Widerstand und Opposition

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Die zeithistorische Analyse und die Beschreibung von Widerstand und Opposition gehören zu den zentralen Gegenständen der Erforschung moderner Diktaturen. Dabei stehen Untersuchungen zum Widerstand in der DDR immer in engem Bezug zur NS-Forschung bzw. zu deren Definition des Widerstandsbegriffs. Rainer Eckert regt deshalb an, den Forschungsbereich Widerstand und Opposition in der DDR und damit auch für alle anderen kommunistischen Staaten stärker zu positionieren. Eine künftige Schwerpunktlegung auf die internationale als auch auf die regionale Ebene würde zudem die Perspektive schärfen. Ebenso könnten laut Eckert der Vergleich widerständiger Generationen und die Analyse der Verhältnisse und Differenzen innerhalb der verschiedenen Oppositionellengruppen sowie von Einzelpersonen neue Erkenntnisse bringen.
Widerstand und Opposition in der DDR.
Von den Forschungen zur Geschichte des Nationalsozialismus zur Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur

von Rainer Eckert

Die zeithistorische Analyse und Beschreibung von Widerstand und Opposition gehören zu den zentralen Gegenständen der Erforschung moderner Diktaturen. Die gegenwärtige Forschung zu Widerstand und Opposition gegen die SED-Diktatur beruht auf Erkenntnissen und Diskussionen, die insbesondere vor 1989 in der bundesdeutschen, aber auch in der internationalen NS-Forschung geführt wurden. Hier ist es inzwischen weitgehender Konsens, dass das Spektrum des widerständigen Verhaltens von der inneren Emigration bis zum aktiven Widerstand reichte.[1] Widerstand konnte auch mit partieller Regimebejahung verbunden sein, und die Widerstandsformen entwickelten sich oft stufenförmig weiter. In der nationalsozialistischen Diktatur fanden aktive Unterstützung des Systems, fanatische Gläubigkeit, Kollaboration, Anpassung und Widerstand gleichzeitig statt.

Eine konsensfähige und abschließende Definition von Widerstand – und das gilt für beide deutsche Diktaturen – ist kaum zu erwarten. Dennoch soll hier vorgeschlagen werden, unter Widerstand und Opposition in einer totalitären Diktatur eine Verhaltensform zu verstehen, die den allumfassenden Herrschaftsanspruch der jeweiligen Staatspartei in Frage stellt.[2] Dabei gliedert sich widerständiges Verhalten – ähnlich wie unter dem Nationalsozialismus – in der SED-Diktatur in die Gruppen 1. Widerstand, 2. Opposition bzw. Bürgerbewegung und Dissidenz sowie 3. in Resistenz bzw. Verweigerung.[3] Alle drei Formen dieses widerständigen Verhaltens konnten von Einzelnen oder in Gruppen organisiert oder spontan erfolgen. Dabei war Widerstand der grundsätzliche Kampf gegen die Diktatur mit dem Ziel ihrer Beseitigung. Opposition, Bürgerbewegung bzw. Dissidenz, bezogen auf die DDR, bezeichnen die relativ offene Ablehnung der Diktatur auf bestimmten Gebieten mit der Absicht ihrer Reform. In diesem Schema bezeichnen Resistenz bzw. Verweigerung sowohl im Nationalsozialismus als auch in der SED-Diktatur schließlich ein nicht den Normen der Diktatur entsprechendes Verhalten im Alltag, passiven Widerstand, die Selbstbehauptung einzelner Personen und die Abweichung von der offiziellen Ideologie. Gleichzeitig waren es die Träger von Opposition und Widerstand, die in der kommunistischen Diktatur Ansätze einer Zivilgesellschaft vertraten, wobei der Gegen- bzw. Subkultur eine herausragende Bedeutung zukam.

Der folgende Beitrag widmet sich zunächst der Erforschung von Widerstand und Opposition im Rahmen der Forschungen zur Geschichte des Nationalsozialismus. Deren Ansätze greife ich bei der Darstellung der Erforschung der staatssozialistischen bzw. kommunistischen deutschen Diktatur auf, die im Mittelpunkt des Beitrags steht, wie das zweite Kapitel zeigt. Danach wird auf die wichtigsten Institutionen, Forschungsarbeiten und Debatten aufmerksam gemacht. Der letzte Abschnitt zeigt, dass die Erforschung von Widerstand und Opposition heute insbesondere im Rahmen neuerer Forschungsthemen aufgegriffen wird. Dazu zählen etwa die Erforschung der Friedlichen Revolution 1989/90 oder die damit in internationaler Perspektive verbundene Gewalt- und Transformationsforschung.


Widerstand und Opposition in der NS-Forschung

In der frühen Bundesrepublik war sowohl in der Öffentlichkeit als auch unter den wenigen sich mit diesem Thema beschäftigenden Historikern klar, dass die Männer des 20. Juli 1944, die Diskutanten des „Kreisauer Kreises”, die Münchner Studenten der „Weißen Rose” und mutige Katholiken wie der Münsteraner Bischof Graf von Galen selbstverständlich Widerstand geleistet hatten.[4] Ein wichtiges Argument war dabei, dass erfolgreicher Widerstand in der Nähe des Zentrums der Macht, also etwa bei der Führung der Reichswehr ansetzen musste.[5] Aus dieser Perspektive war die Würdigung des Widerstands von Arbeitern und dem der deutschen Linken schwieriger. Erst in den 1980er-Jahren gerieten bei der Analyse des Widerstands auch die konkreten Rahmenbedingungen des Herrschaftssystems stärker in den Blick. In einem vierstufigen Modell erstreckte sich jetzt widerständiges Verhalten von der „punktuellen Nonkonformität” über „Verweigerung” zu öffentlichem „Protest” und schließlich zum „Widerstand im engeren Sinn”.[6] Im Zentrum der Forschung standen aber weiterhin Arbeiten über den Widerstand konservativer Eliten mit einem Schwerpunkt auf der Darstellung des 20. Juli 1944 und mit starker politik- und personengeschichtlicher Ausrichtung. Sowohl die Erforschung der illegalen Organisationen des sozialistischen und kommunistischen Widerstands als auch eine stärker sozialgeschichtlich ausgerichtete Analyse von widerständigem Verhalten im Alltag gewannen relativ mühsam an Boden.[7]

Als Ergebnis der theoretischen Auseinandersetzungen seit Anfang der 1970er-Jahre legte Peter Hüttenberger 1977 eine zusammenfassende – allerdings schwer deutbare – Definition von Widerstand gegen den Nationalsozialismus vor. Sie lautete: „Widerstand soll demnach jede Form der Auflehnung im Rahmen asymmetrischer Herrschaftsbeziehungen gegen eine zumindest tendenzielle Gewaltherrschaft heißen, wobei die Differenzierung der Formen des Widerstandes sich aus den verschiedenartigen Möglichkeiten der asymmetrischen Beziehung ergibt, die ihrerseits von der sozialen Struktur der impliziten Einheiten abhängen.”[8] Der hier vorgenommene Versuch, Widerstand von der Sozialstruktur der daran beteiligten Gruppen oder Einzelpersonen abhängig zu machen, setzte sich in der weiteren Forschung jedoch nur partiell durch, da er ein zu eindimensionales Beziehungsgeflecht zu seiner Grundlage machte.

Stattdessen brachte dann ein großes Forschungsprojekt des Münchner Instituts für Zeitgeschichte, das den Ansatz Hüttenbergers erweiterte,[9] neue Impulse. Da Herrschaft nicht statisch sei, müssten die Formen von Herrschaft und Protest in Prozesskategorien gedacht werden – hieß es hier. Widerstand wäre dann eine soziale Beziehung zwischen Herrschaft, also der NS-Diktatur, und Gesellschaft in einem breiten Verständnis mit all ihren einzelnen Elementen. Im Kern ging es darum, „den Begriff und die Geschichte des Widerstandes in die konkrete, situationsgebundene und naturgemäß immer nur partielle Erfahrungswelt sozialer und lokaler Gruppen einzugliedern und sie in solcher Gebundenheit neu zugänglich zu machen”.[10] In die Widerstandsforschung zog der neue Begriff der „Resistenz” ein, die als „wirksame Abwehr, Begrenzung, Eindämmung der NS-Herrschaft oder ihres Anspruches, gleichgültig von welchen Motiven, Gründen und Kräften her” verstanden wurde. Die „Kleinformen” des zivilen Mutes wurden genauso wie ihr örtlicher Bezug aufgewertet, wenn sie „tatsächlich die NS-Herrschaft und NS-Ideologie einschränkende Wirkung” hatten. Zur Resistenz zählen Formen des aktiven Zuwiderhandelns wie zum Beispiel Streiks oder die Kritik von der Kanzel herab, ziviler Ungehorsam wie die Nichtbeteiligung an NS-Veranstaltungen sowie die Aufrechterhaltung von unabhängigen Gesinnungsgemeinschaften oder eine innere, dem Nationalsozialismus gegenüber ablehnende Haltung.

Der hier zum Tragen kommende breite Widerstandsbegriff setzte sich durch, wurde aber auch immer wieder kritisiert. Wichtig war, dass die Münchner Forscher in den großen Komplex Widerstand die unterschiedlichsten Handlungsspielräume und -möglichkeiten miteinbezogen hatten. Für Broszat und seine Mitarbeiter – wobei Elke Fröhlich hervorzuheben ist[11] – war die Resistenz die der totalitären Herrschaft am meisten gemäße, ihr typologisch entsprechende Form der Opposition. Diese Unterscheidung zwischen bewusstem Widerstand und Verweigerung beruht allerdings letztlich auf der Trennung von Staat und Gesellschaft, die jedoch in jeder Herrschaftsform vielfältig miteinander verbunden sind bzw. miteinander kommunizieren.[12] Insgesamt ging es in dem Münchner Modell weniger um Motive und Zielvorstellungen als um Handlungsmöglichkeiten und -spielräume widerständigen Verhaltens. Schließlich beschrieben die Wissenschaftler um Broszat drei Haupttypen des Widerstands: den kommunistisch-sozialistischen Widerstand im proletarischen Milieu der Arbeiterschaft 1933/34; die partielle Resistenz/Volksopposition vor allem im kirchlich-religiösen Bereich 1935-1940/41 und die Fundamentalopposition bzw. die Umsturzplanung konservativer Eliten 1938-1944.[13] Das bedeutet jedoch nicht, dass etwa der jüdische Widerstand wie die Gruppe um Herbert Baum oder die „Rote Kapelle” aus dem Spektrum widerständigen Verhaltens herausfallen würden.

Gegen die vom Münchner Institut für Zeitgeschichte ausgearbeitete Resistenz-Definition wurde immer wieder eingewandt, dass das hier gezeichnete breit gefächerte Bild von Widerstand nicht der Realität in der NS-Diktatur entspräche und man gegen den Resistenzbegriff etwa eine Form von „loyaler Widerwilligkeit” diagnostizieren könne.[14] Dazu kamen differierende Analysen wie Timothy Masons Beschreibung des Arbeiterwiderstands.[15] Detlev Peukert gab im Anschluss an Peter Hüttenberger zu bedenken, dass von Widerstand nur gesprochen werden könne, wenn die Handlungen tatsächlich auf den Sturz des nationalsozialistischen Regimes gezielt hätten.[16] Christoph Kleßmann dagegen nahm Opposition und Widerstand als Synonyme, die beide die bewusste Gegnerschaft oder aktive Bekämpfung der Diktatur bezeichneten.[17] Dagegen würde Resistenz einen diktatorischen Herrschaftsanspruch – oft unbewusst – begrenzen.[18]

Hervorzuheben unter den zahlreichen Ansätzen sind noch Richard Löwenthals Untersuchungen von Widerstand im Nationalsozialismus, in denen er zwischen dem bewussten Kampf (Opposition, Widerstand), der gesellschaftlichen Verweigerung und der weltanschaulichen Dissidenz unterschied, die sich gegenseitig vielfältig überschnitten, sich im Kern jedoch alle gegen das organisierte Monopol der herrschenden Partei NSDAP richteten.[19] Widerstand und Opposition werden hier synonym gebraucht und als Aktivitäten bezeichnet, „die bewusst gegen die nationalsozialistische Parteidiktatur gerichtet waren, ihre Untergrabung und ihren schließlichen Sturz anstrebten und daher notwendig von vornherein illegal waren und konspirativ betrieben werden mussten”.[20] Dagegen sei gesellschaftliche Verweigerung[21] „konkret, praktisch und relativ offen gegen die Eingriffe des Nationalsozialismus in das gesellschaftliche Leben und seine Organisationen” gerichtet. Schließlich bedeute weltanschauliche Dissidenz die „bewusste Ablehnung der nationalsozialistischen Weltanschauung” in Teilen von Literatur, Kunst und Wissenschaft und die Hilfe für vom Regime Verfolgter.[22] Gerade dieser Ansatz wurde für die Analyse widerständigen Verhaltens in der SED-Diktatur aufgegriffen.[23]

Die Forschungsliteratur zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus bis zum Jahr 2000 ist in der umfangreichen Bibliografie von Michael Ruck zu recherchieren.[24] Für die folgenden Jahre geben die auch im Internet verfügbaren „Jahresberichte für deutsche Geschichte” als Standardbibliografie den komplettesten Überblick.[25] Dazu kommen Übersichtsdarstellungen wie die „Enzyklopädie des Nationalsozialismus” von Wolfgang Benz, Hermann Graml und Hermann Weiß[26] oder Wolfgang Wippermanns Darstellung der Kontroversen um den Nationalsozialismus.[27] Einen besonderen Stellenwert besitzt weiterhin Ian Kershaws Analyse der Geschichtsinterpretationen und Kontroversen um den NS-Staat.[28] Hier kam Kershaw vollkommen berechtigt – und dies nicht nur für den Nationalsozialismus – zu dem Schluss, dass „Dissens, Opposition und Widerstand nicht losgelöst von Konsens, Zustimmung und Kollaboration” behandelt werden können. Damit eng verbunden sind Aussagen über die hohe Denunziationsbereitschaft im Nationalsozialismus[29] und der Verdrängung seiner Verbrechen aus dem öffentlichen Bewusstsein.[30]


Forschungen zum widerständigen Verhalten in der DDR

Es ist naheliegend, aus der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus Schlussfolgerungen für die Erforschung von Widerstand und Opposition in kommunistischen Regimen zu ziehen. Besonders die erwähnten Arbeiten von Richard Löwenthal und das „Bayern-Projekt” spielten hier eine wichtige Rolle. Um die Studien zum Nationalsozialismus als heuristisches Modell für Widerstand, Opposition und abweichendes Verhalten in der DDR und in anderen kommunistischen Diktaturen zu nutzen, ist es allerdings notwendig, die strukturelle Vergleichbarkeit faschistischer und kommunistischer Herrschaftssysteme vorauszusetzen und zu akzeptieren, dass Opposition und Widerstand gegen beide deutsche Diktaturen deren elementare Bestandteile bzw. wesentliche Strukturelemente waren.[31] Dabei kommt schnell ein totalitarismustheoretischer Ansatz[32] in den Blick, der jedoch nicht eine zwangsläufige Voraussetzung für die Vergleichbarkeit faschistischer und kommunistischer Diktaturen ist. Wenn die Totalitarismustheorie jedoch als theoretische Grundlage eines historischen Vergleichs[33] herangezogen wird, so muss besonders ihre Schwäche bei der Abbildung sich verändernder politischer oder gesellschaftlicher Verhältnisse beachtet werden. Bei jedem Diktaturvergleich ist allerdings geradezu zwangsläufig damit zu rechnen, dass von Kritikern der Vorwurf erhoben wird, die eigentliche Absicht sei dabei die Relativierung des Nationalsozialismus.[34] Dem ist immer wieder dezidiert widersprochen worden, doch ist zumindest im geschichtspolitischen Bereich die damit verbundene Kontroverse noch nicht an ihr Ende gelangt.

Am Beispiel der NS-Forschung kann aber auch deutlich werden, welche Wege in die Irre führen und welche Fragestellungen bei der Erforschung von Widerstand und Opposition in der DDR in vergleichender Perspektive fruchtbar sein können. So kann ein zu breit aufgefächerter Widerstandsbegriff bei der Analyse der kommunistischen deutschen Diktatur zu einem dichotomischen Bild von einer angeblichen Minorität der Herrschenden und der breiten Masse von Trägern widerständigen Verhaltens führen. Aber auch ethische Motive oder politische Ziele könnten nicht mehr wahrgenommen werden. Begriffe wie Nonkonformität, Resistenz, Protest, Opposition, Dissidenz und Verweigerung bergen die Gefahr, den Blick auf das Alltagsleben einer Bevölkerungsmehrheit zu erschweren bzw. die Bedeutung widerständigen Verhaltens zu relativieren.[35]

Vor 1989 berücksichtigten westliche Veröffentlichungen, bezogen auf die DDR, in aller Regel zuerst Opposition, Abweichlertum oder Fraktionsbildung in der SED.[36] Oft verwischten die Autoren dabei die Grenzen zwischen Widerstand und Opposition in totalitären Systemen, und relativ selten wurde der Opposition außerhalb der regierenden kommunistischen Parteien Aufmerksamkeit geschenkt. Da die Forschungsergebnisse zum widerständigen Verhalten gegen den Nationalsozialismus im Gegensatz dazu weitaus umfangreicher sind, liegt es nahe, bei Anerkennung der strukturellen Vergleichbarkeit faschistischer und kommunistischer Herrschaftssysteme, sie als heuristisches Modell für Widerstand, Opposition und abweichendes Verhalten auch in der DDR zu nutzen.

Die bisher differenzierteste Typologisierung von antikommunistischem Widerstand und von Opposition in der kommunistischen deutschen Diktatur stammt, ausgehend von Forschungen zum Nationalsozialismus, von Ilko-Sascha Kowalczuk, der die Begriffe Widerstand und Opposition wie Löwenthal synonym gebraucht und unter dem Begriff des widerständigen Verhaltens zusammenfasst.[37] Dabei stellt er, ausgehend von einem weiten Widerstandsbegriff, vier Grundformen von Widerstand und Opposition heraus. Erstens: die gesellschaftliche Verweigerung, die er als ein Entziehen gegenüber den Zumutungen des Systems beschreibt. Zweitens: Formen des sozialen Protests und ein Eintreten für sozialpolitische und innerbetriebliche Verbesserungen wie „Eingaben”, „Meckern”, Bauernprotest gegen die Kollektivierung, Flucht und Streiks. Drittens: politischer Dissens bzw. Dissidenz politischer und soziokultureller Oppositionsgruppen als bewussteste Form politischer Gegnerschaft und „bürgerlicher” Opposition. Schließlich und viertens: Massenprotest wie am 17. Juni 1953, beim Leipziger „Beataufstand” 1965, 1987 an der Ostseite der Berliner Mauer am Reichstag und schließlich während der Friedlichen Revolution 1989/90.

Eine Reihe von Sonderformen ergänzen diese Grundformen widerständigen Verhaltens. Dazu zählt Kowalczuk die vereinzelt abweichenden Stimmen bei „parlamentarischen Abstimmungen”, Machtkämpfe innerhalb der SED, institutionellen Widerstand wie durch die Kirchen und widerständiges Verhalten von Ausländern und Westdeutschen in der DDR. Ungeklärt ist bei ihm wie auch bei anderen Autoren die Kategorisierung rassistischer, rechtsradikaler und antisemitischer Ausbrüche und entsprechend von „Schmierereien” im öffentlichen Raum.[38]

Eine andere Möglichkeit ist, die Begriffe Widerstand und Opposition nicht synonym zu gebrauchen, wie dies Kowalczuk im Anschluss an Löwenthal getan hat. So hat Klaus Tenfelde darauf hingewiesen, dass sich Widerstand insofern von Opposition, Resistenz oder Dissens unterscheide, da er aus prinzipiellen, oft bestimmten Wertvorstellungen verpflichteten Erwägungen heraus geleistet werde und unter Inkaufnahme von Risiken gegen das Regime mit der klaren Perspektive von dessen Ablösung gerichtet sei.[39] Dagegen setzten die anderen Formen widerständigen Verhaltens auf Reformhoffnungen oder auf alltägliches Widerstehen.

Davon ausgehend, sollte für die Bürgerrechtsgruppen in der DDR der 1970er- und 1980er-Jahre nicht der Begriff des Widerstands gebraucht werden, da sie politische Beteiligung, Demokratisierung und Zivilgesellschaft forderten, ohne direkt die Machtfrage zu stellen. Angemessen erscheint hier die Charakterisierung als Opposition oder als Dissidenz. Die Gruppen forderten Partizipation – womit sie freilich aber auch (unterschwellig) die Existenz der Diktatur in Frage stellten. Anders verhält es sich mit dem grundlegenden Widerstehen „bürgerlicher”, christlicher, sozialdemokratischer und studentischer Gegner/innen der kommunistischen Diktatur in den späten 1940er- und 1950er-Jahren, für die der Begriff des Widerstands angemessen ist. Der Widerstand wollte die Diktatur stürzen, die Bürgerbewegung zielte auf Reformen, die jedoch auch zum Zusammenbruch der totalitären Herrschaft führen mussten. Für eine große Anzahl von Menschen in der DDR in der Zeit von 1949 bis 1989 ist hingegen der Begriff der Verweigerung oder auch der Resistenz im Sinne von Martin Broszat anwendbar.

„Schwerter zu Pflugscharen”: <br/> Während der Volkskammertagung zum Einigungsvertrag vor dem ehemaligen ZK-Gebäude der SED erinnern Gisela und Christian Freiwerk, Christen aus Neustadt an der Dosse, Verteidigungsminister Eppelmann an seine christliche Verantwortung. Fotograf: Peer Grimm (ADN), 20. September 1990, Berlin, Quelle ([http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de CC BY-SA 3.0 DE]): [http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-1990-0926-026,_Berlin,_Forderung_%22Schwerter_zu_Pflugscharen%22.jpg?uselang=de Wikimedia Commons/Bundesarchiv Bild 183-1990-0926-02].
„Schwerter zu Pflugscharen”:
Während der Volkskammertagung zum Einigungsvertrag vor dem ehemaligen ZK-Gebäude der SED erinnern Gisela und Christian Freiwerk, Christen aus Neustadt an der Dosse, Verteidigungsminister Eppelmann an seine christliche Verantwortung. Fotograf: Peer Grimm (ADN), 20. September 1990, Berlin, Quelle (CC BY-SA 3.0 DE): Wikimedia Commons/Bundesarchiv Bild 183-1990-0926-02.


Seit Mitte der 1990er-Jahre hat es bei der Beschreibung von bzw. bei der methodischen Auseinandersetzung mit der Definition von widerständigem Verhalten in der SED-Diktatur kaum Fortschritte gegeben. Grundsätzlich ist der Resistenzbegriff bzw. der der Verweigerung auf die DDR anwendbar und scheint typologisch dem Verhalten eines großen Teils der ostdeutschen Bevölkerung zu entsprechen. Während Resistenz also als ein Zurückweichen und passives Widerstehen zu beschreiben ist, ist die Anwendbarkeit des Begriffs „Dissidenz” auf widerständiges Verhalten im „Realsozialismus” umstritten, da es im Gegensatz zur Resistenz aktives Handeln voraussetzt. Václav Havel hat Dissidenz als „Leben in der Wahrheit” und damit als moralischen Akt beschrieben, der das totalitäre System bedrohe.[40] Der Übergang von der Dissidenz zur Opposition sei dort gegeben – wie Martin Gutzeit ausführt –, wo „eigene moralische Ansprüche artikuliert”, „öffentlich und selbstbewusst die totalitären Ansprüche der SED” bestritten und Organisationsformen gefunden worden seien, mit denen sich solche Ansprüche durchsetzen ließen.[41]

Die Forschungen zum Nationalsozialismus haben schließlich gezeigt, dass eine zu weite Öffnung des Widerstandsbegriffs Gefahr läuft, diesen letztlich nebulös aufzulösen. Auch sollte darauf geachtet werden, nicht ein Bild von einer Minorität von Herrschenden zu entwerfen, denen eine Masse von Trägern widerständigen Verhaltens gegenübersteht.


Entwicklung der Debatten über Opposition und Widerstand gegen die SED-Diktatur

Beim Blick auf die vorliegenden Publikationen zu Opposition und Widerstand gegen die SED-Diktatur wird die wichtige Rolle von Forschungsinstitutionen wie dem Potsdamer Zentrum für Zeithistorische Forschung, dem Dresdner Hannah-Arendt-Institut und dem Institut für Zeitgeschichte in München und Berlin deutlich. Darüber hinaus sind die Stiftung Ettersberg in Weimar, das Militärgeschichtliche Forschungsamt in Potsdam, einzelne historische Institute vor allem an ostdeutschen Universitäten, die Forschungsabteilung des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR und die Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes zu nennen. Einen besonderen Rang behaupten weiterhin die Veröffentlichungen der beiden Enquete-Kommissionen des Deutschen Bundestags zur Auseinandersetzung mit der DDR und der Überwindung der deutschen Spaltung.[42] Wesentliches für die Forschung zum widerständigen Verhalten leisteten auch Gelehrten-Verbände wie der Unabhängige Historikerverband und der Forschungsverbund SED-Staat an der Freien Universität Berlin sowie die Gesellschaft für Deutschlandforschung. Sie werden ergänzt durch Einrichtungen der Bürgerbewegung wie das Berliner Domaschk-Archiv bzw. die Robert-Havemann-Gesellschaft/das Robert-Havemann-Archiv, das Archiv Bürgerbewegung Leipzig und die Jenaer Geschichtswerkstatt. Bei diesen und ähnlichen Einrichtungen ist jedoch der Anteil der „Grauen Literatur” besonders hoch.

Unter den deutschen Autoren zu den Themen Widerstand und Opposition gegen die kommunistische deutsche Diktatur finden sich viele, die selbst Opfer politischer Verfolgung waren.[43] Rein apologetische Arbeiten aus den Reihen ehemaliger SED-Funktionäre oder von Offizieren der Geheimpolizei verfasst, sind dagegen nur gering vertreten.[44]

In den vergangenen zwei Jahrzehnten erschienen verschiedene Standardwerke zur Geschichte von Opposition und Widerstand, welche die bereits in der alten Bundesrepublik vor 1989 vorgelegten Arbeiten ergänzten und sich in ganz unterschiedlichem Maß auf Forschungen zum Nationalsozialismus bezogen. Unter den bereits vor der Friedlichen Revolution und Wiedervereinigung aktiven Autoren ist zuerst Karl Wilhelm Fricke zu nennen.[45] Nach 1989/90 ist auf Nachschlagewerke wie das „SBZ-Handbuch”,[46] herausgegeben von Martin Broszat und Hermann Weber, auf das „Lexikon des DDR-Sozialismus”[47] und das von Hans-Joachim Veen herausgegebene Lexikon „Opposition und Widerstand in der SED-Diktatur”[48] sowie auf verschiedene biografische Nachschlagewerke[49] zu verweisen. Insgesamt gibt es inzwischen einen guten Überblick über widerständiges Verhalten in der DDR.[50]

Ungeachtet dessen lässt sich in Hinblick auf neue Ansätze zur theoretischen Durchdringung der Phänomene Widerstand, Opposition und politischer Verfolgung sowie in Fragen des Umgangs mit den überlieferten Akten der SED-Diktatur dennoch ein Mangel konstatieren.[51] Zu den theoretisch wichtigen Arbeiten gehören die von Ehrhart Neubert und Bernd Eisenfeld „Macht – Ohnmacht – Gegenmacht”[52] sowie von Ulrike Poppe, Rainer Eckert und Ilko-Sascha Kowalczuk „Zwischen Selbstbehauptung und Anpassung”.[53] Dazu kommen verschiedene bilanzierende Aufsätze, in dem von Rainer Eppelmann, Bernd Faulenbach und Ulrich Mählert herausgegebenen Sammelband „Bilanz und Perspektiven der DDR-Forschung”, der zum 75. Geburtstag von Hermann Weber erschienen ist.[54] Eckhard Jesse veröffentlichte mit totalitarismustheoretischem Ansatz Texte zum Diktaturvergleich,[55] während Günther Heydemann zusammen mit Gunther Mai und Werner Müller zwar auch den Diktaturenvergleich im Auge hat, aber vor allem die Geschichte von Opposition und Widerstand in der Region thematisierte.[56] Immer wieder wird der Ansatz von Albert 0. Hirschman zu „exit and voice” aufgenommen, der, bezogen auf widerständiges Verhalten, zwischen dem Ausweichen, also hier der Flucht oder Ausreise aus der DDR, und dem aktiven Artikulieren des Protests unterschied.[57]

Zu den Sammelbänden mit prägender Wirkung zählt auch der von Leonore Ansorg und anderen herausgegebenen zur politischen Gegnerschaft von 1971 bis 1989[58] sowie die von Eberhard Kuhrt, Hansjörg Buck und Gunter Holzweißig veröffentlichten Bände „Am Ende des realen Sozialismus”, wobei für widerständiges Verhalten in der DDR der dritte Band ausschlaggebend ist.[59] Für Ansorg und ihre Mitautoren stehen neben der politischen Repression durch Strafrecht und Justizvollzug die unterschiedlichen Formen abweichenden Verhaltens in Betrieben, in der Region (vor allem in Thüringen) und die Gegenöffentlichkeiten als oppositionelle Wirkungsformen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Kuhrt und seine Mitherausgeber haben dagegen das gesamte Feld von Opposition und Bürgerbewegung von der Mitte der 1970er-Jahre bis hin zur Friedlichen Revolution im Blick und liefern in Einzeldarstellung einen Gesamtüberblick über diese Zeit. Weiterhin wurden verschiedentlich die Abweichler innerhalb der SED,[60] die Alternativkultur[61] und Wehrdienstverweigerer bzw. Bausoldaten thematisiert.[62] Das Schicksal bedeutender widerständiger Persönlichkeiten ist besonders an den Beispielen Rudolf Bahro, Wolf Biermann, Oskar Brüsewitz, Wolfgang Harich und Robert Havemann aufgegriffen worden.[63] Forschungsschwerpunkte lagen auch auf der Rolle der evangelischen Kirchen[64] und auf dem Widerstand und der Verfolgung der Religionsgemeinschaft „Zeugen Jehovas”.[65]


Widerstand und Opposition: 17. Juni 1953, Mauerbau und Friedliche Revolution

Bezogen auf die SED-Diktatur ist die Widerstands- und Oppositionsforschung immer auch Teil der Auseinandersetzung mit dem Volksaufstand vom 17. Juni 1953, dem Widerstand gegen die Berliner Mauer und der Flucht aus der DDR sowie der Friedlichen Revolution von 1989/90. Dabei ziehen runde Jahrestage jeweils eine Veröffentlichungsflut nach sich.

Die Sicht auf den Volksaufstand prägte lange eine auf Berlin zentrierte Perspektive, die vor allem die sich aufbäumenden Arbeiter mit ihren materiellen Forderungen in den Blick nahm.[66] Gerade durch die Forschungen nach 1989/90 konnte diese überwunden werden, und immer neue Aufstandsorte und am Aufstand beteiligte Gruppen konnten ausgemacht werden.[67] Heute können Aufstandshandlungen an 701 Orten nachgewiesen werden.[68] Sozial reichte der Aufstand weit über den Kreis der Arbeiter hinaus, und neben die Forderungen nach Lohnerhöhungen oder Normensenkungen traten schnell politische, wie die nach deutscher Einheit und dem Sturz der SED-Regierung. Insofern ist der Terminus „Volksaufstand” durchaus gerechtfertigt.

Zahlreiche neue Einzelthemen rückten mit dem 50. Jahrestag des Volksaufstands im Jahr 2003 in den Fokus der Aufmerksamkeit. Dazu gehörten zunächst allgemeine Schilderungen bzw. Analysen der Abläufe[69] und grundsätzliche Überlegungen zum Platz des 17. Juni in der deutschen Geschichte.[70] Dabei war einerseits die genaue Ermittlung der Anzahl der Getöteten ein Thema,[71] wie der Einsatz militärischer Gewalt[72] und der sozialdemokratische Widerstand andererseits.[73] Der 60. Jahrestag des 17. Juni 1953 war allerdings nicht mit wesentlichen neuen Erkenntnissen und ihrer Publikation verbunden.

Leipzig, um den 17. Juni 1953, sowjetischer Panzer vor dem Gebäude des Georgi-Dimitroff-Museums (ehemaliges Reichsgericht), Fotograf: unbekannt, Quelle ([http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de CC BY-SA 3.0 DE]): [http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_175-14676,_Leipzig,_Reichsgericht,_russischer_Panzer.jpg?uselang=de Wikimedia Commons/Bundesarchiv-Bild 175-14676]).
Leipzig, um den 17. Juni 1953, sowjetischer Panzer vor dem Gebäude des Georgi-Dimitroff-Museums (ehemaliges Reichsgericht), Fotograf: unbekannt, Quelle (CC BY-SA 3.0 DE): Wikimedia Commons/Bundesarchiv-Bild 175-14676).


Eine ähnliche Wirkung wie der 50. Jahrestag des Volksaufstands hatte jedoch der 50. Jahrestag der Errichtung der Berliner Mauer im Jahr 2011. Neben Standardwerken[74] entstanden allgemeine Forschungen zur Geschichte der Mauer.[75] Besondere Aufmerksamkeit fanden ihre Vorgeschichte mit der Entscheidungsfindung in Moskau,[76] ihr Ausbau, auch an der innerdeutschen Grenze, sowie die Zahl der getöteten Flüchtlinge[77] in Berlin.[78] In verschiedenen Arbeiten waren auch widerständige Aktionen gegen den Mauerbau Thema, wobei natürlich die Flucht von Ostdeutschen im Mittelpunkt des Interesses stand. Bis heute gibt es allerdings Diskussionen darüber, wie Flucht und Ausreise im Gesamtspektrum widerständigen Verhaltens zu bewerten sind. Wenn auch bei der Mehrzahl der relevanten Autoren die Meinung vorherrscht, dass das Verlassen der DDR eine konsequente Form ihrer Ablehnung gewesen wäre, so findet sich ebenfalls die Argumentation wieder, dass dadurch das widerständige Potenzial in der SED-Diktatur geschwächt worden sei.[79]

Mit der Friedlichen Revolution von 1989/90 haben die (Ost-)Deutschen erstmals aus eigener Kraft, anders als 1953, ohne Hilfe von außen und in einzigartiger Weise eine Diktatur abgeschüttelt, sich selbst befreit und die nationale Einheit wieder hergestellt.[80] Diese Sicht lässt natürlich die Vorgeschichte und die internationalen Rahmenbedingungen nicht außen vor. Dazu gehören zuerst die Unterminierung des sowjetischen Imperiums durch die westliche Entspannungspolitik (in einem gewissen Sinn auch durch die US-amerikanische Hochrüstung, der die Sowjetunion selbst bei Überspannung der eigenen Kräfte nicht gewachsen war), die Entstehung der Solidarność in Polen[81] und der „Charta 77”[82] in der Tschechoslowakei sowie andere oppositionelle Aktivitäten in den Ländern des Ostblocks sowie die aus der Not geborene Reformpolitik des Generalsekretärs der KPdSU, Michail Gorbatschow, die eine blutige Niederschlagung der mittelosteuropäischen Revolutionen letztlich unmöglich machte. Eine wesentliche Rolle spielte auch die Grenzöffnung Ungarns zu Österreich im Sommer 1989 und die schleichende Unterminierung des Herrschaftswillens der Kommunisten in der DDR,von denen einige nicht zuletzt unter dem Einfluss von „Perestroika” und „Glasnost” den Glauben an die eigene Sache verloren hatten.

Viele wissenschaftliche Beiträge, die gerade im Rahmen des 20. Jahrestags der „Friedlichen Revolution”[83] und des Falls der Berliner Mauer 2009 erschienen sind, haben insbesondere die Frage nach dem Charakter des Herbstes 1989 und auch des Jahres 1990 in der DDR gestellt. Dabei wurde klar, dass die Geschichte dieses politischen Umbruchs – in der neueren Literatur als Revolution[84] bezeichnet – noch lange umstritten bleiben wird, da sie im Spannungsfeld von Beteiligten, Politik und zeitgeschichtlicher Forschung steht. In den vergangenen Jahren gab es verschiedene Ansätze zur Interpretation der Friedlichen Revolution von 1989/90 als Höhepunkt der Opposition in der DDR.[85] Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Revolution in der DDR in der Fläche, also nicht oder nicht allein in Berlin entschieden wurde. Eine besondere Rolle spielte dabei Sachsen mit den großen Städten Chemnitz (Karl-Marx-Stadt), Dresden, Leipzig und Plauen.[86]

Das spezifische Kriterium für die Friedliche Revolution war die massenhafte Mobilisierung der Menschen und die Erstürmung der „Zwingburgen” der Diktatur, also der Zentralen der Geheimpolizei und der Berliner Mauer. Insgesamt ist deshalb die Schlussfolgerung zu ziehen, dass hier ein neuer Revolutionstyp geboren wurde: friedlich, gewaltlos und mit ungeheurer Dynamik. Dies ist von der Forschung aufgegriffen worden, die in deutscher und in internationaler Perspektive nach der Rolle der Gewalt in den 1989er-Revolutionen fragt.[87] Der Gewaltverzicht der Diktatoren ist dabei als das „Wunder von Leipzig”[88] bezeichnet worden, was gleichzeitig wichtige Fragen aufwirft. Dass am 9. Oktober 1989 weit mehr als 70.000 Menschen (davon vielleicht 25.000 nicht in Leipzig wohnende) auf den Straßen Leipzigs den revolutionären Durchbruch brachten, erklärt sich jedoch nur vor dem Zusammenspiel von Ausreisewilligen, Demonstranten und Oppositionellen. Hinzu kam die Ausstrahlung der christlichen Religion in ihrer protestantischen Ausprägung besonders auf die Gruppen der Bürgerbewegung sowie die innere Lähmung der SED-Führung. Der Ruf „Keine Gewalt” entzog schließlich der SED die „kulturelle Hoheit” über den „legitimen Einsatz” von Waffen. Welche Rolle der „Anti-Chaos-Reflex” moderner arbeitsteiliger Gesellschaften spielte – wie etwa Andreas Wirsching[89] meint –, wird noch präziser zu ergründen sein. Ob sich alle Beteiligten wirklich darüber klar gewesen waren, dass Gewalt und Gegengewalt die Basisversorgung gefährden würde, erscheint dabei durchaus diskussionswürdig. Das gilt auch für die Bedeutung des politischen Diskurses über die Menschenrechte in Ost und West sowie der „Entgewaltung” des 20. Jahrhunderts, die für Martin Sabrow wesentlich für die Erklärung des Gewaltverzichts 1989 ist.[90]

Als Voraussetzung der Formierung des Protests zum Massenprotest und für die fast explosionsartige Entfaltung der Zivilgesellschaft müssen sowohl längerfristige strukturelle Faktoren als auch durchaus von Zufällen geprägte Ereignisse in den Blick genommen werden.[91] Dass die Opposition so erfolgreich sein konnte, hängt auch damit zusammen, dass die Sowjetunion nach der Reformpolitik Michail Gorbatschows nicht mehr zu einer militärischen Intervention in der Lage war, da die innere Situation des Landes als zu instabil angesehen wurde und die Zusammenarbeit mit dem Westen nicht gefährdet werden sollte.[92] Umstritten ist das Zusammenspiel von Eliten, Opposition und Massen in den einzelnen mittel- bzw. osteuropäischen Ländern und damit die Gewichtung der Bedeutung der unterschiedlichen Oppositionsbewegungen. Gefragt wird etwa danach, ob es sich in Polen um einen „ausgehandelten Systemwechsel”[93] handelte oder ob der Umbruch in der Tschechoslowakei von einer „stillen Übereinkunft” der Herrschenden mit der Gesellschaft gekennzeichnet war.[94] In anderen Ländern wie beispielsweise in Ungarn ist hingegen die Polarisierung zwischen kommunistischen und antikommunistischen Kräften weitaus stärker, wobei hier auch die Rolle von Exilanten nicht unterschätzt werden darf.[95] Die Bedeutung von Religion und Kirchen ist in den einzelnen Ländern unterschiedlich zu bewerten,[96] während die Kontakte zwischen den oppositionellen Gruppen und Bürgerrechtsbewegungen in den kommunistischen Ländern zwar verschiedentlich thematisiert werden,[97] jedoch noch nicht ausreichend erforscht sind.

Insgesamt ist festzuhalten, dass für die weitere Erforschung von Widerstand und Opposition eine vergleichende Revolutionsforschung weiterhin sehr viele wissenschaftliche Möglichkeiten bietet. Dabei sollten die Ergebnisse der Transformationsforschung[98] einbezogen werden, die sich mit der jeweiligen Spezifik des Systemwechsels, dem Verhältnis von Massen und Elite und schließlich mit der Etablierung neuer Demokratien beschäftigen.


Zusammenfassung

Die Forschungen in der „alten Bundesrepublik” über widerständiges Verhalten im „Dritten Reich” sind in vielfältiger Form relevant für die Analyse von Opposition gegen die kommunistische Diktatur. Das gilt im besonderen Maß für die Kategorien Opposition, Widerstand, Resistenz, Verweigerung und Dissidenz. Die methodische Diskussion dieser Begriffe wurde allerdings nur von einer kleinen Anzahl von Historikern geführt und war in ihren Grundzügen bis Mitte der 1990er-Jahre abgeschlossen. Im Wesentlichen kann hier zwischen den Ansätzen unterschieden werden, Widerstand und Opposition als unterschiedliche Phänomene zu begreifen oder sie gleichzusetzen und durch ein breites Spektrum weiterer widerständiger Verhaltensformen zu ergänzen. Im Zuge der Jubiläen des Volksaufstands von 1953, des Mauerbaus im Jahr 1961 und der Friedlichen Revolution bzw. des Mauerfalls in den Jahren 1989/90 wurden wesentliche Forschungsergebnisse erzielt, zu denen auch die Spezifizierung widerständigen Verhaltens zählt. Dennoch ist zu konstatieren, dass die Bereiche Widerstand und Opposition in kommunistischen Staaten derzeit kein leitendes Forschungsparadigma darstellen. Stattdessen hat sich die Diskussion auf die internationalen Aspekte der Freiheitsrevolutionen im Moskauer Imperium, auf die Revolutionen bzw. Aufstände im arabischen Raum und auf die Rolle der Gewalt in ihnen verlagert.[99]

Weitere Schwerpunkte künftiger Forschungen zum widerständigen Verhalten könnten verstärkt internationale Aspekte in vergleichender Perspektive aufgreifen,[100] ländliche Gebiete und Kleinstädte stärker einbeziehen und vor allem das Wechselspiel von Macht-Alltag-Widerstehen ausloten. Die Unterschiede zwischen verschiedenen widerständigen Generationen könnten genauso in den Blick genommen werden wie die inneren Spannungen in diktaturtragenden Institutionen, Organisationen und Parteien. Die Differenzen zwischen einzelnen Bürgerrechtlern und Widerstand leistenden Menschen sind genauso wenig analysiert wie die zwischen den Gruppen in den unterschiedlichen Städten und Regionen.

Grundsätzlich sollte jedoch Konsens darüber bestehen, dass der Kampf gegen deutsche Diktaturen ein wesentliches Element in der Traditionsfindung der Bundesrepublik als einer freiheitlichen Demokratie ist und das Engagement gegen elementare Unterdrückung der Menschenrechte ein politisch-moralisches Verhalten auch in der Gegenwart ist. Das gilt weltweit.


Empfohlene Literatur zum Thema

Zitation
Rainer Eckert, Widerstand und Opposition in der DDR.
Von den Forschungen zur Geschichte des Nationalsozialismus zur Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 2.12.2013, URL: http://docupedia.de/zg/Widerstand_und_Opposition?oldid=125861

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  1. Michael Kißener, Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Begriff und Forschungsentwicklung, in: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.), Widerstand als Menschenrecht. Rezeption des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus in Wissenschaft und Öffentlichkeit (= Museums-Fragen), Bonn 2006, S. 10-25; Rainer Eckert, Arbeiter in der preußischen Provinz. Rheinprovinz, Schlesien und Pommern 1933 bis 1939 im Vergleich, Frankfurt a.M. 1997, S. 54-56.
  2. Ilko-Sascha Kowalczuk, Von der Freiheit, Ich zu sagen. Widerständiges Verhalten in der DDR, in: Ulrike Poppe/Rainer Eckert/Ilko-Sascha Kowalczuk (Hrsg.), Zwischen Selbstbehauptung und Anpassung. Formen des Widerstandes und der Opposition in der DDR (= Forschungen zur DDR-Geschichte; 6), Berlin 1995, S. 68-84.
  3. Rainer Eckert, Widerstand und Opposition in der DDR. Siebzehn Thesen, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 44 (1996), S. 49-67, hier S. 52.
  4. Zu den frühen Arbeiten zum deutschen Widerstand vgl. etwa: Karl Heinz Abshagen, Canaris. Patriot und Weltbürger, Stuttgart 1949; Gerhard Ritter, Carl Goerdeler und die deutsche Widerstandsbewegung, Stuttgart 1954; Hans Rothfels, Die deutsche Opposition gegen Hitler. Eine Würdigung, Frankfurt a. M./Hamburg, 1958; Eberhard Zeller, Geist der Freiheit. Der zwanzigste Juli, München 1952.
  5. Peter Hoffmann, Widerstand – Staatsstreich – Attentat. Der Kampf der Opposition gegen Hitler, München 1969, S. 42.
  6. Klaus Gotto/Hans Günter Hockerts/Konrad Repgen, Nationalsozialistische Herausforderung und kirchliche Antwort. Eine Bilanz, in: Klaus Gotto/Konrad Repgen (Hrsg.), Die Katholiken und das Dritte Reich, 3. Aufl., Mainz 1990, S. 173-190.
  7. In der DDR war die Forschung zum deutschen Widerstand ganz einseitig auf den kommunistischen Kampf gegen den Nationalsozialismus ausgerichtet. Das wohl beste Beispiel dafür ist: Klaus Mammach, Widerstand 1933-1939. Geschichte der deutschen antifaschistischen Widerstandsbewegung im Inland und in der Emigration, Berlin 1984; ders., Widerstand 1939-1945. Geschichte der deutschen antifaschistischen Widerstandsbewegung im Inland und in der Emigration, Berlin 1987. Die hier gewonnenen Kenntnisse spielen heute kaum noch eine Rolle.
  8. Peter Hüttenberger, Vorüberlegungen zum „Widerstandsbegriff“, in: Jürgen Kocka (Hrsg.), Theorien in der Praxis des Historikers. Forschungsbeispiele und ihre Diskussion, in: Geschichte und Gesellschaft, Sonderheft 3 (1977), S. 116-134, hier S. 126.
  9. Eine Zwischenbilanz des Forschungsprojekts in: Martin Broszat/Elke Fröhlich/Anton Grossmann (Hrsg.), Bayern in der NS-Zeit, IV. Herrschaft und Gesellschaft im Konflikt, München/Wien 1981, S. 691-709; vgl. auch das Vorwort in: Martin Broszat/Elke Fröhlich/Falk Wiesemann (Hrsg.), Bayern, I. Soziale Lage und politisches Verhalten der Bevölkerung im Spiegel vertraulicher Berichte, München/Wien 1977, S. 11-12.
  10. Broszat/Fröhlich/Grossmann, Bayern IV, S. 693.
  11. Martin Broszat/Elke Fröhlich, Alltag und Widerstand. Bayern im Nationalsozialismus, München/Zürich 1987.
  12. Detlev Peukert, Der deutsche Arbeiterwiderstand gegen das Dritte Reich (=Beiträge zum Widerstand 1933-1945; 13), 4. Aufl., Berlin 1986, S. 5.
  13. Broszat/Fröhlich, Alltag, S. 55.
  14. So etwa Gerhard Paul/Klaus-Michael Mallmann, Resistenz oder loyale Widerwilligkeit? Anmerkungen zu einem umstrittenen Begriff, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaften 41 (1993), S. 99-116, hier S. 113.
  15. Timothy Mason, Arbeiteropposition im nationalsozialistischen Deutschland, in: Detlev Peukert/Jürgen Reulecke (Hrsg.), Die Reihen fast geschlossen. Beiträge zur Geschichte des Alltags unterm Nationalsozialismus, Wuppertal 1981.
  16. Peukert, Arbeiterwiderstand, S. 4.
  17. Christoph Kleßmann, Opposition und Resistenz in zwei Diktaturen in Deutschland (Manuskript der Antrittsvorlesung an der Universität Potsdam im März 1995); veröffentlicht in: Historische Zeitschrift 262 (1996), S. 453-479.
  18. Des Weiteren versuchten Autoren wie Gerhard Paul, Klaus-Michael Mallmann (Gerhard Paul/Klaus-Michael Mallmann, Milieus und Widerstand. Eine Verhaltensgeschichte der Gesellschaft im Nationalsozialismus (= Widerstand und Verweigerung im Saarland 1935-1945; 3), Bonn 1991; dies., Herrschaft und Alltag. Ein Industrierevier im Dritten Reich (= Widerstand und Verweigerung im Saarland 1935-1945; 2), Bonn 1991; dies. (Hrsg.), Die Gestapo. Mythos und Realität, Darmstadt 1995) und Robert Gellately (Robert Gellately, Hingeschaut und weggesehen. Hitler und sein Volk, München 2002), den Blick vom widerständigen Verhalten weg auf die Massenloyalität, die Arbeit der Gestapo und die Denunziationsbereitschaft der Deutschen zu lenken.
  19. Richard Löwenthal, Widerstand im totalen Staat, in: Richard Löwenthal/Patrik von zur Mühlen (Hrsg.), Widerstand und Verweigerung in Deutschland 1933 bis 1945, Berlin/Bonn 1984, S. 11-24, hier S. 12ff.
  20. Löwenthal, Widerstand, S. 14.
  21. Diese Definition entspricht etwa dem Resistenzbegriff von Martin Broszat u.a., vgl. Anm. 9.
  22. Löwenthal, Widerstand, S. 14.
  23. So etwa bei: Rainer Eckert, Die Widerstandsforschung über die NS-Zeit – ein methodisches Beispiel für die Erfassung widerständigen Verhaltens in der DDR, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 46 (1995), S. 553-566, hier S. 553; ähnlich ders., Die Vergleichbarkeit des Unvergleichbaren. Die Widerstandsforschung über die NS-Zeit als methodisches Beispiel, in: Poppe/Eckert/Kowalczuk (Hrsg.), Zwischen Selbstbehauptung und Anpassung, S. 68-84.
  24. Michael Ruck (Hrsg.), Bibliographie zum Nationalsozialismus, Köln 1995, eine CD-ROM ist im Jahr 2000 in Darmstadt erschienen.
  25. Unter http://www.jdg-online.de.
  26. Hermann Graml, Widerstand, in: Wolfgang Benz/Hermann Graml/Hermann Weiß (Hrsg.), Enzyklopädie des Nationalsozialismus, 5., aktual. u. erw. Aufl., Stuttgart 1997, S. 309-321. Hier ist Widerstand „jeder Akt aktiver Bekämpfung des Systems und seines Führers Adolf Hitler“ (ebd., S. 309).
  27. Wolfgang Wippermann, Umstrittene Vergangenheit. Fakten und Kontroversen zum Nationalsozialismus, Berlin 1998, S. 268-295.
  28. Ian Kershaw, Der NS-Staat. Geschichtsinterpretationen und Kontroversen im Überblick, überarb. u. erw. Neuaufl., Reinbek bei Hamburg 1994 (weitere Ausgabe 1999), S. 267-315.
  29. Gisela Diewald-Kerkmann, Politische Denunziation im NS-Regime oder Die kleine Macht der „Volksgenossen“, Bonn 1995.
  30. Gellately, Hingeschaut und weggesehen.
  31. Eckert, Widerstandsforschung, S. 553; ähnlich Eckert, Vergleichbarkeit, S. 68-84.
  32. Nach dem Ende des europäischen Kommunismus erreichte die Diskussion in den 1990er-Jahren einen Höhepunkt. Vgl. Eckhard Jesse (Hrsg.), Totalitarismus im 20. Jahrhundert. Eine Bilanz der internationalen Forschung (= Bundeszentrale für politische Bildung; 336) Bonn 1996; Eckhard Jesse/Steffen Kailitz (Hrsg.), Prägekräfte des 20. Jahrhunderts. Demokratie, Extremismus, Totalitarismus, München 1997; Wolfgang-Uwe Friedrich (Hrsg.), Totalitäre Herrschaft – totalitäres Erbe (= German Studies Review; Sonderheft 1994), Tempe/Arizona 1994; Klaus Hornung, Das totalitäre Zeitalter. Bilanz des 20. Jahrhunderts, Berlin/Frankfurt a.M. 1993; Alfons Söllner/Ralf Walkenhaus/Karin Wieland (Hrsg.), Totalitarismus. Eine Ideengeschichte des 20. Jahrhunderts, Berlin 1997.
  33. Allgemein zum historischen Vergleich: Heinz-Gerhard Haupt/Jürgen Kocka (Hrsg.), Geschichte und Vergleich. Ansätze und Ergebnisse international vergleichender Geschichtsschreibung, Frankfurt a.M./New York 1996.
  34. Vgl. dazu etwa: Günther Heydemann/Eckhard Jesse (Hrsg.), Diktaturvergleich als Herausforderung. Theorie und Praxis (= Gesellschaft für Deutschlandforschung; 65), Berlin 1998; Rainer Eckert, Vergangenheits-"Bewältigung" 1945-1947 und 1989-1991. Unterschiede und Gemeinsamkeiten, in: Klaus Sühl (Hrsg.), Vergangenheitsbewältigung 1945 und 1989. Ein unmöglicher Vergleich?, Berlin 1994, S. 155-166; Ludger Kühnhardt u.a. (Hrsg.), Die doppelte deutsche Diktaturerfahrung. Drittes Reich und DDR – ein historisch-politikwissenschaftlicher Vergleich, Frankfurt a.M. 1994.
  35. Peter Steinbach, Widerstand gegen den Nationalsozialismus, in: ders./Johannes Tuchel (Hrsg.), Widerstand gegen den Nationalsozialismus, Berlin 1994, S. 15-26.
  36. Eckert, Widerstandsforschung, S. 554-555 Zu nennen sind etwa die herausragenden Arbeiten von Hermann Weber, Die DDR 1945-1986 (= Oldenbourg Grundriss der Geschichte; 20), München 1986, und Christoph Kleßmann, Zwei Staaten, eine Nation. Deutsche Geschichte 1955-1970 (= Bundeszentrale für politische Bildung; 265), Bonn 1988. Singulär ist dabei folgender umfassender Ansatz: Karl Wilhelm Fricke, Opposition und Widerstand in der DDR. Ein politischer Report, Köln 1984. Relative große Aufmerksamkeit erregte dagegen in der Bundesrepublik der Volksaufstand vom 17. Juni 1953, wenn auch verschiedene Interpretationsansätze heute wissenschaftlich überholt sind. Vgl. Arnulf Baring, Der 17. Juni 1953, 2. Aufl., Stuttgart 1983, Stefan Brant [Pseudonym: Klaus Harpprecht]/KIaus Bölling, Der Aufstand. Vorgeschichte, Geschichte und Deutung des 17. Juni 1953, Stuttgart 1954; Benno Sarel, Arbeiter gegen den „Kommunismus“. Zur Geschichte des proletarischen Widerstandes in der DDR (1945-1958), München 1975.
  37. Ilko-Sascha Kowalczuk, Artikulationsformen und Zielsetzungen von widerständigem Verhalten in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft, in: Deutscher Bundestag (Hrsg.), Materialien der Enquete-Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“, VII.2, Baden-Baden 1995, S. 1203-1284.
  38. Das ist in der Forschung bisher noch nicht umfassend bearbeitet worden und wird in einzelnen Veröffentlichungen nur am Rande erwähnt.
  39. Klaus Tenfelde, Soziale Grundlagen von Resistenz und Widerstand, in: Jürgen Schmädecke/Peter Steinbach (Hrsg.), Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Die deutsche Gesellschaft und der Widerstand gegen Hitler, 3. Aufl., München/Zürich 1994, S. 799-812, hier S. 799.
  40. Václav Havel, Versuch, in der Wahrheit zu leben, Reinbek bei Hamburg 1990, S. 37.
  41. Martin Gutzeit, Der Weg in die Opposition. Über das Selbstverständnis und die Rolle der „Opposition“ im Herbst 1989 in der ehemaligen DDR, in: Walter Euchner (Hrsg.), Politische Opposition in Deutschland und im internationalen Vergleich, Göttingen 1993, S. 84-114, hier S. 84.
  42. Deutscher Bundestag (Hrsg.), Materialien der Enquete-Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“, 9 Bde., Baden-Baden 1995; Deutscher Bundestag (Hrsg.), Materialien der Enquete-Kommission „Überwindung der Folgen der SED-Diktatur im Prozeß der deutschen Einheit“, 8 Bde., Baden-Baden 1999; Ingrun Drechsler u.a. (Hrsg.), Getrennte Vergangenheit, gemeinsame Zukunft. Ausgewählte Dokumente, Zeitzeugenberichte und Diskussionen der Enquete-Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“, 4 Bde., München 1997.
  43. Dazu gehören Autoren wie Thomas Ammer, Achim Beyer, Gerhard Finn, Karl Wilhelm Fricke, Thomas Klein, Horst Schüler oder Manfred Wagner. Zu den einzelnen Titeln vgl. Rainer Eckert, SED-Diktatur und Erinnerungsarbeit im vereinten Deutschland. Auswahlbibliographie zu Widerstand und politischer Repression, Berlin 2011.
  44. Hans Bauer (Hrsg.), Grenzdienst war Friedensdienst. Der 13. August 1961. Ursachen und Folgen des Mauerbaus, Berlin 2011; Reinhard Grimmer u.a. (Hrsg.), Die Sicherheit. Zur Abwehrarbeit des MfS, 2 Bde., Berlin 2002; Heinz Kessler/Fritz Streletz, Ohne die Mauer hätte es Krieg gegeben. Zwei Zeitzeugen erinnern sich, Berlin 2011.
  45. Bibliografische Nachweise in: Eckert, SED-Diktatur. Die Zahl der entsprechenden Veröffentlichungen steigt freilich stetig, wie ein Blick in die „Deutsche Nationalbibliografie“ oder in die „Jahresberichte für deutsche Geschichte“ zeigt. Zur bibliografischen Darstellung wäre eine Internet-Präsentation der laufenden Neuerscheinungen zum Thema Opposition und Widerstand in der DDR wünschenswert.
  46. Martin Broszat/Hermann Weber (Hrsg.), SBZ-Handbuch. Staatliche Verwaltungen, Parteien, gesellschaftliche Organisationen und ihre Führungskräfte in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands 1945-1949, München 1990.
  47. Rainer Eppelmann u.a. (Hrsg.), Lexikon des DDR-Sozialismus, 2 Bde., 2., aktual. u. erw. Aufl., Paderborn 1997.
  48. Hans-Joachim Veen (Hrsg.), Lexikon Opposition und Widerstand in der SED-Diktatur, Berlin/München, 2002.
  49. So zum Beispiel Helmut Müller-Enbergs/Jan Wielgohs/Dieter Hoffmann (Hrsg.), Wer war wer in der DDR? Ein Lexikon ostdeutscher Biographien, 2 Bde., Berlin 2006; online auf der Internetseite der Bundesstiftung Aufarbeitung unter http://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/wer-war-wer-in-der-ddr-%2363%3B-1424.html.
  50. Vgl. Eckert, SED-Diktatur.
  51. Eine Ausnahme ist: Ludwig Große, Einspruch! Das Verhältnis von Kirche und Staatssicherheit im Spiegel gegensätzlicher Überlieferungen, Leipzig 2009.
  52. Ehrhart Neubert/Bernd Eisenfeld (Hrsg.), Macht – Ohnmacht – Gegenmacht. Grundfragen zur politischen Gegnerschaft in der DDR, Bremen 2001.
  53. Poppe/Eckert/Kowalczuk (Hrsg.), Zwischen Selbstbehauptung und Anpassung.
  54. Rainer Eppelmann/Bernd Faulenbach/Ulrich Mählert (Hrsg.), Bilanz und Perspektiven der DDR-Forschung, Paderborn 2003.
  55. Vgl. Anm. 32.
  56. Günther Heydemann/Gunther Mai/Werner Müller (Hrsg.), Revolution und Transformation in der DDR 1989/90 (= Gesellschaft für Deutschlandforschung; 73), Berlin 1999.
  57. Albert O. Hirschman, Abwanderung und Widerspruch und das Schicksal der Deutschen Demokratischen Republik. Ein Essay zur konzeptuellen Geschichte, in: Leviathan 20 (1992), S. 330-358; ders., Abwanderung, Widerspruch und das Schicksal der Deutschen Demokratischen Republik. Ein Essay zur konzeptuellen Geschichte, in: Bodo von Greiff/Claus Koch/Helmut König (Hrsg.), Der Leviathan in unserer Zeit, Opladen/Wiesbaden 1997, S. 365-393; ders., A Propensity to Self-Subversion, Cambridge/Ma. 1995; ders., Exit Voice and Loyalty, Cambridge/Ma. 1970.
  58. Leonore Ansorg/Bernd Gehrke/Thomas Klein/Danuta Kneipp (Hrsg.), „Das Land ist still – noch!“ Herrschaftswandel und politische Gegnerschaft in der DDR (1971-1989) (= Zeithistorische Studien; 40), Köln/Weimar/Wien 2009.
  59. Eberhard Kuhrt/Hansjörg Buck/Gunter Holzweißig (Hrsg.), Opposition in der DDR von den 70er Jahren bis zum Zusammenbruch der SED-Herrschaft (= Am Ende des realen Sozialismus. Beiträge zu einer Bestandsaufnahme der DDR-Wirklichkeit in den 80er Jahren; 3), Opladen 1999.
  60. Rüdiger Beetz, Opposition oder Alternative? Der XX. Parteitag der KPdSU und die „Schirdewan/Wollweber-Fraktion“, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Universität Potsdam 35 (1991), H. 7, S. 567-576; Thomas Klein, Alternatives und oppositionelles Denken in der SED seit Mitte der 80er Jahre, in: Ansichten zur Geschichte der DDR, Bd. 4, Eggersdorf 1994, S. 213-223; ders., Die Herrschaft der Parteibürokratie. Disziplinierung, Repression und Widerstand in der SED, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (1996), B 20, S. 3-12; ders., Reform von oben? Opposition in der SED, in: Poppe/Eckert/Kowalczuk (Hrsg.), Zwischen Selbstbehauptung und Anpassung, S. 125-141; ders., Widerspruch und abweichendes Verhalten in der SED, in: Deutscher Bundestag (Hrsg.), Materialien der Enquete-Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“, VII, 2, S. 1031-1079; ders./Wilfriede Otto/Peter Grieder, Visionen: Repression und Opposition in der SED (1949-1989), 2 Bde., Frankfurt/Oder 1996; Rainer Land, Reformbewegungen in der SED in den 80er Jahren. Möglichkeiten und Grenzen, in: Detlef Pollack/Dieter Rink (Hrsg.), Zwischen Verweigerung und Opposition. Politischer Protest in der DDR, 1970-1989, Frankfurt a.M./New York 1997, S. 129-144; ders.,/Ralf Possekel, Fremde Welten. Die gegensätzliche Deutung der DDR durch SED-Reformer und Bürgerbewegung in den 80er Jahren, Berlin 1999; Wilfriede Otto, Gemeinsamkeiten und Unterschiede oppositioneller Handlungen in der SED bis zur Entmachtung der Staatspartei. Forschungsergebnisse und Probleme, in: Heiner Timmermann (Hrsg.), Diktaturen in Europa im 20. Jahrhundert. Der Fall DDR (= Europäische Akademie Otzenhausen: Dokumente und Schriften; 79), Berlin 1996, S. 437-448; dies., Widerspruch und abweichendes Verhalten in der SED, in: Deutscher Bundestag (Hrsg.), Materialien der Enquete-Kommission „Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland“, VII, 2, S. 1437-1491.
  61. Rainer Bratfisch (Hrsg.), Freie Töne. Die Jazzszene in der DDR, Berlin 2005; Uta Grundmann/Klaus Michael/Susanne Seufert (Hrsg.), Revolution im geschlossenen Raum. Die andere Kultur in Leipzig 1970-1990, 2. Aufl., Leipzig 2002; Bernd Lindner/Mark M. Westhusen, Von Müllstation zu Größenwahn (Mitteldeutsche Kulturhistorische Hefte; 11), Halle/Saale 2007; Michael Rauhut, Beat in der Grauzone. DDR-Rock 1964 bis 1972 – Politik und Alltag, Berlin 1993; ders./Thomas Kochan (Hrsg.), Bye bye, Lübben City. Bluesfreaks, Tramps und Hippies in der DDR, Berlin 2004; Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland/Zeitgeschichtliches Forum Leipzig/Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), Rock! Jugend und Musik in Deutschland, Berlin 2005; Peter Wicke/Lothar Müller (Hrsg.), Rockmusik und Politik. Analysen, Interviews und Dokumente (= Forschungen zur DDR-Geschichte; 7), Berlin 1996; Peter Wurschi, Rennsteigbeat. Jugendliche Subkulturen im Thüringer Raum 1952-1989 (= Stiftung Ettersberg: Europäische Diktaturen und ihre Überwindung; 11), Köln/Weimar/Wien 2007.
  62. Bernd Eisenfeld, Eine „legale Konzentration feindlich-negativer Kräfte“. Zur politischen Wirkung der Bausoldaten in der DDR, in: Deutschland Archiv 28 (1995), H. 3, S. 256-271; ders., Formen widerständigen Verhaltens in der Nationalen Volksarmee und bei den Grenztruppen, in: Neubert/ders. (Hrsg.), Macht, S. 231-266; ders., Kriegsdienstverweigerung in der DDR – ein Friedensdienst? Genesis, Befragung, Analyse, Dokumente, Frankfurt a.M. 1978; ders./Peter Schicketanz, Bausoldaten in der DDR. Die „Zusammenführung feindlich-negativer“ Kräfte in der NVA, Berlin 2011; Andreas Pausch, Waffendienstverweigerung in der DDR. ... das einzig mögliche und vor dem Volk noch vertretbare Zugeständnis, hg. von Uwe Schwabe/Rainer Eckert, Leipzig 2004; Peter Schicketanz, Wehrdienstverweigerung in der DDR. Nährboden für die Bildung oppositioneller Gruppen, in: Deutschland Archiv 37 (2004), S. 792-800; Thomas Widera, Die DDR-Bausoldaten. Anpassung und Zusammenarbeit – die Ambivalenz von Protest gegen die SED-Diktatur, in: Deutschland Archiv 42 (2009), S. 503-511.
  63. Dirk Draheim u.a. (Hrsg.), Robert Havemann. Dokumente eines Lebens, Berlin 1991; Bernd Florath/Werner Theuer, Robert Havemann: Biographie. Lebensdaten. Dokumente, Berlin 2008; Thomas Frickel, Der Störenfried. Ermittlungen zu Oskar Brüsewitz, Leipzig 2007; Katja Havemann/Joachim Widmann, Robert Havemann – oder Wie die DDR sich erledigte, Berlin 2003; Guntolf Herzberg/Kurt Seifert, Rudolf Bahro – Glaube an das Veränderbare. Eine Biographie, Berlin 2002; Harold Hurwitz, Robert Havemann. Eine persönlich-politische Biographie, Bd. 1: Die Anfänge, Berlin 2012; Hartmut Jäckel (Hrsg.), Ein Marxist in der DDR. Für Robert Havemann, München/Zürich 1980; Freya Klier, Oskar Brüsewitz. Leben und Tod eines mutigen DDR-Pfarrers, Berlin 2004; Silvia Müller/Bernd Florath (Hrsg.), Die Entlassung. Robert Havemann und die Akademie der Wissenschaften 1965/66. Eine Dokumentation (= Robert-Havemann-Gesellschaft; 1), Berlin 1996; Helmut Müller-Enbergs/Wolfgang Stock/Marco Wiesner, Das Fanal. Das Opfer des Pfarrers Brüsewitz aus Rippicha und die evangelische Kirche, Münster 1999; Wolf Biermann und andere Autoren, Die Ausbürgerung. Anfang vom Ende der DDR, hg. von Fritz Pleitgen, Berlin 2001; Harald Schultze, Das Signal von Zeitz. Reaktionen der Kirche, des Staates und der Medien auf die Selbstverbrennung von Oskar Brüsewitz 1976. Eine Dokumentation, Leipzig 1993; Wolfgang Stock, Die Selbstverbrennung von Pfarrer Oskar Brüsewitz. 18. August 1996. Ursachen, Hintergründe und Folgen. Eine Rekonstruktion aus Akten und Zeugnissen von Zeitzeugen, Zeitz 1998; Stefan Dornuf/Reinhard Pitsch (Hrsg.), Wolfgang Harich zum Gedächtnis. Eine Gedenkschrift in zwei Bänden, München 2000; zu weiteren Angaben zu den unterschiedlichen Feldern der Erforschung von Widerstand und Opposition in SBZ und DDR vgl. Eckert, SED-Diktatur.
  64. Gerhard Besier, Der SED-Staat und die Kirche 1983-1991. Höhenflug und Absturz, Berlin/Frankfurt a.M. 1995; ders., Der SED-Staat und die Kirche 1969-1990. Die Vision vom „Dritten Weg“, Berlin/Frankfurt a.M. 1995; ders., Der SED-Staat und die Kirche. Der Weg in die Anpassung, München 1993; Christoph Demke/Manfred Falkenau/Helmut Zeddies, Zwischen Anpassung und Verweigerung. Dokumente aus der Arbeit des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR, Leipzig 1994; Joachim Goertz (Hrsg.), Die Solidarische Kirche in der DDR. Erfahrungen, Erinnerungen, Erkenntnisse, Berlin 1999; Jörg Hildebrandt/Gerhard Thomas (Hrsg.), Unser Glaube mischt sich ein ... Evangelische Kirche in der DDR 1989. Berichte, Fragen, Verdeutlichungen, Berlin 1990; Jürgen Israel (Hrsg.), Zur Freiheit berufen. Die Kirche in der DDR als Schutzraum der Opposition 1981-1989, Berlin 1991; Peter Maser, Glauben im Sozialismus. Kirchen und Religionsgemeinschaften in der DDR, Berlin 1989; Manfred Richter/Elisabeth Zylla (Hrsg.), Mit Pflugscharen gegen Schwerter. Erfahrungen in der evangelischen Kirche in der DDR 1949-1990, Bremen 1991.
  65. Gerhard Besier/Clemens Vollnhals (Hrsg.), Repression und Selbstbehauptung. Die Zeugen Jehovas unter der NS- und der SED-Diktatur (= Zeitgeschichtliche Forschungen; 21), Berlin 2003; Hans-Hermann Dirksen, „Keine Gnade den Feinden unserer Republik!“ Die Verfolgung der Zeugen Jehovas in der SBZ/DDR, 1945-1990 (= Zeitgeschichtliche Forschungen; 10), 2. Aufl., Berlin 2003; ders., Warum hat die Stasi heimlich den Wachtturm gelesen? Die Verfolgung der Zeugen Jehovas in der DDR, in: Lokatis/Sonntag (Hrsg.), Heimliche Leser, S. 280-292; ders., Die Zeugen Jehovas in der DDR, in: Hans Hesse (Hrsg.), „Am mutigsten waren immer wieder die Zeugen Jehovas“, Bremen 1998, S. 256-276.
  66. Meinungsbildend vor allem; Arnulf Baring, Der 17. Juni 1953, 2. Aufl., Stuttgart 1983.
  67. Ruud van Dijk, Der 17. Juni als Krise im Kalten Krieg, in: Deutschland Archiv 30 (1997), S. 291-293.
  68. Wobei zu erwarten ist, dass im Jahr 2013 erscheinende Publikationen weitere Aufstandsorte benennen werden.
  69. Thomas Flemming, Kein Tag der deutschen Einheit. 17. Juni 1953, Berlin 2003; Hubertus Knabe, 17. Juni 1953. Ein deutscher Aufstand, München 2003; Volker Koop, Der 17. Juni 1953. Legende und Wirklichkeit, Berlin 2003; Ilko-Sascha Kowalczuk, 17. Juni 1953 – Volksaufstand in der DDR. Ursachen – Abläufe – Folgen, Bremen 2003.
  70. Torsten Diedrich/Ilko-Sascha Kowalczuk (Hrsg.), Staatsgründung auf Raten? Auswirkungen des Volksaufstandes 1953 und des Mauerbaus 1961 auf Staat, Militär und Gesellschaft der DDR (= Militärgeschichte der DDR; 11), Berlin 2005; Bernd Eisenfeld/Ilko-Sascha Kowalczuk/Ehrhart Neubert, Die verdrängte Revolution. Der Platz des 17. Juni 1953 in der deutschen Geschichte (= BStU: Analysen und Dokumente; 25), Bremen 2004; Roger Engelmann/Ilko-Sascha Kowalczuk (Hrsg.), Volkserhebung gegen den SED-Staat. Eine Bestandsaufnahme zum 17. Juni 1953 (= BStU: Analysen und Dokumente; 27), Göttingen 2005; Hans-Joachim Veen (Hrsg.), Die abgeschnittene Revolution. Der 17. Juni 1953 in der deutschen Geschichte (= Stiftung Ettersberg: Europäische Diktaturen und ihre Überwindung; 2), Köln/Weimar/Wien 2004.
  71. Edda Ahrberg/Hans-Hermann Hertle/Tobias Hollitzer (Hrsg.), Die Toten des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953, Münster 2004.
  72. Torsten Diedrich, Waffen gegen das Volk. Der 17. Juni 1953 in der DDR, München 2003; Torsten Diedrich/Hans-Hermann Hertle (Hrsg.), Alarmstufe „Hornisse“. Die geheimen Chef-Berichte der Volkspolizei über den 17. Juni 1953, Berlin 2003; Karl Wilhelm Fricke/Roger Engelmann, Der „Tag X“ und die Staatssicherheit. 17. Juni 1953 – Reaktionen und Konsequenzen im DDR-Machtapparat (= BStU: Analysen und Dokumente; 24), Bremen 2003.
  73. Friedhelm Boll, Fallstudien zum sozialdemokratischen Widerstand in der SBZ/DDR, in: Ulrich Mählert (Hrsg.), Der 17. Juni 1953. Ein Aufstand für Einheit, Recht und Freiheit, Bonn 2003, S. 174-198; Mählert (Hrsg.), 17. Juni 1953.
  74. Peter Joachim Lapp, Die Mauer. Eine Grenze durch Deutschland, Erfurt 2011; Frederick Taylor, Die Mauer, 13. August 1961 bis 9. November 1989, München 2009.
  75. Kurt Andrä/Günther Bandel, Wer – wen? Der 13. August 1961. Ein weltpolitischer Markstein, Berlin 2011; Jens Arndt, Glienicke. Vom Schweizerdorf zum Sperrgebiet, Potsdam 2011; Florian Giese (Hrsg.), „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“. Der Mauerbau in Berlin 1961. Bilder aus Ost und West, Berlin 2011; Jens Schöne, Ende einer Utopie. Der Mauerbau in Berlin 1961, Berlin 2011; Magdalena Schupelius/Gunnar Schupelius, Als die Mauer stand. Die Geschichte der Teilung Berlins, Berlin 2011; Christian Simon, Berlin grotesk. Die Mauer im absurden Alltag einer Millionenstadt, Berlin 2011; Hans-Joachim Veen/Franz-Josef Schlichting (Hrsg.), 50 Jahre Mauerbau. Vorgeschichte und Folgen, Weimar 2011.
  76. Hope M. Harrison, Ulbrichts Mauer. Wie die SED Moskaus Widerstand gegen den Mauerbau brach, Berlin 2011; John T. Burridge, Kennedy and Khrushchev. The New Frontier in Berlin, Newcastle 2011.
  77. Hans-Hermann Hertle/Maria Nooke u.a. (Hrsg.), Die Todesopfer an der Berliner Mauer 1961-1989. Ein biographisches Handbuch, Berlin 2009; Hans-Hermann Hertle/Gerhard Sälter, Die Todesopfer an Mauer und Grenze. Probleme einer Bilanz des DDR-Grenzregimes, in: Deutschland Archiv 39 (2006), S. 667-676.
  78. Hans-Hermann Hertle, Die Berliner Mauer. Biografie eines Bauwerks, Berlin 2011; Klaus-Dietmar Henke (Hrsg.), Die Mauer. Errichtung, Überwindung, Erinnerung , München 2011. Hervorzuheben sind auch die Schriftenreihen der Gedenkstätte an der Bernauer Straße, darunter: Axel Klausmeier, Hinter der Mauer. Zur militärischen und baulichen Infrastruktur des Grenzkommandos Mitte, Berlin 2012; Manfred Wilke, Der Weg zur Mauer. Stationen der Teilungsgeschichte, Berlin 2011.
  79. Zur Diskussion vgl. Uwe Schwabe/Rainer Eckert (Hrsg.), Von Deutschland Ost nach Deutschland West. Oppositionelle oder Verräter?, Leipzig 2003.
  80. Wolfgang Schuller, Die Deutsche Revolution 1989, Berlin 2009.
  81. Hartmut Kühn, Das Jahrzehnt der Solidarnosc. Die politische Geschichte Polens 1980-1990, Berlin 1999.
  82. Jonathan Bolton, Worlds of Dissent. Charter 77, the Plastic People of the Universe and Czech Culture under Communism, Cambridge, Ma./London 2012.
  83. Wer den Begriff „Friedliche Revolution“ bewusst gebraucht, meint damit in der Regel eine neuartige Form gesellschaftlicher Umwälzung mit Massen, die im Wesentlichen ohne direkte Gewaltaktionen auskommen. Im engeren Sinn ist der Begriff ein Schlagwort für das Ende der kommunistischen Diktaturen in der DDR und im gesamten Ostblock in einem einzigartigen ostmitteleuropäischen Revolutionszyklus zwischen 1989 und 1991. Vgl. Rainer Eckert, Revolution, Zusammenbruch oder „Wende“. Das Ende der zweiten Diktatur auf deutschem Boden im Meinungsstreit, in: Heiner Timmermann (Hrsg.), Die DDR zwischen Mauerbau und Mauerfall (= Europäische Akademie Otzenhausen: Dokumente und Schriften; 98), Münster 2003, S. 419-448.
  84. Vgl. Ilko-Sascha Kowalczuk, Endspiel. Die Revolution von 1989 in der DDR, München 2009; Ehrhart Neubert, Unsere Revolution. Die Geschichte der Jahre 1989/90, München/Zürich 2008; Andreas Rödder, Deutschland einig Vaterland. Die Geschichte der Wiedervereinigung, München 2009; Schuller, Deutsche Revolution; Klaus-Dietmar Henke (Hrsg.), Revolution und Vereinigung 1989/90. Als in Deutschland die Realität die Phantasie überholte, München 2009; Eckart Conze/Katharina Gajdukowa/Sigrid Koch-Baumgarten (Hrsg.), Die demokratische Revolution 1989 in der DDR, Köln/Wien/Weimar 2009; Gerhard A. Ritter, Der Preis der deutschen Einheit. Die Wiedervereinigung und die Krise des Sozialstaats, 2., erw. Aufl., München 2007; Andreas Wirsching, Der Preis der Freiheit. Geschichte Europas in unserer Zeit, München 2012.
  85. Vgl. Anm. 84.
  86. Heydemann/Mai/Müller (Hrsg.), Revolution und Transformation; Thomas Mayer, Karte der Friedlichen Revolution, in: Leipziger Volkszeitung, 24.7.2009. Das hat sich auch auf die Forschung ausgewirkt. Die Forschungsdichte ist für Sachsen am höchsten und für Brandenburg am niedrigsten, vgl. die bibliografischen Angaben zur Friedlichen Revolution in den Regionen, in: Eckert, SED-Diktatur, S. 196-225.
  87. Martin Sabrow (Hrsg.), 1989 und die Rolle der Gewalt, Göttingen 2012.
  88. So etwa in: Jan Schönfelder (Hrsg.), „Das Wunder der Friedlichen Revolution“. Prominente Stimmen zum Herbst 1989, Leipzig 2009.
  89. Andreas Wirsching, Abschied vom Provisorium. Geschichte der Bundesrepublik Deutschland 1982-1990, München 2006, S. 631; eine gewalttätige Ausnahme bildet Rumänien, vgl. Peter Siani-Davies, The Romanian Revolution of December 1989, Ithaca 2005; Peter Ulrich Weiß, Traumatische Befreiung. Die rumänische Revolution von 1989/90 als unbewältigte Gewalterfahrung, in: Sabrow (Hrsg.), 1989 und die Rolle der Gewalt, S. 304-336.
  90. Sabrow (Hrsg.), 1989 und die Rolle der Gewalt, S. 9-31; vgl. Bernd Florath (Hrsg.), Das Revolutionsjahr 1989. Die demokratische Revolution in Osteuropa als transnationale Zäsur (= BStU: Analysen und Dokumente; 34), Göttingen 2011.
  91. Detlef Pollack, Die Friedliche Revolution. Strukturelle und ereignisgeschichtliche Bedingungen des Umbruchs 1989 in der DDR, in: Clemens Vollnhals (Hrsg.), Jahre des Umbruchs. Friedliche Revolution in der DDR und Transition in Ostmitteleuropa, Göttingen 2011, S. 119-139; Walter Süß, Der friedliche Ausgang des 9. Oktober in Leipzig, in: Sabrow (Hrsg.), 1989 und die Rolle der Gewalt, S. 173-202.
  92. Helmut Altrichter, Von der Perestroika zur Implosion. Die Rolle der sowjetischen Transformation für den Umbruch in Ostmitteleuropa, in: Vollhals (Hrsg.), Jahre des Umbruchs, S. 35-46.
  93. Agnes Arndt, Intellektuelle in der Opposition. Diskurse zur Zivilgesellschaft in der Volksrepublik Polen, Frankfurt a.M./New York 2007; Dieter Bingen, Polens Weg zum Wechsel 1980-1989. Der Wandel des Verhältnisses zwischen Elite und Massen, in: Vollnhals (Hrsg.), Jahre des Umbruchs, S. 173-188; Tytus Jaskulowski, Polen. Erfolge und Misserfolge der ersten osteuropäischen Transformation 1989, in: Vollnhals (Hrsg.), Jahre des Umbruchs, S. 47-61.
  94. Jan Holzer, Die Transformation in der Tschechoslowakei. Anmerkungen zum Typus des nicht-demokratischen Regimes, in: Vollnhals (Hrsg.), Jahre des Umbruchs, S. 93-102; Tomás Vilímek, Die Ursachen des Zusammenbruchs des kommunistischen Regimes in der CSSR im Jahre 1989, in: Florath (Hrsg.), Revolutionsjahr 1989, S. 105-121; Doris Liebermann/Jürgen Fuchs/Vlasta Wallat (Hrsg.), Dissidenten, Präsidenten und Gemüsehändler. Tschechische und ostdeutsche Dissidenten 1968-1998, Essen 1998.
  95. Sándor Pesti, Die wichtigsten Spezifika des politischen und rechtlichen Institutionensystems in Ungarn, in: Vollnhals (Hrsg.), Jahre des Umbruchs, S. 289-297; János M. Rainer, Bewältigung und Kenntnis der Vergangenheit in Ungarn seit 1989 – ein vielfältiges Erbe, in: Florath (Hrsg.), Revolutionsjahr 1989, S. 233-246.
  96. Vgl. etwa zur ukrainischen griechisch-katholischen Kirche: Svitlana Hurkina, Der Prozess der Legalisierung der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche und die Unabhängigkeit der Ukraine, in: Florath (Hrsg.), Revolutionsjahr 1989, S. 165-186.
  97. Reinhard Weißhuhn, Die ungarische demokratische Opposition und ihre Kontakte zur DDR-Opposition, in: Florath (Hrsg.), Revolutionsjahr 1989, S. 187-196.
  98. Vollnhals (Hrsg.), Jahre des Umbruchs; Hans-Joachim Veen (Hrsg.), Nach der Diktatur. Demokratische Umbrüche in Europa – zwölf Jahre später (Stiftung Ettersberg: Europäische Diktaturen und ihre Überwindung; 1), Köln/Weimar/Wien 2003; Hans-Joachim Veen (Hrsg.), Alte Eliten in jungen Demokratien? Wechsel, Wandel und Kontinuität in Mittel- und Osteuropa (Stiftung Ettersberg: Europäische Diktaturen und ihre Überwindung; 4), Köln/Weimar/Wien, 2004; vgl. auch den Docupedia-Beitrag über „Postsozialismus“: Petra Stykow, Postsozialismus, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 22.4.2013, URL: http://docupedia.de/zg/Postsozialismus?oldid=86098.
  99. Erster Versuch einer die gesamte Nachkriegszeit umfassenden Sicht: Henrik Bispinck u.a. (Hrsg.), Aufstände im Ostblock. Zur Krisengeschichte des realen Sozialismus (Forschungen zur DDR-Gesellschaft), Berlin 2004; vgl. auf beide deutsche Staaten bezogen: Wolfgang Kraushaar, Die Protest-Chronik 1949-1959, 1-4, Frankfurt a.M. 1996-1998.
  100. In diese Richtung zeigt György Dalos, Der Vorhang geht auf. Das Ende der Diktaturen in Osteuropa, München 2009; vgl. Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde (Hrsg.), Freiheit im Blick. 1989 und der Aufbruch in Europa, Berlin 2009; Helmut Fehr, Unabhängige Öffentlichkeit und soziale Bewegungen. Fallstudien über Bürgerbewegungen in Polen und der DDR, Opladen 1996; Annabelle Lutz, Dissidenten und Bürgerbewegung. Ein Vergleich zwischen DDR und Tschechoslowakei (Campus Forschung; 795), Frankfurt a.M./New York 1999; Dominik Trutkowski, Der Sturz der Diktatur. Opposition in Polen und der DDR 1988/89 (Mittel- und Ostmitteleuropastudien; 5), Berlin 2007.