaft, sich Elemente ihrer Nachbardisziplinen (vor allem der Soziologie) anzueignen, bedeutet, dass – wie Jürgen Kocka es einmal treffend ausgedrückt hat – „Begriffe wie ‚Klasse’ […] zu Teilen eines breiteren, argumentativen, beschreibenden und erklärenden Kontextes [werden], der seinerseits nicht oder kaum durch explizite Theoriebildung geleitet ist”.[4] Auf der Anwendungsebene besteht zwischen sozialen Klassen und anderen Begriffen wie Schicht, Stand oder Milieu häufig kein eindeutiger Unterschied.[5] Dennoch handelt es sich um Konzepte, die für verschiedene Zugänge zu Ungleichheit stehen und mit unterschiedlichen theoretischen Vorannahmen verbunden sind. Der folgende Artikel soll eine kurze Einführung in die Verwendung des Klassenbegriffs und seine Bedeutung für die geschichtswissenschaftliche Forschung bieten.
Das lateinische Wort „classis” findet sich bereits in antiken römischen Quellen, verlor aber aufgrund der Dominanz des zunehmend christlich geprägten Ständebegriffs während der Spätantike und des Mittelalters an Bedeutung.[6] Die Nationalökonomie des 18. Jahrhunderts griff den Begriff Klasse wieder auf, zunächst im Physiokratismus, dann in der liberalen Wirtschaftslehre.[7] Feudale Kategorien wurden in diesem ökonomischen Konzept nicht mehr berücksichtigt, und der Klassenbegriff fand vor dem Hintergrund von Industrialisierungsprozessen und aufweichenden Adelsprivilegien seit dem späten 18. Jahrhundert zunehmend Verbreitung. Der Standesbegriff starb nicht aus, sondern wurde neu definiert: Die oberen Stände unterschieden sich nun häufig nicht mehr durch adlige Geburt, sondern durch Sitten und Bildungstitel von den unteren und öffneten sich daher für das aufstrebende Bürgertum.[8] Eine klare Abgrenzung zwischen Klasse und Stand war durchaus nicht immer gegeben – zudem wurde der Klassenbegriff sowohl gesellschaftskritisch (etwa von den Frühsozialisten) als auch deskriptiv verwendet, ohne dass mit ihm ein spezifisches Theoriemodell verbunden gewesen wäre. Dies änderte sich erst durch die Klassentheorie von Marx und Engels. Die langlebigste Variante des Standesbegriffs findet sich im „Mittelstand”, der als kollektive Selbstbeschreibung noch bis in die frühe Bundesrepublik hinein politisch wirkmächtig blieb.[9]
Infolge einer kritischen Auseinandersetzung mit der marxistischen Klassentheorie entwickelte der Soziologe Theodor Geiger (1891-1952) bereits während der 1920er-Jahre seinen multidimensionalen Begriff der Schicht und operationalisierte ihn in mehreren Studien zur deutschen Sozialstruktur.[10] Demnach bestanden Schichten aus Mitgliedern mit ähnlichen sozialen Lagen wie Einkommen, Vermögen, Privilegien und (Aus-)Bildung. Geigers Schichtbegriff berücksichtigte neben diesen objektiven Schichtmerkmalen auch subjektive Schichtzugehörigkeiten („Mentalitäten”), die sich nicht zwangsläufig aus der sozioökonomischen Situation ergaben.[11]
![„Bolte-Zwiebel 2“ von Karl Martin Bolte, Datum unklar ca. 1989/90 - Vorlesungsskript von Bolte, Quelle: [http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bolte-Zwiebel_2.jpg Wikimedia Commons] ([http://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinfreiheit?uselang=de gemeinfrei]).](sites/default/files/import_images/1515.jpg)
Nach dem Zweiten Weltkrieg schien der Schichtbegriff vielen Soziologen und Historikern eine flexible analytische Alternative zur Klasse zu bieten, die nicht durch eine prominente Rolle in der Systemkonkurrenz des Kalten Kriegs belastet war. Darstellungen einfacher Schichten-Modelle wie die sogenannte Bolte-Zwiebel mit ihrer Bildsprache des Normalfalls Mittelstand (77% der Bevölkerung) avancierten zur visuellen Selbstrepräsentation der durch wirtschaftlichen Boom geprägten Bundesrepublik.[12] Im sogenannten Dahrendorf-Haus war die Sozialstruktur der Bundesrepublik im Jahr 1965 demgegenüber noch von einer relativ homogenen Arbeiterschicht (45% sowie 5% Arbeiterelite) geprägt, während der Mittelstand nur 20% ausmachte, hinzu kamen 12% „falscher Mittelstand”, deren Einkommen ihrem Habitus nicht entsprach.[13] Auch wenn Klasse und Schicht in geschichtswissenschaftlichen Arbeiten oft synonym verwendet werden,[14] unterscheiden sich die Konzepte in einigen zentralen Punkten: Soziale Schichten sind durchlässiger und weniger statisch als Klassen, setzen also implizit die Möglichkeit von sozialer Mobilität voraus. Außerdem distanzieren sich die meisten Schichtenmodelle vom Postulat eines grundsätzlichen Konflikts zwischen sozialen Gruppen, das zumindest den am Marx'schen Klassenmodell orientierten Klassentheorien zugrunde liegt. Der Schichtbegriff erwies sich als international wesentlich weniger durchsetzungsstark als „Klasse”: Er wurde in seinen Übersetzungen wie „social stratum” oder „couche sociale” relativ wenig verwendet und blieb ein weitgehend deutsches Phänomen.
![„Dahrendorf-Haus”, gezeichnet von Gavin Mitchell, 12. Januar 2008, Quelle: [http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dahrendorf_Haus.jpg?uselang=de Wikimedia Commons] ([http://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinfreiheit?uselang=de gemeinfrei]).](sites/default/files/import_images/1516.jpg)
Die beiden Modelle Klasse und Schicht basieren trotz der erwähnten Unterschiede letztlich auf ökonomischen Faktoren wie dem Einkommen einer Personengruppe. Demgegenüber geht das Milieukonzept von politisch-kulturellen Zugehörigkeiten aus, für die die objektive Lage ihrer Mitglieder nicht mehr der ausschlaggebende Faktor ist. Durch diese Orientierung wurde das Milieukonzept zum Anknüpfungspunkt für neuere, von der Postmoderne geprägte Ansätze wie der Lebensstil-Forschung, die ihre Blütezeit während der 1980er- und 1990er-Jahre erlebten.[15] Eingang in die deutsche Geschichtswissenschaft fand das Milieumodell durch den Soziologen Mario Rainer Lepsius: Er wandte es auf das Wahlverhalten sozialer Gruppen im Kaiserreich und der Weimarer Republik an, um zu erklären, warum sich die deutschen Parteien zu Gesinnungsgemeinschaften fixierten, die überkommene Konflikte ritualisierten und so die Demokratisierung der Gesellschaft hemmten.[16] Lepsius' Milieubegriff wurde zu einem wichtigen Bezugspunkt sowohl der Forschung zu politischer Kultur als auch zu sozialer Ungleichheit, auch wenn seine Einteilung der deutschen Gesellschaft vor 1933 in ein relativ starres und homogenes katholisches, sozialistisches, liberales und konservatives Milieu in dieser zugespitzten Form empirisch so nicht bestätigt wurde.[17] Die maßgeblich von den Arbeiten von Karl Rohe geprägte historische Wahlforschung fasst Milieu als eine Gemeinschaft, die durch geteilte Deutungen und soziale Praktiken der Sinnstiftung zusammengehalten wird,[18] und wendet den Begriff auch auf zeitgeschichtliche Fallbeispiele an.
Durch den besonderen Stellenwert von „Klasse” im Werk von Karl Marx (1818-1883) und Friedrich Engels (1820-1895) wurde der Begriff nun erstmals mit einer Großtheorie zur Entwicklung von Gesellschaften verknüpft. Klassen waren für Marx und Engels bedingt durch ihren Anteil an den Produktionsmitteln (zum Beispiel Geld, Fabriken und Rohstoffe) und ihre Stellung in der Arbeitsteilung einer Gesellschaft.[19] Diese materialen Klassenlagen bestimmten nicht nur die Lebenschancen der Menschen und ihren Anteil an der politischen Macht, sondern auch ihre Wahrnehmung der sozialen Verhältnisse: „Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt.” [20] Letztlich war das Marx'sche Modell dichotom von zwei Klassen geprägt, den auf Erwerbsarbeit angewiesenen Proletariern und den Kapitalisten,[21] während „Dritte” wie Handwerker durch die Konkurrenz industrieller Produktion zunehmend verarmten und ins Proletariat abrutschten. Konflikte zwischen Proletariern und Kapitalisten stellten den Motor für gesellschaftliche Veränderungen dar, die sich in Stufen von der antiken Sklavenhaltergesellschaft bis zur – nach der Revolution des Proletariats – klassenlosen Gesellschaft vollzögen.
Seine volle politische Bedeutung entfaltete der Marx'sche Klassenbegriff und die Vorstellung von Geschichte als Abfolge von Klassenkämpfen erst durch die Schriften von Wladimir Iljitsch Lenin(1870-1924).[22] Lenin postulierte im Gegensatz zu Marx und Engels, eine Revolution sei im agrarisch geprägten Zarenreich bereits vor der vollen Entfaltung des Kapitalismus möglich. Nötig dafür sei die Ausbildung einer revolutionären Elite, die dem Proletariat das nötige Klassenbewusstsein vermitteln und den Klassenkampf organisieren könne. An die Stelle des Proletariats als entscheidende politische Kraft traten also Berufsrevolutionäre wie Lenin selbst, die statt der Herrschaft des Proletariats eine Erziehungsdiktatur als Übergangsstufe zur klassenlosen Gesellschaft errichten sollten.[23]
Das Lenin'sche Modell des Klassenkampfes prägte nach 1920 die Staatsdoktrin der Sowjetunion und wurde von Stalin in den 1930er-Jahren um die Vorstellung erweitert, der Erfolg des Klassenkampfes hänge nicht von der Weltrevolution ab, sondern sei auch in einem einzelnen Land möglich.[24] Die Anwendung des eigentlich international angelegten Klassenkonzepts auf die jeweiligen Nationalgeschichten erzeugte einen Konflikt, der sich vor allem in denjenigen Ländern des Ostblocks, in denen die Nationalstaatsbildung nur schwer als Errungenschaft einer Klasse dargestellt werden konnte, kaum auflösen ließ.[25] Im offiziellen Sprachduktus der DDR wurde „Klasse” synonym mit „Arbeiterklasse” verwendet, da laut SED-Doktrin die übrigen Klassen im Niedergang begriffen seien und für die Gesellschaft keine Bedeutung mehr hätten. Um diese Darstellung aufrechterhalten zu können, wurden klassisch bürgerliche Berufsgruppen wie Akademiker zu Mitgliedern der Arbeiterklasse deklariert.[26] Im Wissenschaftsfeld der DDR ebenso wie in anderen Ländern, die zum kommunistischen Herrschaftsbereich gehörten, war das häufig floskelhaft verwendete Vokabular des Marxismus-Leninismus eine Voraussetzung, um überhaupt veröffentlicht werden zu können.[27]
In der westlichen Geschichtswissenschaft des 20. Jahrhunderts wurde der Marx'sche Klassenbegriff zwar zahlreichen Kritiken und Modifikationen unterworfen, blieb aber ein zentraler Bezugspunkt, und zwar sowohl für Richtungen, die sich selbst als marxistisch definierten als auch für bürgerlich-liberale Forschungsstränge.[28] Die politische Bedeutung des Klassenbegriffs und der Diagnose der eigenen Gesellschaft als Klassengesellschaft war im Westen sehr unterschiedlich ausgeprägt, wie eine Gegenüberstellung des britischen und des westdeutschen Beispiels zeigt: In Großbritannien fand die Einteilung in eine „Upper Class”, eine häufig nochmals unterteilte „Middle Class” sowie eine „Working Class” weite Verbreitung[29] – bereits seit 1913 basierten auch die offiziellen Statistiken auf einem kontinuierlich angepassten Klassenmodell.[30] Sowohl „Working Class”[31] als auch „Middle Class”[32] waren in Großbritannien zudem positiv konnotierte Selbstbeschreibungen gesellschaftlicher Großgruppen. In der Bundesrepublik hingegen adaptierten die mittleren Schichten der Gesellschaft keine klassenbezogene Selbstbeschreibung. Dies trug ebenso wie die direkte ideologische Konfrontation mit der DDR mit dazu bei, dass der Begriff hier nie ganz seine marxistisch-revolutionäre Konnotation verloren hat.[33]
Eine zentrale Modifikation aus nicht-marxistischer Perspektive erfuhr der Klassenbegriff[34] durch den Soziologen Max Weber (1864-1920). Weber zufolge entstanden Klassenlagen durch eine ungleiche Verteilung von Einkommen und Besitz in der Wirtschaftsordnung, und Menschen, die in der gleichen Klassenlage waren, bildeten eine Klasse. Er beschrieb drei verschiedene Typen von Klassen: Erwerbs-, Besitz- und soziale Klassen, die je nach Marktorientierung der Gesellschaft unterschiedlich stark ausgeprägt seien. Die Klassenlagen der Besitzklassen (vor allem Rentenbezieher und Gläubiger verschiedener Art) wurden durch Besitzunterschiede bestimmt, die der Erwerbsklassen hingegen durch „die Chancen der Marktverwertung von Gütern und Leistungen” (Händler, Unternehmer, Beamte, die „freien Berufe” und Arbeiter).[35] Klassenmitglieder konnten positiv oder negativ privilegiert sein, je nach der Stärke ihrer Position. Weniger klar als Besitz- und Erwerbsklassen war der dritte Typ: die sozialen Klassen: Sie zeichneten sich durch interne Mobilität aus und umfassten sowohl Arbeiter als auch das Kleinbürgertum, Angestellte und Intellektuelle. Zwischen den drei Klassen gab es Überlappungen: So konnten Unternehmer als positiv privilegierte Mitglieder der Erwerbsklassen gleichzeitig zu den Besitzklassen gehören. Zur Grundlage eines „vergesellschafteten Klassenhandelns” (politischer Einfluss und Interessenvertretung) konnten gemeinsame Klassenlagen aber nur unter bestimmten Bedingungen werden, etwa wenn eine Klasse durch externe Eliten gegen einen direkten Gegner gelenkt würde.[36] Webers Modell kombinierte die Klassenlagen mit „ständischen Lagen” – der ungleichen Verteilung von Anerkennung, Prestige und Wertschätzung durch die Sozialordnung. Die Sozialordnung stand laut Weber zwar in Wechselwirkung mit der Wirtschaftsordnung, zeigte aber auch Eigenlogiken.[37]
Die Rezeption Webers durch die deutsche Geschichtswissenschaft riss durch den Nationalsozialismus zunächst ab. Nach Kriegsende fand sein Klassenmodell in der Geschichtsschreibung der jungen Bundesrepublik aufgrund der dominierenden Verbindung des Begriffs mit dem Gesellschaftsmodell der DDR zunächst nur wenig Beachtung,[38] obwohl Weber, der die Gesetzmäßigkeit der historischen Abfolge von Klassenkämpfen bestritt, von Marxisten als „bourgeoiser”, reformistischer Klassentheoretiker abgelehnt wurde.[39] Die erneute Hinwendung zu den Weber'schen Konzepten erfolgte in Westdeutschland als eine Art Reimport über den Impuls strukturfunktionalistischer US-amerikanischer Soziologen wie Talcott Parsons (1902-1979).[40]
Vertreter der Sozialgeschichte Bielefelder Prägung nutzten Webers Konzept marktbedingter Klassen zusammen mit seiner Idealtypenlehre, um sich von der klassischen Politikgeschichte abzugrenzen und gesellschaftliche Ungleichheitsstrukturen zu analysieren. Ein Fokus lag dabei auf der Entwicklung von Klassenstrukturen seit dem 19. Jahrhundert und ihrer Rolle bei der Entstehung der Arbeiterbewegung, was meist am Beispiel von Industriestädten untersucht wurde.[41] So zeigte Jürgen Kocka in seiner einflussreichen Studie zur deutschen Sozialgeschichte während des Ersten Weltkriegs, dass die gemeinsame relative Verarmung der Lohnempfänger in der Kriegsökonomie klasseninterne Unterschiede verringerte und die Differenz zum Bürgertum umso schärfer hervortrat.[42] Als zentrales Merkmal einer Verhärtung von Klassenstrukturen wurde fehlende soziale Mobilität ausgemacht, die u.a. auf intergenerationelle „Vererbung” von Berufen sowie klasseninternes Heiratsverhalten zurückgeführt wurde.[43] Kritik an der Verwendung des Quellen- und Kampfbegriffs Klasse als Analysekategorie kam auch aus den eigenen Bielefelder Reihen: So forderte Reinhart Koselleck (1923-2006) die konsequente Historisierung der Sprache vergangener Konflikte als „Minimalforderung” einer Begriffsgeschichte, die sich als integraler Bestandteil der Sozialgeschichte verstand.[44] Nach einer Hochphase der Forschung zur Arbeiterklasse während der 1960er-, 1970er- und frühen 1980er-Jahre fokussierte ein Bielefelder Sonderforschungsbereich während der 1990er-Jahre die Entwicklung des deutschen Bürgertums in europäischer Vergleichsperspektive und relativierte die ökonomische Klassenlage des Bürgertums zugunsten eines Konzepts, demzufolge es sich vor allem über Bildung, Ehrvorstellungen und Verhaltensweisen konstituiere.[45]
Im Folgenden soll es darum gehen, die Debatte um die Verwendung des Klassenbegriffs anhand von drei zentralen Problemen kurz zu skizzieren und einige Impulse aufzuzeigen , die sich daraus ergaben. Im Anschluss wird vor dem Hintergrund eines erneut zunehmenden Forschungsinteresses an Fragen sozialer Ungleichheit diskutiert, ob der Klassenbegriff dazu noch einen Beitrag leisten kann.
Ein viel diskutierter Aspekt der Erforschung von Klassen ist der Zusammenhang zwischen der gemeinsamen sozioökonomischen Situation der Klassenangehörigen und der Herausbildung eines politischen Kollektivs:[46] Zwar wiesen die meisten sozialgeschichtlichen Klassenstudien in Anlehnung an Weber explizit darauf hin, dass kein Automatismus bei der Ausbildung politischer Interessen(svertretung) unterstellt werden dürfe. Viele Arbeiten gingen jedoch zumindest von einer Dominanz sozioökonomischer Klassenlagen aus.[47] Kritiker führten an, dass zumindest eine orthodoxe Anwendung des Klassenbegriffs alle Sinnstiftungsversuche, die den unterstellten Interessen der Klasse nicht entsprächen, als Verblendung abqualifiziere.[48]
Die Vorstellung, sozioökonomische Lagen alleine entschieden über die Formierung sozialer Gruppen, negierte die Bedeutung konkurrierender Zugehörigkeiten wie Gender oder Ethnizität und Rasse bzw. ging der Modernisierungstheorie folgend von einem zunehmenden Verblassen dieser Faktoren aus. Das häufige Vorgehen der Sozialgeschichte, die Rolle von Geschlechterbeziehungen bei der Entwicklung von Lebens- und Arbeitswelten auf die eher banale Feststellung, die soziale Situation der Frau hinge von der ihres Mannes ab, zu beschränken,[49] stieß auf heftige Kritik: Vor allem die feministisch orientierte Genderforschung plädierte mit dem Verweis auf erhebliche Unterschiede zwischen genderspezifischen Lebenslagen dafür, Klasse als nur eine Variable multipler Identitäten zu betrachten.[50]
Die deutsche Arbeiterklasse wurde darüber hinaus häufig nicht nur als männlich, sondern auch als ethnisch homogen gedacht.[51] Studien wie die von Klaus Tenfelde zu den „Ruhrpolen” und ihrem ethnisch-konfessionell definierten Vereinswesen zeigten jedoch die große Bedeutung dieser Zugehörigkeit innerhalb der Arbeiterklasse auf.[52] Hinzu kam der sozioökonomische Effekt einer ethnischen „Unterschichtung”,[53] der den „einheimischen” Arbeitern einen relativen sozialen Aufstieg ermöglichte. Gleichzeitig konkurrierten sie mit den Arbeitsmigranten um die niedrigsten Löhne.[54] Angesichts der starken Mobilität im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts sowie der Auswirkungen des europäischen Kolonialismus[55] auf globale Migrationsbewegungen wurde gefordert, Ethnizität als ein mit sozialer Klasse gleichgestelltes Strukturmerkmal zu erforschen.[56] In den USA wurde die Debatte um das Verhältnis der Zugehörigkeiten Klasse und Rasse bereits seit den 1940er-Jahren geführt.[57] Ungeachtet der stärkeren Aufmerksamkeit, die die Bürgerrechtsbewegung auf rassistische Diskriminierung lenkte, führte die Hochphase der „Labor History” laut Kritikern wie David Roediger auch hier bis in die 1990er-Jahre dazu, dass der Faktor class gegenüber race „überbetont” wurde.[58] Es finden sich auch Ansätze – vor allem im Feld der Postcolonial Studies –, die Klasse, Gender und Rasse kombinieren. Sie machen allerdings nur einen kleinen Teil der Ungleichheitsforschung aus.[59]
Durch den Fokus auf Einkommensverhältnisse und andere aggregierte Daten gerieten die Individuen häufig aus dem Blick der Forschung. Impulse für einen produktiven Umgang mit dieser Problematik kamen aus Frankreich und Großbritannien: Sowohl der Historiker E.P. Thompson (1924-1993) als auch der Soziologe Pierre Bourdieu (1930-2002) versuchten, den Gegensatz zwischen Subjektivismus und Objektivismus zu überwinden, indem sie die Analyse von Klassenstrukturen mit einem Akteursansatz verbanden. Beide setzten sich mit ihrer Operationalisierung des Klassenbegriffs sowohl von der kommunistischen Parteiorthodoxie als auch von der strukturalistischen Strömung innerhalb der marxistischen Geschichtsschreibung westlicher Prägung ab.[60]
In seinem 1963 erschienenen Werk „The Making of the English Working Class” (Untersuchungszeitraum 1780-1832) analysierte Thompson die Arbeiterklasse als eine spezifische Beziehung ihrer Mitglieder zueinander.[61] Arbeiter und Arbeiterinnen erschienen hier nicht nur als Opfer sozioökonomischer Umstände, sondern als ernstzunehmende Akteure, auch wenn Proteste wie die Luddismus-Bewegung gegen die Industrialisierung zum Scheitern verurteilt waren.[62] Thompson verband die Untersuchung solcher Bewegungen, die er als Ausdruck eines sich im späten 18. Jahrhundert entwickelnden Klassenbewusstseins sah, mit der Analyse von Arbeits- und Lebensbedingungen. Sein Werk wirkte in den späten 1960er-Jahren als Initialzündung der „New Social and Labor History”[63] und prägte als eines der ersten Lehrbücher der „Open University”[64] die Vorstellung breiter Bevölkerungsteile zur Geschichte der britischen Arbeiterklasse.
Ähnlich wie Thompson ging es auch Bourdieu mit seinem Klassenbegriff um eine spezifische Form sozialer Beziehungen. Allerdings fokussierte er in seinem Hauptwerk „Die feinen Unterschiede” vor allem die Frage, wie sich Klassen voneinander abgrenzten. Über die Stellung eines Akteurs im sozialen Raum, seine Wahrnehmung und seine Handlungsoptionen entschied Bourdieu zufolge sein Besitz an Kapital, das jedoch im Gegensatz zum Marx'schen Kapitalbegriff nicht auf Produktionsmittel beschränkt war. Neben dem ökonomischen Kapital manifestiert sich soziale Ungleichheit für ihn durch kulturelles, symbolisches und soziales Kapital, das sich ebenso im Verhalten der Akteure ausdrücken konnte (inkorporiertes Kapital) wie in der Aneignung distinguierender Gegenstände (objektiviertes Kapital) oder im Tragen anerkannter Bildungstitel (institutionalisiertes Kapital).[65] Bourdieu zeigte die Beziehungen innerhalb einer Klasse am Beispiel Frankreichs der 1960er-Jahre in ihrer Ambivalenz: Neben Klassensolidarität trat der Versuch aufstiegsorientierter Akteure, sich von den im sozialen Feld Nahestehenden zu distanzieren, wenn diese ihre angestrebte soziale Identität bedrohten.[66] Bourdieus Kapital- und Klassenbegriff wurde seit Mitte der 1980er-Jahre vor allem von konstruktivistischen und kulturalistischen Strömungen innerhalb der Sozial- und Geisteswissenschaften aufgegriffen.[67]
Die Synthese von Struktur- und Akteursansatz wurde in Anlehnung an Thompson und Bourdieu zwar zu einer häufig wiederholten Forderung, blieb jedoch bei der Operationalisierung des Klassenbegriffs meist auf ein weitgehend unverbundenes Nebeneinander beschränkt.[68]
Als dritten Punkt lässt sich die Frage anführen, ob der Klassenbegriff nur auf von Industrialisierungsprozessen geprägte Gesellschaften anwendbar ist oder ob er sich in formalisierter Form auch in andere soziale Kontexte transponieren lässt. Eine Variante dieser Diskussion drehte sich um die Analyse von Konflikten in antiken[69] und mittelalterlichen Gesellschaften als Klassenkämpfe. Innerhalb der Mediävistik auf Zuspruch gestoßen ist eine solche Anwendung im Fall der europäischen Bauernkriege.[70]
Eine ähnliche Anwendungsdebatte wurde in Bezug auf ländliche Gebiete geführt, in denen keine Industrie oder nur „Protoindustrie” angesiedelt war. Die deutsche Sozialgeschichte war insgesamt auf die politisch wirkmächtige Industriearbeiterschaft des 19. Jahrhunderts fokussiert.[71] Im Vergleich mit ihnen erschienen Landarbeiter/innen und andere ländliche Unterschichten aufgrund ihrer fehlenden politischen Organisation häufig als unterwürfige Elemente einer vormodernen dörflichen Gemeinschaft. Entgegen dieser häufig sozialromantisch unterfütterten Vorstellung zeigte Josef Moosers Pionierstudie zur „ländlichen Klassengesellschaft” zwischen 1770 und 1848 die Konflikte zwischen den verschiedenen sozialen Gruppen und vor allem die Ausbildung eines „rebellischen Konservativismus der Unterschichten gegen die ‚bürgerliche’ Gesellschaft”.[72]Trotz der unbestrittenen Gemeinsamkeiten, die die sozioökonomischen Lagen ländlicher Unterschichten aufwiesen, setzte sich die Diagnose ländlicher Klassen in der Geschichtswissenschaft nicht durch.[73] Die Frage, ob der Klassenbegriff eine industrielle Arbeitsteilung voraussetzte, verband sich in dieser Diskussion mit dem bereits thematisierten Konnex zwischen Klassenlage und Klassenbewusstsein.
Einen weiteren Aspekt behandelt die Frage, ob sich der Klassenbegriff für die Analyse prosperierender demokratischer Gesellschaften eignet, in denen soziale Konflikte durch politische Interessenvertretung und Umverteilung weitgehend befriedet wurden und in denen die von Marx postulierte Verelendung ausgeblieben ist. Die Debatte darum begann innerhalb der westdeutschen Sozialwissenschaften bereits während der 1950er-Jahre, als Helmut Schelsky (1912-1984) seine Vorstellung einer „nivellierten Mittelstandsgesellschaft” als Antithese zum marxistisch-leninistischen Klassenmodell und seiner Funktion in der Staatsideologie der DDR formulierte:[74] Wirtschaftliche Prosperität[75] und gewerkschaftliche Interessenvertretung habe, so Schelsky, einen sozialen Aufstieg der Arbeiter bewirkt, während bisherige Eliten wie Adel und Besitzbürgertum (vor allem unter den Vertriebenen) durch Kriegszerstörungen und Enteignungen relativ verarmt seien. Beides zusammen führe zu einer kleinbürgerlich-mittelständischen Gesellschaft, die nicht mehr von Klassenkonflikten, sondern von einer schichtenübergreifenden Orientierung an Freizeitvergnügen und Konsum geprägt sei. Schelsky löste mit seiner These innerhalb der Soziologie zwar scharfe Kritik aus, hatte jedoch damit eines der zentralen Selbstdeutungsmuster der jungen Bundesrepublik formuliert.[76] Die Bildungsexpansion der späten 1960er- und 1970er-Jahre sowie der Ausbau des Sozialstaats schienen die Auflösung der Klassen zu beschleunigen.[77]
Der Soziologe Ulrich Beck erstellte in den 1980er- und 1990er-Jahren eine Diagnose zeitgenössischer Entwicklungen, die einen ähnlich starken gesellschaftlichen Widerhall wie Schelskys Thesen fand und zu einem zentralen Bezugspunkt gegenwartsnaher Sozialforschung wurde: Fortgeschrittene moderne Gesellschaften wie die Bundesrepublik seien nicht mehr von einer klassenspezifischen Ungleichverteilung von Reichtum, sondern von einer „Logik der Risikoverteilung” geprägt.[78] Neben der Entwicklung zur „Risikogesellschaft” sah Beck die Bundesrepublik als „individualisierte Arbeitnehmergesellschaft”, die sich auszeichne durch eine „neue Unmittelbarkeit” zwischen Individuum und Gesellschaft. Traditionale soziale Unterschiede und Zugehörigkeiten verblassten ihm zufolge, während „unentrinnbare” Merkmale wie Ethnizität, Geschlecht und sexuelle Orientierung für die Individuen an Bedeutung zunähmen.[79]
Entgegen dieser Thesen, die auf eine Auflösung der Klassenstrukturen seit dem Zweiten Weltkrieg hinausliefen, postulierten zahlreiche einflussreiche Soziologen deren Fortbestehen.[80] So betonte Ralf Dahrendorf als Gegenstimme zu Schelsky, dass für die Existenz von Klassen nicht das Wohlstandsniveau insgesamt ausschlaggebend sei, sondern die relative Verteilung von Wohlstand und Macht.[81] Er verstand die These von einer nivellierten, weitgehend egalitären Gesellschaft als „ideologischen Schirm” der Privilegierten gegenüber Forderungen nach größerer Umverteilung.[82] Auch der Ausbau der Systeme sozialer Sicherung stand dem Fortbestand von Klassenstrukturen nicht per se entgegen: So hat Rainer Lepsius auf die Entstehung neuer Klassenlagen durch sozialstaatliche Interventionen hingewiesen („Versorgungsklassen”).[83] Die Wohlfahrtsstaaten zögen ein soziokulturelles Existenzminimum ein und vermittelten ein Mindestmaß an gesellschaftlicher Teilhabe, würden aber bestimmte Gruppen benachteiligen – insbesondere alleinerziehende Mütter – und neue Formen sozialer Ungleichheit schaffen.[84]
Nur wenige sozialgeschichtliche Studien zur Bundesrepublik[85] haben den Klassenbegriff operationalisiert. Josef Moosers Studie „Arbeiterleben” zeichnete als eine Ausnahme für die westdeutschen Arbeiter der 1960er-Jahre ein ambivalentes Bild: Prozesse von Entproletarisierung und sozialem Aufstieg standen neben kontinuierlichen Klassenstrukturen wie einem geringen Bildungsniveau, körperlicher Arbeit, den daraus folgenden Gesundheitsrisiken und vergleichsweise schlechter Bezahlung.[86] Die These von der Auflösung von Klassenstrukturen seit dem Zweiten Weltkrieg setzte wie bereits erwähnt voraus, dass Interessengegensätze durch zunehmende Prosperität, Umverteilung und sozialstaatliche Sicherung entschärft wurden. In der Bundesrepublik spielte das sozialversicherte Arbeitsverhältnis als biografischer Normalfall dabei eine zentrale Rolle. Das Entstehen eines „Prekariats”,[87] das aufgrund geringfügiger und zeitlich befristeter Arbeitsverhältnisse weder gewerkschaftlich vertreten wurde noch nennenswerte Rentenansprüche erwarb,[88] hat jedoch zu einem Revival des Klassenbegriffs in Form einer angeblich neuen „Unterklasse” geführt.
Die sozioökonomischen Veränderungen vor allem der letzten zwanzig Jahre haben der Erforschung sozialer Ungleichheit insgesamt eine neue Brisanz verliehen, vor deren Hintergrund im nun folgenden Schluss des Artikels kurz überlegt werden soll, welche Rolle der Klassenbegriff dabei spielt. Vor allem die Finanzkrise seit 2008 hat den Blick nachdrücklich auf die Frage nach der Regulierbarkeit des globalen Finanzkapitalismus und seinen sozialen Folgekosten gelenkt. Dazu gehört zum einen die Einsicht, dass die zunehmend globalisierte Arbeitsteilung vor allem den Reichtum der Industrie- und einiger weniger Schwellenländer vermehrt hat, während die ärmeren Länder weiter zurückgefallen sind.[89] Zum anderen hat die zunehmende soziale Ungleichheit innerhalb der Industrieländer[90] auch hier Verteilungskonflikte verschärft, sodass deren Etikettierung als Klassenkämpfe vielen Beobachtern nun wesentlich plausibler erscheint als während der ersten Nachkriegsjahrzehnte.[91] Als weiteres Argument für die erneute Anwendung des Klassenbegriffs ließe sich die schwache soziale Mobilität anführen, die sowohl schwache Wohlfahrtsstaaten wie die USA als auch traditionell starke Sozialstaaten wie die Bundesrepublik zeigen.[92] Trotz der genannten Befunde verspricht eine Operationalisierung des Klassenkonzepts nur dann einen analytischen Mehrwert, wenn sie sich nicht in einer plakativen Etikettierung als „Klassengesellschaft”[93] erschöpft. Die Debatte um die „mediale Klassengesellschaft” und den Konsum von „Unterschichtenfernsehen” hat gezeigt, wie wenig fruchtbar ein solcher Zugang wäre.[94] Vielmehr wäre es sinnvoll, nach der konkreten Ausformung sozialer Ungleichheitsstrukturen zu fragen, und anhand von Variablen wie „Durchlässigkeit” zu erforschen, ob es sich um Klassenstrukturen oder um andere flexiblere Formen sozialer Ungleichheit handelt.[95] Eine neue methodische Debatte über die Operationalisierung der Konzepte sozialer Ungleichheit – und dabei auch über die Verwendung des Klassenbegriffs – kann etwa im Rahmen der anstehenden Erforschung der 1980er- und 1990er-Jahre einen wichtigen Beitrag dazu leisten, gesellschaftliche Veränderungen und Kontinuitäten auch jenseits des Zeitgeists analytisch zu erfassen.
![Working Class Hero, Foto: Dennis Aycicek, Barcelona, 17. April 2012, Quelle: [https://www.flickr.com/photos/54270942@N05/7490889016 Flickr] ([https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/ CC BY-NC-SA 2.0]).](sites/default/files/import_images/1517.jpg)
↑ Siehe Jürgen Kocka, Lohnarbeit und Klassenbildung. Arbeiter und Arbeiterbewegung in Deutschland 1800-1875, Berlin 1983, sowie Lepsius, Soziale Ungleichheit, S. 167.
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