Subjekt und Subjektivierung

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Wie werden Menschen zu Subjekten gemacht, und wie machen sie sich selbst zu Subjekten? – fragt Wiebke Wiede und stellt in dem Artikel die wichtigsten Theorieansätze zur Funktionsweise von „Subjektivierung” im 20. Jahrhundert vor. Subjekte konstituieren sich im historischen Raum, und sie unterliegen institutionellen Strukturen und Subjektdefinitionen, die historisch kontingent sind. Demnach spiegeln sich auch in den Subjekttheorien die kulturellen Orientierungsbedürfnisse unserer Gegenwart. Wiede beschreibt das relativ junge Forschungsfeld der Subjektivierung oder „Selbst-Bildungen” und plädiert dafür, die Zeitgeschichte verstärkt einzubinden.
Subjekt und Subjektivierung

von Wiebke Wiede

Einleitung

Die erkenntnistheoretische Annahme eines autonomen, handlungsfähigen und zur Emanzipation begabten Subjekts ist ein historisches Projekt der Neuzeit. Seit dem 17. Jahrhundert ist die Vorstellung eines selbstreflexiven, von Handlungsobjekten zu distanzierenden, in sich zentrierten Subjekts aus den theoretisch-philosophischen wie praktisch-politischen Selbstverständnissen und Selbstverständigungen westlicher und westlich geprägter Kulturen und Gesellschaften nicht wegzudenken. Doch nicht das Subjekt der westlichen, klassischen Subjektphilosophie, vertreten durch Autoren wie René Descartes, Immanuel Kant und Georg Wilhelm Friedrich Hegel, ist Gegenstand des Artikels, sondern das Subjekt der kultur- und sozialwissenschaftlichen Subjekttheorien der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Diese fragen nicht nach einem rationalen oder metaphysischen Wesenskern des Menschen, gleichwohl knüpfen sie an eine drängende Frage der klassischen Subjektphilosophie an: Wie werden Menschen gemacht? Oder genauer: Wie werden Menschen zu Subjekten gemacht, und wie machen sie sich selbst zu Subjekten?

Subjekttheorien fragen nach den Prozessen der „Subjektivierung”, d.h. nach den historischen Faktoren und Bedingungen, die den Einzelnen zu einem gesellschaftlich akzeptierten und handlungsfähigen Subjekt machen. Subjekttheorien interessieren sich dafür, wie im Gefüge sozialer und kultureller Dispositionen, wie beispielsweise Erziehung, technische Apparaturen, Bürokratien, juridische Regelungen, Konzepte körperlicher Gesundheit oder architektonische Räume, Subjekte sich produzieren und produziert werden. Entscheidend für kultur- und sozialwissenschaftliche Subjekttheorien ist, dass die Vorannahme der historischen Anthropologie zur Historizität des menschlichen Wesens geteilt wird. Der Mensch ist nicht der Ausgangspunkt subjekttheoretischer Überlegungen, sondern ein Produkt fortdauernder anthropologischer Projektionen, Programmatiken und Selbstformungen.[1] Subjekte konstituieren sich im historischen Raum, und sie unterliegen institutionellen Strukturen und Subjektdefinitionen, die historisch kontingent sind. Demnach spiegeln sich auch in den Subjekttheorien, die sich seit dem späten 20. Jahrhundert formieren, die kulturellen Orientierungsbedürfnisse unserer Gegenwart und die Versuche, die gegenwärtig sozialwissenschaftlich diagnostizierten Subjektanforderungen von Autonomie und Authentizität zu verstehen.

Die kultur- und sozialwissenschaftlichen Subjekttheorien sind primär von postmodernen Theoriekonzepten beeinflusst. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass es eine einheitliche Subjekttheorie nicht gibt. Vielmehr bedienen sich Subjekttheorien in den theoretischen Feldern von Poststrukturalismus, Psychoanalyse, Praxeologie, Post Colonial Studies, Medientheorie, Geschlechtergeschichte und Intersektionalität. Nicht alle Ansätze können im Folgenden behandelt werden.[2]

Als Gliederungshilfe zur Erläuterung der wichtigsten Theorieansätze zur Funktionsweise von „Subjektivierung” wurden drei Problemfelder der poststrukturalistischen Subjekttheorien ausgewählt: die Regierung des Selbst (Michel Foucault), seine Anrufung und Autonomie (Louis Althusser, Judith Butler) sowie seine Abgrenzung gegenüber anderen.[3] Die damit verbundenen Konzepte verhalten sich auch und gerade in ihrer Subjektkritik zur klassischen Subjektphilosophie und deren Problemstellungen von subjektivem Selbstbewusstsein, Eigenheit und Fremdheit sowie der Handlungsfähigkeit des Subjekts, die sie variieren und entgrenzen. Im Anschluss werden die wichtigsten internationalen und deutschsprachigen Tendenzen der historischen, aber auch sozial- und kulturwissenschaftlichen Subjektforschung erörtert, um abschließend einen Ausblick auf mögliche Perspektiven einer Geschichte von Subjektivierungen zu werfen.


Definitionen und Theorien

Regierung des Selbst: die Machttheorie Foucaults

Der Subjektbegriff Michel Foucaults ist zentral für die zeitgenössische kultur- und sozialwissenschaftliche Debatte um das Subjekt. Nicht weniger als das „Ziel” seiner „in den letzten zwanzig Jahren” verfolgten Arbeit seien die „verschiedenen Formen der Subjektivierung des Menschen in unserer Kultur”, beschreibt Foucault selbst in „Subjekt und Macht” (1982) rückblickend seine Forschungen.[4] Die Problematisierung von Subjektivierung durchzieht seine Arbeit seit „Wahnsinn und Gesellschaft” (1961) und „Überwachen und Strafen” (1975) als Geschichte von Sondierungspraktiken, wird in „Die Ordnung der Dinge” (1966) in Form einer Geschichte der humanwissenschaftlichen Dispositive und der Objektivierung ihres Erkenntnisgegenstands fortgeschrieben und schließlich mit den „Techniken des Selbst”, der Selbstsorge in „Sexualität und Wahrheit” (1976/1984) zu einem (vorläufigen) Abschluss gebracht.

Panopticon-Skizze von Jeremy Bentham zum Bau von Gefängnissen und Fabriken, in denen die gleichzeitige Überwachung von vielen durch einen einzigen Aufseher möglich ist (1791), Quelle ([http://de.wikipedia.org/wiki/Gemeinfreiheit?uselang=de gemeinfrei]): [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Panopticon.jpg?uselang=de Wikimedia Commons]
Panopticon-Skizze von Jeremy Bentham zum Bau von Gefängnissen und Fabriken, in denen die gleichzeitige Überwachung von vielen durch einen einzigen Aufseher möglich ist (1791), Quelle (gemeinfrei): Wikimedia Commons


Im Werk Foucaults ist eine historische Folge von Machtdispositiven herauszulesen: von der Souveränitätsmacht der Vormoderne, gekoppelt an das Recht des Souveräns über Leben und Tod zu entscheiden, zu neueren Machtverfahren der Disziplinar-, Kontroll- oder Biomacht. Jenseits repressiver, juridischer Disziplinierung gewinnt Macht in den Arbeiten Foucaults zunehmend produktive, ja „liebenswerte” Effekte.[5] Macht wird zur Ermächtigung. Das Regieren von Körper und Seele des Einzelnen geschieht nicht allein auf Disziplinierungen reagierend, sondern der Einzelne regiert sich selbst, indem er sich zu sich selbst und seiner sozialen Umwelt in ein bestimmtes Verhältnis setzt. Macht bringt Subjekte hervor. Diese subjektfabrizierenden „Technologien des Selbst” beschreibt Foucault bereits in „Sexualität und Wahrheit” im Hinblick auf die Formen der Selbstsorge der griechisch-römischen Antike.

Mit dem Konzept der Gouvernementalität werden „Technologien des Selbst” zu einem Grundprinzip moderner Staatlichkeit des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Der Begriff der Gouvernementalität, wie Foucault ihn in seinen 1977 bis 1979 am Collège de France gehaltenen Vorlesungen „Geschichte der Gouvernementalität” ausgeführt hat, ist deshalb von besonderem Interesse für eine zeithistorische Annäherung an das Forschungsfeld Subjektivierung.[6] Gouvernementalität definiert Foucault an einer Stelle recht einfach als „die Gesamtheit der Institutionen und Praktiken, mittels derer man die Menschen lenkt, von der Verwaltung bis zur Erziehung”.[7] Ergeben sich hier aus historischer Perspektive Anhaltspunkte für mögliche Mikrozentren alltäglicher Machtwirksamkeit in Institutionen, die mittelbar oder unmittelbar staatlichen Einflüssen ausgesetzt sind, wie Krankenhäuser, Schulen oder Familien, so bleiben systematische Fragen nach der Genese von „Menschenlenkung” und ihren Grenzen vorerst offen. Foucault selbst beantwortet diese Probleme genealogisch. Seit dem 18. Jahrhundert konstatiert er einen Konnex zwischen der Freiheit des Einzelnen und der Sicherheit, der Kontrolle des Objekts „Bevölkerung”.[8] Die sich ausprägende liberale Form von Regierung funktioniert nicht durch Disziplinierung des Einzelnen, sondern durch seine Ermächtigung und Initiative zur Selbstregierung. Im Sinn einer liberalen Gouvernementalität wird Freiheit zu einer legitimierenden Begründung für Staaten, die Freiheit ihrer Macht- und Wissensdispositive gewissermaßen funktional einzubinden. Freiheit provoziert insoweit Machttechnologien: „Wenn es Machtbeziehungen gibt, die das gesamte soziale Feld durchziehen, dann deshalb, weil es überall Freiheit gibt.”[9] Das Subjekt ist der Nukleus dieser Regierungsform und seiner Objektivierungs- und Veridiktionstaktiken. Die „Spiele der Wahrheit”, die Akte von Prüfung, von Bekenntnis, von Selbstthematisierung, die an bestimmte Formen von Wahrheit gebunden sind, installieren subjektivierende Machtbeziehungen.[10]

Das Subjekt formiert sich nun in zweifacher Lesart. Es präsentiert sich einerseits als „subiectum”, als dasjenige, das unterworfen ist, bestimmten Regeln unterliegt und sich ihnen unterwirft. Aber andererseits konstituiert sich das Subjekt als eine agierende, selbstbestimmte Instanz in seiner Freiheit der Selbstgestaltung. Pointiert formuliert Foucault diese zwei Dimensionen von Subjektivierung 1982 in „Subjekt und Macht”: „Das Wort ‚Subjekt' hat zwei Bedeutungen: Es bezeichnet das Subjekt, das der Herrschaft eines anderen unterworfen ist und in seiner Abhängigkeit steht; und es bezeichnet das Subjekt, das durch Bewusstsein und Selbsterkenntnis an seine eigene Identität gebunden ist.”[11] Werkhistorisch kann eine „Genealogie” der Subjektivierung bei Foucault festgestellt werden, von der Unterwerfung (assujettissement) zur Subjektivierung (subjectivation) des Einzelnen aufgrund seiner Selbstermächtigung. Diese Machtdispositive sind jedoch weder in dieser Folge zu denken noch als simple Antipoden, die naiv repressive von produktiven Regierungsformen trennen, sondern sie koexistieren miteinander und erweitern die Spektren von Macht.[12] Die „Mikrophysiken der Macht” zeigen diffizilere, unter- und miteinander verschränkte Veridiktionstaktiken.


Anrufung und Autonomie

Theoriemodelle der „Anrufung” machen die gesellschaftliche Konfiguration von Subjekten im Zusammenwirken von Fremd- und Selbstformierung denkbar. Sie verhelfen dazu, Subjektivierung im Kern als Akt der Dezentrierung anzusehen, denn nicht das souveräne Subjekt wird angerufen, sondern mit der Anrufung formiert sich das Subjekt. Die Schlüsselszene aller Theoriebezüge von „Anrufung” (Interpellation) liefert Louis Althusser in seinem Aufsatz „Ideologie und ideologische Staatsapparate”, der unmittelbar nach den studentischen Protesten vom Mai 1968 in Frankreich entstand. Althusser schildert eine alltägliche Situation, in der jemand, „etwa von Polizei wegen”, die Anrufung „He, Sie da!” empfängt, sich daraufhin umdreht und mit dieser physischen Geste zum Subjekt wird.[13] Das Individuum hat die allgemeine Anrufung als seine eigene Anrufung angenommen. Die Anrufung und Annahme der Anrufung, die in der Veranschaulichung zeitlich nacheinander ablaufen, sind in der gesellschaftlichen Anrufung als gleichzeitiger und sich wechselseitig konstituierender Akt vorzustellen. Die Existenz der Ideologie bzw. die sie verkörpernden „ideologischen Staatsapparate” (Familie, Schule) und die Anrufung der Individuen als Subjekte sind „eine und dieselbe Sache”.[14] Ideologie ist bei Althusser mithin kein „falsches Bewusstsein”, das theoretisch kritisiert werden könnte, sondern entsteht in dieser „doppelten Konstituierung” alltäglicher Praktiken und Rituale.[15]

Judith Butler führt die Ansätze Foucaults und Althussers weiter, indem sie problematisiert, dass der Anrufungsakt als solcher immer missverständlich und deutungsoffen ist.[16] An die Sprechakttheorien John Langshaw Austins sowie die Überlegungen Jacques Derridas zur Iteration anschließend, ist ein performativer Akt der Anrufung bei Butler nicht als einzelner Akt der Benennung aufzufassen, sondern als sich beständig wiederholende Kette regelhafter Bedeutungsaufführungen ohne genuinen Entstehungsursprung.[17] Beispielsweise hat ein performativer Akt von Geschlechtszuweisung („Es ist ein Mädchen/Junge!”) nur Erfolg, sofern er einer kulturell abgesicherten, hegemonialen Geschlechtsidentität entspricht, mithin zitiert wird. Demnach sind Fehlbenennungen und Scheitern als „subversive Wiederholungen” Teil der regelhaften Bedeutungskette. Sie lassen Identifizierungen immer zu prekären Operationen werden, erlauben es aber auch, Bedeutungsverschiebungen zu produzieren, denn bei diesen Wiederholungen handelt es sich nicht um identische Repetitionen. Der theoretischen Konzeption Butlers von Iterabilität gemäß, werden Zeichen in verschiedenen Kontexten zitiert und in dieser zeitlichen und räumlichen Verschiebung verändert und re-signifiziert.[18]

In diesem Zusammenhang stellt sich noch einmal die allgemeinere Frage nach der Handlungsfähigkeit von Subjekten, d.h. inwieweit Subjekte autonome Interessen artikulieren oder sich reaktiv zu ablaufenden Anforderungskatalogen von Subjektivierung verhalten. Bei Butler und Foucault findet die Veränderung von Strukturen innerhalb von Strukturen statt. Widerständige Handlungsakte sind in gewisser Weise paradoxe Effekte von Subjektivierung als Unterwerfung unter gesellschaftliche Anrufungen und ihrer Aneignungen. Die Vorstellung der iterativen Bedeutungsverschiebung im Subjektivierungsprozess macht diese zu fortwährend ambivalenten und subversiven Unternehmen. Subjektivierungsprozesse konstituieren sich als Machtfelder, die heterogen und komplex vorstellbar sind und ebenso heterogene und komplexe Bedeutungsverschiebungen nach sich ziehen.[19] Foucault prägt aber auch zur Beschreibung regelwidrigen, unordentlichen Verhaltens gegenüber hegemonialen, verfestigten Machtformen, sprich: Herrschaft, den Begriff des „Gegen-Verhaltens”, der subversive Praktiken des Widerstands wie Askese, Dissidenz, Entwischen oder körperlich verweigernde Haltungen bezeichnet.[20]

Aus historischer Perspektive liegen Denkfiguren der Alltagsgeschichte von „Eigensinn” und „Subjektivität” nahe. Diese wurden in den westdeutschen Geschichtswissenschaften vor allem in den frühen 1980er-Jahren diskutiert, um den wissenschaftlichen Blick für Handlungsoptionen von Individuen in alltagsweltlichen Lebensumständen zu schärfen. In der Analyse von Herrschaftsstrukturen eröffnet die Perspektive des „Eigensinns” historischen Akteuren Handlungsalternativen jenseits von Widerstand gegen oder Affirmation von Herrschaft.[21] „Eigensinn” bezeichnet fragile und diffuse Distanzierungen von hegemonialen Herrschaftsansprüchen zugunsten „eigener” Handlungslogiken der jeweiligen Akteure. Insoweit teilen poststrukturalistische Subjekttheorien und Alltagsgeschichte das Interesse für das „Gegen-Verhalten” historischer Akteure – allerdings unter anderen terminologischen Vorzeichen, markieren alltagshistorische Studien doch eher allgemein die Erkenntnisperspektive „von unten”, als dass sie methodologische Gemeinsamkeiten teilen würden. Sie dokumentieren aber als zeithistorische Quellen das Interesse an Individualität und Subjektivität in den Kultur- und Sozialwissenschaften der frühen 1980er-Jahre.[22]


Abgrenzung: Das Selbst und die Anderen

Subjektkonzepte wie Subjektivierungen vollziehen sich als Differenzmarkierungen, die historisch variabel jeweilige hegemoniale, „normale” Subjektformen von a-normalen Subjekten unterscheiden. Als paradigmatische und wichtige Impulsgeber für die methodischen Probleme von Differenzmarkierungen werden im Folgenden die geschlechterhistorischen Theorien Judith Butlers sowie Debatten der Postcolonial Studies betrachtet.

Die Performativität der Subjektherstellung steht im Mittelpunkt der feministischen Subjekttheorien Judith Butlers. Die vermeintlich biologischen Tatsachen von Geschlecht und Körperlichkeit sind für Butler Effekte performativer Praktiken, die sich, durch Zeichen und Sprechakte signalisiert, prozesshaft materialisieren und darin körperliche Identitäten hervorbringen.[23] Im Akt der Benennung wird Körpern ihr Bedeutungsgewicht zugesprochen. „Materialisierung” vollzieht sich dabei innerhalb regulierender Normen, die iterativ reproduziert werden, allerdings nicht als Verkörperung im Sinne einer Inkarnation zu begreifen sind.[24] Explizit grenzt sich Butler von Simone de Beauvoir und phänomenologischen Begrifflichkeiten Jean-Paul Sartres oder Maurice Merleau-Pontys ab, die letztlich in theologischen Begriffskontexten von Verkörperung und der damit verbundenen Vorstellung vom Körper als Gefäß von Inkarnation verharren würden.[25] Diesem patriarchalisch tradierten Dualismus von geistigem Bedeutungsgehalt und körperlichem Bedeutungsträger setzt Butler ein Konzept des Körpers entgegen, das körperliche Materialität nicht als Ort oder Oberfläche begreift, sondern als Prozess.[26] Regulierende und produktive Effekte von Machtdynamiken im Foucault'schen Sinne bringen körperliche Stabilität erst hervor. Das biologische Geschlecht ist einer dieser regulierenden, machtproduzierenden Normen, die einen Körper signifikant auszeichnen und kulturell lebensfähig machen.

Das erklärte politische Ziel Butlers ist es, zur „Geschlechter-Verwirrung” anzustiften und die Heteronormativität von Geschlechtsidentitäten parodistisch zu vervielfältigen, wenn nicht subversiv zu unterlaufen.[27] In ihrem Werk ergeben sich aus ihrer feministischen Kritik aber auch Perspektiven für eine umfassende Dekonstruktion vorgeblicher Eindeutigkeiten in politischen Beschreibungskategorien von Subjektivierungen jenseits von „Mann” und „Frau”. Butlers Denken eröffnet die Möglichkeit, Identitätskategorien historisch-analytisch und politisch zu kritisieren.[28] Die Analyse derjenigen normativen Phantasmen, die Leben konstruieren, der Augenmerk auf die „Zonen des sozialen Lebens” derer, deren Identifizierungen innerhalb von Regelsystemen scheitern, eröffnet mit Butler den Blick für die definitorischen Grenzen dessen, was/wer als Subjekt gelten darf.[29]

Butler greift mit ihren Überlegungen zu Geschlechtsidentitäten Theorien über politische Identitätskonzepte der Postcolonial Studies teilweise auf und entwickelt sie weiter. Die Postcolonial Studies umfassen ein ganzes Bündel von Konzepten, die für eine Theorie und Geschichte von Subjektivierung von Interesse sind. Im Folgenden werden zwei Problemfelder herausgegriffen, die irritierende Momente kolonialer Subjektivierung betonen und darin über den kolonialen Kontext hinausreichen: Zum einen werden Theorien vorgestellt, die fragen, inwiefern Subalterne, d.h. Gruppen, die aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer sozialen Zugehörigkeit marginalisiert werden, in kolonialen, hegemonialen Diskursen wahrgenommen werden. Zum anderen werden Prozesse mehrdeutiger Identitätsbildung unter kolonialen Bedingungen in den Blick genommen.

Die Repräsentation der Subalternen wird von Gayatri Chakravorty Spivak unter Bezugnahme auf Edward Saids „hegemonialen Diskurs” (1978) in ihrem 1988 publizierten Essay „Can the Subaltern Speak” aufgegriffen.[30] Spivak thematisiert die Schwierigkeiten von Subalternen, eigene Interessen angesichts des übermächtigen hegemonialen kolonialen Herrschaftssystems zu formulieren und zu artikulieren, aber vor allem Gehör zu finden. Westliche Wissenssysteme und ihre kommunikativen Regularien verhindern die erfolgreiche sprachliche Artikulation von Subalternen. Der Begriff „Othering”, gleichfalls von Said inhaltlich geprägt, wird bei Spivak begrifflich präzisiert, um die bewertende Differenzierung von Gruppenzugehörigkeiten zu beschreiben.[31] Im Prozess des „Othering” produziert der imperiale Diskurs die „Anderen”, die Kolonisierten. Im Gestus der Distanzierung zum Fremden wird dieser funktionalisiert, um die eigene soziale und kulturelle „Normalität” zu bestätigen. Argumentationsfiguren des „Othering” bedienen sich tendenziell hierarchischer und stereotyper, rassistischer, sexistischer und sozial deklassierender Denkfiguren, um Unterschiede zwischen den eigenen und den fremden Erfahrungen argumentativ zu untermauern.

Homi K. Bhabha fügt den Postcolonial Studies neben anderen die wichtigen und vielfach miteinander verschränkten Konzepte von Mimikry und der Hybridität hinzu, um die Ambivalenzen und Mehrdeutigkeiten kolonialer Subjektivierungsprozesse beschreibbar zu machen. Während mit Hybridität die kulturellen, sprachlichen, politischen Figurationen polysemer Identitäten kolonisierender und kolonisierter Subjekte bezeichnet werden, benennt Mimikry die mit Imitation oder Camouflage operierenden, stets ambivalenten Interaktionen zwischen Kolonisierenden und Kolonialisierten.[32] Vermeintliche Grenzen zwischen kolonialisierenden und kolonialisierten Subjekten unterläuft die performative Strategie der Mimikry im Aushandlungsprozess von Identität und unvollständiger Nachahmung. Subjektivierungsprozesse können somit als ein permanent Relationen herstellendes Unternehmen begriffen werden. Bhabhas Konzepte problematisieren die koloniale Subjektbildung (subjection) im Sinne einer „Subjekt-/Untertanenbildung” (subject formation). Dennoch werfen sie auch ein neues Licht auf die subtilen Effekte „kolonialer” Differenz in alltäglichen Situationen unterwerfender Herrschaft.


Historische Forschungen zur Subjektivierung

Das Forschungsfeld der Subjektivierung oder „Selbst-Bildungen” ist ein relativ neues, das im deutschen Sprachraum seit ca. zehn Jahren interdisziplinär von Sozial- und Kulturwissenschaftlern, Philosophen und Historikern bearbeitet wird.[33] Historische Subdisziplinen, die Subjektivierung problematisieren, sind Historische Anthropologie, Geschlechter- und Körpergeschichte, Kultur- und Sozialgeschichte, die Kulturgeschichte der Politik, die Geschichte der Gefühle sowie die Postcolonial Studies.

Subjekttheoretische Forschungen hängen eng mit der Entwicklung der Governmentality Studies zusammen, die sich, ausgehend von Foucaults Schülerkreis (Daniel Defert, Jacques Donzelot, François Ewald, Giovanna Procacci), vor allem seit den 1990er-Jahren im angelsächsischen Raum mit der Rezeption der späten Vorlesungen Foucaults entwickelt haben.[34] In Deutschland zuerst in den Sozial- und Politikwissenschaften aufgegriffen, beschäftigen sich diese Arbeiten mit der Analyse gegenwärtiger, als neoliberal bezeichneter, gesellschaftlicher Entwicklungen in Genetik, Medizin, Sozial-, Gesundheits- und Arbeitsmarktpolitiken, Geschlechterkonstruktionen oder in der Kriminologie.[35]

Ihnen zufolge diffundierten mittels neoliberaler „Gouvernementalitäten” seit den 1970er-Jahren dezentrierte und subtilere Regierungstechnologien in westeuropäische und nordamerikanische Sozialpolitiken, die auf Selbstlenkung und Selbstermächtigung setzen und die Gesellschaft als Einheit über die Aktivierung des Einzelnen herstellen würden. Ulrich Bröckling bringt diese Subjektivierungsform der Gegenwart in seiner maßgeblichen Studie auf die griffige Formulierung des „unternehmerischen Selbst”, das beständig als Unternehmer seines eigenen Lebens aktiv, selbstverantwortlich an Selbstmaximierung arbeitet.[36] Mit parallelen Fragestellungen beschäftigen sich industrie- und arbeitssoziologische Debatten verstärkt seit den 1980er-Jahren mit der „Subjektivierung von Arbeit”.[37] Während bis dato Produktionsverhältnisse, technische Bedingungen oder die betriebliche Einheit als Organisation zur Erklärung von Arbeitsphänomenen herangezogen wurden, wird für die gegenwärtigen Arbeitsprozesse und Arbeitswelten die zunehmende Bedeutung individueller Handlungen und Motivationen des arbeitenden Individuums festgestellt. Der Subjektbegriff dieser Studien ist jedoch anders akzentuiert als der Subjektbegriff der poststrukturalistischen Subjekttheorien und geht von als solchen vorhandenen und normativ formbaren Subjekten aus.[38]

„San Precario“, Mayday 2008 – Die Mayday-Bewegung erfand einen Schutzheiligen für Prekarisierte: „San Precario“. Seine Insignien verweisen auf einige Facetten der Prekarisierung: Einkommen, Unterkunft, Gesundheit, Kommunikation und Transportmittel, Foto: Neddo is a Zombie, Mai 2008, Mailand, Italien, Quelle ([https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/ CC BY 2.0]): [http://www.flickr.com/photos/n3ddo/2469136600 Flickr]
„San Precario“, Mayday 2008 – Die Mayday-Bewegung erfand einen Schutzheiligen für Prekarisierte: „San Precario“. Seine Insignien verweisen auf einige Facetten der Prekarisierung: Einkommen, Unterkunft, Gesundheit, Kommunikation und Transportmittel, Foto: Neddo is a Zombie, Mai 2008, Mailand, Italien, Quelle (CC BY 2.0): Flickr


Im Umfeld einer spezifischen Ausrichtung der Subjektsoziologie, der „Münchener subjektorientierten Soziologie”, ist das Individualisierungstheorem Ulrich Becks zu verorten, das, verknüpft mit den Deutungsmodellen der „reflexiven Moderne” und „Risikogesellschaft”, seit den 1980er-Jahren in der Soziologie wie in der gegenwartsnahen Zeitgeschichte breit rezipiert wurde und wird. Erstmals 1983 publiziert, konstatiert Beck einen seit den 1960er-Jahren anhaltenden „Individualisierungsschub”.[39] Damit beschreibt er gesellschaftliche Entwicklungen und Erfahrungen von Auflösung und Neujustierung sozialer Lebensformen „jenseits von Stand und Klasse”, die zu einem „kategorialen Wandel” im Verhältnis von Individuum und Gesellschaft geführt hätten. Zentrale lebensweltliche Institutionen wie Familie, Ehe, Elternschaft, Geschlechterrollen, Gemeindebeziehungen oder Kollegen- und Arbeitsbeziehungen seien durch veränderte Bildungs- und Mobilitätsprozesse, aber auch aufgrund zunehmender und anhaltender Arbeitslosigkeit aus traditionellen Bezügen herausgelöst und das Individuum zum entscheidenden Initiator und Gestalter seiner sozialen Freundschafts- und Arbeitsmarktbeziehungen geworden. Die klassenspezifische Normalbiografie der „traditionellen”, industriegesellschaftlich geprägten Abläufe sei zur „Bastelbiographie” des Einzelnen geworden.[40]

Suggestiv in seinem Wert als zeithistorische Quelle, aber auch inspirierend im konzeptionellen Ansatz, steht Becks Individuum epistemisch auf ganz anderen Füßen als Foucaults Subjekt, das durch die Machttechnik Individualisierung erst konstituiert wird. Dennoch konvergieren die Ansätze in der Betonung des Selbst und vor allem in der Kritik staatlich induzierter Individualisierung. Deutlich unterschieden vom Konzept des „bürgerlichen Individuums” im 18. Jahrhundert oder der „albern schlichte[n] Formel”, die Individualisierung mit selbstbestimmter Autonomie gleichsetzt, weist Beck nachdrücklich auf die Unsicherheiten und Dilemmata der Individualisierung existenzieller Entscheidungsfreiheiten hin, die zwingend Verschärfungen sozialer Ungleichheit nach sich ziehen.[41]

Andreas Reckwitz beschäftigt sich in seiner gewichtigen Habilitation „Das hybride Subjekt” von 2006 mit einer kultursoziologisch-historischen Analyse westlicher, neuzeitlicher Subjektkulturen.[42] Reckwitz bezieht sich neben Foucault vor allem auf die Habitustheorie Pierre Bourdieus, um ein weites Panorama von Subjektkulturen zu entwerfen, das vom „moralisch-souveränen Allgemeinsubjekt” der bürgerlichen Moderne (19. Jahrhundert) über das „nach-bürgerliche Angestelltensubjekt” der organisierten Moderne (1920-1970) zum „konsumtorischen Kreativsubjekt” der Postmoderne (seit 1980) reicht. Reckwitz legt den Schwerpunkt seiner Analyse auf „drei primäre Subjektivationsorte”, die in besonderer Weise einen körperlich-mentalen Habitus antrainieren würden: Arbeit, persönliche und intime Beziehungen sowie Technologien des Selbst, womit der Gebrauch von Medien und Konsumtionsgewohnheiten bezeichnet wird.[43] Mittels dieser Längsschnittinstrumente entwirft Reckwitz die Subjektordnungen der Moderne als „hybride” Kombinationen, die von Widersprüchen und Instabilitäten gezeichnet sind.

Genuin historische Arbeiten zu Subjektivierung und Subjektivierungsprozessen untersuchen zum einen die Geschichte des modernen Selbst und seiner historischen Konzeptualisierungen in Form von Identität, Individualität, Person, Persönlichkeit oder Subjektivität sowie zum anderen, und hier liegt das eigentliche Forschungsinteresse poststrukturalistischer Subjekttheorien, die Soziogenese von Seelen und Körpern moderner Subjekte, unterworfen von und ermächtigt durch neuzeitliche Bevölkerungs-, Gesundheits-, Sexual- oder Sozialpolitiken.

Die Geschichte des modernen Selbst wird ideen- bzw. philosophiehistorisch als die weitgehend kontinuierliche Entwicklung eines spezifisch neuzeitlichen, „modernen” Individuums, einer „neuzeitlichen Identität” erzählt.[44] Daneben sind gerade in jüngster Zeit sozial- und kulturhistorische Arbeiten entstanden, die Individualität und insbesondere Individualisierung in kürzerer historischer Dauer des 20. Jahrhunderts und in Bezug zu soziostrukturellen Entwicklungen wie Urbanisierung, Ausweitung und Veränderung von Konsummöglichkeiten oder Institutionalisierung kollektiver Ordnungsmodelle in den Blick nehmen.[45]

Die Untersuchungsfelder der historischen Subjektivierungsforschungen sind thematisch eng an die Subjektgenealogien Foucaults und seiner Schüler angelehnt: humanwissenschaftliches Wissen und Praktiken, Konzepte körperlicher Gesundheit und Krankheit, Sexualität sowie die Regierung und Verwaltung des Sozialen. Der umfangreichste Forschungsbereich, der sich des Interpretaments der Subjektivierung bedient, ist die Geschichte der psychologischen Wissenschaften und der therapeutischen Beratung. An die Arbeiten von Nikolas Rose aus den 1990er-Jahren anschließend, beschäftigen sie sich mit der Frage, wie humanwissenschaftliche Entwicklungen Konzeptionen des Menschen und seines Selbst verändert haben.[46] Psychologisches Wissen und therapeutische Praktiken als gouvernementale Regierungstechniken verstehend, sind sie deutlich praxeologisch positioniert und problematisieren die politischen Effekte veränderter Selbstkonzepte und Selbsttechnologien. Als „politische Kulturgeschichte des Selbst” geht es ihnen im Kern um die Frage nach der Entwicklung und Vermittlung politischer Handlungsnormen und politischer Selbstkonzepte im 20. Jahrhundert.[47]

Ähnliche biopolitische Grundannahmen sind der historischen Forschung zur Subjektivierung der physischen Gesundheit im 20. Jahrhundert vorausgesetzt, deren Forschungsschwerpunkt bisher auf den Subjektivierungstechniken der Prävention und Vorsorge im Kontext westlicher Gesundheitssysteme liegt.[48] Als entscheidend für die gesellschaftliche Wirkmächtigkeit medizinischer und anderer humanwissenschaftlicher Subjektivierungsregime dürfte die sich im 20. Jahrhundert etappenweise vollziehende „Verwissenschaftlichung des Sozialen” zu betrachten sein.[49] Der Aufstieg und wachsende Einfluss humanwissenschaftlichen Expertenwissens in Politik, Wirtschaft und öffentlichen Verwaltungen sowie dessen Verbreitung und Popularisierung in z.B. Ratgeberliteratur und alltäglicher Lebenshilfe führten zu veränderten, „verwissenschaftlichten” Konzepten und Rhetoriken des Selbst.

Weitreichender für Subjektivierungsprozesse dürfte aber vor allem der historische Anwendungsbezug sozialen Wissens sein und die Prozesse, in denen das nach Kriterien wissenschaftlicher Evidenz gewonnene soziale Wissen in den Instanzen moderner Menschenlenkung, wie Krankenhaus, Asyleinrichtungen oder Behörde, in Alltagsroutinen und sozialpolitische Regulationsmaßnahmen überführt wurde. Indem sich die Regierung des Sozialen im Verlauf des 20. Jahrhunderts veränderte – von den Sozialreformen der Jahre um 1900, über die Rationalitäten des „Social Engineering” der Jahrhundertmitte zum Planungsoptimismus der Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg –, verschob sich die wissenschaftlich initiierte, begründete oder evaluierte sozialstaatliche Lenkung und Aktivierung sozialer Subjekte. Für die jüngste Zeitgeschichte in diesem Zusammenhang von besonderem Interesse sind Beobachtungen eines „Psychobooms nach dem Boom”, einer deutlichen Expansion des Therapie- und Beratungsmarkts in den 1970er-Jahren, der auf epistemische Brüche in Subjektkonzeptionen und Subjektivierungsweisen in diesen Jahren hinweist.[50]

Eng verbunden mit bzw. analytisch kaum zu trennen von der Subjektivierung des Seelischen sind Fragen nach körperlicher Ästhetik und Körperpraxen. Das Feld der Körpergeschichte, das im Zusammenhang mit der Konjunktur kulturhistorischer Methoden seit den 1990er-Jahren diskutiert wird, ist kaum noch zu überblicken.[51] Obgleich zudem die methodischen Grenzen zwischen Körpergeschichte und Subjekttheorien aufgrund der gemeinsamen theoretischen Referenzen bei Foucault und Butler kaum trennscharf gezogen werden können und Körperdiskurse immer Fragen von Subjektivierung berühren, werden im Folgenden Forschungsschwerpunkte erörtert, die körperhistorische Themen explizit subjekttheoretisch verhandeln und damit die performative Inszenierung von Subjektivierung hervorheben.[52] Gemeinsames Interesse der einschlägigen Arbeiten ist die Frage nach der sozialen Formung von Körpern und Körperfunktionen.[53] Intersektional verschränkt, problematisieren sie Körpergeschichte vorwiegend entlang der „klassischen” soziokulturellen Differenzierungskategorien von Race, Class und Gender. Ist die Herstellung, Normalisierung und Problematisierung von Männer- und Frauenkörpern eine der grundlegenden methodischen Perspektiven feministischer Subjektkritik und -analyse, so gerät zunehmend die Normalisierung „anderer” marginalisierter Körper, Behinderte, Kranke, Krüppel oder „Monster”, in den Blick körperhistorischer Forschung.[54] Die Geschichte der „behinderten” Körper in der Neuzeit hat sich erst jüngst in den Disability Studies institutionalisiert.[55]

Gleichsam ureigenes „körperliches” Forschungsgebiet ist die Geschichte der Sexualität, die seit Foucaults maßgeblichem Konzept des Sexualitätsdispositivs als historisch kontingente Genealogie der Hervorbringung von Körpern und ihrer Begehren geschrieben wird.[56] Neuere deutschsprachige, zeithistorische Forschung widmet sich schwerpunktmäßig den sexuellen Selbstthematisierungen in den seit den 1960er-Jahren prosperierenden Industrien von Ratgebern und Beratung.[57] Der historische Körper in Bewegung ist schließlich Forschungsgegenstand der Sportgeschichte, die sich in ihren kulturhistorischen Ausprägungen der Geschichte moderner Körper zuwandte und sportsoziologisch Subjektivierungsformen moderner, Sport treibender Körper zum Thema machte.[58]

Das „essende Subjekt” wird in Westeuropa und Nordamerika im Spannungsfeld von Diät- und Fitnesskult einerseits sowie Fettleibigkeit als Folge von Überernährung andererseits zunehmend zu einem Problemfeld gegenwärtiger Subjektivierung und historischer Subjektivierungsforschung. Geht die kulturhistorische Forschung von einem seit der Mitte des 19. Jahrhunderts anhaltenden Prozess somatischer Optimierungsanforderungen in Westeuropa und Nordamerika aus, so beobachtet die Subjektivierungsforschung die Effekte auf die ästhetische Selbstsorge.[59] In ersten allgemeinen Forschungsüberblicken zum „modernen”, neuzeitlichen Subjektkörper zeichnet sich ein enger Zusammenhang ästhetischer und ethischer Subjektivierungsformen und -praktiken ab.[60] Das „schöne” Selbst ist im 19. und 20. Jahrhundert auch ein gesundes, ethisch makelloses Selbst.

Die Geschichte der Arbeit und die Arbeitergeschichte wurden in der Zeitgeschichte in den letzten zehn Jahren neu diskutiert.[61] Der für Subjektivierungsprozesse in Arbeitsgesellschaften wichtige Bereich der „Arbeit” gerät allerdings erst jüngst in den Fokus deutschsprachiger, historisch argumentierender Subjektforschung.[62] Auch hier ist das Forschungssegment vorbereitet von den deutschen und angelsächsischen Governmentality Studies, die Subjektivierung von und durch Arbeit zentral gewichten. Ein Ansatzpunkt, um sich der gesellschaftlichen Formation arbeitender Subjekte zu nähern, ist wiederum der arbeitende Körper und seine Situierung am Arbeitsplatz und in Ordnungen von Arbeitsverhältnissen.[63] So eröffnet der Blick auf das Subjekt der Industriearbeit neue Einsichten in die betriebliche Praxis von Prozessen, wie beispielsweise die Rationalisierung von Arbeitsabläufen seit den 1920er-Jahren oder die Humanisierung der Arbeitswelt seit den 1970er-Jahren, die, bislang gemeinhin auf der Ebene von Debatten betrachtet, ein allzu glattes Bild von Arbeitsabläufen zeichnen. Neben der historisch genaueren Rekonstruktion macht ein subjekttheoretischer Ansatz aber vor allem die Dimensionen politischer Technologien und ökonomischer Rationalitäten deutlich, die sich in die Subjekte industrieller und anderer Arbeitswelten, ihren Arbeitspraktiken und -identitäten einschreiben. In dekonstruktivistischer Distanz zum Konzept von Arbeitsgesellschaft scheint es allerdings auch schlüssig, mit Arbeit verbundene Subjektivierungsformen jenseits von Figurationen von Erwerbsarbeit zu historisieren. So erhalten „aktivistische” Selbstverhältnisse von Fleiß, Emsigkeit und Tüchtigkeit unter Umständen erst Plausibilität, sofern sie nicht nur als „Selbstverhältnisse auf der Arbeit” verstanden werden, sondern in der Verschränkung industrieller Arbeit und konsumgesellschaftlicher Strukturen, wie es Peter-Paul Bänziger für den „betriebsamen Menschen” tut und damit eine Fordismus und Postfordismus übergreifende Subjektformation des 20. Jahrhunderts bezeichnet.[64]

Die These einer Kontinuität von Subjektivierung im 20. Jahrhundert im Grunde verneinend, allerdings Subjektivierung mit einem soziokulturellen, Arbeits-, Freizeit- und Konsumverhalten umfassenden Milieubegriff verbindend, thematisierte Sven Reichardt jüngst das „linksalternative Subjekt”.[65] Weitgehend anschließend an das „postmoderne Selbst” von Andreas Reckwitz bezeichnet es neue Formen von Selbstthematisierung im Zeichen von Authentizität und Selbstbestimmung im linksalternativen Milieu der Bundesrepublik in den 1970er- und 80er-Jahren. Die „Arbeit am Selbst” im Projekt, in der Wohngemeinschaft, in der Partnerschaft oder in der Gesprächsgruppe beschreibt Reichardt einerseits als identitätsstiftend, andererseits darüber hinausgehend als Regierungstechnologie der Freiheit, die ihr Postulat von Selbstbestimmung zum Zwang erhob.

Historische Arbeiten, die Regierung und Verwaltung von „Subjekten” durch Anstalten moderner Staatlichkeit untersuchen, problematisieren ebenso alltägliche wie für „Subjekte” folgenreiche Menschenlenkungsstrategien bürokratisch organisierter Gesellschaften wie Prüfen, Erziehen oder Strafen.[66] Auch zur Untersuchung staatlichen Regierens und Verwaltens bediente sich die angelsächsische Forschung bereits in den 1990er-Jahren bei den Governmentality Studies und diskutierte die Herstellung liberaler Staatsbürgerlichkeit in den USA und Großbritannien im 19. Jahrhundert unter den Begriffen von „Selbstregierung” und „Selbstbestimmung”.[67] Historiografischer Einflussfaktor waren in diesen Ländern seit den 1980er-Jahren die Postcolonial Studies, die Fragen nach Verwaltung und Regierung kolonialer „Subjekte” aufkommen ließen und dabei Anleihen bei Machtkonzepten Foucaults machten, obgleich Foucault selbst in seinen Veröffentlichungen die koloniale Situation im Grunde ignorierte.[68] Unter den Studien zur „Colonial Governmentality” finden sich Arbeiten zur kolonialen Implementierung von Sexualität, der Generierung kolonialen Wissens oder Verfahrensweisen kolonialer Gerichtsbarkeit.[69] Die Anwendung Foucault'scher Konzeptionen für koloniale Geschichte ist aber nach wie vor in der methodologischen Diskussion. Kritikpunkte betreffen die Vernachlässigung von Machtasymmetrien unterwerfender Herrschaft bei Foucault, insbesondere die für den kolonialen Kontext signifikanten Ausformungen souveräner und biopolitischer Definitionsmacht darüber, „wer leben wird und wer sterben muss”.[70]


Resümee und Ausblick

Die breite sozial- und kulturwissenschaftliche Debatte zur Theorie von „Subjekt” und „Subjektivierung” und die eher schmale historische Forschung fordern Historikerinnen und Historiker geradezu auf, dem Konzept „Subjektivierung” zu empirischem Fleisch auf die Knochen zu verhelfen. Die methodische Arbeit am Subjekt ist dabei beständiger Teil seiner empirischen Analyse oder, wie es der Philosoph Martin Saar formuliert, die Theorie historischer Subjektivität findet ihre „systematischen Pointen” erst in der Analyse konkreter Subjekt- oder Subjektivierungsformen.[71]

Das Spektrum möglicher Forschungsthemen für empirische Arbeiten über konkrete Subjektivierungen und konkrete Subjekte ist denkbar breit. Im Folgenden sollen nur zwei eng miteinander zusammenhängende Schwerpunkte herausgegriffen werden, die angesichts der grundlegenden anthropologischen Dimensionen des Ansatzes lohnende Entwicklungsperspektiven zukünftiger Forschung darstellen könnten: die stärkere Problematisierung sozioökonomischer Lagerungen sowie historischer Periodisierungen. Beide Punkte treffen sich in der subjekttheoretischen Problematisierung historischen Wandels von Macht und Herrschaft.

Obwohl ökonomische Zwänge sowie Ursachen und Folgen sozialer Differenzen und asymmetrischer Herrschaftsverhältnisse etwa in Bröcklings Konzept des „unternehmerischen Selbst”, das sich als „Unternehmer der eigenen Arbeitskraft” in subjektiv aufscheinenden Bewältigungsstrategien von Arbeitslosigkeit Mitte der 1980er-Jahre das erste Mal findet, zentral sind, so liegt ein relativ unhinterfragter Schwerpunkt historisch arbeitender Subjektstudien auf bürgerlichen, weißen, männlichen Lebens- und Denkwelten.[72] Subjektivierung, insbesondere die für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts propagierten Selbst-Techniken von Optimierung, Autonomie und Authentizität, erfordert, folgt man dem bisherigen historischen Forschungsstand, ein Mindestmaß an gesellschaftlicher Artikulationsfähigkeit, an kulturellem Kapital, wenn nicht sogar bürgerlicher Tugenden von Selbstkontrolle und Selbststeuerung.[73] Fragen nach sozialen Bedingungen und sozialer Situierung von Subjektivierung bleiben oft unberücksichtigt. Vorläufiges Ergebnis ist ein sozial relativ unscharfes Bild von Subjektivierungsvarianten des 20. Jahrhunderts. Dies gilt für Subjektivierungen jenseits hegemonialer Subjektkulturen in vorgeblichen sozio-kulturellen oder politischen Zentren, aber noch viel mehr für subalterne Subjektivierungen in peripher definierten Räumen und Regionen. Zu fragen wäre einerseits, wie sich die Geschichte armer, kranker, arbeitender Subjekte schreiben ließe, und andererseits, ob und welche Perspektiven dies auf Subjektivierungsgeschichten eröffnet: Inwiefern lässt sich Subjektivierung im stratifizierten, sozialen Raum verorten, und welche Perspektiven eröffnet dies für die historische Subjektivierungsforschung?

Nicht zu bestreiten ist, dass sich die Subjektivierungsgeschichte aus der Perspektive der Zeitgeschichte in einem eher a-historischen Raum bewegt. Die stärkere Einbeziehung oder auch kritische Problematisierung historischer Periodisierungen und Zäsuren würde nicht nur der Subjektgeschichte zu disziplinärer Anschlussfähigkeit verhelfen, sondern auch den Blick öffnen für Fragen nach Trans- und Internationalisierungen von Subjektivierungsprozessen sowie dem Stellenwert und der Reichweite von Strukturbrüchen und Strukturwandel. Zeithistorisch besonders relevant sind Fragen nach dem Strukturwandel von Macht und Herrschaft in Bezug auf eine Analyse von Subjektivierungen im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts, die nicht nur, aber häufig als Geschichte linear zunehmender Selbststeuerung geschrieben werden. Die von der Soziologie konstatierte gegenwärtige Gleichzeitigkeit neuer „Hybridformen der Verhaltens(selbst)steuerung” und älterer Formen institutionalisierter Macht und Herrschaft wäre in kürzerer und längerer Dauer zu historisieren.[74] Für die Geschichte der Subjektivierung von Arbeit, Gesundheit, Rechtsprechung oder jedem anderen historischen Subjektivationsort würde dies nach sich ziehen, das Verhältnis und die Verknüpfung von tradierten und neu kombinierten Macht- und Herrschaftsformen stärker zu betonen, um dem historischen Wandel von Subjektvorstellungen auf die Spur zu kommen.

Empfohlene Literatur zum Thema

Alkemeyer, Thomas (Hrsg.), Selbst-Bildungen: soziale und kulturelle Praktiken der Subjektivierung, Bielefeld 2013: Transcript 
Bröckling, Ulrich, Das unternehmerische Selbst: Soziologie einer Subjektivierungsform, Frankfurt am Main 2007: Suhrkamp 
Reckwitz, Andreas, Subjekt, Bielefeld 2010: Transcript-Verl. 

Zitation

Wiebke Wiede, Subjekt und Subjektivierung, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 10.12.2014, URL: http://docupedia.de/zg/Subjekt_und_Subjektivierung?oldid=125496

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  1. Vgl. hierzu pointiert: Ulrich Bröckling, Anruf und Adresse, in: Andreas Gelhard/Thomas Alkemeyer/Norbert Ricken (Hrsg.), Techniken der Subjektivierung, München 2013, S. 49-59.
  2. Hingegen konzise ausgeführt bei: Andreas Reckwitz, Subjekt, Bielefeld 2008.
  3. In Anlehnung an Norbert Ricken, Subjektivität und Kontingenz. Pädagogische Anmerkungen zum Diskurs menschlicher Selbstbeschreibungen, in: Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Pädagogik 75 (1999), S. 208-237, hier S. 213, sowie Martin Saar, Analytik der Subjektivierung. Umrisse eines Theorieprogramms, in: Gelhard/Alkemeyer/Ricken (Hrsg.), Techniken, S. 17-27.
  4. Michel Foucault, Schriften in vier Bänden. Dits et Ecrits, Band IV: 1980-1988, Frankfurt a.M. 2005, S. 269; vgl. auch Frédéric Gros, Situierung der Vorlesungen, in: Michel Foucault, Subjekt und Macht, in: ders., Hermeneutik des Subjekts. Vorlesungen am Collège de France 1981/82, Frankfurt a.M. 2004, S. 616-668, hier S. 623.
  5. Michel Foucault, Schriften in vier Bänden. Dits et Ecrits, Band II: 1970-1975, Frankfurt a.M. 2002, S. 1016.
  6. Vgl. hierzu auch Klaus Große Kracht, „Gouvernementalität“ – Michel Foucault und die Geschichte des 20. Jahrhunderts; Maren Möhring, Die Regierung der Körper. „Gouvernementalität“ und „Techniken des Selbst“; Jürgen Martschukat, Feste Bande lose schnüren „Gouvernementalität“ als analytische Perspektive auf Geschichte, alle Aufsätze in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe 3 (2006), H. 2, http://www.zeithistorische-forschungen.de/2-2006.
  7. Foucault, Dits et Ecrits, Band IV, S. 116.
  8. Vgl. hierzu Foucault, Dits et Ecrits, Band II, S. 98; ders., Dits et Ecrits, Band IV, S. 890.
  9. Ebd., S. 890.
  10. Foucault, Dits et Ecrits, Band II, S. 482.
  11. Ders., Dits et Ecrits, Band IV, S. 275.
  12. Martin Saar, Genealogie als Kritik. Geschichte und Theorie des Subjekts nach Nietzsche und Foucault, Frankfurt a.M./New York 2007, S. 28; Gros, Situierung, S. 621; Petra Gehring/Andreas Gelhard, Vorwort, in: dies. (Hrsg.), Parrhesia. Foucault und der Mut zur Wahrheit, Zürich 2012, S. 7-9, hier S. 9.
  13. Louis Althusser, Ideologie und ideologische Staatsapparate, Bd. 1/1, Hamburg 2010, S. 88f.
  14. Ebd., S. 89.
  15. Ebd., S. 85, 105.
  16. Vgl. Judith Butler, Psyche der Macht. Das Subjekt der Unterwerfung, Frankfurt a.M. 2001, S. 81-100.
  17. Vgl. Jacques Derrida, Signatur, Ereignis, Kontext, in: ders., Randgänge der Philosophie, Wien 1988, S. 291-314.
  18. Judith Butler, Hass spricht. Zur Politik des Performativen, Berlin 1998.
  19. Hierzu auch: Marion Ott/Daniel Wrana, Gouvernementalität diskursiver Praktiken. Zur Methodologie der Analyse von Machtverhältnissen am Beispiel einer Maßnahme zur Aktivierung von Erwerbslosen, in: Johannes Angermüller/Silke van Dyk (Hrsg.), Diskursanalyse meets Gouvernementalitätsforschung. Perspektiven auf das Verhältnis von Subjekt, Sprache, Macht und Wissen, Frankfurt a.M. 2010, S. 155-181, hier S. 159.
  20. Michel Foucault, Sicherheit, Territorium, Bevölkerung. Geschichte der Gouvernementalität I. Vorlesung am Collège de France 1977-1978, Frankfurt a.M. 2006, S. 292ff.; hierzu auch: Daniel Hechler/Axel Philipps (Hrsg.), Widerstand denken. Michel Foucault und die Grenzen der Macht, Bielefeld 2008.
  21. Zur Denkfigur des „Eigensinns“ sind bekanntermaßen die Arbeiten von Alf Lüdtke einschlägig: vgl. Alf Lüdtke, Einleitung. Herrschaft als soziale Praxis, in: ders. (Hrsg.), Herrschaft als soziale Praxis. Historische und sozial-anthropologische Studien, Göttingen 1991, S. 9-63; ders. (Hrsg.), Alltagsgeschichte. Zur Rekonstruktion historischer Erfahrungen und Lebenswelten, Frankfurt a.M. 1989.
  22. Vgl. hierzu: Lutz Eichler, System und Selbst. Arbeit und Subjektivität im Zeitalter ihrer strategischen Anerkennung, Bielefeld 2013, S. 257-285.
  23. Judith Butler, Das Unbehagen der Geschlechter, Frankfurt a.M. 1991, spez. S. 198-208; dies., Körper von Gewicht. Die diskursiven Grenzen des Geschlechts, Frankfurt a.M. 1997, S. 34.
  24. Ebd., S. 40.
  25. Ebd., S. 26; ebd., Anm. 15, S. 221.
  26. Butler, Körper, S. 21, 31f.; dies., Unbehagen, S. 61.
  27. Ebd., S. 61.
  28. Ebd., S. 20f.
  29. Butler, Körper, S. 22-24.
  30. Edward Said, Orientalismus, Frankfurt a.M. 1981; Gayatri Chakravorty Spivak, Can the Subaltern Speak? Postkolonialität und subalterne Artikulation, Wien 2007.
  31. Gayatari Chakravorty Spivak, Subaltern Studies. Deconstructing Historiography, in: Donna Landry/Gerald MacLean (Hrsg.), The Spivak Reader, London 1996, S. 203-236.
  32. Homi K. Bhabha, Die Verortung der Kultur, Tübingen 2000, spez. S. 95f., 125-136, 165-171.
  33. „Selbst-Bildungen“ lautet der Titel des DFG-Graduiertenkollegs 1608/1 zu „Subjektivierungen“ an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, online unter: http://www.uni-oldenburg.de/graduiertenkolleg-selbst-bildungen/.
  34. Vgl. Graham Burchell/Colin Gordon/Peter Miller (Hrsg.), The Foucault Effect. Studies in Governmentality, Chicago 1991.
  35. Vgl. zusammenfassend: Economy and Society 22 (1993), Nr. 3: Liberalism, Neoliberalism and Governmentality; Marianne Pieper/Encarnación Gutiérrez Rodríguez (Hrsg.), Gouvernementalität. Ein sozialwissenschaftliches Konzept in Anschluss an Foucault, Frankfurt a.M. 2003; Ramon Reichert (Hrsg.), Governmentality Studies. Analysen liberal-demokratischer Gesellschaften im Anschluss an Foucault, Münster 2004; Angermüller/van Dyk (Hrsg.), Diskursanalyse; Ulrich Bröckling/Susanne Krasmann/Thomas Lemke (Hrsg.), Gouvernementalität der Gegenwart. Studien zur Ökonomisierung des Sozialen, Frankfurt a.M. 2010; hierzu auch Große Kracht, „Gouvernementalität“.
  36. Vgl. Ulrich Bröckling, Das unternehmerische Selbst. Soziologie einer Subjektivierungsform, Frankfurt a.M. 2007; der Terminus „enterprising subject“ bereits bei: Peter Miller/Nicolas Rose, Production, Identity, and Democracy, in: Theory and Society 24 (1995), S. 427-467, hier S. 430.
  37. Manfred Moldaschl/Günter Voss (Hrsg.), Subjektivierung von Arbeit, München 2002; Klaus Schönberger/Stefanie Springer (Hrsg.), Subjektivierte Arbeit. Mensch, Organisation und Technik in einer entgrenzten Arbeitswelt, Frankfurt a.M. 2003; Karin Lohr/Hildegard Maria Nickel (Hrsg.), „Subjektivierung“ von Arbeit – riskante Chancen, Münster 2005; Frank Kleemann/Ingo Matuschek/Günter Voß, Zur Subjektivierung von Arbeit, WZB Discussion Paper P99-512 online verfügbar unter: http://bibliothek.wzb.eu/pdf/1999/p99-512.pdf; Martin Baethge, Arbeit, Vergesellschaftung, Identität. Zur zunehmenden normativen Subjektivierung der Arbeit, in: Soziale Welt 42 (1991), S. 6-19, online unter http://www.volkskunde.uni-muenchen.de/vkee_download/g__tz/3-baethge.pdf.
  38. Zu den abweichenden Subjektkonzepten: Norbert Ricken, Zur Logik der Subjektivierung. Überlegungen an den Rändern eines Konzepts, in: Gelhard/Alkemeyer/Ricken (Hrsg.), Techniken, S. 31; Bröckling, Das unternehmerische Selbst, S. 47-50.
  39. Zur Münchner subjektorientierten Soziologie, die sich Anfang der 1980er-Jahre im Umfeld damaliger Münchner Forschungszusammenhänge verortete, vgl. Bolte, Subjektorientierte Soziologie; sowie das Portal Arbeiten und Leben im Umbruch. Subjektorientierte soziologische Forschung zum Wandel von Erwerbsarbeit und Privatsphäre, Arbeitskraft und Subjektivität. Koordiniert von Günter Voß und Margit Weihrich, online verfügbar unter: http://www.arbeitenundleben.de/; einschlägige Texte Becks: Ulrich Beck, Jenseits von Stand und Klasse? Soziale Ungleichheiten, gesellschaftliche Individualisierungsprozesse und die Entstehung neuer sozialer Formationen und Identitäten, in: Reinhard Kreckel (Hrsg.), Soziale Ungleichheiten (= Soziale Welt; Sonderband 2), Göttingen 1983, S. 35-74; ders.: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, Frankfurt a.M. 1986, spez. S. 205-219; ders./Elisabeth Beck-Gernsheim, Individualisierung in modernen Gesellschaften ‒ Perspektiven und Kontroversen einer subjektorientierten Soziologie, in: dies. (Hrsg.), Riskante Freiheiten. Individualisierung in modernen Gesellschaften, Frankfurt a.M. 1994, S. 10-39, online unter http://w3-mediapool.hm.edu/mediapool/media/fk11/fk11_lokal/forschungpublikationen/lehrmaterialen/dokumente_112/sagebiel_1/Becks-1994-Individualisierung_in_modernen_Gesell.pdf.
  40. Begriff der „Bastelbiographie“ bei Beck/Beck-Gernsheim, Individualisierung, S. 13.
  41. Vgl. Beck, Jenseits von Stand und Klasse, S. 45f.; Ulrich Beck/Elisabeth Beck-Gernsheim: Nicht Autonomie, sondern Bastelbiographie. Anmerkungen zur Individualisierungsdiskussion am Beispiel des Aufsatzes von Günter Burkart, in: Zeitschrift für Soziologie 22 (1993), S. 178-187, hier S. 179, online unter http://www.zfs-online.org/index.php/zfs/article/viewFile/2831/2368.
  42. Andreas Reckwitz, Das hybride Subjekt. Eine Theorie der Subjektkulturen von der bürgerlichen Moderne zur Postmoderne, Weilerswist 2006.
  43. Ebd., S. 55.
  44. Charles Taylor, Quellen des Selbst. Die Entstehung der neuzeitlichen Identität, Frankfurt a.M. 1996; Roy Porter (Hrsg.), Rewriting the Self. Histories from the Renaissance to the Present, London 1997; Jerrold E. Seigel, The Idea of the Self. Thought and Experience in Western Europe since the Seventeenth Century, Cambridge 2005; Thomas C. Heller/Christine Brooke-Rose (Hrsg.), Reconstructing Individualism. Autonomy, Individuality, and the Self in Western Thought, Palo Alto 1986; Raymond Martin/John Barresi, The Rise and Fall of Soul and Self. An Intellectual History of Personal Identity, New York 2006; Carolyn Ellis/Michael G. Flaherty (Hrsg.), Investigating Subjectivity, Newbury Park 1992; zur Einführung: Heinz Abels, Identität, Wiesbaden ²2010; Max Fuchs, Persönlichkeit und Subjektivität. Historische und systematische Studien ihrer Genese, Wiesbaden 2001.
  45. Moritz Föllmer, Individuality and Modernity in Berlin. Self and Society from Weimar to the Wall, Cambridge 2013; Mark D. Steinberg, Proletarian Imagination: Self, Modernity, and the Sacred in Russia, 1910-1925, Ithaca 2002; Andreas Wirsching, Konsum statt Arbeit? Zum Wandel von Individualität in der modernen Massengesellschaft, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 57 (2009), S. 171-199; Andrea Bührmann, Der Kampf um „weibliche Individualität“. Zur Transformation moderner Subjektivierungsweisen in Deutschland um 1900, Münster 2004; Oleg Kharkhordin, The Collective and the Individual in Russia. A Study of Practices, Berkeley 1999; Laura Engelstein/Stephanie Sandler (Hrsg.), Self and Story in Russian History, Ithaca 2000; Frank Biess, Die Sensibilisierung des Subjekts. Angst und „Neue Subjektivität“ in den 1970er Jahren, in: WerkstattGeschichte 17 (2008), S. 51-71, online unter http://www.werkstattgeschichte.de/werkstatt_site/archiv/WG49_051-071_BIESS_SENSIBILISIERUNG.pdf.
  46. Nikolas Rose, Governing the Soul. The Shaping of the Private Self, London/New York 1990; Nikolas Rose, Inventing Our Selves. Psychology, Power, and Personhood, Cambridge 1996; auch bei: Anthony Giddens, Modernity and Self-Identity. Self and Society in the Late Modern Age, Palo Alto 1991; als Überblick über die Entwicklung humanwissenschaftlicher Selbstkonzepte im 20. Jahrhundert: Greg Eghigian/Andreas Killen/Christine Leuenberger, The Self as Project. Politics and the Human Sciences in the Twentieth Century, in: Osiris 22 (2007), S. 1-25; Eva Illouz, Die Errettung der modernen Seele. Therapien, Gefühle und die Kultur der Selbsthilfe, Frankfurt a.M. 2009; Mathew Thomson, Psychological Subjects. Identity, Culture, and Health in Twentieth-Century Britain, Oxford 2006; Boris Traue, Das Subjekt der Beratung. Zur Soziologie einer Psycho-Technik, Bielefeld 2010; Tändler/Jensen (Hrsg.), Selbst.
  47. Den Begriff „politische Kulturgeschichte des Selbst“ nach: Tändler/Jensen, Psychowissen, S. 14.
  48. Martin Lengwiler/Jeanette Madarász (Hrsg.), Das präventive Selbst. Eine Kulturgeschichte moderner Gesundheitspolitik, Bielefeld 2010; Malte Thießen/Britta-Marie Schenk/Jan-Holger Kirsch (Hrsg.), Zeitgeschichte der Vorsorge, Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe 10 (2013), H. 3, http://www.zeithistorische-forschungen.de/3-2013.
  49. Lutz Raphael, Die Verwissenschaftlichung des Sozialen als methodische und konzeptionelle Herausforderung für eine Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts, in: Geschichte und Gesellschaft 22 (1996), S. 165-193; den Bezug zur Subjektivierung herstellend: Bröckling, Das unternehmerische Selbst, S. 42.
  50. Vgl. Sabine Maasen, Das beratene Selbst. Zur Genealogie der Therapeutisierung in den „langen“ Siebzigern. Eine Perspektivierung, in: dies./Jens Elberfeld/Pascal Eitler/Maik Tändler (Hrsg.), Das beratene Selbst. Zur Genealogie der Therapeutisierung in den „langen“ Siebzigern, Bielefeld 2011, S. 7-33, hier S. 24f.; bezugnehmend auf: Anselm Doering-Manteuffel/Lutz Raphael, Nach dem Boom. Perspektiven auf die Zeitgeschichte seit 1970, Göttingen 2008; für 2015 angekündigt: Pascal Eitler/Jens Elberfeld/Marcel Streng (Hrsg.), Eine Zeitgeschichte des Selbst, Bielefeld 2015 (i.E.); als Diagnose der Gegenwart, die aber auf die 1960er-Jahre zurückreicht: Alain Ehrenberg, Das erschöpfte Selbst. Depression und Gesellschaft in der Gegenwart, Frankfurt a.M. 2004.
  51. Zur Körpergeschichte: Maren Lorenz, Leibhaftige Vergangenheit. Einführung in die Körpergeschichte, Tübingen 2000.
  52. Zu systematischen Ansätzen: Paula-Irene Villa, Subjekte und ihre Körper. Kultursoziologische Überlegungen, in: Monika Wohlrab-Sahr (Hrsg.), Kultursoziologie. Paradigmen ‒ Methoden ‒ Fragestellungen, Wiesbaden 2010, S. 251-274; dies./Thomas Alkemeyer, Somatischer Eigensinn? Kritische Anmerkungen zu Diskurs- und Gouvernementalitätsforschung aus subjektivationstheoretischer und praxeologischer Perspektive, in: Angermüller/van Dyk (Hrsg.), Diskursanalyse, S. 315-335; Möhring, Regierung.
  53. Netzwerk Körper (Hrsg.), What Can a Body Do? Figurationen des Körpers in den Kulturwissenschaften, Frankfurt a.M./New York 2012.
  54. Torsten Junge/Imke Schmincke (Hrsg.), Marginalisierte Körper. Beiträge zur Soziologie und Geschichte des anderen Körpers, Münster 2007.
  55. Elisabeth Bösl/Anne Klein/Anne Waldschmidt (Hrsg.), Disability History. Konstruktionen von Behinderung in der Geschichte. Eine Einführung, Bielefeld 2010; Gabriele Lingelbach/Sebastian Schlund, Disability History, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 8.7.2014, http://docupedia.de/zg/Disability_History?oldid=92951.
  56. Als Literaturbericht: Harry G. Cocks, Modernity and the Self in the History of Sexuality, in: Historical Journal 49 (2006), S. 1211-1227.
  57. Peter-Paul Bänziger, Sex als Problem. Körper und Intimbeziehungen in Briefen an die „Liebe Martha“, Frankfurt a.M. 2010; Annika Wellmann, Instruktionen für ein sensitives Selbst. Sexualtherapie und Zärtlichkeitsregime um 1980, in: Maasen/Elberfeld/Eitler/Tändler (Hrsg.), Das beratene Selbst, S. 185-204; dies., Beziehungssex. Medien und Beratung im späten 20. Jahrhundert, Köln/Weimar/Wien 2011; Peter-Paul Bänziger/Stefanie Duttweiler/Philipp Sarasin/Annika Wellmann (Hrsg.), Fragen Sie Dr. Sex! Ratgeberkommunikation und die mediale Konstruktion des Sexuellen, Berlin 2010; in langer Dauer: Sabine Maasen, Genealogie der Unmoral. Zur Therapeutisierung sexueller Selbste, Frankfurt a.M. 1998.
  58. Jürgen Martschukat, „The Necessity for Better Bodies to Perpetuate Our Institutions, Insure a Higher Development of the Individual, and Advance the Conditions of the Race.” Physical Culture and the Shaping of the Self in Late Nineteenth and Early Twentieth Century America, in: Journal of Historical Sociology 24 (2011), S. 472-493; Pirkko Markula/Richard Pringle, Foucault, Sport and Exercise. Power, Knowledge and Transforming the Self, London 2006; Pirkko Markula, „Turning into One’s Self.” Foucault’s Technologies of the Self and Mindful Fitness, in: Sociology of Sport Journal 21 (2004), S. 190-210; für den deutschen Sprachraum sind die Arbeiten Thomas Alkemeyers einschlägig, z.B.: Thomas Alkemeyer/Mathias Michaeler, Subjektivierung als (Aus-)Bildung körperlich-mentaler Mitspielkompetenz. Eine praxeologische Perspektive, in: Gelhard/Alkemeyer/Ricken (Hrsg.), Techniken, München 2013, S. 213-227.
  59. Mary G. Winkler/Letha B. Cole (Hrsg.), The Good Body. Asceticism in Contemporary Culture, New Haven 1994; Peter N. Stearns, Fat History. Bodies and Beauty in the Modern West, New York 1997; vgl. das Projekt „Das essende Subjekt. Eine Geschichte des Politischen in den USA vom 19. bis zum 21. Jahrhundert” an der Universität Erfurt (Jürgen Martschukat, Nina Mackert, Nora Kreuzenbeck), online unter http://www.uni-erfurt.de/geschichte/nordamerikanische-geschichte/forschung/essendesubjekt/; siehe dazu: Jürgen Martschukat, „Adipositas-Krise“ und „Ich-Gesellschaft“: Zur Geschichte von Fitness und Fatness in den USA, in: Zeitgeschichte-online, Juli 2014, http://www.zeitgeschichte-online.de/kommentar/adipositas-krise-und-ich-gesellschaft-zur-geschichte-von-fitness-und-fatness-den-usa.
  60. Jens Elberfeld/Marcus Otto (Hrsg.), Das schöne Selbst. Zur Genealogie des modernen Subjekts zwischen Ethik und Ästhetik, Bielefeld 2008.
  61. Vgl. Zielgerichtet ‒ Zweckgebunden: Arbeit im zeithistorischen Kontext, hg. v. Annette Schuhmann, in: Zeitgeschichte-online, Januar 2010, http://www.zeitgeschichte-online.de/zol-arbeit-2010.
  62. Teilweise in historischer Perspektive die Beiträge in: Ulrich Bröckling/Eva Horn (Hrsg.), Anthropologie der Arbeit, Tübingen 2002; für die angelsächsische Forschung: David Knights/Hugh Willmott, Power and Subjectivity at Work: From Degradation to Subjugation in Social Relations, in: Sociology 23 (1989), S. 535-558, hier: S. 551-553; als historischer Überblick über arbeitende Körper im 20. Jahrhundert: Miller/Rose, Production; Wiebke Wiede verfolgt ein Forschungsprojekt zur Subjektivierung von Arbeitslosigkeit: Das arbeitslose Subjekt. Zur Regierung und Regulation von Arbeitslosigkeit in Großbritannien und der Bundesrepublik Deutschland 1960er Jahre bis 1990.
  63. Teilweise subjekttheoretisch die Beiträge in: Lars Bluma/Karsten Uhl (Hrsg.), Kontrollierte Arbeit ‒ disziplinierte Körper? Zur Sozial- und Kulturgeschichte der Industriearbeit im 19. und 20. Jahrhundert, Bielefeld 2012.
  64. Vgl. Peter-Paul Bänziger, Der betriebsame Mensch: ein Bericht (nicht nur) aus der Werkstatt, in: Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften 23 (2012), S. 222-236; ders., Arbeiten in der „Konsumgesellschaft“. Arbeit und Freizeit als Identitätsangebote um die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts, in: Bluma/Uhl (Hrsg.), Kontrollierte Arbeit, S. 107-134; Body Politics ‒ Zeitschrift für Körpergeschichte 1 (2013): Fordismus, hg. v. Peter-Paul Bänziger.
  65. Sven Reichardt, Authentizität und Gemeinschaft. Linksalternatives Leben in den siebziger und frühen achtziger Jahren, Frankfurt a.M. 2014, spez. S. 885-891.
  66. Andreas Kaminski, Prüfungen um 1900. Zur Genese einer Subjektivierungsform, in: Historische Anthropologie 19 (2011), S. 331-353; ders., Wie subjektivieren Prüfungstechniken? Subjektivität und Möglichkeit bei William Stern und Martin Heidegger, in: Gelhard/Alkemeyer/Ricken (Hrsg.), Techniken, S. 173-187; Ruben Hackler, Subjektivierung der Rechtsprechung? Vom forum internum zur (Sozial-) Psychologie des Richters im Straf- und Zivilrecht um 1900, in: ebd., S. 133-148; Daniela Saxer, Persönlichkeiten auf dem Prüfstand. Die Produktion von Arbeitssubjekten in der frühen Berufsberatung, in: Historische Anthropologie 19 (2011), S. 354-371.
  67. Regenia Gagnier, Subjectivities: A History of Self-Representation in Britain, 1832-1920, New York 1991; Robert H. Wiebe, Self-Rule: A Cultural History of American Democracy, Chicago 1995; Patrick Joyce, Democratic Subjects: The Self and the Social in Nineteenth-Century, Cambridge, 1994; methodisch: Patrick Joyce, The End of Social History?, in: Social History 20 (1995), S. 73-91.
  68. David Scott, Colonial Governmentality, in: Social Text 43 (1995), S. 191-220; Angelika Epple/Ulrike Lindner, Introduction, in: Comparativ 21 (2011), Heft 1: Entangled Histories. Reflecting on Concepts of Coloniality and Postcoloniality, S. 7-13; Karlis Racevskis, Edward Said and Michel Foucault: Affinities and Dissonances, in: Research in African Literatures 36 (2005), S. 83-97.
  69. Ann Laura Stoler, Race and the Education of Desire. Foucault’s History of Sexuality and the Colonial Order of Things, Durham 1995; dies., Along the Archival Grain. Epistemic Anxieties and Colonial Common Sense, Princeton 2009; Ulrike Schaper, Koloniale Verhandlungen. Gerichtsbarkeit, Verwaltung und Herrschaft in Kamerun 1884-1916, Frankfurt a.M./New York 2012.
  70. Vgl. die Diskussion im foucaultblog/Universität Zürich bei: Cécile Stehrenberger, Foucault provinzialisieren, 23.4.2013, http://www.fsw.uzh.ch/foucaultblog/archive/17/foucault-provinzialisieren; Nira Wickramasinghe, Colonial Governmentality: Critical Notes from a Perspective of South Asian Studies, in: Comparativ 21 (2011), H. 1, S. 32-40; Michael Pesek, Foucault Hardly Came to Africa: Some Notes on Colonial and Post-Colonial Governmentality, in: ebd., S. 41-59; das Zitat aus dem grundlegenden Text von: Achille Mbembe, Nekropolitik, in: Marianne Pieper/Thomas Atzert/Serhat Karakayali u.a. (Hrsg.), Biopolitik ‒ in der Debatte, Wiesbaden 2011, S. 63-96.
  71. Martin Saar, Analytik der Subjektivierung. Umrisse eines Theorieprogramms, in: Gelhard/Alkemeyer/Ricken (Hrsg.), Techniken, S. 17-27, hier S. 23.
  72. Vgl. Bröckling, Das unternehmerische Selbst, S. 54f.
  73. Dagegen in historischer Perspektive: Nina Mackert, Jugenddelinquenz. Die Produktivität eines Problems in den USA der späten 1940er bis 1960er Jahre, Konstanz 2014, S. 47; Jens Elberfeld, Unterschichten, Frauen, Ausländer. Zur Normalisierung von Differenz in Familientherapie und -beratung, BRD 1960-1990, in: Traverse 18 (2011), Nr. 3, S. 105-121; spezifisch gegen „Verbürgerlichung“ von Selbstverhältnissen argumentierend: Bänziger, Der betriebsame Mensch, S. 12; bezugnehmend auf: Nina Verheyen, Unter Druck. Die Entstehung individuellen Leistungsstrebens um 1900, in: Merkur 66 (2012) 5, S. 383-390.
  74. Vgl. Wolfgang Bonß/Christoph Lau (Hrsg.), Macht und Herrschaft in der reflexiven Moderne, Weilerswist 2011, das Zitat bei: Christoph Lau, Subjektivierung von Macht ‒ Diffusion von Herrschaft. Zum Formwandel von Herrschaft in der Zweiten Moderne, in: ebd., S. 47-66, hier S. 55.