Bachmann-Medick cultural turns v2 de 2019

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Wie und nach welchen Kriterien entstehen turns? Doris Bachmann-Medick entfaltet das Spektrum der unterschiedlichen cultural turns und zeigt ihr Potential für eine Veränderung des Kulturbegriffs selbst. Wieweit die cultural turns eine Abkehr von einem übertriebenen Konstruktivismus hin zur Rückgewinnung von Referentialität befördern, wird schließlich an unterschiedlichen Formen von re-turns gezeigt. Von hier aus eröffnet sich ein breiterer Horizont, in dem sich die zukünftige Forschungslandschaft der Kulturwissenschaften ausgehend von cultural turns (und über sie hinaus?) weiterprofilieren könnte.
Cultural Turns

von Doris Bachmann-Medick


In den Kultur- und Sozialwissenschaften ist noch immer die Rede von einem „Cultural Turn”, der in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts die Disziplinen dazu gebracht hat, sich gezielt der Analyse kultureller Bedeutungen und symbolischer Ordnungen zuzuwenden. Diese Meistererzählung von dem einen herausgehobenen Cultural Turn, der noch dazu im Bann eines übermächtigen linguistic turn verharrt, ist jedoch fragwürdig. Denn wendet man sich der Vielzahl und Verschiedenheit der cultural turns zu, dann entfaltet sich eine andere Geschichte der neueren Kulturwissenschaften, die ausdrücklich auf Pluralisierung zielt.

Ausgangs- und Bezugspunkt all dieser turns bleibt freilich der linguistic turn. Hervorgegangen aus der Sprachphilosophie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, hat er die Sprachabhängigkeit jeglicher Erkenntnis behauptet.[1] Angesichts dieser Grundlegungsfunktion von Sprache als unhintergehbarer Basis aller Wirklichkeitswahrnehmung verkörpert der linguistic turn seitdem geradezu einen Mega-turn. Die bahnbrechenden Orientierungswechsel der letzten Jahrzehnte haben ihm das Szepter jedoch nach und nach aus der Hand genommen. Denn sie haben Raum geschaffen für eine Wiederkehr des Verdrängten: Gerade die von der Sprach-Fixierung des linguistic turn ausgeblendeten oder gar verdrängten Dimensionen von Kultur, Lebenswelt, Geschichte und Materialität wurden und werden über die veränderten Schwerpunktsetzungen der cultural turns wieder neu ins Blickfeld gerückt. In diesem Sinn haben sich in den letzten Jahrzehnten entsprechende Neufokussierungen der Forschung herausgebildet, und zwar auffällig parallel quer durch fast alle Disziplinen: interpretive turn, performative turn, reflexive turn, postcolonial turn, translational turn, pictorial/iconic turn, spatial turn und – in jüngerer Zeit – emotional turn, neurobiological turn, ethical turn, practice turn, media turn, digital turn, posthumanist turn, religious turn und andere mehr. Ein Ende der Wende-Spirale scheint kaum in Sicht. Und doch bliebe es bloße Polemik, daraus „Schwindel”, „Schleudertrauma”, „drehwurmträchtige“ Verunsicherungen oder andere Irritationen abzuleiten.[2]

Immerhin gibt es deutliche Kriterien, die ein beliebiges Wuchern immer weiterer turns verhindern sollten. Zudem befinden wir uns gegenwärtig in einer Phase, in der die prominenten Theoriewenden längst nicht mehr nur theoretisch-konzeptuelle Pirouetten drehen, sondern sich ausdrücklich in die konkrete empirische Forschungsarbeit der unterschiedlichen Disziplinen einbringen: als inhaltlich und methodisch weiterführende Forschungsimpulse – nicht zuletzt in der Geschichtswissenschaft. Dieses Schwanken zwischen konstruktiver turn-Verarbeitung und gleichzeitiger turn-Abwehr ist typisch für eine Übergangsreaktion, die auf aktuelle Umbruchprozesse in der Wissenschaftslandschaft der Geistes- und Kulturwissenschaften hindeutet. Schließlich könnte die Traditions- und Disziplinensicherheit einer geisteswissenschaftlichen Integrations- und Orientierungswissenschaft, die immer noch gern in Nationalbezüge eingebunden wird, endgültig abgelöst werden: durch die Grenzüberschreitungen einer kulturwissenschaftlichen Vernetzungs- und Übersetzungswissenschaft, die sich immer stärker global ausrichtet.

Dabei stellt sich die weiterhin offene Frage, ob die Dynamik der Kulturwissenschaften insgesamt ihre Triebkraft auch in Zukunft hauptsächlich aus turns gewinnen wird. Oder legen die turns von sich aus schon eine darüber hinausgehende Entwicklungsdynamik der Kulturwissenschaften nahe? Anzeichen hierfür deuten sich an, wenn man die jeweiligen Kontexte und Kriterien für die Entstehung der Theoriewenden genauer betrachtet: Wann wird ein turn eigentlich zum turn? Aber auch wenn man folgende Fragen stellt: Wie fruchtbar sind eigentlich die turns für das konkrete Arbeiten in den Disziplinen? Wieweit vollziehen sie – über solche disziplinären re-turns hinaus – einen längst fälligen re-turn in gesellschaftliche, ökonomische und mediale Gegenstandsbereiche hinein?

Im Folgenden wird zunächst dargestellt, wie turns entstehen und nach welchen Kriterien man überhaupt von turns sprechen kann. Sodann wird das Spektrum der unterschiedlichen cultural turns entfaltet und am Beispiel des spatial turn ihre „Logik“ vor Augen geführt: vor allem ihr Potential für eine Veränderung des Kulturbegriffs selbst. Wieweit die cultural turns eine Abkehr von einem übertriebenen Konstruktivismus hin zur Rückgewinnung von Referentialität befördern, wird schließlich an unterschiedlichen Formen von re-turns gezeigt. Von hier aus eröffnet sich ein breiterer Horizont, in dem sich die zukünftige Forschungslandschaft der Kulturwissenschaften ausgehend von cultural turns (und über sie hinaus?) weiterprofilieren könnte.


Entstehungskontexte und Abgrenzungskriterien – Wann wird ein turn zum turn?

In den Kulturwissenschaften wird gern mit Metaphern gearbeitet. Interpretationsoffenheit wird entsprechend geschätzt. Und doch bleibt es entschieden zu vage, wenn auch die Entstehung der cultural turns selbst – wie etwa bei Karl Schlögel – nur metaphorisch „erklärt” wird: als Mode-Wellen, die auftauchen und wieder abtauchen.[3] Pierre Bourdieus Feldtheorie dagegen verweist auf konkretere Entstehungsbedingungen: auf ein „Feld objektiver Beziehungen zwischen Individuen oder Institutionen, die miteinander um ein und dieselbe Sache konkurrieren”.[4] In der Tat ist das Überdeterminieren und eifrige Besetzen von turns und ihrer Leitbegriffe ein deutliches Anzeichen für den anhaltenden Wettlauf um symbolisches Forschungs-Kapital.

Die größte Erklärungskraft für die Herausbildung von turns bietet jedoch deren Rückbindung an gesellschaftlich-politische Prozesse. Dass etwa Bild, Blick, Performativität oder Raum in den letzten Jahren zu zentralen Analysekategorien werden konnten, geht auf Veränderungen der gesellschaftlichen und medialen Wahrnehmungslage zurück: auf gesellschaftliche Bilderflut und Blickregime, auf die Übermacht der (Selbst-)Inszenierung in Medien und Politik, auf Raumumbrüche, globale Ortlosigkeit und die Ungleichheiten geopolitischer Raumbeziehungen.

Schon aufgrund solcher Verknüpfungen mit gesellschaftlichen und kulturellen Prozessen erschöpfen sich die cultural turns nicht etwa in bloßen Theorietransformationen[5] – weder entlang von Schulen oder Richtungen (wie etwa Strukturalismus, Poststrukturalismus, Dekonstruktivismus) noch in der Abfolge von Methodenkomplexen (wie New Historicism, Kulturgeschichte, Diskursanalyse, Praxistheorie). Theoriewenden folgen nicht aufeinander; sie existieren vielmehr gleichzeitig, in eklektischen Konstellationen. So kann man durchaus mit mehreren turns zugleich arbeiten. Es gibt keine Fortschrittsachse, auf der man immer nach dem neuesten turn zu greifen hätte. Um Paradigmen und umstürzende Paradigmenwechsel handelt es sich also nicht.[6] Eher um ein Reservoir von systematischen Fokussierungen, die ausdrücklich im Spannungsfeld zwischen den Disziplinen angesiedelt sind – als Brennpunkte von Inter- und Transdisziplinarität. Turns sind noch dazu wichtige Gelenkstellen für Inter- und Transkulturalität, schon deshalb, weil sie keineswegs festgelegt sind auf kulturspezifische Inhalte oder Methoden (etwa auf europäische Begriffsgeschichte), auch nicht auf einzelne Wissenschaftskulturen und ihre historischen Einbindungen. Vielmehr schlagen sie systematische Fokussierungen vor und halten ihre Analysekategorien verhandlungsbereit, übersetzbar, also anschlussfähig. In einer pluralisierten Wissenschaftslandschaft eignen sie sich somit als „Korridore” für eine transnational und transkulturell angelegte Wissenschaftskommunikation.

Dabei gehen die cultural turns selbst schon aus transnationalen Wechselübersetzungen hervor. Einerseits sind sie in kulturspezifischen Wissenschaftstraditionen und disziplinären Gefügen verortet – und somit lokalisiert. Andererseits sind sie Ergebnis von grenzüberschreitenden Übersetzungsprozessen und bieten Anschlüsse an transnationale, ja globale Wissensgenerierung.[7] Es ist bemerkenswert und entspricht nicht der üblichen Erwartung, dass diese gegenwärtige Forschungslandschaft nicht durch Hegemonialwenden aus dem US-Diskurs geprägt ist, auch wenn dies vielfach gerade von turn-Skeptikern behauptet wird.[8] Vielmehr laufen die kulturwissenschaftlichen Diskurse in Deutschland und den USA keineswegs parallel.[9] Denn im Unterschied zu den Cultural Studies und deren politischen Rückbindungen an Minoritäten, ethnische Gruppen oder Bürgerrechtsbewegungen sind cultural turns als Hervorbringungen der deutschsprachigen Kulturwissenschaften bei all ihrem Gesellschaftsbezug doch stärker eingelassen in eine systematisch und historisch synthetisierende Grundlagenreflexion. In diesem Zusammenhang entfalten sie sogar grundlegende erkenntnisleitende Einstellungen, wie sie Heinz Dieter Kittsteiner geradezu als „Historisierungen oder sprachliche Transformierungen des Kantischen a priori”[10] bezeichnet hat.

Eine derart tiefgreifende erkenntniskritische Funktion der turns wird aber erst erkennbar, wenn man sie nicht nur auf ihr Vermögen reduziert, bisher unbeachtete Untersuchungsfelder aufzudecken – wenngleich dadurch immer wieder neue (auch gesellschaftlich und politisch wichtige) Forschungsthemen ausgelotet werden. Doch von einem turn sollte man erst dann sprechen, wenn diese neuen Forschungsthemen auf die Ebene von Konzepten „umschlagen”, wenn Beschreibungsbegriffe zu disziplinenübergreifenden konzeptuell-methodischen Analysekategorien werden, wenn sie also nicht mehr nur Objekt von Erkenntnis bleiben, sondern selbst zum Erkenntnismittel und -medium werden. Jegliche turns, von denen gegenwärtig und künftig die Rede ist, wären auf dieses Kriterium hin zu überprüfen – um sich eben nicht vom Wende-Strudel mitreißen zu lassen und jede neue Forschungskurve auch gleich für die Erfindung eines turns halten zu müssen: sei es ein forensic turn, ein imperial turn oder ein experiential turn – ganz zu schweigen von den vielen weiteren turn-Anwärtern, die schon in den Startlöchern stehen.


Im Spektrum der cultural turns – das Beispiel des spatial turn

Bedingung für einen turn ist also unbedingt ein epistemologischer Sprung: ein Umschlagen von Forschungsgegenständen hin zu neuartigen Analysekategorien. So geht es im interpretive turn nicht etwa darum, (einzelne) Texte zu interpretieren, sondern mit Text als Analysekategorie Kulturen im Sinn von Bedeutungszusammenhängen zu erschließen: „Kultur als Text”.[11] Mithilfe eines solchen interpretativen Ansatzes hat gerade die Ethnologie darauf gedrungen, die kulturellen Selbstdeutungsdimensionen in einer Gesellschaft ernst zu nehmen. Daraus entwickelte sich in der Geschichtswissenschaft, vor allem in der Historischen Anthropologie, Lokal- und Mikrogeschichte, ein deutlicher Perspektivenwechsel weg von den sozialwissenschaftlich geprägten Analysen des Strukturfunktionalismus, hin zu einem kulturwissenschaftlichen Symbolverstehen entlang der Selbstdeutungen der historischen Subjekte.

Die in der Vorstellung von „Kultur als Text” ausgeblendeten Dimensionen kehren im performative turn zurück: Materialität, Kulturdynamik, Situationsbedingungen und dialogische Austauschprozesse, Körperlichkeit, Ritualisierungen und Transgressionen. Auch hier geht es nicht nur darum, einzelne Rituale als solche zu analysieren, sondern das Rituelle als Analysekategorie zu nutzen, mit der die Inszenierungsseite des sozialen und politischen Handelns überhaupt erkennbar wird.[12] Performativität öffnet die Augen für die symbolische Wirkungsmacht von Darstellung, Ausdruck und Aufführung in historischen Prozessen: für die Herausbildung und Inszenierung von Geschlechterrollen[13], für die Neubewertung von gestischer, ritueller und symbolischer Kommunikation, für die Macht und Mehrdeutigkeit historischer Zeichenhaftigkeit.[14]

Auch der iconic turn oder pictorial turn seit Mitte der 1990er-Jahre bricht die Verengung auf verbalsprachliche Erkenntnismittel auf. Auch hier geht es nicht um ein Erkennen von Bildern als Objekten der Anschauung, sondern um ein Erkennen durch Bilder, nicht darum, Bilder zu verstehen, sondern die Welt in Bildern zu verstehen. Auch hier also lässt sich erst dann von einem turn sprechen, wenn die Gegenstandsebene gewissermaßen umkippt auf die Ebene der methodischen Einstellungen: Bilder sind in einer solchen Sicht nicht nur Untersuchungsgegenstand oder bloße historische Quellen. Sie sind vielmehr eigenständige Erkenntnismedien: als unbewusste „innere Bildwelten” in ihrer historischen Wirkungsmacht von „Geschichtszeichen”,[15] als „Bildakte”[16], die historische Prozesse auslösen, oder als „visuelle Spuren” scheinbar unvorstellbarer historischer Erfahrungen von Trauma, Krieg und Holocaust.[17] Bildlichkeit wird jedenfalls zu einer eigenständigen Analysekategorie, die nicht zuletzt zu einem neueren geschichtswissenschaftlichen Forschungszweig geführt hat: zur Visual History.[18]

Die erste kulturwissenschaftliche Neuausrichtung, die ihr Problem- und Methoden-Tableau von vornherein jenseits europäischer Horizonte verortet, und zwar in einem weltgeschichtlichen Bezugsrahmen asymmetrischer Machtverhältnisse, ist der postcolonial turn. Aus der postkolonialen Situation heraus werden Analysekategorien entwickelt, welche die Universalisierungsansprüche westlicher Wissenschaft ebenso in Frage stellen wie die Fortschrittsgeschichte des westlichen Historismus. Dass nicht-europäische Kulturen aus dem Gang der Geschichte herausgehalten wurden, dass jahrhundertelang von „Völkern ohne Geschichte” (Eric R. Wolf) die Rede war und dabei die Zeitgenossenschaft von europäischen und außereuropäischen Kulturen geleugnet wurde – darauf lenkt der postcolonial turn seinen kritischen Blick.[19]

Aber auch hier findet ein Umschlag auf eine erkenntniskritische Ebene statt. Nicht die historische Phase der Dekolonisierung steht im Vordergrund, sondern eine Diskurskritik, die Machtasymmetrien überhaupt aufdeckt und die eurozentrische Wissensordnung insgesamt aus ihren Universalisierungen, Essentialisierungen und dichotomischen Wahrnehmungsmustern heraus dekonstruiert. An dieser Stelle wären Berührungspunkte mit einem gender turn möglich, wie er besonders von Seiten der Geschichtswissenschaft gefordert wurde.[20] Doch die Geschlechterperspektive auf eine eigene Theoriewende gleichsam einzuhegen, ist problematisch, wenn man voraussetzt, dass sie die Kulturwissenschaften quer durch alle Wenden durchkreuzt. Die Genderperspektive geht jeglichen Änderungen des Forschungsfokus in gewisser Weise voraus. Nicht Raum, nicht Bild, nicht Performanz noch Ritual rütteln an der Erkenntnisordnung selbst, wohl aber Gender als eine Hauptachse der gesellschaftlichen und sozialen Tiefenstrukturen, aus denen sich die kulturelle Ordnung des Wissenssystems überhaupt erst herausbildet.

Ein solches Ansetzen an den Tiefenstrukturen der Wissensordnung fordern die Genderperspektive, der postcolonial turn, aber auch der translational turn. Was dabei erfasst wird, sind die westlichen Untersuchungsbegriffe selbst mitsamt ihren Universalisierungen: Zeit, Geschichte, Gesellschaft, Arbeit, Modernisierung, Entwicklung usw. Schließlich kann gerade für eine Geschichtswissenschaft mit transnationalem Anspruch wohl kaum mehr eine Überzeugung genügen, wie sie noch vor einiger Zeit Jürgen Osterhammel festhielt: „Die Möglichkeit des transkulturellen Vergleichs beruht auf der universalen Einheit der modernen Geschichtswissenschaft. Der methodologischen und methodischen Universalität der modernen Geschichtswissenschaft entspricht ein homogener Referenzraum über Epochen und Kulturen hinweg.”[21]

Angesichts der weltweiten Asymmetrien nicht zuletzt auch auf der Ebene der Wissenschaftssysteme ist dagegen ein kritisches Differenzbewusstsein gefordert, wie es die Analysekategorie der Übersetzung – weit über Sprach- und Textübersetzung hinaus – zur Geltung bringt:[22] Als Praxis einer „cross-categorical translation”, wie sie Dipesh Chakrabarty vorschlägt,[23] setzt sie – mit Blick auf nicht-europäische Kategorisierungen – eurozentrische, für universal gehaltene Bezugsgrößen des Kulturenvergleichs außer Kraft. Auf der Ebene einer „cross-cultural translation” wiederum richtet sie verstärkte Aufmerksamkeit auf Übergänge, Vermittlungsprozesse, Ebenenwechsel und Brechungen in kulturellen Kontaktszenarien. Damit ließen sich transnationale Beziehungsgeschichten viel konkreter und erfahrungsnäher untersuchen, als wenn man sie gleich in die großen Rahmen globalgeschichtlicher Untersuchungskomplexe wie Migration, Warenverkehr, Eroberungen, Wissenstransfer einbindet.[24] Denn die translatorische Untersuchungslinse gibt auch in solchen Zusammenhängen geradezu mikroskopisch Aufschluss über die einzelnen Übertragungsschritte, Brechungen und Vermittlungsvorgänge. Dies gilt auch für die viel diskutierten „entangled histories”,[25] die sich an übersetzungsträchtigen Interaktionsbeziehungen nachweisen lassen.

Schon allein solche Kontaktzonen bereiten das Feld für einen spatial turn.[26] Wenn dieser hier besonders herausgehoben wird, dann nicht etwa, weil er der wichtigste wäre, sondern weil sich an ihm die Mechanismen von turns überhaupt erhellen lassen: Bereits die Figur der „Wende” ist ja eine räumliche Metapher. Mit ihr lässt sich die Konstellation der cultural turns selbst geradezu kartieren. So verkörpert ihr Nebeneinander gleichsam einen spatial turn der kulturwissenschaftlichen Theorieentwicklung selbst – womit sich auch diese den Fallstricken von Evolutionismus, Entwicklung und Fortschrittsannahmen entwindet.

Am folgenreichsten für kulturwissenschaftliches Arbeiten ist allerdings die Herausbildung eines veränderten Raumverständnisses. Abgelöst wird die traditionelle Container-Vorstellung von Raum als Behälter von Traditionen, von kultureller Identität oder gar Heimat. Stattdessen gilt Raum nun als Gestaltungsfaktor sozialer Beziehungen, Unterschiede und Vernetzungen, als vielschichtiges, oft widersprüchliches Ergebnis von Verortungen, Raumansprüchen, Ab- und Ausgrenzungen. Die interdisziplinäre Ausarbeitung dieses relationalen Raumkonzepts erstreckt sich bis hin zu einem raumbezogenen Denken, das in der Geschichtswissenschaft etwa mit der methodischen Einstellung einhergeht, „to spatialize the historical narrative” (Edward Soja). Solche Verräumlichung, welche die historisch-chronologischen Gewohnheiten durchkreuzt, zeigt sich besonders in einem Neuverständnis von Grenze als einer weitreichenden Analysekategorie: im Sinn einer Aushandlungszone, eines mental mapping (von der Erfindung Osteuropas bis hin zum Orientalismus), eines border thinking oder eines Denkens an den Rändern und von den Rändern her. Marginalisierungen, Kontaktzonen, Übergänge, Grenzverhältnisse und Zwischenräume werden hier zu produktiven Räumen aufgewertet und für dezentrierende Untersuchungseinstellungen genutzt.[27] Zudem lassen sich damit holistische Kulturvorstellungen aufbrechen, indem man innerkulturelle Widersprüchlichkeiten, Gegendiskurse, Ausgrenzungen und Traditionsbrüche ebenso ans Licht bringt wie eine „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen”.[28]

Die Analyse solcher Vielschichtigkeiten und Verwerfungen geht einher mit einer Verräumlichung des Kulturbegriffs selbst. Mit ihr wird die Forschungspraxis noch in anderer Hinsicht verändert: Eine Kulturanalyse unter derart räumlichem Vorzeichen erschüttert die weit verbreitete zeichenfixierte, ja konstruktivistische Verengung der Wirklichkeitswahrnehmung. So betont wiederum Karl Schlögel, mit Anspielung auf 9/11: „Wir sind daran erinnert worden, dass es Örter gibt: Örter, also nicht bloß Symbole, Zeichen, Repräsentationen von etwas. Örter: Städte, die getroffen werden können, Türme, die zum Einsturz gebracht werden können. Wir sind durch alle kulturellen Vermittlungen hindurch daran erinnert worden, dass nicht alles Zeichen, Symbol, Simulacrum, Text ist, sondern Stoff, Materie, Baumaterial, von dem man erschlagen werden kann.”[29] Der spatial turn erweist sich eben auch als ein material turn, als Rückgewinnung von Materialität, und damit von sich aus schon als re-turn zu lebensweltlicher Erfahrung – im Unterschied zu einem übersteigerten Konstruktivismus im Gefolge des linguistic turn.

Aber auch ein solcher material re-turn fällt nicht etwa zurück hinter das neue, raumbezogene Analysevokabular: Marginalität, Ränder, Grenze, Location of Culture, Deterritorialisierung, Zentrum-Peripherie, Mapping. Ein solches Analysevokabular bleibt vielmehr unverzichtbar, zumal es ermöglicht, die Raumkategorie für die Analyse weiterer, vor allem auch wissenschaftstheoretischer und wissenschaftshistorischer Problemfelder zu nutzen: So erscheint Raum als das passende „epistemologische Modell”[30] für eine dezentrierte, vernetzte, auch theorievernetzte Welt – in diesem Sinn auch als ein „Produktionsprinzip” der kulturwissenschaftlichen Forschung selbst. Schließlich wird die postmoderne Ablehnung der großen Erzählungen von Technologie, Fortschritt und Geschichtsphilosophie gleichsam hineinübersetzt in nicht-hegemoniale Vorstellungen eines räumlichen Nebeneinanders von Theorien, die sich ausdrücklich in den Zwischenräumen „zwischen” Disziplinen und Kulturen bewegen.


Übersetzungsdynamik durch turns und re-turns

Welche Dynamik der Kulturwissenschaften wird hier eigentlich zugrunde gelegt? Ist es wirklich eine Innovationsdynamik durch eine Kette von turns? Es gäbe Anzeichen dafür, dass eine andere Entwicklungsspannung Platz greifen könnte, sofern man sich nicht auf ein glattes Innovationsmuster fixiert, sondern eher einer vermittlungsbetonten Forschungskategorie Raum gibt: der Kategorie der Übersetzung.

Turns – so kann man es auch sehen – sind Vehikel für ein neues Verständnis von Kulturwissenschaften als Übersetzungswissenschaften.[31] Bevor immer wieder nach weiteren turns Ausschau gehalten wird, wären die bisherigen Theoriewenden erst einmal auf ihre Übersetzungsanstöße hin zu befragen. Inwieweit geben sie selbst Übersetzungsimpulse in ganz andere Gegenstandsbereiche hinein und machen damit komplexe transdisziplinäre und transkulturelle Forschungszusammenhänge auf ihre Nahtstellen der Vermittlung und der Intervention hin genauer zugänglich? Dieses Potenzial der cultural turns als unverzichtbare Übersetzungsschienen der Kulturwissenschaften wird aber erst deutlich, wenn man in den theoretischen Neuorientierungen nicht nur Innovationsbeschleuniger des Wissenschaftsbetriebs sieht. Eher wären sie als systematische Gelenkstellen ernst zu nehmen, welche die Disziplinen, aber auch die kulturellen Realitäten selbst auf Vermittlungs- und Umdeutungsprozesse hin offen halten: durch ein neues Vokabular der Analyse und damit auch durch neue Blickwinkel auf Erfahrungszusammenhänge. Mit solchen Impulsen bereichern sie das disziplinäre Arbeiten, bilden aber auch deutliche Achsen für dessen gesellschaftliche Rückverortung.

Die hier angedeutete Übersetzungsdynamik der cultural turns insgesamt lässt sich wiederum am Beispiel des spatial turn veranschaulichen: Der Fokus auf Raum, der sich zunächst auf ein neues Gegenstandsfeld bezieht, entwickelt ein relationales statt territoriales Raumverständnis. Dieses führt dann zu Raum als Analysekategorie bis hin zu spatial thinking. Hier jedoch stößt man auf das bisher noch viel zu wenig erkannte re-turn-Potenzial des spatial turn: auf seine Übersetzungsfunktion der Räumlichkeitsperspektive in ganz andere Gegenstandsbereiche hinein. Ein Beispiel hierfür wäre die räumliche Übersetzung von Menschenrechten. An ihm kann gezeigt werden, wie sich der Forschungshorizont nicht nur des spatial turn, sondern der turns überhaupt erweitern und zugleich vertiefen lassen könnte: Menschenrechte – dies hat der Raumdenker Edward Soja an urbanen Prozessen vor Augen geführt – müssen nicht nur gegenstandsferne Prinzipien bleiben. Sie können aus dem Blickwinkel stadträumlicher Rechte oder gar sozialer Bewegungen als konkrete Forderungen einer „spatial justice” re-formuliert werden: „In perhaps the strongest and most successful extension of the Spatial Turn into political practice, the notion of rights to the city, concretizing calls for universal human rights by embedding them in specifically urban spatial contexts and causalities, has been mobilizing multi-scalar political movements.”[32] Turns erweisen sich nicht nur in diesem Fall als wichtige Gelenkstellen, die eine Übersetzung aus der theoretisch-analytischen Sphäre in die gesellschaftliche Handlungswelt, ja in soziale und politische Bewegungen hinein überhaupt erst ermöglichen.

Es ist offensichtlich an der Zeit, von den bisherigen Wenden aus nicht immer noch weitere Wendungen zu vollziehen. Wie man sieht, legen die turns selbst Ansatzpunkte zu wirkungsvollen re-turns nahe. Richtungweisend sind auch Ansätze, die kulturwissenschaftliche Theoriearbeit neu zu definieren – etwa über ein Selbstverständnis, das nicht nur einer „auf das Symbolische reduzierte(n) Betrachtungsweise“ folgt, welche über lange Zeit hinweg an einer „Entsorgung des Sozialen“[33] mitwirkte. Die gegenwärtigen Kulturwissenschaften sind vielmehr verstärkt auf gesellschaftliche, historische, soziale und materielle „Lebensvollzüge” und auf dringliche gesellschaftliche Probleme hin orientiert – auf die Analyse von ökologischen Krisen, Klimawandel, Migration, globalen Konfliktherden, aber auch auf die medialen und digitalen Prägungen der Alltagserfahrungen.

Diese Entwicklung scheint geradezu einen „socio-political turn“ der Kulturwissenschaften insgesamt nahezulegen[34] und wäre damit ein unverzichtbarer Gegenzug zum konstruktivistischen Weiterschrauben der bisherigen cultural turns. In diesem Sinn könnten also von den turns aus neue konzeptuelle Angelpunkte gefunden werden, mit denen die kulturwissenschaftliche Forschungslandschaft nicht länger einem mittlerweile selbstbezüglich gewordenen Universum von Texten, Zeichen, Kodierungen ausgesetzt bleiben muss – die sich letztlich in bloßen Theoriekonstellationen niederschlagen. Weit fruchtbarer könnte ein Neuverständnis der Kulturwissenschaften als grenzüberschreitende Übersetzungswissenschaften werden. Hierfür haben die cultural turns mit ihren deutlichen Überschreitungsversuchen des linguistic turn von Anfang an den Weg gebahnt: für einen re-turn, eine Rückübersetzung in die Disziplinen, aber auch in gesellschaftliche Problemlagen hinein.


Re-turns – disziplinäre und gesellschaftliche Rückverortungen

Gegenwärtig befinden wir uns wohl kaum mehr in der Phase einer enthusiastischen „Anwendung” und Neuschöpfung von turns – eher in der Phase ihrer kritischen „Übersetzung”. Dazu gehört eine konstruktive Kritik der jeweiligen turns, jedenfalls der Versuch, nicht einfach auf jeden Trend-Zug zu springen, sondern die Theoriewenden stärker als bisher auf ihre erkenntnis- und forschungspraktische Umsetzbarkeit hin zu prüfen. Dazu gehört aber auch, sie im Gesamtsystem der Kulturwissenschaften zu positionieren und ihr Mitwirken an einer Transformation der kulturwissenschaftlichen Disziplinen selbst in den Blick zu nehmen. Sind die Kulturwissenschaften mittlerweile zum Mainstream-Theorie-Sammelbecken für eine vernetzte, neoliberale Wissenschaftslandschaft geworden – schon allein deshalb, weil sie flexibel in räumlichen Konstellationen und Koexistenzen von Disziplinen und Theorien zirkulieren und damit längst nicht mehr mit Fortschritts- oder Emanzipationserzählungen einhergehen?

Könnte jedoch die unübersehbare Tendenz zur Verselbständigung von Theorien aufgehalten werden? Ein erster Schritt wäre sicherlich, zu verhindern, dass sich die Positionen der turns von ihren historischen, gesellschaftlichen und – nicht zu vergessen – disziplinären Entstehungs- und Erkenntnisorten lösen und als frei flottierende Andockstellen in den Hafenbecken der Disziplinen herumschwimmen. Diese Verselbständigungsgefahr ist doch im Grunde der entscheidende Kritikpunkt an turns, Trends und Modetheorien, weit mehr als deren Flüchtigkeit. Die turns wären also noch stärker rückzuverorten in der empirischen Forschungsarbeit der Einzeldisziplinen.[35]

Allerdings sollte man nicht übersehen, dass die kulturellen Wenden ja keineswegs in einem luftleeren interdisziplinären Zwischenraum ausgebildet werden und sich erst dann zu einem re-turn in die Disziplinen aufmachen. Im Gegenteil, ihr Erkenntnisort liegt durchaus in den Disziplinen selbst, zumeist ausgehend von einer „Leit”- oder besser gesagt „Impuls”-Disziplin. Von dort aus reisen sie überhaupt erst durch die anderen Fächer, bevor sie dann in die Ursprungsdisziplin – zumeist verändert – zurückkehren. Bestes Beispiel ist auch hier wieder der spatial turn mit seinem Raumkonzept. Es stammte zunächst aus der Kulturgeografie, wurde dort aber erst dann wiederentdeckt, nachdem die anderen Disziplinen einen spatial turn mitgemacht haben – durch diesen Umweg allerdings verändert und epistemologisch geschärft.[36] Somit handelt es sich streng genommen gar nicht um einen re-turn in feste Disziplinen. Denn ein solcher kann nur funktionieren, wenn die Disziplinen selbst verändert und aufgebrochen werden – durchaus hin zu neuen disziplinären Formationen (wie Visual Culture Studies), zu „Schattendisziplinen” wie Film Studies, Ethnic Studies usw., zu „emerging fields” oder zu „topics that link existing disciplines”.[37]

Disziplinäre re-turns können also bewirken, dass die Disziplinen selbst Wendungen erfahren, auch indem sie miteinander verflochten werden: „The fate of the disciplines is to be dislocated and twisted”[38] – wie es der Theoretiker des iconic turn, William Mitchell, ausdrückt. Turns tragen dazu bei, dass sich Disziplinen nicht mehr als in sich geschlossen wahrnehmen müssen, gleichsam wie „Nationalstaaten” der akademischen Welt. Was sich also abzeichnet, ist im Grunde ein „turn” der Disziplinen selbst, eine „explosion or implosion of a disciplinary regime”,[39] ein displacement etablierter und von Disziplinen verwalteter Diskurse. Hierzu gibt es allerdings gerade auch in den USA parallele Forschungsperspektiven: „The disaggregation of disciplines brought humanities into new importance as they broke away, bled, or blurred into other disciplines and sectors.”[40] Mit solchen disziplinären Verschiebungen geht die gezielte Herausforderung einher, aus der je eigenen disziplinären oder kulturellen Einbindung immer wieder herauszutreten in „shared territories”.[41]

Was aber wären fruchtbare Brennpunkte oder gar Katalysatoren, an denen sich das Regime der cultural turns noch gezielter auf re-turns hin entfalten könnte? Auffällig ist gegenwärtig der Versuch, im Feld der Kulturwissenschaften Referentialität zurückzugewinnen. Die scharfe Linse des spatial turn rückt auch hier entsprechende Anstöße für Rückübersetzungen in den Fokus: 9/11, der Zusammenbruch der Twin Towers mit seiner Zerstörung Tausender von Menschenleben, geopolitische Umbrüche und die Konflikt„zonen“ der globalen Kriege haben schon frühzeitig die Raumwende mit politischer und existenzieller Brisanz aufgeladen. Damit hat sich auch die Frage nach den Grenzen der Darstellbarkeit von Extremerfahrungen in Kunst und Medien ebenso unmittelbar gestellt wie nach den Grenzen ihrer kulturwissenschaftlichen Beschreibbarkeit und Analyse.

Schon von daher haben diese politischen Ereignisse und Einschnitte einen Umbruchprozess in den Kulturwissenschaften ausgelöst – mit deutlichen Konsequenzen für das kulturwissenschaftliche Theorieverständnis. Die Folgen zeigen sich in einem immer weiter voranschreitenden Zusammenbrechen des Konstruktivismus, der schließlich die wichtigen Fragen von Ethik und Verantwortung viel zu lange ausgeblendet hat. Cultural turns können auch hier neue Referenzrahmen schaffen, indem sie ihre kritische Weiterentfaltung des linguistic turn nutzen, um eben nicht zurückzusteuern zu einem naiven Wirklichkeitsbezug – so als hätten wir den linguistic turn, Poststrukturalismus und Dekonstruktivismus gar nicht durchlaufen.[42] Hier geht es eher darum, einer anderen Art von Referentialität Geltung zu verschaffen – einer, die nicht nur hermeneutisch in Sinn- und Bedeutungskernen verkapselt bleibt, sondern die Oberfläche selbst einbezieht, auf der sie überhaupt erst sichtbar wird: als Evidenz, als Präsenz, als Artikulation von Dinglichkeit und Materialität.[43]

Diese Entwicklung mag noch zu weiteren turns führen – wohl eher aber zu einem „turn“ der Kulturwissenschaften insgesamt: zur Abkehr von ihrer Fixierung auf Textualität und Konstruktivismus, zu neuer Aufmerksamkeit auf die Übersetzbarkeit des Kulturellen ins Materielle, ins Ökonomische, ins Soziale und Politische. Der größte Impuls hierfür wäre freilich eine Neukonzeptualisierung der Kulturwissenschaften selbst, und zwar als Übersetzungswissenschaften. Es ist zu erwarten, dass sich aus einer Übersetzungsperspektive die transdisziplinären, aber auch globalen Brüche und Umbrüche in der gegenwärtigen Kultur-Wissenschaftslandschaft besonders gut analytisch erfassen lassen.


Empfohlene Literatur zum Thema

Doris Bachmann-Medick, Cultural Turns. Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften. Zur Diskussion gestellt von Christoph Conrad, Hanna Hacker, Barbara Lüthi u. Elisabeth Timm, in: L’Homme. Europäische Zeitschrift für feministische Geschichtswissenschaft 18 (2007), H. 2, S. 123-138 / Replik dazu: Doris Bachmann-Medick, „Diebin in der Nacht“ – Gender diesseits oder jenseits kulturwissenschaftlicher turns? Fragen und Antworten in einer kontroversen Debatte, in: L’Homme 19 (2008), H. 1, S. 131-142

Doris Bachmann-Medick, Cultural Turns. Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften, Reinbek bei Hamburg 2009 (1. Aufl. 2006) / Übersetzung: Doris Bachmann-Medick, Cultural Turns. New Orientations in the Study of Culture, Berlin 2016

Doris Bachmann-Medick (Hrsg.), The Trans/National Study of Culture. A Translational Perspective, Berlin 2016

Stephan Moebius (Hrsg.), Kultur. Von den Cultural Studies bis zu den Visual Studies. Eine Einführung. Bielefeld 2012

Peter Schöttler, Nach der Angst. Geschichtswissenschaft vor und nach dem „linguistic turn“, Münster 2018

Zitation
Doris Bachmann-Medick, Cultural Turns, Version: 2.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 17.6.2019, URL: http://docupedia.de/zg/Bachmann-Medick_cultural_turns_v2_de_2019?oldid=132484

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  1. Vgl. – namensgebend – Richard M. Rorty (Hrsg.), The Linguistic Turn. Essays in Philosophical Method. With Two Retrospective Essays, Chicago 1992 (1. Aufl. 1967) – zu den Auswirkungen auf die Geschichtswissenschaft vgl. besonders Hayden White, Auch Klio dichtet oder Die Fiktion des Faktischen. Studien zur Tropologie des historischen Diskurses, Stuttgart 1986; u.a. Elizabeth A. Clark, History, Theory, Text. Historians and the Linguistic Turn, Cambridge, Mass. 2004; Gabrielle M. Spiegel, Practicing History. New Directions in Historical Writing after the Linguistic Turn, New York 2005; Peter Schöttler, Nach der Angst. Geschichtswissenschaft vor und nach dem „linguistic turn“, Münster 2018.
  2. Belege für eine derartige Rezeption finden sich in den aktualisierten Nachworten von Doris Bachmann-Medick, Cultural Turns. Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften, Reinbek ³2009 (1. Aufl. 2006), S. 407-416, hier S. 408f. und S. 414 sowie 52014.
  3. Vgl. Karl Schlögel, Im Raume lesen wir die Zeit. Über Zivilisationsgeschichte und Geopolitik, München 2003, bes. S. 61f.
  4. Pierre Bourdieu, Haute Couture und Haute Culture, in: ders., Soziologische Fragen, Frankfurt a.M. 1993, S. 187-196, hier S. 188.
  5. Vgl. Andreas Reckwitz, Die Transformation der Kulturtheorien. Zur Entwicklung eines Theorieprogramms. Studienausgabe, Weilerswist 2006 (1. Aufl. 2000).
  6. Zum Verhältnis von Kulturwissenschaften und Paradigmen vgl. Ansgar Nünning, Das Paradigma der Kulturwissenschaften? Elemente ihrer Weltbilder und Ausblick auf ihre Aufgaben, in: Emil Brix/Gottfried Magerl (Hrsg.), Weltbilder in den Wissenschaften, Wien 2005, S. 147-178.
  7. Vgl. Doris Bachmann-Medick (Hrsg.), The Trans/National Study of Culture. A Translational Perspective, Berlin/Boston 2016.
  8. Vgl. Hartmut Böhme, Vom „turn“ zum „vertigo“. Wohin drehen sich die Kulturwissenschaften? Rezension zu Bachmann-Medick, Cultural Turns, in: Journal of Literary Theory online, 19.05.2008, http://www.jltonline.de/index.php/reviews/article/view/26/178 (Abruf: 01.06.2019); in den USA ist eine turn-Diskussion viel weniger ausgeprägt, wenngleich auch dort allerorts turns behauptet werden; zum spatial turn vgl. etwa Barney Warf/Santa Arias (Hrsg.), The Spatial Turn. Interdisciplinary Perspectives, New York 2008; oder das Themenheft zum spatial turn von History & Theory 52 (2013) October.
  9. Dieser Befund schlug nicht zuletzt darin zu Buche, dass die englische Übersetzung von „Cultural Turns“ noch vor einer Sprach- und Textübersetzung zunächst eine Übersetzung in eine ganz andere Diskurslandschaft hinein erforderte, vgl. Doris Bachmann-Medick, Cultural Turns. New Orientations in the Study of Culture, Berlin/Boston 2016.
  10. Heinz Dieter Kittsteiner, „Iconic Turn“ und „innere Bilder“ in der Kulturgeschichte, in: ders. (Hrsg.), Was sind Kulturwissenschaften? 13 Antworten, München 2004, S. 153-182, hier S. 164.
  11. Zur Vorstellung von „Kultur als Text“ vgl. Clifford Geertz, „Deep Play“ – Bemerkungen zum balinesischen Hahnenkampf, in: ders., Dichte Beschreibung. Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme, Frankfurt a.M. 1983, S. 202-260, hier S. 253ff.; zur Textmetapher vgl. Doris Bachmann-Medick (Hrsg.), Kultur als Text. Die anthropologische Wende in der Literaturwissenschaft, Tübingen ²2004, dies., Culture as Text. Reading and Interpreting Cultures, in: Birgit Neumann/Ansgar Nünning (Hrsg.), Travelling Concepts for the Study of Culture, Berlin/Boston 2012, S. 99-118.
  12. Vgl. Barbara Stollberg-Rilinger, Rituale, Frankfurt a.M./New York 2013.
  13. Judith Butler, Performative Acts and Gender Constitution. An Essay in Phenomenology and Feminist Theory, in: Theatre Journal 40 (1988), H. 4, S. 519-531.
  14. Vgl. Christiane Brosius/Axel Michaels/Paula Schrode (Hrsg.), Ritual und Ritualdynamik. Schlüsselbegriffe, Theorien, Diskussionen, Göttingen 2013; Jürgen Martschukat/Steffen Patzold (Hrsg.), Geschichtswissenschaft und „performative turn“. Ritual, Inszenierung und Performanz vom Mittelalter bis zur Neuzeit, Köln 2003.
  15. Vgl. Kittsteiner, „Iconic Turn“ und „innere Bilder“, S. 165ff.
  16. Horst Bredekamp, Theorie des Bildakts, Berlin 2010.
  17. Vgl. besonders Georges Didi-Huberman, Bilder trotz allem, München 2007.
  18. Vgl. Gerhard Paul, Visual History, Version: 3.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 13.03.2014, http://docupedia.de/zg/paul_visual_history_v3_de_2014.
  19. Vgl. Reinhard Blänkner, Historische Kulturwissenschaften im Zeichen der Globalisierung, in: Historische Anthropologie 16 (2008), H. 3, S. 341-372, bes. S. 357f.
  20. Vgl. die Debatte zu cultural turns mit Beiträgen von Christoph Conrad, Hanna Hacker, Barbara Lüthi und Elisabeth Timm, in: L’Homme. Europäische Zeitschrift für feministische Geschichtswissenschaft 18 (2007), H. 2, S. 123-138; und die Replik dazu: Doris Bachmann-Medick, „Diebin in der Nacht“ – Gender diesseits oder jenseits kulturwissenschaftlicher turns? Fragen und Antworten in einer kontroversen Debatte, in: L’Homme 19 (2008), H. 1, S. 131-142.
  21. Jürgen Osterhammel, Transkulturell vergleichende Geschichtswissenschaft, in: ders., Geschichtswissenschaft jenseits des Nationalstaats. Studien zu Beziehungsgeschichte und Zivilisationsvergleich, Göttingen 2001, S. 11-45, hier S. 41.
  22. Vgl. Bachmann-Medick (Hrsg.), The Trans/National Study of Culture.
  23. Vgl. Dipesh Chakrabarty, Two Models of Translation, in: ders., Provincializing Europe. Postcolonial Thought and Historical Difference, Princeton 2000, S. 83-86, hier S. 83; zu einem translationalen Ansatz in der transkulturellen Begriffsgeschichte vgl. auch Margrit Pernau, Transkulturelle Geschichte und das Problem der universalen Begriffe. Muslimische Bürger im Delhi des 19. Jahrhunderts, in: Birgit Schäbler (Hrsg.), Area Studies und die Welt. Weltregionen und neue Globalgeschichte, Wien 2007, S. 117-149.
  24. Vgl. Osterhammel, Transkulturell vergleichende Geschichtswissenschaft, S. 40.
  25. Vgl. zu diesem Konzept Shalini Randeria, Geteilte Geschichten und verwobene Moderne, in: Jörn Rüsen u.a. (Hrsg.), Zukunftsentwürfe. Ideen für eine Kultur der Veränderung, Frankfurt a.M. 1999, S. 87-96; Sebastian Conrad/Shalini Randeria, Einleitung: Geteilte Geschichten – Europa in einer postkolonialen Welt, in: Sebastian Conrad/Shalini Randeria/Regina Römhild (Hrsg.), Jenseits des Eurozentrismus. Postkoloniale Perspektiven in den Geschichts- und Kulturwissenschaften, Frankfurt a.M. ²2013, S. 32-70, hier S. 39-44.
  26. Vgl. auch Jörg Döring/Tristan Thielmann (Hrsg.), Spatial Turn. Das Raumparadigma in den Kultur- und Sozialwissenschaften, Bielefeld ²2009.
  27. Aus der Vielzahl von Titeln zur neueren Grenzforschung im Licht des spatial turn vgl. – exemplarisch und auf Grenze als Erkenntniskategorie bezogen – Sandro Mezzadra/Brett Neilson, Border as Method, or, the Multiplication of Labor, Durham/London 2013.
  28. Vgl. z.B. Michael Borgolte, Christen und Juden im Disput. Mittelalterliche Religionsgespräche im „spatial turn“, in: Historische Zeitschrift 286 (2008), H. 2, S. 359-402, hier S. 359.
  29. Karl Schlögel, Kartenlesen, Augenarbeit. Über die Fälligkeit des spatial turn in den Geschichts- und Kulturwissenschaften, in: Kittsteiner (Hrsg.), Was sind Kulturwissenschaften?, S. 261-283, hier S. 262.
  30. Gérard Raulet, Kulturwissenschaften und politische Öffentlichkeit. Ralf Konersmann im Gespräch mit Gérard Raulet, in: Zeitschrift für Kulturphilosophie 3 (2009), H. 1, S. 65-90, hier S. 76.
  31. Nähere Ausführungen hierzu: Bachmann-Medick, Cultural Turns, Nachwort zur 3. Aufl., S. 407ff.; dies., Transnationale Kulturwissenschaften. Ein Übersetzungskonzept, in: René Dietrich/Daniel Smilovski/Ansgar Nünning (Hrsg.), Lost or Found in Translation? Interkulturelle/Internationale Perspektiven der Geistes- und Kulturwissenschaften, Trier 2011, S. 53-72.
  32. Edward W. Soja, Taking Space Personally, in: Warf/Arias (Hrsg.), The Spatial Turn, S. 11-35, hier S. 32; vgl. ders., Seeking Spatial Justice, Minneapolis, London 2010.
  33. So Wolfgang Maderthaner/Lutz Musner, Die Selbstabschaffung der Vernunft. Die Kulturwissenschaften und die Krise des Sozialen, Wien 2007, S. 29.
  34. Vgl. die Debatte zur Frage des Politischen in den Kulturwissenschaften, ausgehend von Doris Bachmann-Medick, Jenseits der Konsensgemeinschaft? Kulturwissenschaften im „socio-political turn“?, in: Zeitschrift für Kulturwissenschaften 2 (2017), S. 103-130, online unter https://www.uni-muenster.de/Ejournals/index.php/ZfK/article/view/2149.
  35. Beispielsweise zur Literaturwissenschaft vgl. Elke Sturm-Trigonakis/Olga Laskaridou/Evi Petropoulou/Katerina Karakassi (Hrsg.), Turns und kein Ende? Aktuelle Tendenzen in Germanistik und Komparatistik, Frankfurt a.M. 2017; zur Geschichtswissenschaft – allerdings beschränkt auf den Cultural Turn – z.B. das Forum Zeitgeschichte „Cultural Turn und NS-Geschichte“, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 62 (2017), H. 2, S. 219-222; Thomas Mergel, Cultural Turns and Political History, in: Ricerche di Storia Politica 1 (2017), S. 33-42; zur Soziologie z.B. Sybille Frank/Jochen Schwenk (Hrsg.), Turn Over. Cultural Turns in der Soziologie, Frankfurt a.M. 2010.
  36. Vgl. z.B. Christian Berndt/Robert Pütz (Hrsg.), Kulturelle Geographien. Zur Beschäftigung mit Raum und Ort nach dem Cultural Turn, Bielefeld 2007.
  37. W.J.T. Mitchell, Art, Fate, and the Disciplines: Some Indicators, in: Critical Inquiry 35 (2009), No. 4 (Special Issue: The Fate of the Disciplines), S. 1023-1031, hier S. 1028; vgl. Stephan Moebius (Hrsg.), Kultur. Von den Cultural Studies bis zu den Visual Studies. Eine Einführung. Bielefeld 2012.
  38. Mitchell, Art, Fate, and the Disciplines, S. 1028.
  39. Ebd., S. 1028.
  40. Julie Thompson Klein, Humanities, Culture, and Interdisciplinarity. The Changing American Academy, Albany 2005, S. 39.
  41. Ebd., S. 39.
  42. Zur Frage des Wirklichkeitsbezugs im Gefolge der turns vgl. Stefan Haas/Clemens Wischermann (Hrsg.), Die Wirklichkeit der Geschichte. Wissenschaftstheoretische, mediale und lebensweltliche Aspekte eines (post-)konstruktivistischen Wirklichkeitsbegriffes in den Kulturwissenschaften, Stuttgart 2015.
  43. Vgl. Helmut Lethen/Ludwig Jäger/Albrecht Koschorke (Hrsg.), Auf die Wirklichkeit zeigen. Zum Problem der Evidenz in den Kulturwissenschaften. Ein Reader, Frankfurt 2015.