Knoch gedenkstaetten v1 de 2018

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Gedenkstätten
An einem historischen Ort staatlicher, terroristischer oder katastrophenbedingter Gewalt erfüllen Gedenkstätten mit ihren materiellen Hinterlassenschaften eine Vielfalt an Aufgaben, womit sie zu mehrschichtigen, multifunktionalen und polyvalenten Einrichtungen des Trauerns, Gedenkens, Erhaltens, Sammelns, Forschens und Vermittelns werden. In diesem Sinne begreift Habbo Knoch Gedenkstätten als kulturelle Artefakte, die sowohl Überreste historischer Geschehnisse beinhalten als auch mehrdeutige Manifestationen politischer und gesellschaftlicher Diskurse verkörpern – und analysiert sie als „Palimpseste“ geschichtspolitischer und erinnerungskultureller Prozesse.
Gedenkstätten

von Habbo Knoch

Begriff

Unter einer „Gedenkstätte“ wird heute in einem weiteren Sinne eine (zumeist staatliche oder staatlich geförderte) Einrichtung an einem historischen Ort staatlicher, terroristischer oder katastrophenbedingter Gewalt verstanden, deren primäre Aufgabe es ist, an jene Menschen zu erinnern, die dort gelitten haben oder gestorben sind. Gedenkstätten im engeren Sinne erinnern an Orten vergangener staatlicher Massenverbrechen an deren Opfer. Vor allem die Betreuung von Überlebenden, die Sammlung und Bewahrung von Überresten und Zeugnissen sowie deren Erforschung und Vermittlung haben den Ausbau von Gedenkstätten zu einer festen Institution kultureller Deutungen und Praktiken befördert. Mit dem Schwinden der Überlebenden rückt ihre Funktion als wissenschaftlich fundierte Lernorte in den Vordergrund, die – zumindest in der Bundesrepublik – einen wichtigen normativen Baustein demokratischer Selbstverständigung und der Staatsräson bilden.[1]

Ihren Auftrag realisieren Gedenkstätten erstens durch den Erhalt baulicher und anderer dinglicher Überreste, zweitens durch die Anlage und Unterhaltung von sakralen Orten wie Friedhöfen, Grabstätten oder Denkmälern, drittens durch Angebote des Trauerns und des Austauschs für Überlebende und deren Angehörige sowie durch Formen des individuellen und kollektiven Gedenkens, viertens durch Sammlungen von Objekten, Dokumenten und Zeugnissen, fünftens durch Forschungsarbeiten, Dauerausstellungen und Informationsangebote auf dem historischen Gelände sowie sechstens durch Bildungsangebote, Publikationen und öffentliche Veranstaltungen.

Wegen dieser Vielfalt an Aufgaben und materiellen Hinterlassenschaften sind Gedenkstätten als mehrschichtige, multifunktionale und polyvalente Einrichtungen des Trauerns, Gedenkens, Erhaltens, Sammelns, Forschens und Vermittelns zu begreifen, die am historischen Ort ihren Besuchern sensorische, rituelle, emotionale und kognitive Zugänge zu dessen Geschichte, ihrem historischen Kontext und ihrer gegenwärtigen Bedeutung eröffnen. Als symbolische Scharnierzonen und kulturelle Deutungsangebote, die zwischen konkreten Tatorten und historischer Sinnbildung vermitteln und dabei geschichtspolitischen wie erinnerungskulturellen Konjunkturen unterliegen sowie diese mitgestalten, sind Gedenkstätten ebenso Verdichtungen hegemonialer, meist staatlicher Geschichtsdeutungen wie Ort und Ausdruck widerstreitender oder konkurrierender Erinnerungsnarrative.[2]

So manifestieren sich in ihnen unterschiedliche Deutungen vergangener Gewalt im Spannungsfeld von Geschichte, Gegenwart und Zukunft in Form baulicher und gestalterischer Überformungen des historischen Orts. Gedenkstätten beinhalten deshalb Tatorte, Friedhöfe, Mahnmale, Museen und Lernräume aus verschiedenen Epochen von ihrer ursprünglichen Nutzung bis in die Gegenwart. Sie sind vielschichtige kulturelle Artefakte, die sowohl Überreste historischer Geschehnisse beinhalten als auch mehrdeutige Manifestationen politischer und gesellschaftlicher Diskurse verkörpern.[3] Abhängig von Sinnstiftungsprozessen und Erinnerungspraktiken verändern sich Deutungen, Gestaltungen und Interpretationsangebote dieser Orte sowie ihre Bedeutungen für die Gegenwart. Das erfordert die Analyse von Gedenkstätten als „Palimpseste“ geschichtspolitischer und erinnerungskultureller Prozesse.[4]

Gedenkstätten entstehen nur, wenn sich Gesellschaften oder ihre verfassten Institutionen dazu entscheiden, dem Leiden an diesen Orten eine hinreichende Bedeutung beizumessen und dies durch Gestaltung, Ausstattung und Praxis zu bekräftigen.[5] Die historischen Orte werden dadurch im Sinne von Pierre Noras Definition der „lieux de mémoire“ zu „Kristallisationspunkten kollektiver Erinnerung und Identität“.[6] Allerdings sind Gedenkstätten in Abgrenzung zu dem auch nicht-räumlich und inflationär verwendeten Begriff des „Erinnerungsorts“ immer an den materiellen Ort eines historischen Geschehens und seine Überreste gebunden. Dies unterscheidet sie ebenso von Museen und zeithistorischen Ausstellungen, aber auch von Gedenkmuseen, die mit dem Opfergedenken einen ähnlichen Aufgabenkern verfolgen, aber nicht an einem historischen Tatort entstanden sind. Als Institutionen mit einer dauerhaften personellen, räumlichen und sachlichen Ausstattung und festen Angeboten für Besucherinnen und Besucher erfüllen Gedenkstätten mehr und andere Aufgaben als Mahnmale oder Gedenkzeichen, die sie aber auch zugleich sind oder einschließen.

Gedenkstätten als Ort der Erinnerung an Verbrechensopfer sind zwar mit wenigen Ausnahmen erst nach 1945 entstanden.[7] Aber sie stehen in einer langen Tradition als heilig betrachteter Orte, die der sozialen Gedächtnisbildung gedient haben.[8] Solche sakralen Orte des Gedenkens an besondere Verstorbene und Ereignisse zeugen von einem „menschlichen Grundbedürfnis“ nach ritualisierten Kontaktzonen mit Vergangenem.[9] Begegnungen mit Bauten, Symbolen und Überresten werden dabei oft reinigende und erlösende Wirkungen zugeschrieben.[10] Gerade frühe Gedenkstätten zur Erinnerung an die NS-Verbrechen in den Jahren nach 1945 waren durch eine sakrale Inszenierung der Asche von Ermordeten oder Überresten stark geprägt.[11] In diesem Sinne lassen sich Gedenkstätten ebenso wie Archive, Bibliotheken oder Denkmäler mit Nora durchaus als „flüchtige Heiligtümer in einer Gesellschaft der Entheiligung“ verstehen.[12] Sie werden oft als Orte einer heteronomen Vermittlung moralischer und politischer Botschaften wahrgenommen und deshalb von einigen mit Skepsis oder Ablehnung betrachtet. Gedenkstätten selbst wollen diesem Eindruck der Moralisierung durch eine diskursiv und dialogisch ausgerichtete Bildungsarbeit entgegenwirken. Dabei ist die Vermittlung einer „Authentizität“ des historischen Orts durch Objekte, Zeugnisse und Gestaltungsmaßnahmen von zentraler Bedeutung.

Im Spannungsverhältnis von Gedenken, Geschichtspolitik und Wissenschaft bilden Gedenkstätten institutionalisierte Rahmungen für die Wahrnehmung und Deutung materieller Ereignisorte. Sie werden immer durch imaginäre Repräsentationen ergänzt und teilweise überformt. So haben sich besondere symbolische Orte wie „Auschwitz“[13] als mediatisierte, normierte und ikonische Stellvertretungen der Verbrechen im öffentlichen Gedächtnis etabliert. Konkrete Tatkomplexe, Zeitpunkte und ihre geografische Lokalisierung werden dadurch oft nur verkürzt, verzerrt oder falsch wahrgenommen.[14] Trotz der Konkretisierungen und Differenzierungen durch die Arbeit von Gedenkstätten hinsichtlich der Dimensionen und Strukturen staatlicher Massengewalt verschwindet ihre komplexe Gesamtheit oft hinter einer problematischen Verdichtung auf wenige Orte und deren medial-symbolische Stellvertretungen.

Nachdem erste Gedenkstätten nach 1945 nur an wenigen historischen Orten entstanden und Ausdruck staatlicher Geschichtsdeutungen waren, ist seit den 1980er-Jahren die Landschaft der Gedenkstätten zur Erinnerung an die NS-Opfer ungleich dichter, vielfältiger, kontroverser und internationaler geworden.[15] In der Bundesrepublik werden inzwischen etwa 300 Einrichtungen als NS-Gedenkstätten gezählt, wobei längst nicht alle an historischen Tatorten im engeren Sinn bestehen.[16] Im Zuge der politischen Veränderungen nach 1989/90 sind zahlreiche Gedenkstätten und Gedenkmuseen hinzugekommen, die dem Unrecht der sozialistischen Regime gewidmet sind. Parallel hat sich die Gedenkstätte als eine zentrale Organisationsform des kulturellen Gedächtnisses globalisiert. Weltweit wurden nach dem Genozid in Ruanda oder Regimewechseln wie in Südafrika viele Orte vormals staatlicher Gewalt in Gedenkstätten umgewandelt.[17] Auch für länger zurückliegende staatliche Gewaltverbrechen – etwa im Zusammenhang mit Sklaverei und Kolonialismus – gibt es inzwischen vermehrt Gedenkstätten.

Der globalen Zunahme von Museen an zeithistorischen Gewaltorten hat Paul Williams mit dem Begriff „memorial museum“ Rechnung getragen.[18] Er wird allerdings auch für Museen verwendet, die sich nicht an Tatorten befinden. Für solche Einrichtungen zeichnet sich wiederum inzwischen international eine vermehrte Verwendung von „memorial“ (Denkmal) ab, selbst wenn alle anderen Kriterien einer Gedenkstätte erfüllt sind – so beim „9/11 Memorial“ in New York, dem „Kigali Genocide Memorial“ in Gisozi, Ruanda, oder der „Nanjing Massacre Memorial Hall“ in Nanjing, China. Andere Einrichtungen an historischen Orten mit Gedenkstättencharakter verzichten ganz auf Begriffe wie „Memorial“ oder „Gedenkstätte“ und bezeichnen sich als Museum, so das „Anne Frank Haus“ in Amsterdam, das „Tuol Sleng Genocide Museum“ in Phnom Penh oder das „Kilmainham Gaol Museum“ im ehemaligen Gefängnis irischer Rebellen in Dublin.

Hinzu kamen im selben Zeitraum neue Einrichtungen für Opfer von Terroranschlägen, Naturkatastrophen und technischen Unfällen.[19] In jüngerer Zeit entstandene Erinnerungsorte für Opfer von Katastrophen wie Zugunglücken oder Überschwemmungszerstörungen verwenden den Begriff „Gedenkstätte“, auch wenn dort keine Ausstellung oder Bildungsarbeit stattfindet – so für die Mahnmale zur Erinnerung an die Brandkatastrophe der Gletscherbahn Kaprun (2000) oder am Ort des ICE-Unglücks in Eschede (2001). Tourismusverbände nennen Sehenswürdigkeiten an historischen Orten „Gedenkstätte“, ebenso finden sich „virtuelle Gedenkstätten“ im Internet.

Längst nicht bei allen Einrichtungen, die unter dem Rubrum „Gedenkstätten“ wahrgenommen oder staatlich gefördert werden, liegt ein unmittelbarer und für ihre geschichtliche Funktion dominanter Bezug zu einem historischen Ort der Verfolgung vor. So schließt die Gedenkstättenförderung des Bundes auch Dokumentationszentren, Bildungseinrichtungen und Erinnerungsstätten wie die Topographie des Terrors, das Haus der Wannsee-Konferenz, das Deutsch-Russische Museum in Karlshorst oder die Wewelsburg bei Paderborn ein.[20] Seit einigen Jahren werden zudem durch den Bund in diesem Rahmen museale Einrichtungen an historischen Orten unterstützt, die nicht der Verfolgung, sondern Ausbildungs-, Macht- oder Repräsentationszwecken des Nationalsozialismus gedient haben, wie die ehemalige SS-Ordensburg Vogelsang oder das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg.[21]

In dieses immer größer werdende Spektrum reihen sich inzwischen sehr heterogene Orte ein, die – wie das „Memorium“ am Ort der Nürnberger Prozesse – weniger oder – wie das „Ehrenmal“ der Bundeswehr in Berlin – mehr umstritten sind.[22] Inzwischen findet der Begriff „Gedenkstätte“ auch vielfältig Verwendung für andere historische Gewaltereignisse, insbesondere im Zusammenhang mit Ereignisorten des Zweiten Weltkriegs, etwa die 2007 eingerichtete „Deutsch-Polnische Gedenkstätte für Flucht, Vertreibung und Neuanfang“ in der Gedenkkirche Rosow oder Orte wie Laboe, El Alamein oder die Seelower Höhen.[23] Ebenso bezeichnet der „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ die von ihm verwalteten Friedhöfe seit einigen Jahren als „Gedenkstätten“.[24] Die Konturen dessen, was eine Gedenkstätte ist und wie der Begriff verwendet wird, sind darüber unscharf geworden.


Geschichte

Vorläufer und Entstehung bis 1980

In der eingangs benannten Form haben sich Gedenkstätten erst nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt. Historische Stätten menschlichen Leidens, Friedhöfe, Denkmäler, Archive und Museen waren bis dahin in der Regel voneinander getrennt. Als „Gedenkstätte“ bezeichnet wurden allerdings bereits im 19. Jahrhundert im Zuge des bildungsbürgerlichen Kults um Bach, Goethe, Mozart oder Schiller (und deren Reliquien) entstandene personenbezogene Orte des Erinnerns.[25] Im Sinne solcher Gebrauchsformen definierte der „Brockhaus“ noch 1989 eine „Gedenkstätte“ als einen „Ort der Erinnerung an ein histor. Ereignis oder an einen bedeutenden Menschen“, bei dem es sich um einen Ort „z.B. einer Schlacht, einer besonderen Begegnung“ oder um Gebäude, Mahnmale, Grabstätten oder Inschriften handeln könne.[26]

Das Totengedächtnis an historischen Orten und dessen sakrale Aufladung im Zusammenhang mit Gewaltereignissen reicht jedoch weiter zurück als der Gebrauch des Begriffs „Gedenkstätte“. Bereits im Mittelalter berichteten Gelehrte über Reisen zu ehemaligen Schlachtfeldern, an denen zunächst ephemere Zeichen, bald auch „Beinhäuser“ oder „Schlachtkapellen“ mit menschlichen Schädeln und Knochen an die Kriegstoten erinnerten. Die ersten Erinnerungsorte für zivile Opfer einer Besatzungsmacht stammen aus der Zeit der Befreiungskriege: In Hamburg markierten drei zwischen 1814 und 1818 auf Initiative von Stadtbürgern entstandene Denkmäler jeweils Stätten, an denen aus dem Stadtkern vertriebene, zumeist arme Bewohner gestorben oder begraben waren.[27]

Der zu dieser Zeit einsetzende „republikanische Totenkult“ (Reinhart Koselleck) wertete den massenhaften Tod einfacher Soldaten zum Opfer für die eigene Nation auf.[28] Im Zuge der damit verbundenen Durchsetzung eines dauerhaften Ruherechts gefallener Soldaten waren aber nicht die historischen Orte, sondern abseits davon errichtete Ruhmeshallen, Gedenkkirchen und Gefallenenfriedhöfe neben repräsentativen Denkmälern für Heerführer bis weit ins 20. Jahrhundert die vorherrschende Form einer öffentlichen Kriegserinnerung, die das Leiden und Sterben der Vielen ausblendete, heroisierte und ästhetisierte. Gleichwohl wuchs mit dem im Lauf des 19. Jahrhunderts einsetzenden „Schlachtfeldtourismus“ das Interesse an den historischen Orten und ihrer Sakralisierung.[29]

Mit dem Ersten Weltkrieg erlebten nicht nur die Pilgerreisen zu den Schlachtorten und Friedhöfen einen neuen Höhepunkt, auch wurde an einigen Orten die Tradition der „Beinhäuser“ wiederbelebt. Zum neuen Symbol wurde das Grabmal für den „unbekannten Soldaten“. Es spiegelte die neue Dimension des modernen Krieges und nationale Sinnstiftungsbedarfe wider.[30] Nach 1945 gab es trotz einer stärkeren Betonung der zivilen Verluste in der Gestaltung von Gedenkorten für die Kriegsopfer beträchtliche Gestaltungskontinuitäten. Die Trias aus Sakralität, Authentizität und Historizität wurde auch über 1945 hinaus ausgiebig genutzt, um Kriege und ihre traumatischen Folgen auf dem Weg von überpersonalen Gedenkordnungen sinnstiftend in die Gesellschaften zu integrieren.[31]

Zu Gedenkstätten in ihrer heutigen Form kam es erst, als nach 1945 einzelne frühere Konzentrationslager in Gedenkstätten überführt wurden. Nur an wenigen historischen Orten der nationalsozialistischen Verbrechen entstanden bereits im Zuge der militärischen Befreiung oder in der unmittelbaren Nachkriegszeit Gedenkstätten. In Polen wurde bereits im November 1944 das „Staatliche Museum Majdanek“ gegründet.[32] In Auschwitz konzentrierten sich Erhaltung und Musealisierung mit dem 1947 gegründeten „Staatlichen Museum“ zunächst auf das ehemalige Stammlager, das in eine „Stätte des Gedenkens an das Martyrium des polnischen Volkes“ umgewidmet wurde.[33] Ehemalige Vernichtungslager des Holocaust wie Belzec, Sobibór und Treblinka fanden in der polnischen Geschichtspolitik wie auch international hingegen lange Zeit nur wenig Aufmerksamkeit.[34]

In der Tschechoslowakei firmierte der Bereich der „Kleinen Festung“ in Theresienstadt seit 1947 als „Gedenkstätte des nationalen Martyriums“, nicht aber das in der darunter liegenden Garnisonsstadt während der deutschen Besatzung eingerichtete Ghetto.[35] Zur selben Zeit in Polen, Österreich, Belgien oder Frankreich waren es nicht zuletzt überlebende politische Häftlinge, die sich für einen Erhalt der historischen Orte sowie für Mahnmale einsetzten, Ausstellungen erarbeiteten, Gedenkfeiern organisierten, Führungen anboten und erste historische Darstellungen verfassten.[36]

Statt an die Opfer der NS-Verbrechen zu erinnern, tradierten in der Bundesrepublik soldatische Erinnerungsorte und deren Bezeichnungen als „Ehrenmal“, „Ehrendenkmal“ oder „Kriegsgräberstätte“ positive Werte eines Gefallenenkults. Demgegenüber war „Gedenkstätte“ weder ein ähnlich gebräuchlicher noch werthaltiger Begriff. Dezidiert wurden so bis in die 1980er-Jahre nur wenige ehemalige Orte der NS-Verbrechen bezeichnet, darunter die 1952 eingeweihte „Gedenkstätte für die Opfer der Hitlerdiktatur“ in Berlin-Plötzensee oder die im selben Jahr fertig gestellte „Gedenkstätte Bergen-Belsen“.[37] Vielmehr galten Orte der nationalsozialistischen Verfolgung in der Bundesrepublik lange als „Schandfleck“.[38] In der DDR war der Begriff „Gedenkstätte“ hingegen frühzeitig positiv besetzt. Die seit den späten 1950er-Jahren entstehenden „Nationalen Mahn- und Gedenkstätten“ an Orten ehemaliger Konzentrationslager verkörperten den „Antifaschismus“ als Staatsdoktrin und Gesellschaftskonzept.[39] Weit verbreitet war die Bezeichnung „Gedenkstätte“ auch für andere historische Orte, die im Sinne eines sozialistischen Geschichtsbewusstseins an Personen der klassischen Kultur, den Bauernkrieg oder die Arbeiterbewegung erinnerten.[40]

Seit den 1950er-Jahren machten vor allem in der Bundesrepublik immer wieder internationale Überlebende, politische Gruppierungen und Jugendverbände öffentlich auf die ehemaligen Lager aufmerksam. Mit Neugestaltungsmaßnahmen an den Orten der früheren Konzentrationslager Bergen-Belsen, Dachau, Flossenbürg und Neuengamme entstanden Anfang der 1960er-Jahre in der Bundesrepublik erstmals KZ-Gedenkstätten mit Ausstellungen, Denkmälern und einer rudimentären Personalausstattung.[41] Dies ging – wie bei den wenige Jahre zuvor eröffneten Nationalen Mahn- und Gedenkstätten in der DDR – mit einer Reduzierung der baulichen Überlieferung und der Schaffung von Mahnmalen einher, womit die historischen Orte in den Hintergrund gegenüber symbolisch verdichteten Deutungen traten. Häufig wurde die Sachüberlieferung einem geschlossenen, landschaftsgestalterisch umgesetzten Gesamtnarrativ untergeordnet.[42] Die Wahrnehmung wurde durch bestimmte ikonische Orte wie die ehemaligen Krematorien oder die Sakralisierung von „Märtyrerasche“ gelenkt.[43]

In den ersten Nachkriegsjahrzehnten standen somit Gedenkstätten in Ost- wie Westeuropa zunächst im Zeichen staatlich-nationaler Deutungsmuster. Sie dienten vor allem Formen des persönlichen oder ritualisierten Gedenkens. Geschichtspolitisch stand die Ehrung einer aktiven Opferschaft im Kampf für die Nation oder gegen den Nationalsozialismus im Vordergrund. Dies war mit ausgesprochen nationalen und hierarchisierten Gedächtnisnarrativen verbunden, die nur jene Toten einschlossen, die als „eigene“ Opfer anerkannt waren. Eine Ausnahme bildete in dieser Phase bereits das Staatliche Museum Auschwitz, das sich seit den 1970er-Jahren zum internationalen Erinnerungsort mit einander überlagernden staatskommunistischen, national-katholischen und transnationalen sowie jüdischen Deutungen entwickelte.[44] Besonders ausgeprägt waren politische Überformungen der Gestaltung und Ausstellung ehemaliger NS-Verbrechensorte im osteuropäischen Staatssozialismus, allen voran in der ehemaligen DDR. Gedenkstätten standen hier nicht nur – wie im Westen auch – im Horizont staatlich-hegemonialer Deutungen des Zweiten Weltkriegs, sondern wurden gezielt – unter anderem durch Pflichtbesuche – als politisches Erziehungsinstrument eingesetzt.

Durch Pflichtbesuche wurden Gedenkstätten in der DDR gezielt auch als politisches Erziehungsinstrument eingesetzt. Gedenkstein für ermordete polnische Häftlinge in der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald, 15. August 1972. Fotograf: Dieter Demme, Quelle: [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-L0815-0018,_Gedenkst%C3%A4tte_Buchenwald,_Gedenkstein.jpg Wikimedia Commons / Bundesarchiv, Bild 183-L0815-0018], Lizenz: [https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en CC BY-SA 3.0 DE]
Durch Pflichtbesuche wurden Gedenkstätten in der DDR gezielt auch als politisches Erziehungsinstrument eingesetzt. Gedenkstein für ermordete polnische Häftlinge in der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald, 15. August 1972. Fotograf: Dieter Demme, Quelle: Wikimedia Commons / Bundesarchiv, Bild 183-L0815-0018, Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE


Durchbruch und Ausweitung seit 1980

Die Entwicklung zur heutigen Gedenkstättenlandschaft ist mit einem Paradigmenwechsel seit den 1970er-Jahren verbunden. An die Stelle einer Martyrologie der KZ-Häftlinge als politischer oder nationaler Widerstandskämpfer und „Helden“ ist zunehmend eine empathische und transnationale Erinnerung an Individuen als Opfer staatlicher Massenverbrechen getreten.[45] Zur Grundlage dieser „opferzentrierten Erinnerungskultur“ wurden Zeugnisse, Dokumente und Biografien von Überlebenden, die in den vergangenen vier Jahrzehnten in wachsender Zahl entstanden sind und veröffentlicht wurden – in Ausstellungen, als Bücher, im Fernsehen oder im Internet. Diese „Ära der Zeugen“ ist eng mit dem Aufstieg einer internationalen Holocaust-Erinnerung verbunden, die vor allem amerikanische und israelische, zunehmend auch europäische Institutionen und Medien seit den 1980er-Jahren befördert haben.

In dieser Phase rückte in der Bundesrepublik mit der Suche nach „vergessenen KZs“ der historische Ort als zentrales Merkmal einer aktiven Aufklärung über den Nationalsozialismus in den Vordergrund.[46] Bürgerschaftliche Initiativen nahmen neuere geschichtsdidaktische Ansätze auf, die im Rekurs auf die Reformpädagogik der Zwischenkriegszeit die Rolle von „außerschulischen Lernorten“ für die Entwicklung eines kritischen „Geschichtsbewusstseins“ stärken wollten. Viele der Geschichtsakteure wurden unter anderem durch den Widerstand gegen nationalkonservative Strömungen in der bundesrepublikanischen Geschichtspolitik nach dem Regierungswechsel von 1982 motiviert.[47] Projekte der lokalen „Spurensuche“ begründeten mit Workcamps, Geschichtswerkstätten und Seminaren eine eigene soziale Bewegung der gegenwartsorientierten Kritik am vorherrschenden Geschichtsbild des Nationalsozialismus. Zeugnisse von Überlebenden wurden gesucht, erfasst und zugänglich gemacht.

Gegenüber konventionellen Museen folgten Gedenkstätteninitiativen an Orten wie der Alten Synagoge in Essen, dem ehemaligen KZ Oberer Kuhberg in Ulm oder dem früheren Arbeitshaus Breitenau bei Kassel einem bildungspolitischen Selbstverständnis, das einen interaktiven Lernort mit politischen Gegenwartsbezügen verband. Um sich von den „stillen“ Gedenkstätten in staatlicher Trägerschaft abzugrenzen, kreierten viele Initiativen eigene Bezeichnungen wie zum Beispiel das 1984 eingerichtete „Dokumentations- und Informationszentrum Emslandlager“ in Papenburg. Dennoch wurde der Begriff „Gedenkstätte“ zum Markenzeichen dieser Geschichtsbewegung. Bereits seit 1983 entstand durch das „Gedenkstättenreferat“ der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (seit 1993 bei der Topographie des Terrors), dem ersten „GedenkstättenRundbrief“ und gemeinsame, bis heute durchgeführte bundesweite Gedenkstättenseminare ein bis in die Gegenwart fortwirkender Zusammenhalt. Einen wesentlichen Beitrag für seine öffentliche Etablierung leistete 1988 die von Ulrike Puvogel verantwortete, 1995 deutlich erweitert publizierte Dokumentation der „Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus“.[48]

In dieser Phase entwickelte sich der bis heute bestehende dezentrale und vor allem auf kommunaler Ebene stark bürgerschaftlich geprägte Charakter der bundesdeutschen Topographie des Erinnerns. Gedenkstätten wurden zu wesentlichen, oftmals zivilgesellschaftlich getragenen Katalysatoren dessen, was mit dem Wort „Erinnerungskultur“ in diesen Jahren erstmals einen Begriff fand. Er kann umfassender als die Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen verstanden werden,[49] wird aber oft mit dieser gleichgesetzt. In jedem Fall sind Gedenkstätten neben „Medien, kulturellen Einrichtungen, der (Staats-)Politik oder Schulen nur ein Akteur unter vielen, die Erinnerungskulturen prägen. Einer der wichtigsten Beiträge von Gedenkstätten war hierbei die Sichtbarmachung marginalisierter Opfergruppen und Themenkomplexe. Für die NS-Verbrechen betrifft dies ehemalige kommunistische Häftlinge, sowjetische Kriegsgefangene, Sinti und Roma, wegen ihrer Homosexualität Verfolgte, Deserteure oder Opfer psychiatrischer und anderer Anstalten.[50] Noch ausdifferenzierter und teilweise konfliktiver wurde diese Funktion von Gedenkstätten nach 1989/90, als es um die Frage einer angemessenen Berücksichtigung der Opfer sozialistischer Staatsverbrechen ging.

Denn im Zuge der politischen Neuordnung nach dem Ende der DDR kam es seit Anfang der 1990er-Jahre zu einem nachhaltigen Transformationsprozess der deutschen Gedenkstätten, die gelegentlich als „geschichtspolitische Erfolgsgeschichte“ beschrieben werden.[51] Es gab dafür mehrere Anlässe und Gründe: die notwendige Sicherung und Neugestaltung der Mahn- und Gedenkstätten in der ehemaligen DDR; das politische Bestreben, zentrale Gedächtnisorte neben den KZ-Gedenkstätten zu schaffen; die zunehmende Bereitschaft politischer und staatlicher Instanzen vor allem auf Landes- und kommunaler Ebene, Gedenkstätten zu fördern. Zudem gab es einen beträchtlichen Nachholbedarf an Modernisierung und Professionalisierung auch in den westlichen KZ-Gedenkstätten. Auch hatte sich bereits seit Ende der 1980er-Jahre mit den Plänen für eine Gedenkstätte im „Haus der Wannsee-Konferenz“, für die „Topographie des Terrors“ am ehemaligen Sitz von Gestapo, SS und Reichssicherheitshauptamt sowie für ein Holocaust-Mahnmal eine Schwerpunktbildung der Erinnerung in Berlin abgezeichnet.[52]

Dieser Transformationsprozess ging mit heftigen geschichtspolitischen Konflikten einher. Erstens musste das Verhältnis zwischen der zeithistorischen Deutung des Nationalsozialismus und der SBZ/DDR austariert werden.[53] Zweitens ging es um den Umgang mit den geschichtspolitischen Artefakten der DDR-Erinnerungskultur und die Schaffung neuer Repräsentationen.[54] Drittens wurde die Frage der „Singularität“ des Holocaust im Verhältnis zur Gleichsetzung diktatorischer Herrschaftssysteme unter dem Rubrum des „Totalitarismus“ verhandelt.[55] Viertens waren die Rollen und Aufgaben der staatlichen Verantwortung für die Erinnerungskultur einerseits, der zivilgesellschaftlich getragenen Gedenkstättenbewegung sowie der Überlebendenverbände andererseits auszuhandeln. Damit ging es, fünftens, um das Verhältnis von zentralen Gedenkstätten, Museen und Denkmälern zu lokalen, dezentralen Gedächtnisorten, was sich am deutlichsten in den jahrelangen Auseinandersetzungen um das „Holocaust-Denkmal“ in Berlin zeigte.[56] Sechstens galt es, die Rolle der (Geschichts-)Wissenschaft als politisch unabhängiger Expertise in Relation zur Politik zu klären, nachdem vor allem in der DDR jahrzehntelang ein Primat der Staatspolitik geherrscht hatte.

In den Vordergrund rückten dabei wiederholt Auseinandersetzungen (vor allem mit Verbänden der Opfer des „Stalinismus“) im Rahmen der Neugestaltung der ehemaligen Mahn- und Gedenkstätten Buchenwald und Sachsenhausen, insbesondere über die Relation der historischen Spuren und musealen Repräsentation der Nutzung dieser Orte als Konzentrationslager vor und Speziallager nach 1945.[57] In dieser geschichtspolitisch aufgeladenen Situation unterstrich 1996 ein Papier der „Arbeitsgemeinschaft der KZ-Gedenkstätten“ erstmals umfassend die Notwendigkeit professioneller Standards in Gedenkstätten, die Forderung nach ihrer politischen Unabhängigkeit sowie die einzigartige Vielfalt von Funktionen und Aufgaben als Alleinstellungsmerkmal.[58]

Vieles davon findet sich in der 1999 verabschiedeten, ersten „Gedenkstättenkonzeption“ des Bundes wieder, die 2008 in ihren Grundzügen bestätigt wurde.[59] Erstmals bekannte sich die Bundesrepublik als Staat dazu, institutionell an die Opfer der Verbrechen des Nationalsozialismus und des SED-Regimes zu erinnern – ein geschichtspolitischer Akt angesichts von Besorgnissen im Ausland, sich dieser Verantwortung nach der politischen Einigung womöglich entziehen zu wollen. Die in der „Gedenkstättenkonzeption“ genannten Förderkriterien wirkten als normative Klammer. Danach gilt eine Einrichtung als Gedenkstätte, wenn sie sich an einem „Ort von herausragender historischer Bedeutung“ befindet, der im „öffentlichen Bewusstsein exemplarisch für einen bestimmten Verfolgungskomplex“ steht; wenn sie über ein „spezifisches, unverwechselbares Profil“ verfügt, das sich auf die „Authentizität des Ortes“ gründet; und wenn ein „wissenschaftlich, museologisch und gedenkstättenpädagogisch fundiertes Konzept“ vorliegt.[60]

Der damit verbundene Anspruch professioneller Strukturen und thematischer Besonderheit traf gerade bei vielen kleineren Gedenkstätten auf heftige Kritik, weil eine Hierarchisierung nach „Größe“ und „Bedeutung“ befürchtet wurde. Ein zweiter Konfliktpunkt war das Verhältnis der beiden Vergangenheiten von NS- und SED-Regime zueinander. Geschichtspolitisch sah die „Gedenkstättenkonzeption“ eine prinzipiell gleichgewichtete Unterstützung von Einrichtungen zu beiden Phasen vor. Neben dem Interesse einer geschichtspolitischen Integration beider Identitätsreferenzen war ein wesentlicher Grund dafür der Rückstand an Forschung und an Gedenkstätten im Bereich der DDR-Geschichte. Trotz einiger Maßnahmen, die der Erinnerung an die Opfer des SED-Regimes zugute kamen, sahen sich die dafür zuständigen Einrichtungen nicht selten als „Stiefkinder“.[61] Inzwischen erinnern an die Zeit nach 1945 zahlreiche Gedenkstätten und Denkmäler,[62] zum Beispiel Grenzmuseen wie die „Gedenkstätte Berliner Mauer“, ehemalige Gefängnisbauten wie die „Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen“ oder zentrale Verwaltungsorte wie das „Stasimuseum“ im Haus des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit.[63]

Die Umsetzung der „Gedenkstättenkonzeption“ ermöglichte neben dauerhaften institutionellen Förderungen von KZ-Gedenkstätten in den „neuen“ Bundesländern und deren Neugestaltung erstmals auch projektbezogene Unterstützungen zur Neugestaltung von KZ-Gedenkstätten auf dem Gebiet der „alten“ Bundesrepublik, vor allem in Bergen-Belsen, Dachau, Flossenbürg und Neuengamme. Parallel dazu konnten sich aber auch an Orten ehemaliger und heutiger Straf- oder Heilanstalten sowie früherer Gestapozentralen, Lager für Straf- und Kriegsgefangene oder Zwangsarbeiter, Ghettos und Erschießungsstätten zahlreiche neue Gedenkstätten etablieren. Die meist von bürgerschaftlichem Engagement ausgehende thematische Heterogenität und organisatorische Dezentralität wurde allerdings weniger durch Zuwendungen des Bundes als vielmehr durch zunehmende kommunale Förderungen und Landesmittel stabilisiert und institutionalisiert. Der Bund hat insbesondere mit der Fortschreibung der Gedenkstättenkonzeption 2008 seine Projektförderung auf hohem Niveau beibehalten und eine gewisse Ausweitung seiner institutionellen Förderung ermöglicht, deren weiterem Ausbau aber politisch eine Absage erteilt.

Insgesamt lässt sich durch die starke Zunahme staatlicher Fördermittel und insbesondere institutionell geförderter oder staatlich getragener Einrichtungen ein Rückgang der Bedeutung zivilgesellschaftlicher Trägermodelle in der Bundesrepublik erkennen. Für viele Gedenkstätten, vor allem für die von Bund und Land geförderten KZ-Gedenkstätten, hat sich das Modell einer Stiftung öffentlichen Rechts etabliert, mit dem sie nicht mehr unmittelbar einem Ministerium zugeordnet sind oder dessen Weisungen unterliegen. Trotz verschiedener Gremien und der öffentlichen Aufmerksamkeit bleibt aber der staatliche und politische Einfluss aufgrund der Finanzierung und der personellen Union von Ministerien und Stiftungsvorständen hoch.

Nationalisierung und Globalisierung seit den 1990er-Jahren

Parallel zur Institutionalisierung, Professionalisierung und Differenzierung von Gedenkstätten in der Bundesrepublik haben sie sich auch in Europa und weltweit als institutionalisierte Form des Gedenkens und Erinnerns durchgesetzt. Wie für die Bundesrepublik ist hierbei ein enger Wirkzusammenhang von Gedenkstätten an historischen Orten mit solchen Mahnmalen oder Gedenkmuseen charakteristisch, die nicht an ehemaligen Tatorten errichtet worden sind. Im Englischen, das keine wortgleiche Übersetzung von „Gedenkstätte“ kennt, bildet sich dies in der eingangs benannten recht fluiden Verwendung von „memorial“, „museum“ und „memorial museum“ ab. So viel Bedeutung den historischen Orten für diese Entwicklung auch beigemessen wird, zeichnet sich dennoch als eigentlicher gemeinsamer Erklärungsfaktor für das anhaltende öffentliche und politische Interesse der Typus eines erlebnisintensiven und ästhetisierenden musealen Angebots ab.

Zur Globalisierung von Gedenkstätten haben erstens seit Anfang der 1990er-Jahre mehrere Orte besonderer geschichtspolitischer Bedeutung beigetragen, in denen an die NS-Verbrechen erinnert wird und die mit Konzepten wie einer „transnationalen Erinnerung“ oder der „Universalisierung des Holocaust“ verbunden sind.[64] Vor allem das Staatliche Museum Auschwitz entwickelte sich immer mehr zum materiellen Erinnerungsort „pars pro toto“ für die NS-Verbrechen.[65] Parallel wurden das 1993 eröffnete United States Holocaust Memorial Museum in Washington und die seitdem grundlegend neugestaltete israelische Gedenkstätte Yad Vashem zu global führenden und konkurrierenden Museen der Holocaust-Erinnerung.[66]

Zweitens war es seit dem Ende des Sozialismus in vielen europäischen Ländern erforderlich, die bisherigen Erinnerungslandschaften und Gedenkorte umzugestalten.[67] Damit wurden nationale Narrative und Mythologisierungen auf den Prüfstand gestellt, aber auch neu geschaffen und durch Erinnerungsorte verkörpert. Als Metaerzählungen boten sich dabei nationale Opfernarrative, der im Gefolge der Stockholmer „Holocaust-Konferenz“ vom Januar 2000 zum negativen europäischen Gründungsmythos erklärte Holocaust oder die Deutung der europäischen Geschichte als „totalitäres Zeitalter“ an. Doch auch fast drei Jahrzehnte nach dem Ende der sozialistischen Herrschaft in Europa sind die damit verbundenen geschichtspolitischen Deutungskonflikte nicht beendet. So werden in vielen umgestalteten Gedenkstätten und neu errichteten zeithistorischen Museen im vormals kommunistisch beherrschten Teil Europas – wie zum Beispiel in der vom kroatischen Staat verantworteten KZ-Gedenkstätte Jasenovac, dem „Museum des Warschauer Aufstands“ oder dem „Haus des Terrors“ in Budapest – durch verkürzte Versionen der nationalen Geschichte während der NS-Besatzungszeit auch bestimmte Opfergruppen (wie die Roma), die Kollaboration mit den deutschen Besatzern oder eigene Verbrechen ausgeblendet. Dies trägt zu einer Mythologisierung des Gedenkens unter den Vorzeichen einer „Europäisierung“ bei und befördert eine Selbstviktimisierung der postsozialistischen Gesellschaften, indem die kommunistische Ära gegenüber der NS-Besatzung als eigentliche und längere Leidenszeit betont wird.[68]

Drittens hat sich europa- und weltweit das Spektrum der erinnerten Themen erweitert, was auch zur Berücksichtigung bislang tabuisierter Opfergruppen führte. So wurden erste Gedenkstätten zur Erinnerung an die polnischen Opfer der NKWD-Erschießungen 1941 im russischen Mednoye oder in Katyn selbst realisiert. Nachdem das ukrainische Parlament 2006 den „Holodomor“ zum Genozid erklärt hatte, wurde zwei Jahre später in Kiew das „Memorial in Commemoration of Famines’ Victims in Ukraine“ (heute: National Museum „Holodomor victims‘ Memorial“) als sakralisierte und symbolisch überformte Gedenkstätte eingeweiht. Viele Gedenkstätten wurden durch Regimewechsel wie den Zusammenbruch des Kommunismus, Zerfallskriege wie in Jugoslawien oder das Ende des Apartheidregimes in Südafrika ermöglicht und veranlasst. Oft – wie beim chilenischen „Museo de la Memoria y los Derechos Humanos“[69] – haben sie explizit den Auftrag, zur Verankerung von rechtsstaatlichen und menschenrechtlichen Denkweisen beizutragen.

Das „Kigali Genocide Memorial Centre“ zeigt neben körperlichen Überresten und Kleidungsstücken auch Fotografien der Opfer des Genozids in Ruanda im Jahr 1994. Fotograf: Adam Jones, 25. Juli 2012, Quelle: [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Photographs_of_Genocide_Victims_-_Genocide_Memorial_Center_-_Kigali_-_Rwanda.jpg Wikimedia Commons], Lizenz: [https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en CC BY-SA 3.0]
Das „Kigali Genocide Memorial Centre“ zeigt neben körperlichen Überresten und Kleidungsstücken auch Fotografien der Opfer des Genozids in Ruanda im Jahr 1994. Fotograf: Adam Jones, 25. Juli 2012, Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0


In globaler Perspektive haben sich historische Stätten des gewaltsam verursachten Leidens von Menschen zu prominenten Bestandteilen einer (kultur-)touristischen, urbanen Museumslandschaft entwickelt. Manche dieser neu entstandenen Orte nehmen deutlich mehr oder anders gewichtete Aufgaben als die europäischen Gedenkstätten wahr. Das „Robben Island Museum“ in Südafrika ist für die gesamte ehemalige Strafinsel, auf der unter anderem Nelson Mandela inhaftiert war, einschließlich der (touristischen) Infrastruktur und aller Bauten sowie der Natur verantwortlich; im „Mission Statement“ des Museums ist das Gedenken an die Opfer nicht als eigene Aufgabe benannt.

Andere im Zuge jüngerer Ereignisse oder Transformationen entstandene Gedenkstätten sind noch im Aufbau begriffen wie die 2003 auf internationalen Druck hin eröffnete Gedenkstätte Potočari bei Srebrenica oder haben mit unzureichender Ausstattung und staatlicher Vernachlässigung zu kämpfen wie die im Verfall befindliche Gulag-Gedenkstätte Perm-36 in Russland. Beide Orte verweisen auf das gravierende Problem der weiterhin vergessenen historischen Orte von Verbrechen, die in den letzten Jahren insbesondere im Zuge forensischer Suchen nach Massengräbern entdeckt worden sind und mit denen ein beträchtliches (geschichts-)politisches Konfliktpotenzial ebenso wie die Trauerarbeit von Angehörigen verbunden ist.[70]

Gedenkstätten dienen inzwischen zudem vermehrt der öffentlichen Erinnerung an Ereignisse auch jenseits staatlicher Massengewalt des 20. Jahrhunderts. Im „House of Slaves“ auf Gorée Island, Senegal, wird an die Deportationen von Schwarzen in die Sklaverei zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert erinnert. Solche Einrichtungen nutzen im Zuge einer globalisierten Geschichtspolitik zur Anerkennung von Opferansprüchen die in den westlichen Gedenkstätten und Memorial Museums gewachsene symbolische Formensprache der Erinnerung an Unterdrückung und menschliches Leid, oft gepaart mit eigenen kulturellen Gedächtnistraditionen und limitiert durch geringere Budgets.

Gedenkstätten haben sich somit als globale Institution des kulturellen Gedächtnisses etabliert, variieren aber in Formen, Themen und Repräsentationstechniken beträchtlich. Mit dem „memory boom“[71] der 1990er-Jahre haben sich zudem neuere Erinnerungsformen an historischen Orten entwickelt, die sich zum Teil als Kritik an der Rolle von (staatlich institutionalisierten) Gedenkstätten verstehen, aber auch Veränderungen des zivilgesellschaftlichen Engagements verkörpern. Solche oft eher temporären, organisatorisch fluideren Gedächtnisformen zielen – wie die inzwischen europaweite Aktion der „Stolpersteine“[72] – stärker auf Emotionalität, Plakativität oder künstlerisch angeregtes Eingedenken. Sie verweisen auf die große Zahl von bürgerschaftlichen Erinnerungszeichen und Trauerpraktiken nach traumatischen Ereignissen, die gerade in den letzten Jahren weite Verbreitung gefunden haben.[73]

Gleichzeitig ist eine Expansion der Musealisierung von zeithistorischen Orten der früheren Verwahrung, physischen Misshandlung oder Gewalterfahrung von Menschen festzustellen. Sie dienen dem florierenden, 1996 in Großbritannien erstmals wissenschaftlich so benannten „dark tourism“ oder „Thanatourismus“ als Ziele. Dazu gehören auch – neben historischen Schlachtfeldern, Kampfstätten und Aufstandsorten – ehemalige Lagerorte. Bestimmte kulturell oder durch den Zustand von Gedenkstätten bedingte Präsentationsformen körperlicher Überreste, Knochen oder Kleidungsstücke tragen etwa in Ruanda oder Kambodscha zu einem „Knochen-Tourismus“ oder „atrocity tourism“ bei.[74] Neuerdings werden auch vermehrt Stätten technischer und Naturkatastrophen zu Zielen eines „disaster tourism“.


Forschungsstand

Die Geschichte der Gedenkstätten hat – nicht zuletzt bedingt durch den Zeitpunkt ihrer Expansion seit den 1990ern – in der zeithistorischen Forschung bislang nur wenig Berücksichtigung gefunden. Dieser Befund überrascht womöglich angesichts des oft geäußerten Eindrucks, inzwischen werde mehr zur Erinnerungskultur als zu den Verbrechen selbst geforscht. Auch die in diesem Artikel selbst lediglich exemplarisch zitierte Literatur könnte zu einem anderen Urteil Anlass geben, wenn die vielen profunden Analysen und Berichterstattungen zu den Transformationsprozessen der Gedenkstätten in den vergangenen zwanzig Jahren mit einer umfassenden Historisierung der einzelnen Orte, ihrer Akteure und des geschichtspolitischen Handlungsraums verwechselt werden. So werden vielfach mit der Betrachtung von Neugestaltungsmaßnahmen historische Rückblicke verbunden, die aber nicht selten legitimatorischen Zwecken dienen. Dies wird sich absehbar ändern, wenn nach bislang erst wenigen Dissertationen weitere Qualifikationsarbeiten abgeschlossen sind.

So liegen fraglos zahlreiche Beiträge zur Entwicklung und teils auch zur historisierenden Analyse einzelner Gedenkstätten vor. Eine unverzichtbare Fundgrube sind die Beiträge des „GedenkstättenRundbriefs“, ebenso die an der Schnittstelle von Erinnerungskultur und Geschichtswissenschaft verorteten „Dachauer Hefte“ (1985-2009) und die seit 1994 erscheinenden „Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland“. Meist konzentrieren sich Beiträge zu Gedenkstätten auf Fragen der Gestaltung, des Geländes und seiner Geschichte, der Ausstellungskonzepte und der politischen Genese von Transformationsprozessen seit den 1980er-Jahren. Oft werden Gedenkstätten dabei aus dem Blick gegenwärtiger Fragen und Konflikte behandelt, nur selten liegen dem Aktenrecherchen oder Zeitzeugeninterviews mit den Akteuren zugrunde. Viele Beiträge stammen von den Verantwortlichen selbst, die trotz ihres hohen analytischen Niveaus hinsichtlich der von ihnen verantworteten Orte ihre besondere Sprecherposition nicht gänzlich hinter sich lassen können.

Formen der Dokumentation und Selbstanalyse begleiten die Gedenkstätten auch als eine Form der Öffentlichkeitsarbeit und Etablierung im didaktischen wie geschichtswissenschaftlichen Feld bereits seit ihren Anfängen. Eine erste Bestandsaufnahme von Gedenkorten zur Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen erschien bereits um 1970,[75] gefolgt von mehreren lokal ausgerichteten „Wegweisern“ Anfang der 1980er-Jahre[76] und der Dokumentation zu Gedenkstätten in der Bundesrepublik durch die Bundeszentrale für politische Bildung 1988, die 1995 bzw. 1999 deutlich erweitert worden ist.[77] Die neunbändige Dokumentation der „Orte des Terrors“ und die Enzyklopädie des USHMM zu den Orten der NS-Verbrechen dokumentieren die immense Zahl an Lagern und anderen Verfolgungsstätten, von denen nur ein Bruchteil in Form einer Gedenkstätte bewahrt worden ist.[78] So werden immer wieder bislang unbeachtete Orte entdeckt, zumal Historikerinnen und Historiker sich neuen tatbezogenen Forschungskomplexen zuwenden.[79] Gleich mehrere Websites dienen inzwischen als Informationsportale für Gedenkstätten zur Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen und beinhalten oder verlinken zu weitergehenden Informationen über einzelne Gedenkstätten.[80]

Vor allem seit den 1990er-Jahren steht die wissenschaftliche Reflexion über Gedenkstätten stark im Zeichen von Ansätzen der Museologie, der Kulturwissenschaften und der Memory Studies. Viele Anstöße und Arbeiten kamen dazu aus dem anglo-amerikanischen Kontext. Wichtige Sammelbände öffneten aber auch in Deutschland den Diskurs zwischen Museen und Gedenkstätten.[81] Zahlreiche Tagungen und Sammelbände haben inzwischen die Entwicklung von Gedenkstätten nach 1945 beleuchtet, die teilweise auch außereuropäische Gedenkstätten behandeln.[82] Einen Schwerpunkt bildeten zunächst die politischen und ikonografischen Programme von Gedenkstätten.[83] Dies gilt insbesondere für die Mahn- und Gedenkstätten der ehemaligen DDR im Kontext ihrer grundlegenden Neugestaltung in den 1990er-Jahren.[84] Mit der zeitgleichen erfolgreichen Etablierung der westdeutschen Gedenkstätten mehrten sich auch historisierende Beiträge zu älteren Gedenkstätten wie Bergen-Belsen, Dachau, Flossenbürg oder Neuengamme.[85] Im Rahmen von Neugestaltungsprojekten entstandene Ausstellungen und Kataloge oder erste Bestandsaufnahmen in Sammelbänden vermitteln zumeist dokumentarische Einblicke in die Entwicklung von Gedenkstätten als historischen Orten nach 1945.[86]

Für die Gedenkstätten der Nachkriegszeit in Europa sind in monografischer Form nach der relativ frühen Pilotstudie von Harold Marcuse zu Dachau[87] erst in jüngerer Zeit Ergebnisse umfangreicherer Forschungsprojekte – meist zur Nachgeschichte einzelner Konzentrationslager nach 1945 – erschienen.[88] Übergreifende Darstellungen zur Entwicklung von Gedenkstätten als Bestandteil einer breiter zu betrachtenden europäischen oder globalen Erinnerungskultur gibt es bislang kaum.[89] Allerdings liegen einige vergleichende Studien zu den großen Erinnerungsmuseen und Gedenkstätten insbesondere hinsichtlich ihres Ausstellungs- und baulichen Programms vor.[90] Der wichtige Bereich des Verhältnisses von (Geschichts-)Politik und Gedenkstätten, aber auch zu deren Wechselverhältnis mit Medien und anderen kulturellen Akteuren ist bis auf wenige Studien bislang kaum fundiert erforscht, was ebenso für die Rolle von Akteuren der Gedenkstättenentwicklung seit den 1980er-Jahren gilt.[91] Hier gibt es inzwischen allerdings erste Publikationen zu Überlebendenverbänden, die zudem den geschichtspolitischen und national jeweils spezifischen Diskurs punktuell erhellt haben.[92]

Ausgehend vom erklärten Ziel einer aktiven Vermittlungsarbeit hat sich im vergangenen Jahrzehnt das eigene Forschungsfeld der „Gedenkstättenpädagogik“ herausgebildet. Ihr Ziel ist es, Gedenkstätten als Lernorte für ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein wissenschaftlich und in engem Austausch mit der universitären Geschichtsdidaktik zu fundieren.[93] Allerdings ist das Spannungsfeld zwischen Besuchererwartungen, Vermittlungszielen und Lerneffekten weiterhin nur rudimentär empirisch erforscht.[94] Letztlich noch zu wenig Aufmerksamkeit hat trotz erster Pilotstudien die umfassende und vergleichende Analyse von Ausstellungen in den einzelnen Gedenkstätten gefunden.[95]

Eine Fülle von Selbstverständigungstexten sowie konzeptionellen Beiträgen repräsentieren nicht nur variierende Positionsbestimmungen im öffentlichen und politischen Raum unter sich verändernden geschichtspolitischen und generationellen Rahmenbedingungen. Sie bieten zusammen mit der umfänglichen Überlieferung in Presse und Zeitschriften neben dem Archiv- und Schriftgut der Einrichtungen und beteiligten Behörden eine gute Basis für eine intensivere historische Befassung mit Gedenkstätten. Darauf aufbauend, bedarf die Entwicklung von Gedenkstätten zu führenden Institutionen des kulturellen Gedächtnisses in den jeweiligen zeitlichen Kontexten von Handlungen, Akteuren, Öffentlichkeiten und Deutungen weiterer grundlegender Forschung, die auch interdisziplinäre sowie transnationale Perspektiven berücksichtigt.[96]


Debatten

Stätten des Gedenkens oder zeithistorische Museen?

Die institutionelle Besonderheit von Gedenkstätten gründet im Unterschied zu Museen neben einem konkreten Ortsbezug darin, als Archive der Erinnerung an Menschen, die hier gelitten haben, einen humanitären Auftrag – unter anderem durch die Begleitung von Opfern und ihren Angehörigen sowie durch die Klärung von Schicksalen – zu erfüllen sowie einen geschützten Raum für Trauer, Gedenken und Anerkennung zu bieten. Mit dem Schwinden der Zeitzeugen und der Transformation in musealisierte Wissensorte ist jedoch zunehmend die Frage verbunden, wie sich „Gedenken“, „Erinnern“ und „Geschichtsbewusstsein“ an diesen Orten zueinander verhalten und welcher Stellenwert ihnen zukommt.

Was geschieht also mit Orten, die durch eine zumindest sporadische Anwesenheit von Überlebenden und ihren Angehörigen immer wieder (vor allem bei Gedenktagen) mit dem kommunikativen Erfahrungsraum der Opfer verbunden werden, wenn es keine Überlebenden mehr gibt, die kommen können? Tatsächlich ist die reale Präsenz von Überlebenden in Gedenkstätten immer schon weitaus geringer, als es bei der Sorge vor den Folgen eines seit fast drei Jahrzehnten beschworenen „Endes der Zeitzeugenschaft“ mitschwingt.[97] Ihre symbolische, politische und soziale Bedeutung ist hingegen ungleich größer und wirkt sich bis auf die Mitarbeitenden von Gedenkstätten aus. Sie kann durch die verschiedenen Formen medialer Inszenierung von Zeitzeugen gar nicht kompensiert werden, mit denen seit einigen Jahren versucht wird, die Erzählenden analog zu Museumsobjekten zu auratisieren.[98] So dürfte es vor allem darum gehen, geeignete Formen zu finden, um die „sekundäre Zeugenschaft“, die Gedenkstätten in hohem Maße prägt, zu sichern und zu übertragen.[99]

Dabei hat vor allem der heterogene Bereich der Gedenkstättenpädagogik in den vergangenen Jahren ein hohes Maß an Interesse, Reflexion und Konzeptionierung erfahren. Bei aller Varianz orientieren sich die Modelle am Ziel der Ausbildung eines kognitiv wie emotional fundierten und reflektierten Geschichtsbewusstseins. Dafür stellen die heterogenen und zugleich einmaligen Sammlungen von Gedenkstätten aus Sachgegenständen, Zeugnissen und Dokumenten eine unverzichtbare, wenngleich längst nicht ausreichend erschlossene Grundlage dar. Die Hinwendung zu professionellen und wissenschaftlichen Standards in Sammlung, Forschung und Bildung wurde durch langjährige Netzwerke der Gedenkstätten im Bereich von Wissenschaft, Pädagogik, Archiv und Bibliothek sowie durch landes- und bundesweite Zusammenschlüsse von Gedenkstätten unterstützt. Die Entwicklung museologisch avancierter Ausstellungen, Gebäude und Geländegestaltungen wird von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern beraten. Grundlegende Bedeutung hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Zusammenarbeit mit professionellen Ausstellungs- und Landschaftsgestaltern gewonnen.

Es scheint, als ob darüber die Komponente des Trauerns und Gedenkens im Sinne eines individuellen oder kollektiven rituellen, performativen Akts gegenüber den Dimensionen eines kognitiven, emotionalen und politischen Lernens zurücktritt. So weisen Gedenkstätten immer größere Überschneidungen mit Museen hinsichtlich ihrer Gestaltung, ihrer Arbeitsweisen und ihres Selbstverständnisses auf. In den Selbstreflexionen vieler Gedenkstätten zeichnet sich eine immer stärkere Verschiebung vom Ort des Gedenkens zu zeithistorischen Museen mit besonderen Aufgaben ab.[100] Zu dieser Konvergenz hat seit den 1990er-Jahren auch die Museumsarchitektur an Gedenkorten geführt – zum Beispiel mit dem „Jüdischen Museum“ und dem „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ in Berlin –, die erheblich auf die Orte der Tat selbst abstrahlt.[101] Gleichzeitig haben sich Museen vermehrt über Formen und Themen der Erinnerungskultur profiliert.[102]

Einen Mittelweg in dieser Entwicklung schlägt die „Internationale Gedenkstätten-Charta“ von 2012 ein, die von der „International Holocaust Remembrance Association“ verabschiedet worden ist. Gedenkstätten werden darin als „Geschichtsmuseen der Gegenwart“ charakterisiert, die sich „vorwiegend mit dem Gedenken an Verbrechen gegen Minderheiten“ befassen, einer zivilgesellschaftlichen Verankerung bedürfen und eine „besondere Verpflichtung zur humanitären und staatsbürgerlichen Bildung“ haben. Ihre Arbeit soll durch einen „vorwiegend wissenschaftlichen Charakter“ gekennzeichnet sein. Sie vermitteln Informationen, um „Mitgefühl mit den Opfern“ zu wecken. Dabei beziehen sie „multiple Perspektiven“ der historischen Kontextualisierung ein und richten ihre Erziehungsarbeit an „universellen Prinzipien“ aus.[103]

Das hier zum Ausdruck kommende Spannungsverhältnis zwischen einer emotionalen, moralischen und politischen Dimension von Gedenkstätten einerseits und andererseits dem Auftrag, historisches Wissen differenziert zu vermitteln sowie die Orte und ihre Überreste in ihrer Komplexität interpretierbar zu machen, steht im Zentrum einer elaborierten, seit fast dreißig Jahren insbesondere im deutschen Gedenkstättenkontext intensiv geführten Selbstverständnisdebatte. Werden mit einem Gedenkstättenbesuch und insbesondere durch die Politik hohe moralische Erwartungen an eine zu erreichende „Betroffenheit“ und Identifikation mit den Opfern verbunden, so verstehen sich die meisten dieser Einrichtungen inzwischen vor allem als historisch-politische Lernorte: An einem konkreten und ortsbezogenen Beispiel sollen die Dimensionen staatlich-verbrecherischen Handelns konkretisiert und vor allem anhand von Zeugnissen der Opfer veranschaulicht werden, um somit auch im Horizont von Gegenwartsfragen zu Empathie und Reflexion anzuregen.

Orte der Zivilgesellschaft oder Instrumente staatlicher Geschichtspolitik?

Nicht zuletzt die Zunahme staatlicher Förderungen und der Professionalisierungsschub seit den 1990er-Jahren haben vor allem innerhalb der breit aufgefächerten deutschen Gedenkstättenlandschaft zu einer anhaltenden Debatte über ihre Aufgaben und ihren gesellschaftspolitischen Ort geführt. Dabei wird vor allem in der Bundesrepublik das Spannungsverhältnis zwischen einer „demokratischen“, zivilgesellschaftlich gesicherten Unabhängigkeit und den „staatstragenden“ Sinnstiftungsaufgaben von Gedenkstätten diskutiert.[104] Beim Blick auf Gedenkstätten im Stadium ihrer weit fortgeschrittenen Institutionalisierung und in Abhängigkeit von staatlichen Finanzierungen sowie mit ihrer professionalisierten Expertise stellt sich die Frage – gerade angesichts staatlicher Instrumentalisierungen von Gedenkstätten seit 1945 –, wer darüber bestimmt, was angemessene Formen, Inhalte und Deutungen des Erinnerns sind. Denn mit der erfolgreichen Etablierung von Einrichtungen, die hohe Standards von Wissenschaft, Ausstattung und Vermittlungszielen erfüllen, geht eine Schwächung und Marginalisierung der jahrelang starken zivilgesellschaftlichen Beteiligung einher. Dies lässt sich allerdings auch mit unvermeidlichen Entwicklungsprozessen wie dem Ende der Zeitzeugenschaft oder einem Generationswechsel und Ausscheiden von Erinnerungsakteuren begründen.

Die „Topographie des Terrors“ dokumentiert in Berlin die Verbrechen des Nationalsozialismus. Das Dokumentationszentrum entwickelte sich aus bürgerlichen Initiativen seit den 1970er-Jahren, die zur 750-Jahr-Feier der Stadt 1987 in einer ersten Ausstellung mündeten, und ist heute fester Bestandteil der Berliner Erinnerungsorte. Fotograf: edwin.11, 17. Mai 2004, Quelle: [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Topographie_des_Terrors_(313711237).jpg Wikimedia Commons], Lizenz: [https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.en CC BY 2.0]
Die „Topographie des Terrors“ dokumentiert in Berlin die Verbrechen des Nationalsozialismus. Das Dokumentationszentrum entwickelte sich aus bürgerlichen Initiativen seit den 1970er-Jahren, die zur 750-Jahr-Feier der Stadt 1987 in einer ersten Ausstellung mündeten, und ist heute fester Bestandteil der Berliner Erinnerungsorte. Fotograf: edwin.11, 17. Mai 2004, Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY 2.0


Als Orte geschichtspolitischer Bedeutung und Funktion befinden sich Gedenkstätten zwischen hegemonialen, staatspolitischen Zuschreibungen und pluralen, konfliktiven Geschichtsbildern auch weiterhin an der Schnittstelle multipler Konfliktlagen und Deutungskonkurrenzen. So sind im Zuge soziopolitischer Transformationsprozesse in vielen (europäischen) Ländern in den letzten beiden Jahrzehnten wieder vermehrt nationsbezogene Deutungsmuster bekräftigt worden, indem Gedenkorte der Legitimation einer neu gewonnenen politischen Unabhängigkeit dienten oder über sie neue Identitätsnarrative verhandelt wurden.[105] Ähnliche Funktionen sollen Europamuseen erfüllen, in denen die Erinnerung an den Holocaust, das Ende des Zweiten Weltkriegs oder die Überwindung des Totalitarismus als Schlüsselmomente und Weichenstellungen eines europäischen Integrationsnarrativs fungieren.[106]

Gegen damit einhergehende Gefahren geschichtspolitischer Instrumentalisierungen von Gedenkstätten hat die „Internationale Gedenkstätten-Charta“ von 2012 festgestellt, dass eine „gemeinsame Erinnerungskultur [...] nicht per Dekret erzwungen werden“ könne und dürfe. Es müsste die „größtmögliche Unabhängigkeit“ der Gedenkstätten von „staatlichen Direktiven“ sichergestellt sein, um eine „offene, nicht-hierarchische, pluralistische Diskussion“ zu ermöglichen. Historische Zusammenhänge seien „auf der Grundlage moderner zeitgeschichtlicher Forschung“ gemäß der „Prinzipien des wissenschaftlichen Diskurses“ darzustellen.[107]

Auratische Authentizität oder vielschichtige Materialität?

Gedenkstätten eröffnen durch materielle Überreste, persönliche Zeugnisse und die räumliche Anmutung als von der Alltagswelt unterschiedene Orte einen emotional intensiven, multisensorischen und erlebnisorientierten Zugang zur Geschichte, der einen Eigensinn gegenüber kognitiven und reflexiven Zugängen besitzt.[108] Von besonderer Bedeutung für die Besuchenden und die ihnen angebotenen Narrative sind dabei – auch bedingt durch das Selbstverständnis der Institutionen – persönliche Zeugnisse von Opfern und Überlebenden sowie dingliche Objekte, die als auratisierte Mittler zwischen Gegenwart und Vergangenheit fungieren können.

Vor allem Tagebücher, Zeichnungen und personenbezogene Objekte sowie insbesondere Audio- und Videointerviews mit Überlebenden bilden ein maßgebliches Fundament der in starkem Maße biografisch ausgerichteten und personalisierten neueren Gedenkstättenarbeit und ihrer Ausstellungen.[109] Kritiker dieser opferzentrierten Erinnerungskultur heben hervor, dass die Identifikationserwartung mit den Überlebenden und Verstorbenen nicht nur eine unzulässige emotionale Zumutung darstelle, sondern vor allem einer umfassenden Auseinandersetzung mit den Tätern im Wege stehe.[110] Manche Beobachter der deutschen Gedenkstättenlandschaft kritisieren wiederum gerade einen Mangel an Emotionalisierung und dezidierten moralischen Botschaften.[111]

Der oft mit der Opferzentrierung einhergehenden Sehnsucht nach Authentizität steht jedoch bereits der materielle Zustand der Orte entgegen: Politische Entscheidungen, soziale Praktiken und klimatische Einflüsse haben die materiellen Überreste zerstört, bis zur Unkenntlichkeit überformt oder verändert, auch wenn bestimmte konservatorische Eingriffe einen vermeintlichen Ausgangszustand wieder sichtbar oder nachvollziehbar zu machen versuchen. Meist ist der frühere Funktionszusammenhang von Überresten aufgrund ihres Verfalls und von Zerstörungen nicht mehr erkennbar. Zudem waren insbesondere die frühen deutschen Gedenkstätten nur auf einen Teil des historischen Lagergeländes bezogen. Die meisten Außen- und Zwangsarbeiterlager, Stätten jüdischen Lebens und Orte von Drangsalierungen bis hin zu einer großen Zahl von Erschießungsstätten in Osteuropa sind ohnehin gar nicht mehr vorhanden oder lassen sich nur noch mühsam über bauliche Spuren erschließen.[112]

Die verbreiteten und nicht zuletzt oft von Politikern geäußerten Erwartungen an eine „reinigende“, weil „authentische“ Wirkung von Gedenkstätten werden vor diesem Hintergrund in den letzten Jahren zunehmend kritisch betrachtet.[113] Das Spektrum der dabei vertretenen Positionen reicht allerdings weiterhin von der Befürwortung und Förderung einer durch den Ort hervorgerufenen emotionalen „Betroffenheit“ bis zur konsequenten Dekonstruktion einer vermeintlich unmittelbaren Begegnung mit der Geschichte.[114] Detlef Garbe, langjähriger Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, sieht eine Aufgabe von Gedenkstätten deshalb gerade darin, die „Illusion unmittelbarer Anschauung“ zu zerstören, um nicht Gefahr zu laufen, nur als „museale Reliquiensammlungen“ wahrgenommen zu werden.[115]

Im Unterschied zu den ersten Jahrzehnten nach Kriegsende, als die Überreste der Verbrechensorte weitgehend ignoriert oder sakralisiert wurden, hat mittlerweile die Bedeutung und kritische Analyse der historischen Orte selbst und ihrer Überreste für Prozesse des öffentlichen Erinnerns deutlich zugenommen.[116] Die Erschließung und Interpretation der materiellen historischen Überreste von historischen Gewaltorten bildet inzwischen einen eigenen praktischen und wissenschaftlichen Arbeitsbereich in Gedenkstätten.[117] So werden dingliche Überlieferungen nunmehr systematischer als wissenschaftliche Objekte und forensische Belege der Verbrechen und Geschehnisse betrachtet. Masterpläne für Neugestaltungen sollen eine Integration von Innenausstellungen und Außengeländen sicherstellen. Archäologische und museale Techniken werden zumindest idealiter so eingesetzt, dass der auratische Überschuss der historischen Orte und ihrer Überlieferung gebändigt, zumindest nicht gezielt verstärkt wird. Historische Räume und Spuren auf dem Gelände von Gedenkstätten werden mittels einer spezifischen Archäologie der Zeitgeschichte erschlossen, kommentiert, kontextualisiert und so in Großexponate eines musealisierten Gesamtensembles verwandelt.[118]

Durch die Verwissenschaftlichung des Umgangs mit der materiellen Überlieferung hat sich auch der Blick auf das Territorium des Lagers, seine Räume und Orte verändert, sodass auch die historische Entwicklung der Lagerorte und ihre räumliche Erstreckung differenzierter beschrieben und dargestellt werden können.[119] Galt es dabei lange Zeit im deutschen, aber auch europäischen Kontext als Tabu, einmal zerstörte Gebäude ehemaliger Lagerorte nicht nachzubauen oder wiederherzustellen, weicht dieser Konsens unter dem Drang zu mehr Anschaulichkeit und Authentizität langsam auf: So haben im ehemaligen Kriegsgefangenenlager Sandbostel Sanierungen die grundständig erhaltenen Baracken wieder in die Nähe ihres Originalzustandes gebracht, auch wenn die Nachbesserungen erkennbar sind.[120] Einen anderen Weg beschreiten Projekte wie das für Bergen-Belsen entwickelte Memostory 3.0, die mit digitalen Mitteln Vorstellungen der früheren räumlichen und baulichen Situationen an ehemaligen Lagerorten vermitteln und es Nutzern ermöglichen, in die Erkundungen des Außengeländes gezielt ortsbezogene historische Informationen einzubinden.[121] Die Bedeutung solcher digitalen Modellierungen und von mehr Interaktivität ermöglichenden Technologien wird auch in den bislang demgegenüber eher skeptischen Gedenkstätten mit wachsendem zeitlichen Abstand zum historischen Geschehen und dem Ende der Zeitzeugenschaft zunehmen.

Im ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen ergänzt das Dokumentationszentrum mit einer Dauerausstellung zur Geschichte des Geländes den Außenbereich der heutigen Gedenkstätte, 8. Oktober 2008. Fotograf: Hajotthu, Quelle: [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dokuzentrum_KZ_Belsen_Innen.jpg Wikimedia Commons], Lizenz: [https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en CC BY-SA 3.0]
Im ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen ergänzt das Dokumentationszentrum mit einer Dauerausstellung zur Geschichte des Geländes den Außenbereich der heutigen Gedenkstätte, 8. Oktober 2008. Fotograf: Hajotthu, Quelle: Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0


Erinnerung oder Geschichtsbewusstsein?

Volkhard Knigge, langjähriger Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, fordert auch angesichts einer starken Ausrichtung des öffentlichen Umgangs mit der NS-Zeit an Konzepten der Personalisierung und Emotionalisierung schon lange, „Erinnerung“ als nur noch „moralisch aufgeladene, eher diffuse Pathosformel“ zu verabschieden und stattdessen vor allem „kognitive Zugänge“ zur Grundlage einer kritischen historischen Bewusstseinsbildung an den historischen Orten der Verbrechen zu machen.[122] Gedenken brauche Wissen, wolle es nicht allein „sprachlose Einschwörung“ sein.[123] Wissen und Reflexivität sollen ein Verständnis der Grundlagen und Gefährdungen unserer Zivilität ermöglichen. Hiermit werden Ansätze aus den Anfängen der aktiven Gedenkstättenarbeit in den 1980er-Jahren fortgeschrieben und weiterentwickelt, die vor allem über die Ursachen der NS-Verbrechen aufklären und damit den Blick auch auf gegenwärtige Gesellschaftsverhältnisse lenken wollten.

Knigge steht damit wie viele Verantwortliche und Mitarbeitende in den deutschen Gedenkstätten in der Tradition des „Beutelsbacher Konsenses“ von 1976, der für staatliche Bildungsträger drei Prinzipien als Richtschnur festhielt: das Überwältigungsverbot, das Kontroversitätsgebot und das Partizipationsideal.[124] Schon Theodor W. Adorno hatte mit seinen Überlegungen zum Umgang mit der NS-Vergangenheit in den 1960er-Jahren die „Erziehung zur Mündigkeit“ zum wichtigsten Prinzip erklärt. Angesichts der emotionalen, kognitiven und moralischen Herausforderungen, die Gedenkstättenbesuche gerade für Jugendliche mit sich bringen, wird für Ausstellungen, Geländegestaltungen und die Bildungsarbeit vor allem auf das Überwältigungsverbot Bezug genommen. Zum einen wird es als Richtschnur verstanden, Besuchenden keine dogmatischen politischen oder moralischen Botschaften zu vermitteln, die ihnen den Raum einer individuellen Auseinandersetzung nehmen. Zum anderen orientiert sich die Repräsentation der Verbrechen daran, nicht durch Gewaltbilder oder ein Übermaß an Emotionen zu „überwältigen“.

Mit den Neugestaltungen der KZ-Gedenkstätten in der Bundesrepublik hat sich in den 1990er-Jahren eine weitgehend konsensuale Praxis etabliert, sich im Sinne des „Überwältigungsverbots“ auf die Sachlichkeit quellenbasierter Informationen und Objekte zu stützen, während Emotionen nur in Form der Personalisierung durch Zeugnisse von Ermordeten und Überlebenden zugelassen werden. Damit geht die Ablehnung von Rekonstruktionen, Inszenierungen und Präsentationseffekten einher. Allerdings ist dies schon in den deutschen Gedenkstätten nicht mehr unumstritten, da sich viele interne und externe Akteure gerade eine Emotionalisierung durch „Betroffenheit“ oder „Schockeffekte“ erhoffen und an einzelnen Orten – wie in der „Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße“ in Erfurt – gezielt bislang eher verpönte Elemente wie expressive Farbgestaltungen und Rauminszenierungen eingesetzt werden.[125]

Wenn Farbigkeit, Töne und interaktive Angebote auch in NS-Gedenkstätten längst nicht mehr tabu sind, setzen in Deutschland doch vor allem Gedenkstätten und Museen zur Geschichte des SED-Regimes auf solche Elemente.[126] Erlebnisfördernde Technologien sollen Authentizitätseffekte produzieren, um die wachsende zeitliche und moralische Distanz zur Vergangenheit zu überbrücken. So wurde in der Gedenkstätte Bautzen 2015 ein „Hörgang“ eröffnet, der als „akustisches Erlebnis“ einen „unmittelbaren Eindruck“ davon vermitteln soll, was Inhaftierung und Isolation an diesem Ort bedeuteten. Erst recht im europäischen und globalen Kontext werden andere Konzepte als das Primat wissenschaftlicher Sachlichkeit und Nüchternheit verfolgt. Gerade neuere Gedenkmuseen an zentralen und symbolträchtigen urbanen Orten vor allem in Osteuropa, die nicht den historischen Ort oder seine Überreste und Zeugnisse ins Zentrum stellen, vermitteln – wie das „Museum der Geschichte der polnischen Juden“ in Warschau oder das Museum in der „Schindler-Fabrik“ in Krakau – ihre Aussagen und Botschaften durch Replikate, Inszenierungen und Simulationen.[127]

Auch der Umgang mit dem Kontroversitätsgebot ist keineswegs einheitlich. Vielfach bildet es dezidiert eine zentrale Grundlage pädagogischer Konzepte, die in und für Gedenkstätten entwickelt werden. Hier steht die Absage an vorgefertigte moralische oder politische Botschaften im Zentrum, die „aus der Geschichte“ gelernt werden könnten. Stattdessen wird vom Konkreten aus – Überresten, Quellen, Lebensgeschichten – nach dessen Kontexten und Interpretationsmöglichkeiten gefragt, um individuelle Aneignungen und Übertragungen zu ermöglichen. Andererseits geschieht dies meist im Horizont eines gewissen Konventionalitätsspektrums an Meinungen, das von beiden Seiten – Gedenkstättenpersonal wie Besuchenden – mitgestaltet wird: Dezidiert rechtsextremistische Äußerungen werden an den historischen Orten eher selten geäußert, Israel-Debatten gehören zum Schwierigsten in der Bildungsarbeit in Gedenkstätten, und angesichts der wachsenden Herkunftsheterogenität vor allem von Jugendlichen stellt die Kontroversität kultureller Werte, historischer Deutungen und politischer Gewichtungen eine Herausforderung dar, zu deren konstruktiver Bewältigung vor Ort oft Raum und Zeit fehlen. Schließlich dienen staatliche Gedenkstätten immer der jeweiligen nationalen Identitätspolitik, die bestimmte Erinnerungsparadigmen zumindest als „Staatsräson“, oft aber als explizite Identifikationsnarrative mit Hilfe dieser Orte zu verankern sucht.

Der Verzicht auf Überwältigung und die Öffnung für Kontroversität soll den Raum zur Erfüllung des (schülerorientierten) Partizipationsideals bieten und die Beteiligung an politischen Gegenwartsfragen ermöglichen. Eine solche Gegenwartsorientierung wird in und für Gedenkstätten häufig gefordert, findet dort aber mindestens so viel Zuspruch wie Widerstand, insbesondere wenn darunter allein tagespolitische Stellungnahmen oder richtungspolitische Äußerungen verstanden werden. Gedenkstättenpädagogische Studien haben eine gewisse Skepsis genährt, ob eine enge Verkopplung von historischer Aufklärung und politischen Gegenwartsfragen überhaupt sinnvoll zu leisten sei – als zu groß erscheinen die Risiken historischer Verkürzungen, kognitiver Überforderungen und unreflektierter Ableitungen.[128] Das trägt auch zu einer immer noch in Deutschland – anders als zum Beispiel in der Gedenkstätte Falstad in Norwegen[129] – verbreiteten Skepsis an Konzepten wie der „Holocaust Education“ oder der „Menschenrechtserziehung“ bei.

Welche Wege zwischen der Nüchternheit eines reflexiven Geschichtsbewusstseins und einer Reizbegeisterung emotionalisierender Erlebnisarrangements zukünftig gegangen werden, ist kaum zu prognostizieren. Die Forderungen nach mehr Anschaulichkeit, Partizipation und Inklusion – nicht zuletzt der verschiedenen Herkunftsgeschichten von Besuchenden – nehmen deutlich zu. Kann die Einführung digitaler Spiele ein Beitrag sein, um einer inneren Auszehrung des ursprünglichen bildungsdynamischen Reformanspruchs der Gedenkstätten der 1980er- und 1990er-Jahre vorzubeugen? Müssen Besuchende dementsprechend stärker als „prosumer“ einbezogen werden, die sich ihre Inhalte selbst schaffen?[130] Um Fragen wie diese zu beantworten, bleibt es wichtig, sich an Überlebenden zu orientieren, die immer wieder – wie Ruth Klüger oder Otto Dov Kulka – auf die unüberbrückbare Distanz zwischen ihren Erfahrungen und jeder Art von Repräsentation an diesen für sie „traumatischen Orten“ hingewiesen haben.[131] Gedenkstätten sind deshalb im Kern als kulturelle Kompensationsleistungen für etwas Geschehenes zu verstehen, das uns an die Grenze unserer Ausdrucksformen oder über sie hinaus bringt. Denn es gibt, wie Jonathan Webber es formuliert hat, „keine Kategorie in unserer Sprache, mit der wir ausdrücken können, was Auschwitz für ein Ort ist“.[132]


Empfohlene Literatur zum Thema

Zitation
Habbo Knoch, Gedenkstätten, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 11.9.2018, URL: http://docupedia.de/zg/Knoch_gedenkstaetten_v1_de_2018?oldid=130243

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  1. Vgl. Stefanie Endlich, Orte des Erinnerns – Mahnmale und Gedenkstätten, in: Peter Reichel/Harald Schmid/Peter Steinbach (Hrsg.), Der Nationalsozialismus – Die zweite Geschichte. Überwindung – Deutung – Erinnerung, München 2009, S. 350-377; Volkhard Knigge, Gedenkstätten und Museen, in: ders./Norbert Frei (Hrsg.), Verbrechen erinnern. Die Auseinandersetzung mit Holocaust und Völkermord, München 2002, S. 378-389; ders., Museum oder Schädelstätte? Gedenkstätten als multiple Institutionen, in: Gedenkstätten und Besucherforschung, hg. v. Stiftung Haus der Geschichte, Bonn 2004, S. 17-33; Verena Haug/Gottfried Kößler, Vom Tatort zur Bildungsstätte. Gedenkstätten und Gedenkstättenpädagogik, in: Sabine Horn/Michael Sauer (Hrsg.), Geschichte und Öffentlichkeit. Orte, Medien, Institutionen, Göttingen 2009, S. 80-88; Peter Reichel, Die Vergangenheit – der unerreichbare Ort, in: Thies Schröder (Hrsg.), Schwierige Orte. Erinnerungslandschaften von sinai, Basel 2013, S. 6-32.
  2. Vgl. zum methodischen Kontext die Docupedia-Beiträge „Erinnerung und Gedächtnis“ (Sabine Moller), „Erinnerungskulturen“ (Christoph Cornelißen), „Geschichtspolitik“ (Stefan Troebst) und „Erinnerungsorte, Lieux de Mémoire“ (Cornelia Siebeck).
  3. Früh visuell dokumentiert in: Jochen Gerz/Francis Lévy, Exit. Das Dachau-Projekt, Frankfurt a.M.1978; Reinhard Matz, Die unsichtbaren Lager. Das Verschwinden der Vergangenheit im Gedenken, Reinbek bei Hamburg 1993.
  4. Vgl. Brigitta Busch, Überschreibungen und Einschreibungen. Die Gedenkstätte als Palimpsest, in: Stefan Berger/Joana Seiffert (Hrsg.), Erinnerungsorte. Chancen, Grenzen und Perspektiven eines Erfolgskonzeptes in den Kulturwissenschaften, Essen 2014, S. 181-198.
  5. Aleida Assmann, Erinnerungsräume. Formen und Wandlungen des kollektiven Gedächtnisses, München 2006, S. 328.
  6. Zit. n. Étienne François, Pierre Nora und die „lieux de mémoire“, in: Pierre Nora (Hrsg.), Erinnerungsorte Frankreichs, München 2005, S. 7-14, hier S. 8. Vgl. Stefan Berger/Joana Seiffert, Erinnerungsorte – ein Erfolgskonzept auf dem Prüfstand, in: dies. (Hrsg.), Erinnerungsorte, S. 11-36. Vgl. den Docupedia-Beitrag „Erinnerungsorte, Lieux de Mémoire“ (Cornelia Siebeck).
  7. Vgl. Harald Schmid, Mehr als „renovierte Überbleibsel alter Schrecken“? Geschichte und Bedeutung der Gedenkstätten zur Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen, in: Katja Köhr u.a. (Hrsg.), Gedenkstätten und Erinnerungskulturen in Schleswig-Holstein. Geschichte, Gegenwart und Zukunft, Berlin 2011, S. 25-53.
  8. Terryl N. Kinder (Hrsg.), Loci Sacri, Leuven 2012; Maoz Azaryahu/Kenneth E. Foote, Historical Space as Narrative Medium. On the Configuration of Spatial Narratives of Time at Historical Sites, in: GeoJournal 73 (2008), S. 179-194; Katharina Schramm, Landscapes of Violence. Memory and Sacred Space, in: History and Memory 23 (2011), S. 5-22.
  9. Assmann, Erinnerungsräume, S. 305.
  10. Nora Sternfeld, Errungene Erinnerungen. Gedenkstätten als Kontaktzonen, in: Berger/Seiffert (Hrsg.), Erinnerungsorte, S. 77-100.
  11. Vgl. Doron Bar, Between the Chamber of the Holocaust and Yad Vashem. Martyrs’ Ashes as a Focus of Sanctity, in: Yad Vashem Studies 38 (2010), S. 195-227.
  12. Pierre Nora, Zwischen Geschichte und Gedächtnis, Berlin 1990, S. 17. Vgl. Pierre Nora (Hrsg.), Les lieux de mémoire, Bde. 1-3, Paris 1984-1992; Étienne François/Hagen Schulze (Hrsg.), Deutsche Erinnerungsorte, Bde. 1-3, München 2001; Berger/Seiffert (Hrsg.), Erinnerungsorte.
  13. Vgl. Jonathan Webber, The Future of Auschwitz. Some Personal Reflections, Oxford 1992; Geneviève Zubrzycki, „Oświęcim“/„Auschwitz“. Archaeology of a Mnemonic Battleground, in: Erica Lehrer/Michael Meng (Hrsg.), Jewish Space in Contemporary Poland, Bloomington 2015, S. 16-45; Peter Reichel, Auschwitz, in: François/Schulze (Hrsg.), Deutsche Erinnerungsorte, Bd. 1, S. 600-621.
  14. Vgl. Oren Baruch Stier, Holocaust Icons. Symbolizing the Shoah in History and Memory, New Brunswick, NJ 2015.
  15. Vgl. Martin Winstone, The Holocaust Sites of Europe. An Historical Guide, London/New York 2010.
  16. Thomas Lutz/Marie Schulze, Gedenkstätten für die Opfer nationalsozialistischer Gewalt in Deutschland, in: GedenkstättenRundbrief Nr. 187 (2017), S. 3-17, online unter https://www.gedenkstaettenforum.de/nc/gedenkstaetten-rundbrief/rundbrief/news/gedenkstaetten_fuer_die_opfer_nationalsozialistischer_gewalt_in_deutschland/. Vgl. Irmgard Zündorf/Stefan Zeppenfeld, Museen und Gedenkstätten, in: Laura Busse u.a. (Hrsg.), Clio Guide. Ein Handbuch zu digitalen Ressourcen für die Geschichtswissenschaften, Berlin 2016, B3, https://guides.clio-online.de/guides/sammlungen/museen-und-gedenkstaetten/2016.
  17. Vgl. William Logan/Keir Reeves (Hrsg.), Places of Pain and Shame. Dealing with „Difficult Heritage“, London/New York 2009.
  18. Paul Williams, Memorial Museums. The Global Rush to Commemorate Atrocities, Oxford/New York 2007.
  19. Vgl. Simon Stow, From Upper Canal to Lower Manhattan. Memorialization and the Politics of Loss, in: Perspectives on Politics 10 (2012), S. 687-700; Jacob S. Eder, Trauer, Patriotismus und Entertainment. Das „National September 11 Memorial & Museum” in New York, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History 13 (2016), S. 158-171, online unter http://www.zeithistorische-forschungen.de/1-2016/id=5339.
  20. Vgl. Kirsten John-Stucke, Die Wewelsburg. Renaissanceschloss – „SS-Schule“ – Erinnerungsort – Ausflugsziel, in: Heinz-Dieter Quack/Albrecht Steinecke (Hrsg.), Dark Tourism. Faszination des Schreckens, Paderborn 2012, S. 179-191; Julia Franke u.a., Ein vielschichtiger Ort gemeinsamen Erinnerns. Zur Neueröffnung des Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst, in: GedenkstättenRundbrief, Nr. 173 (2014), S. 3-15, online unter https://www.gedenkstaettenforum.de/nc/gedenkstaetten-rundbrief/rundbrief/news/ein_vielschichtiger_ort_gemeinsamen_erinnerns_kopie_4/; Andreas Nachama, Die offene Wunde der Bundeshauptstadt. Von der nationalsozialistischen Todeszentrale zum Lernort, in: Peter Birle/Elke Gryglewski/Estela Schindel (Hrsg.), Urbane Erinnerungskulturen im Dialog. Berlin und Buenos Aires, Berlin 2009, S. 115-124; Katie Digan, Places of Memory. The Case of the House of the Wannsee Conference, Basingstoke 2015.
  21. Vgl. Sharon Macdonald, Difficult Heritage. Negotiating the Nazi Past in Nuremberg and Beyond, Oxford/New York 2009; Inge Manka, A (Trans-)National Site of Remembrance. The Former Nazi Party Rally Grounds in Nuremberg, in: German Politics and Society 26 (2008), S. 113-133.
  22. Vgl. Klaus Naumann, Soldatentod in der Republik. Das Ehrenmal der Bundeswehr als Teil der deutschen Gedenkstättenlandschaft, in: Oliver von Wrochem/Peter Koch (Hrsg.), Gedenkstätten des NS-Unrechts und Bundeswehr. Bestandsaufnahme und Perspektiven, Paderborn 2010, S. 71-86; Alexander Schmidt, „Nürnberg“ im Museum. Das Memorium Nürnberger Prozesse, in: GedenkstättenRundbrief, Nr. 162 (2011), S. 30-35, online unter https://www.gedenkstaettenforum.de/nc/gedenkstaetten-rundbrief/rundbrief/news/nuernberg_im_museum_das_memorium_nuernberger_prozesse/; Jan-Holger Kirsch/Irmgard Zündorf (Hrsg.), Das Ehrenmal der Bundeswehr – eine notwendige Debatte, in: Zeitgeschichte-online, September 2007, https://zeitgeschichte-online.de/thema/das-ehrenmal-der-bundeswehr-eine-notwendige-debatte.
  23. Vgl. Karl Lau, Die „Gedächtniskirche Rosow“ als deutsch-polnische Gedenkstätte für Flucht, Vertreibung und Neuanfang, in: Zeitgeschichte regional 15 (2011), S. 87-92.
  24. Vgl. Wiebke Kolbe, Trauer und Tourismus. Reisen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge 1950–2010, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History 14 (2017), S. 68-92, online unter http://www.zeithistorische-forschungen.de/1-2017/id=5451.
  25. Vgl. Anne Bohnenkamp-Renken u.a. (Hrsg.), Häuser der Erinnerung. Zur Geschichte der Personengedenkstätte in Deutschland, Leipzig 2015.
  26. Zit. n. Alexandra Klei, Der erinnerte Ort. Geschichte durch Architektur. Zur baulichen und gestalterischen Repräsentation der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Bielefeld 2011, S. 21f. In diesem Sinne auch: Helmut Scharf, Historische Stätten in Deutschland und Österreich. Schauplätze, Gedenkstätten, Museen zur Geschichte und Politik im 19. und 20. Jahrhundert, Düsseldorf u.a. 1983; Ulrich Steinmetz, Gedenkstätten deutscher Geschichte, Kiel 1985.
  27. Kerstin Klingel, Eichenkranz und Dornenkrone. Kriegerdenkmäler in Hamburg, Hamburg 2006, S. 20-22.
  28. Vgl. Reinhart Koselleck, Kriegerdenkmale als Identitätsstiftungen der Überlebenden, in: Odo Marquard/Karlheinz Stierle (Hrsg.), Identität, München 1979, S. 255-276; ders./Michael Jeismann (Hrsg.), Der politische Totenkult. Kriegerdenkmäler in der Moderne, München 1994.
  29. Vgl. Tobias Arand/Christian Bunnenberg (Hrsg.), Das Schlachtfeld von Woerth. Geschichtsort, Erinnerungsort, Lernort, Münster 2012; Stefan-Ludwig Hoffmann, Sakraler Monumentalismus um 1900. Das Leipziger Völkerschlachtdenkmal, in: Koselleck/Jeismann (Hrsg.), Der politische Totenkult, S. 249-280; Silke Göttsch-Elten, Kriegslandschaften und touristische Eroberungen. Düppel 1864. Zur Konstituierung eines deutschen Erinnerungsortes um 1900, in: Kieler Blätter zur Volkskunde 45 (2013), S. 7-27.
  30. Vgl. Jay Winter, Sites of Memory, Sites of Mourning. The Great War in European Cultural History, Cambridge 1995.
  31. Vgl. Insa Eschebach, Öffentliches Gedenken. Deutsche Erinnerungskulturen seit der Weimarer Republik, Frankfurt a.M. 2005.
  32. Vgl. Tomasz Kranz/Danuta Olesiuk, The Shaping of the Majdanek Historic Landscape and Making it into a Museum, in: Wilfried Wiedemann/Joachim Wolschke-Bulmahn (Hrsg.), Landschaft und Gedächtnis. Bergen-Belsen, Esterwegen, Falstad, Majdanek, München 2011, S. 211-227; Zofia Wóycicka, Arrested Mourning. Memory of the Nazi Camps in Poland, 1944-1950, Frankfurt a.M. 2013.
  33. Vgl. Jonathan Huener, Auschwitz, Poland and the Politics of Commemoration 1945-1979, Athen 2003; Zofia Wóycicka, Zur Internationalität der Gedenkkultur. Die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau im Spannungsfeld zwischen Ost und West 1954-1978, in: Archiv für Sozialgeschichte 45 (2005), S. 269-292; Imke Hansen, „Nie wieder Auschwitz!“. Die Entstehung eines Symbols und der Alltag einer Gedenkstätte 1945-1955, Göttingen 2015.
  34. Vgl. Piotr Maciej Majewski, Der Vernichtung gedenken. Die Schauplätze der ehemaligen Lager Treblinka und Kulmhof/Chelmno, in: Ekaterina Makhotina u.a. (Hrsg.), Krieg im Museum. Präsentationen des Zweiten Weltkriegs in Museen und Gedenkstätten des östlichen Europa, Göttingen 2015, S. 297-312; Sabrina Lausen, Die Gedenkstätte Sobibór im Spannungsfeld zwischen polnischer und europäischer Erinnerungspolitik, in: ebd., S. 313-333.
  35. Vgl. Ulrike Lunow, Gedenkstätte Theresienstadt. Entwicklung von Gedenkritualen und Vermittlungsstandards (1945-1989), in: Makhotina u.a. (Hrsg.), Krieg im Museum, S. 335-359.
  36. Vgl. Willy Perk, Hölle im Moor. Zur Geschichte der Emslandlager 1933-1945, Frankfurt a.M. 1979; Hans Maršálek, Die Geschichte des Konzentrationslagers Mauthausen, Wien 1980; Józef Marszalek, Majdanek. Geschichte und Wirklichkeit des Vernichtungslagers, Reinbek bei Hamburg 1986.
  37. Vgl. Martina Staats, Erste Schritte zur Gestaltung der Gedenkstätte Bergen-Belsen. Der Ort und die Akteure 1945/1946, in: Habbo Knoch/Thomas Rahe (Hrsg.), Bergen-Belsen. Neue Forschungen, Göttingen 2014, S. 338-368.
  38. Vgl. Peter Monteath, The Politics of Memory. Germany and its Concentration Camp Memorials, in: Andrew Bonnell/Gregory Munro/Martin Travers (Hrsg.), Power, Conscience, and Opposition. Essays in German History in Honour of John A. Moses, New York 1996, S. 329-363; Claudia Koonz, Between Memory and Oblivion. Concentration Camps in German Memory, in: John R. Gillis (Hrsg.), Commemorations. The Politics of National Identity, Princeton, N.J. 1994, S. 258-280; Harold Marcuse, The Afterlife of the Camps, in: Jane Caplan/Nikolaus Wachsmann (Hrsg.), Concentration Camps in Nazi Germany. The New Histories, London 2010, S. 186-211.
  39. Vgl. Jon B. Olsen, Tailoring Truth. Politicizing the Past and Negotiating Memory in East Germany, 1945-1990, New York 2015; Petra Haustein, Vereinnahmung durch Erinnerung. Die Geschichte des KZ Sachsenhausen in der Geschichtspropaganda der DDR, in: Ingeborg Siggelkow (Hrsg.), Erinnerungskultur und Gedächtnispolitik, Frankfurt a.M. 2003, S. 95-116; Volkhard Knigge, Antifaschistischer Widerstand und Holocaust. Zur Geschichte der KZ-Gedenkstätten in der DDR, in: Bernhard Moltmann/Doron Kiesel/Cilly Kugelmann (Hrsg.), Erinnerung. Zur Gegenwart des Holocaust in Deutschland-West und Deutschland-Ost, Frankfurt a.M. 1993, S. 67-77.
  40. Vgl. Anna Dora Miethe, Gedenkstätten. Arbeiterbewegung, Antifaschistischer Widerstand, Aufbau des Sozialismus, Leipzig 1974.
  41. Vgl. Harold Marcuse, Der mühevolle Weg zur Gedenkstätte 1945-1968, in: Wolfgang Benz/Angelika Königseder (Hrsg.), Das Konzentrationslager Dachau. Geschichte und Wirkung nationalsozialistischer Repression, Berlin 2008, S. 163-180; Detlef Hoffmann, Dachau, in: ders. (Hrsg.) Das Gedächtnis der Dinge. KZ-Relikte und KZ-Denkmäler 1945-1995, Frankfurt a.M. u.a. 1998, S. 37-91.
  42. Vgl. Volkhard Knigge, Buchenwald, in: Hoffmann (Hrsg.), Gedächtnis der Dinge, S. 93-173.
  43. Vgl. Andreas Ehresmann, Die Krematorien des KZ Neuengamme. Genese, Rezeption und Memorialkultur, in: Janine Doerry u.a. (Hrsg.), NS-Zwangslager in Westdeutschland, Frankreich und den Niederlanden. Geschichte und Erinnerung, Paderborn 2008, S. 193-207; Insa Eschebach, Soil, Ashes, Commemoration. Processes of Sacralization at the Former Ravensbrück Concentration Camp, in: History and Memory 23 (2011), S. 131-158.
  44. Vgl. Katie Young, Auschwitz-Birkenau. The Challenges of Heritage Management Following the Cold War, in: Logan/Reeves (Hrsg.), Places of Pain and Shame, S. 50-67; Jonathan Huener, Antifascist Pilgrimage and Rehabilitation at Auschwitz. The Political Tourism of Aktion Sühnezeichen and Sozialistische Jugend, in: German Studies Review 24 (2001), S. 513-532; Klaus Petzold (Hrsg.), Das hat mich verändert. Gruppenfahrten in die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau und nach Kraków in den Jahren 1979-2010, Leipzig 2012; Wóycicka, Internationalität der Gedenkkultur.
  45. Vgl. Annette Wieviorka, The Era of the Witness, Ithaca/London 2006; Heidemarie Uhl, Vom Pathos des Widerstands zur Aura des Authentischen. Die Entdeckung des Zeitzeugen als Epochenschwelle der Erinnerung, in: Martin Sabrow/Norbert Frei (Hrsg.), Die Geburt des Zeitzeugen nach 1945, Göttingen 2012, S. 224-246; Thorsten Bonacker, Globale Opferschaft. Zum Charisma des Opfers in Transitional-Justice-Prozessen, in: Zeitschrift für internationale Beziehungen 19 (2012), S. 5-36.
  46. Ein KZ in Hamburg – nie gehört! Das vergessene KZ Neuengamme, hg. v. Initiative Dokumentationsstätte Neuengamme, Hamburg 1981; Detlef Garbe (Hrsg.), Die vergessenen KZs? Gedenkstätten für die Opfer des NS-Terrors in der Bundesrepublik, Bornheim-Merten 1983; Bernd Eichmann, Versteinert, verharmlost, vergessen. KZ-Gedenkstätten in der Bundesrepublik Deutschland, Frankfurt a.M. 1985; Gisela Lehrke (Hrsg.), Gedenkstätten für Opfer des Nationalsozialismus. Historisch-politische Bildung an Orten des Widerstands und der Verfolgung, Frankfurt a.M. 1988; Wulff E. Brebeck u.a., Zur Arbeit in Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Ein internationaler Überblick, Berlin 1988.
  47. Vgl. Etta Grotrian, Kontroversen um die Deutungshoheit. Museumsdebatte, Historikerstreit und „neue Geschichtsbewegung“ in der Bundesrepublik der 1980er Jahre, in: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte 61 (2009), S. 372-389; Jacob S. Eder, Holocaust Angst. The Federal Republic of Germany and Holocaust Memory in the United States since the 1970s, Oxford 2016.
  48. Ulrike Puvogel, Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bonn 1988.
  49. Vgl. Christoph Cornelißen, Was heißt Erinnerungskultur? Begriff – Methoden – Perspektiven, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 54 (2003), S. 548-563.
  50. Exemplarisch: Corinna Tomberger, Symbolpolitische Orte und geschichtspolitische Akteurinnen. Die Doppelrolle der Gedenkstätten im Streit um das Gedenken an verfolgte Homosexuelle, in: KZ-Gedenkstätte Neuengamme (Hrsg.), Gedenkstätten und Geschichtspolitik (Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland, Bd. 16), Bremen 2015, S. 100-109; Thomas Rahe, Das Gedenken an die homosexuellen Verfolgten an Orten ehemaliger Konzentrationslager in Deutschland. Genese, Voraussetzungen und Kontexte, in: Insa Eschebach (Hrsg.), Homophobie und Devianz. Weibliche und männliche Homosexualität im Nationalsozialismus, Berlin 2012, S. 139-148; Susanne C. Knittel, Remembering Euthanasia. Grafeneck as Heterotopia, in: dies., The Historical Uncanny. Disability, Ethnicity, and the Politics of Holocaust Memory, New York 2015, S. 33-71; Nadine Blumer, Disentangling the Hierarchy of Victimhood. Commemorating Sinti and Roma and Jews in Germany’s National Narrative, in: Anton Weiss-Wendt (Hrsg.), The Nazi Genocide of the Roma, New York 2013, S. 205-228.
  51. Detlef Garbe, Gedenkstätten in der Bundesrepublik. Eine geschichtspolitische Erfolgsgeschichte mit Gegenwind, in: KZ-Gedenkstätte Neuengamme (Hrsg.), Gedenkstätten und Geschichtspolitik, S. 75-89.
  52. Vgl. Karen E. Till, The New Berlin. Memory, Politics, Place, Minneapolis 2005, bes. S. 63-106, 121-153.
  53. Carola S. Rudnick, Die andere Hälfte der Erinnerung. Die DDR in der deutschen Geschichtspolitik nach 1989, Bielefeld 2011; Norbert Haase/Bert Pampel (Hrsg.), Doppelte Last, doppelte Herausforderung. Gedenkstättenarbeit und Diktaturenvergleich an Orten mit doppelter Vergangenheit, Frankfurt a.M. 1998; Caroline Pearce, Der Umgang mit der „doppelten“ Vergangenheit in deutschen Gedenkstätten seit 1990, in: KZ-Gedenkstätte Neuengamme (Hrsg.), Gedenkstätten und Geschichtspolitik, S. 62-74.
  54. Vgl. Volkhard Knigge, Die Umgestaltung der DDR-Gedenkstätten nach 1990. Ein Erfahrungsbericht am Beispiel Buchenwalds, in: Hans-Joachim Veen (Hrsg.), Zwischenbilanzen. Thüringen und seine Nachbarn nach 20 Jahren, Wien 2012, S. 35-51; David Clarke/Ute Wölfel (Hrsg.), Remembering the German Democratic Republic. Divided Memory in a United Germany, Basingstoke/New York 2011; Nick Hodgin/Caroline Pearce (Hrsg.), The GDR Remembered. Representations of the East German State since 1989, New York 2011.
  55. Exemplarisch in Sachsen: Carola S. Rudnick, Wenn Häftlinge und Historiker streiten. Konflikte um sächsische Gedenkstätten, in: Wolfgang Benz (Hrsg.), Ein Kampf um Deutungshoheit. Politik, Opferinteressen und historische Forschung. Die Auseinandersetzungen um die Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam, Berlin 2013, S. 197-218.
  56. Vgl. Hans-Georg Stavginski, Das Holocaust-Denkmal. Der Streit um das „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ in Berlin (1988-1999), Paderborn 2002; Jan-Holger Kirsch, Nationaler Mythos oder historische Trauer? Der Streit um ein zentrales „Holocaust-Mahnmal“ für die Berliner Republik, Köln/Weimar 2003, online unter http://dx.doi.org/10.14765/zzf.dok.1.1.v1; Holger Thünemann, Holocaust-Rezeption und Geschichtskultur. Zentrale Holocaust-Denkmäler in der Kontroverse. Ein deutsch-österreichischer Vergleich, Idstein 2005; Karen E. Till, Aestheticizing the Rupture. Berlin’s Holocaust Memorial, in: dies., The New Berlin, S. 161-188.
  57. Petra Haustein, Geschichte im Dissens. Die Auseinandersetzungen um die Gedenkstätte Sachsenhausen nach dem Ende der DDR, Leipzig 2006; Volkhard Knigge, Gedenkorte mit doppelter Vergangenheit, in: Martin Sabrow (Hrsg.), Der Streit um die Erinnerung, Leipzig 2008, S. 59-76; Hasko Zimmer/Julia Volmer/Katja Flesser (Hrsg.), Der Buchenwald-Konflikt. Zum Streit um Geschichte und Erinnerung im Kontext der deutschen Vereinigung, Münster 1999; Günter Morsch, „Roll back“ oder Abwicklung, Antifaschismus oder Antitotalitarismus, Ästhetisierung oder Musealisierung. Die ostdeutschen KZ-Gedenkstätten nach der „Wende“ 1989, in: Michael Grüttner/Rüdiger Hachtmann/Heinz-Gerhard Haupt (Hrsg.), Geschichte und Emanzipation. Festschrift für Reinhard Rürup, Frankfurt a.M./New York 1999, S. 625-650.
  58. Arbeitsgemeinschaft der KZ-Gedenkstätten in Deutschland, KZ-Gedenkstätten in der Bundesrepublik Deutschland. Selbstverständnis, Leitlinien und Organisationsprofil, in: GedenkstättenRundbrief Nr. 80 (1997), S. 18-20, sowie die Diskussion von Werner Boldt und Habbo Knoch mit Thomas Lutz zum Thema, Zur Diskussion, in: Gedenkstätten Forum, 15.08.1998, online unter https://www.gedenkstaettenforum.de/nc/aktuelles/einzelansicht/news/zur_diskussion/.
  59. Vgl. Siegfried Vergin, Wende durch die „Wende“. Der lange kurze Weg zur Gedenkstättenkonzeption des Bunds, in: GedenkstättenRundbrief Nr. 100 (2001), S. 91-100, online unter https://www.gedenkstaettenforum.de/nc/gedenkstaetten-rundbrief/rundbrief/news/wende_durch_die_wende/; Erik Meyer, Die Gedenkstättenkonzeption des Bundes als Instrument geschichtspolitischer Steuerung, in: Jahrbuch für Kulturpolitik 9 (2009), S. 101-108; Gerd Wiegel, Geschichtspolitischer Putschversuch. Die Entwicklung zum neuen Gedenkstättenkonzept des Bundes, in: Jan Korte (Hrsg.), Sichtbare Zeichen. Die neue deutsche Geschichtspolitik. Von der Tätergeschichte zur Opfererinnerung, Köln 2009, S. 30-48.
  60. Konzeption der künftigen Gedenkstättenförderung des Bundes, BT-Drucksache 14/1569, 27.07.1999, S. 3-6, online unter BT-Drucksache.
  61. Anne Kaminsky, Gedenkstätten für die Opfer des Stalinismus als „Stiefkinder“ der deutschen Erinnerungskultur?, in: Bernd Faulenbach/Franz-Josef Jelich (Hrsg.), „Asymmetrisch verflochtene Parallelgeschichte?“. Die Geschichte der Bundesrepublik und der DDR in Ausstellungen, Museen und Gedenkstätten, Essen 2005, S. 93-110.
  62. Vgl. Anne Kaminsky (Hrsg.), Orte des Erinnerns. Gedenkzeichen, Gedenkstätten und Museen zur Diktatur in SBZ und DDR, Bonn ²2007.
  63. Vgl. Hope M. Harrison, Die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße als ein Ort des Erinnerns 1989-2011, in: Jahrbuch für Historische Kommunismusforschung 19 (2011), S. 281-297; Marcel Thomas, Coming to Terms with the Stasi. History and Memory in the Bautzen Memorial, in: European Review of History 20 (2013), S. 697-716; Sara Jones, At Home with the „Stasi“. „Gedenkstätte Hohenschönhausen“ as Historic House, in: Clarke (Hrsg.), Remembering the German Democratic Republic, S. 211-222; Sascha Möbius, Zwischen Zweckbau und Angstraum. Die historischen Bauten der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn und ihre Wirkung auf die Besucherinnen und Besucher der Gedenkstätte, in: Justus H. Ulbricht (Hrsg.), Schwierige Orte. Regionale Erinnerung, Gedenkstätten, Museen, Halle 2013, S. 171-189.
  64. Vgl. Daniel Levy/Natan Sznaider, Erinnerung im globalen Zeitalter: Der Holocaust, Frankfurt a.M. 2001; Jens Kroh, Transnationale Erinnerung. Der Holocaust im Fokus geschichtspolitischer Initiativen, Frankfurt a.M. 2008; Jan Eckel/Claudia Moisel (Hrsg.), Universalisierung des Holocaust? Erinnerungskultur und Geschichtspolitik in internationaler Perspektive, Göttingen 2008.
  65. Piotr M.A. Cywiński, Auschwitz – „pars pro toto“, in: Bogusław Dybaś u.a. (Hrsg.), Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus in Polen und Österreich. Bestandsaufnahme und Entwicklungsperspektiven, Frankfurt a.M. 2013, S. 187-198.
  66. Vgl. Noah Shenker, Centralizing Holocaust Testimony. The United States Holocaust Memorial Museum, in: ders., Reframing Holocaust Testimony, Blooomington 2015, S. 56-111; Anja Kurths, Shoahgedenken im israelischen Alltag. Der Umgang mit der Shoah in Israel seit 1948 am Beispiel der Gedenkstätten Beit Lohamei HaGetaot, Yad Vashem und Beit Terezin, Berlin 2008; Dorit Harel (Hrsg.), Facts and Feelings. Dilemmas in Designing the Yad Vashem Holocaust History Museum, Jerusalem 2011.
  67. Vgl. Arnd Bauerkämper, Das umstrittene Gedächtnis. Die Erinnerung an Nationalsozialismus, Faschismus und Krieg in Europa seit 1945, Paderborn 2012; Claus Leggewie, Der Kampf um die europäische Erinnerung. Ein Schlachtfeld wird besichtigt, München 2011; Ljiljana Radonic, Postsozialistische Gedenkmuseen zwischen nationalen Opfernarrativen und der „Europäisierung der Erinnerung“, in: Jahrbuch für Politik und Geschichte 5 (2014), S. 85-106.
  68. Vgl. Ljiljana Radonic, Krieg um die Erinnerung. Kroatische Vergangenheitspolitik zwischen Revisionismus und europäischen Standards, Frankfurt a.M. 2010; Regina Fritz, Gespaltene Erinnerung. Museale Darstellungen des Holocaust in Ungarn, in: dies./Carola Sachse/Edgar Wolfrum (Hrsg.), Nationen und ihre Selbstbilder. Postdiktatorische Gesellschaften in Europa, Göttingen 2008, S. 129-149.
  69. Vgl. Andrés Estefane, Materiality and Politics in Chile’s Museum of Memory and Human Rights, in: Thresholds 41 (2013), S. 158-171.
  70. Vgl. Francisco Ferrándiz/Antonius C. G. M. Robben, Necropolitics. Mass Graves and Exhumations in the Age of Human Rights, Philadelphia 2015; François-Xavier Nérard, The Great Secret. Sites of Mass Killings in Stalinist Russia, in: Philip G. Dwyer/Lyndall Ryan (Hrsg.), Theatres of Violence. Massacre, Mass Killing and Atrocity throughout History, New York 2012, S. 186-198; Killing Sites. Research and Remembrance, hg. v. International Holocaust Remembrance Alliance, Berlin 2015.
  71. Jay Winter, Die Generation der Erinnerung. Reflexionen über den „Memory-Boom“ in der zeithistorischen Forschung, in: WerkstattGeschichte 30 (2001), S. 5-16.
  72. Siehe http://www.stolpersteine.eu. Vgl. NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln (Hrsg.), Stolpersteine. Gunter Demnig und sein Projekt, Köln 2007; Matthew Cook/Micheline van Riemsdijk, Agents of Memorialization. Gunter Demnig’s Stolpersteine and the individual (re-)creation of a Holocaust landscape in Berlin, in: Journal of Historical Geography 43 (2014), S. 138-147.
  73. Vgl. Erika Doss, Spontaneous Memorials and Contemporary Modes of Mourning in America, in: Material Religion 2 (2006), S. 294-319; dies., The Emotional Life of Contemporary Public Memorials. Towards a Theory of Temporary Memorials, Amsterdam 2008; Peter Jan Margry/Cristina Sánchez-Carretero (Hrsg.), Grassroots Memorials. The Politics of Memorializing Traumatic Death, New York 2011.
  74. Vgl. Paul Williams, Witnessing Genocide. Vigilance and Remembrance at Tuol Sleng and Choeung Ek, in: Holocaust and Genocide Studies 18 (2004), S. 234-254; Marita Sturken, Pilgrimages, Reenactment, and Souvenirs. Modes of Memory Tourism, in: Marianne Hirsch/Nancy K. Miller (Hrsg.), Rites of Return. Diaspora Poetics and the Politics of Memory, New York 2011, S. 280-294; Heinz-Dieter Quack/Albrecht Steinecke (Hrsg.), Dark Tourism. Faszination des Schreckens, Paderborn 2012; James Tyner/Savina Sirik/Samuel Henkin, Violence and the Dialectics of Landscape. Memorialization in Cambodia, in: Geographical Review 104 (2014), S. 277-293; Elena Lesley, Death on Display. Bones and bodies in Cambodia and Rwanda, in: Ferrándiz/Robben (Hrsg.), Necropolitics, S. 213-239.
  75. Adolf Rieth, Den Opfern der Gewalt. To the Victims of Tyranny. KZ-Opfermale der europäischen Völker. Monuments to Concentration Camp Victims Conceived by the Peoples of Europe, Tübingen 1968; Miethe, Gedenkstätten; Erich Fein, Die Steine reden. Gedenkstätten des österreichischen Freiheitskampfes. Mahnmal für die Opfer des Faschismus. Eine Dokumentation, hg. v. d. Arbeitsgemeinschaft der KZ-Verbände und Widerstandskämpfer Österreichs, Wien 1975.
  76. Adolf Diamant, Jüdische Friedhöfe in Deutschland. Eine Bestandsaufnahme, Frankfurt a.M. 1982; Heimatgeschichtliche Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, hg. v. Studienkreis zur Erforschung und Vermittlung der Geschichte des Widerstandes 1933-1945/Präsidium der VVN-Bund d. Antifaschisten, 3 Bde., Köln 1984; Robert Hess, Gedenkstättenführer Rheinland-Pfalz 1933-45, Mainz 1987; Gottfried Abrath, Jüdische Gedenkstätten im Rheinland. Dokumentation über Reste jüdischer Kultur und heutiges Gedenken, in: Monatshefte für evangelische Kirchengeschichte des Rheinlandes 37/38 (1988/89), S. 621-649.
  77. Vgl. Ulrike Puvogel, Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bonn 1988.
  78. Wolfgang Benz/Barbara Distel, Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, 9 Bde., München 2005-2009; Encyclopedia of Camps and Ghettos 1933-1945, Bd. 1, hg. v. USHMM, Bloomington 2009.
  79. Vgl. Martin Pollak, Kontaminierte Landschaften, St. Pölten 2014. Exemplarisch: Martin Schönfeld, Von der Abwesenheit der Opfer zu einer späten Erinnerung. Denkmale für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Berlin, in: Zwangsarbeit in Berlin 1938-1945, hg. v. Arbeitskreis Berliner Regionalmuseen, Berlin 2003, S. 281-309.
  80. Siehe https://www.gedenkstaetten-uebersicht.de/ (kartografische Übersicht von „Holocaust Memorials“ weltweit der Stiftung Topographie des Terrors); https://www.memorialmuseums.net/ (Gedenkstättenportal zu Orten der Erinnerung in Europa von der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas); https://www.gedenkorte-europa.eu/ (Projekt des „Studienkreises Deutscher Widerstand“ vor allem zu West- und Südeuropa); https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Gedenkstätten_für_die_Opfer_des_Nationalsozialismus (Nachweise für 44 Länder) (Stand: September 2018).
  81. Vgl. Ulrich Borsdorf/Heinrich Theodor Grütter (Hrsg.), Orte der Erinnerung. Denkmal, Gedenkstätte, Museum, Frankfurt a.M. 1999; Burkhard Asmuss/Hans-Martin Hinz (Hrsg.), Historische Stätten aus der Zeit des Nationalsozialismus. Orte des Erinnerns, des Gedenkens und der kulturellen Weiterbildung? Zum Umgang mit Gedenkorten von nationaler Bedeutung in der Bundesrepublik Deutschland, Frankfurt a.M. 1999.
  82. Vgl. Dirk Rupnow/Heidemarie Uhl (Hrsg.), Zeitgeschichte ausstellen in Österreich. Museen, Gedenkstätten, Ausstellungen, Wien 2011; Andreas Ehresmann/Philipp Neumann/Alexander Prenninger (Hrsg.), Die Erinnerung an die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Akteure, Inhalte, Strategien, Berlin 2011; Wiedemann/Wolschke-Bulmahn (Hrsg.), Landschaft und Gedächtnis; Dybaś u.a. (Hrsg.), Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus; Gabriele Hammermann/Dirk Riedel (Hrsg.), Sanierung, Rekonstruktion, Neugestaltung. Zum Umgang mit historischen Bauten in Gedenkstätten, Göttingen 2014; Makhotina u.a. (Hrsg.), Krieg im Museum; Daniela Allmeier u.a. (Hrsg.), Erinnerungsorte in Bewegung. Zur Neugestaltung des Gedenkens an Orten nationalsozialistischer Verbrechen, Bielefeld 2016; Logan/Reeves (Hrsg.), Places of Pain and Shame; Jörg Ganzenmüller/Raphael Utz (Hrsg.), Orte der Shoah in Polen. Gedenkstätten zwischen Mahnmal und Museum, Köln u.a. 2016.
  83. Vgl. Sybil Milton, In Fitting Memory. The Art and Politics of Holocaust Memorials, Detroit 1991; James E. Young, The Texture of Memory. Holocaust Memorials and Meaning, New Haven/London 1993; ders. (Hrsg.), The Art of Memory. Holocaust Memorials in History, München/New York 1994; Hoffmann (Hrsg.), Gedächtnis der Dinge.
  84. Vgl. Knigge, Buchenwald; Günter Morsch (Hrsg.), Von der Erinnerung zum Monument. Die Entstehungsgeschichte der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen, Berlin 1996; Insa Eschebach/Sigrid Jacobeit/Susanne Lanwerd (Hrsg.), Die Sprache des Gedenkens. Zur Geschichte der Gedenkstätte Ravensbrück 1945-1995, Berlin 1999.
  85. Vgl. Stefanie Endlich, Sachzeugnis der Geschichte. Der historische Ort und die Gestaltung der Gedenkstätte, in: Wolfgang Benz (Hrsg.), Das Konzentrationslager Dachau. Geschichte und Wirkung nationalsozialistischer Repression, Berlin 2008, S. 409-422; Ute Wrocklage, Neuengamme, in: Hoffmann (Hrsg.), Gedächtnis der Dinge, S. 175-205; Detlef Garbe, Neuengamme. Vom Konzentrationslager zur KZ-Gedenkstätte, in: GedenkstättenRundbrief, Nr. 129 (2006), S. 12-25, online unter https://www.gedenkstaettenforum.de/nc/gedenkstaetten-rundbrief/rundbrief/browse/9/news/neuengamme-1/2006/02/?tx_ttnews%5Border%5D=author&tx_ttnews%5Bdir%5D=desc&tx_ttnews%5Blimit%5D=100&tx_ttnews%5BbackPid%5D=7; Jörg Skriebeleit, Flossenbürg – älteste Gedenkstätte Bayerns, in: Spuren des Nationalsozialismus. Gedenkstättenarbeit in Bayern, hg. v. Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München 2000, S. 130-149; Wilfried Wiedemann/Joachim Wolschke-Bulmahn, Bergen-Belsen. Zur Entwicklung der Gedenkstätten-Landschaft, in: dies. (Hrsg.), Landschaft und Gedächtnis, S. 75-93.
  86. Vgl. Geländerundgang „Topographie des Terrors”. Geschichte des historischen Orts, hg. v. d. Stiftung Topographie des Terrors, Berlin 2010; Bergen-Belsen. Historischer Ort und Gedenkstätte, hg. v. d. Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Celle 2010; was bleibt. Nachwirkungen des Konzentrationslagers Flossenbürg. Katalog zur Dauerausstellung, hg. v. d. KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, Göttingen 2011.
  87. Harold Marcuse, Legacies of Dachau. The Uses and Abuses of a Concentration Camp, 1933-2001, Cambridge 2001.
  88. Vgl. Jörg Skriebeleit, Erinnerungsort Flossenbürg. Akteure, Zäsuren, Geschichtsbilder, Göttingen 2009; Klei, Der erinnerte Ort.
  89. Vgl. Peter Reichel, Politik mit der Erinnerung. Gedächtnisorte im Streit um die nationalsozialistische Vergangenheit, München 1995; Ries Roowaan, Herdenken in Duitsland. De centrale monumenten van de Bondsrepubliek, 1949-1993, Amsterdam 1999.
  90. Vgl. Isabelle Engelhardt, A Topography of Memory. Representations of the Holocaust at Dachau and Buchenwald in Comparison with Auschwitz, Yad Vashem and Washington D.C., Bruxelles 2002; Matthias Haß, Gestaltetes Gedenken. Yad Vashem, das U.S. Holocaust Memorial Museum und die Stiftung Topographie des Terrors, Frankfurt a.M. 2002; Katrin Pieper, Die Musealisierung des Holocaust. Das Jüdische Museum Berlin und das U.S. Holocaust Memorial Museum in Washington, D.C. Ein Vergleich, Köln 2006.
  91. Vgl. Habbo Knoch, Spurensuche. NS-Gedenkstätten als Orte der Zeitgeschichte, in: Frank Bösch/Constantin Goschler (Hrsg.), Public History. Öffentliche Darstellungen des Nationalsozialismus jenseits der Geschichtswissenschaft, Frankfurt a.M. 2009, S. 190-218; Fabian Schwanzar, Gedenkstätten im Wandel? Erinnerungsakteurinnen und -akteure und staatliche Geschichtspolitik in den 1980er-Jahren, in: KZ-Gedenkstätte Neuengamme (Hrsg.), Gedenkstätten und Geschichtspolitik, S. 42- 52; Heidi Behrens/Paul Ciupke/Norbert Reichling, „... und im Nachhinein ist man überrascht, wie viele Leute sich das auf die Fahnen schreiben und sagen, ich habe es gemacht“. Akteursperspektiven auf die Etablierung und Arbeit von Gedenkstätten in Nordrhein-Westfalen, in: GedenkstättenRundbrief, Nr. 171 (2013), S. 3-18, online unter https://www.gedenkstaettenforum.de/nc/gedenkstaetten-rundbrief/rundbrief/news/und_im_nachhinein_ist_man_ueberrascht_wie_viele_leute_sich_das_auf_die_fahnen_schreiben_und_s/; Michael Sturm, „Eine immerwährende Auseinandersetzung“. Erinnerungskultur und ihre Akteure seit den 1980er-Jahren, in: Clemens Heinrichs (Hrsg.), Eine – keine – reine Stadtgesellschaft. Oberhausen im Nationalsozialismus 1933 bis 1945, Oberhausen 2012, S. 347-363.
  92. Vgl. Janine Doerry/Thomas Kubetzky/Katja Seybold (Hrsg.), Das soziale Gedächtnis und die Gemeinschaften der Überlebenden. Bergen-Belsen in vergleichender Perspektive, Göttingen 2013; Philipp Neumann-Thein, Parteidisziplin und Eigenwilligkeit. Das Internationale Komitee Buchenwald-Dora und Kommandos, Göttingen 2014; Heinz Koch/Udo Wohlfeld, Das deutsche Buchenwaldkomitee. Die Periode von 1945 bis 1958, Weimar ²2010.
  93. Vgl. Elke Gryglewski u.a. (Hrsg.), Gedenkstättenpädagogik. Kontext, Theorie und Praxis der Bildungsarbeit zu NS-Verbrechen, Berlin 2015; Verena Haug, Am „authentischen“ Ort. Paradoxien der Gedenkstättenpädagogik, Berlin 2015; Andreas Körber, Zeitgemäßes schulisches Geschichts-Lernen in Gedenkstätten, in: Oliver von Wrochem (Hrsg.), Das KZ Neuengamme und seine Außenlager. Geschichte, Nachgeschichte, Erinnerung, Bildung, Berlin 2010, S. 392-413; Matthias Heyl, Gedenkstättenpädagogik. Herausforderungen ortsgebundener Vermittlung, in: Meike Sophia Baader/Tatjana Freytag (Hrsg.), Erinnerungskulturen. Eine pädagogische und bildungspolitische Herausforderung, Köln 2015, S. 143-155; Bünyamin Werker, Gedenkstättenpädagogik im Zeitalter der Globalisierung. Forschung, Konzepte, Angebote, Münster/New York 2016.
  94. Vgl. Thomas Lutz, Besucherforschung in Gedenkstätten. Bilanz und Perspektiven, in: Gedenkstätten und Besucherforschung, S. 167-178; Bert Pampel, „Mit eigenen Augen sehen, wozu der Mensch fähig ist“. Zur Wirkung von Gedenkstätten auf ihre Besucher, Frankfurt a.M. 2007; ders. (Hrsg.), Erschrecken – Mitgefühl – Distanz. Empirische Befunde über Schülerinnen und Schüler in Gedenkstätten und zeitgeschichtlichen Ausstellungen, Leipzig 2011; Aleida Assmann/Juliane Brauer, Bilder, Gefühle, Erwartungen. Über die emotionale Dimension von Gedenkstätten und den Umgang von Jugendlichen mit dem Holocaust, in: Geschichte und Gesellschaft 37 (2011), S. 72-103.
  95. Vgl. Thomas Lutz, Zwischen Vermittlungsanspruch und emotionaler Wahrnehmung. Die Gestaltung neuer Dauerausstellungen in Gedenkstätten für NS-Opfer in Deutschland und deren Bildungsanspruch, Berlin 2009; Cornelia Geissler, Individuum und Masse. Zur Vermittlung des Holocaust in deutschen Gedenkstättenausstellungen, Bielefeld 2015.
  96. Vgl. Amy Sodaro, Exhibiting Atrocity. Memorial Museums and the Politics of Past Violence, New Brunswick/Camden 2018; Jessica Rapson, Topographies of Suffering. Buchenwald, Babi Yar, Lidice, New York/Oxford 2015.
  97. Vgl. Norbert Frei, Abschied von der Zeitgenossenschaft. Der Nationalsozialismus und sein Weg in die Geschichte, in: WerkstattGeschichte H. 20 (1998), S. 69-83, online unter https://zeithistorische-forschungen.de/reprint/id%3D3920.
  98. Steffi de Jong, The Witness as Object. Video Testimony in Memorial Museums, New York 2018; dies., Im Spiegel der Geschichten. Objekte und Zeitzeugenvideos in Museen des Holocaust und des Zweiten Weltkrieges, in: WerkstattGeschichte 62 (2013), S. 19-41.
  99. Vgl. Geoffrey Hartman, Zeugnis und Authentizität, in: Matías Martínez (Hrsg.), Der Holocaust und die Künste. Medialität und Authentizität von Holocaust-Darstellungen in Literatur, Film, Video, Malerei, Denkmälern und Musik, Bielefeld 2004, S. 99-119.
  100. Vgl. Wulff E. Brebeck, Die bewusste Musealisierung der Gedenkstätten als Zukunftsaufgabe. Ein Blick zurück, in: GedenkstättenRundbrief, Nr. 100 (2001), S. 62-68, online unter https://www.gedenkstaettenforum.de/nc/gedenkstaetten-rundbrief/rundbrief/news/die_bewusste_musealisierung_der_gedenkstaetten_als_zukunftsaufgabe/.
  101. Vgl. Stephanie Shosh Rotem, Constructing Memory. Architectural Narratives of Holocaust Museums, Bern 2013; Paul Jones, Architecture and Commemoration. The Construction of Memorialization, in: ders., The Sociology of Architecture. Constructing Identities, Liverpool 2011, S. 92-114.
  102. Vgl. Silke Arnold-de Simine, Mediating Memory in the Museum. Trauma, Empathy, Nostalgia, Basingstoke 2013.
  103. Internationale Gedenkstätten-Charta, abgedruckt in: GedenkstättenRundbrief, Nr. 169 (3/2013) S. 3-5, online unter https://www.gedenkstaettenforum.de/nc/gedenkstaetten-rundbrief/rundbrief/browse/3/news/internationale_gedenkstaetten_charta_verabschiedet/2013/03/?tx_ttnews%5Blimit%5D=50&tx_ttnews%5BbackPid%5D=7.
  104. Cornelia Siebeck, „The universal is an empty place“. Nachdenken über die (Un-)Möglichkeit demokratischer KZ-Gedenkstätten, in: Imke Hansen/Enrico Heitzer/Katarzyna Nowak (Hrsg.), Ereignis & Gedächtnis. Neue Perspektiven auf die Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Berlin 2014, S. 217-253; dies., „... und das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung“. Postnationalsozialistische Identitäts- und Gedenkstättendiskurse in der Bundesrepublik vor und nach 1990, in: KZ-Gedenkstätte Neuengamme (Hrsg.), Gedenkstätten und Geschichtspolitik, S. 29-41; Detlef Garbe, Von den „vergessenen KZs“ zu den „staatstragenden Gedenkstätten“?, in: GedenkstättenRundbrief, Nr. 100 (2001), S. 75-82, online unter https://www.gedenkstaettenforum.de/nc/gedenkstaetten-rundbrief/rundbrief/news/von_den_vergessenen_kzs_zu_den_staatstragenden_gedenkstaetten/.
  105. Günther Morsch, „... eine umfassende Neubewertung der Europäischen Geschichte“? Entwicklungen, Tendenzen und Probleme einer Erinnerungskultur in Europa, in: GedenkstättenRundbrief, Nr. 157 (2010), S. 3-14, online unter https://www.gedenkstaettenforum.de/nc/gedenkstaetten-rundbrief/rundbrief/news/eine_umfassende_neubewertung_der_europaeischen_geschichte/.
  106. Henry Rousso, Das Dilemma eines europäischen Gedächtnisses, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History 1 (2004), S. 363-378, online unter https://zeithistorische-forschungen.de/3-2004/id=4663; Małgorzata Pakier/Bo Stråth (Hrsg.), A European Memory? Contested Histories and Politics of Remembrance, New York 2010; Harald Schmid, Europäisierung des Auschwitzgedenkens? Zum Aufstieg des 27. Januar 1945 als „Holocaustgedenktag“ in Europa, in: Eckel/Moisel (Hrsg.), Universalisierung des Holocaust, S. 174-202; Thomas Lutz, Der 23. August. Thesen zur Installierung eines europäischen Gedenktags für alle Opfer von Diktaturen und Totalitarismen, in: Forschungen zum Nationalsozialismus und dessen Nachwirkungen in Österreich. Festschrift für Brigitte Bailer, hg. v. Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes, Wien 2012, S. 384-396, online unter https://www.doew.at/cms/download/avbr8/bb_lutz.pdf.
  107. Vgl. Günter Morsch, Geschichte als Waffe. Erinnerungskultur in Europa und die Aufgabe der Gedenkstätten, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 5 (2010), S. 109-122.
  108. Vgl. Cornelia Siebeck, „Im Raume lesen wir die Zeit?“. Zum komplexen Verhältnis von Geschichte, Ort und Gedächtnis (nicht nur) in KZ-Gedenkstätten, in: Alexandra Klei (Hrsg.), Die Transformation der Lager. Annäherung an die Orte nationalsozialistischer Verbrechen, Bielefeld 2011, S. 69-97; dies., Verräumlichtes Gedächtnis. Gedenkstätten an historischen Orten. „Topolatrie“ oder „Orte von Belang“?, in: Ulbricht (Hrsg.), Schwierige Orte, S. 25-42.
  109. Vgl. de Jong, Witness as Object; dies., Im Spiegel der Geschichten.
  110. Vgl. Ulrike Jureit/Christian Schneider, Gefühlte Opfer. Illusionen der Vergangenheitsbewältigung, Stuttgart 2010; Harald Welzer/Dana Giesecke, Das Menschenmögliche. Zur Renovierung der deutschen Erinnerungskultur, Hamburg 2012.
  111. Vgl. Gad Yair, Neutrality, Objectivity, and Dissociation. Cultural Trauma and Educational Messages in German Holocaust Memorial Sites and Documentation Centers, in: Holocaust and Genocide Studies 28 (2014), S. 482-509.
  112. Vgl. Michael Meng, Shattered Spaces. Encountering Jewish Ruins in Postwar Germany and Poland, Boston 2011.
  113. Vgl. Detlef Hoffmann, „Authentische Orte“. Zur Konjunktur eines problematischen Begriffs in der Gedenkstättenarbeit, in: GedenkstättenRundbrief, Nr. 110 (2002), S. 3-17, online unter https://www.gedenkstaettenforum.de/nc/gedenkstaetten-rundbrief/rundbrief/news/authentische_orte/; Heidemarie Uhl, Orte und Lebenszeugnisse. „Authentizität“ als Schlüsselkonzept in der Vermittlung der NS-Verfolgungs- und Vernichtungspolitik, in: Michael Rössner/dies. (Hrsg.), Renaissance der Authentizität? Über die neue Sehnsucht nach dem Ursprünglichen, Bielefeld 2012, S. 257-284; Verena Haug, Erlebniserwartung und Erwartungsproduktion. Zur kommunikativen Herstellung des „authentischen Ortes“ in gedenkstättenpädagogischen Veranstaltungen, in: KZ-Gedenkstätte Neuengamme (Hrsg.), Gedenkstätten und Geschichtspolitik, S. 90-99; Christian Mehr, „Dingsda, Schornsteine, das sagt alles, was es ist.“ Über die Bedeutung baulicher Überreste in Gedenkstätten als außerschulischen Erfahrungsorten, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 67 (2016), S. 323-336.
  114. Vgl. Matthias Heyl, Mit Überwältigendem überwältigen? Emotionen in KZ-Gedenkstätten, in: Juliane Brauer/Martin Lücke (Hrsg.), Emotionen, Geschichte und historisches Lernen. Geschichtsdidaktische und geschichtskulturelle Perspektiven, Göttingen 2013, S. 239-259; Yvonne Kalinna, Auf Spurensuche vor Ort?! Objekte, Dinge, Überreste in der Gedenkstättenarbeit, in: Ulbricht (Hrsg.), Schwierige Orte, S. 43-61.
  115. Vgl. Detlef Garbe, Gedenkstätten. Orte der Erinnerung und die zunehmende Distanz zum Nationalsozialismus, in: Hanno Loewy (Hrsg.), Holocaust: Die Grenzen des Verstehens. Eine Debatte über die Besetzung der Geschichte, Reinbek b. Hamburg 1993, S. 260-284, hier S. 270, 281.
  116. Vgl. Rob van der Laarse, Fatal Attraction. Nazi Landscapes, Modernism, and Holocaust Memory, in: Jan Kolen (Hrsg.), Landscape Biographies. Geographical, Historical and Archaeological Perspectives on Production and Transmission of Landscapes, Amsterdam 2015, S. 345-376.
  117. Vgl. Insa Eschebach/Andreas Ehresmann, „Zeitschaften“. Zum Umgang mit baulichen Relikten ehemaliger Konzentrationslager, in: Petra Fank (Hrsg.), Der Nationalsozialismus im Spiegel des öffentlichen Gedächtnisses. Formen der Aufarbeitung und des Gedenkens, Berlin 2005, S. 111-120; Hammermann/Riedel (Hrsg.), Sanierung, Rekonstruktion, Neugestaltung; Habbo Knoch, „Ferienlager“ und „gefoltertes Leben“. Periphere Räume in ehemaligen Konzentrationslagern, in: ebd., S. 32-49; A. W. Faust, Schwierige Orte. Erinnerungslandschaften von sinai, in: Allmeier u.a. (Hrsg.), Erinnerungsorte in Bewegung, S. 55-76; Bertrand Perz, „Selbst die Sonne schien damals ganz anders ...“. Der Stellenwert der Überreste des Lagers für die Gestaltung der KZ-Gedenkstätte Mauthausen im historischen Rückblick, in: ebd., S. 37-54.
  118. Klei, Der erinnerte Ort; Ronald Hirte, Offene Befunde. Ausgrabungen in Buchenwald, Buchenwald 1999; Isaac Gilead/Yoram Haimi/Wojciech Mazurek (Hrsg.), Excavating Nazi Extermination Centres, Témoigner, Nr. 114 (2012), S. 88-110; Claudia Theune, Archäologie an Tatorten des 20. Jahrhunderts, Darmstadt 2014; Caroline Sturdy Colls, Holocaust Archaeology. Archaeological Approaches to Landscapes of Nazi Genocide and Persecution, in: Journal of Conflict Archaeology 7 (2012), S. 70-104; dies., Holocaust Archaeologies. Approaches and Future Directions, Heidelberg 2014; Reinhard Bernbeck, Materielle Spuren des nationalsozialistischen Terrors. Zu einer Archäologie der Zeitgeschichte, Bielefeld 2017.
  119. Insa Eschebach, Brachen. Historische Areale im Umfeld der Gedenkstätte Ravensbrück, in: Hammermann/Riedel (Hrsg.), Sanierung, Rekonstruktion, Neugestaltung, S. 96-117.
  120. Andreas Ehresmann, Rekonstruktion oder Sanierung des Bestandes? Der Umgang mit historischen Gebäuden des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Sandbostel, in: Hammermann/Riedel (Hrsg.), Sanierung, Rekonstruktion, Neugestaltung, S. 134-150.
  121. Vgl. http://www.belsen-project.specs-lab.com.
  122. Volkhard Knigge, Zur Zukunft der Erinnerung, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 2010, Nr. 25/26, S. 10-16, online unter http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/geschichte-und-erinnerung/39870/zukunft-der-erinnerung?p=all.
  123. Axel Doßmann, Gedenkstättenarbeit zwischen historischer Aufklärung und humanitärem Anspruch. Ein Gespräch mit Volkhard Knigge, WerkstattGeschichte 16 (1997), S. 79-88, hier S. 83.
  124. Vgl. Benedikt Widmaier/Peter Zorn (Hrsg.), Brauchen wir den Beutelsbacher Konsens? Eine Debatte der politischen Bildung, Bonn 2016; Siegfried Frech/Dagmar Richter (Hrsg.), Der Beutelsbacher Konsens. Bedeutung, Wirkung, Kontroversen, Schwalbach/Ts. 2017.
  125. Vgl. Sina Speit und Jochen Voit, „Willkommen im Designer-Knast!“. Die Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße in Erfurt als Erinnerungsort neuer Prägung, in: Zeitgeschichte-online, Oktober 2017, https://zeitgeschichte-online.de/interview/willkommen-im-designer-knast.
  126. Vgl. Wolfgang Benz, Die DDR als Museumsobjekt, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 59 (2011), S. 995-1007.
  127. Vgl. Steffi de Jong, Museum der Geschichte der polnischen Juden in Warschau POLIN Dauerausstellung. Ausstellungsbesprechung, in: WerkstattGeschichte, H. 69 (2015), S. 83-88.  
  128. Vgl. Gottfried Kößler/Barbara Thimm/Susanne Ulrich, Produktive Verunsicherung, in: GedenkstättenRundbrief Nr. 153 (2011), S. 3-8, online unter https://www.gedenkstaettenforum.de/nc/gedenkstaetten-rundbrief/rundbrief/browse/5/news/produktive_verunsicherung/2010/02/?tx_ttnews%5Blimit%5D=50&tx_ttnews%5BbackPid%5D=7.
  129. Vgl. Leiv Sem, Black Holes of Memory: Defining a Norwegian Museum of Human Rights, in: Annette B. Fromm/Viv Golding/Per B. Rekdal (Hrsg.), Museums and Truth, Newcastle 2014, S. 101-124.
  130. Vgl. Wulf Kansteiner, Virtuelle Welten und erfundene Gemeinschaften. Geschichte und Geschichtsbewusstsein im Zeitalter interaktiver Medien, in: Erik Meyer (Hrsg.), Erinnerungskultur 2.0. Kommemorative Kommunikation in digitalen Medien, Frankfurt a.M. 2009, S. 29-54; ders., Genocide Memory, Digital Cultures, and the Aesthetization of Violence, in: Memory Studies 7 (2014), S. 404-408.
  131. Otto Dov Kulka, Landschaften der Metropole des Todes. Auschwitz und die Grenzen der Erinnerung und der Vorstellungskraft, München 2013; Dennis Bock, „Erinnerung ist keine gemütliche, badewasserlaue Annehmlichkeit“. Ruth Klügers Kritik an KZ-Gedenkstätten und -Museen, in: Hansen/Heitzer/Nowak (Hrsg.), Ereignis & Gedächtnis, S. 176-216.
  132. Webber, Future of Auschwitz, zit. n. Assmann, Erinnerungsräume, S. 329.