Sportgeschichte

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Hauptfoto: Badende 1940.jpg
Geschlechterspezifische Inszenierungen von Körperlichkeit und Sportlichkeit: Ein Privatfoto von Badenden am See von Trakai in Litauen, 1940 (Privat: J. Martschukat)
Sportgeschichte

Was Sportgeschichte ist und was sie ausmacht, ist keine leicht zu beantwortende Frage. Im Gegenteil, der Begriff Sportgeschichte ist zum einen umstritten und zum anderen auch nicht wertneutral. Sportgeschichte ist Teil der Sportwissenschaften, die schon von ihrem Selbstverständnis als Fach interdisziplinär aufgestellt sind. Die Beschäftigung mit historischen Perspektiven hat darin selbst eine wechselvolle und an Konflikten reiche Geschichte, zumal in Deutschland nach 1945. Die Geschichte des Sports ist aber auch Gegenstand der Geschichtswissenschaft – einer Geschichtswissenschaft, die im Verlauf der letzten vier Dekaden von mehreren großen Wandlungsprozessen mit weitreichenden theoretischen, methodischen, konzeptionellen und auch institutionellen Konsequenzen gekennzeichnet war. Diese Wandlungen führten von einer überwiegend politik- und ereignisgeschichtlichen Ausrichtung über das Paradigma der Sozial- und Gesellschaftsgeschichte zur Prononcierung der Alltagsgeschichte bis hin zur Neuen Kulturgeschichte mit ihrer Akzentuierung von Bedeutungsdimensionen. Sport – Sport treiben, Sport ansehen, Sport konsumieren, mit Sport Geld verdienen, durch Sport „gesund” werden (oder auch „krank”) usw. – hat in dieser sich verändernden Geschichtswissenschaft Schritt für Schritt international signifikant an Präsenz und Wertigkeit hinzugewonnen, ohne dass man einen Konsens darüber erzielt hätte, wie die Sportgeschichte als Gegenstand zu definieren sei und was sie umfasst. Zu einem engeren Austauschverhältnis ist es zwischen sportwissenschaftlicher und geschichtswissenschaftlicher Sportgeschichte bis vor wenigen Jahren kaum oder gar nicht gekommen; die Gründe dafür werden wir unten darlegen. Darüber hinaus schließlich ist Sportgeschichte die Domäne von so unterschiedlichen Erscheinungen wie etwa journalistischer Berichterstattung, Verbandschroniken, Kino- und Fernsehfilmen sowie einer gerade in den letzten Jahren zunehmenden Kultur populärer Ausstellungen. Dieser letzte Zusammenhang darf nicht unerwähnt bleiben, denn er prägt in besonderem Maße das öffentliche Bild dessen, was Sportgeschichte ausmacht. Dies hat Auswirkungen auf die akademische Forschung im engeren Sinne.[1]

Wir werden uns in diesem Beitrag der Sportgeschichte in zwei großen Schritten nähern. Zuerst legen wir dar, wie sich in den letzten Dekaden die Sportwissenschaften historischen Perspektiven angenähert und sich die Geschichtswissenschaften mit Fragen des Sports und der Bewegungskulturen beschäftigt haben. Dabei werden grundlegende Unterschiede zu Tage treten, die sich erst in jüngster Zeit nivelliert haben. Diese Annäherung ist nicht zuletzt Ergebnis einer transdisziplinären Entwicklung, die sich grob und verkürzt mit dem Einfluss der Cultural Studies umschreiben lässt. In einem zweiten Teil werden wir uns der Sportgeschichte programmatisch aus eben diesem Blickwinkel heraus zuwenden. Dabei werden wir argumentieren, dass „Sportgeschichte” als klar definier- und abgrenzbarer Bereich an Kontur verliert, da sie in zwei Forschungsfelder übergeordneter Reichweite aufgeht: einerseits in die Betonung des Körpers und seiner Historizität, wie sie kulturwissenschaftlich gegenwärtig transdisziplinär vorangetrieben wird, und andererseits durch die wachsende Dynamik einer Geschichte der Gegenwart, die nach einer machtanalytischen Genealogie zeitgenössischer Beobachtungen in Gesellschaft und Kultur fragt. Eine solche Geschichte von Körpern in (sportlicher) Bewegung vermag zu zeigen, dass „Wahrheiten” über Körper Ergebnisse historischer Aushandlungsprozesse sind, in deren Verlauf Sport an der Stabilisierung dieser vermeintlichen Gewissheiten sowie ihrer politischen Konsequenzen großen Anteil hatte, weil sie im Sport immer wieder neu hergestellt und zur Schau gestellt wurde.

Sportwissenschaft und Geschichte

Olympiade in Moskau 1980, Siegerinnen über 200 Meter Rücken. Die Originalbeschreibung von ADN am 27.7.1980 lautete: „Moskau: Olympia/ Erneut dreifacher DDR-Erfolg/ Ihre dritte Goldmedaille holte sich Rica Reinisch (DDR/M.), die die 200 m Rücken in der neuen Weltrekordzeit von 2:11,77 min. vor Cornelia Polit (l./Silber) und Birgit Treiber (r./Bronze) für sich entschied. Die 15jährige Siegerin vom SV Einhait Dresden holte sich bereits mit der 4 x 100-m-Lagenstaffel und über 100 m Rücken Gold.” Foto: Wolfgang Kluge. Quelle: [http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-W0727-138,_Moskau,_Olympiade,_Siegerinnen_%C3%BCber_200_m_R%C3%BCcken.jpg Bundesarchiv Bild 183-W0727-138 CC-BY-SA].
Olympiade in Moskau 1980, Siegerinnen über 200 Meter Rücken. Die Originalbeschreibung von ADN am 27.7.1980 lautete: „Moskau: Olympia/ Erneut dreifacher DDR-Erfolg/ Ihre dritte Goldmedaille holte sich Rica Reinisch (DDR/M.), die die 200 m Rücken in der neuen Weltrekordzeit von 2:11,77 min. vor Cornelia Polit (l./Silber) und Birgit Treiber (r./Bronze) für sich entschied. Die 15jährige Siegerin vom SV Einhait Dresden holte sich bereits mit der 4 x 100-m-Lagenstaffel und über 100 m Rücken Gold.” Foto: Wolfgang Kluge. Quelle: Bundesarchiv Bild 183-W0727-138 CC-BY-SA.

Als sich die Sportwissenschaften im Verlauf der 1960er-Jahre in der Bundesrepublik Deutschland akademisch etablierten, war dies nicht zuletzt eine Konsequenz des Kalten Kriegs. Sport, namentlich der internationale Wettkampfsport und vor allem die Olympischen Spiele, hatte sich zu einer Arena entwickelt, in der die Konkurrenz zwischen Ost und West vor einem immer größer werdenden weltweiten Publikum auf „friedliche Weise” ausgetragen wurde. Die Vergabe der Olympischen Sommerspiele 1972 nach München sowie der Fußballweltmeisterschaft 1974 nach Westdeutschland stimulierten einen Ausbau sportwissenschaftlicher Einrichtungen. Das führte vor allem zu einer anwendungsorientierten Priorisierung von Fragen und Untersuchungsfeldern, die – und das ist retrospektiv von großem körperhistorischen Interesse, denn dabei wurden zahlreiche bedeutsame Quellen für zukünftige Forschungen produziert – das Ausloten und Erproben menschlich-körperlicher Leistungsfähigkeit und den Erfolg im Wettkampf in ihr Zentrum stellten. Gekoppelt an die Vorstellungen von Systemkonkurrenz und nationalem Prestigegewinn dominierten sportphysiologische, medizinische (pharmakologische) und trainingswissenschaftliche Disziplinen. Entsprechend befanden sich die sozialwissenschaftlichen, historischen und später auch kulturwissenschaftlichen unter einem ständigen Rechtfertigungsdruck und blieben sowohl aus Sicht des Fachs als auch in der öffentlichen Wertschätzung eher randständig.[2]

Sportgeschichte hatte in diesem Umfeld vor allem ihren Platz in der Ausbildung von Sportlehrern und Sportlehrerinnen. Aus dieser pädagogischen Ausrichtung heraus ergaben sich indes seit den frühen 1980er-Jahren Impulse zu einer Aufwertung historischer Fragen in den Sportwissenschaften.[3] Zum einen wurde in diesem Zusammenhang die NS-Vergangenheit der „Leibeserziehung” gründlich erforscht, und dies führte dann zweitens auch zu methodisch-konzeptionellen Forderungen an die sporthistorische Forschung: Diese sollte Sportpädagog/innen Material für einen kritischen Sportunterricht an den gymnasialen Oberstufen an die Hand geben, was aus Sicht der Befürworter/innen nur durch eine Orientierung an der nun zunehmend akzeptierten Gesellschaftsgeschichte geschehen konnte. Von der so angenommenen Verwissenschaftlichung der Sportgeschichte erhoffte man sich einen Mehrwert für einen Beitrag der Sportwissenschaften zur politischen Bildung in der alten Bundesrepublik.[4]

Zugleich veränderte sich international gesehen das Erscheinungsbild der Sportwissenschaften insgesamt. Die Sport Studies in den USA, die Sportsoziologie, -geschichte, -philosophie und auch literaturwissenschaftliche Ansätze umfassen, entstanden seit den späten 1960er-Jahren aus Anregungen dieser Nachbardisziplinen heraus. Gemeinsam war ihnen ein neues Verständnis der weitreichenden sozialen, politischen, ökonomischen und kulturellen Bedeutung des Phänomens „Sport” und ein Interesse an einer zumeist gegenwartsorientierten Gesellschaftsanalyse.[5] Gleiches gilt für die etwa zur selben Zeit sichtbar werdenden Sport and Leisure Studies in Großbritannien.[6] Die in beiden Ländern zu beobachtende Etablierung als „Studies”, analog zu den Cultural, Media oder Gender Studies, indiziert eine grundsätzliche Ausrichtung, die für die weitere Disziplinentwicklung charakteristisch werden und die interdisziplinäre sowie auf einen Projektcharakter ausgelegte Offenheit signalisieren sollte. Auch die kritische Distanz zu einer Anwendungslogik der Sportwissenschaften wuchs seitdem beständig und verband sich oftmals mit einem klar artikulierten aktuellen Politikbezug. So hatte die erste Generation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in diesem neuen akademischen Feld enge Verbindungen zu sozialen Protestbewegungen der 1970er-Jahre, in den USA beispielsweise zur Black Power-Bewegung, wofür vor allem der Name Harry Edwards steht.[7] In Großbritannien siedelte sich im Umfeld des Birmingham Center for Contemporary Cultural Studies (mit Stuart Hall als bekanntestem Vertreter) eine Sportsoziologie an, die Aspekte jugendlicher Subkulturen, Fragen des Alltags von Angehörigen der Arbeiterklassen oder auch Migration im britischen Commonwealth in Verbindung mit Sport analysierte.[8] Im deutschsprachigen Raum setzte diese Tendenz zu einer größeren Wertschätzung sportsoziologischer Fragestellungen mit einiger Verzögerung ein; sie war aber aufgrund der immer offenkundiger werdenden Bedeutung des Sports und der Bewegungskultur als soziokulturelle Phänomene für die „westlichen” (post )industriellen Gesellschaften unausweichlich.[9]

Sichtbarer Ausdruck dieses Trends in der Sportwissenschaft der letzten Jahre ist eine deutlich engere Verzahnung von sportsoziologischen und sporthistorischen Fragestellungen. Stellvertretend seien an dieser Stelle die Arbeiten Thomas Alkemeyers angeführt. Darin – und das ist beinahe programmatisch zu verstehen – verortet er seine Analysen von Sport und Sport treibenden Körpern in den Rahmen moderner bzw. sich modernisierender Gesellschaften: Diese führten ihn von einer eingehenden Untersuchung der Texte Baron Pierre de Coubertins und der von ihm angestoßenen Olympischen Bewegung zur Symbolkraft des Athletenkörpers für das Projekt der Moderne und schließlich zu einer „politischen Geschichte des Körperkults” im 20. Jahrhundert.[10] Alkemeyers Integration von historischen Fragestellungen in kulturalistisch-genealogischer Ausrichtung hat großen Einfluss ausgeübt. Sie gibt innerhalb der sportwissenschaftlich angesiedelten Forschung mittlerweile die Richtung vor und hat dafür gesorgt, dass Kooperationen mit anderen Fächern, und eben auch mit der Historiografie, vorangetrieben werden konnten. Seine Arbeiten und diejenigen anderer Sportwissenschaftler/innen sorgten dafür, dass Sportsoziologie und Sportgeschichte hierzulande Anschluss an internationale Debatten gewannen. Außerdem konnte ihr Untersuchungsgegenstand spürbar aufgewertet werden, indem man seine notwendige Verortung innerhalb – und nicht lediglich bestenfalls als Spiegel – von politischen, ökonomischen oder sozialen Aushandlungsprozessen deutlich machte. Dafür war aus historiografischer Perspektive ein „Umweg” über Gegenwartsanalysen wichtig: Wie auch der Medienwissenschaftler Matthias Marschik betont, eröffnete erst die Einsicht in die gegenwärtigen Bedeutungen, „die der Sport, von globalen Ereignissen bis zur körperlichen Ertüchtigung einzelner, im kollektiven wie individuellen Aktivitäts- und Zeitbudget, im Gefühlshaushalt von ‚Massen’ und Individuen oder in den Identitätskonstruktionen von Personen, Gruppen oder Nationen einnimmt”, das Interesse an einer Neukonzeption von Sportgeschichte.[11]

Geschichtswissenschaft und Sport

Die Geschichtswissenschaft tat sich lange schwer mit dem Sport. In all seinen Erscheinungsformen – Leistungs- und Breitensport, Profi- oder Amateursport, in Regelwerke eingebunden oder eher spielerisch – passte er nicht in die Themenfelder einer gerade in der Bundesrepublik lange tonangebenden, traditionell vorgehenden Ereignis- und Politikgeschichte.[12] Sport galt darin als Randerscheinung, er war – wie es auch Sportfunktionäre lange Zeit verkündeten – „Nebensache”, nicht wert, gleichrangig neben politischen oder ökonomischen „Kernfragen” analysiert zu werden. Es gab Ausnahmen: Die Alte Geschichte widmete sich den rituellen Sportfesten der Antike,[13] die deutschen Turner und deren „Vater” Friedrich Ludwig Jahn wurden als Teil der Nationengeschichte des 19. Jahrhunderts thematisiert[14] und die Olympischen Spiele von Berlin als Teil nationalsozialistischer Herrschaftsstrategie untersucht.[15] Für die Zeit zwischen den Weltkriegen wurde die Bedeutung von Sport sowohl für den Nationalsozialismus als auch für die Arbeiterbewegung diskutiert.[16] Aus Sicht der Frauengeschichte waren schon früh die Beiträge und Interventionen Gertrud Pfisters wegweisend.[17] Konzeptionell und methodisch waren all diese Arbeiten aber beinahe stets einem institutionen- und/oder biografiehistorischen Ansatz verpflichtet.

In den USA wie in Großbritannien erfolgte eine Hinwendung zur Sozialgeschichte bereits seit den 1970er-Jahren – Allen Guttmanns bis heute, trotz aller inzwischen berechtigten Kritik, noch immer bedeutende Interpretation From Ritual to Record ist das nachhaltigste frühe Beispiel dafür (das im Übrigen schon 1979 erstmals auf Deutsch publiziert wurde).[18] Als der britische Sporthistoriker Tony Mason 1991 in einem Vortrag selbstironisch seinen inzwischen beinahe klassischen Ausspruch tätigte, Sportgeschichte sei etwas für „fans with typewriters”, die ihrem Hobby frönten, war das zu diesem Zeitpunkt schon eine Provokation.[19] Sicher, eine Vielzahl von Titeln war (beinahe hagiografisch) den Geschichten einer Mannschaft, eines Clubs oder eines Stars gewidmet, und die Texte versammelten oft Ergebnislisten und Anekdoten nebeneinander. Doch daneben erschienen seit den 1980er-Jahren auch sehr viele Studien, die sich am Zuschnitt universitärer Geschichtsforschung orientierten und ein profundes sozialhistorisches Wissen über organisiertes und unorganisiertes Sporttreiben generierten. Dabei rückten einige Aspekte besonders in den Fokus: erstens die Spezialisierung, Professionalisierung und Kommerzialisierung des Sports auf allen Ebenen seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zweitens nahm man die spezifisch moderne Organisations- und Verwaltungsstruktur des Sports, die Vereine, Ligen, Regelsysteme, Wettkampf-, Trainings- und Managementformen in den Blick, drittens fragte man nach Unterschieden in ihrer regionalen Verbreitung (was insbesondere britische Historiker/innen im Zusammenhang mit dem Kolonialismus diskutierten), und viertens schließlich begann man, das Zusammenspiel von Sport und Medien zu untersuchen. Wie in so vielen anderen Forschungsfeldern waren es auch im Bereich der internationalen und insbesondere der angloamerikanischen Sportgeschichtsschreibung vor allem geschlechterhistorische Arbeiten, die die Neuausrichtung dynamisch vorantrieben. Während Arbeiten von Roberta Park und James Mangan noch eher der klassischen Frauengeschichte denn der Geschlechtergeschichte zuzuordnen waren,[20] folgten rasch danach Analysen, die den Konnex von Sport, Definitionen weiblicher Körperlichkeit und die Einbindung von Frauen in einer Gesellschaftsordnung separater Sphären analysierten. Hervorzuheben sind die Studien Patricia Vertinskys und Susan K. Cahns, die das Zusammenwirken von Geschlechter- und Körperstereotypen, der vorgeblichen Angemessenheit bzw. Unangemessenheit weiblicher physischer Betätigung sowie sportlichen Engagements im 20. Jahrhundert erörterten.[21]

Patricia Vertinsky war es auch, die immer wieder auf die besondere Stärke geschlechterhistorischer Sportforschung hinwies und betonte, wie passgenau Sport- und Geschlechtergeschichte ineinandergreifen, denn „gender is the way bodies are drawn into history; bodies are arenas for the making of gender patterns”.[22] Entsprechend berge die Sportgeschichte der Zukunft – nach Vertinsky – das Potenzial, „Geschlecht” tatsächlich als Frauen wie Männer, Weiblichkeiten wie Männlichkeiten umfassende Kategorie zu konzeptionalisieren und die Interdependenzen von Gender und anderen Kategorien herauszuarbeiten. In Einklang damit häuften sich in jüngster Zeit Studien, die Geschlecht intersektional mit einer Vielzahl weiterer Achsen sozialer Ungleichheit sowie mit Kategorien identitärer Verortung wie class, race oder (dis)ability verbanden.

Hockeyspiel einer indischen gegen eine deutsche Wehrmachtsmannschaft, Frankreich, Atlantikwall, Stadion Bordeaux, 21. März 1944. Foto: Wette. Quelle: [http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_101I-264-1604-05A,_Bordeaux,_Hockeyspiel_Wehrmachtsangeh%C3%B6riger.jpg Bundesarchiv Bild 101l-264-1604-05A].
Hockeyspiel einer indischen gegen eine deutsche Wehrmachtsmannschaft, Frankreich, Atlantikwall, Stadion Bordeaux, 21. März 1944. Foto: Wette. Quelle: Bundesarchiv Bild 101l-264-1604-05A.

Hierzulande setzten sich mit Christiane Eisenbergs „English sports” und deutsche Bürger[23] sozialhistorische Perspektiven in einer spezifisch bundesdeutschen Zuspitzung als Gesellschaftsgeschichte durch. Ihre Studie fragt danach, inwiefern ein changierendes Verständnis von Sport vor allem zwischen Reichsgründung und Zweitem Weltkrieg als Linse für eine Beobachtung und Analyse weiträumiger gesellschaftlicher Zusammenhänge im deutschen Bürgertum herangezogen werden kann oder, allgemeiner formuliert, wie die vielfältigen Wechselbeziehungen, Berührungspunkte und Schnittflächen zwischen Sport und Gesellschaft in den Blick genommen werden können. Die in diesem gesellschaftsgeschichtlichen Rahmen angelegten Forschungsarbeiten orientieren sich explizit an sozialwissenschaftlicher Theoriebildung und verknüpfen vor allem drei Untersuchungsfelder in ihren Sportgeschichten: erstens eine Analyse sozialer Ungleichheiten und damit verbunden die Frage nach der Rolle des Sports bei der Etablierung, Aufrechterhaltung, Verfestigung, aber auch Überwindung solcher Formen von gesellschaftlicher Stratifizierung. Zweitens konzeptualisiert diese Forschungsrichtung den Sport als ein gesellschaftliches Teilgebiet mit relativer Autonomie und untersucht im Anschluss daran die Wechselbeziehungen zu anderen Feldern wie etwa zu Wirtschaft, Politik und dem Bildungs- oder Gesundheitssystem. Dies ist eng verknüpft mit einem spezifischen und eher engen Verständnis dessen, was Sport ist und ausmacht, nämlich als ein an Regeln ausgelegter Wettkampf von mindestens drei sozialen Akteuren (zwei Konkurrent/innen und einer Kontrollinstanz) plus einem Publikum. Drittens schließlich beleuchtet die gesellschaftshistorische Sportforschung das Verständnis von Gesellschaft als Geselligkeit, als ein System, das mannigfaltige und oft konfliktreiche Formen von lokalen, regionalen, nationalen und internationalen Gruppenbildungen ermöglichte (oder auch verunmöglichte), deren je spezifische Dynamiken, Handlungsgrenzen und Handlungsoptionen es zu analysieren gelte.[24]

Diese gesellschaftsgeschichtliche Sportforschung in Deutschland hat in den zurückliegenden Jahren eine große Zahl an wichtigen Beiträgen produziert.[25] Allerdings haben verschiedene zuletzt erschienene Texte die konzeptionellen Grenzen vieler dieser Arbeiten kritisiert. In einem Forschungsüberblick betonte Uta Balbier, selbst mit einer umfassenden Studie zum deutsch-deutschen Sport ausgewiesen, wie zäh und langlebig die institutions- und politikgeschichtliche Verhaftung der deutschen Sportgeschichtsforschung gewesen sei und dass als kulturhistorisch zu bezeichnende Sportanalysen bestenfalls um die Konstruktion nationaler Identitäten kreisten.[26] Sabine Horn und Miriam Rürup stellten im Editorial eines 2006 erschienenen Themenhefts „Sport” von „WerkstattGeschichte” fest, „wie wenige Historikerinnen und Historiker Sportgeschichte bislang mit Körpergeschichte verbinden”.[27] Auch hier seien die aus unserer Sicht wichtigsten Ausnahmen genannt: Svenja Goltermann und Maren Möhring zeigen an Hand der Turnerverbände bzw. der Nacktkulturbewegung um 1900, wie soziokulturelle Ordnungen über Körpervorstellungen und Körperpraktiken formiert wurden und in der Bewegungs- und Leibesübungskultur Wehrhaftigkeit, Sittlichkeit und nationale Eintracht eingeübt wurden. Das individuell oder gemeinsam praktizierte Bodybuilding sollte eben auch „nation-building” sein.[28] In diese Richtung weist auch die Arbeit Daniel Wildmanns, der sich der Konstruktion und Inszenierung des „arischen” Männerkörpers in Leni Riefenstahls Olympia-Film widmet.[29] Wir selbst haben zusammen mit Kirsten Heinsohn die Beobachtung von Horn und Rürup vor einiger Zeit aufgegriffen und das Potenzial einer solchen Forschungsausrichtung gerade mit Blick auf angloamerikanische Veröffentlichungen unterstrichen; dies wollen wir im nun folgenden zweiten Teil noch einmal vertiefen.[30]

Sportgeschichte als Körpergeschichte

Die sozial- bzw. gesellschaftshistorische Sportforschung begegnete den Forderungen nach einer kulturhistorischen Ergänzung, Erweiterung oder Modifizierung der erkenntnisleitenden Fragen oftmals mit großer Skepsis oder gar mit Ablehnung. Kritische Perspektiven halten sich bis heute, wie ein jüngst publizierter Aufsatz des Oxford-Historikers Ross McKibbin zu verdeutlichen mag: „Sports history has probably suffered from the rise of ‚cultural history’ and cultural studies: we might have expected that the history of sport fitted well with cultural history but in practice it has not.”[31] Parallel zu den Kritiken und teilweise sogar in Überlagerung mit ihnen waren allerdings auch solche Äußerungen zu vernehmen, die die Sportgeschichte gar wie einen Impulsgeber der kulturalistischen Wende erscheinen lassen. So betonte Christiane Eisenberg: „Durch die Einbeziehung der Handlungs- und, damit eng verbunden, der Wahrnehmungsebene antizipierte die Gesellschaftsgeschichte des modernen Sports eine Perspektive, die in der allgemeinen Gesellschaftsgeschichte erst durch den ‚cultural turn’ seit Mitte der 1990er Jahre nachdrücklich zur Geltung gebracht wurde.”[32]

Eine kulturhistorisch angeleitete Sportgeschichtsschreibung kann sehr verschieden begründet sein, doch, mit Matthias Marschik formuliert, verspricht sie, „sportliche Geschehnisse nicht nur in ihrem Wechselspiel mit anderen kulturellen Leistungen und ebenso mit Wirtschaft, Politik und Herrschaft zu betrachten, sondern sie als zentrale Orte gesellschaftlicher Bedeutungskonstruktion ernst zu nehmen”.[33]

Eine solche Sportgeschichte wäre in erster Linie als eine Geschichte moderner Körper zu schreiben. Körper sind für das allgemeine Verständnis dessen, was Sport ausmacht, zentral.[34] Sport treiben, das heißt den eigenen Körper zu bewegen, mit ihm hoch oder weit zu springen, möglichst schnell über eine bestimmte Distanz zu laufen oder ein Sportgerät mit dem Körper zu führen – gegen einen Ball zu treten oder einen Speer zu werfen. In zahlreichen Sportarten ist es üblich, Körper vor dem Sport zu beurteilen und in Gruppen einzuteilen, um ‚faire’ Wettkämpfe zu gewährleisten, man denke an die Trennung nach Geschlechtern, an die Gewichtsklassen beim Boxen oder an die vielen Kategorien, nach denen die Paralympischen Spiele organisiert werden. All diese Bewegungen und Praktiken bedeuten etwas, sind Bestandteil einer historisch spezifischen Ordnung von Gesellschaften und Kulturen; sie müssen notwendig als von Macht durchzogen verstanden und analysiert werden.[35]

Zugleich jedoch sind diese Sport treibenden Körper materiell. Für sportliche Bewegungen werden Knochen, Sehnen, Muskeln, Gelenke, Haut und Gehirnzellen gebraucht; Sportkörper schwitzen und spüren Erschöpfung und Schmerz, aber auch Freude, Aufregung und eine ganze Reihe anderer Regungen. Der „bewegte, trainierte und leistungsorientierte Körper des Sportlers [wurde] zum Motor und Darstellungsmittel einer Moderne […], die sich selbst durch Bewegung bestimmt sah”, wie es die Literaturwissenschaftlerin Anne Fleig in ihrer Studie zu Robert Musils Ästhetik des Sports formuliert.[36] Es sind diese wesentlich körperlichen Elemente, die Sport und Bewegungskultur zu ihrem zentralen Stellenwert im Projekt der Moderne verhalfen. Dem Sport kommt in der kulturwissenschaftlichen Analyse der Moderne eine zentrale Bedeutung zu, einer Moderne, die sich in hohem Maße über den Zugang, die Bestimmung sowie die Regulierung eines als ‚natürlich’ gedachten Körpers auszeichnete. Sexualität spielte darin die Hauptrolle, doch insbesondere die öffentlich immer wieder aufs Neue präsentierten, kategorisierten, im Hinblick auf vermeintliche Leistungsfähigkeit vermessenen und gegeneinander zum Wettkampf herausfordernden Körper dienten in prägnanter Weise der Zuweisung und Selbstbildung von individuellen wie kollektiven Subjektformen. Moderner Sport bestimmte mit darüber, wie Gesellschaften geordnet und stratifiziert wurden, er war Teil der Aushandlungsprozesse um den Zugriff auf Ressourcen. Besonders anschaulich wird dies im Zusammenhang mit den Strukturkategorien gender und race, aber auch andere vermeintlich am Körper festgemachten Differenzkriterien wie zum Beispiel age lassen sich mit Hilfe der Linse Sport vortrefflich in ihrer Wirkmacht untersuchen. Denn erstens korrespondierte die Etablierung des modernen Sports mit der Herausbildung einer biopolitischen Gesellschaftsordnung. Individuelle, leistungs- und reproduktionsfähige Körper sollten effizient zu einem „gesunden” und starken Kollektivkörper verschmelzen. Im voranschreitenden 19. Jahrhundert bildete sich immer deutlicher ein Weltbild heraus, das von einem wissenschaftlich argumentierenden Rassismus und (Sozial-)Darwinismus getragen war und in dem „gesund” auch immer wertvoll und „rassisch rein” bedeutete. Hier verschränkten sich die Vorstellungen von biologisch determinierter Entwicklung menschlicher Gesellschaften und Individuen, von ihrer Hierarchie sowie von Wettbewerbsdenken und Erfolgsstreben mit dem Sport. Schließlich erschien der Sport mehr und mehr als eines der wirkungsvollsten Mittel, um starke und „gesunde” individuelle Körper zu formieren. Im Sport wurden und werden race und gender im wahrsten Sinne des Wortes praktiziert und performiert.

Zweitens avancierte Sport in zunehmendem Maße zum Träger wie auch zum Motor dieser spezifisch modernen Weltbilder. Erfolg und Misserfolg im sportlichen Wettbewerb standen für „rassisch” wie geschlechtlich gedachte Fähig- und Fertigkeiten und positionierten damit wiederum Individuen und bestimmte, biologisch definierte Gruppen im Ringen um Zivilisation und Fortschritt in einer evolutionären Hierarchie. Vice versa bestimmten die Positionierung und die „rassischen” wie geschlechtlichen Zuschreibungen an Individuen wie Gruppen innerhalb der evolutionären Stufenleiter, wer am sportlichen Geschehen aktiv oder passiv teilhaben durfte, wie dies gesellschaftlich akzeptiert auszusehen hatte, und wer dementsprechend welche Möglichkeiten hatte, sich als Subjekt zu zeigen bzw. zu formieren und in der Gesellschaft zu platzieren.[37]

Dieses Ineinandergreifen von Sport, Körperlichkeiten, Identitätsbildungen und deren soziokulturell ordnungsstiftende Mechanismen und Funktionen stehen im programmatischen Kern einer Körper- und Kulturgeschichte des Sports, die auf diese Weise zeigen kann, wer in modernen Gesellschaften wie und warum auf soziale, ökonomische, politische und kulturelle Ressourcen zugreifen und an Gesellschaft partizipieren konnte und wie Sport diese Partizipationsmöglichkeiten regulierte. „Sporthistorische Körpergeschichte”, so hat es auch Bernd Wedemeyer-Kolwe formuliert, „hält sich somit neben traditionellen sportgeschichtlichen Themen auf.”[38] Das bedeutet in unseren Augen, dass sich das liebgewonnene Schisma zwischen einer Sozial- oder Gesellschaftsgeschichte des Sports einerseits und einer kulturhistorischen Sportgeschichtsschreibung mehr und mehr auflöst: Die sozialhistorische Forschung vor allem US-amerikanischer Provenienz zeigt seit inzwischen über vierzig Jahren mit Erfolg, wie Menschen vermittels kategorialer Fremd- und Selbstzuschreibungen in soziokulturellen Ordnungen agieren und innerhalb derart strukturierter Räume um Teilhabe und Zugriffsmöglichkeiten auf Ressourcen jedweder Art (ökonomischer, sozialer, kultureller ...) ringen. Insbesondere hat sich in diesem Setting die konsequente Berücksichtigung der Kategorien race, class, gender etabliert, die mittlerweile auch intersektional, d.h. in ihrer mehrfach relationalen Verschränkung untereinander sowie mit anderen Achsen sozialer Ungleichheit untersucht werden. Innerhalb eines solchen Analyserahmens sind Sozial- und Kulturgeschichte ineinander verflochten, und sie bekräftigen sich wechselseitig.

Allerdings markiert eine dezidiert kulturhistorische Ausrichtung auf die Geschichte moderner Körper zugleich auch einen Mehrwert, denn der Blickwinkel auf den Gegenstand Sport verschiebt sich oder, anders ausgedrückt, geht in zwei Konzeptionen übergeordneter Reichweite auf: Rücken die sich beim Sporttreiben bewegenden Körper mehr ins Zentrum historischer Untersuchungen, bedarf es anderer Analysemethoden. Die Beobachtung und dichte Beschreibung eines Boxkampfes, eines Fußballspieles, eines Lauf- oder Synchronschwimmwettbewerbes bieten Historiker/innen exzellente Zugriffsmöglichkeiten auf die Organisationsformen einer Kultur und Gesellschaft, ihre Paradigmen und Hierarchien – ähnlich wie dies der berühmte Hahnenkampf auf Bali in den Augen des Anthropologen Clifford Geertz zu leisten vermochte.[39] Im Vergleich zur sozial- bzw. gesellschaftsgeschichtlichen Herangehensweise verschieben sich bei einem solchen Vorgehen Perspektiven und Wertigkeiten: Bedeutung innerhalb sportlicher Bewegung zu suchen und zu analysieren heißt, diese Bewegungen selbst ernster zu nehmen, als dies bislang geschehen ist. Sie sind „gleichberechtigter Produzent – nicht nur Verstärker – von Identitäten, [sie sind] Erzeuger – nicht nur Vermittler – von Norm- und Wertsystemen”.[40] In einer ähnlichen Ausrichtung haben beispielsweise Pirkko Markula und Richard Pringle demonstriert, wie sich sportliche Bewegungen im Anschluss an Michel Foucault als zentrale Elemente bei der Konstitution (post)moderner Subjekte lesen lassen. Dabei sind sich sportlich bewegende Körper nicht allein Flächen von Ein- und Zuschreibungen von außen, sondern immer auch performativ Produzenten von Eigen-Sinn, Wandel und Widerstand.[41]

Damit öffnet sich auch der Begriff von Sport, der nun neben von Regeln geleitetem Wettkampf (sowie das in seinem Umfeld platzierte Training und sonstigen Handlungen) auch verwandte Phänomene von Bewegungskultur in den Blick nehmen kann – das einsame Hanteltraining oder die Kniebeugen am offenen Fenster.[42] Sportgeschichte wird so erstens Teil einer umfassenden Genealogie moderner Körper, die ihren Ausgangspunkt gar nicht zwingend beim Sport im engeren Sinne nehmen muss, wie Jürgen Martschukat in einem Aufsatz zeigt, der sich mit Büroangestellten zu Beginn des 20. Jahrhunderts und der Forderung nach deren körperlicher Fitness befasst.[43] Zukünftige Untersuchungen sollten kenntlich machen, dass es sich dabei vorzugsweise um „westliche” Körper handelt, deren Genealogie wesentlich von Rassismus und Kolonialismus geprägt ist. Zweitens wird die Sportgeschichte durch einen solchen Zuschnitt Baustein einer Geschichte der Gegenwart (Foucault), die relevante Erkenntnisse und Instrumente für aktuelle politische und soziale Auseinandersetzungen bereitstellt. Körpergeschichte nimmt teil an der gegenwärtigen Thematisierung des Körpers als sich beständig veränderndes Projekt. Das historische Argument bleibt darin von besonderem Wert.

Anmerkungen

  1. Vgl. Matthias Marschik/Rudolf Müllner, Sportgeschichte – Geschichte des Sports, in: Matthias Marschik/Rudolf Müllner/Otto Penz/Georg Spitaler (Hrsg.), Sport Studies, Wien 2009, S. 255-258.
  2. Michael Krüger/Hans Langenfeld, Sportgeschichte im Rahmen der deutschen Sportwissenschaft, in: dies. (Hrsg.), Handbuch Sportgeschichte, Schorndorf 2010, S. 12-19.
  3. Hajo Bernett, Der Beitrag der Sportgeschichte zur Bewusstseinsbildung von Sportpädagogen, in: sportunterricht 8 (1981), S. 337-344.
  4. Für einen Überblick über die Ergebnisse dieser Forschungen siehe Lorenz Peiffer, Sport im Nationalsozialismus. Zum aktuellen Stand der sporthistorischen Forschung. Eine kommentierte Bibliografie, Göttingen 2004. Die Sportgeschichtsforschung in der DDR thematisiert Hans Langenfeld, Sportgeschichte nach 1945, in: Krüger/Langenfeld (Hrsg.), Handbuch Sportgeschichte, S. 29-37.
  5. Vgl. beispielsweise Susan Birrell, Sport and Sport Studies, in: Chris Rojek/Susan Shaw/Tony Veal (Hrsg.), The Handbook of Leisure Studies, London 2006, S. 335-353.
  6. Alan Tomlinson (Hrsg.), The Sport Studies Reader, London/New York 2007; Ben Carrington/Ian McDonald (Hrsg.), Marxism, Cultural Studies and Sport, London/New York 2009.
  7. Harry Edwards, Sociology of Sports, Homewood, IL 1973.
  8. Ein gutes Beispiel, das die drei genannten Felder zusammenführt, ist: Kenneth Roberts, Youth and Leisure, London 1983.
  9. Zusammenfassend siehe Uta Fenske/Olaf Stieglitz, Sport treiben, in: Netzwerk Körper in den Kulturwissenschaften (Hrsg.), What Can a Body Do? Praktiken und Figurationen des Körpers in den Kulturwissenschaften, Frankfurt a. M./New York 2012 [im Erscheinen].
  10. Thomas Alkemeyer, Körper, Kult und Politik. Von der „Muskelreligion“ Pierre de Coubertins zur Inszenierung von Macht in den Olympischen Spielen von 1936, Frankfurt a. M./New York 1996; ders., Sport, die Sorge um den Körper und die Suche nach Erlebnissen im Kontext gesellschaftlicher Modernisierung, in: Jochen Hinsching/Frederik Borkenhagen (Hrsg.), Modernisierung und Sport, Sankt Augustin 1995, S. 29-65; ders., Sport als Mimesis der Gesellschaft. Zur Aufführung des Sozialen im symbolischen Raum des Sports, in: Zeitschrift für Semiotik 19 (1997), S. 365-296; ders., Aufrecht und biegsam. Eine politische Geschichte des Körperkults, in: Marschik u.a. (Hrsg.), Sport Studies, S. 47-59.
  11. Matthias Marschik, Sport und Sportgeschichte, Identitäten und Populäre / Populare Kulturen, in: Bettina Kratzmüller u.a. (Hrsg.), Sport und Identitätskonstruktion, Wien 2007, S. 104-116.
  12. Für einen Überblick siehe Langenfeld, Sportgeschichte nach 1945. Zum Wandel der gegenseitigen Wertschätzung meinte Wolfram Pyta: „Noch vor dreißig Jahren hätte sich ein Allgemeinhistoriker entrüstete Kommentare hochmögender Kollegen gefallen lassen müssen, wenn herausgekommen wäre, dass er über einen als nebensächlich geltenden Gegenstand wie den Sport forscht und sich dazu in die vermeintlich anrüchige Gesellschaft von Sportwissenschaftlern begibt. Heute hingegen hat sich die Beweiskraft fast umgekehrt – diejenigen Zeithistoriker sind in Rechtfertigungszwang, wenn sie sich als Verächter des Sports outen und beispielsweise eine Fußballeuropameisterschaft ohne emotionale Regung an sich vorübergehen lassen.“ Wolfram Pyta, Sportgeschichte aus Sicht des Allgemeinhistorikers – Methodische Zugriffe und Erkenntnispotentiale, in: Andrea Bruns/Wolfgang Buss, Sportgeschichte erforschen und vermitteln, Hamburg 2009, S. 9-21, hier S. 9.
  13. Hermann Bengtson, Die Olympischen Spiele in der Antike, Zürich 1972.
  14. Michael Krüger, Körperkultur und Nationsbildung, Schorndorf 1996.
  15. Arndt Krüger, Die Olympischen Spiele 1936 und die Weltmeinung. Ihre außenpolitische Bedeutung unter besonderer Berücksichtigung der USA, Berlin 1972.
  16. Horst Ueberhorst (Hrsg.), Elite für die Diktatur. Die Nationalpolitischen Erziehungsanstalten 1933-1945; ein Dokumentarbericht, Düsseldorf 1969; Lorenz Peiffer, Die Deutsche Turnerschaft. Ihre politische Stellung in der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus, Ahrensburg 1976; Herbert Dierker, Arbeitersport im Spannungsfeld der Zwanziger Jahre. Sportpolitik und Alltagserfahrungen auf internationaler, deutscher und Berliner Ebene, Essen 1990.
  17. Gertrud Pfister (Hrsg.), Frau und Sport. Frühe Texte, Frankfurt a. M. 1980.
  18. Allen Guttmann, From Ritual to Record. The Nature of Modern Sport, New York 1978; deutsch erstmals Schorndorf 1979.
  19. Tony Mason in dem unpublizierten Beitrag „Writing the History of Sport” (1991), hier zitiert nach: Jeffrey Hill, British Sports History: A Post-Modern Future?, in: Journal of Sport History 23 (1996), S. 1-19, hier S. 2.
  20. James A. Mangan/Roberta Park (Hrsg.), From Fair Sex to Feminism. Sport and the Socialization of Women in the Industrial and Post-Industrial Eras, London 1987; Roberta J. Park, A Decade of the Body: Researching and Writing About the History of Health, Fitness, Exercise and Sport, 1983-1993, in: Journal of Sport History 21 (1994), S. 59-82.
  21. Patricia Vertinsky, The Eternally Wounded Woman: Women, Doctors and Exercise in the Late Nineteenth Century, Manchester/New York 1990; Susan K. Cahn, Coming on Strong. Gender and Sexuality in Twentieth-Century Women’s Sport, New York 1994.
  22. Patricia Vertinsky, Time Gentlemen Please: The Space and Place of Gender in Sport History, in: Murray G. Phillips (Hrsg.), Deconstructing Sport History. A Postmodern Analysis, Albany, NY 2006, S. 227-243, hier S. 233.
  23. Christiane Eisenberg, „English Sports” und deutsche Bürger. Eine Gesellschaftsgeschichte 1800-1939, Paderborn 1999.
  24. Ausführlicher und programmatisch zu diesen angesprochenen Untersuchungsfeldern siehe Christiane Eisenberg, Sportgeschichte und Gesellschaftsgeschichte, in: Krüger/Langenfeld (Hrsg.), Handbuch Sportgeschichte, S. 96-103.
  25. Andre Gounot, Die Rote Sportinternationale 1921-1937. Kommunistische Massenpolitik im europäischen Arbeitersport, Münster 2002; Christian Tagsold, Die Inszenierung der kulturellen Identität in Japan. Das Beispiel der Olympischen Spiele in Tokio 1964, München 2002; Franz-Josef Brüggemeier, Zurück auf dem Platz. Deutschland und die Fußballweltmeisterschaft 1954, München 2004; Harald Oelrich, „Sportgeltung – Weltgeltung”. Sport im Spannungsfeld der deutsch-italienischen Außenpolitik von 1918-1945, Münster 2004; Uta Andrea Balbier, Kalter Krieg auf der Aschenbahn: Der deutsch-deutsche Sport 1950-1972. Eine politische Geschichte, Paderborn 2007.
  26. Uta Andrea Balbier, „Spiel ohne Grenzen“. Zu Stand und Perspektiven der deutschen Sportgeschichtsforschung, in: Archiv für Sozialgeschichte 45 (2005), S. 585-598.
  27. Sabine Horn/Miriam Rürup, „Editorial“, in: WerkstattGeschichte 15, 44 (2006), S. 3.
  28. Svenja Goltermann, Körper der Nation. Habitusformierung und die Politik des Turnens 1860-1890, Göttingen 1998; Maren Möhring, Marmorleiber. Körperbildung in der deutschen Nacktkultur (1890-1930), Köln u.a. 2004.
  29. Daniel Wildmann, Begehrte Körper. Konstruktion und Inszenierung des „arischen” Männerkörpers im „Dritten Reich”, Würzburg 1998.
  30. Olaf Stieglitz/Jürgen Martschukat/Kirsten Heinsohn, Sportreportage: Sportgeschichte als Kultur- und Gesellschaftsgeschichte, in: H-Soz-u-Kult, 28.5.2009, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/forum/2009-05-001.
  31. Ross McKibbin, Sports History: Status, Definitions and Meanings, in: Sport in History 31 (2011), S. 167-174, hier S. 167; siehe auch Christiane Eisenberg, Sportgeschichte. Eine Dimension der modernen Kulturgeschichte, in: Geschichte und Gesellschaft 23 (1997), S. 295-310.
  32. Eisenberg, Sportgeschichte und Gesellschaftsgeschichte, S. 99.
  33. Marschik, Sport und Sportgeschichte, S. 110.
  34. Vgl. Fenske/Stieglitz, Sport treiben.
  35. Monika Fikus/Volker Schürmann (Hrsg.), Die Sprache der Bewegung. Sportwissenschaft als Kulturwissenschaft, Bielefeld 2004.
  36. Anne Fleig, Körperkultur und Moderne. Robert Musils Ästhetik des Sports, Berlin/New York 2008. Vgl. auch Michael Cowan/Kai Marcel Sicks (Hrsg.), Leibhaftige Moderne. Körper in Kunst und Massenmedien 1918 bis 1933, Bielefeld 2005.
  37. Vgl. z.B. Jürgen Martschukat, „His chief sin is being a Negro. Next he whipped a white man. Next he married a white woman“: Sport, Rassismus und die (In)Stabilität von Grenzziehungen in den USA um 1900, in: Historische Anthropologie 15 (2007), S. 259-280.
  38. Bernd Wedemeyer-Kolwe, „Körpergeschichte“, in: Krüger/Langenfeld (Hrsg.), Handbuch Sportgeschichte, S. 104-113.
  39. Clifford Geertz, Dichte Beschreibung. Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme, Frankfurt a. M. 1983 (erstmals 1973). Vgl. hierzu auch Michael Thomas, Sportgeschichte und Kulturwissenschaft – Probleme, Konzepte und Perspektiven, in: Bruns/Buss, Sportgeschichte erforschen und vermitteln, S. 35-50, hier S. 47.
  40. Marschik, Sport und Sportgeschichte, S. 109. Vgl. auch die Auseinandersetzung mit Geertz in Fikus/Schürmann, Sprache der Bewegung, S. 29-68.
  41. Pirkko Markula/Richard Pringle, Foucault, Sport and Exercise: Power, Knowledge and Transforming the Self, London 2006; Pirkko Markula, „Tuning into One’s Self”: Foucault’s Technologies of the Self and Mindful Fitness, in: Sociology of Sport Journal 21 (2004), S. 190-210.
  42. Gerade in der Postmoderne verliert der verbandsmäßig organisierte Wettkampf für das Sport treiben an Bedeutung, was man insbesondere in den Bewegungsformen zahlreicher Jugendkulturen beobachten kann, vgl. Jürgen Schwier, Spiele des Körpers. Jugendsport zwischen Cyberspace und Streetstyle, Hamburg 1998.
  43. Jürgen Martschukat, „The Necessity for Better Bodies to Perpetuate Our Institutions, Insure a Higher Development of the Individual, and Advance the Conditions of the Race.” Physical Culture and the Formation of the Self in the Late Nineteenth and Early Twentieth Century USA, in: Journal of Historical Sociology 24 (2011), S. 472-493.

Empfohlene Literatur zum Thema

Uta Andrea Balbier, „Spiel ohne Grenzen". Zu Stand und Perspektiven der deutschen Sportgeschichtsforschung, in: Archiv für Sozialgeschichte. Nr. 45, 2005, ISSN 0066-6505, S. 585-98 (online).

Douglas Booth, Escaping the Past? The Cultural Turn and Language in Sport History, in: Rethinking History: The Journal of Theory and Practice. Bd. 8, Nr. 1, 2004, ISSN 1364-2529, S. 103-25.

Christiane Eisenberg, „English Sports" und deutsche Bürger. Eine Gesellschaftsgeschichte 1800-1939, Schöningh, Paderborn 1999, ISBN 9783506722201.

Christiane Eisenberg, Sportgeschichte. Eine Dimension der modernen Kulturgeschichte, in: Geschichte und Gesellschaft. Bd. 23, Nr. 2, 1997, ISSN 0340-613X, S. 295-310 (online).

Michael Krüger, Hans Langenfeld (Hrsg.), Handbuch Sportgeschichte, Hofmann, Schorndorf 2010, ISBN 9783778047309.

Pirkko Markula, Richard Pringle, Foucault, Sport and Exercise: Power, Knowledge and Transforming the Self, Routledge, London 2006, ISBN 9780415358637.

Matthias Marschik (Hrsg.), Sport Studies, facultas.wuv, Wien 2009, ISBN 9783825232269, S. 255-58.

Roberta J. Park, A Decade of the Body: Researching and Writing About the History of Health, Fitness, Exercise and Sport, 1983-1993, in: Journal of Sport History. Bd. 21, Nr. 1, 1994, ISSN 0094-1700, S. 59-82 (online).

Olaf Stieglitz, Jürgen Martschukat, Kirsten Heinsohn, Sportreportage: Sportgeschichte als Kultur- und Gesellschaftsgeschichte, in: H-Soz-u-Kult. 28.05.2009 (online).

Patricia Vertinsky, Time Gentlemen Please: The Space and Place of Gender in Sport History, in: Murray G. Phillips (Hrsg.), Deconstructing Sport History. A Postmodern Analysis. State University of New York Press, Albany 2006, ISBN 9780791466100, S. 227-43.

Zitation

Olaf Stieglitz, Jürgen Martschukat, Sportgeschichte, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 27.2.2012, URL: http://docupedia.de/zg/Sportgeschichte?oldid=81729

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Thomas Alkemeyer, Aufrecht und biegsam. Eine politische Geschichte des Körperkults, in: Aus Politik und Zeitgeschichte. Nr. 18, 2007, ISSN 0479-611X, S. 6-18 (online).

Uta Andrea Balbier, „Spiel ohne Grenzen". Zu Stand und Perspektiven der deutschen Sportgeschichtsforschung, in: Archiv für Sozialgeschichte. Nr. 45, 2005, ISSN 0066-6505, S. 585-98 (online).

John Bale (Hrsg.), Sport and Postcolonialism, Berg, Oxford 2003, ISBN 9781859735442.

Douglas Booth, Escaping the Past? The Cultural Turn and Language in Sport History, in: Rethinking History: The Journal of Theory and Practice. Bd. 8, Nr. 1, 2004, ISSN 1364-2529, S. 103-25.

Douglas Booth, Theory. Distorting or Enriching Sport History, in: Sport History Review. Bd. 34, Nr. 1, 2003, ISSN 1087-1659, S. 1-32.





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