Cultural Turns

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Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam e.V.
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Zentrum für Zeithistorische Forschung

Doris Bachmann-Medick, Cultural Turns,
Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 29.03.2010
No U-Turn, Straßenverkehrsschild, Foto: Gobierno de Chile
No U-Turn, Straßenverkehrsschild, Foto: Gobierno de Chile
Cultural Turns

In den neueren Kultur- und Sozialwissenschaften ist noch immer die Rede vom „Cultural Turn”, der in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts die Hinwendung der einzelnen Disziplinen auf die Analyse kultureller Bedeutungen und symbolischer Ordnungen ausgelöst hat. Diese Meistererzählung von dem einen herausgehobenen Cultural Turn, der noch dazu im Bann eines übermächtigen linguistic turn verharrt, ist jedoch fragwürdig. Denn wendet man sich der Vielzahl und Verschiedenheit der cultural turns zu, dann entfaltet sich eine andere Geschichte der neueren Kulturwissenschaften, die ausdrücklich auf Pluralisierung zielt.

Ausgangs- und Bezugspunkt all dieser turns bleibt freilich der linguistic turn. Hervorgegangen aus der Sprachphilosophie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, hat er die Sprachabhängigkeit jeglicher Erkenntnis behauptet.[1] Angesichts dieser Grundlegungsfunktion von Sprache als unhintergehbarer Basis aller Wirklichkeitswahrnehmung verkörpert der linguistic turn seitdem geradezu einen Mega-turn. Die bahnbrechenden Orientierungswechsel der letzten Jahrzehnte haben ihm das Szepter jedoch nach und nach aus der Hand genommen. Denn sie haben Raum geschaffen für eine Wiederkehr des Verdrängten: Gerade die von der Sprach-Fixierung des linguistic turn ausgeblendeten oder gar verdrängten Dimensionen von Kultur, Lebenswelt, Geschichte und Materialität wurden und werden mit den veränderten Schwerpunkten der cultural turns wieder neu ins Blickfeld gerückt. Quer durch fast alle Disziplinen geschieht dies über auffällig parallele Neufokussierungen der Forschung: interpretive turn, performative turn, reflexive turn, postcolonial turn, translational turn, pictorial/iconic turn, spatial turn und andere mehr. Ein Ende der Wende-Spirale scheint kaum in Sicht - was in jüngster Zeit geradezu körperliche Reaktionen hervorruft: „Schwindel”, „Schleudertrauma”, „drehwurmträchtige” Verunsicherungen und andere Irritationen.[2]

Erstaunlicherweise häufen sich solche Reaktionen gerade in einer Phase, in der die prominenten Theoriewenden längst nicht mehr nur theoretisch-konzeptuelle Pirouetten drehen, sondern sich ausdrücklich in die konkrete empirische Forschungsarbeit der unterschiedlichen Disziplinen einmischen: als inhaltlich und methodisch weiterführende Forschungsimpulse – nicht zuletzt in der Geschichtswissenschaft. Dieses Schwanken zwischen konstruktiver turn-Verarbeitung und gleichzeitiger turn-Abwehr ist typisch für eine Übergangsreaktion, die auf aktuelle Umbruchprozesse in der Wissenschaftslandschaft der Geistes- und Kulturwissenschaften hindeutet. Schließlich könnte die Traditions- und Disziplinensicherheit einer geisteswissenschaftlichen Integrations- und Orientierungswissenschaft (die immer noch gern in Nationalbezüge eingebundenen wird) endgültig abgelöst werden: durch die Grenzüberschreitungen einer kulturwissenschaftlichen Vernetzungs- und Übersetzungswissenschaft (die sich immer stärker global ausrichtet).

Dabei stellt sich die durchaus noch offene Frage, ob die Dynamik der Kulturwissenschaften insgesamt ihre Triebkraft weiterhin hauptsächlich aus turns gewinnt. Oder legen die turns etwa von sich aus schon eine andere Entwicklungsdynamik der Kulturwissenschaften nahe? Anzeichen hierfür deuten sich an, wenn man die jeweiligen Kontexte und Kriterien für die Entstehung der Theoriewenden genauer betrachtet: Wann wird ein turn eigentlich zum turn? Aber auch wenn man folgende immer noch unterbelichtete Fragen stellt: Wie fruchtbar sind eigentlich die turns für das konkrete Arbeiten in den Disziplinen? Wieweit vollziehen sie – über solche disziplinären re-turns hinaus – einen längst fälligen re-turn in gesellschaftliche, ökonomische und mediale Gegenstandsbereiche hinein?

Entstehungskontexte und Abgrenzungskriterien – Wann wird ein turn zum turn?

In den Kulturwissenschaften wird gern mit Metaphern gearbeitet. Interpretationsoffenheit wird entsprechend geschätzt. Und doch bleibt es entschieden zu vage, wenn auch die Entstehung der cultural turns selbst – wie etwa bei Karl Schlögel – nur metaphorisch „erklärt” wird: als Mode-Wellen, die auftauchen und wieder abtauchen.[3] Pierre Bourdieus Feldtheorie dagegen verweist auf konkretere Entstehungsbedingungen: auf ein „Feld objektiver Beziehungen zwischen Individuen oder Institutionen, die miteinander um ein und dieselbe Sache konkurrieren.”[4] In der Tat ist das Überdeterminieren und eifrige Besetzen von turns und ihrer Leitbegriffe ein deutliches Anzeichen für den zunehmenden Wettlauf um symbolisches Forschungs-Kapital.

Die größte Erklärungskraft für die Herausbildung von turns bietet jedoch deren Rückbindung an gesellschaftlich-politische Prozesse. Dass etwa Bild, Blick, Performativität oder Raum in jüngster Zeit zu zentralen Analysekategorien werden, geht auf Veränderungen der gesellschaftlichen und medialen Wahrnehmungslage zurück: auf gesellschaftliche Bilderflut und Blickregimes, auf die Übermacht der (Selbst-)Inszenierung in Medien und Politik, auf Raumumbrüche, globale Ortlosigkeit und die Ungleichheiten geopolitischer Raumbeziehungen.

Schon aufgrund solcher Verknüpfung mit gesellschaftlichen und kulturellen Prozessen erschöpfen sich die cultural turns nicht etwa in bloßen Theorietransformationen[5] – weder entlang von Schulen oder Richtungen (wie etwa Strukturalismus, Poststrukturalismus, Dekonstruktivismus) noch in der Abfolge von Methodenkomplexen (wie New Historicism, Kulturgeschichte, Diskursanalyse). Theoriewenden folgen nicht aufeinander; sie existieren vielmehr gleichzeitig, in eklektischen Konstellationen. So kann man durchaus mit mehreren turns zugleich arbeiten. Es gibt keine Fortschrittsachse, auf der man jeweils immer nach dem neuesten turn zu greifen hätte. Um Paradigmen und umstürzende Paradigmenwechsel handelt es sich also nicht.[6] Eher um ein Reservoir von systematischen Fokussierungen, die ausdrücklich im Spannungsfeld zwischen den Disziplinen angesiedelt sind – als Brennpunkte von Inter- und Transdisziplinarität. Turns sind noch dazu wichtige inter- und transkulturelle Gelenkstellen, schon deshalb, weil sie keineswegs festgelegt sind auf kulturspezifische Inhalte oder Methoden (etwa auf europäische Begriffsgeschichte), auch nicht auf einzelne Wissenschaftskulturen und ihre historischen Einbindungen. Vielmehr schlagen sie systematische Fokussierungen vor und halten ihre Analysekategorien verhandlungsbereit, übersetzbar, also anschlussfähig. In einer pluralisierten Wissenschaftslandschaft eignen sie sich somit als „Korridore” für eine transnational angelegte Wissenschaftskommunikation.

Dabei gehen die cultural turns selbst schon aus transnationalen Wechselübersetzungen hervor. Einerseits sind sie in kulturspezifischen Wissenschaftstraditionen und disziplinären Gefügen verortet – und somit lokalisiert. Andererseits sind sie Ergebnis von grenzüberschreitenden Übersetzungsprozessen. Allerdings zeichnet sich die gegenwärtige Forschungslandschaft nicht etwa durch blindes Aneignen von Hegemonialwenden aus dem US-Diskurs aus, auch wenn dies vielfach gerade von turn-Skeptikern behauptet wird.[7] Denn im Unterschied zu den Cultural Studies und deren politischen Rückbindungen an Minoritäten, ethnische Gruppen oder Bürgerrechtsbewegungen sind cultural turns eher „eigene” Hervorbringungen der deutschsprachigen Kulturwissenschaften und insofern eingelassen in eine viel stärker systematisch und historisch synthetisierende Grundlagenreflexion. In diesem Zusammenhang entfalten sie sogar grundlegende erkenntnisleitende Einstellungen, wie sie Heinz Dieter Kittsteiner geradezu als „Historisierungen oder sprachliche Transformierungen des Kantischen a priori”[8] bezeichnet hat.

Eine derart tiefgreifende erkenntniskritische Funktion der turns wird erst erkennbar, wenn man sie nicht nur auf ihr Vermögen reduziert, bisher unbeachtete Untersuchungsfelder zu entdecken – wenngleich dadurch neue (auch gesellschaftlich und politisch wichtige) Forschungsthemen ausgelotet werden. Doch von einem turn sollte man erst dann sprechen, wenn diese neuen Forschungsthemen auf die Ebene von Konzepten „umschlagen”, wenn Beschreibungsbegriffe zu disziplinenübergreifenden konzeptuell-methodischen Analysekategorien werden, wenn sie also nicht mehr nur Objekt von Erkenntnis bleiben, sondern selbst zum Erkenntnismittel und -medium werden. Jegliche turns, von denen gegenwärtig und künftig die Rede ist, wären auf dieses Kriterium hin zu überprüfen – um sich eben nicht vom Wende-Strudel mitreißen zu lassen und jede neue Forschungskurve auch gleich für einen neuen turn halten zu müssen: sei es ein „ethical turn”, ein „forensic turn”, „emotional turn”, „imperial turn”, „practical turn” – ganz zu schweigen von den vielen weiteren turn-Anwärtern, die schon in den Startlöchern stehen.

Im Spektrum der „cultural turns” – das Beispiel des „spatial turn”

Bedingung für einen turn ist also unbedingt ein epistemologischer Sprung: ein Umschlagen von Forschungsgegenständen hin zu neuartigen Analysekategorien. So geht es im interpretive turn nicht etwa darum, Texte zu interpretieren, sondern mit Text als Analysekategorie kulturelle Bedeutungszusammenhänge zu erschließen: „Kultur als Text”.[9] Gerade die Ethnologie hat hier darauf gedrungen, die kulturellen Selbstdeutungsdimensionen ernst zu nehmen. Daraus entwickelte sich in der Geschichtswissenschaft, vor allem in der Historischen Anthropologie, Lokal- und Mikrogeschichte, ein Perspektivenwechsel hin zu den Selbstdeutungen der historischen Subjekte. Die in der Vorstellung von „Kultur als Text” ausgeblendeten Dimensionen kehren im performative turn zurück: Materialität, Kulturdynamik, Situationsbedingungen und dialogische Austauschprozesse, Körperlichkeit, Ritualisierungen und Transgressionen. Auch hier geht es nicht nur darum, Rituale als solche zu analysieren, sondern diese als Analysekategorien zu nutzen, mit denen die Inszenierungsseite des sozialen und politischen Handelns überhaupt erkennbar wird. Performativität öffnet die Augen für die symbolische Wirkungsmacht von Darstellung, Ausdruck und Aufführung in historischen Prozessen: für die Herausbildung und Inszenierung von Geschlechtsrollen (vgl. Judith Butler), für die Neubewertung von gestischer, ritueller und symbolischer Kommunikation, für die Macht und Mehrdeutigkeit historischer Zeichenhaftigkeit.[10]

Auch der iconic turn oder pictorial turn seit Mitte der 1990er-Jahre bricht die Verengung auf verbalsprachliche Erkenntnismittel auf. Auch hier geht es nicht um ein Erkennen von Bildern als Objekten der Anschauung, sondern um ein Erkennen durch Bilder, nicht darum, Bilder zu verstehen, sondern die Welt in Bildern zu verstehen. Auch hier also lässt sich erst dann von einem turn sprechen, wenn die Gegenstandsebene gewissermaßen umkippt auf die Ebene der methodischen Einstellungen: Bilder sind in einer solchen Sicht nicht nur Untersuchungsgegenstand oder bloße historische Quellen. Sie sind vielmehr eigenständige Erkenntnismedien: als unbewusste „innere Bildwelten” in ihrer historischen Wirkungsmacht von „Geschichtszeichen”,[11] als „Bildakte” (Horst Bredekamp), die historische Prozesse auslösen, oder als „visuelle Spuren” scheinbar unvorstellbarer historischer Erfahrungen von Trauma, Krieg und Holocaust[12]. Bildlichkeit wird jedenfalls zu einer eigenständigen Analysekategorie, die nicht zuletzt zum neuen geschichtswissenschaftlichen Forschungszweig der Visual History führt.

Die erste kulturwissenschaftliche Neuausrichtung, die ihr Problem- und Methoden-Tableau von vornherein jenseits europäischer Horizonte verortet, und zwar in einem weltgeschichtlichen Bezugsrahmen asymmetrischer Machtverhältnisse, ist der postcolonial turn. Aus der postkolonialen Situation heraus werden Analysekategorien entwickelt, welche die Universalisierungsansprüche westlicher Wissenschaft ebenso in Frage stellen wie die Fortschrittsgeschichte des westlichen Historismus. Dass nicht-europäische Kulturen aus dem Gang der Geschichte herausgehalten wurden, dass jahrhundertelang von „Völkern ohne Geschichte” die Rede war und dabei die Zeitgenossenschaft von europäischen und außereuropäischen Kulturen geleugnet wurde – darauf lenkt der postcolonial turn seinen kritischen Blick.[13] Aber auch hier findet ein Umschlag auf eine erkenntniskritische Ebene statt. Nicht die historische Phase der Dekolonisierung steht im Vordergrund, sondern eine Diskurskritik, die Machtasymmetrien überhaupt aufdeckt und die eurozentrische Wissensordnung insgesamt aus ihren Universalisierungen, Essentialisierungen und dichotomischen Wahrnehmungsmustern heraus dekonstruiert. An dieser Stelle wären Berührungspunkte mit einem gender turn möglich, wie er besonders von Seiten der Geschichtswissenschaft gefordert worden ist.[14] Doch die Geschlechterperspektive auf eine eigene Theoriewende gleichsam einzuhegen, ist problematisch, wenn man voraussetzt, dass sie die Kulturwissenschaften quer durch alle Wenden durchkreuzt. Die Genderperspektive geht jeglichen Änderungen des Forschungsfokus in gewisser Weise voraus. Nicht Raum, nicht Bild, nicht Performanz noch Ritual rütteln an der Erkenntnisordnung selbst, wohl aber Gender als eine Hauptachse der gesellschaftlichen und sozialen Tiefenstrukturen, aus denen sich die kulturelle Ordnung des Wissenssystems überhaupt erst herausbildet.

Ein solches Ansetzen an den Tiefenstrukturen der Wissensordnung fordern die Genderperspektive, der postcolonial turn, aber auch der translational turn. Was dabei erfasst wird, sind die eigenen Untersuchungsbegriffe selbst sowie ihre Universalisierungen: Zeit, Geschichte, Gesellschaft, Arbeit, Modernisierung, Entwicklung usw. Schließlich kann gerade für eine Geschichtswissenschaft mit transnationalem Anspruch wohl kaum mehr eine Überzeugung genügen, an der Jürgen Osterhammel noch festhält: „Die Möglichkeit des transkulturellen Vergleichs beruht auf der universalen Einheit der modernen Geschichtswissenschaft. Der methodologischen und methodischen Universalität der modernen Geschichtswissenschaft entspricht ein homogener Referenzraum über Epochen und Kulturen hinweg.”[15] Angesichts der weltweiten Asymmetrien auch auf der Ebene der Wissenschaftssysteme ist dagegen ein kritisches Differenzbewusstsein gefordert, wie es die Analysekategorie der Übersetzung – weit über Sprach- und Textübersetzung hinaus – zur Geltung bringt: Als Praxis einer „cross-categorical translation”, wie sie Dipesh Chakrabarty vorschlägt,[16] setzt sie – mit Blick auf nicht-europäische Kategorisierungen – eurozentrische universale Bezugsgrößen des Kulturenvergleichs außer Kraft. Auf der Ebene einer „cross-cultural translation” wiederum richtet sie verstärkte Aufmerksamkeit auf Übergänge, Vermittlungsprozesse, Ebenenwechsel und Brechungen im Kulturenkontakt. Damit ließen sich transnationale Beziehungsgeschichten konkreter untersuchen, statt nur – wie wiederum Osterhammel – auf globalgeschichtliche Untersuchungskomplexe wie Migration, Warenverkehr, Eroberungen, Wissenstransfer zu verweisen.[17] Denn die translatorische Untersuchungslinse gibt auch in solchen Zusammenhängen weit mikroskopischer Aufschluss über die einzelnen Übertragungsschritte, Brechungen und Vermittlungsvorgänge. Dies gilt auch für die viel diskutierten „entangled histories”,[18] die sich an übersetzungsträchtigen Interaktionsbeziehungen nachweisen lassen.

Schon allein solche Kontaktzonen bereiten das Feld für einen spatial turn. Wenn dieser hier besonders herausgehoben wird, dann nicht etwa, weil er der wichtigste wäre, sondern weil sich an ihm die Mechanismen von turns überhaupt erhellen lassen: Bereits die Figur der „Wende” ist ja eine räumliche Metapher. Mit ihr lässt sich die Konstellation der cultural turns selbst geradezu kartieren. So verkörpert ihr Nebeneinander gleichsam einen spatial turn der kulturwissenschaftlichen Theorieentwicklung selbst – womit sich auch diese den Fallstricken von Evolutionismus, Entwicklung und Fortschrittsannahmen entwindet.

Am folgenreichsten für kulturwissenschaftliches Arbeiten ist allerdings die Herausbildung eines veränderten Raumverständnisses. Abgelöst wird die traditionelle Container-Vorstellung von Raum als Behälter von Traditionen, von kultureller Identität oder gar Heimat. Stattdessen gilt Raum nun als Gestaltungsfaktor sozialer Beziehungen, Unterschiede und Vernetzungen, als vielschichtiges oft widersprüchliches Ergebnis von Verortungen, Raumansprüchen, Ab- und Ausgrenzungen. Die interdisziplinäre Ausarbeitung dieses relationalen Raumkonzepts erstreckt sich bis hin zu raumbezogenem Denken, das in der Geschichtswissenschaft etwa mit der methodischen Einstellung einhergeht, „to spatialize the historical narrative” (Edward Soja). Solche Verräumlichung, welche die historisch-chronologischen Gewohnheiten durchkreuzt, zeigt sich besonders in einem Neuverständnis von Grenze als einer weitreichenden Analysekategorie: im Sinn einer Aushandlungszone, eines mental mapping (von der Erfindung Osteuropas bis hin zum Orientalismus), eines border thinking oder eines Denkens an den Rändern und von den Rändern her. Marginalisierungen, Kontaktzonen, Übergänge, Grenzverhältnisse und Zwischenräume werden hier zu produktiven Räumen aufgewertet und für dezentrierende Untersuchungseinstellungen genutzt. Zudem lassen sich damit holistische Kulturvorstellungen aufbrechen, indem man innerkulturelle Widersprüchlichkeiten, Gegendiskurse, Ausgrenzungen und Traditionsbrüche ebenso ans Licht bringt wie eine „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen”[19].

Die Analyse solcher Vielschichtigkeiten und Verwerfungen geht einher mit einem „shift” hin zu einer räumlichen Revision des Kulturbegriffs. Mit ihr wird die Forschungspraxis noch in anderer Hinsicht verändert: Eine Kulturanalyse unter derart räumlichem Vorzeichen erschüttert die weit verbreitete zeichenfixierte, ja konstruktivistische Verengung der Wirklichkeitswahrnehmung. So betont wiederum Karl Schlögel – mit Anspielung auf 9/11: „Wir sind daran erinnert worden, dass es Örter gibt: Örter, also nicht bloß Symbole, Zeichen, Repräsentationen von etwas. Örter: Städte, die getroffen werden können, Türme, die zum Einsturz gebracht werden können. Wir sind durch alle kulturellen Vermittlungen hindurch daran erinnert worden, dass nicht alles Zeichen, Symbol, Simulacrum, Text ist, sondern Stoff, Materie, Baumaterial, von dem man erschlagen werden kann.”[20] Der spatial turn erweist sich eben auch als ein material turn, als Rückgewinnung von Materialität, und damit von sich aus schon als re-turn zu lebensweltlicher Erfahrung – im Unterschied zu einem übersteigerten Konstruktivismus im Gefolge des linguistic turn.

Aber auch ein solcher material re-turn fällt nicht etwa zurück hinter das neue, raumbezogene Analysevokabular: Marginalität, Ränder, Grenze, Location of Culture, Deterritorialisierung, Zentrum-Peripherie, Mapping. Ein solches Analysevokabular bleibt vielmehr unverzichtbar, zumal es ermöglicht, die Raumkategorie für die Analyse weiterer, vor allem auch wissenschaftstheoretischer und wissenschaftshistorischer Problemfelder zu nutzen: So erscheint Raum als das passende „epistemologische Modell”[21] für eine dezentrierte, vernetzte, auch theorievernetzte Welt – in diesem Sinn auch als ein „Produktionsprinzip” der kulturwissenschaftlichen Forschung selbst. Schließlich wird die postmoderne Ablehnung der großen Erzählungen von Technologie, Fortschritt und Geschichtsphilosophie gleichsam hineinübersetzt in nicht-hegemoniale Vorstellungen eines räumlichen Nebeneinanders von Theorien, die sich ausdrücklich in den Zwischenräumen „zwischen” Disziplinen und Kulturen bewegen.

Übersetzungsdynamik durch turns und re-turns

Welche Dynamik der Kulturwissenschaften wird hier eigentlich zugrunde gelegt? Ist es wirklich eine Innovationsdynamik durch eine Kette von turns? Es gäbe Anzeichen dafür, dass eine andere Entwicklungsspannung Platz greifen könnte, sofern man sich nicht auf ein glattes Innovationsmuster fixiert, sondern eher einem vermittlungsbetonten Forschungsmodell Raum gibt: der Übersetzung.

Turns – so kann man es auch sehen – sind Vehikel für ein neues Verständnis von Kulturwissenschaften als Übersetzungswissenschaften.[22] Bevor immer wieder nach weiteren turns Ausschau gehalten wird, wären die bisherigen erst einmal auf ihre Übersetzungsanstöße hin zu befragen. Inwieweit geben sie selbst Übersetzungsimpulse in ganz andere Gegenstandsbereiche hinein und machen damit komplexe transdisziplinäre und transkulturelle Forschungszusammenhänge auf ihre Nahtstellen der Vermittlung und der Intervention hin genauer zugänglich? Dieses Potenzial der cultural turns als unverzichtbare Übersetzungsschienen der Kulturwissenschaften wird aber erst deutlich, wenn man in den Theoriewenden nicht nur Innovationsbeschleuniger des Wissenschaftsbetriebs sieht. Eher wären sie als systematische Gelenkstellen ernst zu nehmen, die Disziplinen, aber auch Kulturen auf Vermittlungs- und Umdeutungsprozesse hin offen halten, die re-turns zu disziplinärem Arbeiten leisten und auf ihre gesellschaftliche Rückverortung hinwirken.

Die hier angedeutete Übersetzungsdynamik der cultural turns insgesamt lässt sich wiederum am Beispiel des spatial turn veranschaulichen: Der Fokus auf Raum, der sich zunächst auf ein neues Gegenstandsfeld bezieht, entwickelt ein relationales statt territoriales Raumverständnis. Dieses führt dann zu Raum als Analysekategorie bis hin zu spatial thinking. Hier jedoch stößt man auf das bisher noch viel zu wenig erkannte re-turn-Potenzial des spatial turn: auf seine Übersetzungsfunktion der Räumlichkeitsperspektive in ganz andere Gegenstandsbereiche hinein. Da wäre etwa das Beispiel einer räumlichen Übersetzung von Menschenrechten. An ihm kann gezeigt werden, wie sich der Forschungshorizont nicht nur des spatial turn, sondern der turns überhaupt erweitern und zugleich vertiefen lassen könnte: Menschenrechte – dies hat der Raumdenker Edward Soja jüngst an urbanen Prozessen vor Augen geführt – müssen nicht nur abstrakte Forderung bleiben. Sie können aus dem Blickwinkel stadträumlicher Rechte oder gar sozialer Bewegungen als konkrete Forderungen einer „spatial justice” re-formuliert werden: „In perhaps the strongest and most successful extension of the Spatial Turn into political practice, the notion of rights to the city, concretizing calls for universal human rights by embedding them in specifically urban spatial contexts and causalities, has been mobilizing multi-scalar political movements.”[23] Turns erweisen sich nicht nur in diesem Fall als wichtige Gelenkstellen, die eine Übersetzung aus der theoretisch-analytischen Sphäre in die gesellschaftliche Handlungswelt, ja in soziale und politische Bewegungen hinein überhaupt erst ermöglichen.

Es ist offensichtlich an der Zeit, von den Wenden aus nicht immer noch weitere Wendungen zu vollziehen. Wie man sieht, legen die turns selbst Ansatzpunkte zu wirkungsvollen re-turns nahe. Richtungweisend sind auch Ansätze, die kulturwissenschaftliche Theoriearbeit neu zu definieren, und zwar über ein Selbstverständnis, das sich verstärkt an gesellschaftlichen, historischen, sozialen und materiellen „Lebensvollzügen” orientiert. Dies wäre für den Kulturwissenschaftler Lutz Musner ein unverzichtbarer Gegenzug zum konstruktivistischen Weiterschrauben von cultural turns: „Angesichts der aktuellen Krise von Wirtschaft und Gesellschaft stellt sich mehr denn je die Frage, wie die Kulturwissenschaften sich wieder dem Sozialen und den materiellen Grundlagen menschlicher Ausdrucksformen zuwenden können, ohne die Erkenntnisgewinne von Semiotik, Medientheorie, Gendertheorie und Diskursanalyse mit dem Gestus eines naiven material turn zu entsorgen.”[24] Also nicht nur zurückrudern (z.B. in die sicheren Häfen der Geisteswissenschaften), sondern re-turns vollziehen! Genau in diesem Sinn könnten also von den turns aus neue konzeptuelle Angelpunkte gefunden werden, mit denen die Kulturwissenschaften insgesamt nicht länger einem mittlerweile selbstbezüglich gewordenen Universum von Texten, Zeichen, Kodierungen ausgesetzt bleiben müssen – die sich letztlich in bloßen Theoriekonstellationen niederschlagen. Weit fruchtbarer könnte ein Neuverständnis der Kulturwissenschaften als grenzüberschreitende Übersetzungswissenschaften werden. Hierfür haben die cultural turns mit ihren deutlichen Überschreitungsversuchen des linguistic turn von Anfang an den Weg gebahnt: für einen re-turn, eine Rückübersetzung in die Disziplinen, aber auch in gesellschaftliche Problemlagen hinein.

Re-turns – disziplinäre und gesellschaftliche Rückverortungen

Gegenwärtig befinden wir uns wohl kaum mehr in der Phase einer enthusiastischen „Anwendung” und Neuschöpfung von turns – eher in der Phase ihrer kritischen „Übersetzung”. Dazu gehört eine konstruktive Kritik der jeweiligen turns, jedenfalls der Versuch, nicht einfach auf jeden Trend-Zug zu springen, sondern die Theoriewenden stärker als bisher auf ihre erkenntnis- und forschungspraktische Umsetzbarkeit hin zu prüfen. Dazu gehört aber auch, sie im Gesamtsystem der Kulturwissenschaften zu positionieren und ihr Mitwirken an einer Transformation der kulturwissenschaftlichen Disziplinen selbst in den Blick zu nehmen. Sind die Kulturwissenschaften mittlerweile zum Mainstream-Theorie-Sammelbecken für eine vernetzte, neoliberale Wissenschaftslandschaft geworden – schon allein deshalb, weil sie in räumlichen Konstellationen und Koexistenzen von Disziplinen und Theorien zirkulieren und damit längst nicht mehr an Fortschritts- oder Emanzipationserzählungen teilhaben? Könnte die unübersehbare Tendenz zur Verselbständigung von Theorien aufgehalten werden? Ein erster Schritt wäre sicherlich, zu verhindern, dass sich die Positionen der turns von ihren historischen, gesellschaftlichen und – nicht zu vergessen – disziplinären Entstehungs- und Erkenntnisorten lösen und als frei flottierende Andockstellen in den Hafenbecken der Disziplinen herumschwimmen. Diese Verselbständigungsgefahr ist doch im Grunde der entscheidende Kritikpunkt an turns, Trends und Modetheorien, weit mehr als deren Flüchtigkeit. Die turns wären also noch stärker rückzuverorten in den empirischen Forschungen der Einzeldisziplinen.

Dabei freilich übersehen die Kritiker der turns, dass diese ja keineswegs in einem luftleeren interdisziplinären Zwischenraum ausgebildet werden und sich erst dann zu einem re-turn in die Disziplinen aufmachen. Im Gegenteil, ihr Erkenntnisort liegt durchaus in den Disziplinen selbst, zumeist ausgehend von einer „Leit”- oder besser gesagt: „Impuls”-Disziplin. Von dort aus reisen sie überhaupt erst durch die anderen Fächer, bevor sie dann in die Ursprungsdisziplin – zumeist verändert – zurückkehren. Bestes Beispiel ist auch hier wieder der spatial turn mit seinem Raumkonzept. Es stammt zunächst aus der Kulturgeografie, wird dort aber erst dann wieder-entdeckt, nachdem die anderen Disziplinen einen spatial turn mitgemacht haben – durch diesen Umweg allerdings verändert und epistemologisch geschärft. Somit handelt es sich streng genommen gar nicht um einen re-turn in feste Disziplinen. Denn ein solcher kann nur funktionieren, wenn die Disziplinen selbst verändert und aufgebrochen werden – durchaus hin zu neuen disziplinären Formationen (wie Visual Culture Studies), zu „Schattendisziplinen” wie Film Studies, Ethnic Studies usw., zu „emerging fields” oder zu „topics that link existing disciplines”[25]. Disziplinäre re-turns können also bewirken, dass Disziplinen selbst Wendungen erfahren, auch indem sie miteinander verflochten werden: „The fate of the disciplines is to be dislocated and twisted”[26] – wie es der Theoretiker des iconic turn, William Mitchell, ausdrückt. Turns tragen dazu bei, dass sich Disziplinen nicht mehr als in sich geschlossen wahrnehmen müssen, gleichsam wie „Nationalstaaten” der akademischen Welt. Was sich also abzeichnet, ist im Grunde ein „turn” der Disziplinen selbst, eine „explosion or implosion of a disciplinary regime”,[27] ein displacement etablierter und von Disziplinen verwalteter Diskurse. Hierzu allerdings gibt es durchaus amerikanische Parallelen: „The disaggregation of disciplines brought humanities into new importance as they broke away, bled, or blurred into other disciplines and sectors.”[28] Mit solchen disziplinären Verschiebungen geht die gezielte Herausforderung einher, aus der je eigenen disziplinären oder kulturellen Einbindung immer wieder herauszutreten in „shared territories”[29].

Was aber wären fruchtbare Brennpunkte oder gar Katalysatoren, an denen sich das Regime der cultural turns noch gezielter auf re-turns hin entfalten könnte? Auffällig ist gegenwärtig der Versuch, im Feld der Kulturwissenschaften Referentialität zurückzugewinnen. Die scharfe Linse des spatial turn rückt auch hier entsprechende Anstöße für Rückübersetzungen in den Fokus: 9/11, der Zusammenbruch der Twin Towers mit seiner Zerstörung Tausender von Menschenleben und nicht zuletzt der war on terror haben die Raumwende mit politischer und existenzieller Brisanz aufgeladen. Damit haben sie auch die Grenzen der Darstellbarkeit solcher Extremerfahrungen in Kunst und Medien ebenso unmittelbar erfahrbar gemacht wie die Grenzen ihrer kulturwissenschaftlichen Beschreibbarkeit und Analyse. Schon von daher haben diese politischen Ereignisse und Einschnitte auch einen Umbruchprozess in den Kulturwissenschaften ausgelöst – mit deutlichen Konsequenzen für das kulturwissenschaftliche Theorieverständnis. Die Folgen zeigen sich in einem immer weiter voranschreitenden Zusammenbrechen des Konstruktivismus, der schließlich die wichtigen Fragen von Ethik und Verantwortung viel zu lange ausgeblendet hat. Cultural turns können auch hier neue Referenzrahmen schaffen, indem sie ihre kritische Weiterentfaltung des linguistic turn nutzen, um eben nicht rückzusteuern zu einem naiven Wirklichkeitsbezug – so als hätten wir den linguistic turn, Poststrukturalismus und Dekonstruktivismus gar nicht durchlaufen. Hier geht es eher darum, einer anderen Art von Referentialität Geltung zu verschaffen – einer, die nicht nur hermeneutisch in Sinn- und Bedeutungskernen verkapselt bleibt, sondern die Oberfläche selbst einbezieht, auf der sie überhaupt erst sichtbar wird: als Evidenz, als Präsenz, als Artikulation von Dinglichkeit und Materialität.

Diese Entwicklung mag noch zu weiteren turns führen – wohl eher aber zu einem turn der Kulturwissenschaften insgesamt: zur Abkehr von ihrer Fixierung auf Textualität und Konstruktivismus, zu neuer Aufmerksamkeit auf die Übersetzbarkeit des Kulturellen ins Materielle, ins Ökonomische, ins Soziale und Politische. Der größte Impuls hierfür wäre freilich eine Neukonzeptualisierung der Kulturwissenschaften selbst, und zwar als Übersetzungswissenschaften. Es ist zu erwarten, dass sich damit der noch andauernde Umbruch in der Kultur-Wissenschaftslandschaft besonders gut (analytisch) beschreiben und zugleich (methodisch) betreiben ließe.

Anmerkungen

  1. Vgl. – namensgebend – Richard M. Rorty (Hrsg.), The Linguistic Turn. Essays in Philosophical Method. With Two Retrospective Essays, Chicago 1992 (1. Aufl. 1967) – zu den Auswirkungen auf die Geschichtswissenschaft vgl. besonders Hayden White, Auch Klio dichtet oder Die Fiktion des Faktischen. Studien zur Tropologie des historischen Diskurses, Stuttgart 1986; u.a. Elizabeth A. Clark, History, Theory, Text. Historians and the Linguistic Turn, Cambridge, Mass. 2004; Gabrielle M. Spiegel, Practicing History. New Directions in Historical Writing after the Linguistic Turn, New York 2005.
  2. Belege für eine derartige Rezeption finden sich im neuen Nachwort von Doris Bachmann-Medick, Cultural Turns. Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften, Reinbek ³2009 (1. Aufl. 2006), S. 407-416, hier S. 408 f. und S. 414.
  3. Vgl. Karl Schlögel, Im Raume lesen wir die Zeit. Über Zivilisationsgeschichte und Geopolitik, München 2003, bes. S. 61 f.
  4. Pierre Bourdieu, Haute Couture und Haute Culture, in: ders., Soziologische Fragen, Frankfurt a. M. 1993, S. 187-196, hier S. 188.
  5. Vgl. Andreas Reckwitz, Die Transformation der Kulturtheorien. Zur Entwicklung eines Theorieprogramms. Studienausgabe, Weilerswist 2006 (1. Aufl. 2000).
  6. Zum Verhältnis von Kulturwissenschaften und Paradigmen vgl. Ansgar Nünning, Das Paradigma der Kulturwissenschaften? Elemente ihrer Weltbilder und Ausblick auf ihre Aufgaben, in: Emil Brix/Gottfried Magerl (Hrsg.), Weltbilder in den Wissenschaften, Wien 2005, S. 147-178.
  7. Vgl. Hartmut Böhme: Vom „turn“ zum „vertigo“. Wohin drehen sich die Kulturwissenschaften? Rezension zu Bachmann-Medick, Cultural Turns, in: Journal of Literary Theory online, http://www.jltonline.de/index.php/reviews/article/view/26/178 (10.03.2010); in den USA ist eine turn-Diskussion allerdings erst im Entstehen, zum spatial turn etwa vgl. Barney Warf/Santa Arias (Hrsg.), The Spatial Turn. Interdisciplinary Perspectives, New York 2008.
  8. Heinz Dieter Kittsteiner, „Iconic Turn“ und „innere Bilder“ in der Kulturgeschichte, in: ders. (Hrsg.), Was sind Kulturwissenschaften? 13 Antworten, München 2004, S. 153-182, hier S. 164.
  9. Zur Vorstellung von „Kultur als Text“ vgl. Clifford Geertz, „Deep Play“ – Bemerkungen zum balinesischen Hahnenkampf, in: ders., Dichte Beschreibung. Beiträge zum Verstehen kultureller Systeme, Frankfurt a. M. 1983, S. 202-260, hier S. 253 ff.; zur Textmetapher vgl. Doris Bachmann-Medick (Hrsg.), Kultur als Text. Die kulturanthropologische Wende in der Literaturwissenschaft, Tübingen ²2004, insbesondere die Kritik im Nachwort „Textualität in den Kultur- und Literaturwissenschaften: Grenzen und Herausforderungen“, S. 298-338.
  10. Vgl. Jürgen Martschukat/Steffen Patzold (Hrsg.), Geschichtswissenschaft und „performative turn“. Ritual, Inszenierung und Performanz vom Mittelalter bis zur Neuzeit, Köln 2003.
  11. Vgl. Heinz Dieter Kittsteiner, „Iconic Turn“ und „innere Bilder“, S. 165 ff.
  12. Vgl. besonders Georges Didi-Huberman, Bilder trotz allem, München 2007.
  13. Vgl. Reinhard Blänkner, Historische Kulturwissenschaften im Zeichen der Globalisierung, in: Historische Anthropologie 16 (2008), H. 3, S. 341-372, bes. S. 357 ff.
  14. Vgl. die Debatte zu „cultural turns“ mit Beiträgen von Christoph Conrad, Hanna Hacker, Barbara Lüthi und Elisabeth Timm, in: L’Homme. Europäische Zeitschrift für feministische Geschichtswissenschaft 18 (2007), H. 2, S. 123-138; und die Replik dazu: Doris Bachmann-Medick, „Diebin in der Nacht“ – Gender diesseits oder jenseits kulturwissenschaftlicher turns? Fragen und Antworten in einer kontroversen Debatte, in: L’Homme 19 (2008), H. 1, S. 131-142.
  15. Jürgen Osterhammel, Transkulturell vergleichende Geschichtswissenschaft, in: ders., Geschichtswissenschaft jenseits des Nationalstaats. Studien zu Beziehungsgeschichte und Zivilisationsvergleich, Göttingen 2001, S. 11-45, hier S. 41.
  16. Vgl. Dipesh Chakrabarty, Two Models of Translation, in: ders., Provincializing Europe. Postcolonial Thought and Historical Difference, Princeton 2000, S. 83-86, hier S. 83.
  17. Vgl. Osterhammel, Transkulturell vergleichende Geschichtswissenschaft, S. 40.
  18. Vgl. zu diesem Konzept Shalini Randeria, Geteilte Geschichten und verwobene Moderne, in: Jörn Rüsen u.a. (Hrsg.), Zukunftsentwürfe. Ideen für eine Kultur der Veränderung, Frankfurt a. M. 1999, S. 87-96; Sebastian Conrad/Shalini Randeria, Einleitung: Geteilte Geschichten – Europa in einer postkolonialen Welt, in: dies. (Hrsg.), Jenseits des Eurozentrismus. Postkoloniale Perspektiven in den Geschichts- und Kulturwissenschaften, Frankfurt a. M. 2002, S. 9-49, hier S. 17 ff.
  19. Vgl. z.B. Michael Borgolte, Christen und Juden im Disput. Mittelalterliche Religionsgespräche im „spatial turn“, in: Historische Zeitschrift 286 (2008), H. 2, S. 359-402, hier S. 359.
  20. Karl Schlögel, Kartenlesen, Augenarbeit. Über die Fälligkeit des spatial turn in den Geschichts- und Kulturwissenschaften, in: Kittsteiner (Hrsg.), Was sind Kulturwissenschaften?, S. 261-283, hier S. 262.
  21. Gérard Raulet, Kulturwissenschaften und politische Öffentlichkeit. Ralf Konersmann im Gespräch mit Gérard Raulet, in: Zeitschrift für Kulturphilosophie 3 (2009), H. 1, S. 65-90, hier S. 76.
  22. Nähere Ausführungen hierzu: Bachmann-Medick, Cultural Turns, neues Nachwort zur 3., neu bearb. Aufl., S. 407 ff.
  23. Edward W. Soja, Taking Space Personally, in: Warf/Arias (Hrsg.), The Spatial Turn, S. 11-35, hier S. 32.
  24. Lutz Musner, A Whole Way of Life, http://www.ifk.ac.at/aktuell.php?e=63 (10.03.2010); vgl. auch Wolfgang Maderthaner/Lutz Musner, Die Selbstabschaffung der Vernunft. Die Kulturwissenschaften und die Krise des Sozialen, Wien 2007, S. 29: „Eine solcherart auf das Symbolische reduzierte Betrachtungsweise unternahm die Entsorgung des Sozialen, verstand Kultur als ein gegenüber Fremdbezügen völlig autonomes, selbstbezügliches Verfahren der Zeichensetzung […].“
  25. W.J.T. Mitchell, Art, Fate, and the Disciplines: Some Indicators, in: Critical Inquiry 35 (2009), No. 4 (Special Issue: The Fate of the Disciplines), S. 1023-1031, hier S. 1028.
  26. Ebd., S. 1028.
  27. Ebd., S. 1028.
  28. Julie Thompson Klein, Humanities, Culture, and Interdisciplinarity. The Changing American Academy, Albany 2005, S. 39.
  29. Ebd., S. 39.

Empfohlene Literatur zum Thema

Doris Bachmann-Medick, Cultural Turns: New Orientations in the Study of Culture, de Gruyter, Berlin/Boston 2016.

Doris Bachmann-Medick, The Translational Turn, in: Doris Bachmann-Medick (Hrsg.), Translation Studies, Special Issue. Vol. 2, Nr. 1, Routledge, London 2009, ISSN 1478-1700, S. 2-16.

Jörg Döring, Tristan Thielmann (Hrsg.), Spatial Turn. Das Raumparadigma in den Kultur- und Sozialwissenschaften, 2. Auflage. transcript, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-89942-683-0.

Andreas Gipper, Susanne Klengel (Hrsg.), Kultur, Übersetzung, Lebenswelten. Zu aktuellen Paradigmen der Kulturwissenschaften, Königshausen & Neumann, Würzburg 2008, ISBN 978-3826034527.

Lynn Hunt, Kulturgeschichte ohne Paradigmen?, in: Historische Anthropologie. 16, Nr. 3, Böhlau, Köln 2008, ISSN 0942-8704, S. 323-340.

Heinz Dieter Kittsteiner (Hrsg.), Was sind Kulturwissenschaften? 13 Antworten, Fink, München 2004, ISBN 978-3770539475.

Jürgen Martschukat, Steffen Patzold (Hrsg.), Geschichtswissenschaft und "performative turn". Ritual, Inszenierung und Performanz vom Mittelalter bis zur Neuzeit, Böhlau, Köln 2003, ISBN 9783412072032.

Barney Warf, Santa Arias (Hrsg.), The spatial turn: interdisciplinary perspectives, Routledge, London 2009, ISBN 978-0-415-77573-1.

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Doris Bachmann-Medick, Cultural Turns: New Orientations in the Study of Culture, de Gruyter, Berlin/Boston 2016.

Doris Bachmann-Medick, The Translational Turn, in: Doris Bachmann-Medick (Hrsg.), Translation Studies, Special Issue. Vol. 2, Nr. 1, Routledge, London 2009, ISSN 1478-1700, S. 2-16.

Jörg Döring, Tristan Thielmann (Hrsg.), Spatial Turn. Das Raumparadigma in den Kultur- und Sozialwissenschaften, 2. Auflage. transcript, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-89942-683-0.

Andreas Gipper, Susanne Klengel (Hrsg.), Kultur, Übersetzung, Lebenswelten. Zu aktuellen Paradigmen der Kulturwissenschaften, Königshausen & Neumann, Würzburg 2008, ISBN 978-3826034527.

Lynn Hunt, Kulturgeschichte ohne Paradigmen?, in: Historische Anthropologie. 16, Nr. 3, Böhlau, Köln 2008, ISSN 0942-8704, S. 323-340.











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